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Naharaim

Zeitschrift für deutsch - jüdische Literatur und Kulturgeschichte (Journal of German - Jewish Literature and Culture History)

Ed. by Weidner, Daniel / Weiss, Yfaat / Wiese, Christian

2 Issues per year

Online
ISSN
1862-9156
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Weiße Stellen und schwarze Löcher: Vergangenheit und Gegenwart in Ostgalizien

Omer Bartov
Published Online: 2008-02-18 | DOI: https://doi.org/10.1515/NAHA.2007.014

I Das Grenzland

Im Jahre 1772 annektierte das Habsburgerreich im Süden Polens gelegene Gebiete und gliederte sie als „Königreich Galizien und Lodomerien“ in seinen Herrschaftsbereich ein. Nach dem Zusammenbruch der Habsburger Monarchie im I. Weltkrieg wurde Galizien 1918 Teil des erneut unabhängigen Polen. In Ostgalizien gründeten ukrainische Nationalisten eine kurzlebige „West-Ukrainische Republik“. Im Anschluss weiterer Kampfhandlungen zwischen Polen, Ukrainern und Sowjets annektierte Polen dann ganz Ostgalizien, das von den Polen „Kleines Ostpolen“ genannt wurde, einschließlich der nördlichen Gebiete Wolhyniens (Wolyñ) und Polesiens (westliches Belorussland). Die im Gefolge des Kriegsendes neu entstandenen Grenzen wurden 1923 international anerkannt. Ostgalizien und Wolhynien wurden 1939 von der UdSSR annektiert und der ukrainischen Sowjetrepublik angegliedert. Während der deutschen Besatzung zwischen 1941–1944 war Ostgalizien Teil des von den Deutschen kontrollierten Generalgouvernements Polen. Im Anschluss an die Befreiung dieser Gebiete durch die Rote Armee kam Ostgalizien wiederum an die ukrainische Sowjetrepublik. Seit der ukrainischen Unabhängigkeit 1991 ist es Teil der West-Ukraine (zusammen mit Wolhynien, dem nördlichen Teil der Bukowina und der Transkarpaten oder früher auch Ruthenien genannten Region). Das ehemalige ostgalizische Grenzlandgebiet erstreckt sich von der im Norden gelegenen Kreishauptstadt L'viv (Lwów, Lvov, Lemberg) bis zu der im Süden gelegenen, der ehemaligen österreichischen Provinz Bukowina zugehörigen Stadt Chernivtsi (Chernovtsy, Czernowitz, Cernăuti), von der Bergkette der Karpaten im Westen bis zum Fluss Sbrutsch (Zbrucz, Pruth) und zu den Ebenen von Podolien im Osten. Es handelt sich um ein Gebiet, das berühmt, aber durchaus auch berüchtigt ist.

About the article

Published Online: 2008-02-18

Published in Print: 2008-01-01


Citation Information: Zeitschrift für deutsch-jüdische Literatur und Kulturgeschichte, ISSN (Online) 1862-9156, ISSN (Print) 1862-9148, DOI: https://doi.org/10.1515/NAHA.2007.014.

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