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Information - Wissenschaft & Praxis

Ed. by Reibel-Felten, Margarita


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1619-4292
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Sagt ein Bild mehr als tausend Worte?

Daten erzählen Bilder-Geschichten – 5. DGI-Praxistage 2015

Elgin Helen Jakisch
Published Online: 2016-02-05 | DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2016-0015

12. November 2015, der erste Tag der 5. DGI-Praxistage stand im Zeichen der praktischen Visualisierung von Informationen und der Diskussion um die damit verbundenen Herausforderungen.

Mit drei Workshops „Sketch your notes“, „Thesauri mit Luxid Webstudio erstellen“ und „Informationsvisualisierung leicht gemacht mit Tableau“ starteten die DGI-Praxistage. Ziel war es, interessierten Teilnehmern vor dem gewohnten Diskussionsabend am Kamin die Gelegenheit zu geben, selbst praktische Erfahrungen mit Informationsvisualisierung zu sammeln.

Unsere Profession arbeitet üblicherweise textlastig. Sich Bildern auf eine ganz intuitive Art und Weise zu nähern, ermöglichte der erste Workshop mit Michael Geiß (Grafikdesigner, CEPRO GmbH). Sketchnotes oder auch Graphical Recordings, üblicherweise konventionell erstellt mit Papier und Stift, können helfen, Protokolle und Mitschriften von Gehörtem mit kleinen Bildern, Pfeilen, Kreisen, Quadraten, Strichmännchen und farbigen Umrandungen anzureichern. Sketchnotes sind keine „Kunst“, sondern drücken Ideen aus, so Geiß. Die Verbindung von Wort und Bild kann dabei eine Vertiefung des Gehörten ermöglichen. Der Referent ermutigte die acht Teilnehmer, sich an den Bildern zu orientieren, die man sich selbst im Kopf macht. Dabei muss man kein Zeichentalent sein, sondern einfach nur Spaß und Mut mitbringen, sich mit Stift und Phantasie auszudrücken. Jeder Sketchnoter entwickelt seine eigene Handschrift. Die Teilnehmer übten mit viel Spaß an der Sache den praktischen Umgang mit Stift und Papier, das blinde Zeichnen des Gegenübers, Techniken für die Darstellung von Strichmännchen und konnten zum Abschluss anhand eines Vortragsvideos bereits ihre eigenen ersten Sketchnotes erstellen. Dabei zeigte sich, dass jeder Teilnehmer etwas anderes zu Papier gebracht hatte. Drei der Teilnehmer protokollierten noch am gleichen Abend nach der neuen Methode das später folgende Kamingespräch.

„Sketch your notes“ – Ergebnisse vom Workshop mit Michael Geiß (Foto: Elgin Jakisch).
Abbildung 1:

„Sketch your notes“ – Ergebnisse vom Workshop mit Michael Geiß (Foto: Elgin Jakisch).

Nicht jeder Infoprofi arbeitet aktiv an der Erstellung eines Thesaurus mit, trotzdem kennt er die Strukturen und Vorteile sehr genau. Stefan Geißler von Temis führte die acht Teilnehmer in die Welt der automatisiert gestützten, inhaltlichen Erschließung ein. Das Luxid Webstudio kann aus mehrsprachigen, unstrukturierten, großen Datenmengen Begriffe und Synonyme vorschlagen und den Indexer unterstützen, diese in einen vorhandenen Thesaurus einzubinden. Mögliche Anwendungsbereiche sind Auswertungen aus publizierten Texten. Die Teilnehmer konnten sich in die Testumgebung einer Anwendung einloggen. Das Tool ist relativ intuitiv zu benutzen und kann helfen, Taxonomien für den Arbeitsalltag zu erstellen. Dennoch sollte man nicht erwarten, so Geißler, dass man einfach eine Million Daten in das Webstudio lädt und einen fertigen Thesaurus erhält. Immer noch ist für diese Arbeit das Fachwissen und die intellektuelle Entscheidung des manuellen Indexers notwendig, sonst bekommt man am Ende nur einen „Begriffssalat“ und keine Fachterminologie.

