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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

[SIRIUS: Journal of Strategic Analysis ]

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

4 Issues per year

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ISSN
2510-2648
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„Gekommen, um zu bleiben“: Optionen für eine Auseinandersetzung mit der neuen Nuklearmacht Nordkorea

Enrico Fels
  • Corresponding author
  • Center for Global Studies (CGS) der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Germany Australian National University, College of Asia & the Pacific, Strategic and Defence Studies Centre.
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Published Online: 2017-12-14 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0084

Zusammenfassung:

Wie sehen die Chancen aus, Nordkorea mit militärischem oder politischem Druck zur Aufgabe seines Kernwaffenprogramms zu bewegen? Der Artikel befasst sich mit den unterschiedlichen derzeit diskutierten Optionen und gelangt zu dem Schluss, dass es keine überzeugenden Handlungsoptionen gibt, die dieses Ziel erreichen könnten. Es ist davon auszugehen, dass die Kim-Diktatur vorerst im Besitz von Kernwaffen sowie anderer Massenvernichtungswaffen bleiben wird. Selbst eine engere Abstimmung unter den USA und China dürfte nicht zu einer automatischen Denuklearisierung Nordkoreas führen. Es kommt derzeit eher darauf an, die gegenwärtige politische Eskalationsspirale zu entwirren und im bilateralen Austausch zwischen Washington und Peking nach Gemeinsamkeiten zu suchen und zu vermeiden, dass aus dem Konflikt über Nordkorea ein tiefgehendes strategisches Zerwürfnis zwischen beiden Ländern erwächst (von dem Russland profitieren würde).

Abstract:

How are the chances that the international community might compel North Korea to give up its nuclear weapons and its missiles programs? The article discusses various military and diplomatic options and arrives at the conclusion that there is no option that will promise a quick denuclearization of North Korea. North Korea will continue to possess nuclear weapons and other weapons of mass destruction. Even a closer relationship between Beijing and Washington will not automatically lead to a non-nuclear North Korea. The main task now is to disentangle the current political escalation and to avoid that the crisis will lead to a permanent political liability in the relations between Washington and Beijing (from which Russia would profit very much).

Schlüsselwörter: Nordkorea; USA; China; nukleare Proliferation; internationales Krisenmanagement

Keywords: North Korea; USA; China; nuclear proliferation; international crisis management

1 Einleitung

Angesichts der dramatischen Entwicklungen in der Nordkorea-Krise stellt sich die Frage nach militärischen und politischen Handlungsoptionen. Im Folgenden wird argumentiert, dass es derzeit keine brauchbaren Handlungsoptionen gibt, die zu einer effektiven Denuklearisierung Nordkoreas führen werden. Dieser Mangel an effektiven Lösungswegen betrifft insbesondere die Vereinigten Staaten, welche zwar in der Vergangenheit militärischen Druck gegenüber autoritären Staaten anwenden konnten, um nach dem Scheitern diplomatischer Gespräche Zugeständnisse im Bereich von Massenvernichtungswaffen zu erzielen. Doch trotz wachsenden innenpolitischen Drucks auf Trump und angesichts der sich abzeichnenden Veränderung der Bedrohungslage für die USA und ihre regionalen Verbündeten ist es unwahrscheinlich, dass Washington gegenüber Pjöngjang zu militärischen Mitteln greifen wird. Zwar gibt es militärische Optionen, aber diese sind mit extrem hohen Risiken verbunden.

2 Die Defizite militärischer Optionen

Zur Begründung dieser Feststellung ist es hilfreich, drei zentrale, der Trump-Administration im Umgang mit dem Kim-Regime zur Verfügung stehende, militärische Optionen zu diskutieren: 1. ein militärischer Präventivkrieg, 2. eskalierend die sicherheitspolitischen Schrauben zunehmend anziehen sowie 3. einen gezielten Enthauptungsschlag gegen die politische Elite Nordkoreas vorzunehmen.1 Eine genauere Auseinandersetzung mit diesen drei Optionen lohnt sich auch deshalb, um eine bessere Vorstellung über den möglichen Verlauf der Auseinandersetzungen auf der koreanischen Halbinsel zu entwickeln.

2.1 Präventivkrieg

Zweifellos wäre Washington angesichts der enormen Stärke der eigenen Streitkräfte und trotz der nach wie vor ressourcenintensiven Einsätze im Irak und Afghanistan in der Lage, das Kim-Regime in einem konventionellen Krieg zusammen mit Südkorea militärisch zu schlagen. Allerdings würde dies mit hoher Sicherheit zu einem der teuersten, wenn nicht gar dem teuersten, US-Militäreinsatz seit Ende des Zweiten Weltkriegs werden, da sich die Führung in Pjöngjang ein durchaus beachtliches Militär leistet. Laut internationalen Schätzungen2 verfügt Nordkorea über etwa eine Millionen Soldaten, dazu kommen mehr als acht Millionen Reservisten sowie Paramilitärs mit hochmotivierten und gut ausgebildeten Elitetruppen. Allein letztere entsprechen mit ihren geschätzt 180.000 Mitgliedern zahlenmäßig in etwa der heutigen, seit der Wiedervereinigung stark geschrumpften Bundeswehr.

Das Militär des ‚Obersten Führers‘ Kim Jong-un, der 2011 im Alter von nur 27 Jahren Staatsoberhaupt Nordkoreas wurde, verfügt außerdem über Vorräte an chemischen und biologischen Kampfmitteln, darunter auch der hochgiftige Kampfstoff Sarin sowie das Nervengas VX.3 Darüber hinaus hat Nordkorea Kernwaffen, die es auf kurzen und möglicherweise auch auf langen Distanzen einsetzen kann. Am 4. Juli 2017, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, testete Nordkorea seine erste Interkontinentalrakete, die Hwasong-14. Wenige Wochen später erfolgte ein zweiter Testflug, welcher belegte, dass die Hwasong-14 mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Lage ist, Teile Europas oder Nordamerikas zu erreichen.4

Zuvor waren eine Reihe von Raketentests wiederholt fehlgeschlagen, wahrscheinlich auch aufgrund des Cyberkriegs, den Washington über die letzten Jahre gegen das Kim-Regime geführt hat.5 Dadurch wurde das Raketenprogramm zwar zeitlich etwas verzögert, jedoch bestärkte dies Pjöngjang wiederum auch darin, den Ausbau eigener Cyberkapazitäten stark voranzutreiben. Nordkorea wird in einem aktuellen Bericht des Defense Science Board des US-Verteidigungsministeriums attestiert, dass es neben Russland, China, Iran sowie einigen islamistischen Terrorgruppen ein „cyber actor of greatest concern“6 sei. Somit ist es wahrscheinlich, dass das nordkoreanische Regime im Fall eines Krieges mit den Vereinigten Staaten diese Kapazitäten nutzen würde, um durch Angriffe auf wichtige Infrastruktur der gegnerischen Seite in der Region und in Übersee Chaos zu stiften.7 Obgleich diese Zunahme nordkoreanischer Fähigkeiten auf dem Feld der Cyber-Kriegsführung aus westlicher Sicht besorgniserregend ist, sollte sie aber auch nicht überbewertet werden. So merkt der IT-Experte Bruce Schneier an, dass Nordkorea trotz der konstanten Verbesserung seiner Cyberkapazitäten bis jetzt nicht in derselben Liga spiele wie die USA, Großbritannien, Russland, China und Israel.8

