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Information - Wissenschaft & Praxis

Ed. by Reibel-Felten, Margarita


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1619-4292
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Bericht über die Frühjahrstagung der Fachgruppe Dokumentation im Rahmen der Jahrestagung des Deutschen Museumsbundes

10. Mai 2017 im Konrad-Zuse-Institut Berlin

Margret Schild
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  • Stadtverwaltung Düsseldorf, Theatermuseum / Bibliothek, Jägerhofstraße 1, 40479 DüsseldorfStadtverwaltung DüsseldorfTheatermuseum / BibliothekJägerhofstraße 140479 DüsseldorfGermany
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Published Online: 2017-09-25 | DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2017-0056

Der Deutsche Museumsbund feierte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Diese Vereinigung wurde im Rahmen eines Treffens am 23. Mai 1917 von 22 namentlich eingeladenen Leitern öffentlicher deutscher kunst- und kulturgeschichtlicher Museen in Frankfurt am Main gegründet. Sie entwickelte sich von einer Personenvereinigung zu einer Organisation, die sich heute als Interessenvertretung der Museen in Deutschland versteht.1 Die Jubiläumstagung hatte das Thema „digital. ökonomisch. relevant. Museen verändern sich!“ und fand in Berlin vom 7. bis 10. Mai 2017 statt. Die Nachfrage war wohl größer als die vorhandenen Platzkapazitäten. Insgesamt rund 870 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten Themen wie Digitalisierung, Wirtschaftlichkeit und Effizienz aus der Perspektive der Museen: Wie können sie lebendiger Teil dieser Entwicklung bleiben, wie können sie diese mitgestalten und für sich nützen? Zur Tradition der Jahrestagung gehört es, dass neben einem Rahmenprogramm mit dem Besuch von zahlreichen Museen am jeweiligen Tagungsort und den allgemeinen Vorträgen zum Tagungsthema der dritte Tag stets den Fachgruppen gewidmet und von diesen organisiert wird.

Screenshot Inhaltsübersicht der Ausgabe der Museumskunde zum 100jährigen Bestehen (Quelle: http://www.museumsbund.de/publikationen/100-jahre-deutscher-museumsbund-dokumentation-der-gegenwart/ [7.6.2017]).
Abbildung 1

Screenshot Inhaltsübersicht der Ausgabe der Museumskunde zum 100jährigen Bestehen (Quelle: http://www.museumsbund.de/publikationen/100-jahre-deutscher-museumsbund-dokumentation-der-gegenwart/ [7.6.2017]).

Die Fachgruppe Dokumentation lud zu ihrem Treffen am 10. Mai 2017 in gewohnter Umgebung ein. Der Hörsaal im Konrad-Zuse-Institut in Berlin-Dahlem bot genügend Platz für ca. 155 angemeldete Teilnehmer – der Ort, wo in der Regel im Oktober das dreitägige Herbsttreffen der Fachgruppe stattfindet. Die Fachgruppe organisierte die Veranstaltung gemeinsam mit digiS, der Servicestelle des Landes Berlin, die ihren Sitz ebenfalls im Konrad-Zuse-Institut hat. Die Teilnahme an diesem Treffen war unabhängig von einem Besuch der Jahrestagung des Museumsbundes möglich und kostenlos. Die Vorträge – in unterschiedlichen Themenblöcken zusammengefasst – begannen mit Kurzreferaten über Inventarisierungs-, Erschließungs- und Digitalisierungsaktivitäten vor Ort (in Berlin und Brandenburg). Im Anschluss ging es um die Onlinestellung von Museumssammlungen, Digitales Erschließen und Kuratieren, Wissenskommunikation und bürgerschaftliches Engagement sowie zum Abschluss um die Weitergabe von aktuellen Informationen zu Projekten, an denen das Institut für Museumsforschung beteiligt ist.

Dokumentations-/Digitalisierungsprojekte in Berlin und Brandenburg (digiS und ihre Partner)

Jedes Jahr entscheidet eine Jury über die Vergabe von Fördermitteln zur Digitalisierung des kulturellen Erbes in Berlin. Für das Jahr 2017 lagen insgesamt 26 Anträge vor, von denen zehn zur Bewilligung empfohlen wurden.2 Drei davon wurden in Form von Kurzvorträgen präsentiert.

