Jump to ContentJump to Main Navigation
Show Summary Details
More options …

European Science Foundation ranking A

Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft

Ed. by Konradt, Matthias

Together with Backhaus, Knut / Herzer, Jens / Lichtenberger, Hermann / Lieu, Judith / Rowe, C. Kavin

In cooperation with Lampe, Peter / Dunn, James D. G. / Hays, Richard B. / Kaestli, Jean-Daniel

2 Issues per year


Cite Score 2016: 0.12

SCImago Journal Rank (SJR) 2016: 0.101
Source Normalized Impact per Paper (SNIP) 2016: 0.377

Online
ISSN
1613-009X
See all formats and pricing
More options …
Volume 107, Issue 1 (Feb 2016)

Issues

Überlegungen zur Grammatik von Joh 8,25 im Lichte der handschriftlichen Überlieferung

Hans Förster
  • Corresponding author
  • Institut für Neutestamentliche Wissenschaft, Evangelisch-Theologische Fakultät, Universität Wien, Schenkenstraße 8–10/5/5, 1010 Wien
  • Email
  • Other articles by this author:
  • De Gruyter OnlineGoogle Scholar
Published Online: 2016-02-08 | DOI: https://doi.org/10.1515/znw-2016-0001

Abstract:

Parts of John 8,25 – the words of Jesus – present serious problems for interpretation. They seem to be an incomplete sentence. Therefore, their meaning is elusive and it is uncertain how to translate them. These problems can be solved if close attention is paid to the evidence of Biblical manusc ripts for this very passage. If these manuscripts are used for constructing the text, there is no incomplete sentence at all. John 8,25 becomes a crucial part of the discussion between Jesus and his Jewish opponents in chapter 8 of the Gospel of John.

Einleitung

Die Passage Joh 8,25–26 gilt als „eine alte crux interpretum.“1 Im Folgenden soll gezeigt werden, dass aufbauend auf bisher nicht berücksichtigte handschriftliche Zeugen eine neue, grammatikalisch korrekte Deutung möglich ist. Neben dem Rückgriff auf die handschriftliche Überlieferung muss ferner die Frage aufgeworfen werden, ob an dieser Stelle zusätzlich Besonderheiten der johanneischen Sprache zum Tragen kommen, die eine neue Deutung der Stelle ermöglichen. Vor einer neuen Deutung muss jedoch zuerst die Problematik der Stelle erläutert werden. Wie dann anhand der handschriftlichen Überlieferung zu zeigen ist, können durch eine Änderung der Interpunktion nicht nur die grammatikalischen Probleme gelöst werden. Vielmehr wird aus einer problematischen Passage, deren Inhalt sich vielen Exegeten nicht wirklich erschlossen hat, eine zentrale Stelle des 8. Kapitels des Johannesevangeliums. Dass die neue Deutung auch weniger antijudaistisch ist als das traditionelle Verständnis von Joh 8,25–26, stellt einen zusätzlichen Gewinn dar.

1 Das Problem von Joh 8,25

Wie bereits in der Einleitung bemerkt, ist die Grammatik von Joh 8,25b nach herrschender Meinung verderbt. Um diese Frage zu diskutieren, muss zunächst der Text von Joh 8,25–26 präsentiert werden, wie er in Novum Testamentum Graece (28. Auflage) geboten wird, um anhand des Textes die Verderbnis aufweisen zu können:

25 Ἔλεγον οὖν αὐτῷ· σὺ τίς εἶ; εἶπεν αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς· τὴν ἀρχὴν ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν; 26 πολλὰ ἔχω περὶ ὑμῶν λαλεῖν καὶ κρίνειν, ἀλλ᾿ ὁ πέμψας με ἀληθής ἐστιν, κἀγὼ ἃ ἤκουσα παρ᾿ αὐτοῦ ταῦτα λαλῶ εἰς τὸν κόσμον.

Hinsichtlich der wörtlichen Rede Jesu in Joh 8,25b bemerkt Roger L. Omanson: „The words of Jesus, Τὴν ἀρχὴν ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν, are an incomplete sentence. They have been called ‚the most obscure sentence in the Gospel and the most uncertain how to translate‘.“2 Das erklärte Ziel des vorliegenden Beitrags ist zu zeigen, dass dieser „Satz, dessen Übersetzung am unsichersten von allen Sätzen im Johannesevangelium ist“, durchaus grammatikalisch korrekt ist. Ein Teil der textlichen Probleme ist wohl erst durch eine eher einseitige Berücksichtigung der Kirchenväter entstanden, die dann scheinbar von der handschriftlichen Überlieferung dieser Stelle – oder besser gesagt, von einer problematischen Rezeption der handschriftlichen Tradition – bestätigt wurde.