Zentrales Element der Verteidigungsstrategie des Regimes bleibt es, Kernwaffen als Versicherung gegen einen Regimewechsel zu behalten. Nur sie bieten dem autoritären und rücksichtslosen Regime die Möglichkeit des politischen Überlebens.9 Trotz erhöhter internationaler Aufmerksamkeit ist das genaue nukleare Arsenal Nordkoreas unbekannt. Der renommierte Experte David Albright schätzt, dass Nordkorea Ende 2016 über 13 bis 30 Kernwaffen verfügte.10 Falls dies zutrifft, wäre Nordkorea die derzeit kleinste Nuklearmacht der neun Länder mit nuklearer Bewaffnung.11 Angesichts mehrerer Tests in 2016 und 2017 und fortlaufender Gewinnung von hochangereichertem Uran sowie Plutonium ist indes davon auszugehen, dass die nordkoreanische Führung daraufhin arbeitet, sowohl Qualität als auch Quantität der eigenen Kernwaffen weiter zu erhöhen. Verdeutlicht wird dies etwa durch den sechsten nordkoreanischen Kernwaffentest, welcher am 3. September 2017 stattfand und laut Angaben aus Pjöngjang die Zündung einer Wasserstoffbombe umfasste, die bereits soweit miniaturisiert gewesen sei, dass sie über eine Interkontinentalrakete transportiert werden könne. Tatsächlich war die Sprengkraft (Schätzungen variieren zwischen 120 und 250 Kilotonnen) beachtlich und spricht für die Explosion einer thermonuklearen Bombe, ob diese aber miniaturisiert war oder nicht, lässt sich aus dem Test nicht schließen.12

Sollte nordkoreanischen Wissenschaftlern tatsächlich die erfolgreiche Miniaturisierung einer Wasserstoffbombe gelungen sein, wäre das ein besorgniserregender technologischer Erfolg. Vor dem sechsten Test gingen angesehene Experten wie Siegfried Hecker davon aus, dass Nordkorea erst zwischen 2021 und 2026 über kernwaffenbestückte Interkontinentalraketen verfügen würde, die in der Lage wären, das amerikanische Festland zu erreichen.13 Noch fehlen belastbare Hintergrundinformationen, welche die Miniaturisierung klar belegen. In der wissenschaftlichen Community bleiben daher erhebliche Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Ankündigungen Nordkoreas.14 Dennoch ist die Entwicklung in jedem Fall besorgniserregend.

Ist die Frage strittig, ob Nordkorea tatsächlich substantielle Fortschritte bei der Entwicklung von Wasserstoffbomben und deren Verkleinerung gemacht hat, so herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass Nordkorea in der Lage ist, enge regionale Verbündete der USA wie Südkorea und Japan mit Kernwaffen zu bedrohen oder andere Optionen der strategischen Bedrohung zu verfolgen. In erster Linie wären hier Angriffe mit ballistischen Raketen auf Südkorea oder Japan zu erwähnen, die mit Kernwaffen bestückt sein könnten. Auch unkonventionelle Angriffswege wären denkbar, etwa mittels vermeintlich ziviler Frachtschiffe, welche japanische oder südkoreanische Häfen in einer suizidalen Mission anlaufen könnten. Die Tatsache, dass es sowohl in Südkorea als auch in Japan Räume mit einer hohen Siedlungsdichte gibt, lässt schon heute Millionen von Menschen in beiden Ländern zu Geiseln der nordkoreanischen Führung werden.

Besonders für Südkorea wäre ein militärischer Konflikt mit dem Norden eine enorme Herausforderung, ist doch die südkoreanische Hauptstadt Seoul, politisches und wirtschaftliches Herz des Landes, bereits für die konventionell bestückte nordkoreanische Artillerie (vermutet werden bis zu 11.000 Artilleriegeschütze und Raketenwerfer nördlich von Seoul) gut zu erreichen. Auch diverse andere südkoreanische Städte liegen nahe der entmilitarisierten Zone – dem 250 km langen Niemandsland, welches die beiden Länder seit 1953 teilt – und wären von konventionellen Vergeltungsschlägen aus dem Norden unmittelbar betroffen. Zudem würde jeder Zusammenstoß zwischen den großen stehenden Heeren der beiden Koreas zu umfassenden militärischen Operationen und großen Verlusten auf beiden Seiten (insbesondere unter der Zivilbevölkerung) führen. Südkorea stellt 600.000 reguläre Soldaten und über drei Millionen Reservisten gegen die oben genannten 9 Millionen Soldaten und Reservisten Nordkoreas. Hinzu kämen noch circa 23.500 amerikanische Truppen, die Washington im südlichen Teil der Halbinsel stationiert hat, welche zudem von den etwa 39.000 Soldaten Unterstützung fänden, die derzeit in Japan stationiert sind. Die Verluste an Menschen und der materielle Schaden durch konventionelle nordkoreanische Waffen dürften im Falle einer militärischen Auseinandersetzung enorm sein. Laut einer Stratfor-Analyse könnte allein eine einzelne Salve aller nordkoreanischen Raketenwerfer des Typs KN-09 so viel Schaden anrichten wie elf vollgeladene B-52 Bomber der US-Luftwaffe.15 Andere Studien schätzen, dass es innerhalb Seouls im Laufe der ersten 48 Stunden eines Krieges mehr als 100.000 Todesopfer geben dürfte.16 Diese Einschätzungen basieren auf der Annahme, dass das nordkoreanische Regime keine nuklearen, biologischen oder chemischen Waffen anwenden würde – über die es, wie aufgeführt, aber bereits heute in relevanter Zahl verfügt. Falls es zu einem Einsatz dieser Waffen käme, wären die Opferzahlen weitaus höher und es würden innerhalb weniger Stunden Millionen Menschen sterben. Experten nehmen an, dass allein Nordkoreas Vorrat an Sarin zwischen drei und fünf Millionen Opfer fordern könnte, wenn die nordkoreanische Artillerie damit auf Seoul schießen würde.17

Ein Präventivkrieg der Trump-Regierung könnte nur dann realisierbar sein, wenn es den USA gelänge, die nordkoreanischen Artilleriestellungen an der Grenze zu Südkorea präemptiv auszuschalten und gleichzeitig die Raketenkräfte und die ABC-Waffenkapazitäten zu zerstören. Ansonsten würde ein solcher Krieg eine der größten Massentötungen der Neuzeit auslösen.

