Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
More options …

Peer reviewed

Militärgeschichtliche Zeitschrift

Ed. by Hillmann, Jörg / Epkenhans, Michael

2 Issues per year


CiteScore 2017: 0.04

SCImago Journal Rank (SJR) 2017: 0.146
Source Normalized Impact per Paper (SNIP) 2017: 0.428

Online
ISSN
2196-6850
See all formats and pricing
More options …
Volume 76, Issue s1

Issues

Weltkrieg 1938?

Ivan Pfaff, Die Modalitäten der Verteidigung der Tschechoslowakei 1938 ohne Verbündete

Bernd Wegner
Published Online: 2017-10-24 | DOI: https://doi.org/10.1515/mgzs-2017-0163

Reviewed publication

Ivan Pfaff , Die Modalitäten der Verteidigung der Tschechoslowakei 1938 ohne Verbündete

In: MGM, 57 (1998), 1, S. 23–77; https://doi.org/10.1524/mgzs.1998.57.1.23

Als Ivan Pfaff 1998 seinen Aufsatz über die Möglichkeiten einer eigenständigen Verteidigung seines Heimatlandes gegen den sechzig Jahre zuvor erfolgten Einmarsch der deutschen Wehrmacht veröffentlichte, waren es nicht allein akademische Interessen, die den über Siebzigjährigen zu seinem Beitrag motivierten. Wie bereits bei seinem wenig früher erschienenen Buch über die Sowjetunion und die Frage der tschechoslowakischen Verteidigung in den 1930er Jahren1 ging es Pfaff auch darum, über jene »unselige tschechische Kapitulationsbereitschaft« Rechenschaft abzulegen, dank derer die Demokratie und die Souveränität seines Heimatlandes immer wieder »kampflos preisgegeben« worden waren.2 Nicht weniger als drei Mal in seinem Leben hat der 2014 verstorbene Autor den Akt nationaler Erniedrigung erleben müssen: 1938/39 als Dreizehnjähriger, zehn Jahre später dann als junger Erwachsener bei der Zwangsumwandlung der Tschechoslowakei in eine sozialistische Volksrepublik und 1968, als sowjetische Panzer dem »Prager Frühling« ein vorzeitiges Ende bereiteten. »In fast symptomatischer Weise« verkörpere sein Lebensweg »die verschlungenen Wege von tschechischen Intellektuellen im 20. Jahrhundert«, wie der Kölner Osteuropahistoriker Manfred Alexander schrieb.3 Als Jugendlicher war Pfaff im Widerstand gegen die deutsche Besatzung. Während des Krieges wurde er kurzzeitig Mitglied der illegalen Kommunistischen Partei, um sich dann der Sozialdemokratie zuzuwenden. Sein Studium der Geschichtswissenschaft konnte er in seiner Heimat nur unter Schwierigkeiten abschließen. Doch nicht genug: Im September 1967 publizierte die »Sunday Times« ein an die Weltöffentlichkeit adressiertes Manifest, in dem angeblich über 300 tschechoslowakische Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle die rigorosen Zensurpraktiken ihrer kommunistischen Regierung anprangerten. Der Text löste weltweit Proteste aus und bewog zum Beispiel auch Günter Grass, sich in einem offenen Brief direkt an den Staatspräsidenten der ČSSR zu wenden. Indes stellte sich schon bald heraus, dass das vermeintliche Manifest der 300 in Wahrheit nur einen einzigen Autor und Unterzeichner hatte – Ivan Pfaff –, der seinen schweijkschen Streich dann auch prompt mit fünf Jahren Haft büßen musste, bevor er unter der neuen Parteiführung von Alexander Dubček amnestiert wurde. Nach dem Zusammenbruch des Prager Frühlings wurde Pfaff erneut zu einer Haftstrafe verurteilt, wusste sich ihr diesmal aber durch Flucht in die Schweiz rechtzeitig zu entziehen.4

I

Die besonderen Lebensumstände des Verfassers lassen seinen Aufsatz als mehr denn nur eine akademische Fingerübung erscheinen. Aber macht ihn das allein im Rückblick von fast zwei Jahrzehnten noch lesenswert? Auf den ersten Blick könnte man Zweifel haben. Der Beitrag ist weder in seinem Ansatz sonderlich originell noch programmatisch in seinen Aussagen. Vielmehr handelt es sich um eine streng empirische Untersuchung von so penibler Detailfreude, dass man stellenweise versucht ist, ihr den Vorwurf positivistischer Faktenhuberei zu machen. Dies wäre freilich schon darum ungerecht, weil die Frage der tschechischen Verteidigungsfähigkeit ohne ein sorgfältiges Abwägen militärischer Potenziale und strategischer Szenarien gar nicht zu beantworten wäre. Gleichwohl, ein am Thema nur mäßig interessierter Leser könnte die Lektüre fünfzigseitiger Darlegungen über Geländebeschaffenheit und Befestigungsarchitektur, Rüstungsziffern und Kalibergrößen, Einsatzplanungen und Truppendislozierungen für ermüdend halten, zumal sie einem militärischen Ernstfall gelten, der letztlich gar nicht eintrat.

