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Postkoloniale Normalisierung: Anmerkungen zur Debatte um eine koloniale Qualität von Nationalsozialismus und Holocaust

Steffen Klävers
  • Corresponding author
  • promoviert an der TU Berlin zu komparativ-postkolonialen Ansätzen in der HolocaustforschungTU BerlinBerlinGermany
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Published Online: 2018-04-03 | DOI: https://doi.org/10.1515/zksp-2018-0007

Zusammenfassung

Neuere Forschungsansätze aus dem Bereich der vergleichenden Genozidforschung und der postkolonialen Studien postulieren, dass Nationalsozialismus und Holocaust eine koloniale Qualität aufwiesen. Von qualitativen Unterschieden zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Herrschaft und Gewalt zu sprechen, wird mit wissenschaftlichem Eurozentrismus assoziiert. Die Vorstellung einer ‚Singularität’ des Holocausts wird abgelehnt. Die zentralen Annahmen solcher Ansätze werden im Artikel rekonstruiert, untersucht und mit Erkenntnissen der Holocaust- und Antisemitismusforschung kontrastiert. Dabei zeigt sich, dass die Spezifik des modernen NS-Antisemitismus in komparativ-postkolonialen Analysen des Holocaust nicht adäquat aufgegriffen wird.

Abstract

Recent approaches from the perspective of a comparative-genocidal and postcolonial paradigm postulate a colonial tradition of National Socialism and the Holocaust. The idea of qualitative differences between colonial and national-socialist rule and violence is associated with scientific eurocentrism. A ‚singularity’ of the Holocaust is consequently rejected. This article will reconstruct and analyse key suppositions of these approaches and contrast them with findings of Holocaust- and antisemitism-studies. In doing so, it becomes evident that the specificity of modern NS-antisemitism is not addressed adequately in comparative-postcolonial Holocaust analyses.

Schlüsselwörter: Genozid; Kolonialismus; Eurozentrismus; Vergleich; Nationalsozialismus; Holocaust; Antisemitismus; Rassismus; Postkoloniale Theorie

Keywords: genocide; colonialism; eurocentrism; comparison; National Socialism; Holocaust; antisemitism; racism; postcolonial theory

Der Artikel basiert auf Inhalten und Erkenntnissen meiner im Mai 2017 eingereichten und im Jahr 2018 erscheinenden Dissertationsschrift.

1 Einleitung

„Hannah Arendt’s Ghosts“ – so ist ein Artikel der Historiker Robert Gerwarth und Stephan Malinowski aus dem Jahr 2009 betitelt. Die Autoren beziehen sich mit dieser Formulierung auf eine Reihe von neueren Forschungsansätzen, deren Verbreitung sie zwei Jahre zuvor als „koloniale Konjunktur“ (Gerwarth/Malinowski 2007, S. 439) in der Holocaustforschung beschreiben. Das zentrale Merkmal dieser Ansätze ist ein an der vergleichenden Genozidforschung und am akademischen Postkolonialismus orientierter wissenschaftlicher Zugriff auf deutschen Nationalsozialismus und Holocaust. Tatsächlich ist in diesen Forschungsansätzen Arendts The Origins of Totalitarianism (1951) als Referenz deutlich zu erkennen, teilweise wird direkt darauf verwiesen. Arendt stellt in ihrer Abhandlung Bezüge zwischen Imperialismus und Totalitarismus bzw. Kolonialismus und Nationalsozialismus her, die in der Kontinuität bestimmter radikalisierter Vorstellungen von Rasse und bürokratisch-technokratischer Verwaltung bestünden (vgl. Gerwarth/Malinowski 2009). Deutschlands koloniale Erfahrungen hätten damit gewissermaßen den Grundstein für den Holocaust gelegt: Die imperiale und kolonialrassistische Gewaltpraxis der Deutschen sei für Nationalsozialismus und Holocaust eine wichtige Ideengeberin gewesen und letztere ohne diese Vorläuferin nicht denkbar (vgl. Davis 2012; Zollmann 2007).

Nahezu identische Gedanken sind kennzeichnend für solcherart komparativ-postkoloniale Forschungsansätze, die seit ungefähr 15 Jahren mögliche Verbindungen zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus thematisieren. Die Diskussion darum ist mittlerweile, so scheint es, wieder etwas verebbt. Sie hat allerdings Wirkung gezeigt: In vielen neueren Einführungen der Holocaustforschung findet sich nun auch ein Abschnitt über koloniale Bezüge bzw. über die damit verknüpfte Debatte (vgl. bspw. Moses 2010; Steinbacher 2015; Stone 2010). Doch obschon die Diskussion vehement und kontrovers geführt wurde, scheinen einige der ihr zugrunde liegenden zentralen Fragen weiterhin unbeantwortet und ungeklärt, genauer: Fragen, die weniger auf konkrete historische Fakten, denn auf epistemologische und ideologische Grundannahmen rekurrieren. Um einige dieser Fragen soll es in diesem Artikel gehen.

