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Neuroforum

Organ der Neurowissenschaftlichen Gesellschaft

Editor-in-Chief: Wahle, Petra


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ISSN
2363-7013
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Volume 23, Issue 4

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DFG-Graduiertenkolleg 2150„Neuronale Grundlagen der Modulation von Aggression und Impulsivität im Rahmen von Psychopathologie“

Ute Habel / Ruben C. Gur
  • Corresponding author
  • Departments of Psychiatry, Radiology and Neurology, Brain Behavior Laboratory and Center for Neuroimaging in Psychiatry, 3400 Spruce Street, School of Medicine University of Pennsylvania and the Philadelphia Veterans Administration Medical Center, Philadelphia, PA 19104, USA
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Published Online: 2017-11-23 | DOI: https://doi.org/10.1515/nf-2017-0026

Zusammenfassung

Im April 2016 nahm das neue internationale Graduiertenkolleg 2150 (IRTG 2150) mit dem Titel „Neuronale Grundlagen der Modulation von Aggression und Impulsivität im Rahmen von Psychopathologie“ offiziell seine Arbeit auf. Institutionell setzt sich das internationale GRK zusammen aus (1) der Jülich-Aachen-Research-Alliance (JARA), einer Vernetzung der RWTH Aachen und dem Forschungszentrum Jülich, speziell der Sektion JARA-BRAIN, sowie (2) der renommierten University of Pennsylvania in den USA. Beide Standorte verbindet eine seit vielen Jahren bestehende enge wissenschaftliche Beziehung, die auf einer erfolgreichen Zusammenarbeit im vorangehenden gemeinsamen Internationalen Graduiertenkolleg zu Schizophrenie und Autismus (IRTG 1328, Sprecher: Frank Schneider) beruht und die in diesem neuen Verbund weiter ausgebaut werden soll. Das Graduiertenkolleg dient der wissenschaftlich-akademischen Qualifizierung auf dem Gebiet der klinischen, translationalen, molekularen und systemischen Neurowissenschaften. Zwölf Professoren aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen, wie Medizin, Psychologie, Biologie, Elektrotechnik und Physik bekommen jeweils eine Doktorandenstelle von der DFG finanziert. Hinzu kommen aktuell zehn assoziierte Doktoranden und fünf Medizinstudenten, die in Deutschland promovieren sowie weitere zehn Doktoranden, die an der University of Pennsylvania eingeschrieben sind. Mehrere Postdocs auf beiden Seiten vervollständigen die Gruppe.

Schlüsselwörter: pathologische Aggression/Impulsivität; klinische & translationale Neurowissenschaften; Neuromodulation & psychologische Intervention; Qualifikation & Mentoring

Keywords: pathological aggression/impulsivity; clinical & translational neuroscience; neuromodulation & psychological intervention; qualification & mentoring

Einleitung: Das IRTG 2150 stellt sich vor

Im Rahmen dieses zunächst für 4,5 Jahre bewilligten Graduiertenkollegs stehen die Untersuchung und Erforschung zentralnervöser, insbesondere neurobiologischer Mechanismen pathologischer Aggression und Impulsivität im Mittelpunkt. Für diese Forschungsbestrebungen stellt die DFG ein Gesamtfördervolumen von rund 5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Neurobiologie pathologischer Aggression und Impulsivität ist ein aktuelles klinisch wie gesellschaftlich hoch relevantes Thema. In der Klinik stellen Patienten mit pathologischen aggressiven Symptomen eine enorme Herausforderung für die Therapie dar. Impulsivität und Aggressivität sind multifaktorielle Phänomene und ihre neurobiologischen Grundlagen sind weitestgehend unbekannt. Um die zugrunde liegenden neurobiologischen Prozesse tiefgehend und umfassend zu entschlüsseln, werden Bildgebung und Verhaltensforschung mit neuropsychologischen, elektrophysiologischen, neuroendokrinen und molekularen Ansätzen kombiniert. Dabei werden in einem translationalen Vorgehen Mensch- und Tiermodelle miteinander verbunden, um zwei Fragestellungen zu verfolgen: 1) Den Einfluss von Faktoren wie Umwelt, traumatische Erfahrungen, Persönlichkeit, Alter, Geschlecht, Kultur und (epi-)genetische Faktoren auf aggressives und impulsives Verhalten sowie die zugrunde liegenden neuronalen Netzwerke und Neurotransmittersysteme zu erforschen; 2) Aggressives Verhalten und zerebrale Konnektivität durch neuromodulatorische, psychologische und psychopharmakologische Methoden zu modulieren (Abb. 1). Übergeordnetes Ziel ist es, die zugrunde liegenden Netzwerke zu charakterisieren sowie neue therapeutische Interventionen zu entwickeln.

