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SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen

[SIRIUS: Journal of Strategic Analysis ]

Editor-in-Chief: Krause, Joachim

Ed. by Kamp, Karl-Heinz / Masala, Carlo / Wenger, Andreas

Online
ISSN
2510-2648
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Strategische Herausforderungen und Handlungsoptionen westlicher Politik im nördlichen Atlantik

Jeremy Stöhs
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  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel, Kiel, Germany,
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/ Julian Pawlak
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Published Online: 2019-09-07 | DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2019-3003

Zusammenfassung

Entlang seiner nördlichen Küsten und Meere sieht sich der Westen erneut mit altbekannten, aber nicht weniger besorgniserregenden sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert. Die Wiederkehr der militärischen Konkurrenz zwischen Russland auf der einen und der nordatlantischen Verteidigungsallianz sowie ihrer Partner auf der anderen Seite hat strategische Myopien aufgedeckt, welche die westliche Verteidigungsplanung im letzten Vierteljahrhundert kennzeichneten. Vor diesem Hintergrund ist es notwendig, die Reduktionen der Seestreitkräfte in Nordeuropa und den damit einhergehenden Verlust wichtiger maritimer Fähigkeiten aufzuarbeiten. Militärische Kapazitäten zur Landes-und Bündnisverteidigung müssen verbessert werden, um aktuelle und künftige Risiken im Nordatlantik und den europäischen Randmeeren effektiv bewältigen zu können. Diese Herausforderungen beschränken sich nicht länger nur auf das untere Ende des Intensitätsspektrums, schließen es jedoch mit ein. Daher ist es für die Seestreitkräfte der NATO-Mitgliederstaaten und ihrer Partner von Bedeutung, sich auf ein breites Spektrum von Einsatzszenarien vorzubereiten und eine ähnlich kurzsichtige Politik und strategische Planung der vergangenen drei Jahrzehnte zu vermeiden.

Abstract

Along Europe’s northern shores and adjunct waters, Western states are confronted with familiar, yet daunting, security challenges. The re-emergence of great power competition between Russia and the north Atlantic alliance and its partner states has revealed the strategic myopia that has beset western defence planning over the past quarter century. The downsizing of naval forces across northern Europe and the concomitant loss of important maritime capabilities over the last years needs to be arrested and reversed. The military posture for collective defence has to be enhanced to effectively deal with current and future risks. These challenges will no longer be limited to, but still include, the low end of the intensity spectrum. Therefore, it is of great importance for the naval forces of the NATO member states and their partners to prepare for a widest-possible range of contingencies and, hence, avoid committing similar short-sighted policies and strategic planning as it was the case in the recent decades.

Schlüsselbegriffe: maritime Sicherheit; Nordatlantik; NATO; Russland; Ostsee

Keywords: maritime security; Northern Atlantic; NATO; Russia; Baltic See

Die Autoren möchten sich bei Prof. Dr. Joachim Krause und Dr. Sebastian Bruns für deren Hinweise und kritische Kommentare bedanken. Für den Inhalt und Darstellungen des vorliegenden Beitrags sind jedoch ausschließlich die Verfasser verantwortlich.

1 Einleitung

Spätestens seit 2014 ist deutlich, dass Russland die strategische Konfrontation mit dem Westen (NATO, EU) sucht und dabei primär auf militärische Instrumente und Versuche der gesellschaftlichen und politischen Destabilisierung setzt. Mit Blick auf das Baltikum hat die NATO eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um vor Ort ein gewisses Abschreckungspotential aufzubauen (und sei es nur im Sinne einer Versicherung der östlichen Mitgliedsstaaten). Dabei wird vor allem über schnell verlegbare Land- und Luftstreitkräfte gesprochen. Die neue strategische Konfrontation hat aber auch eine maritime Dimension, die in der politischen Debatte oft nicht genügend Berücksichtigung findet. Der vorliegende Aufsatz befasst sich mit den spezifischen Herausforderungen und Problemen, die sich in diesem Areal stellen, wobei der Schwerpunkt auf Nordeuropa liegt, während der Bereich des Schwarzen Meeres und des östlichen Mittelmeers einer gesonderten Analyse bedarf.

In diesem Zusammenhang stellen sich drei Fragen, die im Folgenden beantwortet werden sollen:

  • (1)

    In welche Richtung haben sich die Seestreitkräfte der europäischen Staaten in den vergangenen 30 Jahren entwickelt und wie weitgehend sind diese noch in der Lage, Aufgaben der Bündnisverteidigung wahrzunehmen?

  • (2)

    Mit welchen militärischen Herausforderungen Seitens Russland muss die NATO rechnen und was bedeuten derartige Szenarien für die maritime Komponente der NATO?

  • (3)

    Was ist zu tun, um den bestehenden Defiziten abzuhelfen?

In diesem Sinne wird zuerst eine Analyse des Wandels westlicher maritimer Fähigkeiten seit dem Ende des Kalten Krieges gegeben. Dem folgt eine Analyse des russischen Bedrohungspotenzials in seiner maritimen Dimension. Am Ende legen die Verfasser Handlungsempfehlungen vor.

2 Der Strukturwandel westlicher maritimer Fähigkeiten seit den 90er Jahren

Die Zeit zwischen dem Zerfall der UdSSR und dem Aufbrechen erneuter strategischer Rivalität war von einem steten, teils rasanten, Wandel fast aller europäischen Marinen gekennzeichnet.1 Vielerorts wurden die Fähigkeiten vernachlässigt, in hoch-intensiven Szenarien gegen bestens ausgerüstete gegnerische Einheiten zu bestehen. Vor dem Hintergrund einer veränderten Bedrohungslage und einem zunehmend breiteren Verständnis des Sicherheitsbegriffs wurden Seestreitkräfte vermehrt im Rahmen von Stabilisierungseinsätzen, Anti-Terror-Operationen und zur Aufrechterhaltung einer guten Ordnung zur See eingesetzt.2 Anstatt feindliche U-Boote nördlich des Polarkreises zu jagen, verfolgten die Kriegsschiffe unter NATO- und EU-Mandaten nun Piraten vor dem Horn von Afrika.

Vor allem nach den Angriffen am 11. September 2001 schien es für Viele offensichtlich zu sein, dass die größte Gefahr des 21. Jahrhunderts nicht von russischen U-Booten, sondern von global agierenden terroristischen Gruppierungen ausgeht. Die Terroranschläge in New York und Washington D.C., die Attentate in Madrid und in London, sowie der „Krieg gegen den Terror“ ließen konventionelle Konflikte mit gleichgestellten Gegner anachronistisch wirken. Anti-Terror-Operationen, Aufstandsbekämpfung und Staatenaufbau waren die Schlagwörter jener Zeit. Der Gefahr des weltweit vernetzten, radikal-islamischen Terrorismus sollte ebenso global begegnet werden. Schon bald kämpften französische Soldaten Seite an Seite mit deutschen und dänischen Verbündeten in Afghanistan, während britische Marineinfanteristen gemeinsam mit ihren amerikanischen Kameraden in den Straßen irakischer Städte patrouillierten. Die Fähigkeit maritimer Einheiten, ein breites Spektrum an Aufgaben erfüllen zu können, wurde im Rahmen dieser Konflikte auf dem Festland ebenso unter Beweis gestellt; sei es in der Zerstörung gegnerischer Infrastruktur, bei Transport und Versorgung großer Truppenkontingente in die Operationsgebiete oder in der Bereitstellung von Luftunterstützung. Die Beteiligung maritimer Komponenten war unausweichlich.

