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Soziale Systeme

Zeitschrift für soziologische Theorie

Ed. by Åkerstrøm Andersen, Niels / Baecker, Dirk / Bohn, Cornelia / Kron, Thomas / Mascareno, Aldo / Rasch, William / Schmidt, Johannes F.K. / Stäheli, Urs / Stichweh, Rudolf / Tang, Chih-Chieh

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Atmosphären – Transmissionen – Interaktionen: Zu einer Theorie sozialer Affekte

Robert Seyfert
Published Online: 2016-02-11 | DOI: https://doi.org/10.1515/sosys-2011-0105

Zusammenfassung

In der Geschichte der Soziologie sind Gefühle, Emotionen und Affekte auf die verschiedenste Art und Weise konzipiert worden. Im sozialpsycho­logischen Paradigma entstammen Emotionen individuellen Triebwünschen und gewinnen in erster Linie in konflikthaften Auseinandersetzungen ihren sozialen Charakter (Sublimation, etc.). Dem gegenüber bringt die Soziologie der Emotionen die Denkfigur der Interaktion in Anschlag, die es möglich macht ganz neue unper­sönliche Emotionen zu konzipieren, Emotionen, die aus zwischenmenschlichen Be­gegnungen erst hervorgehen. Seit den 1990er Jahren lässt sich nun die Entstehung der Affect Studies beobachten, die mit der Soziologie der Emotionen zwar den interak- tionistischen Ansatz teilen, jedoch deren anthropologischen Reduktionismus über­winden wollen. Bei der Entstehung sozialer Emotionen und Affekte spielen nicht nur individuelle Triebwünsche und soziale Stimmungen eine Rolle, sondern auch affektive Atmosphären, die der jeweiligen Umwelt entstammen. Obwohl die vorliegende Arbeit die Ansicht teilt, dass eine Theorie sozialer Affekte die Rolle nicht-menschlicher Ele­mente zu berücksichtigen hat, hält sie den Atmosphärenbegriff für problematisch, weil er deterministische Tendenzen impliziert und die Spezifizität aller beteiligten Körper unberücksichtigt lässt. Aus diesem Grund wird der Begriff der affektiven Inter­aktionen vorgeschlagen, der keine undifferenzierte Hintergrundstimmung annehmen muss, sondern die genauen Affekt Verhältnisse zwischen den anwesenden Körpern beschreiben kann. Dabei steht die Frage im Vordergrund, auf welche Art und Weise die jeweils anwesenden Körper miteinander interagieren (symbolisch, olfaktorisch, elektrisch, akustisch, etc.). Die Beantwortung dieser Frage verweist dann zugleich auf die Konstitution der beteiligten Körper und auf den jeweiligen Affekt, der aus der Interaktion von Körpern hervorgeht. Hinsichtlich affektiver Interaktionen greifen wir auf die Theorie der Transmission von Jean-Marie Guyau zurück, bezüglich des Konzepts des Körpers als distributives Ensemble beziehen wir uns auf Spinoza. Das affektive Milieu, aus dem Affekte entspringen, nennen wir Affektif.

About the article

Published Online: 2016-02-11

Published in Print: 2011-05-01


Citation Information: Soziale Systeme, Volume 17, Issue 1, Pages 73–96, ISSN (Online) 2366-0473, ISSN (Print) 0948-423-X, DOI: https://doi.org/10.1515/sosys-2011-0105.

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© 2011 by Lucius & Lucius, Stuttgart.

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Christian von Scheve
European Journal of Social Theory, 2017, Page 136843101769000

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