2 Auschwitz dekolonisieren?

Als Hannah Arendt über Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft schrieb, war sie nicht die erste und einzige, die mögliche Verbindungen zwischen Kolonialgeschichte und Nationalsozialismus thematisierte. Antikoloniale Autoren und Aktivisten wie beispielsweise W. E. B. DuBois und Aimé Césaire diskutierten bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Frage, ob es sich bei der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik um ein neuartiges Phänomen der Menschheitsgeschichte handele. Sie stellten zur Debatte, ob sich dort nicht vielmehr eine Art innereuropäische Variante kolonialer Gewalt manifestiere, die offenbar nur aus dem Grund als neuartig wahrgenommen werde, weil zum ersten Mal in der Geschichte weiße Europäer Opfer derjenigen Gewalt gewesen seien, die bereits seit Jahrhunderten in den Kolonien erprobt wurde. So schrieb W. E. B. DuBois im Jahr 1947, dass die Gewalt der Nazis sich qualitativ nicht von derjenigen unterscheide, die Europa Jahrhunderte zuvor bereits gegen „colored folks in all parts of the world“ ausgeübt hatte (DuBois 1947, S. 23). Ähnlich argumentierte wenige Jahre später Aimé Césaire: Der Holocaust sei im Westen nur aus dem Grund als derart großes Verbrechen bewertet worden, weil zuvor nahezu ausschließlich Nicht-Europäer bzw. Nicht-Weiße derselben als kolonisatorisch beschriebenen Gewalt zum Opfer fielen. Prinzipiell handele es sich bei Kolonialismus und Holocaust damit um dasselbe Phänomen, nämlich um die Kolonisierung und Vernichtung von Menschen. Der Holocaust sei daher auch nicht einzigartig (vgl. Césaire 1955, S. 11–13).

Gedankengänge und Argumentationen wie die von DuBois, Césaire und Arendt gewinnen in den Folgejahren zwar vereinzelt, aber doch insgesamt nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Aufgegriffen werden sie vielmehr erst in der Neuen Linken der späten 1960er und frühen 70er Jahre, die pauschal sowohl koloniale Herrschaft als auch Nationalsozialismus gleichermaßen als Produkte der kapitalistischen Moderne und in der Konsequenz, in Anlehnung an Frantz Fanon, den NS als nach innen gekehrten Kolonialismus begreift (vgl. Später 2012; Steinbacher 2015). Die Wissenschaft schenkt der Frage nach möglichen Verbindungen zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus erst im neuen Jahrtausend größere Aufmerksamkeit – und greift die 50 Jahre zuvor formulierten antikolonialen Argumente wieder auf.

Wichtige Impulsgeber dieser Entwicklung sind eine Reihe von methodologischen Neukonfigurationen der Geistes- und Sozialwissenschaften, die heute mitunter als verschiedene kulturelle ‚turns’ beschrieben werden (bspw. ‚spatial’, ‚global’, etc.) – aber auch die Postcolonial Studies, die ebenfalls in der Tradition der genannten antikolonialen Autoren stehen, sowie die vergleichende Genozidforschung beginnen sich spätestens ab Mitte der 1990er Jahre zu institutionalisieren. Erstmals seit dem Historikerstreit der 1980er Jahre und nach Ernst Noltes Postulat eines ‚kausalen Nexus’ zwischen stalinistischem Gulag und nationalsozialistischem Vernichtungslager gibt es neue wissenschaftliche Thesen über bzw. gegen die Ursprünglichkeit und Originalität von Auschwitz. So stellt auch Matthew P. Fitzpatrick im Jahr 2008 fest, dass sich offenbar eine postkoloniale Wiederholung des Historikerstreits und der breit geführten Debatten um Singularität und Kontinuität anbahnt (Fitzpatrick 2008, S. 480).

Die dadurch aufgeworfenen Fragen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Gibt es eine Kontinuität zwischen kolonialer und nationalsozialistischer Herrschaft? Liegen die praktischen und ideologischen Wurzeln der nationalsozialistischen Judenvernichtung im Kolonialismus? Könnte man vor dem Hintergrund eines solchen Wissens noch von einer Besonderheit oder Singularität der Shoah sprechen? Die Implikationen solcher Annahmen, so man sie denn vertritt, sind nicht zuletzt gesellschaftspolitisch relevant, und das zeigt sich auch in der akademischen Diskussion: Auf der einen Seite steht der mal implizite, mal explizite Vorwurf eines rassistischen Eurozentrismus, der schlechthin alle historischen Fälle von Massengewalt im Gegensatz zum Nationalsozialismus und zum Holocaust als weniger relevant oder gar weniger ‚schlimm’ bewertet. Auf der anderen der Vorwurf, dass die Annahme einer ursprünglich kolonialen Qualität des NS die spezifische Besonderheit von Auschwitz verschleiere, relativiere und verkenne.

