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Spiritual Care

Zeitschrift für Spiritualität in den Gesundheitsberufen

Editor-in-Chief: Frick, Eckhard / Peng-Keller, Simon

Ed. by Aberer, Elisabeth / Bischoff, Alexander / Büssing, Arndt / Eschmann, Holger / Hefti, René / Klein, Constantin / Maidl, Lydia / Mayr, Beate / Roser, Traugott / Utsch, Michael / Zwingmann, Christian

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ISSN
2365-8185
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Yoga

Lisza Gaiswinkler
Published Online: 2017-01-19 | DOI: https://doi.org/10.1515/spircare-2016-0164

Der Begriff „Y.“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich übersetzt „Vereinigung, Verbindung“ (Duden 2010). Y. ist eine jahrtausendealte Lehre, eine Form der Bewusstseinsschulung, die traditionell häufig im Hinduismus und Buddhismus praktiziert wird. Mittlerweile hat Y. den Westen erreicht, wo es meist religiös entkernt praktiziert und zum Wellness-Trend für jedermann geworden ist. Die Effekte des Y., die sich der oder die Praktizierende erhofft, sind breit gefächert, ebenso wie die Gründe um sich auf die Matte zu wagen. Diese reichen von einem einfachen Trendbewusstsein über den Vorsatz seine Tiefenmuskulatur zu trainieren bis hin zur spirituellen Suche, denn eine spirituelle Komponente ist trotz der zahlreichen Y.-Stile in den meisten Traditionen erhalten geblieben. Der Einfluss des Y. auf Psyche und Physis ist mittlerweile hinreichend belegt. Die Alphawellen-Aktivierung steigt, Cholesterinwerte sinken, die Qualität des Schlafes verbessert sich, die Muskeln werden gestärkt, die Haltung verbessert und chronische Schmerzen werden gelindert (Büssing et al. 2012; Balasubramaniam et al. 2013). Zusätzlich verbessert sich die Atemleistung und jüngste Forschungen belegen sogar einen Einfluss der Y.praxis auf den Hormonhaushalt: Cortisol, welches bei Stress ausgeschüttet wird, verringert sich, die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin, GABA und Acetylcholin erhöhen sich, wohingegen sich Dopamin und Noradrenalin-Ausschüttung verringern (Balasubramaniam et al. 2013). Psychisch ist eine Reduktion der Ängstlichkeit und der Depressivität messbar, das allgemeine Wohlbefinden, Selbstwert, Achtsamkeit und Spiritualität sind bei Y.praktizierenden im Vergleich zu Nicht-Praktizierenden erhöht (Büssing et al. 2012; Gaiswinkler & Unterrainer 2016). All das hängt zusätzlich noch davon ab, wie hoch die Immersion bezüglich des Y. ist. Denn je weiter man in das Y. eintaucht, desto mehr positive Effekte der Spiritualität, wie Vergebung, Hoffnung, Allverbundenheit und die Erfahrung von Bedeutung und Sinn im Leben können sich manifestieren (Gaiswinkler & Unterrainer, 2015). Vertieft man sich nicht oder nur wenig in diese Lehre, hat man immer noch sehr viel von der gleichmäßigen Verbindung der körperlichen Übungen (Asanas) mit den Atemübungen (Pranayama), der Meditation (Dhyana) und der Entspannung (Shavasana), zumindest gleich viel, als wenn man Gymnastik übt (Gaiswinkler & Unterrainer 2016). Y. zählt (unter anderem) zu den anerkannten komplementär- und alternativmedizinischen Methoden (complementary and alternative medicine CAM, siehe bei Barnett & Shale 2012). Als potenziell tiefgreifende Erfahrung, als Massage für Körper, Geist und Seele, wie es beispielsweise auch bei Feldenkrais empfunden wird (Gernet 2016), sollte Y. jedoch immer von einer erfahrenen Y.lehrperson vermittelt und zu Beginn der Praxis unbedingt auch in Anwesenheit einer solchen geübt werden. Aufgrund der psychischen Wirkung sollte Y. zudem bevorzugt von Y.-erfahrenen Psychologinnen und Psychologen bzw. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gelehrt werden. Speziell im klinischen Bereich stellt dies eine selbstverständliche Notwendigkeit dar, doch auch im außerklinischen Bereich sollte der Einfluss des Y. auf Seele und Geist nicht unterschätzt werden, denn in seiner eigentlichen Form ist Y. eben Bewusstseinsschulung und keine bloße Gymnastik. Im Sinne einer bio-psycho-sozio-spirituellen Sichtweise des Menschen trägt die Erforschung des Y. sicher dazu bei, mehr über die Möglichkeiten und Grenzen der Berücksichtigung der spirituellen Dimension in der Behandlung von physischer und psychischer Erkrankung zu erfahren (Gaiswinkler & Unterrainer 2015).

Literatur

  • Balasubramaniam M, Telles S, Doraiswamy PM (2013) Y. on our minds: a systematic review of Y. for neuropsychiatric disorders. Frontiers in Psychiatry 3:117. Google Scholar

  • Barnett JE, Shale AJ (2012) The integration of complementary and alternative medicine (CAM) into the practice of psychology: A vision for the future. Professional Psychology: Research and Practice 43:576–585. Web of ScienceGoogle Scholar

  • Büssing A, Michalsen A, Khalsa SB, Telles S, Sherman KJ (2012) Effects of Y. on mental and physical health: A short summary of reviews. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine: Article ID 165410. Web of ScienceGoogle Scholar

  • Dudenredaktion (2010) Das Fremdwörterbuch. Mannheim: Bibliographisches Institut. Google Scholar

  • Gaiswinkler L, Unterrainer HF (2015) Die Beziehung zwischen Yoga Immersion, psychologischem Wohlbefinden und psychiatrischer Symptomatik. Neuropsychiatrie 29:29–35. Google Scholar

  • Gaiswinkler L, Unterrainer HF (2016) The relationship between Yoga involvement, mindfulness and psychological well-being. Complementary Therapies in Medicine 26:123–127. Google Scholar

  • Gernet C (2016) Bewusstheit durch Bewegung. Was die Feldenkrais-Methode mit Spiritualität zu tun hat und warum die Feldenkrais-Arbeit Spiritual Care sein kann. Spiritual Care 5:33–40. Google Scholar

About the article

Published Online: 2017-01-19

Published in Print: 2017-06-30


Citation Information: Spiritual Care, Volume 6, Issue 3, Pages 351–352, ISSN (Online) 2365-8185, ISSN (Print) 2193-3804, DOI: https://doi.org/10.1515/spircare-2016-0164.

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