Selbst wenn die Zerstörung der Artilleriestellungen, der Raketenwaffen und der ABC-Waffen gelingen würde, sähen sich die USA und Südkorea aber nach wie vor mit zumindest in Teilen hochideologisierten nordkoreanischen Truppen konfrontiert, die über einen zwar größtenteils veralteten, aber dennoch sehr umfangreichen Vorrat an militärischer Ausrüstung verfügen. Nordkorea besitzt etwa 5.000 Panzer, 4.000 gepanzerte Fahrzeuge, 2.250 selbstfahrende Artilleriegeschütze und 4.300 gezogene Artilleriegeschütze. Im Unterschied zur mangelhaften nordkoreanischen Luftwaffe dürfte die vergleichsweise gut ausgerüstete Luftabwehr des Landes die Luftüberlegenheit der USA beeinträchtigen und damit amerikanische und südkoreanische Militäroperationen zu Land erschweren.18

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Präventivkrieg der USA Nordkoreas ABC-Waffen komplett zerstören, die nordkoreanische Artillerie lähmen, in einem Zug eine Armee aus Millionen Soldaten und Reservisten schlagen und somit das Kim-Regime unmittelbar stürzen würde, gibt es eine weitere Unbekannte: das militärische Eingreifen der Volksrepublik China. Sobald südkoreanische und amerikanische Verbände Nordkorea besetzen würden, muss damit gerechnet werden, dass China mit Land- und Lufttruppen interveniert.19 Die damit verbundenen Probleme der USA und Südkoreas, das bereits eroberte Territorium zu halten, und die nuklearen Eskalationsrisiken sind von einer derartigen Größenordnung, dass es unwahrscheinlich ist, dass sich ein amerikanischer Präsident auf ein derartiges Abenteuer einlassen wird. Alles in allem erscheint damit ein Präventivkrieg gegen Nordkorea als ein sehr kostenintensives und risikobelastetes Unterfangen.

2.2 Schrauben anziehen und schrittweise Eskalation

Die zweite militärische Option der Trump-Administration beinhaltet stärkere politische und lediglich gezielte militärische Antworten auf Provokationen Nordkoreas, wie Kernwaffentests und Raketenstarts über Südkorea und Japan. Die USA und ihre Verbündeten könnten etwa Testraketen Nordkoreas mit modernen Luftabwehrsystemen wie Patriot, THAAD oder Aegis in unterschiedlichen Flugphasen abschießen. Das wäre völkerrechtlich unbedenklich, da der Sicherheitsrat Nordkorea derartige Starts untersagt hat und gerade im Falle von Raketen, die das Territorium Japans überfliegen, auch das Selbstverteidigungsrecht Japans ins Spiel gebracht werden kann. Washington könnte zudem mit begrenzten Präzisionsschlägen gegen Nordkoreas Raketenstartplätze oder Nuklearforschungszentren vorgehen. In Reaktion auf die zu erwartenden Vergeltungsschläge Nordkoreas könnte die USA eine stufenweise Eskalation verfolgen und somit bewusst ein sich perpetuierendes Reiz-Reaktions-Muster auslösen. Der Nordkorea-Experte Sydney Seiler bezeichnet dies als einen ‚Provokations-Kreislauf‘.20

Mit seinem Ansatz der ‚strategischen Geduld‘ hatte Präsident Barack Obama versucht, diesen Kreislauf zu verhindern, in der Hoffnung, dass Nordkorea im Zeitverlauf zu einem verantwortungsbewussteren und berechenbareren Akteur werden würde. Leider erfüllten sich diese Hoffnungen in keiner Weise, was als sicherheitspolitische Fehlleistung der letzten US-Administration einzustufen ist, die wertvolle Zeit im Umgang mit der Kim-Diktatur verstreichen ließ. Ähnliches gilt auch für vorherige US-Präsidenten wie Bill Clinton und George W. Bush, die sich wiederholt auf Verhandlungen mit Nordkorea einließen, nur um dann mitzuerleben, wie Pjöngjang auf Zeit spielte und die vertraglich eingegangenen Verpflichtungen letztlich nicht erfüllte und verdeckt oder offen die eigene nukleare Rüstung vorantrieb.21

Warum sollte der neue US-Präsident nicht die sicherheitspolitischen Schrauben stetig weiter anziehen und eine graduelle Eskalation einer Deeskalation vorziehen? Die Antwort ist simpel: Weil militärische Eskalationen zwischen zunehmend verhärteten Fronten schwer zu beenden sind. Die Unsicherheit über die Absichten des jeweiligen Gegners steigt signifikant, sobald beide Seiten damit begonnen haben, sich zu beschießen. Neben dem enormen Risiko einer nuklearen Kontamination für Bevölkerung und Umwelt im Falle eines Angriffs auf kritische nordkoreanische Nuklearanlagen ist zudem unklar, ob sich militärische Schläge auf Dauer begrenzen oder gar überhaupt wieder beenden ließen, ohne dass es zuvor zu einer großflächigen militärischen Auseinandersetzung beider Seiten mit den oben aufgeführten hohen Kosten käme.

Angesichts einer solchen Situation bestünden auch Zweifel, ob Pjöngjang Washingtons Angriffe korrekt als begrenzte Präzisionsschläge interpretieren würde, oder ob man darin nicht eher den Beginn des vollumfänglichen Krieges sähe, wie er von der nordkoreanischen Führung schon seit mehr als einem halben Jahrhundert erwartet wird.22 Verschärfend käme hinzu, dass das Kim-Regime Präzisionsschläge gegen seine Nuklearwaffeninfrastruktur als Beweis einer Strategie des Westens werten dürfte, die einen Regimewechsel in Nordkorea bezweckt. Das Beispiel des libyschen Staatsführers Muammar al-Gaddafi, der 2011 mit Unterstützung der NATO von großen Teilen der eigenen Bevölkerung gestürzt wurde, dürfte Kim Jong-un dabei ein warnendes Beispiel sein. Erneut würden die im ersten Szenario beschriebenen enormen Verluste und Kosten drohen.