Indes ist es eben dieser letztgenannte Aspekt, der an Pfaffs Ausführungen fasziniert und uns im Folgenden näher beschäftigen soll. Falls der Autor nämlich mit dem Ergebnis seiner Recherchen recht haben sollte und die Tschechoslowakei militärischen Widerstand gegen den großen Nachbarn durchaus mit einiger Aussicht auf Erfolg hätte wagen können, so ergäbe sich daraus die sehr viel weiter reichende Frage nach den möglichen Folgen, die ein Widerstand Prags 1938 für die europäische Politik hätte haben können. Was Pfaff selber angeht, so verweigert er sich allen diesbezüglichen Überlegungen auf geradezu ängstliche Weise. Er sei bemüht, so stellt der Autor gleich zu Anfang seines Aufsatzes klar, »sich strikt darauf zu beschränken, was sich wirklich ereignete, was tatsächlich war, was wirklich gedacht oder geplant wurde, und weicht absichtlich dem ahistorischen ›was gewesen wäre, wenn‹ aus«.5

Die Furcht vor allem Kontrafaktischen ist für die im Geiste des Historismus erzogene Historikergeneration, der auch Pfaff angehört, nur allzu typisch. Nichts galt ihr als unseriöser denn Spekulationen. Der schier unendliche Raum des nur Möglichen, aber nicht Realen schien nicht nur unerforschbar, sondern auch bedeutungslos. Da Nichtereignisse weder Ursachen noch Folgen haben, vermögen sie weder etwas zu erklären noch zum Verständnis der Gegenwart beizutragen. Diese nämlich kann immer nur als Ergebnis dessen verstanden werden, was tatsächlich geschehen ist, und keinesfalls als Konsequenz aus etwas, was sich nie ereignet hat.6 Bestätigt sah man sich in dieser Auffassung durch Generationen herausragender Historiker und Philosophen. So hatte etwa bereits Johann Gottfried Herder in seinen »Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit« gemahnt, Geschichte sei »die Wissenschaft dessen, was da ist, nicht dessen, was nach geheimen Absichten des Schicksals etwa wohl sein könnte«.

Erst im Zuge eines zunehmend konstruktivistischen Geschichtsverständnisses während der letzten Jahrzehnte haben derlei Überzeugungen einer wachsenden Neugier gegenüber dem Raum unrealisierter historischer Möglichkeiten Platz gemacht.7 Beigetragen hat dazu die wissenschaftstheoretische Einsicht, dass die Grenze zwischen faktenorientierten und kontrafaktischen Sätzen fließender ist als zumeist angenommen, erweisen sich letztere doch oftmals nur als die logische Kehrseite der ersteren. So impliziert jede Behauptung eines Kausalzusammenhangs die Annahme, dass der als Ursache benannte Tatbestand im Fall seines Fehlens einen Unterschied bewirkt hätte.8 Auch historischen Werturteilen liegen in der Regel (oft unausgesprochene) kontrafaktische Annahmen zugrunde. Wer die deutsch-deutsche Vereinigung von 1989/90, wer die Französische oder die Russische Revolution einen Glücksfall der Geschichte nennt, meint damit nichts anderes, als dass die Geschichte ohne diese Ereignisse wohl einen vergleichsweise übleren Verlauf genommen hätte. Neben dem wissenschaftslogischen Aspekt zeigt sich in jüngerer Zeit auch, dass kontrafaktische Überlegungen einen erheblichen heuristischen Wert besitzen. Vor allem historische Entscheidungssituationen können zuverlässiger beurteilt werden, wenn Entscheidungsalternativen und deren potenzielle Folgen in den Blick genommen werden. Wir lernen dabei, die Wahrscheinlichkeit von Entwicklungen abzuschätzen, die Bedeutung von Zufällen anzuerkennen und Geschichte als einen prinzipiell offenen Prozess statt als eine Folge scheinbarer Notwendigkeiten zu verstehen.

Wenn wir uns dem Geschehen des Jahres 1938 unter diesem Aspekt nähern, eröffnet sich mit Pfaffs Aufsatz ein Ausblick von faszinierendem Perspektivenreichtum. Dies freilich nur, wenn der Autor mit seinem Urteil über die Verteidigungsfähigkeit der ČSR in jenem Schicksalsjahr grundsätzlich recht hat. Beginnen wir also mit einem kurzen Resümee der Ergebnisse, zu denen er auf der Basis tschechischer, deutscher und britischer Archivbestände gekommen ist, bevor wir uns einem darauf aufbauenden Gedankenexperiment unterziehen.

II

Abgesehen von allen militärischen Maßnahmen bildete die Tschechoslowakei in ihren Grenzen von 1937/38 zunächst einmal einen geografisch gut geschützten Raum. Rund drei Viertel der insgesamt über 2000 Kilometer langen Grenze zu Deutschland war von hohen, im Winter tief verschneiten Gebirgsketten umsäumt, die einen Vorstoß motorisierter Kräfte nur an vergleichsweise wenigen Stellen erlaubten. Allerdings hatte sich die geostrategische Lage des Landes durch den erzwungenen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verschlechtert, da der Südgrenze Böhmens und Mährens ein Schutz durch natürliche Hindernisse, namentlich Gebirge, fehlte. Eine großräumige Landschaftsüberflutung, im Ernstfall herbeigeführt durch eine Sprengung von Talsperren und Öffnung von Teichen, sollte diesen Mangel nach den Planungen des tschechischen Generalstabs zumindest teilweise ausgleichen.9