Im dritten Workshop zeigte Florian Ramseger von Tableau seinen 16 Teilnehmern Schritt für Schritt, wie eine mit digitalen Daten gestützte Visualisierung selbst erstellt werden kann. Basis für seinen Workshop bildete das Tool Tableau Public Desktop, das von den Teilnehmern mit einer Excel-Tabelle vom UNHCR mit den neuesten Daten über Flüchtlingszahlen und Herkunftsländern gefüttert wurde. Das Tool versteht Excel-Tabellen und schlägt für die Visualisierung sinnvolle Auswertungen vor. Die Teilnehmer lernten, aus den zur Verfügung stehenden Grafiktools Balkendiagramme mit Vergleichszahlen zu bilden und die Herkunftsländer auf einer Weltkarte zu visualisieren. Doch hat man es nicht mit Zauberei zu tun. Der Anwender muss schon eine genaue Vorstellung davon mitbringen, was er mit den Daten darstellen will. Denn nicht jedes Diagramm eignet sich für jede Darstellung – und nicht jede Darstellung an sich ist sinnvoll. Essentiell ist aber in jedem Fall eine gute Datengrundlage.

Am gleichen Abend startete dann das Kamingespräch – ein gewohnt intimer und diesmal auch wieder diskussionsintensiver Austausch zwischen Panelisten und Zuhörern als Auftakt zur eigentlichen Tagung. Elka Sloan, von der Gesellschaft für Wissensmanagement (GfWM), moderierte. Sie führte mit ihrer langjährigen Erfahrung als InfoProfi in Unternehmen das Panel kompetent durch die Frage: Sagt ein Bild wirklich mehr als 1000 Worte? Erleben wir einen Hype um Infografiken oder wollen wir uns einfach nicht die Mühe machen, längere Texte zu lesen? Sicher, Bilder zu erstellen und zu verstehen ist mehr als eine alte Kulturtechnik. Das Bild als Kommunikationsmedium erzählte Geschichten schon lange bevor es die Schrift gab. Es spricht uns unmittelbarer an als ein Text. Heute sind unendlich viele Daten verfügbar – brauchen wir da wieder Bilder für eine bessere Übersicht?

Die Diskussionsteilnehmer vom Kamingespräch (v. l.): Prof. Jörn Kohlhammer, Florian Ramseger, Elka Sloan, Guido Schenk, Thomas Stöckle, Prof. Bernhard Thull (Foto: Barbara Reißland).
Abbildung 2:

Die Diskussionsteilnehmer vom Kamingespräch (v. l.): Prof. Jörn Kohlhammer, Florian Ramseger, Elka Sloan, Guido Schenk, Thomas Stöckle, Prof. Bernhard Thull (Foto: Barbara Reißland).

Prof. Kohlhammer vom Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung, Darmstadt, betonte, dass in seinen Projekten zur visuellen Auswertung von Patientendaten Zusammenhänge zwischen den Patientengruppen von den Ärzten und sogar von den Patienten besser verstanden werden können. Er wies aber darauf hin, dass gerade in datenintensiven Umgebungen vorab eine genaue Planung mit den Anwendern vonnöten sei, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen, „sonst bleibt es beim bloßen Informationsdesign“, so Kohlhammer. Seiner Meinung nach ist vieles noch in der Entwicklungsphase. Daher könne er für seinen Bereich noch nicht von einem Hype sprechen. Das bestätigte auch Florian Ramseger von Tableau. Für eine sinnvolle visuelle Analyse ist immer noch viel Fachwissen und Kooperation mit dem Kunden für die Entwicklung geeigneter Analysemethoden und Darstellungsformen notwendig.

Guido Schenk von Dow Jones berichtete von den Erfahrungen aus dem Pressebereich. Hier ist der Bedarf an Infografiken zur Unterstützung des Zeitgeschehens sehr nachgefragt. Er erinnerte daran, dass das Suchen und Finden von Informationen und Zusammenhängen ein ganz altes Thema ist und die Visualisierung gleichermaßen als unterstützende „Krücke“ und als Hilfe zum besseren Verständnis benutzt werden kann. Heute hat man mehr technische Möglichkeiten, zwei Millionen Blog Posts pro Tag auszuwerten. Analysen in Social Media nehmen zu. Hier sind unendliche Meinungen, Tendenzen, Trends vorhanden, die sich täglich vermehren. Textanalysen sind da möglicherweise langwieriger als gute grafische Analysen.