3 Vergleich und Beispiellosigkeit

Ansätze, die von einem engen Verhältnis (gern wird von ‚Entanglement’ im Sinne historischer ‚Verflechtung’ gesprochen) zwischen Kolonialismus und Nationalsozialismus sowie Kolonialgenozid und Holocaust ausgehen, argumentieren unterschiedlich, sind sich allerdings in mindestens drei Aspekten einig. Erstens: Die historische Wissensproduktion über Nationalsozialismus und Holocaust wird als hegemonial und eurozentrisch kritisiert, da sie koloniale Dimensionen des NS nicht in Betracht ziehe. Zweitens: Es gibt weniger eine kausale Kontinuität als vielmehr strukturell-morphologische Homologien zwischen verschiedenen Aspekten kolonialer und nationalsozialistischer Herrschaft. Drittens, und meiner Ansicht nach zentral: Der Holocaust war kein historisch und/oder qualitativ singuläres Ereignis – diese Vorstellung wird als prinzipiell problematisch und exkludierend aufgefasst und zurückgewiesen.

So schreibt beispielsweise der Historiker Dirk Moses, dass die Vorstellung einer Singularität des Holocaust notwendigerweise einen (in seinen Worten) hegemonialen Eurozentrismus verstärke:

Underlying this asymmetry is the claim that the Holocaust is ‚unique‘, ‚unprecedented‘ or ‚singular‘. Its implications for the study of indigenous genocide are as significant as they are dire: that such ‚lesser‘ or ‚incomplete‘ genocides—if indeed they are considered genocides at all—are marginal or even ‚primitive‘, thereby reinforcing hegemonic Eurocentrism; and that the moral caché of the indigenous survivors of colonialism is less than that of Jews (Moses 2002, S. 9).

In dieser Gegenüberstellung von „indigenen“ Genoziden und dem Holocaust wird bereits deutlich, mittels welcher Kategorien im Rahmen komparativ-postkolonialer Ansätze meist argumentiert wird: Auf der einen Seite steht der Holocaust, auf der anderen Seite ein nicht-westliches bzw. außereuropäisches historisches Phänomen der Kolonialgeschichte, dem nach einer vergleichenden Analyse eine gleichartige Qualität wie dem Nationalsozialismus und dem Holocaust zugeschrieben wird. Von prinzipiell und qualitativ verschiedenen Ereignissen zu sprechen, die nicht so ohne weiteres als kommensurabel eingestuft werden könnten, sei nicht zulässig – und könne nur durch einen wissenschaftlichen Doppelstandard erklärt werden. Aram Ziai schreibt von „koloniale[r] Heuchelei“, der all diejenigen sich verschrieben, die „erst in Auschwitz einen Zivilisationsbruch [sehen]“ (Ziai 2016: 16).1 Es gebe keinen wissenschaftlich ausreichend legitimierten Grund, Kolonialgenozid und Holocaust als nicht-gleichartig und qualitativ unterschiedlich zu bewerten, da sie sich hinsichtlich der „Brutalität“ der begangenen Verbrechen sowie der „Praktiken“ der Gewalt nicht unterschieden (Ziai 2016, S. 16, Fußnote 4): „[...] immerhin geht es in beiden Fällen um rassistisch begründete, gewaltsam aufrecht erhaltene und kriegerisch ausgeweitete Herrschaft über andere, die selbst vor Völkermord nicht zurückschreckt“ (Ziai 2016, S. 14).

Es ist recht offensichtlich, in welcher Hinsicht diese Debatte an den vergangenen Historikerstreit erinnert. Wo Ernst Nolte die Ursprünglichkeit von Auschwitz am stalinistischen Gulag relativierte, verorten komparativ-postkoloniale Ansätze den ursprünglichen ideologischen und praktischen „Ideengeber“ des Holocausts im Kolonialismus, da dort der „ultimative Tabubruch“ vorgefallen sei, „zu denken, und danach zu handeln, dass andere Ethnien einfach vernichtet werden können“ (Zimmerer 2011 a, S. 171). So beschreibt es Jürgen Zimmerer, möglicherweise der prominenteste und einflussreichste Proponent einer postkolonialen Beurteilung von Nationalsozialismus und Holocaust. Auch die Vernichtung der Juden durch Nazideutschland sei ohne diesen kolonialen Vorlauf nicht möglich gewesen (vgl. Zimmerer 2011 a, S. 171).