Wesentlich verstärkt wurde der Schutz der Landesgrenzen durch ein ausgeklügeltes System leichter, mittlerer und schwerer Befestigungsanlagen (ähnlich der französischen Maginotlinie), deren Bau Mitte der 1930er Jahre in Angriff genommen worden war. Obgleich noch keineswegs vollendet, war das konzipierte System in seiner Dichte – es umfasste alles in allem über zehntausend Objekte – doch beeindruckend: auf je zehn Kilometer kamen nicht weniger als 55 Befestigungsanlagen. Nicht wenige deutsche Generale, darunter Wilhelm Keitel, Franz Halder und Erich von Manstein, aber auch Rüstungsminister Albert Speer, gaben nach Kriegsende zu verstehen, dass der deutschen Wehrmacht 1938 wohl die Mittel gefehlt hätten, das tschechische Fortifikationssystem zu durchbrechen.10 Pfaff vermutet, dass vor allem »die Artilleriefestungen und die schweren Befestigungen für lange Monate uneinnehmbar gewesen wären, während die leichten Befestigungen relativ schnell überrannt und die mittleren Befestigungen mit schwerer Artillerie, an der es allerdings der Wehrmacht mangelte, bezwungen worden wären«.11

Auch unter der Annahme, dass es zu Kämpfen im Landesinneren gekommen wäre, erwies sich die Armee der ČSR als durchaus verteidigungsfähig. Jedenfalls war ihr Pfaffs Berechnungen zufolge die Wehrmacht an Kopfstärke nur um ein Viertel überlegen und vermochte an Reserven gar nur einen Bruchteil der tschechischen aufzubringen. Von der gemeinhin geforderten doppelten Überlegenheit des Angreifers gegenüber dem Verteidiger konnte keine Rede sein; dies galt auch für die artilleristische Ausstattung der beiden Armeen. Ein krasses Missverhältnis zugunsten der deutschen Wehrmacht bestand hingegen bei der Motorisierung, und hier insbesondere, was die Zahl der Lastkraftwagen, aber auch der Panzer, Panzerabwehrkanonen und Flak-Geschütze anging.12 Allerdings relativiere sich, so Pfaff, dieses Bild hinsichtlich der Panzer wesentlich, sobald über die bloßen Zahlen hinaus auch deren Qualität berücksichtigt werde; bezüglich Panzerung und Feuerkraft, Schussweite und Geschwindigkeit seien die tschechischen Modelle den deutschen Panzern I und II weit überlegen gewesen.13 Auch die deutsche Überlegenheit an Flugzeugen reduziere sich auf ein Verhältnis von gerade einmal 1,3 : 1,0, wenn man nur einsatzbereite Maschinen mit voll ausgebildeten Besatzungen ins Kalkül ziehe; hinzu komme, dass Deutschland nicht seine ganze Luftwaffe allein gegen die ČSR hätte zum Einsatz bringen können.14

Pfaff negiert in seiner Abwägung der wechselseitigen Kampfkraft keineswegs die erheblichen Schwachstellen der tschechischen Verteidigung. Neben den erwähnten Rückständen in der Motorisierung und der durch den »Anschluss« Österreichs allgemein verschlechterten geostrategischen Lage seines Landes erachtet er vor allem den mit über 22 Prozent hohen Anteil der sudetendeutschen Bevölkerung als ein für die Mobilisierung und Funktion der Armee bedrohliches Moment. Allerdings hatte die Armeeführung entsprechenden Risiken früh gegenzusteuern versucht und den Anteil Deutscher vor allem in Eliteeinheiten sowie im höheren Offizierskorps gering gehalten. Auch zeitigten Diversionsversuche sudetendeutscher Organisationen nur bedingt Wirkung; ein am 13. September entfesselter sudetendeutscher Aufstand brach schon nach wenigen Tagen sang- und klanglos zusammen.15

Wenn Pfaff – teilweise in Anlehnung an Einschätzungen des damaligen britischen Militärattachés in Prag, Colonel H. C. T. Stronge – »die Vorstellung eines sechsmonatigen Krieges [...] als ein Minimum« dessen erachtet, was im Falle einer tschechischen Verteidigung zu erwarten wäre,16 so stützt sich seine Einschätzung nicht zuletzt auch auf einen Vergleich der deutschen Angriffs- mit der tschechischen Verteidigungsplanung. »Die deutsche Vorstellung, die Tschechoslowakei in wenigen Wochen oder gar Tagen zu schlagen«, erscheint dem Autor als »pure Utopie«, der deutsche Operationsplan insgesamt als »unrealistisch, ja waghalsig«.17 Dabei decken sich einige seiner Hauptargumente mit der Kritik, die bereits im Sommer 1938 die deutsche Heeresleitung an der von Hitler veranlassten Neufassung der Weisung »Grün« geübt hatte. Schon damals hatte Generaloberst Ludwig Beck, der Generalstabschef, darauf hingewiesen, dass aufgrund erfolgreicher tschechischer Aufklärung ein deutscher Angriff nicht mehr mit dem Überraschungsmoment rechnen könne, das für einen schnellen, durchschlagenden Erfolg ausschlaggebend sei.18 Davon ganz abgesehen wäre ein operativer Blitzkrieg, wie sich bald herausstellen sollte, auch dank der ausnehmend schlechten Wetterverhältnisse fraglich gewesen, die während der ganzen ersten Oktoberhälfte einen Einsatz der Luftwaffe stark behinderten.19

Ob Pfaffs Befunde und die daraus gezogene Schlussfolgerung letztendlich korrekt sind oder nicht, kann an dieser Stelle nicht überprüft, angesichts der vorzeitigen »Kapitulation« der tschechischen Regierung vor dem »Münchener Diktat«20 wohl auch niemals eindeutig bewiesen oder widerlegt werden. Sicher ist aber, dass unser Autor mit seiner These von der Verteidigungsfähigkeit der ČSR 1938 zwar eine Minderheitenposition vertritt, keineswegs aber allein steht. Nicht nur Zeitgenossen wie etwa Winston Churchill oder der seinerzeit international renommierte Militärexperte Basil Liddell Hart vertraten ähnliche Auffassungen,21 sondern auch nachgeborene Historiker. Zu letzteren zählen zum Beispiel die britischen Autoren William Wallace und Christopher Thorne,22 während der amerikanische Militärhistoriker Williamson Murray, spürbar skeptischer als Pfaff, zu dem Schluss kam, dass die tschechische Armee einem deutschen Angriff 1938 zwar wohl nicht länger als die polnische 1939 standgehalten, der noch nicht kriegsbereiten Wehrmacht während dieser Zeit aber vergleichsweise höhere Verluste an Menschen und Material beigebracht hätte. Ein deutscher Sieg über die ČSR hätte für Hitlers Kriegspolitik mithin längst nicht denselben Auftrieb bedeutet wie der Sieg über Polen.23