Selbst wenn sich aber die Gewalt ein- bzw. beschränken ließe, würde das Kim-Regime durch militärische Angriffe wahrscheinlich sogar gestärkt werden, da durch chirurgische militärische Aktionen gegen Nordkorea eine weitere Zunahme der ohnehin bereits sehr ausgeprägten Bunkermentalität innerhalb der nordkoreanischen Gesellschaft zu erwarten ist, was zusätzliche Loyalität und interne Unterstützung für die regierenden Gruppen bedeutet.23 Ob ein begrenzter, aber dennoch risikoreicher Waffengang gegen Nordkorea einen ähnlichen positiven Effekt auf die öffentliche Unterstützung für die Staatsführung in westlichen Demokratien hätte, muss bezweifelt werden. Zusätzlich sind die enormen finanziellen Kosten der Kriege in Afghanistan und im Irak noch vielen amerikanischen Bürgern in Erinnerung.24 Auch zeigt die Erfahrung, dass das politische Kapital für militärische Einsätze in post-heroischen Demokratien bei ansteigenden Zahlen gefallener Soldaten allzu schnell verspielt ist, was den außen- und sicherheitspolitischen Spielraum von Regierungen in Demokratien im Zeitverlauf zunehmend einschränkt.25

Es ist daher zu erwarten, dass Kims Reaktion auf eine amerikanische Politik der schrittweisen Ausweitung der militärischen Auseinandersetzung sehr aggressiv ausfallen könnte, um den USA zu demonstrieren, dass eine saubere, chirurgische Lösung nicht möglich sein wird. Auch diese Option ist damit wenig attraktiv für die Trump-Administration.

2.3 Enthauptungsschlag

Ein drittes mögliches Vorgehen Washingtons zielt auf eine militärische Amtsenthebung Kims‘ und seines Führungszirkels.26 Einige westliche Regierungen sollen eine solche Strategie, bei welcher der Diktator und seine engste Führungsriege durch eine Kommando-Operation ganz ähnlich der erfolgreichen Hollywood-Komödie „The Interview“ eliminiert werden würde, bereits in Betracht gezogen haben – zumindest wird das aus Pjöngjang kolportiert.27 Auch diese Option ist ohne Perspektive.

Zum einen ist kaum zu erwarten, dass die erfolgreiche Ausführung dieser Option zu einer Umorientierung der Außen- und Innenpolitik Nordkoreas führen würde.28 Im Falle eines erfolgreichen Attentats auf Kims Leben ist es unwahrscheinlich, dass Nordkoreas herrschende Eliten einen Nachfolger krönen würden, der von ihren Nachbarn als wohlwollender und in Bezug auf die nukleare Abrüstung gesprächsbereiter empfunden wird. Das Risiko einer unmittelbaren militärischen Eskalation gegenüber dem südlichen Nachbarn sowie den USA könnte sich sogar erhöhen, wenn jene Teile der nordkoreanischen Streitkräfte und politischen Kader, die sich dem ‚Obersten Führer‘ besonders nahe fühlen, dessen Tod mittels direkter Vergeltungsschläge gegen Südkorea und amerikanische Militärstützpunkte in der Region rächen wollen. Die Tötung Kims durch Washington, Seoul oder andere Akteure könnte damit genau das auslösen, was sie verhindern sollte: einen offenen Krieg auf der koreanischen Halbinsel.

Zum zweiten ist die Umsetzung eines solchen Kommandounternehmens grundsätzlich leichter formuliert als vollzogen. Von der eindeutigen Verletzung internationaler Rechtsnormen bezüglich der außergerichtlichen Tötung ausländischer Staatschefs einmal abgesehen, ist der ‚Oberste Führer‘ gerade bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten enorm gut geschützt. Die relativ leistungsfähige nordkoreanische Luftabwehr macht eine Drohnen- oder Raketenattacke wenig aussichtsreich und einen direkteren Zugriff notwendig. Ein solcher Angriffsversuch wäre jedoch ohne Verschwörer aus seinem innersten Kreis zum Scheitern verurteilt, selbst wenn sich eine letztlich selbstmörderische Spezialeinheit in die Höhle des Löwen wagen sollte. Derzeit wird Kims Sicherheit durch die berüchtigte ‚Einheit 963‘ gewährleistet, eine besonders gut ausgestattete und schätzungsweise 120.000 Mann starke Elitetruppe, die alles und jeden in Kims Umfeld überwacht. Kim Jong-un hatte zudem bereits kurz nach seiner Amtseinführung damit begonnen, jene Kader auszuschalten (mitunter auch physisch), deren bedingungslose Loyalität in Frage stand.29 Angesichts dieser Umstände scheint ein solches Vorgehen kaum vielversprechend. Ein verfehltes Attentat würde zudem die Gefahr eines Krieges mit Südkorea und den USA erhöhen, da die USA, ob berechtigt oder nicht, wahrscheinlich umgehend für den Anschlag auf die politische Führung verantwortlich gemacht werden würden. Das Kim-Regime würde auf den Angriff auf die oberste Führung vermutlich mit Aggressivität reagieren. Damit ist auch diese dritte Option im Umgang mit Nordkorea wenig attraktiv für die Trump-Administration.

3 Temporäre Akzeptanz Nordkoreas als neunte Nuklearmacht?

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Pjöngjang innerhalb der nächsten Jahre ein Arsenal von mit Nuklearsprengköpfen bestückten Raketen besitzen und behalten wird, die nicht nur Staaten der Region, sondern vielleicht auch Nordamerika und Westeuropa erreichen können. Nordkorea hat bereits heute das Potenzial, die Nachbarstaaten mittels konventioneller, nuklearer, biologischer und chemischer Waffen massiv zu verwüsten. Die erfolgreichen jüngsten Raketentests legen nahe, dass nordkoreanische Trägerraketen in absehbarer Zeit in der Lage sein dürften, auch Ziele fern der eigenen unmittelbaren Nachbarschaft zu treffen – wie präzise auch immer.30

Obgleich die temporäre Akzeptanz eines nuklearbewaffneten Nordkoreas alles andere als attraktiv ist, gibt es einige Hoffnungsschimmer. Allzu oft droht das Regime mit martialischer Rhetorik, hat den Drohgebärden aber in der Regel nur sehr selten Taten folgen lassen. Aktionen wie die nach wie vor kontroverse Versenkung der Korvette Cheonang im März 2010 oder der Beschuss der südkoreanischen Insel Yeonpyeong im November 2010 zählen zu den wenigen Ausnahmen. Der Grund ist simpel: Trotz der aggressiven Gesten und seiner beträchtlichen Militärmacht würde Nordkorea einen Krieg gegen die USA und ihre regionalen Verbündeten aller Voraussicht nach verlieren. Der Vorsprung Washingtons und Südkoreas in Bezug auf militärische Leistungsfähigkeit und regionale Unterstützung ist schlicht zu groß. Ein nordkoreanischer Einsatz von Kernwaffen gegen Seoul oder Tokio würde darüber hinaus vernichtende nukleare Gegenschläge der USA auslösen, da diese gemäß bilateraler Vereinbarungen ihre Verbündeten durch den eigenen sogenannten ‚Atomschirm‘ schützen. Nordkorea würde in eine radioaktiv verseuchte Wüste verwandelt, die Kim-Dynastie wäre Geschichte. Es ist unwahrscheinlich, dass der ‚Oberste Führer‘ seine Herrschaft mit einem solchen Schritt beenden wollen würde.