Nach Omanson handelt es sich bei der wörtlichen Rede in der vorliegenden Stelle um einen unvollständigen Satz, der aus einem Artikel und einem zugehörigen Substantiv im Akkusativ besteht, dem hypotaktisch ein mit ὅ τι / ὅτι eingeleiteter Satz zugeordnet ist. Offensichtlich ist: Das mit einem Artikel versehene Substantiv steht alleine und hängt von keinem anderen Wort ab. Auch wenn τὴν ἀρχήν als Adverbial verstanden werden kann und damit nicht als Objekt von einem Verb abhängig sein muss, so fehlt doch ein Verb, um einen vollständigen bzw. überhaupt erst verständlichen Satz zu erhalten. Dass an dieser Stelle emendiert werden „muss“, ist auch tatsächlich in der handschriftlichen Überlieferung zumindest in einer – möglicherweise in ihrem Alter überschätzten – Handschrift belegt.3 Gemeinhin wird P66 in der theologischen Literatur seit Aland/Aland auf die Wende vom zweiten zum dritten Jahrhundert datiert.4 Dass gerade frühe Handschriften eine besondere Wirkung entfalten bzw. verstärkend auf bestehende Deutungstendenzen einwirken, ist nur zu gut zu verstehen. Immerhin suggeriert das hohe Alter einer Handschrift deren große Nähe zum Ursprung. Aus Sicht des Papyrologen ist es allerdings etwas überraschend, mit welcher Sicherheit präzise Datierungen vertreten werden;5 auch hat die neuere Diskussion, die vor allem durch das Werk von Roger Bagnall angestoßen wurde,6 bisher leider viel zu wenig Rezeption in der neutestamentlichen Forschung gefunden. Aus methodischen Gründen schlägt Bagnall vor, bei der Datierung der Papyri konservativer zu sein. Brent Nongbri argumentiert mit guten paläographischen Gründen für eine Spätdatierung von P66 in die Zeit um die Mitte des 4. Jahrhunderts, in eine Zeit also, aus der weit mehr neutestamentliche Handschriften erhalten sind als aus der Zeit um die Wende zum dritten Jahrhundert.7

Auf P66 ist zu sehen, dass korrigierend in die Handschrift eingegriffen wurde, um den Text zu verbessern. Es werden Wörter ergänzt, um einen vollständigen Satz zu bilden:8 Auf P66 findet sich am linken Rand eine Korrektur,9 welche den Text von Joh 8,25 wie folgt verändert: εἶπεν αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς· εἶπον ὑμῖν τὴν ἀρχὴν ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν; Die Veränderung ist ohne Schwierigkeiten auf dem Papyrus zu erkennen, am linken Rand ist der Text mit etwas kleineren Buchstaben nachgetragen10 und mit einer Markierung im Text wird die Stelle gekennzeichnet, an welcher der ergänzte Text einzufügen ist.

Papyrus P66 (Fol. 54; Ausschnitt)VMR des INTF (http://ntvmr.uni-muenster.de/manuscript-workspace); Zugriff 22. 01. 2015.

Papyrus P66 (Fol. 54; Ausschnitt)*11

Transkript des INTF (Institut für Neutestamentliche Textforschung, Münster)

Transkript des INTF (Institut für Neutestamentliche Textforschung, Münster)

Dieses Vorgehen hat offensichtlich bestätigend auf die seit langem existierenden Versuche gewirkt, diese Passage zu verstehen,11 schließlich wurden schon in der Frühzeit des Christentums Änderungen an dem Text vorgenommen, um ihn (besser?) verständlich zu machen. Wobei als Bestätigung nicht so sehr ein Festhalten an der Ergänzung in P66 zu sehen ist,12 sondern vielmehr die grundsätzliche Bereitschaft, an der vorliegenden Stelle Text zu ergänzen.