III

Das Ergebnis von Pfaffs Studie ist vor allem darum faszinierend, weil es Raum für ein kontrafaktisches Gedankenexperiment gibt. Dessen Ausgangspunkt ist die Annahme, dass sich der tschechoslowakische Staatspräsident jener Tage, Edvard Beneš, entgegen dem Drängen aus London und Paris entschlossen hätte, der deutschen Annexionspolitik militärisch entgegenzutreten.24 Diese Annahme hat – im Unterschied zu anderen in der Literatur diskutierten historischen Alternativszenarien – den großen Vorteil, einfach zu sein. Während zum Beispiel die Vorstellung, die Londoner Regierung hätte während der Sudetenkrise eine ganz andere (nämlich: Kriegsbereitschaft demonstrierende) Deutschlandpolitik betrieben, im Widerspruch nicht nur zur Persönlichkeit Arthur Neville Chamberlains, sondern auch zur Logik britischer Appeasement-Politik, steht unsere Annahme in völligem Einklang mit den historischen Gegebenheiten des Jahres 1938. Immerhin hatte der Staatspräsident im Vorfeld der Münchener Verhandlungen in einer auf Englisch gehaltenen Radioansprache die Welt wissen lassen, dass er keinen Teil seines Landes freiwillig preiszugeben gedenke.25 Noch am 20. September gab er sich entschlossen, notfalls den Krieg auch ohne ausländische Unterstützung zu wagen;26 dabei schien er es zunächst nicht bei Worten belassen zu wollen: Nach Gerüchten über einen deutschen Aufmarsch hatte er erstmals bereits im Mai eine Teilmobilmachung,27 dann erneut auf dem Höhepunkt der Krise am 23. September (gegen den Rat der Westmächte) die Generalmobilmachung der Streitkräfte angeordnet. Noch am Morgen des 30. September, als die Hiobsbotschaft aus München in Prag bekannt geworden war, sei er überdies, wie Pfaff bezeugt, von seiner Generalität »flehentlich beschworen« worden, das Wagnis eines Krieges einzugehen.28 Dass Beneš sich dann doch anders entschloss, dürfte im Wesentlichen mit seiner ernüchternden Einsicht zusammenhängen, dass mit dem von ihm für den Ernstfall so sehr erhofften französischen, britischen und wohl auch sowjetischen Beistand nicht zu rechnen war.29 So triftig ihm diese Gründe im Augenblick auch erschienen sein mögen, der Staatspräsident machte sich keine Illusionen darüber, dass die Anerkennung der Münchener Beschlüsse sein Land de facto verteidigungsunfähig machen werde. Eine andere Entscheidung hätte also durchaus im Bereich des Möglichen gelegen und der in der tschechischen wie auch slowakischen Bevölkerung vorherrschenden Trotzstimmung sicher wesentlich eher entsprochen. Stattdessen herrschten nun kollektive Niedergeschlagenheit, Empörung und Trauer. Nur wenige Tage später trat Beneš von seinem Amt zurück und emigrierte in die USA.

Die Entscheidung zum Krieg trifft, wie schon Carl von Clausewitz wusste, letztlich nicht der Angreifer, sondern der Verteidiger, indem dieser beschließt, sich gegen einen Angriff militärisch zur Wehr zu setzen. Was hätte geschehen können, wenn Beneš sich in diesem Sinne am 30. September zum Krieg entschlossen, und sein Land tatsächlich die Fähigkeit besessen hätte, auch ohne Verbündete einem Angriff zumindest vorübergehend standzuhalten? Das Sicherste, was sich für diesen Fall sagen lässt, ist, dass eine solche Entscheidung eine erhebliche Eigendynamik in Bezug auf die gesamte europäische Politik in Gang gesetzt hätte. Sechs – sich wechselseitig gar nicht ausschließende – Szenarien sind dabei zu unterscheiden:

1. Die Tatsache eines sich über viele Wochen, vielleicht Monate hinziehenden Krieges in der Mitte Europas hätte ohne Zweifel einen immensen Interventionsdruck auf die Regierungen in Paris und London ausgeübt. Dass es sich um einen Kampf zwischen David und Goliath handelte, hätte diesen Druck seitens der Öffentlichkeit noch gesteigert. Während die französische Führung Tag für Tag an ihre unzweideutige vertragliche Beistandspflicht gegenüber der ČSR erinnert worden wäre, hätte Großbritannien vor dem Scherbenhaufen seiner Appeasement-Politik gestanden, deren Hauptziel doch gerade die Kriegsverhinderung gewesen war. Die Minimalform einer Intervention der Westmächte wäre in diesem Fall eine erneute diplomatische Initiative (ggf. unter nochmaliger Inanspruchnahme italienischer Vermittlung) gewesen. Ob (und ggf. in welcher Form) sie zu einer Beilegung des deutsch-tschechischen Konflikts geführt hätte, hätte naturgemäß vom Verlauf der Kämpfe zwischen beiden Kontrahenten abgehangen.