Versuche, die Judenvernichtung in einen bestimmten Bezug zu weiteren historischen Ereignissen zu setzen oder unter einer bestimmten Oberkategorie zu sammeln, der sich weitere Ereignisse subsummieren lassen, haben seit ungefähr dem Ende der 1960er Jahre Tradition. In einem umfangreichen Artikel teilt Gavriel D. Rosenfeld diese Versuche in fünf verschiedene Konzepte und Analysekategorien ein: Totalitarismus, Faschismus, Funktionalismus, Moderne und Genozid (vgl. Rosenfeld 1999, S. 30–32). Zu jedem dieser Konzepte und Kategorien sind Ansätze entwickelt worden, die den Holocaust als ein Beispiel für ihre jeweiligen Heuristiken einstuften. Aus heutiger Sicht könnte man möglicherweise die Vorstellung einer kolonialen Tradition dieser Liste hinzufügen, andererseits vereint diese Vorstellung in gewisser Hinsicht das totalitarismustheoretische, funktionalistische, modernitätstheoretische und genozidale Paradigma: Die Shoah wird funktionalistisch sowie strukturell analysiert und totalitarismustheoretisch als Beispiel für einen genuin modernen Genozid beschrieben, in dessen Tradition auch ein Kolonialgenozid fallen würde.

Wie Rosenfeld bemerkt, wird im Rahmen dieser Analysen allerdings in beeindruckender Regelmäßigkeit versäumt, zwei wesentliche Aspekte von Nationalsozialismus und Holocaust zu beschreiben: Erstens den NS-Antisemitismus, zweitens seine ‚Verwirklichung‘ im Holocaust (vgl. Rosenfeld 1999, S. 31). Keine der von Rosenfeld aufgeführten fünf Analysekategorien würde diesen beiden Spezifika gerecht – aber nur so bringe man es zustande, den Holocaust in eines der entsprechenden Paradigmen einzuordnen: Erst wenn die Spezifik des NS-Antisemitismus und der Judenvernichtung nicht als solche erkannt würden, gelinge es, sie mit anderen Ereignissen zu parallelisieren und/oder gleichzusetzen.

Wie argumentieren die bisher nur skizzenhaft umrissenen komparativ-postkolonialen Ansätze in dieser Hinsicht? Sehen sie seine Spezifik in der NS-Judenvernichtung und/oder im Antisemitismus? Aram Ziai geht in dem oben zitierten Text kein einziges Mal auf den Antisemitismus ein und spricht unterschiedslos von rassistischer Gewalt, die sowohl im Kolonialismus als auch im Nationalsozialismus verübt worden sei. Es stellt sich die Frage, ob in der Subsumtion des Antisemitismus unter die Oberkategorie des Rassismus eine Besonderheit verkannt werde. Was ist mit dieser Besonderheit gemeint? Dies ist auch eine der wesentlichen Fragen in der Debatte um eine wie auch immer geartete ‚Singularität’ des Holocausts. Mir scheint der Begriff einer qualitativen historischen Beispiellosigkeit allerdings adäquater, da mit der Singularität auch unmittelbar die Vorstellung einer Einzigartigkeit und damit Unwiederholbarkeit assoziiert wird.

Eine nach wie vor durchaus überzeugende Definition dessen, was das qualitativ Spezifische, Besondere, Beispiellose der Shoah konstituiert, liefert im Jahr 1980 Yehuda Bauer: „What makes it unique is the existence of two elements: planned total annihilation of a national or ethnic group, and the quasi-religious, apocalyptic ideology that motivated the murder“ (Bauer 1980, S. 45, zitiert nach Rosenfeld 1999, S. 53, Fußnote 33). Die quasireligiöse und apokalyptische Ideologie, die Bauer hier skizziert, kann mit Saul Friedländer als „Erlösungsantisemitismus“ (Friedländer 1998, S. 101 f.) beschrieben werden. Astrid Messerschmidt nennt diesen prägnant eine „Idee der Erlösung durch vollständige Vernichtung“ (Messerschmidt 2016, S. 100). Und dieser Erlösungsantisemitismus ist der Kern dessen, was für viele Autoren die qualitative Beispiellosigkeit des Holocausts kennzeichnet. Dan Michman beschreibt sie als „the core of the Holocaust“, die in vergleichenden Arbeiten dazu oftmals trivialisiert, normalisiert, ignoriert oder relativiert werde (vgl. Michman 2014, S. 19, 22).