Die Forschungsthematik

Gemäß der geläufigsten Definitionen ist Aggression „jegliches Verhalten, das gegen ein anderes Individuum gerichtet ist, mit der Absicht Schaden zuzufügen“ (Anderson und Bushman, 2002). Als solche ist Aggression Teil des emotionalen Antwortmusters auf Frustration und Bedrohung bei Mensch und Tier und spielt eine bedeutende evolutionäre Rolle. Dabei wird häufig zwischen reaktiver und instrumenteller Aggression differenziert. Erstere ist impulsiv, feindselig und emotional, letztere dagegen vorsätzlich, proaktiv und zielorientiert. Reaktive Aggression ist damit eng verknüpft mit Impulsivität. Impulsivität kann als Tendenz definiert werden, aus dem Impuls heraus, ohne Überlegung und Plan oder die Berücksichtigung von Konsequenzen zu handeln (American Psychiatric Association, APA, 2013). Dieses Konstrukt ist breiter und beinhaltet Aspekte wie eingeschränkte Fähigkeiten zur Inhibition, Schwierigkeiten im Belohnungsaufschub und vorschnelle Entscheidungen. Untersuchungen bei Nagern konnten zeigen, dass fehlende Hemmung und Impulskontrolle zentrale Aspekte der Aggression sind, auch wenn Korrelationen zwischen beiden Konstrukten nicht immer nachweisbar sind. Interessanterweise wird in neuerer Zeit auch die appetitive Aggression stärker untersucht (Elbert et al., 2017). Sie stellt die biologische Prädisposition des Menschen zur genuinen Lust an Gewalt im Einzel- oder Gruppenszenario dar (z. B. Krieg, Hooliganismus).

Aggression und Impulsivität sind das Ergebnis komplizierter Wechselwirkungen biologischer, sozialer, situationaler, kultureller, psychologischer und persönlicher Faktoren. Studien zum neuronalen Netzwerk der Aggression beruhen auf Untersuchungen von Patienten mit pathologischer Aggression, Tierstudien sowie Bildgebungsstudien mit experimentellen Ansätzen zur Ärgerprovokation oder Emotionsregulation. Den Ergebnissen zufolge scheint reaktive Aggression auf ein Ungleichgewicht von unzureichender präfrontaler (orbitofrontaler (OFC), medial präfrontaler (MPFC), ventro- und dorsolateral präfrontaler (VL-, DLPFC)) und anterior cingulärer (ACC) top-down Kontrolle und gesteigerter bottom-up Aktivität limbischer, „emotionaler“ Regionen zurückzugehen. Zusammen mit dem Amygdala-Hypothalamus-PAG (periaquäduktales Grau) System, das grundlegende Reaktionen auf Bedrohung moduliert sowie dem Hippokampus und der Inselregion bilden diese Regionen das Aggressionsnetzwerk (Nelson und Trainor, 2007). Dieses Netzwerk kontrolliert aggressives Verhalten, moduliert Reaktionen auf Provokation und wird bei Reaktionen auf implizite und explizite Aggressionsreize aktiviert. Die reduzierte Funktion des präfrontalen Kortex ist dabei das mit am besten replizierte zerebrale Korrelat aggressiven Verhaltens. Eine Metaanalyse von 43 Bildgebungsstudien von Individuen mit pathologischer Aggression zeigte Volumen- und Funktionsminderungen des OFC, ACC und DLPFC (Yang und Raine, 2009), wobei besonders letzterer eine Schlüsselrolle bei der Emotionsregulation und -verarbeitung sowie insbesondere auch bei aggressivem Verhalten von Gesunden und Patienten innehat.