Nicht unwahrscheinlich erscheint aber auch die Möglichkeit eines direkten militärischen Eingreifens von Franzosen und Briten. Mit einem solchen wäre vor allem dann zu rechnen gewesen, wenn Hitler, wie Goebbels’ Tagebuchnotizen nahelegen, seinen militärischen Vorstoß nicht auf eine Gewinnung sudetendeutscher Grenzgebiete beschränkt, sondern gleich die »große Lösung«, d. h. die Liquidierung der Tschechoslowakei als eigenständigem Staat, angestrebt hätte.30 In diesem Zusammenhang ist denn auch zu Recht darauf hingewiesen worden, wie nahe Großbritannien bereits in der letzten Septemberwoche daran gewesen war, »den Krieg als unvermeidlich hinzunehmen und sich aktiv am Kampf gegen die Diktatur in Europa zu beteiligen«.31 Tatsächlich rechneten seinerzeit nicht wenige mit einer solchen Intervention. Zu ihnen gehörte z. B. Churchill, weshalb er Beneš’ Nachgeben denn auch für einen »Fehlgriff« hielt.32 Auch in Deutschland beherrschte die Erwartung einer militärischen Intervention der Westmächte das Denken der nationalkonservativen Opposition um Generalstabschef Beck und Staatssekretär Ernst von Weizsäcker.33 Wäre es zu einem derartigen Eingreifen gekommen, so hätte der Zweite Weltkrieg in Europa wohl ein Jahr früher begonnen. Er hätte dann alle beteiligten Mächte noch weitgehend unvorbereitet getroffen und wäre daher möglicherweise schneller und mit weniger exorbitanten Verlusten zu Ende gegangen.34

2. Bis heute umstritten ist, ob die Sowjetunion 1938 gewillt war und überhaupt in der Lage gewesen wäre, ihrer vertraglichen Beistandspflicht35 im Falle eines deutschen Angriffs auf die ČSR nachzukommen. Tatsächlich war die Haltung Moskaus in den fraglichen Monaten undurchsichtig und widersprüchlich.36 Pfaff zufolge verfolgte der Kreml bereits 1938 die Strategie einer gezielten Sowjetisierung Europas und habe dabei die ČSR als einen geeigneten Ausgangspunkt angesehen, um dort möglicherweise unter dem Vorwand militärischer Hilfeleistung einen von der Kommunistischen Partei ausgehenden Umsturz herbeizuführen. Diese These ist nicht zu Unrecht auf energischen Widerspruch gestoßen.37 Auch nach der (leider immer noch begrenzten) Öffnung russischer Archive, spricht viel für die Annahme, dass die Sowjetunion – durch die Säuberungen in der Roten Armee ohnehin stark geschwächt – allein schon aufgrund des Widerstandes der Transitländer Polen und Rumänien, aber auch mangels militärischer Absprachen mit Frankreich kaum eine Chance zur direkten Intervention in einen deutsch-tschechischen Konflikt gesehen haben dürfte. Denkbar erschien im Beistandsfall allenfalls eine Entsendung sowjetischer Flieger nach Erteilung einer entsprechenden Überfluggenehmigung durch Rumänien.38

3. Ein deutsch-tschechischer Grenzkrieg hätte im Falle eines Nichteingreifens der Westmächte und sich abzeichnender deutscher Überlegenheit wahrscheinlich auch Ungarn und Polen auf den Plan gerufen. Beide Mächte hatten, dem Muster der deutschen Politik folgend, bereits am 20. September Gebietsansprüche auch für ihre jeweiligen Minderheiten angemeldet. Vor allem die Aussicht auf ein militärisches Eingreifen Warschaus an der Seite Deutschlands verschlechterte die strategische Lage der ČSR und dürfte für Beneš’ Kalkül hinsichtlich der Vertretbarkeit eines Waffengangs eine Rolle gespielt haben.39

4. Wohl keine aktive Hilfe hätte die ČSR im Verteidigungsfall von Jugoslawien und Rumänien, ihren Vertragspartnern innerhalb der »Kleinen Entente«, zu erwarten gehabt. Zwar trafen sowohl Belgrad als auch Bukarest im September gewisse Mobilmachungsvorbereitungen, scheinen aber die Erfolgschancen ihres tschechischen Verbündeten als zu gering, ihre Einmischung zugunsten Prags daher als zu riskant eingeschätzt zu haben.40 Erst ein militärisches Eingreifen auch Budapests zur Sicherung seiner Revisionsansprüche gegenüber der Tschechoslowakei hätte deren antirevisonistische Vertragspartner möglicherweise zu einer Intervention bewogen. Damit wäre aus einem ursprünglich deutsch-tschechischen Konflikt ein europäischer Flächenbrand geworden, in dem auch Paris und London kaum hätten abseits stehen können.

