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Information - Wissenschaft & Praxis

Ed. by Reibel-Felten, Margarita


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ISSN
1619-4292
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Buchbesprechung

Published Online: 2017-05-06 | DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2017-0041

Reviewed publication

Müller-Spitzer Carolin Klosa Annette Internetlexikografie – Ein Kompendium 2016 De Gruyter Berlin 978-3050064239 99,95 €

Internetlexikografie – Ein Kompendium Annette Klosa und Carolin Müller-Spitzer (Hrsg.). – Berlin: De Gruyter, 2016. 347 Seiten, ISBN 978-3050064239, 99,95 Euro.

SiegelMelanie Hochschule DarmstadtDarmstadtGermany

Die Forschung in einem DFG-Netzwerkprojekt aus den Jahren 2011 bis 2013 zum Thema „Internetlexikografie“ bildet die Grundlage für das Kompendium. Im Netzwerk (www.internetlexikografie.de) diskutierten in insgesamt sechs Arbeitstreffen Lexikografinnen und Lexikografen über Grundlagen und Perspektiven elektronischer Wörterbücher. Eine zentrale Frage, die die Arbeit im Netzwerk und auch das Buch begleitet, steht in der Einleitung, S. XVIII: „Weit weniger klar ist aber, ob die Wörterbücher, wie wir sie heute kennen, noch lange so bestehen werden oder ob sie mehr und mehr in intelligente Lese- und Schreibumgebungen und andere digitale Tools eingebunden werden“.

Die Autorinnen und Autoren sind langjährig in lexikografischen internetbasierten Projekten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland tätig und haben sowohl praktische als auch wissenschaftliche Erfahrung mit dem Thema. Das Kompendium ist eher praktisch ausgerichtet und richtet sich an Einsteiger in die lexikografische Arbeit. Jedes Kapitel enthält aber ausführliche Hinweise zu weiterführender Literatur und ermöglicht dem Leser damit, sich auch mit den wissenschaftlichen Aspekten weiter auseinanderzusetzen.

Die Kapitel behandeln aufeinander aufbauende Aspekte der lexikografischen Arbeit. So geht es im ersten Kapitel um die technischen Hintergründe. Es werden Begriffe wie URL, http, HTML, CSS und JavaScript erklärt, es geht um Versionierung und Persistenz von Daten. Der Themenkomplex ist allerdings so umfangreich, dass die meisten Aspekte hier nur angerissen werden können. Wer schon Erfahrung mit Web-Technologien hat, wird hier nichts Neues lernen, und wer keine Erfahrung hat, für den werden die Erklärungen zu oberflächlich sein. Daher kann dieses Kapitel nur einen ersten Vorgeschmack auf die technischen Grundlagen geben und der interessierte Leser wird mit der weiterführenden Literatur arbeiten.

Im zweiten Kapitel geht es um eine Typologie von Internet-Wörterbüchern. Während die Klassifikation bei gedruckten Wörterbüchern noch einfach war, basiert diese im Fall von Internet-Wörterbüchern auf anderen (neuen) Klassen, wie z. B. der Frage, ob sie mit oder ohne Nutzerbeteiligung aufgebaut worden sind.

Auch der lexikografische Prozess hat sich in den letzten 30 Jahren erheblich gewandelt, wie die Autorinnen im dritten Kapitel darstellen. So spielen Datenextraktionsverfahren auf elektronischen Textkorpora eine große Rolle im lexikografischen Prozess.

Kapitel vier zum Thema Datenmodellierung hat wieder die technologische Basis zum Thema, kann aber durch eine stärkere Fokussierung als im ersten Kapitel tiefer eindringen.

Die Vernetzung der Einträge untereinander in einem Wörterbuch und die Vernetzung zwischen unterschiedlichen Wörterbüchern sind Themen von Kapitel fünf. Hier geht es meist um semantische Vernetzungen in Wortnetzen, wie Synonym-Relationen, aber auch z. B. um Vernetzung zwischen Lexem, Audio und Video. Auch dieser Aspekt ist erst mit internet-basierten Wörterbüchern in Erscheinung getreten.

Kapitel sechs behandelt die automatische Gewinnung lexikografischer Angaben und erklärt die Rolle, die Textkorpora haben. Mithilfe sprachtechnologischer Methoden lassen sich z. B. statistische Informationen über den Sprachgebrauch im Vergleich zur orthografischen Norm extrahieren. Auch das häufige gemeinsame Auftreten von Wörtern, sogenannte Kookkurrenzen, kann aus einem ausreichend großen Textkorpus extrahiert werden und wichtige Information für das Wörterbuch liefern.

Nutzerbeteiligung bei der Erstellung von Wörterbüchern gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert, stellen der Autor und die Autorin in Kapitel sieben fest. Allerdings gibt es in einer digitalisierten Welt neue Möglichkeiten der Nutzerbeteiligung mit Stärken wie der Aufdeckung von Fehlern und Schwächen wie der Gefahr von Plagiarismus.

Die Wörterbuchbenutzungsforschung, die in Kapitel acht beschrieben wird, kann wichtige Hinweise für den Aufbau von internetbasierten Wörterbüchern geben. Die Autorin plädiert dafür, die Nutzerperspektive in den Vordergrund zu stellen.

Eine schöne Idee ist es, dass jedem Kapitel eine metaphorische Einleitung vorausgeht, gepaart mit einem Bild, das die Metapher illustriert. Dadurch, aber auch durch klare Sprache, Schlagwörter am Rand jedes Absatzes und eine gute Strukturierung ist das Buch sehr gut lesbar und rezipierbar. Jedes Kapitel hat Hinweise zu weiterführender Literatur, mit der sich die Leser in die Themenfelder weiter vertiefen können. Das fünfseitige alphabetische „Schlagwortregister“ mit durchgehend hilfreichen Schlagwörtern ermöglicht den schnellen Zugriff auf einzelne Themen. Ein Anhang mit Informationen über die Autorinnen und Autoren wäre zusätzlich hilfreich gewesen.

Dieses Kompendium gibt einen umfassenden Überblick der Internetlexikografie, ist sehr gut lesbar und für eine Einführung in das Themengebiet gut geeignet. Im Kontext der Forschung an Lexikografie war das Buch eine sinnvolle und notwendige Weiterentwicklung, denn die Lexikografie hat sich in den letzten Jahren durch die Digitalisierung erheblich gewandelt. Weil es das gesamte Themengebiet abdecken soll, bleibt es an einigen Stellen, die die technischen Grundlagen beschreiben, sehr an der Oberfläche. Die zentrale Frage wird mit dem Buch nicht beantwortet – kann es auch nicht, denn es ist eine Momentaufnahme und kein Blick in die Zukunft. Das Buch ist für Einsteiger in das Themengebiet der Internetlexikografie geeignet.

About the article

Published Online: 2017-05-06

Published in Print: 2017-05-04


Citation Information: Information - Wissenschaft & Praxis, Volume 68, Issue 2-3, Pages 199–200, ISSN (Online) 1619-4292, ISSN (Print) 1434-4653, DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2017-0041.

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