Zahlreiche Übersetzungen dieser Stelle ergänzen τὴν ἀρχήν zu einem vollständigen Satz. Ferner wird unter Verweis auf die handschriftliche Überlieferung festgehalten, dass der Text selbst unterschiedlich gedeutet werden kann.13 Schließlich sind Satzzeichen und Wortabstände in vielen der älteren Handschriften unüblich. So kann die wörtliche Rede Jesu als Frage, als Ausruf oder als Bestätigung gedeutet werden. Auch ist es möglich, entweder die Konjunktion ὅτι oder die Relativkonstruktion ὅ τι zu lesen. Ferner kann das Substantiv im Akkusativ, mit dem die wörtliche Rede beginnt, adverbiell in einem temporalen oder einem hierarchischen Sinn gedeutet werden.14 Die verschiedenen Übersetzungsmöglichkeiten werden von Omanson aufgelistet:15 Erstens sei eine Übersetzung als Frage möglich: „Warum spreche ich überhaupt mit euch?“ Zweitens könne man die wörtliche Rede Jesu als Ausruf deuten: „Dass ich überhaupt mit euch spreche!“ Und drittens sei noch eine Übersetzung als Bestätigung möglich: „[Ich bin] vom Anfang an, was ich euch auch gesagt habe.“ Problematisch ist, dass die Übersetzung als Bestätigung das Tempus des Verbs missachtet.16 Schwierigkeiten bereitet dabei, dass die wörtliche Rede oft auch als vorwurfsvolle Aussage gedeutet wird.17 Allerdings wird dieser Vorwurf auch als problematisch und nicht dem Wesen der sonstigen Dialoge Jesu entsprechend angesehen.18

2 Die Deutungen der Passage in der Kommentarliteratur

Rudolf Bultmann stellt die gesamte Unsicherheit hinsichtlich Übersetzung und Auslegung von Joh 8,25b treffend dar. Er weist zuerst auf die wörtliche Bedeutung von τὴν ἀρχήν hin, das als Adverbial „mit oder ohne Artikel […] ‚zuerst‘“ heiße und „im Sinn von ἐν ἀρχῇ das zeitliche Zuerst meinen“ könne.19 Er weist ferner auf die Schwierigkeit hin, dass eine hypothetische Ergänzung von ἐγώ εἰμι am Tempus des Verbs scheitert, und lehnt auch die Übersetzung „Ich war schon am Anfang, was ich auch jetzt euch sage“ ab, da die Ergänzung mit ἤμην nicht zu rechtfertigen sei. Als Mehrheitsmeinung bietet er eine Übersetzung, die τὴν ἀρχήν wie ὅλως versteht und mit „überhaupt“ überträgt, sodass ein negativer Sinn entsteht, der in der Folge zu literarkritischen Änderungsvorschlägen führt: „Man könnte höchstens übersetzen: ‚Wozu rede ich überhaupt noch mit euch!‘, und könnte diesen Satz in der Tat als Einleitung zu V. 28 auffassen, sodaß der Gedankengang zu verstehen wäre: ‚Wer bist Du?‘ ‚Es hat keinen Sinn, mit euch darüber zu reden. Aber wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, dann werdet ihr erkennen …‘. So verstanden, würde V. 25b die Ausscheidung von V. 26 f bestätigen. Aber: non liquet.“20 Christian Dietzfelbinger bietet zwei Übertragungsmöglichkeiten: „Jesus sprach zu ihnen: (Ich bin) das, was ich von Anfang an zu euch sage (oder: was rede ich überhaupt noch mit euch?21).“22 Im Kommentar plädiert er für die erstere Übersetzung.23 Joachim Gnilka hingegen entscheidet sich ebenso wie Andrew T. Lincoln24 für die antijudaistische25 Übersetzung („Warum rede ich überhaupt noch mit euch?“) und geht in seinem Kommentar nur ganz kurz auf diese Stelle ein, es sei „ein schwieriger Passus, der gerahmt ist von der Abweisung und dem Unverständnis der Juden“.26 Klaus Wengst entscheidet sich wie Gnilka und begründet dies mit dem völlig festgefahrenen Dialog, dessen Positionen unverrückbar und konträr seien.27 Dieser Entscheidung folgt auch Udo Schnelle.28 Es scheint, als ob das Gespräch durch die schroffe Antwort Jesu abgebrochen wird.29 Auch die Übersetzung, die von Chrys C. Caragounis vorgeschlagen wird, stellt einen (wenn auch nicht ganz so schroffen) Abbruch des Gesprächs dar: „[I am] From the beginning! – precisely what I have been saying (speaking) to you.“30 Gegen diese Deutung ist einzuwenden, dass sie – ähnlich wie P66 – intensiv in den Text eingreift. Insgesamt scheint die Tendenz des Diskurses eher dahin zu gehen, in der Verwendung von τὴν ἀρχήν die Hervorhebung der Antwort Jesu im Sinne des lateinischen omnino zu sehen.31 Hartwig Thyen folgt Barretts Interpretation und sieht die Antwort Jesu als Rückbezug auf das Ich-Bin-Wort in Joh 8,24.32 Ebenso wird von Rudolf Schnackenburg Joh 8,26 noch einmal als Verstärkung des gescheiterten Dialogs gedeutet, die Fortsetzung von Joh 8,25 bestätige, dass das Gespräch abgebrochen ist.33 Trotz der immer wieder vorgetragenen Warnung, dass das Verbum im Präsens steht, erfreut sich eine Übertragung in ein Vergangenheitstempus weiterhin einer gewissen Zustimmung.34 Manchmal genügt es auch, Joh 8,25 als „hard to explain“ zu bezeichnen.35 Deswegen muss die Frage aufgeworfen werden, warum in Joh 8,30 kommentiert wird, dass „viele an ihn glaubten, als er dieses sprach,“36 wenn tatsächlich der Diskurs bereits in Joh 8,25 f gescheitert wäre.