Es ist eingangs bereits skizziert worden: Komparativ-postkoloniale Ansätze in der Holocaustforschung lehnen Vorstellungen einer historischen Singularität des Holocausts mehrheitlich ab und problematisieren sie als moralisch hierarchisierend und exkludierend gegenüber anderen Ereignissen. So schreibt Michael Rothberg, der mit seiner Studie Multidirectional Memories: Remembering the Holocaust in the Age of Decolonization eine Erinnerungskulturtheorie entwirft, die nicht kompetitiv sein soll (2009), dass jedwede Betonung einer Spezifik eines historischen Ereignisses, paradigmatisch illustriert am Beispiel der Holocausterinnerung, auf Kosten der Anerkennung von anderen Ereignissen und eventuellen Gemeinsamkeiten gehe (vgl. Rothberg 2009, S. 10,37). Dirk Moses hält Singularität gar für eine ahistorische Kategorie, die sich nicht für historisch-vergleichende Arbeiten eigne und eher Theologen und Philosophen vorbehalten sein sollte (vgl. Moses 2002, S. 18). Jürgen Zimmerer konstatiert, dass seitens derjenigen, die von einer Singularität des Holocaust sprechen, jeder Vergleich mit anderen Ereignissen als „blasphemisch“ verunglimpft und zurückgewiesen werde (Zimmerer 2011 b, S. 198). Ein solches Tabu existiert selbstverständlich nicht. Auch wenn es trivial erscheinen mag: Um eine Spezifik zu erkennen, muss verglichen werden. Das gibt auch ein Autor wie Yehuda Bauer zu bedenken, den Zimmerer, Moses und Rothberg in ihren Arbeiten fortwährend kritisieren. Bauer schreibt:

In order to define the Holocaust, it must be compared to other events if it is [...] a human event. It is only by comparison that we can answer the question of whether or not it is unprecedented and has features not found in similar events (Bauer 2001, S. 8. Hervorhebung im Original).

Nicht minder trivial erscheint die Feststellung, dass ein Vergleich nicht dasselbe ist wie eine Gleichsetzung. Doch dieser Hinweis erscheint in diesem Zusammenhang angebracht und relevant. Den Holocaust mit anderen Ereignissen zu vergleichen, ist zulässig; unzulässig allerdings, ihn mit anderen Ereignissen aufgrund der historischen qualitativen Beispiellosigkeit des Ereignisses gleichzusetzen. Nun können Vergleiche adäquat oder inadäquat sein. Monika Schwarz-Friesel und Evyatar Friesel weisen in einem Aufsatz über falsche Analogien zwischen Antisemitismus und dem, was oftmals ‚Islamophobie’ genannt wird, darauf hin, dass ein Vergleich nur dann triftig und überzeugend sei, wenn ihm ein gemeinsames tertium comparationis zugrunde liegt (Schwarz-Friesel/Friesel 2012). Andernfalls könne ein Vergleich auch erkenntnisschädigend sein bzw. mindestens eine der Vergleichsgrößen „derealisieren“ (Schwarz-Friesel/Friesel 2012, S. 45).

4 Grenzen des Vergleichs

Zimmerer und Moses argumentieren übereinstimmend, dass das tertium comparationis zwischen Kolonialmassaker und Holocaust die Kategorie des Genozids sei. Dabei gehen sie zwar argumentativ unterschiedlich vor, kommen aber zu demselben Ergebnis, dass beide gleichermaßen als Beispiele für Genozide gälten. „Genozide in den Kolonien“, so Zimmerer, „stellen keine grundsätzlich von den nationalsozialistischen Genoziden verschiedene Kategorie dar, sondern vielmehr frühere, weniger organisierte, bürokratisierte und zentralisierte Formen“ (Zimmerer 2011 a, S. 170 f.) – und dieser unterschiedliche Bürokratisierungsgrad ist der einzige tatsächliche Unterschied, den er erkennt (vgl. Zimmerer 2011 a, S. 171). Ansonsten sind Zimmerers Arbeiten (hauptsächlich die in seinem 2011 erschienenen Sammelband Von Windhuk nach Auschwitz? kompilierten Texte) damit befasst, verschiedene strukturelle und ideologische Ähnlichkeiten zwischen Rasse- und Raumkonzepten in Nationalsozialismus und Kolonialismus herauszuarbeiten. Er fordert, dass die NS-Forschung sich diesen Ähnlichkeiten und Kontinuitäten stellen müsse. Er begreift den NS wesentlich als koloniales Regime, die Eroberung des Ostraumes als größten kolonialen Eroberungskrieg der bisherigen Geschichte und die NS-Vernichtungspolitik als Fortführung bereits aus dem Kolonialismus bekannter Rassenpolitiken und -konzepte (vgl. Zimmerer 2011 a, S. 147). Beide unterschieden sich nur in Aspekten von Ausprägung und Größe, nicht aber qualitativ.

Wie auch Ziai unterscheidet Zimmerer dabei nicht grundsätzlich zwischen Rassismus und Antisemitismus. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass Zimmerer die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms, die Ermordung Kriegsgefangener und das Judentum als „Opfer der gleichen menschenverachtenden Ideologie“ begreift (Zimmerer 2011 a, S. 147) – nämlich der einer rassistisch-genozidalen Gewalt.

