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SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

4 Issues per year

Free Access
Online
ISSN
2510-2648
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Karen Elliott House: Uneasy Lies the Head that Wears a Crown. The House of Saud Confronts Its Challenges. 2016.

Joachim Krause
  • Prof. Dr.Joachim Krause: Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel Germany
Published Online: 2017-02-21 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0017

Der Bericht befasst sich mit den inneren Entwicklungen in Saudi Arabien und fragt nach den außenpolitischen Herausforderungen des Landes. Er basiert auf Gesprächen, die die Verfasserin in Saudi-Arabien im Rahmen eines längeren Aufenthaltes geführt hat. Die Verfasserin, eine langjährige Kennerin der Situation in Saudi Arabien, befasst sich mit zwei Themenkomplexen: (1) wie sind die innenpolitischen Veränderungen der vergangenen Monate in der saudischen Führung einzuschätzen? Und (2) wie wird sich das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten entwickeln?

Der Bericht gelangt zu dem Ergebnis, dass sich ein fundamentaler Generationenwandel in der saudischen Führung abzeichnet, der sowohl die innere Orientierung wie die internationalen Beziehungen verändern wird. Anlass seien zum einen die fallenden Erdölpreise und zum zweiten die Sorge, dass sich die USA aus ihrer Rolle als Beschützer Saudi Arabiens in einer Zeit zurückziehen, wo die Region immer instabiler wird. Nach mehr als zwei Jahrzehnten innenpolitischen Stillstands unter einer Gruppe überalterter Könige und einer weitgehenden Abhängigkeit vom Schutz durch die USA beginne das Königreich Saudi-Arabien damit, seine inneren wie regionalen Angelegenheiten neu zu ordnen. Die königliche Familie habe wesentliche Machtbefugnisse in die Hand einer neuen Generation von Führungspersonen gelegt, die viel selbstbewusster und auch konfliktbereiter auftreten als ihre Vorgänger. Neben dem Thronfolger Mohammad bin Nayef sei vor allem die Rolle des Stellvertretenden Thronfolgers, Prinz Mohammad bin Salman, hervorzuheben, der im Alter von 30 Jahren nicht nur Verteidigungsminister ist, sondern auch die wesentlichen ökonomischen Machtzentren kontrolliert und in mehr und mehr Bereichen eine eigenständige Linie der saudischen Politik vertritt.

Um die Abhängigkeit der Wirtschaft des Landes von Erdöleinnahmen zu verringern, habe die Regierung Saudi Arabiens einen nationalen Transformationsplan 2020 verkündet. Ihm zufolge soll die Wirtschaft stärker differenziert werden, indem der Privatsektor gestärkt und vor allem Investitionen in Bereichen gefördert werden, die nicht mit der Erdölproduktion verbunden sind. Damit solle erreicht werden, dass mehr Saudis in den privaten Sektor gehen, der unterentwickelt ist und wo derzeit über 80 % der Beschäftigten Ausländer sind.

Außenpolitisch bereite die Entwicklung in der Region Saudi Arabien zunehmend Sorge. Der Bürgerkrieg in Syrien, die Entstehung des Islamischen Staates, der Krieg im Jemen, die strategische Feindschaft zum Iran sowie die unsichere Lage im Irak und in Ägypten werden in Saudi Arabien als mittelbare und unmittelbare Bedrohungen aufgefasst. Hinzu komme, dass die Skepsis wächst, ob die USA weiter bereit sein werden, eine Schutzfunktion für das Königreich zu übernehmen, bzw. als Stabilisator in der Region wirksam zu bleiben. Die Politik der Obama-Administration in der Region werde in Saudi Arabien extrem kritisch beurteilt. Besonders kritisch werden der übereilte Abzug aus dem Irak und das halbherzige und letztlich nicht eingelöste Ziehen „roter Linien“ gegenüber dem Assad-Regime in Syrien gesehen. Auch die deklaratorische Politik der Obama-Administration, die wiederholt zum Ausdruck gebracht hat, dass sich Saudi Arabien mit seinen Nachbarstaaten in der Region arrangieren müsse, werde mit Sorge registriert. Das Nuklearabkommen der internationalen Staatengemeinschaft mit dem Iran von 2015 wird von Saudi Arabien als unzureichend eingeschätzt, weil es die vielen anderen militärischen Bedrohungen des Iran ausblendet, denen sich Saudi Arabien ausgesetzt sieht. Die Bedrohung durch den Iran wird in Saudi Arabien als existenzbedrohend eingeschätzt, was in Washington offenbar auf wenig Verständnis stößt.

Angesichts dieser Entwicklungen nehme es nicht Wunder, wenn die Regierung Saudi Arabiens zunehmend eigenständig in der Außenpolitik agiert. Dies betreffe vor allem die militärische Intervention im jemenitischen Bürgerkrieg. Diese Intervention habe das saudische Königreich schon mehr als 5 Milliarden US Dollar gekostet. In Kreisen des saudischen Königshauses werde mehr und mehr davon ausgegangen, dass der Rückzug der USA aus der Region sich auch unter einer neuen Präsidentschaft fortsetzen wird. Die Verfasserin fragt daher, ob es angesichts der weiterhin bestehenden Anwesenheit der USA und anderer westlicher Länder auf die konstruktive Rolle des Königsreichs in vielen internationalen Fragen (insbesondere der globalen Erdölversorgung) klug ist, Saudi Arabien weiterhin auf Distanz zu halten. Die USA sollten sich stärker mit den Kräften und Strömungen vertraut machen, die innerhalb Saudi Arabiens wirksam sind und darauf aufbauend eine Strategie entwickeln, die zur Stabilisierung der Region taugt. Der derzeitigen Strategie der Obama-Administration kann die Verfasserin wenig abgewinnen.

http://belfercenter.ksg.harvard.edu/publication/26484/uneasy_lies_the_head_that_wears_a_crown.html


Published Online: 2017-02-21

Published in Print: 2017-02-21


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen. Volume 1, Issue 1, Pages 103–104, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0017, February 2017

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