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SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

4 Issues per year

Free Access
Online
ISSN
2510-2648
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Shay Har-Zvi: The Return of the Russian Bear to the Middle East. 2016.

Leo Bamberger
  • Corresponding author
  • Leo Bamberger: non-resident fellow, Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel Germany
Published Online: 2017-02-21 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0018

Die Studie befasst sich mit der russischen Politik gegenüber dem Mittleren Osten und versucht die strategische Relevanz des militärischen Eingreifens Russlands im Syrien Krieg einzuschätzen. Insbesondere geht es dem Verfasser darum, die Betroffenheit Israels herauszustellen. Der Autor bezeichnet den Beginn der Bombenangriffe gegen syrische Oppositionskräfte im September 2015 als einen grundsätzlichen Wandel (sea change) in der Politik Russlands gegenüber dem Mittleren Osten. Es sei immerhin das erste Mal, dass seit der Afghanistan Invasion von 1979/1980 russische Streitkräfte jenseits des Gebietes der früheren Sowjetunion zu Kampfeinsätzen im großen Umfang tätig geworden seien. Dieser Schritt markiere den machtvollen und machtbewussten Neubeginn der russischen Außenpolitik unter Putin in seiner dritten Präsidentschaft. Diese sei dadurch gekennzeichnet, dass Russland seine Interessen nachhaltig durchzusetzen beabsichtige und dass die Regierung in Moskau bereit sei, auch militärische Gewalt einzusetzen, selbst wenn dieses zum Zerwürfnis mit dem Westen führe.

Die Studie untersucht Russlands Aktivitäten im Mittleren Osten in den vergangenen Jahren. Sie konzentriert sich auf die politischen und diplomatischen Bemühungen zur Unterstützung der syrischen Regierung seit dem Frühjahr 2011. Der Verfasser stellt die militärische Unterstützung heraus, die Syrien seit 2011 von Russland erhalten hat. Er weist auf die große Bedeutung hin, die dabei der engen Kooperation mit dem Iran und der Hisbollah zukam. Ohne diese Kooperation habe sich das Assad-Regime nicht halten können. Sie habe zu einer starken wechselseitigen Bindung aller beteiligten Akteure geführt und damit die Grundlage für eine militärische Achse gelegt, die es so zuvor nicht gegeben habe. Die Studie befasst sich auch mit der russischen Politik gegenüber den führenden sunnitischen Staaten der Region, wo die Kritik am russischen Vorgehen sehr stark ist (insbesondere in der Türkei). Hier weist der Verfasser auf die damit verbundenen Probleme der russischen Diplomatie hin. Der Verfasser bemüht sich die russische Politik im Nahen Osten in den Kontext der allgemeinen Ziele und Motive russischer Außenpolitik zu stellen. Zu diesem Zweck analysiert er sowohl die internationalen wie die innenpolitischen Aspekte der russischen Außenpolitik.

Die Studie gelangt zu dem Ergebnis, dass Russland unter Aufwendung eines erheblichen Teils seiner militärischen Kräfte dabei ist wieder zu einem signifikanten und einflussreichen Akteur in der Region zu werden – trotz seiner wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der Konflikt in Syrien gibt Russland die Möglichkeit, seinen Status und seinen militärischen Einfluss deutlich werden zu lassen. Dieses war möglich, weil die USA ihr Engagement in der Region deutlich zurückgefahren haben und weil Präsident Obama auch kein Interesse an der Übernahme einer militärischen Rolle in der Region hat erkennen lassen.

Der Verfasser gelangt zu dem Ergebnis, dass der russische Vorstoß für Israel sowohl Vor- wie Nachteile beinhaltet. Auf der einen Seite ist es eine Gefahr für Israel, dass Russland direkte und massive militärische Unterstützung für die radikale, vom Iran angeführte Achse leistet. Dies dürfte dazu führen, dass der Iran und seine Verbündeten in der Region gestärkt werden, was Israels militärische Handlungsfreiheit und Sicherheit beeinträchtigen dürfte. Auf der anderen Seite bietet die neue Lage Israel Möglichkeiten, sich als verlässlicher Partner des Westens sowie auch der sunnitischen Staaten in der Region (Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien) zu profilieren. Insbesondere bietet sich die Möglichkeit der Wiederannäherung an die Türkei.

Abgesehen davon kommt der Verfasser zu dem Schluss, dass Israel gegenüber Russland Vorsicht walten lassen muss, um nicht Russlands Interessen in der Region zu gefährden. Von daher sei darauf zu achten, dass das Verhältnis zwischen Premierminister Netanyahu und Präsident Putin unproblematisch ist. Außerdem sei es wichtig, dass auf militärischer Ebene direkte Verbindungskanäle etabliert werden, um Missverständnisse und Zusammenstöße vor Ort zu vermeiden.

http://besacenter.org/wp-content/uploads/2016/06/msps120.pdf

About the article

Published Online: 2017-02-21

Published in Print: 2017-02-21


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0018. Export Citation

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