In diesem Zusammenhang wurde die breite Fähigkeitspalette westlicher Seestreitkräfte beschnitten und an die Anforderungen angepasst. Lediglich die U.S. Navy blieb aufgrund ihrer Größe und ständiger Präsenz in allen Weltmeeren (forward-presence) ausreichend gut gerüstet, um auch auf anderweitige, komplexe Sicherheitsherausforderungen zu reagieren. Gemeinsam mit den Marinen Europas waren die Amerikaner in unterschiedlichen Krisenregionen tätig und konnten im Zuge ihrer maritimen Überlegenheit den Rückbau europäischer Fähigkeiten zumindest teilweise kompensieren.3 Die europäischen Seestreitkräfte stellten sich darauf ein, indem sie Fähigkeiten beibehielten oder auch erwarben, die es ihnen ermöglichten an internationalen Einsätzen mitzuwirken. In einer Zeit von Instabilität und bewaffneten Konflikten auf dem Balkan und im Mittleren Osten wurden die europäischen Seestreitkräfte dabei stark beansprucht. Beachtliche Truppenkontingente wurden vor, während und nach Operation Desert Storm in den Mittleren Osten verlegt, wobei einige Seestreitkräfte erstmals außerhalb ihres traditionellen Operationsgebietes Nordeuropa im Einsatz waren. Die 1990 neustrukturierte Deutsche Marine konnte gemeinsam mit den Verbänden anderer WEU- und NATO-Staaten, im Rahmen maritimer Operationen im östlichen Mittelmeer und in der Adria, wertvolle Erfahrungen sammeln.4 Im Zuge dieses ersten Paradigmenwechsels der NATO5, der Multilateralismus, kooperative Sicherheit und Konfliktbewältigung voranstellte, wurden die Marinen zunehmend in sogenannten out-of-area-Operationen fernab der Heimat eingesetzt.

Reliefkarte des nördlichen Atlantikraums

Reliefkarte des nördlichen Atlantikraums

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde dementsprechend peu á peu die Fähigkeit, Seestreitkräfte für einen längeren Zeitraum in weit entfernten Einsatzgebieten einzusetzen, in den (maritimen) Verteidigungsstrategien europäischer Staaten verankert.6 Die westlichen Militärinterventionen während der 1990er hatten diesbezüglich gezeigt, dass Marinen zukünftig vermehrt in küstennahen Gewässern agieren würden.7 Seestreitkräfte unterstrichen ihre Relevanz, denn sie ermöglichten die Projektion von Macht bis tief in das Hinterland.8 Aus diesen Erfahrungen – aber auch unter dem Eindruck der überall spürbaren Sparzwänge – kam es zu großen Veränderungen bei den europäischen Marinen.

Der anhaltende Wechsel zu „Krisenmanagementoperationen überall in der Welt“9 führte zur Beschaffung größerer und fähigerer Marineeinheiten, mit höherer Reichweite und längerer Standzeit im Einsatzgebiet. Sichtbare Folgen dieser Entwicklung waren die Einführung des spanischen Flugzeugträgers Juan Carlos I, der niederländischen amphibischen Landungsschiffe Rotterdam und Jan de Witt oder der Unterstützungsschiffe der dänischen Absalon-Klasse. Ebenfalls wurde eine breite Palette an Fregatten und Zerstörern in Dienst gestellt, wie die deutsche F124 Sachsen, die britische Type 45 Daring, die niederländische De Zeven Provinciën oder die norwegische Nansen-Klasse. Mit der zunehmenden Größe und Komplexität der Einheiten erhöhte sich ebenso der Kaufpreis, was wiederum nur die Beschaffung einer geringen Anzahl an Einheiten erlaubte. Dies unterstreicht wie unvorteilhaft es ist, dass insgesamt mehr als zwei Dutzend unterschiedlicher Typen an Fregatten- und Zerstörern innerhalb Europas vorhanden sind.10 Eine kleinere Anzahl an Schiffen für eine größere Fülle maritimer Missionen war die Folge.

Unter Sparzwängen wurden diese Prozesse der Umrüstung weitgehend auf Kosten der traditionellen Fähigkeiten vorgenommen. Europas fähigste Marine, die britische Royal Navy, verstärkte ihre out-of-area-Fähigkeiten zu Lasten ihrer bisherigen Kernkompetenz, der Seekontrolle (sea-control). Es wurden Langstreckenwaffen wie der Tomahawk-Marschflugkörper angeschafft, im Gegenzug jedoch die konventionelle U-Bootflotte sowie ein Teil der Escort-Flotte aus den Zeiten des Kalten Krieges außer Dienst gestellt. Die Royal Navy konzentrierte sich nunmehr darauf, in strategisch relevante Regionen Macht projizieren zu können, insbesondere in das Mittelmeer und den Persischen Golf.11 Die ursprünglich zur Bekämpfung feindlicher Unter- und Überwassereinheiten im Nordatlantik ausgelegten Jagd-U-Boote richteten ihre Hauptaufmerksamkeit auf die Bekämpfung von Zielen auf dem Festland aus, vorrangig mit den oben genannten Marschflugkörpern. Mit Ausnahme ihrer strategischen Nuklear-U-Boote begab sie sich nur noch selten in die nördlichen Gewässer des Atlantiks.12

Die Royal Navy sollte angesichts des Endes des Ost-West-Konflikts ursprünglich einen Prozess der kontinuierlichen Reduktion durchlaufen.13 Doch die Finanzkrise ab 2007 und die damit verbundene Konjunkturabschwächung führten zu drakonische Einsparungen beim Marineetat. Diese sorgten für die Außerdienststellung der Flugzeugträger sowie der Abbestellung von bereits georderten Seeaufklärern. Die zum Ende des Kalten Krieges 49 Einheiten umfassende Escort-Flotte wurde auf nur noch 19 Kampfschiffe reduziert.

Der Beschluss Frankreichs, während der 1990er Jahre dem britischen Beispiel zu folgen und sich für eine vollständig nuklear-betriebene U-Bootflotte zu entscheiden, basierte auf ähnlichen Rationalisierungsprozessen während einer Zeit sinkender Wehretats und strategischer Neuorientierung.14 Bezeichnend ist, dass nach der Konsolidierung der 1990er Jahre alle nuklearen Jagd-U-Boote gemeinsam mit dem Großteil der amphibischen Einheiten im südfranzösischen Toulon stationiert waren, statt mit ihren nuklearen Schwesterschiffen in den Atlantikstützpunkten zu verbleiben.15 Ausschlaggebend waren hier die Nähe zu Afrika, dem Mittleren Osten sowie die sogenannte Achse der Instabilität, welche die Marine zur Bereitschaft einer schnellen Reaktion auf entstehende Gefahren und Konflikte verpflichteten.16

Frankreich hielt zwar an seinem einzigen nuklearbetriebenen Flugzeugträger fest, beendete jedoch die Entwicklung eines zweiten Trägers und grenzte gleichzeitig die Neubeschaffung weiterer Einheiten ein, was die Zahl der Fregatten und Zerstörer auf nur noch 15 Einheiten schrumpfen ließ. Die spanische Armada Española behielt zwar ihre relative ausbalancierte Flottenstruktur, nahm dafür jedoch Defizite bei Ausbildung und Einsatzbereitschaft in Kauf.17