5. Rückwirkungen hätte eine Entscheidung Prags zum aktiven Widerstand vermutlich auch innerhalb der deutschen Reichsgrenzen gehabt. Sie wären umso größer gewesen, je schwerer sich die Wehrmacht bei der Lösung der »tschechischen Frage« getan oder je mehr diese sich zu einem gesamteuropäischen Konflikt ausgeweitet hätte. Immerhin hatte die höhere Generalität des Heeres sich noch Anfang August praktisch unisono gegen ein militärisches Vorgehen, wie es Hitler vorschwebte, ausgesprochen.41 Zwar war es zu dem von Generalstabschef Beck ursprünglich angestrebten Kollektivrücktritt der Generale nicht gekommen, doch war nicht auszuschließen, dass der worst case, nämlich ein durch die erwartete Intervention der Westmächte drohender erneuter Weltkrieg, zum auslösenden Moment für einen kollektiven Ungehorsam der Heeresführung, womöglich gar für eine innenpolitische Flurbereinigung größeren Ausmaßes geworden wäre.42

6. Unser Tableau alternativhistorischer Szenarien wäre unvollständig, würden wir nicht auch die möglichen innenpolitischen und binnengesellschaftlichen Konsequenzen eines deutsch-tschechischen Krieges für die ČSR berücksichtigen. Wie vergleichbare Fälle – z. B. Finnland und der ihm 1939/40 von der Sowjetunion aufgenötigte Winterkrieg – zeigen, vermag entschlossener Widerstand gegen einen übermächtigen Aggressor – unabhängig vom Ausgang des Kampfes – einer kleinen Nation nicht nur eine immense Stärkung ihres Ansehens nach außen, sondern auch eine moralische Festigung nach innen bescheren. Im tschechischen Fall hätte eine solche Erfahrung mit Sicherheit die nationale Identität gestärkt und eine Vorbildfunktion in Hinblick auf das Verhalten in zukünftigen Bedrohungssituationen gehabt. Möglicherweise wäre unter dem Eindruck des gemeinsamen Kampfes auch das Zusammengehörigkeitsgefühl von Tschechen, Slowaken und Ruthenen nachhaltig gewachsen.

Die Liste möglicher Folgen eines aktiven tschechischen Widerstandes gegen das Münchener Abkommen ließe sich leicht erweitern, wenn wir auch indirekte, mithin kaum kalkulierbare Folgewirkungen in Betracht zögen.43 Doch wie bei einer Autofahrt durch dichten Nebel zeigt sich auch im Möglichkeitsraum der Geschichte das Naheliegende oft nur schemenhaft. Wir müssen uns also damit abfinden, nicht konkret zu wissen, welche Zukunft der Welt geblüht hätte, wären bestimmte Schlüsselentscheidungen anders getroffen worden. Unsere kontrafaktische Betrachtung verfolgte denn auch nicht das Ziel, retrospektiv Prognosen über eine ungeschehene Geschichte abzugeben. Ihr Ziel war bescheidener: Es ging darum, am Beispiel der Tschechoslowakei und ihres Staatspräsidenten von 1938 auf die relative Offenheit der Geschichte hinzuweisen und zu zeigen, wie stark unter bestimmten Rahmenbedingungen die Regierung selbst eines machtpolitisch nachgeordneten Staates mittels einer einzigen Entscheidung die Geschicke eines ganzen Kontinents in diese oder jene Richtung zu lenken vermag.

Footnotes

  • 1

    Ivan Pfaff, Die Sowjetunion und die Verteidigung der Tschechoslowakei 1934–1938. Versuch der Revision einer Legende, Köln, Weimar, Wien 1996. 

  • 2

    Pfaff, Die Modalitäten (siehe Titel), S. 77. 

  • 3

    So Manfred Alexander in seiner Besprechung zu »Češi a svět. Sborník k pětasedmdesátinám Ivana Pfaffa«. In: Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung, 51 (2002), 2, S. 314 f., hier S. 315. 

  • 4

    Vgl. Prager Zeitung (online) vom 6.3.2012: »Der Herbst vor dem Frühling«, <www.pragerzeitung.cz/index.php/home/gesellschaft/16148-der-herbst-vor-dem-fruehling> (letzter Zugriff 27.11.2016); vgl. dazu auch den Briefwechsel zwischen Günter Grass und Pavel Kohout, Briefe über die Grenze. Versuch eines Ost-West-Dialogs, Hamburg 1968. 

  • 5

    Pfaff, Die Modalitäten (wie Anm. 2), S. 23, Anm. 3. 

  • 6

    Vgl. diese Argumente knapp und konzise zusammenfassend Alexander Demandt, Ungeschehene Geschichte. Ein Traktat über die Frage: Was wäre geschehen, wenn?, Göttingen 1984, S. 11–15; das nachstehende Zitat nach ebd., S. 9. 

  • 7

    Dieses wachsende Interesse spiegelt sich in einer Welle neuerer einschlägiger Literatur; vgl. etwa Virtuelle Geschichte: Historische Alternativen im 20. Jahrhundert. Hrsg. von Niall Ferguson, Darmstadt 1999; Was wäre wenn: Alternativ- und Parallelgeschichte – Brücken zwischen Phantasie und Wirklichkeit. Hrsg. von Michael Salewski, Stuttgart 1999; Unconventional History. Ed. by Brian C. Fay, Middletown, CN 2002; Causation and Counterfactuals. Ed. by John David Collins, Edward Jonathan Hall and Laurie Ann Paul, Cambridge, Mass. 2004; Richard Ned Lebow, Forbidden fruit: Counterfactuals and International Relations, Princeton 2010; Alexander Demandt, Es hätte auch anders kommen können: Wendepunkte deutscher Geschichte, Berlin 2010; Richard J. Evans, Veränderte Vergangenheiten: Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte, München 2014; Johannes Dillinger, Uchronie: Ungeschehene Geschichte von der Antike bis zum Steampunk, Paderborn [u. a.] 2015. 

  • 8

    Wer z. B. die These aufstellt, dass der Zweite Weltkrieg vor allem eine Folge Hitler’scher Aggression gewesen sei, sagt damit zugleich, dass es den Krieg, wenn Hitler nicht gewesen wäre, in dieser Form nicht gegeben hätte. Ähnliches gilt z. B. auch für die unter Historikern beliebten Kontinuitäts- bzw. Diskontinuitätsthesen, denen gleichfalls eine implizite Vorstellung davon zugrunde liegt, wie sich die Geschichte unter anderen Voraussetzungen wohl entwickelt hätte. 

