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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

[SIRIUS: Journal of Strategic Analysis ]

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

Online
ISSN
2510-2648
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James L. Schoff/Li Bin: A Precarious Triangle. U.S.-China Strategic Stability and Japan. Washington, D.C.: Carnegie Endowment for International Peace, November 2017

Dr. Till Florian Tömmel
Published Online: 2018-09-09 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2018-3025

Reviewed publication

Schoff James L. Bin Li A Precarious Triangle. U.S.-China Strategic Stability and Japan Washington, D.C. Carnegie Endowment for International Peace November 2017

Die Studie befasst sich mit den nuklearmilitärischen Beziehungen zwischen den USA und China, ihrer Rolle für die US-Verteidigungsplanung sowie mit der Bedeutung Japans in diesem Zusammenhang. Sie fußt auf einem von der Carnegie-Stiftung geförderten Austausch von amerikanischen, chinesischen und japanischen Sicherheitsexperten. Unterschiedlicher Ansicht waren die Fachleute über den Charakter der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Lage in Nordostasien und über Lösungsansätze bei bestimmten nuklearen Problemen. Die Trennlinien verliefen meist zwischen amerikanischen und japanischen Teilnehmern einerseits und chinesischen Teilnehmern andererseits.

Debattiert wurde u. a. über eine genauere Definition von „strategischer Stabilität“ und welchem Zweck diese dienen solle. In einem eher traditionellen, engeren Sinne wäre ihr Zweck die Verhinderung nuklearer Eskalation und eines nuklearen Rüstungswettlaufs; in einem erweiterten Sinne könnte strategische Stabilität zur Vorbereitung nuklearer Abrüstung dienen. Die chinesische Fachwelt vertritt in der Regel einen weiteren Begriff von strategischer Stabilität als die amerikanische. Die Experten hätten vier Problemfelder hervorgehoben, die der gewünschten Verringerung der Rolle von Nuklearwaffen in den sino-amerikanischen Beziehungen und in der US-Bündnispolitik entgegenwirken: Diese seien 1) die Verbindung konventioneller Regionalkonflikte mit nuklearen Problemen, 2) die unterschiedliche Sicht auf die Rolle Japans, 3) divergierende Wahrnehmungen von gegenseitiger Verwundbarkeit sowie 4) die Rolle Nordkoreas.

Während aus US-Sicht konventionelle Regionalkonflikte im asiatisch-pazifischen Raum graduell zu einem nuklearen Schlagabtausch eskalieren könnten, ziehe die amtliche chinesische Position in dieser Frage eine strenge Trennlinie zwischen Chinas Nuklear- und seinen sonstigen Streitkräften: Demnach erfüllten die eigenen Nuklearwaffen einzig den Sinn, andere Staaten vom Nuklearwaffeneinsatz gegen China abzuschrecken. Aus amerikanischer und japanischer Sicht passten die chinesischen Einwände gegen die Stationierung von THAAD-Raketenabwehrsystemen in Ostasien allerdings nicht zur offiziell vertretenen scharfen Trennung.

Während aus amerikanischer Sicht die Allianz zwischen den USA und Japan einen positiven Beitrag zur Krisenstabilität in Ostasien leiste, beurteilten chinesische Fachleute die Rolle Japans skeptisch: Sorge bestehe vor einer Wiederkehr des japanischen Militarismus sowie davor, dass eine weitere Aufrüstung Japans die nukleare Zweitschlagfähigkeit Chinas beeinträchtigen könnte. Bei japanischen Fachleuten bestehe hingegen die Sorge, dass ein ausgeglichenes nukleares Kräfteverhältnis zwischen den USA und China eine konfrontative Haltung Chinas gegenüber Japan nicht nur nicht verhindern, sondern – angesichts wachsender konventioneller Überlegenheit Chinas – sogar fördern könnte. Aus Sicht Washingtons seien Absichten, sowohl an Peking als auch an Tokio „Signale des Vertrauens“ zu senden, nur schwer miteinander vereinbar.

In der Frage, welche Art von gegenseitiger nuklearer Verwundbarkeit zwischen den USA und China stabilisierend wirke, habe es keinen Konsens gegeben. Die Ansichten unterschieden sich vor allem danach, ob die USA ihre Verwundbarkeit durch chinesische Nuklearwaffen akzeptierten oder ob sie nach Mitteln zu ihrer Begrenzung streben sollten.

Die aggressive Haltung Nordkoreas verkompliziere die Konstellation in Ostasien erheblich. Es bestünden starke Zweifel daran, dass die nordkoreanische Führung sich an das „nukleare Tabu“ gebunden fühlten. Entsprechend bauten die USA, Japan und Südkorea ihre Abwehrsysteme gegen einen möglichen nordkoreanischen Angriff aus. Diese Maßnahmen erzeugten umgekehrt in China gewisse Zweifel, ob die eigenen Vorkehrungen für die nukleare Zweitschlagfähigkeit noch adäquat sind. Konsens unter den Fachleuten bestand im Wunsch nach der Vertiefung von trilateralem und komplementärem bilateralen Dialog zu den behandelten Themen.

https://carnegieendowment.org/2017/11/07/precarious-triangle-u.s.-china-strategic-stability-and-japan-pub-74628

About the article

Published Online: 2018-09-09

Published in Print: 2018-09-03


Citation Information: SIRIUS - Zeitschrift für strategische Analysen, Volume 2, Issue 3, Pages 307–308, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2018-3025.

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