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Spiritual Care

Zeitschrift für Spiritualität in den Gesundheitsberufen

Editor-in-Chief: Frick, Eckhard / Peng-Keller, Simon

Ed. by Aberer, Elisabeth / Bischoff, Alexander / Büssing, Arndt / Eschmann, Holger / Hefti, René / Klein, Constantin / Maidl, Lydia / Mayr, Beate / Roser, Traugott / Utsch, Michael / Zwingmann, Christian

4 Issues per year

Online
ISSN
2365-8185
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„Spiritual Care“ im Plural

Eckhard Frick / Simon Peng-Keller
Published Online: 2017-02-10 | DOI: https://doi.org/10.1515/spircare-2017-0001

„Spiritual Care“ ist ein Terminus, den es nur im Singular gibt. Das mag erklären, wieso von „Spiritual Care“ in selbstverständlicher Weise so gesprochen wird, als handle es sich dabei um ein bestimmtes theoretisches Konzept oder ein spezifisches Praxismodell. Die Vorstellung, die diese Redeweise nahelegt, ist irreführend. In Tat und Wahrheit wird der Terminus „Spiritual Care“ für sehr unterschiedliche und mitunter gegensätzliche Ansätze, Modelle und Konzepte gebraucht. Auch wenn der sprachliche Ausdruck nicht pluralisierbar ist, gibt es Spiritual Care nur in einer Vielzahl von Formen, die zudem in einer starken Wandlung begriffen sind. Den weiten Rahmen dafür bildet die Vorgabe der Weltgesundheitsorganisation, die spirituelle Dimension solle in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden. Wie das geschehen soll, wer dafür welche Verantwortung trägt und welche Kompetenzen dazu nötig sind: all das ist der konkreten Ausgestaltung überlassen und muss mit Blick auf diese diskutiert werden.

Entsprechend der Vielzahl unterschiedlicher Gesundheitskontexte und länder- und kulturspezifischen Besonderheiten entwickelt sich gegenwärtig auch das Forschungs- und Praxisgebiet „Spiritual Care“, wie die Beiträge dieses Heftes belegen, in sehr unterschiedliche Richtungen. Um dieser Vielfalt gerecht werden zu können, ist in Diskussionen über Spiritual Care zu klären, worüber jeweils gesprochen wird. Das gilt nicht zuletzt für die engagiert geführte deutschsprachige Diskussion um das Verhältnis von Seelsorge und Spiritual Care. Wer Spiritual Care und Klinikseelsorge in ein Kontrastverhältnis bringt oder aber miteinander identifiziert, dem steht jeweils ein konkreter Ansatz vor Augen, der nicht mit „Spiritual Care“ schlechthin in eins gesetzt werden darf. Es gehört zur selbstreflexiven Entwicklung des Praxis- und Forschungsfeldes Spiritual Care, zwischen unterschiedlichen Ansätzen zu differenzieren und nach den jeweiligen Kontexten zu fragen, in denen sie entstanden sind, sowie ihre Übertragbarkeit in andere Kontexte zu überprüfen.

Die Beiträge des vorliegenden Heftes zeigen auf, dass die Diskussion um die Rolle der Klinikseelsorge im Horizont von Spiritual Care vielschichtiger ist, als oft wahrgenommen wird. In einer genaueren Analyse zeigt sich, dass sich in dieser Diskussion unterschiedliche Diskurse miteinander vermischen. In den Beiträgen von Guy Jobin und Simon Peng-Keller wird aufgezeigt, dass der Diskurs um Spiritual Care, wie er sich in den letzten Jahrzehnten auf internationaler Ebene entwickelte, historisch betrachtet in keinem direkten Zusammenhang zu den spezifischen Herausforderungen steht, vor die sich die Klinikseelsorge angesichts schwindender personeller und finanzieller Ressourcen im deutschsprachigen Raum gestellt sieht. Die von der WHO und auch kirchlichen Organisationen wie dem Ökumenischen Rat der Kirchen geförderte Sensibilisierung für die spirituelle Dimension der Gesundheitsversorgung ist weder die Ursache noch die Lösung für die Probleme, vor denen die Klinikseelsorge im deutschen Sprachraum gegenwärtig steht. Inwiefern unterschiedliche Ansätze von Spiritual Care, die sich in dem durch die WHO abgesteckten Rahmen in den letzten Jahren entwickelt haben, als Chance genutzt werden können, um die Klinikseelsorge in einem gewandelten Gesundheitswesen zukunftsorientiert zu verorten, ist eine offene Diskussion. Sie wird im vorliegenden Heft um weitere Stimmen und Aspekte bereichert. Lea Chilian und John Swinton gehen zusammen mit den bereits genannten Beiträgen von Jobin und Peng-Keller im Hinblick auf die akademische Diskussion konzeptionellen Fragen nach. Ralph Kunz und Hanspeter Schmitt greifen in ihren Beiträgen eine Frage auf, in der sich die Herausforderungen, vor der die Klinikseelsorge heute steht, exemplarisch bündeln: Ist es unter Wahrung des Seelsorgegeheimnisses möglich, sich an der klinischen Dokumentation zu beteiligen? Dass sich der Wandel im Bereich der Klinikseelsorge auch räumlich niederschlägt, zeigt Thomas Fries am Beispiel der Universitätsspitäler Lausanne und Zürich. Zwei qualitativ-empirische Arbeiten runden die wissenschaftlichen Beiträge dieser Ausgabe ab: Michael Petery analysiert den Umgang mit Krankheit, Alter und Sterben in bayerischen jüdischen Gemeinden, während Jochen Sautermeister und Kollegen den Umgang katholischer Priester mit spiritueller Trockenheit untersuchen und damit einen Beitrag zum Thema „Spiritual Self-Care“ leisten.

Die vorliegende Ausgabe enthält neben einem Interview mit Almut Göppert über die Neueröffnung von Sukhavati in Bad Saarow und einem Erfahrungsbericht einer Medizinstudentin über Spiritual Care an der Universität Zürich nicht zuletzt die Abschiedsvorlesungen von Traugott Roser, Niels-Christian Hvidt und Eckhard Frick, die von 2010 bis 2015 die Münchner Professur für Spiritual Care bekleideten. Der Spirituelle Impuls von Simon Künzler und Lydia Maidl lädt zum Achten auf den Augenblick, zum Mitlesen und Mitsingen ein.

Wir wünschen eine inspirierende Lektüre und anregende Diskussionen!

Eckhard Frick & Simon Peng-Keller

München und Zürich am Jahresbeginn 2017

About the article

Published Online: 2017-02-10

Published in Print: 2017-04-01


Citation Information: Spiritual Care, Volume 6, Issue 2, Pages 151–152, ISSN (Online) 2365-8185, ISSN (Print) 2193-3804, DOI: https://doi.org/10.1515/spircare-2017-0001.

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© 2017 Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston.Get Permission

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