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Information - Wissenschaft & Praxis

Ed. by Reibel-Felten, Margarita


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1619-4292
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Zurück in die Zukunft? Die etwas andere Sichtweise auf die APE-Konferenz 2017

Anne-Katharina WeilenmannORCID iD: http://orcid.org/0000-0002-4950-9866 / Dr. Luzian Weisel
Published Online: 2017-05-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2017-0036

Alljährlich findet im Januar in Berlin die Konferenz „Academic Publishing in Europe − APE“ statt. Initiator und Organisator der Konferenz ist Arnoud De Kemp, der diese Veranstaltung vor über 200 Gästen eröffnete und stets professionell sowie mit der nötigen Prise Humor begleitete.1 Die APE gibt mit ihrer 12. Ausgabe wie gewohnt den Standard vor, an dem sich weitere thematisch ähnlich ausgerichtete Konferenzen im Jahreslauf messen lassen müssen. Sie ist zu Jahresbeginn DIE internationale Plattform für Vertreterinnen und Vertreter von Verlagen, innovativen Dienstleistern, Startups, Bibliotheken und Fachgesellschaften sowie der Wissenschaftsadministration, um über aktuelle Entwicklungen in der Branche zu diskutieren, bevorstehende Trends und Hypes aufzuspüren, und zwischendurch auch brisante Neuigkeiten auszutauschen.

Arnoud de Kemp eröffnet die APE 2017 (Bild: L. Weisel).
Abbildung 1

Arnoud de Kemp eröffnet die APE 2017 (Bild: L. Weisel).

Zahlreich anwesend waren wie immer ausländische Teilnehmerinnen und Teilnehmer, besonders aus UK sowie den USA. Dagegen wenig vertreten fanden sich Produzenten und Konsumenten von Wissen: betroffene Wissenschaftler, Young Professionals oder Studierende, die den Entwicklungen im Publikationsprozess „ausgeliefert“ sind oder diesen mit kritischen Kommentaren begleiten könnten.

„Publishing Ethics: Doing the Right Thing − Doing Things Right“ ist ein gewichtiges Konferenz-Motto. Doch was heißt „richtig“? Können „Dinge“ denn überhaupt in einem durch steten Um- und Aufbruch geprägten Umfeld „richtig“ getan werden, wenn die Diskussion um Digitale Transformation und disruptive Technologien den Alltag bestimmt? In Einzelvorträgen und Podiumsveranstaltungen wurde rege diskutiert, Startups stellten ihre Projekte und Ideen vor. Die Inhalte und Diskussionen der APE 2017 bewegten sich auch in diesem Jahr um die üblichen, manchmal fast inflationär behandelten Themen wie Peer Reviewing und Open Access.

„So far, the academia seems to have embraced OAP as a panacea for all the evils of commercial academic publishing, but a serious consideration regarding the way in which OAP is going to change academic mechanics, especially in the domain of academic careers, promotion and reputation, still seems to be necessary and so far, not fully achieved.“2 Diese kritische Aussage stellt die Frage, was Open Access für die Wissenschaftscommunity bewirken kann, welche Vor- (und Nach-)teile damit verbunden sind. Wo stehen wir heute? Nach 15 Jahren Open Access-Bewegung,3 die das Anpreisen der Marke „Open Access“ in den Mittelpunkt stellt(e), nach funktionierenden Geschäftsmodellen sucht(e), das Errichten technischer Infrastrukturen vorantrieb und sich durch ein gewisses Maß an Experimentierfreude auszeichnet(e), scheint nun eine neue Open Access-Ära angebrochen zu sein. Dieses vielversprechende Zeitalter beginnt 2015 mit der Veröffentlichung des White Papers der Max-Planck-Gesellschaft4 und wird nun an der Konferenz mit einer weiteren Aktion fortgesetzt, sozusagen als „Zweite Berliner Erklärung, 2017“.5

Verlage suchen sich neue Aufgaben, mit Angeboten für die Weiterbildung von Autoren im Publizieren und für Forscher zur Förderung guter wissenschaftlicher Praxis. Es wurden aber auch Themen wie Text Mining angesprochen. Dagegen blieb der wissenschaftliche Artikel in Inhalt und Form in den einzelnen Vorträgen und Darstellungen unangetastet. Unter den Vortragenden regte insbesondere K. Bazargan mit seiner Präsentation „A new Model for faster Communication of Research“6 zum Nach- und Weiterdenken an: Er ermunterte das Auditorium, herkömmliche und manchmal schon fast ausgetretene Pfade zu verlassen, neue Wege zu suchen, andere Sichten auf die Mechanismen des Publizierens zu entwickeln. Als Kernpunkt formulierte er „direct and granular assessment of research by peers“.7 Gerade dieses Zerlegen und Offenlegen des gesamten Prozesses in einzelne (Kleinst-)Schritte, löste wohl ein leichtes Unbehagen bei den Zuhörern aus.