  • Das Internationale Theaterinstitut / Mime Centrum digitalisiert und erschließt in Kooperation mit dem Archiv der Akademie der Künste Berlin und der Tanzfabrik Berlin 40 bis 60 ausgewählte Videodokumente der Tanzgeschichte der Tanzfabrik (aus insgesamt 300). Dabei handelt es sich um wichtige Produktionen, die als Quellen zur Entwicklung des modernen Tanzes und moderner Tanzausbildung im Berlin der 1970er-Jahre angesehen werden. Die Inhalte sollen vollständig erschlossen und die Ergebnisse in den Online-Plattformen DDB, Digitaler Atlas Tanz und dem Fachinformationsdienst Darstellende Kunst der Universitätsbibliothek Frankfurt/Main präsentiert werden.

  • Der fotografische Nachlass von Otto Borutta (1903-1984) ist ein wichtiger Teil der Architektursammlung innerhalb der Berlinischen Galerie (erworben 1984) und spiegelt den Wiederaufbau Berlins wider. Im Auftrag der Senatsbauverwaltung hatte Borutta die Neuerstehung des West-Teils der Stadt aus einer Trümmerwüste unter anderem in präzisen, aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzten Panoramen und Luftaufnahmen dokumentiert. Ziel des Digitalisierungsvorhabens ist es, die 591 Panoramen und Luftaufnahmen aus dem fotografischen Nachlass von Otto Borutta auszuwählen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie ergänzen damit das „Ost-Berliner-Fotoarchiv“, das – ebenfalls in der Architektursammlung bewahrt und dank EFRE-Mittel seit 2015 online gestellt – an die parallele Entwicklung auf der anderen Mauerseite fotografisch erinnert.

  • Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen mit den Arbeitsbereichen Soziale Literatur und Spendenberatung ist für die Sammlung und Aufbereitung von Informationen zur Sozialen Arbeit und zum Spendenwesen zuständig. Zum Bestand der Bibliothek gehört die „Deutsche Zeitschrift für Wohlfahrtspflege“, die mit ihren Jahrgängen von 1924 bis 1944 vollständig digitalisiert, die enthaltenen Aufsätze kommentiert und online nutzbar gemacht werden sollen. Die Geschichte der Wohlfahrtspflege – nicht nur innerhalb dieser Zeitschrift – spiegelt die gesellschaftliche Geschichte (hier in der Weimarer Republik und im Dritten Reich bis kurz vor Kriegsende).

Screenshot Eingangsbildschirm der Mediathek für Tanz und Theater (Mime Centrum Berlin) (Quelle: http://archiv.mimecentrum.de/ [7.6.2017]).
Abbildung 2

Screenshot Eingangsbildschirm der Mediathek für Tanz und Theater (Mime Centrum Berlin) (Quelle: http://archiv.mimecentrum.de/ [7.6.2017]).

Mit dem Beschluss des Landtages zum Haushalt 2017/2018 wurde die Koordinierungsstelle für Digitalisierung von Kulturgut, angesiedelt an der Fachhochschule Potsdam im Fachbereich Informationswissenschaft, in eine dauerhafte Aufgabe überführt. Sie ist seit 2012 zentraler Ansprechpartner für Fragen der Digitalisierung im Land Brandenburg: ihre Zielgruppe sind mehr als 80 Archive, 140 Bibliotheken und 150 Museen sowie eine Vielzahl ehrenamtlich geführter Einrichtungen. Ulf Preuß stellte diese Einrichtung vor, die ein breites Spektrum von Beratung, Information und Vermittlung anbietet. Bisher wurden ca. 30 Digitalisierungsprojekte mit über 60 Kooperationspartnern umgesetzt. Wichtig ist es, die vorhandene technische Infrastruktur und das Fachwissen vor allem auch für kleinere Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.3

Florentine Dietrich von den Staatlichen Museen Berlin referierte über die Inventarisierungsrichtlinien dieser Institution. Die Richtlinien für die Inventarisierung bilden die Vorstufe und erfassen damit Grundinformationen als Voraussetzung für eine spätere wissenschaftliche Bearbeitung. Der Nachweis der Provenienz dokumentiert nicht nur den ordnungsgemäßen Erwerb und das Eigentum, sondern soll in Zukunft auch im Rahmen der Online-Präsentation über SMB-digital nach außen sichtbar und damit transparent gemacht werden.4