  • 9

    Vgl. Pfaff, Die Modalitäten (wie Anm. 2), S. 65 f. 

  • 10

    Einzelbelege ebd., S. 32. 

  • 11

    Ebd., S. 34. Vergleichsweise skeptischer bzgl. der Widerstandskraft der tschechischen Grenzbefestigungen zeigt sich in einem älteren, quellenmäßig weniger gut abgesicherten Beitrag Jonathan Zorach, Czechoslovakia’s Fortifications. Their Development and Role in the 1938 Munich Crisis. In: MGM, 20 (1976) 2, S. 81–94. 

  • 12

    Vgl. die Übersicht bei Pfaff, Die Modalitäten (wie Anm. 2), S. 38 (Tabelle 1). 

  • 13

    Vgl. ebd., S. 43. 

  • 14

    Vgl. ebd., S. 46. 

  • 15

    Vgl. ebd. S. 52 f., ferner Igor Lukes, Czechoslovakia between Stalin and Hitler. The diplomacy of Edvard Beneš in the 1930 s, New York, Oxford 1996, S. 213, sowie zum deutschen Hintergrund Werner Röhr, September 1938, Die Sudetendeutsche Partei und ihr Freikorps, Berlin 2008. 

  • 16

    Pfaff, Die Modalitäten (wie Anm. 2), S. 76. 

  • 17

    Ebd., S. 69 und S. 60. Hitler selbst rechnete, wie eine Tagebuchnotiz Goebbels’ vom 26.9.1938 zeigt, mit einer Operationsdauer von 2 bis 3 Wochen ab der deutschen Grenze; vgl. Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil I: Aufzeichnungen von 1923–1941, Bd 6: August 1938–Juni 1939. Hrsg. von Elke Fröhlich, München 1998, S. 113. 

  • 18

    Vgl. Klaus-Jürgen Müller, Generaloberst Ludwig Beck. Eine Biographie, Paderborn 2008, S. 323–326 und S. 330 f. 

  • 19

    Pfaff, Die Modalitäten (wie Anm. 2), S. 76. 

  • 20

    So eine geläufige tschechische Bezeichnung für das Münchener Abkommen. 

  • 21

    Vgl. John J. Mearsheimer, Liddell Hart and the Weight of History, Ithaca, London 1988, S. 140, sowie Winston Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Bd 1: Der Sturm zieht auf, Hamburg 1950, S. 369 und S. 378. 

  • 22

    Vgl. William V. Wallace, Czechoslovakia, Boulder, Col. 1976; Christopher Thorne, The Approach of War 1938–1939, Basingstoke 1985. 

  • 23

    Vgl. Williamson Murray, The Change in the European Balance of Power, 1938–1939. The Path to Ruin, Princeton 1984, S. 234; siehe auch Williamson Murray, Munich 1938: The Military Confrontation. In: Journal of Strategic Studies, 2 (1979),3, S. 282–302. 

  • 24

    Die Frage, ob er eben dies hätte tun sollen, hat in der tschechischen Öffentlichkeit bis auf den heutigen Tag immer wieder zu heftigen Diskussionen geführt, deren Verlauf hier nicht nachgezeichnet werden kann. 

  • 25

    »Czechoslovakia is prepared to defend her territory and will not voluntarily give up any part of it.« Brian Kenety, The 17th of November: Remembering Jan Opletal, martyr of an occupied nation, Radio Praha, 17.11.2005, <www.radio.cz/en/section/panorama/the-17th-of-november-remembering-jan-opletal-martyr-of-an-occupied-nation> (letzter Zugriff 22.1.2017). 

  • 26

    Vgl. Lukes, Czechoslovakia between Stalin and Hitler (wie Anm. 15), S. 223. – Auch in Berlin war man sich bis zuletzt keineswegs sicher, wie Beneš sich verhalten würde: »Große Frage: Gibt Benesch nach? Der Führer meint nein, ich sage ja.« Die Tagebücher von Joseph Goebbels (wie Anm. 17), S. 112 (26.9.1938). 

  • 27

    Vgl. dazu zuletzt Andreas Krämer, Hitlers Kriegskurs, Appeasement und die »Maikrise« 1938. Entscheidungsstunde im Vorfeld von »Münchener Abkommen« und Zweitem Weltkrieg, Berlin 2014. 

  • 28

    Pfaff, Die Modalitäten (wie Anm. 2), S. 23. Vgl. dazu auch Igor Lukes, Stalin and Czechoslovakia in 1938–39: An Autopsy of a Myth. In: The Munich crisis 1938. Prelude to World War II. Ed. by Igor Lukes and Erik Goldstein, London 1999, S. 13–47, hier S. 14. 

  • 29

    Vgl. Näheres dazu bei Zbyněk Zeman und Antonín Klimek, The Life of Edvard Beneš, 1884–1948, Oxford 1997, Kapitel 8 (Munich: A Unique Bestiality). 

  • 30

    Die Tagebücher von Joseph Goebbels (wie Anm. 17), S. 119 (29.9.1938). Die Aufzeichnungen des Propagandaministers aus jenen Tagen lassen alles in allem kaum einen Zweifel daran, dass das eigentliche Ziel Hitlers auch im September bereits die völlige staatliche Zerschlagung der ČSR war. 

  • 31

    So Reiner Franke in seiner Dissertation, London und Prag. Materialien zum Problem eines multinationalen Nationalstaates 1919–1938, München 1981, S. 413. 