Die Forschung im IRTG im Rahmen der Dissertationsprojekte widmet sich der Analyse zeitlicher und räumlicher Korrelate des neuronalen Netzwerkes der Aggression und Impulsivität sowie der Konnektivität innerhalb dieses Netzwerks. Situationales aggressives/impulsives Verhalten und das Persönlichkeitsmerkmal der Aggression und Impulsivität werden miteinander in Beziehung gesetzt und bezüglich Unterschieden und Überlappungen der jeweiligen Konstrukte analysiert. Darüber hinaus wird der Einfluss weiterer Faktoren auf die Entstehung von Aggression berücksichtigt und diese bezüglich ihrer Wirkung auf das Netzwerk charakterisiert (Abb. 1). Es werden neue experimentelle Paradigmen zur Induktion von Aggression und Impulsivität entwickelt und validiert sowie in bildgebenden Untersuchungen bei Gesunden und Patienten mit psychischen Störungen eingesetzt. Dadurch kann der enge Bezug zwischen Aggression und Impulsivität weiter analysiert und spezifiziert werden.

Forschungsmodell, das die unterschiedlichen Aspekte zeigt, die untersucht werden können
Abb. 1:

Forschungsmodell, das die unterschiedlichen Aspekte zeigt, die untersucht werden können

Im klinischen Kontext sind impulsives und aggressives Verhalten Bestandteil zahlreicher neuropsychiatrischer Störungen, darunter Verhaltensstörungen, Borderline und antisoziale Persönlichkeitsstörungen, Alkoholabhänigkeit, Schizophrenie, affektive Störungen, Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus, Demenz, Chorea Huntington oder Parkinson-Erkrankung. Als Symptome oder Syndrome beeinträchtigen sie häufig den Krankheitsverlauf und das soziale Funktionsniveau. Besonders reaktive Aggression kann dabei als Endophänotyp mit klaren biologischen Einflüssen aufgefasst werden. Einer Annahme zufolge beruht Aggression auf drei Mechanismen: 1) einer Störung im zugrunde liegenden zerebralen Aggressionsnetzwerk; 2) einem Hypoarousal aufgrund chronisch reduzierter Plasma – Glukokortikoidspiegel – durch die Spiegelreduktion wird die Inhibition aggressiver Tendenzen aufgehoben (z. B. bei Verhaltensstörungen, antisozialen Persönlichkeitsstörungen); und (3) einem Hyperarousal, das zu Irritabilität und emotionalen Ausbrüchen führt (z. B. bei Depression oder Borderline; (Haller und Kruk, 2006)). Die aktuellen Promotionsthemen im IRTG streben ein besseres Verständnis aggressiven und impulsiven Verhaltens über die Lebensspanne sowie ihrer pathologisch veränderten neurobiologischen Grundlagen bei ADHS, Alkoholabhängigkeit, Schizophrenie und Chorea Huntington an. Da Aggression in ihrer evolutionären Funktion jedoch Teil unseres Verhaltensmusters und Emotionserlebens ist, ist neben dem Verständnis der pathologischen Aggression vor allem die Möglichkeit ihrer effektiven Kontrolle und Regulation wesentlich. Ein langfristiges Ziel der Forschung im IRTG ist daher die Entwicklung und experimentelle Validierung von innovativen Interventionen, die dieses maladaptive Verhalten erfolgreich reduzieren können. Wir beabsichtigen daher, das zerebrale Netzwerk der Aggression und Impulsivität durch verschiedene Methoden zu modulieren, um unser Wissen über Interventions- und Reduktionsmöglichkeiten pathologischer Aggression und Impulsivität zu erweitern. Hierfür werden in einigen Dissertationsprojekten vor allem transkranielle Gleichstromstimulation und Neurofeedback eingesetzt, um Verhalten und zerebrale Netzwerke bei Gesunden und Patienten zu modulieren. Gleichzeitig werden im Rahmen dieser Untersuchungsansätze auch Einflüsse von Persönlichkeitsvariablen und Genetik berücksichtigt. Letzteres ist von besonderem Interesse, da Aggression eine hohe Heritabilität besitzt, wobei ein direkter Bezug von Genotyp zu aggressivem Verhalten schwierig ist. Aggression ist kein homogenes Konstrukt, sondern variiert in Abhängigkeit von seiner Intention (z. B. Schadensbegrenzung, Stressreaktion etc.). Zudem haben Umweltfaktoren einen großen Einfluss auf die Ausprägung des Phänotyps. Die Forschung im IRTG versucht daher Endophänotypen mit bildgebenden Methoden zu identifizieren, um über die interindividuelle Varianz in den Bildgebungsdaten gemeinsame genetische Varianten zu bestimmen, die Hirnstruktur oder –funktion beeinflussen. Es wurden einige Kandidatengene identifiziert, die bei Aggression besonders in einer Gen-Umwelt-Interaktion eine Rolle spielen, darunter MAOA-Gen (Monoaminooxidase) und das Serotonintransporter Gen (5-HTT, 5-Hydroxytryptamintransporter), aber auch COMT (Catechol-O-Methyltransferase) und BDNF (Brain-derived neurotrophic factor). Sie reflektieren gleichzeitig die Rolle der bei Aggression und Impulsivität involvierten Transmittersysteme – hier im besonderen Maße das serotonerge und dopaminerge System. Einige dieser genetischen Einflüsse werden in den Dissertationsprojekten bei Mensch und Tier berücksichtigt und analysiert.

