Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
Weitere Optionen …

SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Hrsg. v. Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

Print + Online
Alle Formate und Preise
Weitere Optionen …

Kathleen H. Hicks und Melissa G. Dalton (Hrsg.): Deterring Iran after the Nuclear Deal. 2017.

Sven Fikenscher
Online erschienen: 11.09.2017 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0069

Kathleen H. Hicks und Melissa G. Dalton präsentieren eine sehr umfangreiche Analyse der Bedrohung, die momentan von dem Iran ausgeht. Die Studie hat, was für Think Tank-Produkte eher untypisch ist, den Charakter eines Sammelbandes. Hicks und Dalton haben eine Reihe kleinerer Artikel, für die sie namhafte Autoren gewinnen konnten, zusammengestellt. Schon allein diese außerordentlich gut recherchierten Teil-Beiträge machen die Analyse absolut lesenswert, zumal Hicks und Dalton die wichtigsten Erkenntnisse der einzelnen Autoren schließlich zur Konzeption einer neuen amerikanischen Strategie zum Umgang mit dem Iran nutzen. Die Teil-Beiträge setzen sich mit den Aspekten der iranischen Außen- und Sicherheitspolitik auseinander, die eine besondere Gefahr für regionale Stabilität beziehungsweise die nationale Sicherheit der USA darstellen. Dazu zählen die iranische Zusammenarbeit mit Milizen und Terrorgruppen, Cyber-Angriffe auf die Vereinigten Staaten und deren regionale Partner, Marine-Operationen mit dem Ziel, die amerikanische Navy zu provozieren, Aufrüstungsbestrebungen im Raketenbereich und Information Warfare. Mit Blick auf alle diese Entwicklungen schlussfolgern die jeweiligen Autoren, dass der Iran – trotz des Abkommens mit der internationalen Gemeinschaft zur Begrenzung seiner Nuklearaktivitäten – eine unvermindert militante Politik verfolgt. In diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert gewesen, auch das Nuklearabkommen als solches in einem separaten Artikel zu behandeln, um dessen Implikationen besser nachvollziehen zu können. Zwar sind zu diesem Thema bereits eine Fülle von Studien verfasst worden, eine nähere Betrachtung des Nuklearabkommens hätte aber dennoch den Überblick über die iranische Bedrohung vervollständigt. Ohne nuklearbezogenen Artikel bleibt das Für und Wider eines maßgeblichen Eckpfeilers von Hicks und Daltons strategischen Empfehlungen, nämlich die entsprechende Übereinkunft zu wahren, ein Stück weit unklar. Die Herausgeberinnen verweisen allerdings knapp darauf, dass das Abkommen Irans Nuklearaktivitäten über einen Zeitraum von 10–15 Jahren begrenzt und enorme internationale Rückendeckung genießt. Mit anderen Worten: Der gefundene Kompromiss erfüllt mittelfristig seinen Zweck und eine Abkehr davon wäre international nicht zu vermitteln. Dennoch lehnen es Hicks und Dalton ab, die aggressive Vorgehensweise des Irans in den oben genannten Fällen zu ignorieren, um das Nuklearabkommen zu schützen. Vielmehr soll es, falls möglich, ergänzt werden und beispielsweise auch Irans Aktivitäten im Raketenbereich einschränken. Ansonsten soll Irans Destabilisierungsstrategie mit einem entschlossenen Maßnahmen-Katalog gekontert werden. In diesem Zusammenhang wird es als zwingend notwendig angesehen, dass die USA eine Reassurance-Politik gegenüber ihren regionalen Partnern verfolgen. Diese wäre mit gezielten Abschreckungsmaßnahmen gegenüber dem Iran zu kombinieren. Ferner sollen die bestehenden Sanktionen, die nicht im Zuge des Nuklearabkommens aufgehoben worden sind, beibehalten und konsequent angewendet werden. Mit Blick auf die spezifischen Bedrohungsformen schlagen Hicks und Dalton unter anderem vor, Irans Netzwerk an Proxies öffentlich anzuprangern und, wenn notwendig, mithilfe eigener Militäroperationen in die Schranken zu weisen. Im Cyber-Bereich schwebt Expertinnen vor, auf iranische Angriffe mit Gegenschlägen in vergleichbarem Umfang zu antworten und die eigene Infrastruktur verstärkt zu schützen. Die US-Militärpräsenz am Golf sowie eine engere Abstimmung mit den arabischen Partnern im Marine-Sektor sollen zudem iranische Provokationen auf See verhindern. Irans Information Warfare gilt es indes durch gezielte Kampagnen gegen Teherans Propaganda zu kontern. Wenngleich nicht alle Vorschläge leicht umzusetzen sein dürften, man denke nur an die Ergänzung des Nuklearabkommens zu Lasten des Irans, so kann der hier diskutierte Maßnahmen-Katalog dennoch als äußerst hilfreiche Blaupause für den Umgang mit Irans militanter Außen- und Sicherheitspolitik dienen.

https://www.csis.org/analysis/deterring-iran-after-nuclear-deal

Artikelinformationen

Online erschienen: 11.09.2017


Quellenangabe: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, Band 1, Heft 3, Seiten 302–302, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0069.

Zitat exportieren

© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston.Get Permission

Kommentare (0)