Museumssammlungen online zugänglich machen

Die Frage nach der Sichtbarkeit von Museumssammlungen bzw. wie unterschiedlich dies aussehen kann, war Thema der Vorträge nach der Kaffeepause. Wolfgang Gülcker, Vermessungsingenieur und Softwareentwickler aus Berlin, beschäftigt sich in seinem Ruhestand u. a. mit Fotografie und hat für das Bode-Museum eine virtuelle Panoramatour zur Dokumentation von Objekten in Raum erstellt.5 Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Museum virtuell zu erkunden: Informationen zu den ausgestellten Objekten abrufen, sich mit Hilfe des Grundrisses orientieren oder auch Informationen zum jeweiligen Raum und seinem Gesamtkonzept zu erfahren. Die objektbezogenen Informationen werden aus der Datenbank SMB-digital ausgespielt, andere müssen händisch ergänzt werden. Das Angebot ist zweisprachig (englisch und deutsch), enthält ein Video zur Einführung in die Bedienung bzw. die Handhabung. Die Tour kann sowohl zur Vor- und Nachbereitung dienen, kann aber auch Veränderungen innerhalb der Ausstellung dokumentieren.

Screenshot Eingangsbild zur virtuellen Panoramatour durch das Bode Museum (Quelle: http://bode360.smb.museum/ [7.6.2017]).
Abbildung 3

Screenshot Eingangsbild zur virtuellen Panoramatour durch das Bode Museum (Quelle: http://bode360.smb.museum/ [7.6.2017]).

Im Anschluss folgte der Vortrag von Ina Storch und Jasdan Jörges, Museum Barberini in Potsdam, das im Januar 2017 eröffnet wurde. Es zeigt vor allem die Privatsammlung der Hasso-Plattner-Stiftung (Sitz in Kalifornien). Schwerpunkte sind die Kunst der DDR und deutsche Kunst nach 1989. Weitere Sammlungsschwerpunkte sind künstlerische Entwicklungen von den Alten Meistern bis zum 21. Jahrhundert.6 Vollständig digital konzipiert, was bereits bei den Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen des Gebäudes berücksichtigt wurde, sollen in Zukunft bis zu drei Ausstellungen parallel gezeigt werden. MuseumPlus wird als Datenbank für das Sammlungsmanagement eingesetzt, weitere Programme für das elektronische Ticketing, die Webseite sowie ein eigenes CMS für die angebotene App genutzt. Diese Barberini App wurde nach einer umfangreichen Recherche über den IST-Stand bereits angebotener Museums-Apps entwickelt. Essenziell war die Festlegung von unterschiedlichen Zielgruppen, die durch die Definitionen von Personas (mit unterschiedlichen Erwartungen an einen Museumsbesuch) berücksichtigt wurden. In einem mehrstufigen Prozess (Projektlaufzeit von Juli 2016 bis Januar 2017) mit zahlreichen Tests wurden die Ideen erprobt und laufend kritisch überprüft. Die Bilder für die App werden aus der Museumsdatenbank ausgespielt – aber sonst werden verschiedene Anwendungen parallel geführt bzw. unterschiedlich mit Informationen gefüllt.

Brigitte Reineke, Deutsches Historisches Museum Berlin, berichtete in ihrem Vortrag über die Erfahrungen und Überlegungen einer Einrichtung, die bereits seit 1995 ihre Sammlungsbestände online zugänglich macht. An die 60 Prozent der erfassten Datensätze sind mit einem Bild verknüpft. Ziel ist es, ein digitales Bestandsverzeichnis zu erstellen. Die Online-Datenbank dient als Rechercheangebot für unterschiedlichste Nutzer, das Museum erhält als Folge davon ergänzende Informationen zu den vorhandenen Objekten. Es werden aber auch Objekte zum Erwerb bzw. als Schenkung angeboten. In der Onlinepräsentation sind nur bestimmte Elemente der Beschreibung freigegeben, andere nicht (z. B. Vorbesitzer, Standort, Wert). Neben diesen unbestreitbaren Vorteilen gibt es auch Probleme: die Beachtung der Urheber-/Nutzungsrechte – insbesondere für Objekte aus dem 20. Jahrhundert, so für ca. 3.000 Objekte zur bildenden Kunst, aber weitaus mehr in anderen Sammlungsbereichen – sowie Personenschutzrechte (z. B. bei privater Korrespondenz, Pässen, Ausweisen). Außerdem stellt sich die Frage, wie man den Missbrauch von Objekten, die man selbst im kulturhistorischen Kontext zeigen kann, verhindern kann. Mögliche Lösungen sind Wasserzeichen oder die kritische Prüfung des Zweckes bei Bildbestellungen. Auch hier wird die Frage der Provenienz bzw. der Online-Stellung der Provenienz diskutiert. Die Arbeitsgruppe Provenienzforschung ist dabei, Standards für die Angabe von Provenienzen zu erarbeiten, die hier genutzt werden könnten. Ganz allgemein wird die Weiterentwicklung zur Forschungsdatenbank angestrebt, d. h. hin zu einem elektronischen Bestandskatalog anstelle eines Verzeichnisses.

