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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

[SIRIUS: Journal of Strategic Analysis ]

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

Online
ISSN
2510-2648
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Karl-Heinz Kamp/ Wolf Langheld: The Military Adaptation of the Alliance. 2017.

Martin Eduard Debusmann
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  • LLM MPhil MA, Strategic Advisor, Mitglied im Arbeitskreis „Junge Sicherheitspolitiker“ an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Berlin Germany
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Published Online: 2018-03-14 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2018-0010

Die NATO müsse sich als Kerninstrument behaupten, um die europäischen Armeen zu bündeln und sie von Stabilisierungsoperationen und Nation-Building zu einer tatsächlich integrierten, schlagkräftigen Institution zu entwickeln. Dieses fordern die Autoren Karl-Heinz Kamp, der Präsident der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, und Wolf Langheld, der im Rang eines deutschen Generals als Commander der NATO Allied Joint Force Command in Brunssum diente.

NATO-Kräfte müssten in der Lage sein, dem hochintensiven Kampf sowohl in Kampfkraft wie -dauer standzuhalten, großangelegten konventionellen Angriffen entgegenzusetzen, nuklearen Szenarien zu begegnen und Cyberwar als neue Art der Kriegsführung zu verstehen. Die NATO solle sich politisch wie militärisch vom Krisenmanagementsystem des Kalten Krieges zur letzten Bastion (last resort) in einem „go-to-war“ Szenario entwickeln. Vier Felder bedürften dabei eines besonderen Augenmerks: Die NATO Kommandostruktur (NATO Command Structure), die Struktur der NATO-Streitkräfte (NATO Force Structure), die Truppenstellung (Force Generation), die Wiederbesinnung auf das militärische Manöver.

Zur NATO Kommandostruktur merken die Autoren an, dass die im Strategischen Konzept von 2010 gewählte Trias von gemeinsamer Verteidigung, Krisenmanagement und kooperativer Sicherheit in ein neues Gleichgewicht gebracht werden müsste. Mit der illegalen Annektierung der Krim durch Russland habe dieses Konzept seine Gültigkeit verloren. Die zunehmende Destabilisierung im Nahen Osten und Nordafrika erfordere zudem eine geographische Anpassung. Sollte die geforderte Reform der Kommandostruktur tatsächlich zustande kommen, könnte sie dennoch zu spät wirken. Daher müsste die NATO die militärische Veränderung angehen, wie sie in Artikel 37 der Erklärung des Warschauer Gipfels formuliert wurde, also einen 360°-Ansatz anlegen, der den Readiness Action Plan (RAP) mit einer Stärkung der NATO Response Force (eNRF) und eine verstärkte militärische Präsenz in Osteuropa zum Kern hätte.

Die Struktur der NATO-Streitkräfte und die Truppenstellung (NATO Force Structure – NFS – und Force Generation) seien stets eine Schwachstelle hinsichtlich Konzeption und Umsetzung gewesen. Unter anderem sei unklar, ob und in welcher Form die Streitkräfte im Krisenfall tatsächlich zur Verfügung stünden. Bis 2014 sei schließlich ein Szenario nach Artikel 5 extrem unwahrscheinlich gewesen. Dieses zeige sich vor allem in einem ungenügenden Training. „Train as you fight“ müsse zum Leitprinzip werden.

Das militärische Manöver sei wiederzubeleben. Die NATO habe durch ihre letzten Einsätze mit nur kleinen Einheiten verlernt, Konflikte mit Großeinheiten zu führen. Ein ausreichendes und modernes Kommando- und Führungssystem, das mit allen Streitkräften der Mitgliedsstaaten kompatibel sei, fehle. Dies gelte auch für die Waffensysteme und Truppenausrüstung. Standardisierung sei nötig.

Neue Doktrinen und Standard Operation Procedures (SOPs) seien aufgrund der neuen Herausforderungen zu entwickeln. Die Master Principle of Military Doctrine nach Oberst J. F. C. Fuller adressiere neun Felder, in denen die NATO einen militärischen Vorteil sicherstellen müsse: Luft, Land, See, Weltraum, Wissen, Bildung/Training und Widerstandskraft (Resilience). Gerade im Hinblick auf die russische Bedrohung in Europa habe sich „Logistik“ als eine wesentliche Fähigkeit herausgestellt, weil ein Grenzübertritt durch alliierte Truppenteile in einem Krisenfall eine vorherige Anpassung der gesetzlichen Grundlagen bedinge.

Letztlich sei die nukleare Stärke der NATO zu nutzen, vor allem, wenn potentielle Gegner wie Russland die ihrige demonstrierten. Im Unterschied zum Kalten Krieg verfüge Russland heute über schwächere konventionelle Mittel als die NATO mit den USA als Mitgliedsstaat. Vorderste Übung für russische Militärs sei es, im Krisenfall ein Eingreifen der USA auf europäischem Boden zu verhindern. Dazu könnten nukleare Mittel bevorzugt werden, da Russland keinen langen Krieg durchhalten würde. Dies sei umso bedrohlicher, da Russland aufgrund seiner schwachen Wirtschaft zunehmend destabilisiert und damit das Szenario wahrscheinlicher werde. Es gäbe zudem weitere Nuklearmächte, unter ihnen Nordkorea, die als solche im Kalten Krieg noch nicht existierten und gegen die eine nukleare Strategie entwickelt werden müsste.

Es sei unwahrscheinlich, dass neue Abkommen zur weiteren Reduktion von Nuklearwaffen vor allem mit Russland geschlossen würden. Dieses würde das nationale Prestige zu sehr kränken und außerdem die Schwäche der konventionellen Waffen zu sehr offenlegen. Russland würde daher eher eine Modernisierung des bestehenden Nukleararsenals durchführen und mit den neuen Systemen Topol M, Iskandr M und Iskandr Kalibr den Intermediate-Range Nuclear Forces Treaty (INF Treaty) von 1987 aushebeln. Die europäischen NATO-Partner dürften daher kein Interesse an einem Abzug der amerikanischen Nuklearwaffen haben. Die Zusammenarbeit zwischen den drei NATO-Nuklearmächten USA, Frankreich und Großbritannien sei zu verbessern. Drohgebärden durch riskante Manöver seien beiderseitig, durch die NATO und Russland, zu überdenken, weil sie Gefahren des fatalen Missverständnisses und von Unfällen schüfen.

Vor allem drei Schritte seien unmittelbar wichtig: Es müsste sich auf eine eindeutige nukleare Terminologie verständigt (clarify the mushrooming nuclear terminology), eine neue NATO-Nuklearstrategie verabschiedet (agree on a new NATO nuclear strategy) und die Nuklearposition der NATO festgelegt werden (adapt NATO's nuclear posture). Nicht alle nuklearen Waffen seien so beispielsweise Massenvernichtungswaffen. Russland habe sich zudem nicht, wie einst erhofft, zum Partner der NATO entwickelt. Die Debatte über eine nukleare Zukunft der NATO sei unmittelbar zu starten. Die NATO müsse eine Mischung nuklearer, konventioneller und (u. a. raketengestützter) Verteidigungs-Mittel nutzen. Das amerikanische Arsenal an Nuklearwaffen in Europa sei dabei genauso zu prüfen wie das Abschreckungspotential der europäischen Nuklearmächte Frankreich und Großbritannien.

https://www.globsec.org/wp-content/uploads/2017/03/GNAI-The-Military-Adaptation-of-the-Alliance.pdf

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Published Online: 2018-03-14


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für Strategische Analysen, Volume 2, Issue 1, Pages 77–78, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2018-0010.

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