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Peer reviewed

Militärgeschichtliche Zeitschrift

Ed. by Hillmann, Jörg / Epkenhans, Michael

2 Issues per year


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2196-6850
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Volume 76, Issue s1

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Die »Militärgeschichtlichen Mitteilungen« im Blick der ostdeutschen »Militärgeschichte«

Persönliche Eindrücke eines Redakteurs

Hans-Joachim Beth
Published Online: 2017-10-24 | DOI: https://doi.org/10.1515/mgzs-2017-0154

Die Herausgabe der »Militärgeschichtlichen Mitteilungen« (MGM) 1967 veranlasste weder das Militärgeschichtliche Institut der DDR (MGI) noch die von ihm herausgegebene »Zeitschrift für Militärgeschichte« (ab 1972 »Militärgeschichte«) eine Grußadresse an das Militärgeschichtliche Forschungsamt (MGFA) als Herausgeber und an die Redaktion zu senden. Das nimmt nicht wunder, waren die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts doch eine Hochzeit des Kalten Krieges. Nationale Volksarmee (NVA) und Bundeswehr waren in die beiden großen Militärblöcke eingebunden, die sich konträr gegenüberstanden. Beziehungen zwischen ihren wissenschaftlichen Einrichtungen und Zeitschriften waren zu diesem Zeitpunkt und auch lange danach undenkbar.

Ungeachtet der machtpolitischen und ideologischen Rahmenbedingungen wurden die MGM von den Militärhistorikern der DDR als beachtenswerte wissenschaftliche Zeitschrift gesehen. Dementsprechend fanden sie wie auch andere Journale des westlichen Auslands ihren festen Platz in der Fachbibliothek des Instituts. Im Bestreben, über den Inhalt der neuen Zeitschrift zu informieren, wurde sie unmittelbar in die von der »Militärgeschichte« seit 1962 publizierte Zeitschriftenbibliografie einbezogen, in der militärhistorisch relevante Aufsätze aus historischen und politischen Zeitschriften erfasst wurden (siehe u. a. Zeitschriftenaufsätze zur Militärgeschichte – 1968/1. In: Zeitschrift für Militärgeschichte, 7 (1969), 2, S. 235–246).

Die Resonanz auf die Beiträge, die in den MGM erschienen, war bei den Militärhistorikern der DDR sehr unterschiedlich. In den 1960er Jahren steckte die Militärgeschichtswissenschaft der DDR selbst noch in den Kinderschuhen. 1954 war auf Anregung von Ernst Engelberg an der Karl-Marx-Universität Leipzig im Rahmen des Instituts für deutsche Geschichte eine Abteilung Militärgeschichte geschaffen worden. Im März 1958 wurde in Potsdam das MGI (zunächst unter dem Namen Institut für Deutsche Militärgeschichte) gegründet. Die Mitarbeiter beider Einrichtungen waren zum einen junge Wissenschaftler mit einer allgemeinen historischen Universitätsausbildung, zum anderen ehemalige Offiziere, die aus dem Truppendienst kamen. Sie waren zunächst vor allem darum bemüht, sich die theoretischen Grundlagen für ihr neues Aufgabengebiet zu erarbeiten. 1958 wurden dazu in Leipzig mehrere Kolloquien veranstaltet, an denen auch Vertreter anderer Institutionen teilnahmen. Unter anderem ging es um die Frage, ob man von Kriegs-, Wehr- oder Militärgeschichte sprechen solle, ferner um den Gegenstand und die Aufgaben der Militärgeschichtswissenschaft. Zu klären war auch, ob die Militärgeschichte eine Disziplin der Geschichtswissenschaft oder der Militärwissenschaft sei. Die Erkenntnisse aus diesen Diskussionen mündeten 1962 in den Grundsatzbeitrag von Engelberg in der Gründungsausgabe der »Zeitschrift für Militärgeschichte«.