Iris Blochel-Dittrich, Jüdisches Museum Berlin, sprach über den Nutzen einer ausführlichen Sammlungsdokumentation in Hinblick auf die Online-Präsentation. Im Jüdischen Museum steht dabei die Qualität der Informationen im Vordergrund. In Zahlen bedeutet das, dass bei rund 60.000 erfassten Objekten die enthaltenen Angaben nur bei der Hälfte der Exponate für die Beschriftung in Ausstellungen und nur bei einem Viertel für die Online-Präsentation geeignet sind. Hier gibt es inzwischen Thesauri für die Verbesserung der Sucheinstiege, aber es bleiben weitere Fragen unbeantwortet: Wie können wir die Information aus der Dokumentation auch für Nutzer interessant aufbereiten, welche Rollen spielen dabei die Kuratoren, welche Themen könnten interessant sein? Das Jüdische Museum hat in den vergangenen Jahren verschiedene Fragestellungen aufbereitet und u. a. über Social Media kommuniziert. Dies geschah häufig auf verschiedenen Plattformen bzw. mit Hilfe von verschiedenen Projektpartnern und deren Webangeboten: so ein Online-Projekt zum Jahr 1933 vor allem über Social Media und nicht integriert in die eigene Webseite oder in Zusammenarbeit mit Google Arts & Culture oder andere Drittmittelprojekte (z. B. Topografie Jüdischen Lebens in Deutschland). Das Problem besteht in den fehlenden Schnittstellen zwischen den verschiedenen Anwendungen, einer verteilten Bereitstellung und inhaltlichen Bearbeitung sowie mangelnder Zeit und Personal, all diese Aktivitäten zu synchronisieren.7 Auch hier stellt sich die Frage nach der Kontrolle der verwendeten Bilder aus dem Museumsbestand – insbesondere die Korrektur von falschen Angaben oder bei den angegebenen Kontexten in Bildunterschriften, z. B. in Schulbüchern.

Digitales Erschließen und Kuratieren

In Ergänzung zu dem Vortrag von Ulf Preuß am Vormittag berichteten Dietmar Fuhrmann und Anja-Isabel Schnapka (Museumsverein Brandenburg) über ein Beispiel, das die Koordinierungsstelle betreut hat. Die Kooperation zwischen den Museen findet entweder anhand einzelner Objektgruppen (z. B. Glasplatten) oder zu einzelnen Themen statt – in diesem Beispiel geht es um das Handwerk in Brandenburg. Die Koordination übernimmt eine Honorarkraft, die Daten kommen aus den Museen, die Digitalisierung erfolgt entweder vor Ort oder mit Hilfe der technischen Ausstattung der Fachhochschule, die die Koordinierungsstellen nutzen kann. Publiziert wird über Museum digital, eine Online-Plattform, die vor allem für kleinere Einrichtungen gedacht ist und inzwischen von ca. 500 Teilnehmern genutzt wird.8

Screenshot Eingangseite Themenportal Handwerk in Brandenburg (Quelle: https://www.museum-digital.de/themator/ausgabe/showthema.php?m_tid=567&tid=567&na=1&ver=standalone [7.6.2017]).
Abbildung 4

Screenshot Eingangseite Themenportal Handwerk in Brandenburg (Quelle: https://www.museum-digital.de/themator/ausgabe/showthema.php?m_tid=567&tid=567&na=1&ver=standalone [7.6.2017]).