Ein weiterer Aspekt, der im Zusammenhang mit Aggression und Impulsivität im IRTG 2150 durch Promotionsprojekte aufgegriffen wird, sind geschlechts- und stresshormonelle Einflüsse sowie der Einfluss olfaktorischer Reize. Auch hier ergänzen sich Tiermodelle und Humanforschung. Tierstudien untersuchen chemosensorische Signalübertragungswege im olfaktorischen System von Nagern, während im Fall der Humanstudien besonders soziale Chemosignale in ihrer Wirkung auf Aggression von Interesse sind, wie z. B. Angst- oder Aggressionsgerüche. Ferner sollen die zusätzlichen Modulationen durch Testosteron, Cortisol und Arginin Vasopressin in ihrer Wirkung auf aggressives und impulsives Verhalten untersucht werden.

Von seinem klinischen Grundsatz her reflektiert das IRTG 2150 damit eine Kombination traditionell kategorialer und insbesondere dimensionaler Klassifikationsansätze. Diese dimensionale Perspektive entspricht aktuellen Entwicklungen und Forschungsergebnissen im Bereich der Psychiatrie, die zeigen, dass Symptome, genetisches Risiko für psychische Störungen und zerebrale Korrelate des Verhaltens möglicherweise besser auf einem Kontinuum darstellbar sind.

Qualifikationsprogramm

Das IRTG bereitet junge (klinisch und grundlagenwissenschaftlich arbeitende) Wissenschaftler optimal vor, um diese aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen anzugehen und unser Verständnis der neurobiologischen Grundlagen pathologischer Aggression und Impulsivität besser zu verstehen. Zu diesem Zweck haben die Antragsteller ein umfassendes, einzigartiges Qualifikationsprogramm entwickelt, das auf den drei Prinzipien klinisch relevanter Forschung, internationalem Austausch und wissenschaftlicher Synergie beruht (Abb. 2). Es soll die wissenschaftliche Exzellenz und Unabhängigkeit der Doktoranden fördern und gleichzeitig ausreichend Unterstützung gewähren. Das IRTG bietet hierfür ein gemeinsames strukturiertes Curriculum, interdisziplinäre Ausbildung und individualisierte Supervision von deutscher und amerikanischer Seite. Dabei betont das Qualifikationsprofil innovative Aspekte, darunter die systematische Integration moderner Medien für einen intensiven deutsch-amerikanischen Austausch.