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke war die Bundesrepublik weniger von der ökonomischen Krise betroffen. Dies änderte nichts daran, dass auch die Bundeswehr, im Gleichschritt mit ihren Nachbarstaaten, erheblich verkleinert wurde – und damit auch die Deutsche Marine. So wurde die Anzahl deutscher U-Boote im Zuge finanzieller Kürzungen seit 1991 halbiert. Seither ist die Marine kaum noch dazu fähig, in Krisenzeiten mehr als drei U-Boote in den Einsatz zu entsenden.18

Andere nordeuropäische Staaten gingen einen ähnlichen Weg. Die dänische Marine stellte 2005 ihre gesamte U-Boot-Flottille ohne Ersatz außer Dienst, um die ehemals auf Küstenverteidigung spezialisierten Seestreitkräfte zu einer hochseetauglichen Flotte (blue-water navy) zu transformieren.19 Die dänische Regierung ging dabei davon aus, dass die deutsche Marine die notwendigen Schutzmaßnahmen in der Ostsee übernehmen könnte. Das stellte sich als übereilt heraus, denn die deutsche U-Boot-Flotte wurde – wie oben dargelegt – dennoch halbiert. Parallel dazu bauten die skandinavischen Nachbarn Schweden und Norwegen ihre Küstenartillerie zurück. Allerdings kann die Modernisierung der Norwegischen Marine – trotz Sparzwängen – insgesamt etwas positiver beschrieben werden. „Unsere Sicherheit kann nicht durch einen einseitigen Fokus auf die konventionelle Verteidigung norwegischen Territoriums gewährleistet werden“ hieß es in einem norwegischen Weißbuch.20 In diesem Fall können vor allem neubeschaffte Einheiten wie die Fregatten der Nansen-Klasse, Korvetten der Skjold-Klasse sowie modernisierte, gebrauchte Einheiten wie der P-3C Orion Seeaufklärer oder F-16-Kampflugzeuge, nun mit Seezielflugköpern bestückt, angeführt werden. Die Niederlande hingegen waren, aufgrund fehlender Finanzmittel, nicht in der Lage, die sich selbst auferlegten Verteidigungsziele zu erfüllen und rüsteten ihre maritimen Kapazitäten merklich ab.21

Zusätzlich zu den unzähligen Einsparungen wurden nationale und alliierte Kommandostrukturen umfassend neugeordnet. Auch wenn bereits während der 1990er Jahre Anstrengungen in diese Richtung unternommen worden waren, sollten weitere Konsolidierungsmaßnahmen folgen und zahlreiche Stützpunkte im Norden Europas geschlossen werden (so endeten auch die Überwachungsflüge über dem Atlantik vom Luftwaffenstützpunkt in Keflavik, Island, im Jahr 2006). Die Landkriege im Mittleren Osten und die relativ guten Beziehungen zu Russland sorgten innerhalb der NATO für einen Prioritätenwechsel vom Supreme Allied Command Atlantic in Norfolk (das SACLANT wurde 2003 aufgelöst) hin zum Allied Command Transformation (ACT). Jenes war fortan für Training, Übungen, Manöver sowie für die Planung der NATO-Struktur zuständig. Der wesentliche Fokus galt dabei den laufenden Militäroperationen zur Aufstandsbewältigung.22

Großangelegte Marine-Manöver hingegen, die der Verbesserung der Fähigkeiten in hochintensiven Konflikten dienen, wurden während dieser Dekade vernachlässigt oder ganz aufgegeben.23 Ganz im Gegenteil zu den 1980er Jahren, als amerikanische Flugzeugträgerverbände, gemeinsam mit ihren Verbündeten, regelmäßig operative Abläufe probten, wurden traditionelle Verteidigungsübungen als zu teuer angesehen und auch seitens der Allianz kaum noch unterstützt.24 Nicht ganz unberechtigt erhielten regionale Krisenherde in anderen Teilen der Welt die erhöhte Aufmerksamkeit der Entscheidungsträger. Die weiterbestehenden, unterschwelligen Spannungen im hohen Norden und im Baltikum wurden damals nicht in die Planungen einbezogen.

Der Großteil der europäischen Seestreitkräfte war währenddessen in den ständigen NATO-Marineverbänden (SNMG 1+2, SNMCMG 1+2)25 oder aber in out-of-area-Operationen gebunden: die Anti-Piraterie-Mission am Horn von Afrika (Operation Ocean Shield, EUNAVFOR Atalanta und Combined Task Force (CTF 151), die maritime Unterstützung der ISAF-Mission in Afghanistan, die Versuche der Einwirkung auf die Bürgerkriege in Libyen und Syrien sowie die Bedrohung durch den „Islamischen Staat“ sorgten dafür, dass die europäischen Marinen der wachsenden Anzahl an Einsätzen kaum noch Herr werden konnten.26 Die Kampagne gegen Libyens Langzeitherrscher Muammar Gaddafi zeigte dabei deutlich die drastischen Folgen von zwei Jahrzehnten finanzieller Einsparungen auf. Erstmals war die Royal Navy nicht in der Lage, einen Flugzeugträger in ein Krisengebiet zu entsenden und musste stattdessen auf den Helikopterträger HMS Ocean zurückgreifen. Italien zog seinen eigenen Flugzeugträger unter politischem wie finanziellen Druck aus dem Einsatz ab, und auch Frankreich hatte mit Engpässen, u. a. bei der Versorgung mit Präzisionsmunition, zu kämpfen.27

Während die europäischen Seestreitkräfte durch die Reduktion ihrer Einheiten wesentlich in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt waren, kam, neben einer zunehmenden Anzahl an Auslandseinsätzen, erhöhter Personalmangel hinzu. Die Probleme bei der Rekrutierung und langanhaltenden Verpflichtung wurden zunehmend deutlich, als viele Staaten Europas im Laufe der 1990er und 2000er Jahre begannen, die Wehrplicht auszusetzen. Auch neue Besatzungskonzepte oder erhöhte technische Automatisierung konnten den zunehmenden Mangel an fähigen Frauen und Männern nicht ausgleichen. Infolgedessen mussten die erhöhten Risiken von materieller Abnutzung und menschlicher Erschöpfung einerseits sowie weitere Defizite in Bereitschaft und Einsatzfähigkeit andererseits in Kauf genommen werden.28 Diese Problematik ist nach wie vor besonders in Westeuropa weit verbreitet.29

Die Marineoperationen der 1990er und frühen 2000er Jahre offenbarten grundlegende Unterschiede sowohl im Umgang mit dem neuen Sicherheitsumfeld als auch mit der politischen Bereitschaft, militärische Mittel einzusetzen. So stellten Großbritannien und Dänemark bereitwillig Truppenkontingente für U.S.-geführte Militäreinsätze zur Verfügung. Währenddessen zeigten andere Staaten, wie die Bundesrepublik oder die restlichen Länder Skandinaviens, große Zurückhaltung bei der Entsendung ihrer Streitkräfte in weit entfernte hot-spots.30 Während die Skepsis der Bundesrepublik vornehmlich auf historischen wie politischen Vorbehalten fußte, war weiter nördlich die geographische Nähe zur russischen Föderation und ihrer Streitkräfte, etwa die auf der Kola-Halbinsel stationierten Nordmeerflotte, der Hauptgrund, um nur zögerlich die bestehenden Verteidigungskonzepte zu ändern.31