Unter diesem Aspekt fanden Aufsätze wie die von Wolfgang Groote und Rainer Wohlfeil in der ersten Ausgabe der MGM von 1967 (S. 5–19 und S. 21–29) unsere volle Aufmerksamkeit. Trotz unterschiedlicher Positionen wurden die Entscheidung der Kollegen im Westen Deutschlands für den Begriff »Militärgeschichte« und die Erkenntnis, dass Krieg und Militär im Zusammenhang mit Politik und Gesellschaft erforscht und dargestellt werden müssen, mit Zustimmung aufgenommen.

Die meisten anderen Beiträge in den MGM standen allerdings weniger im Fokus unseres Interesses. Der Grund dafür lag im unterschiedlichen Forschungsansatz in Ost und West. Die militärhistorische Forschung in der DDR konzentrierte sich auf die »progressiven militärischen Traditionen des deutschen Volkes«, angefangen vom Deutschen Bauernkrieg bis hin zum antifaschistischen Widerstand. In Angriff genommen wurde die Erforschung des antimilitaristischen Kampfes der deutschen Arbeiterbewegung, ihrer bewaffneten Kämpfe, ihrer Wehrorganisationen und ihrer militärpolitischen Auffassungen. Mit NVA und Bundeswehr wurde die jüngste Geschichte selbst zum Forschungs- und Publikationsgegenstand. Im Hinblick auf den Ersten und Zweiten Weltkrieg lag der Schwerpunkt auf der Erforschung der Kriegsursachen und des Charakters des Krieges sowie auf dem »Nachweis der Gesetzmäßigkeit« der deutschen Niederlagen in beiden Weltkriegen, sodass es hier kaum Schnittmengen gab. Die Aufsätze und Dokumentationen zum Zweiten Weltkrieg in den MGM waren thematisch breit gestreut, widmeten sich aber eher Detailfragen.

Im Unterschied zu den MGM, deren Gründungsausgabe durch theoretische Aufsätze von Fachgelehrten eingeleitet wurde, erschien das erste Heft der »Militärgeschichte« mit einem Geleitwort des stellvertretenden Ministers für nationale Verteidigung und Chefs der Politischen Hauptverwaltung der NVA, Admiral Waldemar Verner. Das bedeutete einerseits zwar weitgehende Unterstützung für die Arbeit der Zeitschrift, aber auch die Notwendigkeit, weiter gehenden Forderungen von dieser Seite Rechnung zu tragen. Eindeutig formulierte Admiral Verner als Aufgabe der Zeitschrift, an der Vertiefung der politisch-militärischen Bildung der NVA-Angehörigen mitzuwirken und deren Traditionsbewusstsein zu stärken. So standen von vornherein neben den Beiträgen mit Forschungscharakter solche, die teilweise oder sogar ausschließlich der – wie man heute sagt – historischen Bildung dienten. Diese Doppelfunktion prägte die Arbeit unserer Zeitschrift über 28 Jahre hinweg.

Nachdem die »Militärgeschichte« 1990 ihr Erscheinen hatte einstellen müssen und das MGFA die fachliche Betreuung der wissenschaftlichen Mitarbeiter übernommen hatte, suchten die Redakteure eine neue Orientierung und Aufgabe. Da sie die streng akademische Ausrichtung der MGM kannten, regten sie gegenüber dem damaligen Amtschef des MGFA, Brigadegeneral Günter Roth, an, neben den MGM eine zweite Zeitschrift mit dem alleinigen Auftrag der historischen Bildung in der Bundeswehr wie in der gesamten Öffentlichkeit zu schaffen. Bei diesem Vorschlag hatten sie verständlicherweise auch die dafür notwendigen Redakteursstellen im Auge. Eine unmittelbare Reaktion auf diesen Vorschlag gab es nicht. Mir ist nicht bekannt, welche Pläne das MGFA bzw. der Verlag Mittler & Sohn selbst verfolgten. Die »Militärgeschichtlichen Beihefte zur Europäischen Wehrkunde«, die eine solche Bildungsfunktion hatten, kamen ja in diesem Verlag heraus.