Struktur des Curriculums mit Trainingseinheiten auf Seiten beider Partner
Abb. 2:

Struktur des Curriculums mit Trainingseinheiten auf Seiten beider Partner

Hauptbestandteil des Curriculums sind die zweiwöchentlichen Meetings, die abwechselnd intern oder extern gestaltet werden. Die internen Meetings beinhalten Projektpräsentationen der Doktoranden und die Diskussion der Ergebnisse bzw. des Projektfortschritts, in den externen Meetings präsentieren eingeladene renommierte nationale und internationale Wissenschaftler und Experten neueste Forschungsergebnisse. Elektronische Medien unterstützen den internationalen Austausch. Hierzu werden alle Vorträge aufgezeichnet, zum einen, um den Doktoranden Feedback für das individuelle Training von Präsentationsfertigkeiten geben und die Präsentationen dem amerikanischen Supervisor zugänglich machen zu können, zum anderen, um die externen Vorträge für beide Partnerseiten und folgende Generationen im Sinne einer Vortragsreihe zum Thema zur Verfügung zu stellen. Das Kursangebot wird ergänzt durch einen Journal Club, der von Postdocs begleitet wird und weiteren klinischen und methodologischen ein bis zwei Tages-Workshops, deren Wahl und Zusammenstellung ebenfalls nach Interesse und Fortbildungswunsch der Doktoranden erfolgt (ca. zehn bis zwölf Workshops pro Jahr). Zu Beginn setzen Doktoranden einen individuellen Trainingsplan auf, der den Ausbildungsbedarf für ihr Projekt spezifiziert. In Absprache mit den beiden Supervisoren werden hier in Abhängigkeit vom disziplinären Hintergrund zusätzliche (externe) Trainings und somit eine optimale Passung zwischen den Kenntnissen des Doktoranden und den Erfordernissen des Projektes ermöglicht. Aufgrund der klinischen Ausrichtung der Forschungsthematik ist für Doktoranden aus klinikfernen Fachdisziplinen (Biologie, Informatik, Physik, Ingenieurswesen) ein klinisches Praktikum von zwei Wochen auf einer psychiatrischen Station innerhalb der ersten drei Monate der Doktorandenzeit obligatorisch. Dies gewährleistet, dass die Doktoranden Einblicke in die klinische Symptomatik und einen Eindruck von pathologischer Aggression im Rahmen psychischer Störungen erhalten.

Im Rahmen der Forschungsausbildung haben wir einen Review Writing Kurs nach dem Modell der University of Pennsylvania etabliert, in dem jeder Doktorand in den ersten Monaten einen Überblicksartikel zu seiner Thematik verfasst. Dies wird in einem zweiwöchentlich stattfindenden Kurs begleitet und von den Postdocs supervidiert. Die Doktoranden üben dadurch nicht nur Literaturrecherche, Aufbau eines Artikels und das wissenschaftliche Schreiben an sich, sondern auch den Umgang mit Journalen, Editoren und dem Prozess der Veröffentlichung. Zudem erarbeiten sie sich auch die Literatur und die theoretischen Hintergründe ihres Projektes. Sogenannte transferable skills werden in entsprechenden Einheiten der beteiligten Universitäten und Forschungseinrichtungen angeboten. Darüber hinaus können weitere Kurse aus dem generellen universitären Angebot können genutzt werden. Ein mehrstufiges Mentorensystem komplettiert das strukturierte Ausbildungsangebot (Abb. 3). Neben der Betreuung durch einen deutschen und einen amerikanischen Supervisor und die deutschen Postdocs werden die Doktoranden auch eng an einen Postdoc/Doktoranden von der University of Pennsylvania angebunden, sodass sie bereits früh auch in die Arbeitsgruppe des amerikanischen Supervisors integriert sind. Der Karrierementor dient als zusätzlicher individueller Berater bei eher formalen und strategischen Überlegungen bezüglich der Karriere und ist vom Doktoranden unabhängig von den IRTG-Supervisoren zu wählen.