China, sicherlich eines der Länder, welches Nordkorea in den zurückliegenden Jahren am meisten den Rücken stärkte, hat zudem Pjöngjang bereits signalisiert, dass es sich dem Beistandspakt von 1961 im Falle einer Kriegsauslösung durch Nordkorea nicht verpflichtet fühlt.31 Es ist kein Geheimnis, dass beide Staatsführungen, trotz wiederholter chinesischer Unterstützung beim Unterlaufen von UN-Sanktionen, alles andere als enge politische Partner sind.32 Die massive Verärgerung der chinesischen Führung und der Bevölkerung über die Eskapaden Kim-Jong-uns, die als Gefahr für die regionale Stabilität wahrgenommen werden, tritt immer deutlicher zu Tage. Die diplomatischen Spannungen zwischen beiden Staaten werden etwa durch den Umstand deutlich, dass der chinesische Präsident Xi Jinping sich bisher nicht mit Kim Jong-un getroffen hat, obgleich Xi die südkoreanische Staatsführung bereits mehrfach besuchte.33

Damit wäre auch der offensive Charakter der nordkoreanischen Kernwaffen limitiert: Ein nuklearer Erstschlag Pjöngjangs würde sehr wahrscheinlich auch in Peking und Moskau eine rote Linie überschreiten und das Weiterbestehen der nordkoreanischen Führung gefährden. Kim Jong-un hat daher aus vielerlei Hinsicht einen hohen Anreiz, es nicht zum Äußersten kommen zu lassen.

Angesichts dieser Optionen ist es wahrscheinlich, dass sich Pjöngjang mit der Etablierung eines nuklearen Gleichgewichts des Schreckens zufriedengibt, bzw. so lange darauf hinarbeitet, bis es meint, ein solches erreicht zu haben. Damit wäre aber nur ein scheinbares nukleares Patt zwischen einer globalen Großmacht und einer regionalen Militärdiktatur entstanden.34 Dieses nukleare Patt hätte nur gewisse Ähnlichkeiten mit demjenigen, welches zwischen den USA und Russland seit Jahrzehnten besteht. Es wäre vorübergehender Art und es wäre weit entfernt davon jene Stabilität zu produzieren, die gemeinhin mit dem Zustand der Mutual Assured Destruction (sinnigerweise MAD abgekürzt) assoziiert wird. Zwar könnte Nordkorea Teile der USA (oder besser: einzelne Städte) mit Kernwaffen angreifen und verwüsten, es muss aber aufgrund der ungleich größeren Potentiale der USA und der viel weitergehenden technischen Möglichkeiten davon ausgehen, dass im Falle ernsthafter Vorbereitungen für einen derartigen transkontinentalen Angriff die USA einen nuklearen Entwaffnungsschlag gegen Nordkorea führen. Zudem werden die USA alles tun, um sich selber mittels Raketenabwehrsystemen gegen Kernwaffenangriffe aus Nordkorea immun zu machen. Auch wird die regionale Wirkung des nordkoreanischen Raketenprogramms durch Raketenabwehr vor Ort reduziert. Washington stellt seinen regionalen Partnern schon jetzt moderne Abwehrsysteme (THAAD, Aegis oder PAC 2 & 3) bereit, um einen nordkoreanischen Nuklearangriff mit hoher Wahrscheinlichkeit abzuwehren. Pjöngjang könnte diese Versuche durch erhöhte Produktion von Raketen und Täuschkörpern ausgleichen, aber es würde angesichts seiner begrenzten wirtschaftlichen und technologischen Kapazitäten sehr schnell an seine Grenzen geraten.

Eher ist zu erwarten, dass zeitweilig eine Art grundständige asymmetrische Abschreckung eintreten könnte, so wie sie schon lange zwischen China und den USA besteht. Die Volksrepublik China besitzt keine nuklearstrategischen Angriffskapazitäten, die denjenigen der USA und Russlands quantitativ und qualitativ entsprechen. Von daher besteht auch (noch) keine Situation der MAD. Aber die Tatsache, dass China in der Lage ist, eine begrenzte Anzahl von nuklearen Sprengkörpern in die USA zu verbringen, reicht aus, um die USA zum vorsichtigen Umgang mit China zu veranlassen. Für Nordkorea dürfte es ausreichen, über die Fähigkeit zu verfügen, zumindest Teile der kontinentalen USA (oder ihrer europäischen Verbündeten) mit Kernwaffen bedrohen zu können. Damit könnte das Überleben des spätstalinistischen Kim-Regimes für einige Zeit gesichert sein. Dieses Szenario ist derzeit am wahrscheinlichsten.

Das Szenario wird vermutlich aber nur temporärer Natur sein, weil die USA alles daran setzen werden, ihre Verwundbarkeit gegenüber Nuklearangriffen aus Ländern wie Nordkorea zu eliminieren. Es könnte zu einer Wiederbelebung der Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) kommen. Dieses Szenario ist zudem aus vielerlei Gründen kritisch. So wäre Nordkoreas Erfolg ein gefährliches Vorbild für andere Länder, die diplomatische Probleme mit dem Westen haben und eine militärische Auseinandersetzung mit diesem fürchten.35 Hardliner in Teheran, die glücklicherweise im Februar 2017 die Parlamentswahlen deutlich verloren haben, könnten auf Pjöngjangs Erfolg (Etablierung als Kernwaffenstaat und damit ein höherer Schutz vor einem exogen herbeigeführten Regimewechsel) verweisen und dazu ermuntern, die iranische Nuklearrüstung unter Verletzung der getroffenen Vereinbarungen voranzutreiben. Es ist zudem nicht unwahrscheinlich, dass Nordkoreas neue Position als faktischer Nuklearmacht Regionalstaaten wie Japan oder Südkorea motiviert, ein eigenes Kernwaffenpotenzial zu errichten, um nuklearen Erpressungsversuchen des Kim-Regimes entgegenzuwirken. Ein derartiger nuklearer Rüstungswettlauf könnte das Ende des seit 1970 bestehenden Atomwaffensperrvertrags bedeuten, aus dem Nordkorea im Frühjahr 2003 austrat. Während die Akzeptanz von Nordkorea als kernwaffenbesitzender Staat das auf den ersten Blick wahrscheinlichste Szenario ist, könnte dieses einen Trend zu weiteren regionalen und globalen Rüstungsbemühungen auslösen, in deren Konsequenz Asien-Pazifik noch stärker militarisiert sein würde, als es ohnehin bereits der Fall ist.

