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Klio

Beiträge zur Alten Geschichte

Ed. by Clauss, Manfred / Funke, Peter / Gehrke, Hans-Joachim / Mann, Christian

Together with Brandt, Hartwin / Jehne, Martin


CiteScore 2018: 0.18

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2192-7669
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Volume 100, Issue 2

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Rolf Strootman, Courts and Elites in the Hellenistic Empires. The Near East After the Achaemenids, c. 330 to 30 BCE, Edinburgh (Edinburgh University Press) 2014 (Edinburgh Studies in Ancient Persia) XX, 318 S., 31 Abb., 1 Karte, ISBN-13 978-0-7486-9126-5 (geb.) £ 80,–

Gregor Weber
Published Online: 2018-09-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/klio-2018-0115

Reviewed publication

Strootman Rolf Courts and Elites in the Hellenistic Empires. The Near East After the Achaemenids, c. 330 to 30 BCE Edinburgh University Press Edinburgh (Edinburgh Studies in Ancient Persia) 1 318 2014 31 Abb., 1 Karte 13 978-0-7486-9126-5 (geb.) £ 80,–

Die Forschung zu den antiken Höfen war lange Zeit eine Domäne der französischen, italienischen und deutschen Forschung. Dass diese Thematik inzwischen auch die angloamerikanische Forschung erreicht hat (A.J.S. Spawforth [Hg.], The Court and Court Society in Ancient Monarchies, Cambridge 2007; J.F.J. Duindam [Hg.], Royal Courts in Dynastic States and Empires. A Global Perspective, Leiden 2011; A. Erskine – L. Llewellyn-Jones – S. Wallace (Hgg.), The Hellenistic Court. Monarchic Power and Elite Society from Alexander to Cleopatra, Swansea 2017), ist nicht zuletzt ein Verdienst von Rolf S(trootman), der seit vielen Jahren dazu auch auf Englisch publiziert. Das zu besprechende Buch geht auf seine 2007 an der Universität Utrecht eingereichte Dissertation zurück. Anders als zum römischen Kaiserhof wurde bislang zum hellenistischen Königshof noch keine umfassende Monographie vorgelegt, sondern der Forschungsstand ist nur aus etlichen, z. T. einschlägigen Aufsätzen ersichtlich – insofern versucht S., eine Lücke zu schließen, was ihm auch weitgehend gelingt.

Der Band, welcher die neue Reihe der „Edinburgh Studies in Ancient Persia“ (herausgegeben von L. Llewellyn-Jones) eröffnet, enthält neben einer umfangreichen Einleitung und einer konzisen Zusammenfassung, drei große Teile (I: „Setting the Scene“, II: „The Court as a Socio-political System“, III: „Ceremonial and Ritual“) mit insgesamt 12 Kapiteln, die durch einen knappen Index erschlossen werden. Darüber hinaus sind dem Band diverse Stammbäume der bedeutenderen hellenistischen Dynastien und 31 Abbildungen bzw. Schemata sowie eine Karte beigegeben; auf letzterer fehlen jedoch zahlreiche relevante Orte, auf die im Laufe der Ausführungen immer wieder verwiesen wird.