Mentoring System auf verschiedenen Ebenen
Abb. 3:

Mentoring System auf verschiedenen Ebenen

Die jährliche Spring School, die alternierend in Aachen/Jülich oder Philadelphia mit ca. 60–70 Teilnehmern stattfindet, vereint die beiden Partnerseiten sowohl auf Doktoranden wie auch auf Supervisorenebene. Hier findet ein intensiver und mehrtägiger wissenschaftlicher Austausch statt, der sowohl Thesis Committee Meetings von Doktoranden und Supervisoren als auch die Projektpräsentationen der Doktoranden und ausgewählte Vorträge interner oder externer Wissenschaftler beinhaltet.

Das Kernstück des IRTGs ist der Auslandsaufenthalt in der Partnerinstitution, der essenzieller Teil der Promotion ist. Für DFG – finanzierte Doktoranden ist ein Aufenthalt zwischen 6 und 12 Monaten in der Arbeitsgruppe des amerikanischen Supervisors obligatorisch. Hier werden komplementäre Erfahrungen im Sinne von erweiterten Methodenkenntnissen gefördert und auch der Einblick in molekulare/zelluläre Forschung für systemische Wissenschaftler (und umgekehrt) ermöglicht. Ziel ist es, eine erweiterte Perspektive zu gewinnen und interdisziplinäre und translationale Forschung durch ein erhöhtes Verständnis für andere Ansätze zu fördern.

Eine gemeinsame Betreuungsvereinbarung der Doktoranden und Supervisoren enthält die Ziele und Verpflichtungen im Rahmen der Promotionszeit und sichert eine geregelte Betreuung. Ein sogenanntes Logbuch dokumentiert die besuchten Veranstaltungen, Workshops, Konferenzen sowie Treffen mit den Supervisoren. Dies dient dem Monitoring der gesetzten Ziele und sichert eine gegenseitige Verbindlichkeit. Ferner prüfen mindestens zwei bis drei Projektpräsentationen in den internen Meetings und Spring Schools sowie das Thesis Committee mit den Supervisoren und einer weiteren neutralen dritten Person (aus den Reihen der Postdocs) den Fortschritt des Doktoranden. In den Thesis Committee Meetings erfolgt zudem eine nach standardisierten Kriterien durchgeführte Bewertung der Doktoranden durch die Supervisoren.

Das IRTG bietet somit ein exzellentes, wissenschaftlich produktives und interdisziplinäres Umfeld für die Ausbildung junger Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der klinischen und translationalen Neurowissenschaften.

Exemplarische Darstellung der Ausbildungselemente über die Zeit auf beiden Partnerseiten
Abb. 4:

Exemplarische Darstellung der Ausbildungselemente über die Zeit auf beiden Partnerseiten

Sprecherin und Antragstellerin des IRTG auf deutscher Seite ist Ute Habel. Die Sprecherfunktion auf US-amerikanischer Seit übernimmt Ruben C. Gur.

Dieser Artikel hat Ihnen einen kompakten Einblick in die Forschungs- und Qualifizierungsbestrebungen des neuen internationalen GRK 2150 an den Standorten Jülich-Aachen und Philadelphia, USA vermittelt.

Sie möchten mehr über die Forschungsaktivitäten und Organisationsstruktur des DFG-Graduiertenkollegs 2150 erfahren und / oder die neuesten Forschungsentwicklungen unmittelbar miterleben? Dann sind Sie auf der Website des IRTG herzlich willkommen: http://www.irtg2150.rwth-aachen.de/.

April 2017 – Erste Spring School des IRTG 2150
Abb. 5:

April 2017 – Erste Spring School des IRTG 2150

Beteiligte JARA BRAIN Wissenschaftler (RWTH Aachen/FZ Jülich)

D. Bzdok, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Uniklinik RWTH Aachen

D. Feldmeyer, INM-2, JARA-Institut Molekulare Organisation des Gehirns, FZ Jülich; Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Uniklinik RWTH Aachen

B. Herpertz-Dahlmann, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Uniklinik RWTH Aachen

K. Konrad, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Uniklinik RWTH Aachen

K. Mathiak, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Uniklinik RWTH Aachen

D. Merhof, Lehrstuhl für Bildverarbeitung, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, RWTH Aachen University

T. Nickl-Jockschat, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Uniklinik RWTH Aachen (jetzt: University of Iowa, Department of Psychiatry & Institute of Neuroscience)