Neben den intensiven Gesprächen in den Pausen und am Festabend wurden auch konkret Geschäfte angebahnt, getätigt und verkündet. So hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit dem Verlag Taylor & Francis einen Konsortialvertrag bis 2019 geschlossen, der die zentrale Kostenübernahme von OpenAccess-Publikationsgebühren für Veröffentlichungen in Zeitschriften übernimmt, wenn der „Corresponding Author“ Wissenschaftler der MPG ist.8 Books on Demand (BoD) und Sven Fund, Managing Director der fullstopp GmbH, starten mit „Publiqation“ ein Selfpublishing-Angebot, mit dem sich wissenschaftliche Institutionen „eigenverlegerisch auf den Weg machen können“.9

Als beliebte Veranstaltungsform hat sich die Session „new Dotcoms to watch“ etabliert, die noch unbekannten Startups eine Plattform bietet, ihre innovativen Ideen kurz und knapp vorzustellen. Mit griffigen Namen wie Paperhive,10 TrendMD,11 Trelliscience12 oder Kolabtree13 zeigten die jungen Unternehmen eine umfassende Produktpalette mit aktuellen Errungenschaften aus der Branche. Letztlich handelt es sich dabei um neuartige Kollaborationsplattformen; solche Tools und Dienstleistungen gibt es mittlerweile jedoch mannigfach. Wo bleibt das Alleinstellungsmerkmal dieser Angebote, welchen Mehrwert können diese erzeugen?

Interessant wäre es, den Fokus auf Unternehmen bzw. Initiativen zu richten, die sich mit einer „alternativen“ Präsentation von Inhalten befassen, wie z. B. Brevy (Zusammenfassungen wissenschaftlicher Artikel),14 TinyToCS (Tiny Transactions on Computer Science – Computerwissenschaft in 140 Zeichen)15 oder als Visualisierung mittels Cartoon Abstracts.16

Dieser Tagungsbericht stellt eine recht selektive Auswahl von Beiträgen vor. „Too much stuff in too less time to digest“, dieser Kommentar eines anonymen Zuhörers traf das Programm der APE 2017 ganz gut. Die nachträgliche Beschäftigung mit den Themen ist über die Homepage der APE 201717 möglich. Hier können die Referentenliste sowie die Abstracts der Beiträge eingesehen werden. Während der Hauptveranstaltung sowie der Vorkonferenz für den Verlagsnachwuchs entwickelte sich via Twitter unter dem Hashtag #ape2017 eine ansehnliche und kritisch gestimmte „Kommentarblase“. Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und sind als Video-Mitschnitt verfügbar.18

Die (wissenschaftliche) Verlagsbranche setzt mit innovativen Angeboten und Modellen neue Impulse. Doch das klassische Verhältnis Autor/Verlag/Bibliothek weist seit einigen Jahren Risse auf, die zunehmend größer werden.19 Ob diese im Zuge der Open Access-Bewegung entstandene Kluft sich wieder schließen oder noch vergrößern wird, muss die Zukunft zeigen. Zeitgleich zur Tagung verkündete übrigens Theresia May den Brexit. Mit dem Antritt von Präsident Trump werden Fake News salonfähig und die Zukunft von Wissenschaft und Forschung unsicher. Was dies für die Verlagslandschaft bedeutet, könnte Thema für die nächsten APE-Konferenz sein.

Deskriptoren: Tagung, Verlag, Autor, Wissenschaftler, Forschung, Finanzierung, APE 2017

Footnotes

About the article

Published Online: 2017-05-06

Published in Print: 2017-05-04


Citation Information: Information - Wissenschaft & Praxis, Volume 68, Issue 2-3, Pages 189–191, ISSN (Online) 1619-4292, ISSN (Print) 1434-4653, DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2017-0036.

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