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Soziale Systeme

Zeitschrift für soziologische Theorie

Ed. by Åkerstrøm Andersen, Niels / Baecker, Dirk / Bohn, Cornelia / Kron, Thomas / Mascareno, Aldo / Rasch, William / Schmidt, Johannes F.K. / Stäheli, Urs / Stichweh, Rudolf / Tang, Chih-Chieh

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»Quantifizierung« in der Welt des Sports. Gesellschaftstheoretische Überlegungen

Tobias Werron
  • Graduiertenkolleg »Weltbegriffe und globale Strukturmuster« Institut für Weltgesellschaft Fakultät für Soziologie, Universität Bielefeld Postfach 100131, D-33501 Bielefeld
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Published Online: 2016-05-26 | DOI: https://doi.org/10.1515/sosys-2005-0203

Zusammenfassung

»Quantifizierung« wird von Sportsoziologen und -historikern zu den charakteristischen Merkmalen des modernen Sports gezählt. Der Umgang mit Zahlen im Sport ist in seinen Funktionen, Formen und Folgen jedoch bislang kaum näher untersucht worden. Der Beitrag will einen Anfang machen und einige Ausgangsthesen für die nähere, auch gesellschaftstheoretische Auseinandersetzung mit dem Thema formulieren. Er wählt einen abstrakten differenzierungstheoretischen Ausgangspunkt und versteht den modernen Wettkampfsport als autonome Sinnsphäre, als »Eigenwelt«, die auf den Vergleich von Leistungen spezialisiert ist. In diesem Rahmen richtet sich das Interesse auf Tabellen, »assists per game«, Rekorde und andere Zahlenformate, die auf ihre Beiträge zur Darstellung und Evaluation von Leistungen untersucht werden. In dieser Analyse werden Zahlen primär als Beitrag zum Gedächtnis des Sports erkennbar, und es zeigt sich eine Doppelfunktion von Zahlen, die sich aus ihrer Eignung ergibt, Sinnreduktion auf Leistung (Reduktionsfunktion) mit Wahrscheinlichkeitsdenken (Projektionsfunktion) zu kombinieren. Damit treten sie in ein vielschichtiges Ergänzungs-, aber auch Spannungsverhältnis zu anderen Gedächtniselementen, insbesondere narrativen Elementen, und erweisen sich als ebenso unentbehrlich wie bisweilen ungeliebt. Insgesamt zeigt sich ein temporalisierter Gebrauch statistischer Semantiken, der in die Selbstbeobachtung eines standardisierten und kontinuierlichen Wettkampfbetriebs eingespannt ist und dessen interne Spannungen die für den modernen Sport konstitutive Differenz zwischen »Präsenz« (Lokalität, Ereignishaftigkeit, Spannung etc.) einzelner Wettkämpfe und Verweisungsreichtum (Globalität, Komplexität, Kontingenz etc.) ganzer Sportarten reflektieren. Der - hier nur angedeutete - Vergleich mit »Ratings« und »Rankings« in anderen Funktionssystemen legt nahe, dass die hier entwickelten Thesen auch zu einer allgemeinen gesellschaftstheoretischen Erklärung von »Quantifizierung« anregen könnten.

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Published Online: 2016-05-26

Published in Print: 2005-11-01


Citation Information: Soziale Systeme, Volume 11, Issue 2, Pages 199–235, ISSN (Online) 2366-0473, ISSN (Print) 0948-423X, DOI: https://doi.org/10.1515/sosys-2005-0203.

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© 2005 by Lucius & Lucius, Stuttgart.

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[1]
Christian Mersch
Soziale Systeme, 2010, Volume 16, Number 2

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