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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

[SIRIUS: Journal of Strategic Analysis ]

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

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James Dobbins, Philip Gordon und Jeffrey Martini: A Peace Plan for Syria III. Agreed Zones of Control, Decentralization, and International Administration. 2017.

Sven Fikenscher
Published Online: 2017-09-11 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0071

Die Studie ist Teil einer Reihe aktueller Analysen zum syrischen Bürgerkrieg, die allesamt von drei Experten mit einer beeindruckenden Erfahrung im Regierungssektor verfasst worden sind. Zwei von ihnen – James Dobbins und Philip Gordon – dienten sogar als Assistant Secretary of State, was der vierthöchsten Hierarchie-Ebene des amerikanischen Außenministeriums entspricht. Man merkt der Studie den entsprechenden Erfahrungshorizont der Autoren an, deren Ausführungen nicht zuletzt von der Frage nach der Machbarkeit verschiedener politischer Optionen bestimmt werden. Zugleich zeichnet sich die Analyse durch eine Reihe konkreter Vorschläge zur Eindämmung der Kriegshandlungen aus.

Was die Frage nach der politischen Machbarkeit betrifft, so argumentieren Dobbins, Gordon und deren Co-Autor Jeffrey Martini, dass die Chancen auf einen Machtwechsel in Syrien angesichts der gestärkten militärischen Position von Baschar al-Assad in absehbarer Zeit extrem gering sind. Assads Truppen beherrschen wieder große Teile des syrischen Westens und haben die Nachschubwege zahlreicher Oppositionsverbände mit der Einnahme Aleppos voneinander abgeschnitten. Jeder militärische Versuch, Assad ernsthaft zu schwächen, würde unter diesen Umständen nicht zu dem gewünschten Erfolg, sondern lediglich zu einer neuen Eskalation führen, da Russland und der Iran ihr Engagement zugunsten Assads entsprechend ausweiten würden. Das zentrale westliche Anliegen einer friedlichen Neuordnung Syriens ohne den Diktator sollte daher zunächst verschoben werden.

Mit Blick auf die Frage nach der Eingrenzung der anhaltenden Gewalt sehen die Autoren neuen Spielraum. Da ein Sturz von Assad bei dem aktuellen Frontverlauf praktisch ausgeschlossen ist, hätten der syrische Herrscher sowie seine Verbündeten Russland und Iran ihr wichtigstes Ziel erreicht. Der Anreiz, weitere offensive Schritte einzuleiten, dürfte für die pro-Assad-Koalition also deutlich geringer sein als in vorherigen Phasen des Bürgerkrieges. Die Autoren räumen unumwunden ein, dass die Gegner des syrischen Machthabers, die logischerweise die Leidtragenden von dessen neuer militärischer Stärke sind, weniger offen für Kompromisslösungen sein könnten. Genau aus diesem Grund wäre eine detaillierte Analyse der Motive und Zielsetzungen von Assads Gegenspielern im In- und Ausland wünschenswert gewesen, deren Rolle zumeist vergleichsweise knapp behandelt wird. Die Konzeption der anvisierten Kompromisslösung fällt dafür umso ausführlicher aus, womit die Studie zu ihrem innovativen Teil übergeht. Um der Komplexität der Situation Rechnung zu tragen, schlagen die Autoren vor, zwischen den entscheidenden Akteuren auf lokaler Ebene zu vermitteln und diese zur Aushandlung separater Waffenstillstandsabkommen zu bewegen.

Was zunächst wie einer der zahllosen Versuche klingt, eine abstrakte Formel für die Eindämmung eines zunehmend unübersichtlichen Bürgerkrieges zu finden, wird anschließend hinsichtlich einzelner regionaler Fixpunkte präzisiert. Mit Blick auf den Norden schlagen die Autoren beispielsweise vor, klar voneinander abgetrennte Zonen für kurdische Einheiten sowie die von der Türkei unterstützten arabischen Kräfte einzurichten, um die rivalisierenden Gruppierungen von Übergriffen abzuhalten. Eine zusätzliche Zone für moderate sunnitische Oppositionskräfte soll im Süden aufgebaut werden. Die größte Herausforderung stellt den Verfassern zufolge der Umgang mit dem Gebiet dar, das momentan von dem Islamischen Staat kontrolliert wird und dessen Eroberung von konkurrierenden Gruppierungen angestrebt wird. Aus Mangel an Alternativen schlagen Dobbins, Gordon und Martini vor, das Territorium zunächst unter internationale Verwaltung – möglichst unter dem Schutz einer UN-Blauhelmtruppe – zu stellen. Auch wenn diese Idee auf den erbitterten Widerstand einiger Akteure, die das Gebiet für sich reklamieren, stoßen und sich daher nur äußerst schwer umsetzen lassen dürfte, so stellt das oben umrissene Konzept einen ebenso pragmatischen wie detaillierten Ansatz zur Gewalteindämmung dar. Damit leistet die Studie einen außergewöhnlich durchdachten Beitrag zur Debatte über die westlichen Handlungsalternativen mit Blick auf die Lage in Syrien.

https://www.rand.org/pubs/perspectives/PE233.html

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Published Online: 2017-09-11


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, Volume 1, Issue 3, Pages 304–304, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0071.

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