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SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

4 Issues per year

Free Access
Online
ISSN
2510-2648
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Christina Schori Liang: Cyber Jihad: Understanding and Countering Islamic State Propaganda. 2015.

Kristina Tonn
  • Corresponding author
  • Kristina Tonn: M.A., M.P.S: Wissenschaftliche Referentin, Zentrum für Ethische Bildung der Streitkräfte (ZEBIS), Hamburg Germany
Published Online: 2017-02-21 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0009

In dieser Studie analysiert Christina Schori Liang die Online- und Social-Media-Strategie des Islamischen Staates (IS) und deren Auswirkungen auf die nationale und internationale Terrorbekämpfung sowie die Rekrutierungskampagnen dieser Terrororganisation. Um diesen Strategien erfolgreich und effizient zu begegnen, empfiehlt sie verschiedene Methoden für die lokale, nationale, internationale und wirtschaftliche Terrorbekämpfung. Christina Liang geht in ihrer Analyse von fünf Kernthesen aus:

  • 1.

    Der IS nutzt eine ausgeklügelte und höchst effektive Kommunikationsstrategie („Cyber-Dschihad“), die alle zur Verfügung stehenden Online-Medien nutzt, um ihre multidimensionale Propaganda zu verbreiten. Durch die intensive Nutzung von Social Media erreicht die Terrorgruppe Tausende von Anhängern weltweit, die regelmäßig ihre gewalttätigen und extremistischen Botschaften teilen, erweitern und verbreiten.

  • 2.

    In der Nutzung des Internets und vor allem von Social Media geht der IS sehr strategisch vor, um junge Frauen und Männer zu rekrutieren.

  • 3.

    In der Terrorbekämpfung muss die „Internet-Front“ stärker und effektiver in den Blick genommen werden. Reine Zensur und die Löschung von extremistischen Botschaften sind nicht ausreichend. Die aktuellen Regierungsmaßnahmen sind zum Großteil unzulänglich, um die Verbreitung der IS-Propaganda zu verhindern.

  • 4.

    Um der ideologischen Anziehungskraft von Terrorgruppen wie IS und der Radikalisierung junger Menschen besser entgegenzuwirken, bedarf es weltweit einer stärkeren Ursachenbekämpfung.

  • 5.

    Dafür ist die Intensivierung von internationaler Zusammenarbeit und Kooperation ebenso wichtig wie die Schaffung von alternativen Online-Inhalten zu der Propaganda von IS.

Gesteuert wird die IS Medien-Kampagne von Abu Amr al Shami, einem ehemaliger IS-Anführer, der heute in Saudi Arabien lebt. Zentral für die Medienstrategie der Terrororganisation ist, dass sie dezentral organisiert und strukturiert ist, so dass neben bestimmten vorgegebenen Inhalten, jeweils eigene regionale „Informationsministerien“ in diesem Bereich aktiv sein können und so die Anzahl der Inhalte und der erreichten Nutzer deutlich höher liegt als bei einer rein zentralen Organisation. Deutlich wird zudem, dass IS auf allen Kanälen aktiv ist und vor allem bei den sozialen Medien jede Form der Verbreitung nutzt und besonders die Macht der Bilder für sich einzusetzen weiß.

Zu der Kampagne gehört die Zeitschrift, Dabiq, die 2014 in verschiedenen Sprachen aufgelegt und verbreitet wurde. Diese hat drei Ziele auf religiöser, militärischer und politischer Ebene: Sie ruft dazu auf, Mitglied von IS zu werden und wirbt zusätzlich besonders um Professionen wie Ärzte, Handwerker, Juristen, Lehrern etc., die im Kalifat des IS dienen sollen. Ein weiterer Schwerpunkt von Dabig liegt auf der Rubrik „The Flood“, in der die militärischen Operationen und die Erfolge des IS bild- und wortstark beschrieben werden.

Für den Bereich des Internets und der sozialen Medien prägt die Autorin den Begriff des wireless califphate. Ihrer Ansicht nach, stellen die Tastatur-Krieger des IS einen wesentlichen Teil des Erfolges der Terrorgruppe dar, vor allem bei jungen Menschen. Denn das Internet und die sozialen Medien erreicht die Jugendlichen dort, wo sie „aufgewachsen“ sind und einen Großteil ihrer Zeit verbringen – in der virtuellen Realität. Durch die qualitativ ausgesprochen hochwertigen und oft mehrsprachigen Beiträge – Videos werden in einem eigenen Medienzentrum produziert – auf Facebook, Twitter und YouTube, werden nicht nur Tausende von Nutzern weltweit erreicht, sie werden auch durch ständig neue Postings an die Gruppe gebunden und zu eigenen Beiträgen aufgefordert.

Einen besonderen Schwerpunkt legt die Analyse auf die Zielgruppe der Frauen. Mit der Zora Foundation wurde eigens eine Medienabteilung für Frauen eingerichtet, die beispielsweise über das sogenannte Umm Network mit Videos über den Alltag von Frauen beim IS, Rezepte, Hinweise zur Kinderpflege etc., versucht, junge Frauen für den IS zu gewinnen.

In einer ausführlichen Tabelle schlägt die Autorin Handlungsstrategien zur Terrorbekämpfung vor. Auf allen Ebenen müsse die digitale Kompetenz und die kritische Konsumfähigkeit der Gesellschaften verbessert werden, um Online-Extremismus besser zu begegnen zu können.

Auf lokaler Ebene sollten die Gemeinden, Lehrer, spirituelle und religiöse Führer zusammenarbeiten, um gefährdeten Jugendlichen zu helfen und so den Prozess der Radikalisierung zu stoppen. Dazu gehöre auch die Einrichtung von Kulturzentren und Alternativ-Angeboten für Jugendliche. Auf nationaler Ebene sollten Regierungen, eigene nationale und regionale Cybereinheiten schaffen, die das Internet und die Social-Media-Kanäle überwachen und ggf. Beweise sichern. Das Angebot und die Förderung von De-Radikalisierungs-Programmen sollte ausgebaut werden.

Auf internationaler Ebene sei es wichtig, (gemeinsam) neue Organisationen wie GCERF (Global Community Engagement and Resilience Fund) oder GCTG (Global Counterrorism Forum) zu unterstützen. Die derzeitigen Kooperationsvereinbarungen zwischen den internationalen Strafverfolgungsbehörden (EUROPOL, INTERPOL, OSZE, Europäische Kommission CyberCrime Centers of Excellence) sollten ausgebaut und stärker in die Praxis umgesetzt werden.

Auf Unternehmensebene befürwortet sie die Einrichtung eines Forums, das alle Beteiligten zusammenbringt, um die Ausbreitung des gewalttätigen Extremismus zu reduzieren und die Wirtschaftsverbindungen des IS zu zerstören.

http://www.gcsp.ch/News-Knowledge/Publications/Cyber-Jihad-Understanding-and-Countering-Islamic-State-Propaganda

About the article

Published Online: 2017-02-21

Published in Print: 2017-02-21


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0009. Export Citation

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