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Jahrbuch für die Ordnung von Wirtschaft und Gesellschaft

Ed. by Apolte, Thomas / Berthold, Norbert / Budzinski, Oliver / Goldschmidt, Nils / Kerber, Wolfgang / Kolev, Stefan / Leschke, Martin / Mestmäcker, Ernst-Joachim / Möschel, Wernhard / Müller, Christian / Pies, Ingo / Sally, Razeen / Schnabl, Gunther / Schnellenbach, Jan / Schüller, Alfred / Schweitzer, Heike / Vanberg, Viktor J. / Watrin, Christian

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2366-0481
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Sozialrecht und Wettbewerbsrecht: Ein Gegensatz?

Ordnungspolitische Anmerkungen zu einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 16. März 2004

Peter Oberender / Jochen Fleischmann
Published Online: 2016-09-20 | DOI: https://doi.org/10.1515/ordo-2004-0112

Zusammenfassung

Das Wettbewerbsrecht spielt im deutschen Gesundheitswesen praktisch keine Rolle. Obwohl zunehmend wettbewerbliche Steuerungselemente in das Gesundheitswesen eingebaut werden, wurde durch die Gesundheitsreform 2000 die strikte Trennung von Sozialrecht und Wettbewerbsrecht nochmals verschärft. Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil vom 16. März 2004 diese Trennung bestätigt. Er hat die Unternehmenseigenschaft der deutschen gesetzlichen Krankenkassen verneint und damit eine Anwendbarkeit des europäischen Wettbewerbsrechts auf die Krankenkassen im zu prüfenden Fall ausgeschlossen. Aus ordnungspolitischer Sicht ist diese Entwicklung enttäuschend, zumal hier eine Chance verstrichen ist, Fehlentwicklungen auf nationaler Ebene zu korrigieren. Auf nationaler Ebene rückt die Gesundheitspolitik zwar zusehends vom hierarchisch geprägten und über das Sozialrecht vermittelten Ordnungsmodell im Gesundheitswesen ab und setzt auf Elemente der wettbewerblichen Selbststeuerung. Allerdings wird dabei das Modell eines „Wettbewerbs ohne Wettbewerbsrecht“ (Kingreen) verfolgt. Es wird offensichtlich nicht erkannt, daß Wettbewerb einer klaren Rahmenordnung und Kontrolle bedarf, ohne die Vermachtungstendenzen und damit die Beeinträchtigung der positiven Ergebnisse des Wettbewerbs sowie der individuellen Freiheit in hohem Maße wahrscheinlich sind. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes enthält keine klare Vorgabe an die nationale Gesundheitspolitik. Es könnte daher zum Anlaß genommen werden, sowohl eine defensive Strategie gegenüber dem Wettbewerb im Gesundheitswesen einzuschlagen als auch zu einer deutlichen Entwicklung hin zu Wettbewerb überzugehen.

Summary

With his decision of March, 16th, 2004 European Court of Justice ruled that German compulsory health insurance funds (GKV) are not in conflict with European competition law when they fix prices for pharmaceuticals. According to the court German compulsory health insurance funds cannot be regarded as firms so that competition law is not applicable. German health care system is mostly governed by social law as opposed to civil law; competition law is not applicable. This strict separation has to be reviewed when more and more elements of competition are introduced into German health care system. European Court of Justice failed to clarify the case for introducing competition law into German health care system. Therefore there is no way how to control market power within a competitive health care system in Germany. Competition therefore may go into the wrong direction.

About the article

Published Online: 2016-09-20

Published in Print: 2004-01-01


Citation Information: ORDO, ISSN (Online) 2366-0481, ISSN (Print) 0048-2129, DOI: https://doi.org/10.1515/ordo-2004-0112.

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© 2004 by Lucius & Lucius, Stuttgart.

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[1]
Frank Knoche and Magdalena Thöni
Zeitschrift für die gesamte Versicherungswissenschaft, 2011, Volume 100, Number 4, Page 539

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