In der Einleitung verortet S. sein Thema im Kontext der hellenistischen Monarchie mit ihrem personalen Charakter und stellt heraus, dass es ihm vornehmlich um die soziopolitische Funktion der Königshöfe geht. Da er aber bereits im Titel den König gerade nicht eigens erwähnt, sondern die Eliten in den Blick nimmt, verdeutlicht er, dass wechselseitige Abhängigkeiten bestanden und ein erfolgreicher König ein ‚Netzwerker‘ sein musste. Dennoch ist für S. der Hof die Zentrale politischer Macht, die viele Charakteristika monarchischer Herrschaft zu verstehen hilft. Gerade die höfische Kultur war enorm einflussreich und wirkte darüber hinaus auch auf das christliche Europa und die islamische Welt. Wesentlich erscheint dabei der Hof als Brennglas für die Begegnungen verschiedener Kulturen, wobei sich – durchaus mit Blick auf Entwicklungen – nachdrücklich die Frage nach der Prävalenz griechisch-makedonischer Einflüsse stellt. S. geht auch ausführlich auf die Gliederung seiner Untersuchung ein; vor allem macht er gegen aktuelle Forschungstrends mit Recht deutlich, dass die hellenistischen Höfe letztlich weitaus mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede aufweisen und deshalb auch zusammen behandelt werden können. Insofern er jedoch sein Augenmerk auf „the Hellenic East“ richtet, werden etwa Agathokles und Hieron II. von Syrakus ausgeblendet. Für S. erscheint es jedenfalls fruchtlos, permanent zu fragen „whether particular aspects of kingship, court culture or empire originally Greek or non-Greek“, sondern er betrachtet „the Hellenistic royal courts in their own right – just as the court culture of the Ottoman empire“ (26, Hervorhebung im Original).

In den drei Kapiteln des ersten Teils widmet sich S. zunächst der Forschungsgeschichte und der definitorischen Arbeit. Dabei sieht er den Hof durch fünf Kriterien (politische Arena, administratives Zentrum, symbolisches Zentrum, Bühne für monarchische Repräsentation und Ort der [Re-]Distribution) bestimmt; auch den Faktor ‚Gunst‘ sowie die antike Terminologie und die historische Entwicklung berücksichtigt er angemessen. Die Auseinandersetzung mit Aloys Winterlings Definition des Hofes als erweitertes Haus eines Monarchen wäre an dieser Stelle durchaus hilfreich gewesen. Danach erläutert S. die Relevanz von königlicher Ideologie und den Ritualen unter dem Gesichtspunkt der Performativität und analysiert vor allem die Königspaläste der jeweiligen Reiche mit Blick auf ihre Funktionen und Eigenheiten; dabei sieht er besonders im Bauprogramm des Maussolos ein mehrfaches Vorbild für die späteren Könige. Deutlich wird, zumal der gelungenen Zusammenfassung, auf welche Traditionen bestimmte Elemente zurückgehen und wo sich die Schnittstellen der Interaktion zwischen König, Freunden, Bürgern und auswärtigen Gesandten befanden.

Im zweiten Teil behandelt S. in fünf Kapiteln den königlichen Haushalt, die Hofgesellschaft, das System der königlichen Pagen, die soziale Dynamik (bes. xenia, philia, Euergesie etc.) sowie die Hierarchisierung und Konflikte am Hof. Letzteres ist wichtig, um die Hofgesellschaft nicht zu harmonisch erscheinen zu lassen und verschiedene Einwicklungsphasen herauszuarbeiten. Hier findet man viele bekannte Beobachtungen, die aber konzise zusammengeführt sind. Besonders herauszustellen ist vor allem die gegen aktuelle Trends gerichtete Argumentation von S., dass die Königsfreunde doch meist griechischer Herkunft gewesen sind (124–135), die Berufung vereinzelter Indigener „a reaction to the ethnic and social homogeneity of powerful established groups of philoi“ (112, Hervorhebung im Original) war und sie anders eingebunden wurden.

Der dritte Teil mit vier Kapiteln zu Zeremoniell und Protokoll, zu den Riten beim Herrschaftsübergang, zu den königlichen Auftritten in den Städten und zu Prozessionen im Kontext von Monarchie und Dynastie zielt auf „both collective ritual action and the symbolic meaning of that ritual action“ (18, Hervorhebung im Original). Dabei geht es um Bankette und Symposia, Hochzeiten, Empfänge für Gesandte, Jagden und Kleidung, ebenso um Herrschaftszeichen. Aufschlussreich sind die Ausführungen, wie beim Herrschaftsantritt Vorgänger und Nachfolger symbolisch und legitimatorisch verbunden sind. Gerade für die Könige in den Städten musste S. äußerst heterogenes Material aus verschiedenen Jahrhunderten bearbeiten, während zu den Prozessionen wie gewohnt die Berichte über die Pompē in Alexandreia und den Aufmarsch in Daphne herangezogen werden. S. kann zeigen, wie einerseits eine zentrale Symbolik geschaffen wurde, andererseits lokale Traditionen Eingang fanden; entscheidend war jedenfalls die zielgruppenorientierte Umsetzung.