Potenzielle maritime Risiken und Gefahren entlang Europas nördlichen Küsten wurden natürlich nicht gänzlich vergessen. Zum einen stellten die Seewege, die den europäischen Kontinent mit dem Rest der Welt verbinden, weiterhin die lebensnotwendigen „Arterien“ für den Wohlstand Europas dar. Aus diesem Grund investieren bis heute alle Staaten Ressourcen in die Sicherheit dieser Seeverbindungslinien (auch Sea Lines of Communication, SLOCs). Zum anderen muss konstatiert werden, dass zumindest die beiden fähigsten Marinen Europas, die britische Royal Navy und die französische Marine nationale, das Mare Atlanticum weiterhin im Blick behielten – nicht zuletzt, weil ihre strategischen Atom-U-Boote dort patrouillieren.32 Die Relevanz dieser an atlantischen Häfen stationierten Einheiten ist hoch. Zum einen sind dort die nuklearstrategischen Unterseeboote stationiert.33 Zum anderen Marineeinheiten, deren Hauptaugenmerk auf der Überwachung der ausschließlichen Wirtschaftszonen sowie der Fähigkeit zur Seekontrolle und der Verteidigung der maritimen Zugänge liegt.34

3 Die maritime Herausforderung durch Russland

Dem Trend, quer durch Europa Verteidigungsausgaben zu senken, wurde erst im Lichte russischer Militärinterventionen in der Ukraine 2014 Einhalt geboten. Die Bestrebungen Moskaus, seinen Großmachtstatus zurückzugewinnen und durch den Einsatz militärischer Mittel Staatsgrenzen zu verschieben, haben zu einer Rückbesinnung der NATO auf Bündnisverteidigung geführt. Die Allianz legt ihren Schwerpunkt wieder auf kollektive Verteidigung35, womit die Fähigkeiten für hochintensive Konflikte gegen bestens ausgerüstete gegnerische Truppen gemeint sind.36

Wirft man einen genaueren Blick auf die Beschaffenheit und Fähigkeiten der russischen Marine sowie der Luft- und Landstreitkräfte innerhalb des 2014 neu aufgestellten teilstreitkräfteübergreifenden strategischen Kommandos der Nordmeerflotte37, dann zeichnen sich Entwicklungen ab, die Parallelen zu den 1970er und 1980er Jahren aufweisen. Nach jahrzehntelangen Entwicklungs- und Bauzeiten hat die russische Marine eine neue Klasse von strategischen Atom-U-Booten eingeführt (Projekt 995 Borei-Klasse). Diese sind mit einem neuen Typus seegestützter Interkontinentalraketen ausgestattet (RSM-56 Bulawa, NATO Bezeichnung SS-N-32).38 In erster Linie ist zu erkennen, dass dem Schutz dieser strategischen Atom-U-Boote nach wie vor die höchste Priorität zugerechnet wird. Das bedeutet, dass Russland wieder darauf abzielt, in größeren Meeresgebieten ein hohes Maß an Seekontrolle ausüben zu können. Dies verfolgt den Zweck, dass den U-Booten ein sicheres Operationsgebiet zur Verfügung steht und dass Häfen und Stützpunkte vor westlichen See- und Luftstreitkräften gesichert werden. Die russische Marine knüpft damit an Konzepte an, die schon die sowjetische Marine zu Zeiten des Kalten Krieges verfolgt hatte.39 Allerdings handelt es sich nunmehr um eine veränderte, reduzierte Form des Bastionskonzeptes. Im Nordmeer stehen heute zu geringe Kapazitäten (z. B. Fregatten zur U-Jagd) zur Verfügung, um ein ähnlich umfangreiches Verteidigungsnetzwerk wie vor 1990 wiederherzustellen40

Buyan-M-Korvette der Russischen Marine verschießt Kalibr-Marschflugkörper aus dem Kaspischen Meer in Richtung Syrien (2015)

Buyan-M-Korvette der Russischen Marine verschießt Kalibr-Marschflugkörper aus dem Kaspischen Meer in Richtung Syrien (2015)

Ein weiterer Schwerpunkt der russischen Marinerüstung im Atlantik sind seegestützte Mittelstreckenraketen, d. h. in der Regel Marschflugkörper. Zusammen mit den landgestützten Mittelstreckenraketen des Typs SS-20 und den landgestützten Marschflugkörpern des Typs RK-55 Relief (NATO Code SS-C-4) kam diesen Waffen in der Zeit der Ost-West-Konfrontation eine tragende Rolle als Instrument der Eskalationskontrolle im Rahmen eines bewaffneten Konflikts zwischen NATO und Warschauer Pakt zu. Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes hatte sich diese Option erübrigt. Dennoch behielt Russland über 200 U-Boot-gestützte nukleare Marschflugkörper des erst 1987 eingeführten Typs S-10 Granat (NATO Code SS-N-21) mit einer Reichweite von bis zu 2.900 km bei, denn der INF-Vertrag von 1987 hatte den Vertragsparteien die Möglichkeit offengelassen, seegestützte Marschflugkörper und Raketen zu behalten. Diese Marschflugkörper wurden als strategische Waffensysteme gewertet und sind Gegenstand des START-Vertrages. Mittlerweile ist Russland dabei, erneut einen moderneren und leistungsfähigeren see- und U-Boot-gestützten Marschflugkörper einzuführen. Es ist der nuklear bestückbare Kalibr-Marschflugkörper (NATO Code SS-N-27/30 Sizzler) mit einer Reichweite von bis zu 2.400 km. Unter dem Stichwort der „Kalibrization“ der russischen Marine werden einerseits Jagd-U-Boote der Jasen-Klasse, andererseits besonders kleinere Überwasserschiffe wie die Fregatten der Gepard-Klasse (Projekt 11661K) sowie Buyan-M (Projekt 21631) und Karakurt-Korvetten (Projekt 22800) mit diesem Waffensystem ausgestattet.41 Die Fähigkeit von See aus Ziele auf dem europäischen Festland konventionell oder nuklear zu bekämpfen, um z. B. konventionelle NATO Verbände zu neutralisieren, stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für die Allianz dar.42

Der Kalibr-Marschflugkörper ist nicht das einzige nuklearfähige Mittelstreckensystem, welches Russland derzeit einführt. Hinzu kommen die luftgestützten Marschflugkörper des Typs Kh-32 sowie der Reihe Kh-47M2 Kinzhal (Dagger). Beide sollen ebenso gegen große maritime Ziele (Flugzeugträger, Häfen) eingesetzt werden wie gegen militärische Ziele zu Land. Hinzu kommt die luftgestützte Version des Kalibr-Marschflugkörpers (Kh 101/102). Mittlerweile gehen westliche Nachrichtendienste davon aus, dass Russland auch mehrere Dutzend landgestützte Marschflugkörper mit über 2.000 km Reichweite eingeführt hat (NATO Code SSC-8), die präzise Schläge gegen Ziele in Europa ermöglichen. Auch die in der Oblast Kaliningrad stationierten ballistischen Raketen vom Typ Iskander gehören dazu, die zwar den INF-Vertrag nicht verletzen, aber dennoch militärische und politische Ziele in Mitteleuropa abdecken können.43