Thomas Stöckle von LexisNexis gab zu bedenken, dass der Geschäftswert der intellektuellen Analyse anhand zu vieler Bilder auch verloren gehen kann. Vielleicht haben wir es auch mit einer Überbewertung von Grafiken zu tun und sehen nicht, „welchen Aufwand es bedarf, sie zu erstellen“, so Stöckle. Aufgaben und Daten müssten für die Analysetools verständlich sein, Grafiker müssten eingebunden werden, die Darstellung muss ansprechend sein. Das kostet viel Zeit und Geld. Visualisierungen sind teuer in der Entwicklung. Wo gibt es schon die Tools, die bei wenig Zeit heutzutage alles in fünf Minuten liefern? Ein schneller Blick auf ein Bild, die Erfassung der Information in Sekunden sagt nichts über den Aufwand, diesen Effekt zu erzielen.

Prof. Thull von der Hochschule Darmstadt fragte, ob es wirklich Aufgabe der Infoprofis sei zu visualisieren. Auch wenn entsprechende Kurse an Hochschulen angeboten werden, so vermutete er eher einen Hype als einen Trend. Das Referenzmodell der Visualisierung, das Datengrundlage und Findung der Darstellungsmethode beschreibt, gibt es schon seit den 1990er Jahren. Er forderte mehr Statistik in der Lehre, um Abhilfe zu schaffen.

Daten nehmen zwar exponentiell zu, trotzdem weiß der Mensch deshalb nicht mehr als früher, da waren sich alle Panelisten einig. Die Interaktion mit dem Kunden ist auf jeden Fall essentiell für die Entwicklung geeigneter Methoden. Während einer regen Diskussion mit den Gästen entwickelten sich sechs Kernfragen bzw. -thesen der Informationsvisualisierung:

  • 1.

    Was will man mit den Daten darstellen?

  • 2.

    Wo kommen die Daten her?

  • 3.

    Ist der Nutzer/Auftraggeber geduldig genug, um auf eine gute Analyse zu warten?

  • 4.

    Wie gut ist die Informationsqualität der Daten?

  • 5.

    Kann man komplexe Informationen überhaupt einfach darstellen?

  • 6.

    Welchen Zweck erfüllt die Visualisierung am Ende?

Man sollte nicht schließen ohne anzumerken, dass Informationsvermittlung nicht mit Marketing verwechselt werden darf. Schöne Bilder können auch manipulieren. Wenn Bilder „nice to have“ sind, müssen sie auf soliden Daten gründen. Nur dann können sie eine Ergänzung zu den konventionellen Informationsanalysen abgeben.

Weitere Informationen

Programm der Veranstaltung und Pressemeldung auf dem DGI-Blog vom 15.11.2015: http://dgi-info.de, die Diskussionen unter @DGIInfo oder #DGIPraxis sowie ausgewählte Beiträge in dieser und in der nächsten Ausgabe der IWP.

Deskriptoren: Tagung, Visualisierung, Informationsvermittlung

Elgin Helen Jakisch ist Dipl. Bibliothekarin und Dipl. Dokumentarin und hat von 1992 bis 1998 in Berlin an der FU und in Potsdam an der FH studiert. Sie hat eine über 15-jährige Berufserfahrung in wissenschaftlichen Spezialbibliotheken, der Mediendokumentation und in der Pharmaindustrie. Sie ist in Berlin für die U&B Interim-Services tätig und arbeitet freiberuflich für verschiedene Projekte in den Bereichen Bibliothek und Information. Im Oktober 2014 hat sie ein Buch zum Thema „Unternehmensbibliotheken – Digitale Services“ publiziert. Seit Mitte der 1990er Jahre ist sie Mitglied in der DGI, seit 2014 auch Mitglied im Vorstand und arbeitet seit fünf Jahren aktiv im Programmkomitee der DGI-Praxistage mit.

About the article

Published Online: 2016-02-05

Published in Print: 2016-02-01


Citation Information: Information - Wissenschaft & Praxis, Volume 67, Issue 1, Pages 32–34, ISSN (Online) 1619-4292, ISSN (Print) 1434-4653, DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2016-0015.

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