4 Langfristige diplomatische Initiativen zur Denuklearisierung Nordkoreas

Der amerikanische Diplomat und Wissenschaftler James D. Bindenagel hat zu Recht darauf hingewiesen, dass angesichts der verfahrenen Situation auf der nordkoreanischen Halbinsel und der enorm risikobehafteten militärischen Optionen die Zeit für eine konzertierte diplomatische Aktion gekommen ist.36 In der Tat scheint eine Lösung der gefährlichen Zuspitzung auf der koreanischen Halbinsel nur im diplomatischen Zusammenspiel von Washington, Peking, Moskau, Tokio, Seoul und Pjöngjang möglich. Doch ist ein derartiges Konzert unter Einbeziehung der Großmächte möglich? Es gibt sowohl Gründe die dagegen wie auch dafür sprechen.

Gegen eine derartige Konzertlösung spricht zum einen, dass alle bisherigen Versuche (etwa die Korean Peninsular Energy Development Organisation oder die Sechsparteiengespräche) erfolglos blieben. Seit über einem Vierteljahrhundert gibt es derartige diplomatische Bemühungen, die allesamt an dem hartnäckigen Verfolgen der nuklearen Option durch Nordkorea gescheitert sind. Keines der getroffenen Abkommen war das Papier wert, auf dem es geschrieben wurde. Zum Zweiten lässt das Verhalten Moskaus und Pekings Zweifel daran aufkommen, ob diese tatsächlich an einer diplomatischen Lösung interessiert sind, welche eine Denuklearisierung Nordkoreas beabsichtigt. Peking scheint bereits seit geraumer Zeit ein nuklearbewaffnetes Regime einem instabilen oder gar kollabierenden Nordkorea vorzuziehen.37 Moskau wiederum baut die eigene Unterstützung für Pjöngjang in den zurückliegenden Jahren substantiell aus – auch um die eigene Rolle als Regionalmacht in Asien-Pazifik zu stärken.38 Zudem gibt es einige substantielle Hinweise auf technische Hilfe für Nordkoreas Raketenprogramm aus dem Ausland, wobei neben ukrainischen auch chinesische, russische und iranische Rüstungsbetriebe unter Verdacht stehen. Die jüngst geäußerte Vermutung, wonach das in der Hwasong-14 genutzte Raketentriebwerk RD-250 aus der Ukraine stammen könnte,39 ist umstritten und wird u. a. sowohl von ukrainischen wie russischen Sachverständigen angezweifelt.40 Auch Vertreter von US-Geheimdiensten stehen dem Verdacht einer ukrainischen oder russischen Proliferation solcher Kerntechnologien kritisch gegenüber. Sie betonen ergänzend die Möglichkeit einer nordkoreanischen Eigenentwicklung basierend auf gemeinsamen Forschungsbemühungen mit dem Iran.41 Die enge Zusammenarbeit von beiden Ländern bei der Entwicklung ballistischer Raketen ist gut belegt.42 Gleichfalls ist indes auch Nordkoreas frühere Kooperation mit Schmugglernetzwerken aus der Sowjetunion bzw. Russland gut dokumentiert.43 Über diese hatte man bereits in den 1980ern und frühen 1990ern wichtige Technologie für den Bau von Scud-, Nodong- und Musudan-Raketen ins Land geholt. Internationale Untersuchungen der Wrackteile nordkoreanischer Raketen haben zudem unlängst die Verwendung chinesischer Komponenten erwiesen.44 Obgleich die Zuliefererfrage noch ungeklärt ist, hat die Krise um Pjöngjangs Kernwaffen indes bereits jetzt den bedeutenden Nebeneffekt, dass die strategische Entente zwischen Peking und Moskau gegenüber Washington weiter gestärkt wird.45

Es gibt allerdings auch gute Gründe für die Annahme, dass der Zeitpunkt für ein diplomatisches Konzert günstig ist: Anders als bei den bis 2009 geführten Sechsparteiengesprächen, bei denen Moskau und Peking wiederholt als Schutzmächte für das nordkoreanische Regime agierten, besitzen China und Russland heute ein größeres Interesse daran, Pjöngjang in seinen weiteren Bemühungen zum Aufbau eines Kernwaffenarsenals aufzuhalten. Beide Großmächte haben offenbar große Schwierigkeiten mit der Unberechenbarkeit und Brachialität der Führung in Pjöngjang und es scheint, dass sie mehr als einmal die Geduld mit dem Kim-Regime verloren haben. Vor allem China muss fürchten, dass Japan und Südkorea die Provokationen Pjöngjangs zum Anlass nehmen, um die eigene militärische Schlagkraft weiter zu erhöhen oder eine noch engere Sicherheitspartnerschaft mit den USA anzustreben.46 Das heißt, anstelle einer Erschütterung der amerikanischen Sicherheitssysteme in Ostasien könnte genau das Gegenteil eintreten: deren Stärkung. Die japanische Regierung unter Premierminister Shinzo Abe arbeitet derzeit an der Abschaffung bzw. Änderung von Artikel 9 der japanischen Verfassung, welcher de jure die Aufstellung von Streitkräften verbietet und damit mit der de facto-Existenz eines sehr veritablen japanischen Militärs im Widerspruch steht.47 Diese damit absehbare Normalisierung von Japan als regionaler Mittelmacht sowie die Stationierung des THAAD-Abwehrsystems auch in Südkorea, dessen exzellentes Radar tief in chinesisches Gebiet zu wirken vermag, muss chinesische Militärplaner beunruhigen. Darüber hinaus stellt die Stationierung von THAAD Risiken für Chinas derzeit vorangetriebene eigene nuklearstrategische Zweitschlagfähigkeit dar. Die durch nordkoreanische Provokationen angetriebene regionale Rüstungsspirale kann auch in einen Krieg führen und China in eine nicht erwünschte militärische Konfrontation mit den USA treiben. Das könnte aus Pekinger Sicht den friedlichen Wiederaufstieg der eigenen Nation stören bzw. unterbinden. Peking ist seit 1961 formal durch einen Beistandsvertrag an Nordkorea gebunden, welcher 1981 und 2001 verlängert wurde und derzeit formal noch bis mindestens 2021 läuft.

Die Pekinger Führung befindet sich in einer Zwickmühle: Sie ist weder an einer Eskalation der komplizierten Situation auf der koreanischen Halbinsel interessiert, da diese leicht zu einem regionalen Flächenbrand führen und Chinas Aufstieg zur Großmacht be- oder sogar verhindern könnte, noch ist sie bereit, den Kollaps des Kim-Regimes oder gar die Wiedervereinigung Koreas zu riskieren, was im schlimmsten Fall die Stationierung amerikanischer Truppen direkt an der chinesischen Grenze herbeiführen könnte. Dies spricht dafür, dass es ein chinesisches und vielleicht auch russisches Interesse, welches ebenfalls eine Landgrenze mit Nordkorea hat, an der Lösung oder zumindest Beruhigung der Nordkorea-Frage geben kann.