Im Vorwort zu besagtem Sammelband geht Zimmerer etwas ausführlicher auf das Verhältnis zwischen kolonialem Rassismus und NS-Antisemitismus ein. Für ihn ist der Antisemitismus im Prinzip ein Rassismus mit anderen Vorzeichen: Seien in der situation coloniale die rassistisch Anderen als unterlegen markiert, würden sie im Antisemitismus als überlegen gefürchtet (vgl. Zimmerer 2011 c, S. 27). Im Grunde liegt Zimmerer mit dieser Unterscheidung zunächst auch nicht völlig falsch. Nur wird in einem nächsten Schritt der Holocaust daher für Zimmerer aus Sicht der Nationalsozialisten zum antikolonialen Befreiungskampf, in dem die Deutschen sich vom Judentum ‚kolonisiert’ sahen und daher befreien mussten (Zimmerer 2011 c, S. 28). Ähnlich argumentiert auch Dirk Moses, der den Holocaust als, aus Sicht der Nazis, „subaltern genocide“ bezeichnet. Mit Rekurs auf das aus der postkolonialen Theorie bekannte Konzept der Subalternität behauptet Moses, dass die Nazis sich selbst als Subalterne verstanden, die sich gegen den kolonialimperialen Unterdrücker des Judentums wehrhaft erheben mussten (Moses 2008, S. 31). Zusammengefasst: Waren die Deutschen z. B. in Deutsch-Südwestafrika die kolonialen Unterdrücker, so wähnten sie sich im Nationalsozialismus als kolonial Unterdrückte: „The Nazis regarded Germans as an indigenous people who had been colonized by Jews“ (Moses 2008, S. 37).

Damit wird die Funktionsweise des (kolonialen) Rassismus auf den modernen Antisemitismus übertragen. Wo der Rassismus von einer Binäropposition ausgeht, etwa ‚self’ und ‚other’, ‚innen’ und ‚außen’ oder ‚Mehrheit und ‚Minderheit, lässt sich der Antisemitismus mittels dieser Kategorien nur unzureichend erfassen. Das stellt Klaus Holz in der ‚Figur des Dritten’ dar, der zufolge ein jüdischer Mensch aus Sicht des Antisemiten „weder das eine noch das andere, weder Inländer noch Ausländer“ sei (Holz 2001, S. 270) und damit die „Negation der Unterscheidung“ (Salzborn 2010, S. 337) repräsentiere. Das Judentum stellt im Antisemitismus nicht pauschal ein (koloniales) ‚Anderes’ dar, sondern vielmehr kann es nach diesem Ansatz mittels einer dichotom-bipolaren Differenzlogik von ‚wir‘ und ‚die Anderen‘ überhaupt nicht erfasst werden. Bereits Adorno und Horkheimer weisen darauf im Kapitel ‚Elemente des Antisemitismus’ in der Dialektik der Aufklärung hin: „Für die Faschisten sind die Juden nicht eine Minorität, sondern die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches; von ihrer Ausrottung soll das Glück der Welt abhängen“ (Adorno/Horkheimer 1944, S. 177). Diese Beschreibung lässt sich weder mit dem Bild einer Kolonialmacht noch mit einer kolonisierten Gruppe vereinbaren. Auch Roberta Pergher und Mark Roseman heben diesen Aspekt ausdrücklich hervor:

Dirk Moses has attempted to deploy the imperial frame- work in reverse by characterizing German antisemitism as a subaltern rebellion against the „imperial Jew“. Many Germans certainly saw themselves as beleaguered victims, and Jews as somehow linked both to Germany’s oppression, and to its inner weakness. But the Jewish threat was seen as global, insidious, and exercised through disguise and conspiracy, and thus completely unlike the overt, regimented imposition of power experienced by the subalterns of actual empires (Pergher/Roseman 2013, S. 44).