K. Reetz, Klinik für Neurologie, Uniklinik RWTH Aachen; INM-11, JARA-Institut Molecular Neuroscience and Neuroimaging, FZ Jülich

F. Schneider, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Uniklinik RWTH Aachen; INM-10, JARA-Institut Brain Structure-Function Relationships, FZ Jülich

N. J. Shah, INM-4/-11, JARA-Institut Physik der Medizinischen Bildgebung/ Molecular Neuroscience and Neuroimaging, FZ Jülich; Klinik für Neurologie, Uniklinik RWTH Aachen

M. Spehr, Lehrstuhl für Chemosensorik, Fachgruppe Biologie, Fakultät für Mathematik, Information und Naturwissenschaften, RWTH Aachen University

Wissenschaftler der University of Pennsylvania

T. Abel, Department of Biology (now University of Iowa)

D. Bassett, Department of Bioengineering

J. Blendy, Department of Pharmacology, Perelman School of Medicine

J. Edgar, Department of Radiology, Children’s Hospital of Philadelphia

S. Jaffee, Department of Psychology

R. E. Gur, Department of Psychiatry

H. Hakonarson, Center for Applied Genomics, The Children’s Hospital of Philadelphia

R.H. Hamilton, Department of Neurology

J. Kable, Department of Psychology

A. Raine, Department of Criminology, Psychiatry and Psychology

T. Satterthwaite, Department of Psychiatry

S. Siegel, Department of Psychiatry (now University of Southern California, Los Angeles)

B. Turetsky, Department of Psychiatry

Abkürzungen

5-HTT, 5-Hydroxytryptamintransporter

ACC, Anteriorer Cingulärer Cortex

ADHS, Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung

BDNF, Brain-derived neurotrophic factor

COMT, Catechol-O-Methyltransferase

DLPFC, dorsolateraler Präfrontalkortex

FZ Jülich, Forschungszentrum Jülich

GRK, Graduiertenkolleg

INM, Institut für Neurowissenschaften und Medizin

IRTG, International Research Training Group

JARA, Jülich Aachen Research Alliance

MAOA, Monoaminooxidase

MPFC, medialer Präfrontalkortex

OFC, orbitofrontaler Präfrontalkortex

RWTH Aachen, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

VLPFC, ventrolateraler Präfrontalkortex

Literatur

  • American Psychiatric Association (2013). Diagnostic and statistical manual of mental disorders (5th ed.). (Arlington, VA: American Psychiatric Publishing). Google Scholar

  • Anderson, C.A. and Bushman, B.J. (2002). Human aggression. Annu. Rev. Psychol. 53, 27–51 PubMedCrossrefGoogle Scholar

  • Elbert, T., Moran, J. and Schauer, M. (2017). Lust an Gewalt: appetitive Aggression als Teil der menschlichen Natur. Neuroforum 23, 96–104. Google Scholar

  • Haller, J. and Kruk, M.R. (2006). Normal and abnormal aggression: human disorders and novel laboratory models. Neurosci. Biobehav. Rev. 30(3), 292–303. PubMedCrossrefGoogle Scholar

  • Nelson, R.J. and Trainor, B.C. (2007). Neural mechanisms of aggression. Nat. Rev. Neurosci. 8(7), 536–546. PubMedWeb of ScienceCrossrefGoogle Scholar

  • Yang, Y. and Raine, A. (2009). Prefrontal structural and functional brain imaging findings in antisocial, violent, and psychopathic individuals: A meta-analysis. Psychiatry Research: Neuroimaging 174, 81–88. Google Scholar

About the article

Ute Habel

Univ.-Prof. Dr. Ute Habel ist seit 2008 Inhaberin der W3-Professur für Neuropsychologische Geschlechterforschung und Leiterin der Sektion Neuropsychologie an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der RWTH Aachen University. Seit 2016 ist sie außerdem eine von drei Direktoren des neugegründeten INM-10, JARA-Instituts „Brain Structure-Function Relationships“, das im Hirnforschungsverbund von der RWTH Aachen und dem FZ Jülich betrieben wird.