Doch wie kann eine derartige Konzertlösung aussehen? Vorstellbar wäre, dass Peking versuchen könnte, eine substantielle Reduktion der amerikanischen Militärpräsenz in Südkorea für ein aktives und effektives Engagement Pekings bei der Denuklearisierung Nordkoreas vorzuschlagen. Das hätte allerdings nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn China den Nachweis führen könnte, dass es in der Lage ist, die Denuklearisierung Nordkoreas effektiv zu betreiben. Angesichts der bislang von Peking vertretenen Ansicht, dass es nur begrenzte Möglichkeiten der Einwirkung auf Pjöngjang habe, ist dieses Ergebnis nicht sehr wahrscheinlich. Die USA wiederum könnten anbieten, dem Kim-Regime neben einem Friedensvertrag auch die lange vorenthaltene diplomatische Anerkennung sowie den unumstößlichen Verzicht auf Anwendung von militärischen Maßnahmen außerhalb der UN-Charta vertraglich zuzusichern. China und Russland könnten hier als Garantiemächte wirken. Aber der Wert derartige Garantien ist nach den Erfahrungen mit dem Budapester Memorandum mehr als zweifelhaft geworden. Sie würden für Nordkorea vermutlich ohne Bedeutung sein. Ebenso wenig ist von dem Vorschlag zu halten, Manöveraktivitäten der USA und Südkoreas einzufrieren, wenn im Gegenzug Nordkorea keine weiteren Raketen- und Kernwaffentests unternimmt. Eine mehr oder weniger informelle Vereinbarung wäre denkbar und vorübergehend auch angebracht, um die derzeitige Eskalationsdynamik zu unterbrechen. Sie würde aber bestenfalls eine vorübergehende Atempause bewirken.

Besonders zu beachten ist, dass die nukleare Krise um Nordkorea eng verbunden mit der strategischen Rivalität zwischen Washington und Peking ist.48 Die Nordkorea-Krise hat das Potenzial, diese strategische Konkurrenz weiter zu befördern, sie bietet den rivalisierenden Großmächten aber auch die Möglichkeit einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit bei einem für beide Seiten enorm bedeutsamen Konfliktfeld. Allerdings ist nicht erkennbar, auf welchem Pfad die unterschiedlichen Verhandlungspositionen sich begegnen sollen. Zudem tragen alle Seiten durch Unberechenbarkeit und Finten dazu bei, dass die diplomatische Krise verschärft wird. Dazu gehört die ambivalente Politik Chinas bei der Belieferung Nordkoreas mit Raketentechnologie ebenso wie die Politik der Trump-Administration, die durch unvorsichtige Rhetorik und eine Schaukelpolitik im Bereich der Nichtverbreitung nuklearer Technologien für Verunsicherung sorgt.

Ein Grundproblem für derartige Verhandlungen wäre auch der angeblich geringe oder geringer gewordene Einfluss Chinas auf die Führung in Pjöngjang. Es ist nicht klar, ob Peking substantielle und nachhaltige Veränderungen in Pjöngjangs Verhandlungsposition garantieren kann. Die Eliminierung chinafreundlicher Kader unter Kim Jong-un könnte den chinesischen Einfluss in Nordkorea zu stark geschwächt haben. Die Frage ist, ob Washington Peking helfen kann oder sollte, diesen Einfluss wiederherzustellen oder ob es die Gelegenheit nutzen sollte, Nordkorea international noch weiter zu isolieren. Beides ist relativ unwahrscheinlich, auch wenn die USA explizit erklären, dass sie keinen Regimewechsel in Nordkorea herbeiführen wollen. Aus nordkoreanischer, chinesischer und russischer Sicht wäre eine derartige Erklärung ohnehin wenig glaubwürdig.

Ein wichtiger Aspekt ist die Rolle Russlands in diesem Konflikt. Wie oben angeführt, will Russland einerseits die eigene Position in der asiatisch-pazifischen Region stärken, andererseits die strategische Kooperation mit China gegenüber den USA festigen. Die Eskalation im Koreakonflikt hilft der russischen Führung dabei, beiden Zielen näher zu kommen. Wie an anderer Stelle zudem gezeigt werden konnte, sind substantielle raketentechnische Fortschritte Nordkoreas auf den Zufluss ausländischer Raketenkomponenten zurückzuführen.49 Ob es dafür eine regierungsunabhängige Proliferationsquelle etwa über alte nordkoreanisch-russische Schmugglernetzwerke oder klamme ukrainische Rüstungsbetriebe wie KB Juschnoje gibt oder ob diese jüngsten Lieferungen gar mit Billigung bzw. auf Veranlassung der russischen Regierung erfolgt sind, ist derzeit völlig offen. Angesichts der schwierigen Datenlagen sollte indes davon ausgegangen werden, dass jegliche diplomatische Konzertlösung russische Interessen nicht ignorieren kann. Auch liegt es nahe, die genaue Herkunft der ausländischen Raketentechnologie Nordkoreas zumindest zu klären, bevor die Sechserrunde wieder einberufen wird.

5 Fazit

Eine einfache Lösung zur Herbeiführung einer nuklearen Abrüstung Nordkoreas und zur Deeskalation der Spannungen auf der Halbinsel gibt es nicht. Das Fehlen risiko- und kostenarmer Optionen für eine militärische Antwort auf die Nuklearisierung Nordkoreas macht deutlich, dass ein bewusstes militärisches Eingreifen Washingtons zum Sturz der Kim-Diktatur mehr als unwahrscheinlich ist. Mit der Fähigkeit Nordkoreas, die Hauptstadt des südlichen Nachbarlandes in Schutt und Asche zu legen, hat sich Pjöngjang eine effektive Abschreckung gegen externe Interventionen verschafft. Somit ist es wahrscheinlich, dass die Kim-Diktatur im Besitz von Kernwaffen sowie anderer Massenvernichtungswaffen bleiben wird. Selbst eine engere Abstimmung unter den USA und China dürfte nicht zwangsläufig zu einer Denuklearisierung Nordkoreas führen. Ob es dazu kommen wird, ist ungewiss, denn beide Seiten verfolgen unterschiedliche Interessen und scheinen auch nicht die Möglichkeit zu haben, Nordkorea entscheidend zu beeinflussen. Es kommt derzeit vermutlich eher darauf an, die gegenwärtige politische Eskalationsspirale zu entwirren und im bilateralen Austausch zwischen Washington und Peking nach Gemeinsamkeiten zu suchen und auf diese Art zu vermeiden, dass aus dem Konflikt über Nordkorea ein tiefgehendes strategisches Zerwürfnis zwischen beiden Ländern erwächst (von dem Russland profitieren würde).