Russland treibt ebenso die Entwicklung weiterer Atomwaffenträger voran. Die Avantgarde Hyperschall-Mittelstreckenrakete soll angeblich jedes Raketenabwehrsystem des Westens überwinden können.44 Ähnliches gilt mit Bezug auf die maritime Domäne für die sich in Entwicklung befindenden atomar betriebenen und bestückten Poseidon Torpedos (NATO Code Kanyon). Diese sollen u. a. von dem kürzlich in Einsatz gestellten, 24.000 t verdrängenden nuklearbetriebenen „Sondereinsatz-U-Boot“ Belgorod (Projekt 09852) befördert werden können. Obgleich sich die Experten noch uneins über die genaue Rolle und Nutzen der Torpedos in der „nuklearen-Gleichung“ sind, scheinen dies doch ernstzunehmende Bestrebungen zu sein, Flugzeugträgerverbände, Marinestützpunkte oder Hafenstädte aus großer Entfernung bekämpfen zu können.45

Russlands Marineindustrie erholt sich zunehmend von Jahren der Stagnation und des Zerfalls, auch wenn systemische Probleme regelmäßig Verzögerungen und Kostenüberschreitungen in der Beschaffung von Einheiten zur Folge haben. Im U-Boot-Bau scheinen die Werften in Severodvinsk, St. Petersburg und anderswo zunehmend zu alter Stärke zurückzufinden. Die russische Marine ist mittlerweile wieder in der Lage Überwassereinheiten zu bauen und in Dienst zu stellen. In der Regel werden dabei Großkampfschiffe durch kleinere und flexiblere Einheiten ersetzt. Das deutet an, dass Russland keine Ambitionen (mehr) hat, eine globale maritime Machtprojektion anzustreben.46 Auch in absehbarer Zukunft wird Russland nicht annähernd die Möglichkeiten zur maritimen Machtprojektion haben, wie jene, über die die USA und ihre Verbündeten verfügen. Dazu fehlen Flugzeugträger, große amphibische Einheiten sowie eine größere Anzahl an Zerstörern und Fregatten zur Luftraumverteidigung, U-Jagd und Gefechtsfeldunterstützung (naval gunfire support). Deswegen scheint sich die russische Marine primär auf klassische Seekontrolle und Verteidigung der Randmeere auszurichten.47 Ziel ist es nicht mehr, auf globaler Ebene mit der U.S.-Navy zu konkurrieren, sondern mit Überwassereinheiten wie Fregatten und Korvetten die Ambitionen einer landzentrierten, eurasischen Großmacht zu unterstützen. Dennoch muss davon ausgegangen werden, dass im Konfliktfall russische Marineeinheiten zur Bekämpfung strategischer Knotenpunkte (Häfen, Kommandostrukturen, Logistikzentren) auf dem europäischen Festland und zur Unterbrechung von Kommunikationslinien und NATO-Nachschub im Atlantik eingesetzt werden.

All diese Erörterungen über die Fähigkeiten von Waffensystemen machen nur Sinn, wenn sie auf konkrete Szenarien eines militärischen Konfliktes bezogen werden. Dabei müssen auch Luft- und Landstreitkräfte in die Rechnung miteinbezogen werden. In einer Reihe von Planspielen kamen westliche Experten zum Schluss, dass im Falle einer russischen Invasion die baltischen Staaten in wenigen Tagen eingenommen werden würden.48 Die Verlegung von NATO-Verbänden ins Baltikum und nach Polen (Enhanced Forward Presence) dient der Abschreckung vor solch einem Szenario. Das Gleiche gilt für die schnell verlegbaren Einsatzgruppen in Brigadegröße – die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) – sowie für die NATO Luftraumüberwachung (Baltic Air Policing) in den drei baltischen Staaten.

Obwohl der Fokus der perzipierten Bedrohung sowie der Reaktion des Westens im Wesentlichen auf Land- und Luftstreitkräften liegt, verliert die maritime Dimension nicht an Bedeutung. Dabei ist ein direkter Vergleich zwischen den maritimen Fähigkeiten Russlands und der NATO zwar möglich, bleibt aber in seiner Bedeutung fragwürdig, weil das effektive Zusammenspiel zwischen maritimen, Land-, Luft-, Weltraum- und Cyber-Kapazitäten immer nur in realen Szenarien entscheidend ist. Gegenüber der dezimierten russischen Ostseeflotte genießen die NATO und deren enge Partner (Finnland und Schweden) merkliche qualitative und quantitative Vorteile. Eine Reihe von hochmodernen Einheiten zur umfassenden Seekriegsführung steht hier zur Verfügung, wenngleich manche Fähigkeiten (offensives Minenlegen, Landzielbekämpfung) der Nachbesserung bedürfen. Allerdings verfügen die drei baltischen Staaten über keine nennenswerten offensiven und defensiven Kapazitäten zur Seekriegsführung. Ebenso ist Polens maritimes Abschreckungspotenzial unterentwickelt. Entscheidend ist die Frage, ob es der NATO im Falle eines durch Russland begonnenen Konflikts gelingt, im Baltikum den strategischen Nachschub durch die Ostsee zu sichern. Ob diese Aufgabe erfolgreich absolviert werden kann, lässt sich nicht aus der Gegenüberstellung maritimer Fähigkeiten und Kapazitäten ableiten, sondern muss vor allem die Luftangriffsfähigkeiten Russlands sowie deren Mittelstreckenraketen berücksichtigen.

Im Nordatlantik und besonders in der Norwegen See ist die Lage eine andere, da Landstreitkräfte dort eine geringere Rolle spielen. Hier stehen sich hauptsächlich russische und NATO-Marine- und Luftwaffenverbände gegenüber. Die russischen U-Boote sind westlichen Militärs jedoch der größte Dorn im Auge. In der Vergangenheit ist es der russischen Marine regelmäßig gelungen, unentdeckt in ihre geplanten Einsatzgebiete zu gelangen; sei es vom hohen Norden, rund um den Kontinent ins östliche Mittelmeer, oder in die Nähe britischer U-Boot-Basen an der Küste Schottlands. Im Nordatlantik wird der Mangel an verfügbaren NATO Einheiten als Konsequenz vergangener Sparzwänge und jüngster Ausfälle (wie die im November 2018 gesunkene norwegische Fregatte Helge Ingstad) besonders spürbar. Dabei spielt die angesprochene Reduktion der Royal Navy eine große Rolle.49

Selbstverständlich behält auch die U.S. Navy die Entwicklung der russischen Marine im Auge. Aufgrund zahlreicher Herausforderung im Indo-Pazifik sowie im Mittleren Osten stehen mittlerweile jedoch weitaus weniger Einheiten für den Einsatz in den nördlichen Gewässern zur Verfügung, als das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Fall war. Gepaart mit dem Fehlen wichtiger Kapazitäten zur U-Boot-Bekämpfung sowie zur Seeaufklärung wird nicht nur die Abschreckungsfähigkeit der NATO, sondern auch die Fähigkeit, im Krisenfall Einheiten in den Nordatlantik zu entsenden, untergraben. Die Entscheidung des Pentagon vom August 2018, die 2. U.S.-Flotte zu reaktivieren, ist ein klares Zeichen dafür, dass dieses Problem auch in Washington erkannt worden ist. Wie die Aufgabenverteilung zwischen der 2. und 6. U.S. Flotte, der Strike Force NATO (Lissabon), dem Maritime Command (Northwood) und den EU Strukturen (EUNAFVOR) aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Trotz der Spannungen im hohen Norden scheint derzeit eine direkte Auseinandersetzung zwischen den Arktis-Anrainerstaaten und Russland nahezu ausgeschlossen zu sein. Jahrzehntelange Erfahrungen und Kooperationen, nicht zuletzt in Fragen der maritimen Sicherheit, lassen einen Konflikt, z. B. aufgrund territorialer Dispute zwischen Norwegen und Russland (Barentssee), unwahrscheinlich wirken. Problematischer erscheinen Szenarien, die unterhalb der Schwelle zu konventionell geführten Konflikten stattfinden. Oftmals auch unter dem Sammelbegriff der hybriden Kriegsführung subsumiert,50 sind Konflikte, die in der so genannten „grey zone“ stattfinden, das derzeit wahrscheinlichste Szenario.51 Anders als bei der hybriden Kriegsführung, die sowohl reguläre als auch irreguläre Kräfte für Kampfhandlungen einsetzt, versucht die Strategie des „grey zone warfare“ direkte, bewaffnete Auseinandersetzungen mit dem Gegner zu vermeiden.52 Die Anwendung kinetischer Mittel wird auch deshalb gescheut, um das eigene Handeln glaubwürdig dementieren zu können, wie es etwa bei der Annexion der Krim der Fall war. Subversive Anstrengungen, Desinformationskampagnen, wirtschaftliche Druckmittel, Zwangsdiplomatie (coercive diplomacy and deterrence) und Angriffe in der Cybersphäre sind Wesensmerkmale von grey zone warfare.53