Vorbildlich ist die Zusammenfassung der Einzelbeobachtungen und Ergebnisse aus den Kapiteln, welche die Bedeutung der Königshöfe vor dem Hintergrund der hellenistischen Monarchie nochmals deutlich werden lässt. Gespannt ist man noch auf die Forschungsperspektiven für die Königshöfe, die S. entwickelt (273–277): Er sieht diese in der Bestimmung der exakten Rolle, die ein Hof bei der Integration von Territorien und Bevölkerungsgruppen sowie im Verhältnis von zentralen und lokalen Eliten gespielt hat. Als weitere Desiderate angesprochen werden die Feste am Hof, die religiöse Sphäre jenseits von Herrscher- und Dynastiekulten, die Rolle der königlichen Frauen und Konkubinen und – besonders interessant – die Interaktion von Hof und Vasallendynastien im Osten. Hierbei wird man, was noch hätte stärker betont werden können, auf erhebliche Quellenprobleme stoßen, weshalb S. eine komparative Perspektive empfiehlt.

Zu monieren ist jenseits etlicher Zeichen- und Akzentfehler im Griechischen (bes. 119, 168 f.) nur, dass – trotz einer beeindruckenden Bibliographie von 35 Seiten – nicht immer die aktuelle Forschungsliteratur jenseits von 2009 herangezogen wurde (z. B. eine Auseinandersetzung mit den kontroversen Thesen von Th. Brüggemann, Vom Machtanspruch zur Herrschaft. Prolegomena zu einer Studie über die Organisation könglicher Herrschaft im Seleukidenreich, in: Ders. et al. [Hgg.], Studia Hellenistica et Historiographica. FS Andreas Mehl, Gutenberg 2010, 19–57, fehlt). Bei manchen Themen vermisst man Einschlägiges, etwa F. Perpillou-Thomas, Fêtes d’Égypte ptolémaique et romaine d’après la documentation papyrologique grecque, Leuven 1993; S. Stephens, Seeing Double. Intercultural Poetics in Ptolemaic Alexandria, Berkeley u. a. 2003; K. Vössing, Mensa regia. Das Bankett beim hellenistischen König und beim römischen Kaiser, München 2004; Chr. Mileta, Der König und sein Land, Berlin 2008, A. Lichtenberger (Hg.), Das Diadem der hellenistischen Herrscher, Bonn 2012. Auch sind Pläne und Literatur zu den Palästen von Pella und Aigai veraltet (vgl. A. Kottaridi, Aigai. The Royal Metropolis of the Macedonians, Athen 2013, 226 f.; zu Seleukeia am Tigris vgl. die Arbeiten von V. Messina). Dass „Aristoteles taught the pages mainly philosophy and politics“ (141), dürfte kaum zutreffen, ebenso wenig wie die Bezeichnung der hellenistischen Monarchien als „absolutist monarchies“ (151). Die Propaganda-Problematik für die Hofdichtung (159–164) hätte man gewinnbringend diskutieren können.

Insgesamt ist hervorzuheben, dass S. der Vielschichtigkeit und Heterogenität seines Materials und der Befunde durchaus gerecht wird. Es gelingt ihm nicht nur, die zahlreichen Facetten des Themas zu aussagekräftigen Ergebnissen zusammen zu binden, sondern mit einem echten Grundlagenwerk, von dem künftig auszugehen ist, die Forschung zu bereichern. Auf weitere Arbeiten aus seiner Feder darf man gespannt sein.

About the article

Published Online: 2018-09-09

Published in Print: 2018-09-03


Citation Information: Klio, Volume 100, Issue 2, Pages 555–558, ISSN (Online) 2192-7669, ISSN (Print) 0075-6334, DOI: https://doi.org/10.1515/klio-2018-0115.

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