Kurzvitae: Univ.-Prof. Dr. Ute Habel (*1969 in Temeschburg) begann ihre akademische Vitae mit dem Studium der Psychologie in Trier und Tübingen (Diplomabschluss 1995) mit anschließender Promotion an der Universität Tübingen zum Thema „Funktionelle Kernspintomographie von Emotionen schizophrener Patienten“ (Promotionstitel Dr. rer. soc. 1998). 2005 erlangte sie ihre Habilitation an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien für ihre Forschungsarbeiten zum Thema „Neurobiologische Grundlagen von Emotionen und ihren Dysfunktionen“. 2004 erfolgte die Approbation zur psychologischen Psychotherapeutin mit Vertiefung Verhaltenstherapie.

Wissenschaftliche Erfahrungen sammelte sie an der Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Tübingen (1995–1996), am Institut für Medizin am FZ Jülich (1996–1997) und in der Klinik für Psychiatrie an der HHU Düsseldorf (1998–2004). In Österreich forschte sie am Kompetenzzentrum für Hochfeld-MR an der medizinischen Universität Wien (2002–2005).

Seit 2005 ist sie an der Uniklinik der RWTH Aachen leitende Psychologin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. 2008 erhielt sie den Ruf auf die W3-Professor „Neuropsychologische Geschlechterforschung“, seither folgten weitere Rufe an andere Universitäten (2007 W2 Universität Würzburg, 2013 W3 Universität Göttingen, 2017 W3 Universität Dresden).

Über ihr Lehr- und Forschungsgebiet hinaus engagiert sie sich im RWTH Strategierat und unterstützt als Rektoratsbeauftragte für die Länder USA und Kanada die internationalen Beziehungen der RWTH.

Ruben C. Gur

Prof. Ruben C. Gur, Ph.D. ist Professor für „Psychologie in der Psychiatrie“ an den Kliniken Psychiatrie, Radiologie und Neurologie der Perelmann School of Medicine der University of Pennsylvania (Philadelphia, USA) sowie Leiter der Neuropsychologie und des „Brain Behavior Laboratory“ der Klinik für Psychiatrie. In Forschung und Lehre widmet er sich insbesondere der Untersuchung des menschlichen Gehirns und Verhaltens im gesunden und psychopathologischen Bereich. Unter Einsatz multimethodaler Verfahren soll neues Wissen über die Ätiologie und Behandlungsmöglichkeit komplexer Hirnstörungen wie beispielsweise Schizophrenie generiert werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt außerdem auf der Entwicklung neuer Verfahren für die sog. „Tiefen-Phänotypisierung“ (engl. „deep phenotyping“) von Hirn- und Verhaltensparametern. Im Rahmen breit-angelegter Multicenter-Studien werden klinische und neurokognitive Messungen mit bildgebenden und genetischen Daten kombiniert.

Kurzvitae: Prof. Dr. Ruben C. Gur studierte Psychologie und Philosophie an der Hebräischen Universität von Jerusalem (1970 Bachelor of Arts, B. A.), anschließend Psychologie an der Michigan State University (1971 Master of Arts, M. A.). Seine Promotion schloss er 1973 im Bereich der klinischen Psychologie ab (PhD). Als Stipendiat und Postdoktorand forschte er zunächst an der renommierten Stanford University in Kalifornien. 1974 nahm er die Assistenzprofessur an der University of Pennsylvania auf. Anfang der 1980er Jahre begründete er mit seiner Ehefrau Prof. Raquel Gur die Sektion Neuropsychiatrie, eines der ersten und renommiertesten Schizophrenie-Forschungszentren der Region.


Published Online: 2017-11-23

Published in Print: 2017-11-27


Citation Information: e-Neuroforum, Volume 23, Issue 4, Pages 249–255, ISSN (Online) 1868-856X, DOI: https://doi.org/10.1515/nf-2017-0026.

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