Eine solche Art der Kriegsführung kann auch in der maritimen Domäne stattfinden. Im Indopazifischen Raum kommt grey zone warfare zumeist zur Durchsetzung territorialer Ansprüche zum Einsatz, wie China regelmäßig im Südchinesischen Meer unter Beweis stellt. In Nordeuropa sind eher die maritime Wirtschaft und die kritische Infrastruktur potentiell gefährdet. Von der Ostsee über die Nordsee bis in den Nordatlantik kann die Energieinfrastruktur (Ölbohrinseln, Öl- und Flüssiggasterminals, Pipelines, Windparks, Häfen) das Ziel unterschwelliger Angriffe werden. Vergleichbares gilt für die Kommunikationsinfrastruktur. Es ist davon auszugehen, dass sowohl russische als auch westliche U-Boote die Fähigkeit besitzen, Unterseekabel anzuzapfen und davon auch regelmäßig Gebrauch machen. Im Konfliktfall könnten Kabel auch gekappt und der kritische Datenverkehr (z. B. Finanzsektor) dadurch zum Erliegen gebracht werden. Dies hätte ernstzunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen.

All diesen perzipierten Bedrohungen kann jedoch erfolgreich entgegengetreten werden. Dazu werden im abschließenden Kapitel eine Reihe von Handlungsempfehlungen formuliert, die geeignet sind, Russland von weiteren, gegen die europäische Sicherheit und Integrität gerichteten Handlungen abzuhalten, ohne dabei unnötigerweise zu einer Eskalation der bereits angespannten Verhältnisse zu führen. Für die meisten Bedrohungsszenarien kann auf relativ traditionelle Konzepte der konventionellen und nuklearen Abschreckung zurückgegriffen werden. Im Falle des grey zone warfare allerdings greifen „[k]lassische Konzept der Raumverteidigung zu kurz […] weil in den meisten Fällen zunächst unklar bleibt, wer der Angreifer ist und welche Ziele er verfolgt.“54

4 Was ist zu tun?

Die Vereinigten Staaten und ihre transatlantischen Partner in Europa sind derzeit darum bemüht, ihre Strategien an die (wieder) wahrgenommene Gefahr „klassischer“ Konflikte anzupassen. Die Maßnahmen reichen von Investitionen in Forschung und Entwicklung von high-end-Technologien bis zur Erhöhung sichtbarer wie glaubwürdiger Präsenz und der Stärkung territorialer Verteidigungsfähigkeiten. Sie umfassen auch großangelegte Beschaffungsprogramme, die Ausweitung gemeinsamer Manöver, Übungen und Trainingsmissionen sowie die Verbesserung von politischen Entscheidungsfindungsprozessen. Auch die 2018 wiederaufgestellte, für den Nordatlantik zuständige 2. US-Flotte in Norfolk, Virginia, ist hervorzuheben.

Um auf die russische Herausforderung auch in der maritimen Domäne zu reagieren, muss die NATO auch auf Konzepte aus der Zeit des Kalten Krieges zurückgreifen: das heißt glaubwürdige konventionelle Abschreckung (im Sinne von denial-Fähigkeiten) und eine ebenso glaubwürdige nukleare Abschreckung, wie es auf den Gipfeln von Wales und Warschau hervorgehoben wurde. In diesem Zusammenhang ist es für die europäischen Staaten wichtig, mehr Geld auf bedachte Art und Weise für ihre Verteidigung auszugeben. Investitionen sind besonders im Lichte einer effektiven Nutzung im Bündniskontext von Bedeutung. Während Staaten wie Polen oder die drei baltischen Staaten aus strategischen und finanziellen Gründen Schwierigkeiten haben, ihre maritimen Fähigkeiten auszubauen, sollten vor allem die wirtschaftlich starken Staaten Europas, insbesondere die Bundesrepublik, dazu in der Lage sein. Die Entwicklung Deutschlands vermag in diesem Punkt, aufgrund eines steigenden Verteidigungsbudgets und der geplanten Beschaffung von zwei zusätzlichen U-Booten sowie fünf weiteren Korvetten, bereits vorsichtig als optimistisch bezeichnet werden. Ob jedoch die Niederlande oder Großbritannien nach dem „Brexit“ weitgreifende Investitionen in ihre Seestreitkräfte tätigen können, ist fraglich. Erheblicher Beschaffungsbedarf zeichnet sich im Bereich von stand-off- und Präzisionsmunition (z. B. Großbritannien, Deutschland), in der Seeraumüberwachung (Großbritannien, Niederlande und Polen), oder im Bereich der Minenabwehr (Deutschland, Niederlande und Belgien) ab. Auch die Personalnot und der Ersatzteilmangel bleiben für alle genannten Akteure auf absehbare Zeit bestehen.

In Hinblick auf den Nordatlantik und die Ostsee wird es nur unter Einsatz größtenteils traditioneller Mittel der NATO möglich sein, Russland in den oben angeführten Bedrohungsszenarien mit glaubwürden Mitteln der Abschreckung entgegenzutreten. Folgende (maritime) Maßnahmen könnten entsprechend Wirkung haben:

  • Die regelmäßige Entsendung fähiger Einheiten wie Fregatten, Zerstörer und U-Boote in den Nordatlantik und über das GIUK-Gap hinaus in das Norwegische Meer (siehe Manöver Trident Juncture 2018). Dies sollte vornehmlich durch europäische Marinen stattfinden. Einerseits aus Rücksicht auf Russlands Aversion gegenüber U.S. Marineeinheiten vor der „eigenen Haustür“, andererseits, um allen Parteien zu signalisieren, dass die europäischen Staaten bereit und in der Lage sind, mehr Verantwortung in ihrer eigenen Nachbarschaft zu übernehmen.

  • Die Durchführung maritimer Manöver (inkl. Land- und Luftelemente) mit einem Fokus auf hochintensive Konflikte (Saxon Warrior, BALTOPS, Dynamic Mongoose). Hier ist darauf Bedacht zu nehmen, dass die Zunahme von Frequenz und Umfang des Manöverbetriebs einerseits zwar Bündnissolidarität und Abschreckung vermittelt, andererseits jedoch auch Eskalationspotenzial beinhalten kann.55

  • Die Stationierung weiterer, defensiv orientierter Einheiten (Luft- und Landeinheiten sowie entsprechende Logistik) in Norwegen und Island.

