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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

[SIRIUS: Journal of Strategic Analysis ]

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

4 Issues per year

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Online
ISSN
2510-2648
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Michael J. Mazarr, Miranda Priebe, Andrew Radin, Astrid Stuth Cevallos: Understanding the Current International Order. 2016.

Yvonne Nasshoven
  • Corresponding author
  • Mitglied im Arbeitskreis „Junge Sicherheitspolitiker“ der Bundesakademie für Sicherheit. Kiel Germany
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Published Online: 2017-12-14 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0091

Die Zeitschrift „SIRIUS“ sieht sich als Bindeglied zu der Welt der strategischen Forschungseinrichtungen und veröffentlicht regelmäßig Kurzdarstellungen von ausgewählten Studien, die sich mit wichtigen Aspekten der internationalen strategischen Entwicklung befassen. Dabei werden in jedem Heft einzelne Schwerpunkte gesetzt. Die Kurzdarstellungen dienen primär der Widergabe der Ergebnisse dieser Studien, das schließt kritische Kommentierung nicht aus.

Dass die internationale Ordnung seit Ende des Kalten Krieges und dem Aufstreben neuer Akteure einem großen Umbruch unterworfen ist, gehört inzwischen zu den politischen Allgemeinplätzen. Wie aber könnte eine neue Ordnung aussehen, und welchen Interessen sollte sie dienen? Dieser Frage widmet sich ein Projekt des amerikanischen think tanks RAND seit 2016, finanziert durch den Planungsstab des Pentagon. Insgesamt geht es um nicht weniger als die Entwicklung einer nachhaltigen internationalen Ordnung – so der Gesamttitel des Projektes, zu dem die vorliegende Studie den Auftakt bildet.

Im Zentrum steht dabei eine interessengeleitete Analyse des Nutzens und der Rahmenbedingungen der internationalen Ordnung für die USA: So sind die Vereinigten Staaten für die Autoren der Studie nicht nur maßgebliche Urheber der aktuellen Ordnung und ihrer Institutionen, sondern auch unverzichtbare Säule und Garant. Eine neue internationale Ordnung müsste, so die Autoren, unweigerlich auf einem neuen Konsens zwischen den USA und China basieren.

Kern der Analyse ist die Verbindung zwischen Interessen der USA und internationaler Ordnung, wie sie auch in den Nationalen Sicherheitsstrategien seit Ende des Zweiten Weltkrieges ihren Niederschlag findet. Fraglich sei, ob eine internationale Ordnung auch in einer multipolaren Welt als Makrostruktur für die Wahrung und Durchsetzung von US-Interessen dienen könne. Die „globale Unordnung“ jedenfalls habe das Potential, den Interessen der USA zu schaden, so der Ausgangspunkt der Betrachtung. Gleichzeitig sind die Autoren sich sehr wohl bewusst, dass ein auf US-Interessen ausgerichteter Fokus der Ordnung zu einer Erosion der Legitimität und damit der Ordnung als solcher führen kann – auch wenn Kooperation durch zunehmende Interdependenzen ohnehin unverzichtbar sei.

Mazarr et al. ziehen aus ihrer Analyse des Ordnungsbegriffs, seiner Legitimität und Antreiber Schlüsse, die sich in zwei Kategorien einteilen lassen: Erstens zentrale Inhalte der aktuellen Ordnung, und zweitens Voraussetzungen für die Stabilität jeglicher Ordnung.

  • Erstens orientieren sich Inhalte der internationalen Ordnung insbesondere an den Politikbereichen Handel und territorialer Nichtangriff. Dabei sind – so die Ausgangsthese, die im Fortgang der Studie zu untersuchen sein wird – liberale Werte ein wesentlicher Referenzpunkt, von dem sich die US-Politik nicht ohne weiteres trennen lässt. Ordnung wird dabei verstanden als Gesamtheit der Regeln, Normen und Institutionen, die die Beziehungen zwischen den Hauptakteuren im internationalen Umfeld bestimmen. Dies ist nicht deckungsgleich mit den Begriffen des internationalen Systems oder der internationalen Gemeinschaft, die alle Aspekte der Interaktion umfassen bzw. bei letzterem einen stärker normativen Fokus haben. Letztlich könnte es jedoch auf eine Wahl zwischen inhaltlicher Tiefe und Bandbreite des Ordnungsregimes hinauslaufen. Die Komplexität wird dabei stets zunehmen – schließlich handelt es sich um ein globales Ordnungsgefüge, das nicht per se widerspruchsfrei angelegt sein muss.

  • Zweitens haben Staaten, abgeleitet von ihren Werten und Interessen, unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung. Diese bewegen sich im Spektrum zwischen machtzentrierten, konservativen und liberalen Ordnungen und können sich auf hard power, soft power oder beides gründen. Die Nachkriegsordnung wird dominiert von liberalen Normen und den Prinzipien der ökonomischen Stabilität, des Gewaltverzichts, der gemeinsamen Suche nach Antworten auf globale Herausforderungen und der Verbreitung liberaler Werte. Dies wirft jedoch die Frage auf, ob auch Staaten, die liberale Werte nicht teilen, an der Ordnung teilnehmen dürfen. Gleichzeitig macht dieses normative Regime die Ordnung inhärent imperialistisch, was wiederum die Legitimität des Systems in Frage stellt. Für die Stabilität bedeutet dies: Größtmögliche Kongruenz von Interessen und Werten führt zu einem austarierten System, insbesondere, wenn Erfolge im wirtschaftlichen und finanziellen Bereich als Anreiz zur Kooperation wirken. Aber auch innenpolitische Faktoren und private Akteure müssen mitgedacht werden, sowie globale Eliten und epistemic communities.

Die Analyse verfolgt auch das Ziel, konkrete Handlungsempfehlungen für die US-Außenpolitik abzuleiten. In diesem frühen Stadium sind diese jedoch bestenfalls generischer Natur. Vielmehr stellt sich die Frage nach der grand strategy, der Welt, wie sie gestaltet werden soll. Ob liberale Werte hierfür zentrale Parameter bleiben werden, und inwiefern sich Koordinaten amerikanischer Außenpolitik indes verschoben haben mögen, bleibt bislang unbeantwortet. Gleichwohl könnte man ein weiteres Referenzwerk einmal wieder zur Hand nehmen: Helmut Schmidts Buch „A Grand Strategy for the West: The Anachronism of National Strategies in an Interdependent World.“

https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR1598.readonline.html

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Published Online: 2017-12-14


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, Volume 1, Issue 4, Pages 391–392, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2017-0091.

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