Es ist eben genau diese verschwörungstheoretische Dimension des Antisemitismus, in der das Judentum als unsichtbarer und abstrakter Feind imaginiert wird, die Zimmerer und Moses entgeht. Dies ist allerdings elementar zur Klärung der Fragestellung, in welchem Verhältnis Holocaust und Kolonialgenozid zueinanderstehen. Das legt auch Moishe Postone in seinem Text „The Holocaust and the Trajectory of the Twentieth Century“ über die Frage nach der Verortung des Holocausts im 20. Jahrhundert dar. Postone ist überzeugt, dass der Holocaust auch in Relation zu anderen historischen Ereignissen untersucht werden sollte. Allerdings gibt er auch zu bedenken, dass in den bisher angestellten Versuchen dieser Art die Spezifik des Antisemitismus nicht ausreichend gewürdigt werde (Postone 2003, S. 85). Zentral ist in seinen Überlegungen die Erkenntnis, dass die im modernen Antisemitismus einer projizierten jüdischen ‚Macht‘ zugeschriebenen Eigenschaften wie Abstraktheit, Unsichtbarkeit und Universalismus charakteristisch für die gesellschaftlichen Vermittlungsformen der Wertdimension des Kapitals seien (Postone 2003, S. 91). Im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, die massive soziale Veränderungen mit sich brachte, wurde die der abstrakten Dimension konträr gegenüberstehende konkrete Gebrauchswertdimension des Kapitals als ‚natürlicher’ und ‚besser’ wahrgenommen, woraus sich ein spezifisch antijüdischer Antikapitalismus entwickelt habe: „The overcoming of capitalism and its negative social effects became associated with the ‚overcoming‘ of the Jews.” (Postone 2003, S. 93). Die nationalsozialistischen Vernichtungslager versteht Postone in der Konsequenz als die entscheidenden Stätten einer „German Revolution“, nicht bereits die Machtübernahme 1933: „By this one deed the world was to be made safe from the tyranny of the abstract“ (Postone 2003, S. 95).

Die Juden sollten nicht beherrscht oder kolonisiert werden, man wollte sich auch nicht aus einer vermeintlichen kolonialen Situation von ihnen befreien, sondern sie sollten im Zuge einer völkischen Revolte vollständig vernichtet werden. Die koloniale Analogie geht in beiden Fällen fehl. So auch die Behauptung, der NS-Antisemitismus sei wesentlich vom kolonialen Rassismus beeinflusst, wie Dan Stone überzeugend darlegt. Denn der eher anthropologisch fundierte, von ihm als „race science“ beschriebene Rassismus, der sich in den Kolonien manifestierte, sei auf eine grundsätzlich andere Tradition zurückzuführen als der moderne Antisemitismus, den er demgegenüber als „racial mysticism“ fasst:

The distinction between race science and racial mysticism is important, for it goes to the heart of whether historians see the Holocaust as emerging primarily from rational processes of technique and means-ends-thinking or from paranoid political conspiracy theories that owe very little to science and instrumental rationality (Stone 2010, S. 166).2

Beide Traditionen fänden sich auch im Nationalsozialismus, allerdings könne nicht behauptet werden, dass es eine Kontinuität von Rassevorstellungen im Kolonialismus zum Vernichtungsantisemitismus im Holocaust gebe. Das Judentum wurde das „Prinzip des Bösen“, es stand für „sowohl eine übermenschliche Kraft, welche die Völker der Welt ins Verderben trieb, als auch eine untermenschliche Ursache von Ansteckung, Zerfall und Tod“ (Friedländer 1998, S. 115). Daher sollte es nicht beherrscht, sondern vernichtet werden. Die historische Tatsache, dass auch koloniale Gewalt potentiell ganze Gruppen vernichten kann, ist richtig, allerdings kein treffendes Gegenargument. Dies verdeutlicht Dan Diner in der Beschreibung kolonialer Gewalt, die zwar in kriegerischen Auseinandersetzungen potentiell unterschiedslos mörderisch sei, aber nicht ursprünglich auf Vernichtung abziele (vgl. Diner 2007, S. 80 f.). Den Holocaust beschreibt Diner im Gegensatz zur kolonialen Gewalt als „bloße Vernichtung, jenseits von Krieg, Konflikt und Gegnerschaft“: „Weder gilt es durch Gewalt einen Willen zu brechen noch etwas zu erzwingen. Der Vernichtungstod ist ein im Kern grundloser Tod“ (Diner 2007, S. 81).

5 Schluss

In seinem früheren Text „Zwischen Aporie und Apologie“ bezeichnet Diner diese bloße grundlose Vernichtung nicht als irrational, sondern als das „Gegenrationale[...] der Nazis“ (Diner 1988, S. 72, Hervorhebung im Original). Das Adjektiv ‚gegenrational‘ beschreibt laut Diner die Erfahrungswelt der Shoah aus der Opferperspektive treffender. Das Unvorstellbare sei Realität geworden, aber es konnte nicht begriffen und das Handeln nicht danach ausgerichtet werden:

Die Überlebensabsicht der Opfer wurde zum willfährigen Instrument der Nazis; jede Handlung, und war sie aller menschlichen und gesellschaftlichen Erfahrung nach noch so rational und erfolgversprechend aufs Überleben gerichtet, führte notwendig in die Vernichtung. So war der Erfolg des Überlebens fast ausschließlich dem Zufall geschuldet und keiner wie auch immer gearteten Rationalität. Dies ist der eigentliche zivilisationszerstörende Kern von ‚Auschwitz‘ (Diner 1988, S. 72).