  • Die Streitkräfte der baltischen Staaten sollten ertüchtigt werden, besonders deren Seestreitkräfte. Die Beschaffung von asymmetrischen Fähigkeiten, um die numerische Unterlegenheit zu kompensiert (etwa Schnellboote mit modernen Seezielflugkörpern), wäre zielführend. Auch muss mehr Druck auf die baltischen Regierungen ausgeübt werden, gemeinsame Lösungen, z. B. in der Beschaffung, für ihre maritime Unzulänglichkeiten zu finden.56

  • Die Stationierung von Einheiten der US-Navy in Deutschland oder Dänemark (vorzugsweise eines Littoral Combat Ships).57 Von einer U.S. Marinepräsenz durch Zerstörer mit Heimathäfen weiter östlich (z. B. Polen) sollte hingegen abgesehen werden.

  • Der Ausbau maritimer (Luft-) Aufklärungsfähigkeiten im Nordatlantik und im Ostseeraum. Im Bereich der Aufklärung (maritime domain awareness) und search and rescue (SAR) bietet die maritime Domäne gleichzeitig auch Kooperationspotential, um neue Anknüpfungspunkte mit Russland auf niedriger Ebene zu identifizieren.

  • Verbesserung des „information sharing“ innerhalb der Allianz und mit ihren Partnern

  • Die Stärkung und der Schutz kritischer Infrastruktur wie C2/C4-Einrichtungen58 von Flugplätzen oder Kommunikationswegen und –knoten gegen (kinetische) Angriffe.59

  • Nebst diesen militärischen Aspekten, die Stärkung der zivilen, wirtschaftlichen und geistigen Landesverteidigung, um gegen hybride und unterschwellige Gefahren und gerüstet zu sein.60

Eine polnische Fregatte und ein deutscher Einsatzversorger während des Manövers BALTOPS 2019

Eine polnische Fregatte und ein deutscher Einsatzversorger während des Manövers BALTOPS 2019

Rund drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges, in einer Zeit, in der eine Vielzahl europäischer Seestreitkräfte tiefgreifenden Reduktionsmaßnahmen und drakonischen Einsparungen ausgesetzt gewesen ist, versucht die Russische Föderation ihren Status als militärische wie politische Großmacht wiederzuerlangen. Gleichzeitig stellt sie die etablierte Sicherheitsordnung in Europa in Frage. Die Modernisierung der russischen Streitkräfte, einhergehend mit einer verstärkten Präsenz entlang der Grenzen Europas und der Bereitschaft, politische Interessen mit militärischen und subversiven Mitteln durchzusetzen, sorgten für eine Rückbesinnung des Westens auf die strategische Bedeutung des Nordatlantiks und der europäischen Randmeere. Die NATO kehrt somit zu ihren Kernprinzipien zurück und vollzieht ihren zweiten Paradigmenwechsel seit Ende des Kalten Krieges.

Gleichzeitig wird es in den kommenden Jahren für Europa von Bedeutung sein, nicht erneut ähnliche, strategische Fehlkalkulationen zu begehen, wie jene, die vor 2014 zur einseitigen Ausrichtung bei gleichzeitiger Aushöhlung der maritimen Fähigkeiten geführt haben. Schließlich darf nicht vergessen werden, dass Seestreitkräfte auch weiterhin für Krisenmanagement, Katastrophenhilfe, und zur Aufrechterhaltung der Ordnung zur See herangezogen werden. Die breite Palette maritimer Aufgaben und die wachsende Bedrohung durch staatliche (China?) wie nichtstaatlicher Akteure muss ebenfalls Eingang in Verteidigungsstrategien und operativen Doktrinen finden. Die Streitkräfte Europas sehen sich heute gezwungen, einen ausgeglichenen Ansatz hinsichtlich nationaler und kollektiver Verteidigung herauszubilden. Große wie kleine Marinen müssen in Zukunft fähig sein, sowohl über große Entfernungen und in Küstennähe zur Friedenssicherung beizutragen, als auch in hochintensiven Konflikten zu bestehen.

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  • Wertheim, Eric (2013): The Naval Institute Guide to Combat Fleets of the World: Their Ships, Aircraft, and Systems, 16. Ed, Annapolis, Md.: Naval Institute Press. Google Scholar

Footnotes

  • 1

     Für eine Übersicht der Entwicklung siehe Stöhs 2018b. 

  • 2

    Germond 2014, 51–52. 

  • 3

    Bruns 2017, 33–41. Für einen Überblick über europäische Seestreitkräfte siehe Stöhs 2018a. 

  • 4

     Die Bundesrepublik unterstützte die NATO-Verbände im Mittelmeer, welche aufgrund von Verlegungen in den Persischen Golf stark dezimiert waren. Vgl. Bruns 2016, 286. 

  • 5

    Meyer zum Felde 2018. 

  • 6

     Dies wird unter anderem in folgenden Dokumenten festgehalten: Bundesministerium der Verteidigung 2006, Weißbuch 2006, Zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr, Berlin, 122.Bundesministerium der Verteidigung 1994, Weißbuch zur Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und zur Lage und Zukunft der Bundeswehr, Berlin, 120 f.; Ministerio de Defensa, Secretaría General Técnica 2003, Strategic Defence Review, Madrid: Imprenta Ministerio de Defensa, 107; Ministry of Defense 1998, Strategic Defense Review, London. 

  • 7

     Siehe etwa die U.S. Marinestrategie aus 1994: Department of the Navy (1994): Forward … From the Sea, The Pentagon, Washington D.C. 

  • 8

     Passenderweise titelte die damalige U.S. Marinestrategie „Forward … From the Sea“ (1994), vgl. Bruns 2017a. 

  • 9

     Netherlands Ministry of Defence 2005, Netherlands Defence Doctrine, Den Haag, 5. 

  • 10

    Wertheim 2013. 

  • 11

    Germond 2015, 64–65. 

  • 12

     Hudson/Roberts 2017, 81. 

  • 13

     Vgl. Bruns 2012, 13. 

  • 14

     Im Gegenteil zu Großbritannien behielt Frankreich jedoch seine industriellen Fähigkeiten zur Entwicklung von hochmodernen konventionellen Unterseebooten. Der staatliche Schiffsbauer DCNS ist am Bau von zwölf U-Booten für die australische Marine beteiligt, einem Auftrag in Höhe von über 40 Mrd. $. Weitere Aufträge beinhalten U-Boote für Malaysianische Marine sowie Fregatten für die marokkanischen und ägyptischen Seestreitkräfte. 

  • 15

    Moulin 2014, 85. 

  • 16

    Promé 1994. Generell beschäftige sich französische Marinestrategie weniger mit potenziellen Gefahren im Nordatlantik als mit der Fülle an Herausforderungen in den frankophonen Teilen Afrikas, dem mittleren Osten, und dem Indopazifik. Aufgrund der Überseegebiete waren out-of-area Einsätze und eine ausbalancierte Marinestruktur seit jeher die Raison D‘etre der Marine nationale. 

  • 17

    Larrabee et. al. 2012, 28. 

  • 18

     Während offizielle Stimmen darauf bestehen, Deutschland könne im Krisenfalls bis zu vier U-Boote entsenden, berichteten den Autoren verschiedene Quellen, dass die Deutsche Marine derzeit nicht mehr als zwei bis drei U-Boote zum selben Zeitpunkt bemannen und entsenden könne. Vgl. auch Frank Behling: U-Booten geht das Personal aus, Kieler Nachrichten, 31. März 2015. 