Es folgte der Vortrag von Christian Berg, Heinz Nixdorf MuseumsForum, über die Nutzung Digitaler Daten für die Vermittlung. Das Museum präsentiert die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Informationstechnik, von den ersten Schriftzeichen über Schreib- und Rechenmaschinen bis zu frühen Computern und aktuellen Robotern. Die digitalen Angebote richten sich an alle Altersgruppen und vor allem auch an externe Interessenten.9 Zu den Angeboten gehört eine Führung durch das Museum entlang an zehn Stationen (seit Mai 2016), die Möglichkeit des Abrufs von Informationen mittels QR-Codes und über die Online-Sammlungsdatenbank (seit 2014), 22 Highlights abrufbar über das eigene Smartphone in der Dauerausstellung, seit 2013 die Führung durch das Roboterpärchen Peter und Petra, das Computerspiel „Dein Chef“ zur Biographie des Firmengründers (seit August 2016). Darüber hinaus kann man an der Kasse Multimedia-Führer ausleihen bzw. eine App herunterladen. Die Plattform Vimeo wird zur Bereitstellung von Videos genutzt. Über direkte Links wird auf die einzelnen Videos, die dort im Rahmen eines privaten Accounts abgespeichert werden, verlinkt. Ferner gibt es einen Blog und die Plattform YouTube wird ebenfalls genutzt. All diese Einzelprojekte sollen im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie zusammengeführt werden. Außerdem soll die Sammlungsdatenbank Adlib in Zukunft verstärkt für die Bespielung der verschiedenen Informationsangebote genutzt werden.

Wissenskommunikation und bürgerschaftliches Engagement

Nach einer kurzen Kaffeepause ging es mit Vorträgen aus naturkundlichen Museen weiter. Kartin Vohland (Museum für Naturkunde Berlin) sprach über die Mitwirkungsmöglichkeiten von ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern in einem Forschungsmuseum. Zentrales Ziel ist, Spaß an (Natur-)Wissenschaft zu vermitteln und aufzuzeigen, wie man zusammenarbeiten und beiderseitig davon profitieren kann.10 Mögliche Varianten der Kooperation zwischen Wissenschaftlern und interessierten Laien können sein: Co-Design, Co-Produktion, Virtuelle Beteiligung, Bildungsprojekte mit Forschungsanteil, autonome Forschung. Zu den Aktivitäten, die von den Laien übernommen werden können, gehören: Daten sammeln, gemeinsam Neues in diesem Zusammenhang lernen und Daten auswerten bis hin zur Etablierung von (politischen) Initiativen. Seit dem 1. August 2016 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Programm zur Förderung von bürgerwissenschaftlichen Vorhaben aufgelegt.11

Im Botanischen Garten und Museum liegt der Schwerpunkt auf der unmittelbaren Naturerfahrung vor Ort – der Präsentation von Pflanzen aus aller Welt sowie von botanischen und archäologischen Fundstücken, die Botaniker über viele Jahre zusammengetragen haben. Es handelt sich auch hier um eine Forschungseinrichtung, deren Kern die wissenschaftliche Sammlung ist. Ganz zentral ist die nationale und internationale Vernetzung. Organismen werden erst durch die wissenschaftliche Bearbeitung zu Sammlungsobjekten. Ursprünglich im Kleistpark untergebracht, befindet sich der Garten und Museum seit Beginn des 20. Jahrhunderts (1910) in Dahlem. Mit Hilfe von Belegen aus aller Welt wurde nach dem 2. Weltkrieg die Sammlung wiederaufgebaut. Im Museum werden vor allem Modelle eingesetzt, um Unsichtbares sichtbar zu machen. Die Referentin Patricia Rahemipour betonte die Wichtigkeit der haptischen und analogen Erfahrung der Natur – im Gegensatz bzw. als Ergänzung zu den vielfältigen virtuellen Angeboten.12

Führung im Herbar (Foto: I. Haas, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin; Quelle: https://www.bgbm.org/de/presse/pressefotos#Historie [7.6.2017]).
Abbildung 5

Führung im Herbar (Foto: I. Haas, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin; Quelle: https://www.bgbm.org/de/presse/pressefotos#Historie [7.6.2017]).

Aktuelles

Es gab und gibt einige Projekte, an der das Institut für Museumsforschung und die Fachgruppe beteiligt sind, die inzwischen „in die Jahre“ gekommen sind und von daher einer Überarbeitung bzw. Aktualisierung bedürfen oder noch weiterbearbeitet werden müssen.

Dazu gehört der geplante Relaunch der Seite Museumsvokabular (http://www.museumsvokabular.de), deren Freischaltung für Oktober 2017 im Rahmen der Herbsttagung in Mannheim geplant ist. Die bisherigen Vokabulare sollen in das Tool xTree zur Verwaltung von Thesauri importiert und über den frei zugänglichen Teil nutzbar sein.13 Die Übersetzung der Objekt-Facette des Art and Architecture Thesaurus (AAT) ist auch immer noch nicht endgültig beendet. Es fehlt eine Finanzierung, so dass die Arbeiten vor allem ehrenamtlich erfolgen und daher wahrscheinlich relativ lange dauern.