Auf jeden Fall erschien noch 1991, zunächst nur bundeswehrintern, die »Militärgeschichte. Neue Folge« auf der Basis der »Militärgeschichtlichen Beihefte«. Damit war ein Schritt getan, um den wissenschaftlich ausgerichteten MGM eine militärgeschichtliche Zeitschrift mit Bildungscharakter an die Seite zu stellen. Beginnend mit dem Heft 1/2002 erschien diese Zeitschrift in Regie des MGFA und erhielt eine neue inhaltliche und optische Gestaltung. Seitdem erfüllt die »Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung« in gelungener Weise die Funktion, militärhistorische Kenntnisse in populärer Weise einem breiteren Leserkreis zu vermitteln. Die Beiträge sind durchweg anspruchsvoll aufgemacht, der Text wird durch Illustrationen und Karten ergänzt. Die Hinweise auf wichtige Buchneuerscheinungen, auf militärhistorische Ausstellungen und auf relevante Internetauftritte ergänzen den Text.

Die deutschen Militärhistorikerinnen und ‑historiker verfügen mittlerweile über ein drittes Publikationsorgan, den Newsletter des Arbeitskreises Militärgeschichte, der etliche Jahre in gedruckter Form erschien, heute aber über das Internet zugänglich ist (www.portal-militaergeschichte.de). Seine Besonderheit besteht darin, dass er Forschungsvorhaben vorstellt und damit einen frühzeitigen Meinungsaustausch unter Kollegen anregt. Auch mit der Ankündigung von militärhistorischen Tagungen erfüllt er eine wissenschaftsorganisatorische Funktion.

Vom 3. Oktober 1990 bis zum 31. Dezember 1992 war das MGFA für die fachliche Betreuung der wissenschaftlichen Mitarbeiter des ehemaligen MGI (Nachkommando MGI) zuständig. Das MGFA gab eine Reihe von Studien sowie verschiedene bibliografische Arbeiten in Auftrag. So wurde Felix Brandt, von 1974 bis 1990 Redakteur der »Militärgeschichte«, mit der Aufgabe betraut, anknüpfend am 1972 veröffentlichten Zwanzigjahresregister dieser Zeitschrift (Militärgeschichte, 20 (1972), 6) den Inhalt dieser Zeitschrift bibliografisch vollständig zu erfassen. Einer anschließenden Veröffentlichung standen allerdings zunächst Probleme verlegerischer, technischer und gliederungsmäßiger Art entgegen. Nachdem mit Wolfgang Weist (trafo verlag) ein Verleger für die Kleinauflage hatte gewonnen werden können und das bibliografische Material neu geordnet worden war, erschien das Gesamtregister der Zeitschrift im Jahr 2000 (Zeitschrift »Militärgeschichte«. Bibliographisches Gesamtregister 1962–1990. Hrsg. von Hans-Joachim Beth, bearb. von Felix Brandt, Berlin 2000, 220 S.). Als der Leitende Historiker des MGFA Wilhelm Deist das Register, das er wohl selbst initiiert hatte, in Händen hielt, bewertete er das vorliegende Ergebnis des Arbeitsauftrages aus dem Jahr 1990 positiv. Im Gespräch äußerte er mir gegenüber, das er sich für die MGM eine ähnliche bibliografische Erfassung wünschen würde. Diesem Wunsch wird nun unter Einbeziehung der »Militärgeschichtlichen Zeitschrift« (MGZ) in diesem Sonderheft entsprochen. Wertvolle historische Forschungsergebnisse, die zumeist auch nach Jahrzehnten ihren Wert haben, werden so vor dem Vergessen bewahrt.

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Published Online: 2017-10-24

Published in Print: 2017-09-26


Citation Information: Militaergeschichtliche Zeitschrift, Volume 76, Issue s1, Pages 68–71, ISSN (Online) 2196-6850, ISSN (Print) 2193-2336, DOI: https://doi.org/10.1515/mgzs-2017-0154.

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