  • 19

     Saxi 2010. 

  • 20

     Norwegian Ministry of Defence (2004): Norwegian Defence 2004, Oslo, 7. 

  • 21

    Waters 2009, 98. 

  • 22

    Efjestad 2017, 61. 

  • 23

     Die im Herbst 2018 stattgefundene Übung Trident Juncture 2018 stellt durch die Beteiligung der USS Harry S. Truman Strike Group die erste Übung eines US-Flugzeugträgers seit dem Kalten Krieg in der Norwegensee dar. 

  • 24

     Ebd. 62. 

  • 25

     Die Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG 1) und Standing NATO Mine Countermeasure Group 1 (SNMCMG 1) bilden eine stete Präsenz im Norden, während SNMG 2 und SNMCMG 2 im Mittelmeer dauerhaft aktiv sind. 

  • 26

     EUNAVFOR: European Union Naval Force, CTF 151: Combined Task Force 151, ISAF: International Security Assistance Force. Navaltoday, Dutch naval ships will not take part in Atalanta in 2018, navaltoday.com, 09. März 2018, https://navaltoday.com/2018/03/09/dutch-naval-ships-will-not-take-part-in-atalanta-in-2018/. 

  • 27

    Mueller 2015. 

  • 28

     Commander Fjord-Larsen, Dänische Marine, betont die Problematik solch einer reduzierten Besatzung: „The high level of specialization has potential problems because there is less slack available in the complement if someone goes sick or on leave. Personally, I think that we are at the lower end of the manning limit.“ Siehe Toremans 2013, 108. Die Personalprobleme werden ferner aufgegriffen von Rainer Brinkmann: Befehlshaber der Flotte: Deutsche Marine am Limit, shz.de, 9. April 2017; s. a. Tom Cotterill: Revealed: £5.3m cost for Royal Navy’s recruitment crisis, TheNews, 14. März 2017, http://www.portsmouth.co.uk/news/defence/revealed-5-3m-cost-of-royal-navy-s-recruitment-crisis-1-7864850 sowie Alex Finnis: Defence cuts leave Royal Navy so short of personnel it has to borrow engineer from the US Coast Guard, Daily Mail Online, 06. Oktober 2014, http://www.dailymail.co.uk/news/article-2781457/Defence-cuts-leave-Royal-Navy-short-personnel-borrow-engineers-US-Coast-Guard.html. 

  • 29

     Ob die Entwicklung der steigenden Anzahl von Bundeswehrsoldaten bereits als positiver Trend im Zuge der Trendwende Personal bezeichnet werden kann, bleibt abzuwarten. Im Mai 2019 umfassten die deutschen Streitkräfte insgesamt 181.816 aktive Soldatinnen und Soldaten (Stand: 29.05.2019). Vgl. Bundeswehr: Stärke: Militärisches Personal der Bundeswehr, 29. Mai 2019, https://www.bundeswehr.de  

  • 30

     Saxi 2010. 

  • 31

     Ebd.; Rein 1995, 4. 

  • 32

     Die Heimathäfen der SSBNs befinden sich in Faslane-on-Clyde in Schottland bzw. in Île Longue, nahe Brest. 

  • 33

     Eine glaubwürdige nukleare Abschreckung basiert nach wie vor auf dem Nukleararsenal der Vereinigten Staaten. Frankreich und Großbritannien haben jeweils ein SSBN zur selben Zeit auf Fahrt mit jeweils ca. 40–60 Gefechtsköpfen je Einheit. 

  • 34

     Als ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) wird, gem. Art. 55 des Seerechtsübereinkommens UNCLOS, das Küstengebiet bis zu 200 Seemeilen von der Basislinie eines States bezeichnet. Dies inkludiert das Küstenmeer (Hoheitsgewässer) und die Anschlusszone, die jeweils 12 Seemeilen betragen. 

  • 35

     Stellungnahme der NATO-Verteidigungsminister, https://www.nato.int/cps/en/natohq/news_121133.htm. 

  • 36

     Meyer zum Felde 2018, 106; 110. 

  • 37

     Rus: Объединённое стратегическое командование «Северный флот» 

  • 38

     Acht Einheiten der Borei-Klasse sollen insgesamt in Dienst gestellt werden. Sie lösen die verbleibenden Delta IV und letzte verbleibende Einheit der Typhoon-Klasse ab. 

  • 39

     Ministry of Defence of the Russian Federation, „МОРСКАЯ ДОКТРИНА РОССИЙСКОЙ ФЕДЕРАЦИИ – Maritime Doctrine of the Russian Federation“ (Translation by U.S. Naval War College, Newport, Rhode Island, 2015), 18 f. 

  • 40

     Die Einschätzung westlicher Experten deckt sich mit russischen Quellen, welche besagen, dass nur eine sehr begrenzte Anzahl an atomar-betriebenen Jagd-U-Booten einsatzbereit ist (weniger als zehn Einheiten). Zudem stützt sich die Marine zunehmend auf kleinere Fregatten und Korvetten. 

  • 41

     Bogdanov/Kramnik 2018. 

  • 42

     Vgl. Johnson 2018; Kroenig 2018, Brauß/Krause 2019. 

  • 43

     Siehe die Tabelle im Anhang von Brauß/Krause 2019. 

  • 44

     Vgl. Kofmann 2019. 

  • 45

     Navaltoday, Russia releases first video footage of new Kanyon/Status-6 nuclear torpedo, navaltoday.com, 19. Juli 2018, https://navaltoday.com/2018/07/19/russia-releases-first-video-footage-of-new-kanyon-status-6-nuclear-torpedo/. 

  • 46

    Adomeit 2018, 71 f. 

  • 47

     Conolly 2017; Gorenburg 2017. 

  • 48

     Vgl. Schlapack/Johnson 2016. 

  • 49

    Childs 2014. 

  • 50

     Vgl. Jordán 2019. 

  • 51

     Vgl. Hoffmann 2018. 

  • 52

     Vgl. James Goldrick: Grey Zone Operations and the Maritime Domain, RealClear Defense, 30. Oktober 2018, https://www.realcleardefense.com/articles/2018/10/30/grey_zone_operations_and_the_maritime_domain_113923.html. 

  • 53

     Vgl. Hoffmann 2018, 34 ff. 

  • 54

    Bittner 2017, 122. 

  • 55

     Vgl. Clem 2017. 

  • 56

     Vgl. Cushman 2017. 

  • 57

     Bruns/Stöhs 2018. 

  • 58

    C2 stellt ein Akronym für command & control dar, C4 beinhaltet die beiden genannten sowie communications & computers. 

  • 59

     Nordenman, Magnus (2018): How Russia’s Sub-Launched Missiles Threaten NATO’s Wartime Strategy, Defense One, 9. Oktober 2018. https://www.defenseone.com/ideas/2018/10/how-russias-sub-launched-missiles-threaten-natos-wartime-strategy/151803/?oref=d-river. 

  • 60

     Bittner 2017. 

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Published Online: 2019-09-07

Published in Print: 2019-09-01


Citation Information: SIRIUS – Zeitschrift für Strategische Analysen, Volume 3, Issue 3, Pages 242–254, ISSN (Online) 2510-2648, ISSN (Print) 2510-263X, DOI: https://doi.org/10.1515/sirius-2019-3003.

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