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Deutsche Zeitschrift für Wirtschafts- und Insolvenzrecht

Editor-in-Chief: Schmidt, Michael

Ed. by Bichlmeier, Wilhelm / Fischer, Reinfrid / Funke, Rainer / Horn, Norbert / Oetker, Hartmut / Riedemann, Susanne / Roth, Jan / Smid, Stefan / Schultze, Thilo / Schütze, Rolf A. / Westermann, Harm Peter

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ISSN
1612-7056
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Volume 16, Issue 8

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EuGH, Urteil vom 2.5.2006 – Rs. C-341/04, Zuständigkeit bei europäisch-grenzüberschreitenden Insolvenzen (Besprechung Stefan Smid)

Dr. jur. Stefan Smid
Published Online: 2006-08-10 | DOI: https://doi.org/10.1515/dwir.2006.16.8.329

Abstract

EG Art. 68, 234; EuInsVO Art. 3, 16, 26

Urteil vom 2.5.2006 – Rs. C-341/04 – Eurofood IFSC Ltd

1. Wenn Schuldner eine Tochtergesellschaft ist, deren satzungsmäßiger Sitz in einem anderen Mitgliedstaat liegt als der der Muttergesellschaft, kann die in Art. 3 Abs. 1 Satz 2 der Verordnung (EG) Nr. 1346/2000 des Rates vom 29.5.2000 über Insolvenzverfahren aufgestellte Vermutung, wonach diese Tochtergesellschaft den Mittelpunkt ihrer hauptsächlichen Interessen in dem Mitgliedstaat hat, in dem sich ihr satzungsmäßiger Sitz befindet, nur widerlegt werden, sofern objektive und für Dritte feststellbare Elemente belegen, dass in Wirklichkeit die Lage nicht derjenigen entspricht, die die Verortung am genannten satzungsmäßigen Sitz widerspiegeln soll. Dies könnte insbesondere bei einer Gesellschaft der Fall sein, die im Gebiet des Mitgliedstaats, in dem sich ihr satzungsmäßiger Sitz befindet, keiner Tätigkeit nachgeht. Wenn jedoch eine Gesellschaft ihrer Tätigkeit im Gebiet des Mitgliedstaats, in dem sich ihr satzungsmäßiger Sitz befindet, nachgeht, so reicht die Tatsache, dass ihre wirtschaftlichen Entscheidungen von einer Muttergesellschaft mit Sitz in einem anderen Mitgliedstaat kontrolliert werden oder kontrolliert werden können, nicht aus, um die mit der Verordnung aufgestellte Vermutung zu entkräften.

2. Art. 16 Abs. 1 Unterabs. 1 der Verordnung Nr. 1346/2000 ist dahin auszulegen, dass das von einem Gericht eines Mitgliedstaats eröffnete Hauptinsolvenzverfahren von den Gerichten der übrigen Mitgliedstaaten anzuerkennen ist, ohne dass diese die Zuständigkeit des Gerichts des Eröffnungsstaats überprüfen können.

3. Art. 16 Abs. 1 Unterabs. 1 der Verordnung Nr. 1346/2000 ist dahin auszulegen, dass die von einem Gericht eines Mitgliedstaats auf einen entsprechenden, auf die Insolvenz des Schuldners gestützten Antrag auf Eröffnung eines in Anhang A der Verordnung genannten Verfahrens hin ergangene Entscheidung eine Eröffnung eines Insolvenzverfahrens im Sinne dieser Vorschrift darstellt, wenn sie den Vermögensbeschlag gegen den Schuldner zur Folge hat und durch sie ein in Anhang C der Verordnung genannter Verwalter bestellt wird. Ein solcher Vermögensbeschlag bedeutet, dass der Schuldner die Befugnisse zur Verwaltung seines Vermögens verliert.

4. Art. 26 der Verordnung Nr. 1346/2000 ist dahin auszulegen, dass ein Mitgliedstaat einem in einem anderen Mitgliedstaat eröffneten Insolvenzverfahren die Anerkennung versagen kann, wenn die Eröffnungsentscheidung unter offensichtlichem Verstoß gegen das Grundrecht auf rechtliches Gehör einer von einem solchen Verfahren betroffenen Person ergangen ist.

About the article

Published Online: 2006-08-10

Published in Print: 2006-07-26


Citation Information: Deutsche Zeitschrift für Wirtschafts- und Insolvenzrecht, Volume 16, Issue 8, Pages 329–334, ISSN (Online) 1612-7056, ISSN (Print) 1439-1589, DOI: https://doi.org/10.1515/dwir.2006.16.8.329.

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