Dies ist auch der eigentliche Kern dessen, was Diner als Zivilisationsbruch beschreibt – eine Dimension, die Ziai, Zimmerer und Moses entgeht. Was Zimmerer als „ultimativen Tabubruch“ beschreibt, der nicht erst im NS, sondern bereits im Kolonialismus erfolgt sei, rekurriert auf die im Kolonialgenozid vorgefundene rassistische Gewaltpraxis, aber nicht auf die Aspekte des auf Vernichtung abzielenden Erlösungsantisemitismus und des Zivilisationsbruchs. Auch Ziais These, dass ein Zivilisationsbruch nicht erst in Auschwitz, sondern bereits in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika stattgefunden habe, ist Diner zufolge nicht schlüssig. Es überzeugt daher auch nicht, die Vorstellung einer qualitativen historischen Beispiellosigkeit des Holocausts pauschal als eurozentrisch, kolonialrassistisch und hegemonial zurückzuweisen.

Der Holocaust geht, wie Dan Michman darlegt, über das typische Muster eines Genozids hinaus:

Eine gründliche Untersuchung des nationalsozialistischen Unternehmens zeigt, dass es im Kern dessen, was wir als Holocaust bezeichnen sollten, um den Versuch ging, den sogenannten „jüdischen Geist“ aus dem Universum auszulöschen [...] Er war der Versuch, den „destruktiven jüdischen Geist“ ganz auszutreiben und der Genozid – Mord an den Trägern dieses Geistes – war ein Teil davon; die Vernichtung von den Spuren dieses Geistes, wo immer sie entdeckt werden konnten, war das ultimative Ziel (Michman 2017).

Auf dieser Spezifik zu bestehen, ist entscheidend. Die Verstrickung von Gegenwart und Vergangenheit mit dem Kolonialismus sichtbar zu machen, ist wichtig und richtig, sollte jedoch das Besondere von Antisemitismus und Shoah nicht unsichtbar machen. Dan Diner formuliert diesbezüglich die These einer „totalitarismustheoretisch geleiteten Wahlverwandtschaft“, in der historische Ereignisse gewissermaßen austauschbar würden (Diner 1995, S. 59). Sie führe dazu, dass man den Holocaust in seiner Geschichtlichkeit „entblöße“: „das zum bloßen Exempel verallgemeinerte Ereignis Auschwitz [wird] zu einem Genozid unter anderen mutieren“ (Diner 2007, S. 18). So waren Jean Amérys bereits in den 1970er Jahren geäußerten Bedenken aus heutiger Sicht hinsichtlich der komparativ-postkolonialen Bezugnahmen auf Kolonialismus und Nationalsozialismus geradezu prophetisch: „Alles wird untergehen in einem summarischen ‚Jahrhundert der Barbarei‘“ (Améry 1977, S. 127). Dem entgegenzuwirken sollte die Aufgabe einer kritischen Wissenschaft sein, die die Spezifik des Antisemitismus ernst nimmt.

Literatur

  • Adorno, Theodor W./Horkheimer, Max (1944): Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag. Google Scholar

  • Améry, Jean (1977): Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten. Stuttgart: Klett-Cotta. Google Scholar

  • Arendt, Hannah (1951): The Origins of Totalitarianism. New York: Harcourt Brace.Google Scholar

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  • Césaire, Aimé (1955): Über den Kolonialismus. Berlin: Wagenbach. Google Scholar

  • Davis, Christian S. (2012): Colonialism, Antisemitism, and Germans of Jewish Descent in Imperial Germany. Ann Arbor: Michigan UP. Google Scholar

  • Diner, Dan (1988): „Zwischen Aporie und Apologie. Über Grenzen der Historisierbarkeit des Nationalsozialismus“. In: Dan Diner (Hrsg.): Ist der Nationalsozialismus Geschichte? Zu Historisierung und Historikerstreit. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 62–73. Google Scholar

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Footnotes

  • 1

    Es ist zu bezweifeln, dass Ziai an dieser Stelle Dan Diners Begriff des Zivilisationsbruches (vgl. Diner 1988) adäquat verwendet. Da Ziai im unmittelbaren Kontext des hier verwendeten Zitats eher auf Kategorien und Begriffe wie Gewalt und Brutalität rekurriert, scheint ihm die spezifische Konnotation des von Diner so beschriebenen Zivilisationsbruches zu entgleiten, die sich eben nicht einfach als ‚beispiellos gewalttätig und brutal’ übersetzen lässt (hierauf werde ich im Aufsatz noch eingehen). 

  • 2

    Für eine ausführliche Darstellung vgl. auch Mosse 1964. 

About the article

Published Online: 2018-04-03

Published in Print: 2018-04-01


Citation Information: Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie, Volume 5, Issue 1, Pages 103–116, ISSN (Online) 2194-5640, ISSN (Print) 2194-5632, DOI: https://doi.org/10.1515/zksp-2018-0007.

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