  • 32

    Churchill, Der Zweite Weltkrieg (wie Anm. 21), Bd 1, S. 369. Vgl. dazu auch unlängst Die Maiski-Tagebücher. Ein Diplomat im Kampf gegen Hitler 1932–1943. Hrsg. von Gabriel Gorodetsky, München 2016, S. 216 (1.9.1938). 

  • 33

    Vgl. Müller, Ludwig Beck (wie Anm. 18), S. 313–319. Ferner die älteren Beiträge von Marion Thielenhaus, Zwischen Anpassung und Widerstand. Deutsche Diplomaten 1938–1941. Die politischen Aktivitäten der Beamtengruppe um Ernst von Weizsäcker im Auswärtigen Amt, 2., durchges. Aufl., Paderborn [u. a.] 1985, S. 48–53; Gottfried Niedhart, The Problem of War in German Politics in 1938. In: War & Society, 2 (1984), 1, S. 55–64, sowie Rainer A. Blasius, Weizsäcker contra Ribbentrop: »München« statt des großen Krieges. In: Machtbewusstsein in Deutschland am Vorabend des Zweiten Weltkrieges. Hrsg. von Franz Knipping und Klaus-Jürgen Müller, Paderborn [u. a.] 1984, S. 93–118, und Manfred Messerschmidt, Das strategische Lagebild des OKW (Hitler) im Jahre 1938 In: ebd., S. 145–158. 

  • 34

    Vgl. in diesem Sinne z. B. Williamson Murray, Der Krieg des Jahres 1938. In: Wendepunkte der Weltgeschichte – Was wäre geschehen, wenn? Hrsg. von Robert Cowley, München 2006, S. 328–358. 

  • 35

    Eine deutsche Fassung des »Vertrages über gegenseitigen Beistand zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Tschechoslowakischen Republik« vom 16.5.1938 findet sich in der Online-Edition »100(0) Schlüsseldokumente zur Russischen und Sowjetischen Geschichte«, <www.1000dokumente.de/index.html?c=dokument_ru&dokument=0021_tsc&st=VERTRAG%20 %C3 %BCBER%20GEGENSEITIGEN%20BEISTAND%20ZWISCHE&l=de> (letzter Zugriff 25.1.2017). 

  • 36

    So auch Lukes, Czechoslovakia between Stalin and Hitler (wie Anm. 15), S. 132. Zum Hintergrund der Kontroverse um Moskaus Haltung vgl. auch Jonathan Haslam, The Soviet Union and the Czechoslovakian Crisis of 1938. In: Journal of Contemporary History, 14 (1979), S. 441–461, sowie Igor Lukes, Did Stalin desire War in 1938? A New Look at Soviet Behaviour during the May and September Crises. In: Diplomacy and Statecraft, 2 (1991), 1, S. 3–53. 

  • 37

    Vgl. hierzu neben Pfaffs Hauptwerk, Die Sowjetunion (wie Anm. 1), auch seinen Aufsatz, Die Gefahr der Sowjetisierung der Tschechoslowakei im Falle der russischen Hilfeleistung. In: Mythos München. Hrsg. von Fritz Taubert, München 2002 (= Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, 98), S. 25–38. Zurückgewiesen wird Pfaffs These u. a. von Milan Hauner, The Quest for the Romanian Corridor: The Soviet Union, Romania and Czechoslovakia during the Sudeten Crisis of 1938 im selben Band, S. 39–77. 

  • 38

    Vgl. neben Hauner, The Quest for the Romanian Corridor (wie Anm. 37), auch Zara Steiner, The Soviet Commissariat of Foreign Affairs and the Czechoslovakian Crisis in 1938: New Material from the Soviet Archives. In: The Historical Journal, 42 (1999), 3, S. 751–779. Die unlängst publizierten Tagebücher des sowjetischen Botschafters in London, Iwan Maiski, erwecken hingegen den (vielleicht nur propagandistisch gewollten) Eindruck, als sei Moskau zur Erfüllung seiner Beistandspflichten entschlossen gewesen; vgl. Die Maiski-Tagebücher (wie Anm. 32), S. 217 f. (3.9.1938). 

  • 39

    Vgl. dazu auch Lukes, Czechoslovakia between Stalin and Hitler (wie Anm. 15), S. 228, sowie Milan Hauner, The Sudeten Crisis of 1938: Benes and Munich. In: The Origins of the Second World War: An international perspective. Ed. by Frank McDonough, London 2011, S. 364. 

  • 40

    Vgl. dazu neben der älteren Studie von Günter Reichert, Das Scheitern der Kleinen Entente: Internationale Beziehungen im Donauraum 1933–1938, München 1971, auch Martin Thomas, France and the Czechoslovak Crisis. In: The Munich Crisis (wie Anm. 28), S. 146. 

  • 41

    Vgl. Müller, Ludwig Beck (wie Anm. 18), S. 351–355. 

  • 42

    Vgl. die differenzierte Darstellung des gesamten Konfliktszenarios jener Monate ebd., Kap. XI und XII. 

  • 43

    Beispielhaft genannt sei hier nur die Möglichkeit einer Vernetzung des mitteleuropäischen Konflikts um die ČSR mit dem 1938 noch nicht beendeten Spanischen Bürgerkrieg. 

About the article

Published Online: 2017-10-24

Published in Print: 2017-09-26


Citation Information: Militaergeschichtliche Zeitschrift, Volume 76, Issue s1, Pages 133–145, ISSN (Online) 2196-6850, ISSN (Print) 2193-2336, DOI: https://doi.org/10.1515/mgzs-2017-0163.

Export Citation

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston.Get Permission

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in