Ein weiteres Projekt soll aktualisiert werden und sucht neue Mitstreiter. Stefan Rohde-Enslin und Maximilian Steer, beide vom Institut für Museumsforschung in Berlin, planen die Überarbeitung und Aktualisierung des Nachweises von Digitalisierungsprojekten (http://www.kulturerbe-digital.de). Die Plattform will darüber informieren, welche Projekte es gibt und dazu beizutragen, sich zu vernetzen und untereinander auszutauschen. Zum Austausch von Experten zu Fragen von 3D, VR (Virtual Reality) und AR (Augmented Reality) soll die Plattform www.Vi-MM.eu dienen. Hier werden Fragen nach den Auswirkungen auf die Zukunft der Museen und dem veränderten Kulturverständnis im digitalen Zeitalter diskutiert. Ariane Peukert, Institut für Museumsforschung Berlin, warb für eine aktive Mitarbeit bei den Zuhörern.

Danach berichtete Herdis Kley über Neues in Hinblick auf die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB). Sie ist die Ansprechpartnerin für die Museen, die ihre Daten an dieses Portal liefern wollen. Inzwischen sind 21 Milionen. Objekte (davon 8 Mio. Digitalisate) von 380 datenliefernden Einrichtungen verfügbar. Zurzeit wird an der Verbesserung der IT-Infrastruktur der DDB gearbeitet, neue Datenfelder eingefügt sowie neue Templates für virtuelle Ausstellungen entwickelt. Zu den neuen Datenfeldern gehören „zugehörige Ereignisse“, die z. B. für Theaterproduktionen interessant sein können. Von den Datenlieferanten muss an dieser Stelle geprüft werden, ob das Mapping angepasst oder unter Umständen die Erfassung in einigen Details verändert werden sollte, um von solchen Neuerungen zu profitieren. Der Einsatz von neuen Templates für eine virtuelle Ausstellung soll am Beispiel des virtuellen Kupferstichkabinetts erprobt werden.

Zum Abschluss dürfen die Hinweise auf neue Termine nicht fehlen – u. a. auf die CIDOC-Tagung 2017 in Tiflis (Georgien) am 25. bis 29. September 2017 und die diesjährige Herbsttagung im TECHNOSEUM (16. bis 18. Oktober 2017) in Mannheim.

Deskriptoren: Tagung, Museumswesen, Objektdokumentation, Inhaltliche Erschließung, Informationsvermittlung, Digital, Website, Projekt

Footnotes

About the article

Margret Schild

Margret Schild wurde zur Diplom-Dokumentarin an der Fachhochschule für Bibliotheks- und Dokumentationswesen in Köln (heute Bereich Information und Kommunikation der Technischen Hochschule) ausgebildet und war danach Bibliothekangestellte der Düsseldorfer Kulturinstitute im Bereich formale und inhaltliche Erschließung der Bestände in den Bibliotheken der Kulturinstitute zu den Themen Bildende Kunst, Literatur (Goethe-Zeit), Theater und Film. Seit 1993 hat sie die Leitung der Bibliotheken des Theatermuseums und des Filmmuseums inne, seit 2005 koordiniert sie die Arbeit mit TMS (Sammlungsmanagement) im Rahmen des d:kult-Verbundes (Digitales Kunst- und Kulturarchiv Düsseldorf) für beide Museen. Sie war 1995 Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Kunst- und Museumsbibliotheken (AKMB) und ist Mitglied des Arbeitskreises Filmbibliotheken und der Fachgruppe Dokumentation im Deutschen Museumsbund, der DGI und der ASpB. Dazu hält sie vielfach Vorträge und Artikel zum Thema Theaterdokumentation, Sammlungsmanagement, Arbeitsfeld Kunst- und Museumsbibliotheken. Seit dem 1. Juni 2017 gehört sie dem Vorstand der DGI an.


Published Online: 2017-09-25

Published in Print: 2017-08-30


Citation Information: Information - Wissenschaft & Praxis, Volume 68, Issue 4, Pages 281–287, ISSN (Online) 1619-4292, ISSN (Print) 1434-4653, DOI: https://doi.org/10.1515/iwp-2017-0056.

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