Zusammenfassung
Als die USA nach dem Zweiten Weltkrieg den Ländern Westeuropas mit dem Marshallplan zu wirtschaftlichem Wiederaufbau verhalfen, verlangten sie, dass die europäischen Regierungen bei der Verteilung der Mittel supranational zusammenarbeiten sollten. Damit trugen die USA zu ihrer engeren politischen Kooperation bei. Schon ab 1940 waren in der amerikanischen Regierung vielfältige Überlegungen über die Neuordnung der Welt und insbesondere Europas nach dem Krieg angestellt worden. In drei Studienkomitees, eingesetzt von Franklin D. Roosevelt, berieten hochkarätige Experten, ob Europa als Zollunion, als Staatenbund oder als Bundesstaat aufgebaut werden sollte. Der Aufsatz untersucht, welche Debatten die amerikanischen Experten führten, bevor sie 1944 ihren Abschlussbericht verfassten. Ihre Schlussfolgerung skizzierte mitnichten den Weg, den die USA nach dem Krieg tatsächlich einschlugen. Im Gegenteil: sie lautete, dass Amerikas Handels- und Sicherheitsinteressen von einem geeinten Europa beeinträchtigt werden würden und dass daher eine nationalstaatliche Organisation Europas vorteilhafter sei. Erst nachdem Harry S. Truman die Präsidentschaft übernommen hatte und der Expansionswille der Sowjetunion überdeutlich geworden war, änderte sich die amerikanische Einschätzung. Die Organisation eines geeinten Europas erhielt nun strategische Bedeutung.


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