Die absehbare strategische Sonderposition Nordkoreas als kernwaffenbesitzender Staat dürfte die internen Probleme des Landes nicht lösen. Sie wird eher die internationale Lage in Ostasien komplizieren und die USA dazu veranlassen, die Sicherung ihres Territoriums gegen Interkontinentalraketen welcher Provenienz auch immer zu verbessern. Es sollte daher derzeit vorrangig darum gehen, die Folgen der nordkoreanischen Nuklearrüstung zu begrenzen, den Zugang Nordkoreas zu Schlüsseltechnologien und Materialien zu beschränken, Sanktionen fortzuführen (und durchzusetzen), welche die nordkoreanische Wirtschaftskraft schwächen und darauf hinzuarbeiten, dass sich die innenpolitischen Verhältnisse dereinst ändern werden, damit es zu einer Entkoppelung von Volk und Führung kommt. Diese zu fördern gibt es mehr oder weniger subtile Wege.50

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Footnotes

  • 1

    Bowden 2017 

  • 2

    Cordesman 2016  

  • 3

    Kim/Philipp/Chung 2017, Bermudez 2013 

  • 4

    Vgl. North Korea Hails ‘ICBM Test' Success, BBC vom 04.07 2017, http://www.bbc.com/news/world-asia-40491138, siehe auch Schiller 2017 

  • 5

    David E, Sanger/William Broad: Trump Inherits a Secret Cyberwar Against North Korean Missiles, The New York Times, 04.03.2017 

  • 6

    US DOD Defense Science Board 2017 

  • 7

    Park/Pearson 2017 and Jun/LaFoy/Sohn 2015, S. 4 

  • 8

    Schneier 2017 

  • 9

    Osborne 2017 

  • 10

    Albright 2017a  

  • 11

    USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea. 

  • 12

    38 North 2017 

  • 13

    Hecker 2016 

  • 14

    Albright 2017b 

  • 15

    Stratfor 2017  

  • 16

    Gady 2017  

  • 17

    Bowden 2017 

  • 18

    Majumdar 2017 

  • 19

    Mount 2017 

  • 20

    Bowden 2017 

  • 21

    Stanton/Lee/Klingner 2017, S. 67–69. 

  • 22

    Zur klassischen, nach wie vor zutreffenden Darstellung der Assimilation neuer Informationen in etablierte Denkmuster politischer Entscheider siehe Jervis 1975, S. 143–155. Einen aktuellen Überblick zu Biases in Verhandlungssituationen liefert Ross 2013. 

  • 23

    Siehe zur Bedeutung der Bunkermentalität für die Stabilität, soziale Kohäsion sowie Ressourcenverteilung von bzw. in Nordkorea Kim 2016. 

  • 24

    Basierend auf Analysen des ‚Cost of War‘-Projekts der Brown University liegen die finanziellen Kosten der post-9/11-Kriege bis zum Haushaltsjahr 2016 für den US-Steuerzahler bei etwa 4.800 Milliarden US-Dollar. Crawford 2016 

  • 25

    Siehe etwa Kriner/Shen 2014. Kritisch zur zunehmenden Wehrlosigkeit westlicher Demokratien trotz hoher Militärausgaben: van Creveld 2016. 

  • 26

    Bowden 2017 

  • 27

    Siehe etwa Song-hun Chae: North Korea Accuses South and US of Plotting to Kill Kim Jong-un, The New York Times, 05.05 2017. 

  • 28

    Trotz des weitverbreiteten Bildes eines vermeintlich uniformen Staates mit Kim Jong-un an der Spitze ist Analysten zufolge die politische Macht in Nordkorea auf verschiedene, miteinander konkurrierende Netzwerke verteilt. Es ist daher zweifelhaft, ob ein Enthauptungsschlag gegen Kim und seinen Unterstützerkreis alle innernordkoreanischen Netzwerke stark genug schwächt, um eine substantielle außen- und sicherheitspolitische Neupositionierung Pjöngjangs einzuleiten. Tudor/Pearson 2015, S. 85. 

  • 29

    Hassig/Oh 2015, S. 37 f. 

  • 30

    Experten halten fest, dass nordkoreanische Waffenforscher noch eine Reihe von technischen Herausforderungen meistern müssen (bspw. ein über große Distanzen funktionsfähiges Leit- und Steuersystem oder einen leistungsfähigen Hitzeschild), ehe eine belastbare und glaubwürdige Fähigkeit zur nuklearen Bedrohung auch ferner Ziele über ballistische Raketen erreicht ist. Siehe Anthony Capaccio: North Korean ICBM Technology Still Falls Short, Top General Says, Bloomberg, 31.08.2017, https://www.bloomberg.com/news/articles/2017–08–30/north-korean-icbm-technology-still-falls-short-top-general-says. 

  • 31

    Mount 2017 

  • 32

    Lankov 2013, S. 180–185. 

  • 33

    Roy 2017, S. 6 

  • 34

    In der politikwissenschaftlichen Forschung ist umstritten, welche Auswirkungen eine stärkere Verbreitung nuklearer Waffen auf regionale Ordnungssysteme hätte. Siehe etwa Sagan/Waltz 2003. 

  • 35

    Zum Thema militärische Interventionen siehe Neuhäuser/Schuck 2017. 

  • 36

    Kim 2017  

  • 37

    Lankov 2013, S. 180 

  • 38

    Ramani 2017 

  • 39

    Elleman 2017. 

  • 40

    Gnesin/Tkachenko 2017. 

  • 41

    Panda 2017. 

  • 42

    Kerr/Hildreth/Nikitin 2016, S. 3f 

  • 43

    Elleman 2017 sowie William J. Broad/David E. Sanger: North Korea's Missile Success is Linked to Ukrainian Plant, Investigators Say, The New York Times, 14.08.2017 

  • 44

    Joby Warrick: Kim Jong-Un's Rockets Are Getting An Important Boost – From China, The Washington Post, 13.04.2017. 

  • 45

    Fels 2018 

  • 46

    Fels 2017a, S. 507–635 

  • 47

    Reuters (2017): Japan's Abe to Push for Constitution Reform Before Year End – Media, 25.06.2017 https://uk.reuters.com/article/uk-japan-constitution-abe-idUKKBN19G01H 

  • 48

    Allison 2017; Fels 2017a, S. 14–56 

  • 49

    Siehe dazu auch den Beitrag von Schmucker und Schiller in diesem Heft. 

  • 50

    Siehe hierzu Fels 2017b, S. 9–11 

About the article

Published Online: 2017-12-14


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, Volume 1, Issue 4, Pages 342–352, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0084.

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