3 Versuch, Joh 8,25 als korrektes Griechisch zu deuten

Während die herrschende Meinung davon ausgeht, dass es sich bei Jesu wörtlicher Rede in Joh 8,25 um ein verderbtes Griechisch handelt, soll im Folgenden nachgewiesen werden, dass zumindest ein Teil der handschriftlichen Überlieferung diese Passage als korrektes Griechisch deutet. Dafür ist zuerst der Befund wichtiger Handschriften zu erheben, sodann ist auf die Akzentverschiebungen in der vorgeschlagenen Neuübersetzung einzugehen, die teilweise einer detaillierten philologischen Begründung bedürfen, um dann die Konsequenzen für die Exegese der vorliegenden Passage kurz zu skizzieren.

3.1 Die handschriftliche Überlieferung von Joh 8,25

Wenn nun einige Beispiele aus der handschriftlichen Überlieferung dieser Passage näher betrachtet werden, so ist insbesondere die Interpunktion im Umfeld von τὴν ἀρχήν zu untersuchen. In P75 finden sich grundsätzlich Hochpunkte, jedoch kein Hochpunkt vor τὴν ἀρχήν. Dies ist auf dem Ausschnitt aus dem Papyrus (Fol. 55r) gut zu sehen.37 Der Schreiber dieses Papyrus lässt also offen, wohin τὴν ἀρχήν genau gehört.

Papyrus P75 (Fol. 55r; Ausschnitt)Im VMR des INTF ist das Negativ des Mikrofilms als Digitalisat verfügbar.

Papyrus P75 (Fol. 55r; Ausschnitt)*39

Transkript der Zeilen nach der Homepage des INTFInteressant ist, dass der Punkt, der aus ὅτι möglicherweise ὅ τι macht, nicht transkribiert ist; vgl. hierzu von Wahlde, John (s. Anm. 35), 382: „All the earliest (uncial) manuscripts were written without space between the letters and are so ambiguous. However, P75 separates the two by a dot to make the reading clear.“

Transkript der Zeilen nach der Homepage des INTF*40

Anders dagegen der Schreiber des Codex Sinaiticus. Dort findet sich ein Hochpunkt vor τὴν ἀρχήν. Dieser wurde übrigens im Transkript des INTF ausgelassen. Eine Transkription des Hochpunkts vor τὴν ἀρχήν findet sich jedoch z. B. im Transkript des Codex Sinaiticus Projekts. Mit dem Hochpunkt vor τὴν ἀρχήν wird dieses durch den Schreiber der wörtlichen Rede Jesu zugeordnet.

Codex Sinaiticus (Fol. 252; Ausschnitt)http://www.codexsinaiticus.org; Zugriff 22. 01. 2015.

Codex Sinaiticus (Fol. 252; Ausschnitt)*41

Transkript des INTF (εν in der dritten Zeile des Transkripts ist als Korrektur markiert)

Transkript des INTF (εν in der dritten Zeile des Transkripts ist als Korrektur markiert)

Codex Vaticanus bietet keine Interpunktion an der fraglichen Stelle, sodass keine Abteilung innerhalb von Joh 8,25b durch diese Handschrift vorgegeben wird. Ein Spatium trennt jedoch Joh 8,25a von Joh 8,25b (vgl. Zeile 2 des abgebildeten Ausschnitts. Das Spatium ist bei der Transkription nicht berücksichtigt). Grundsätzlich werden also sehr wohl gewisse Sinneinschnitte auch in dieser Handschrift markiert.

Codex Vaticanus (Fol. 1362 sp. 1; Ausschnitt)http://digi.vatlib.it/view/MSS_Vat.gr.1209/; Zugriff 23. 05. 2015.

Codex Vaticanus (Fol. 1362 sp. 1; Ausschnitt)*42

Transkript des INTFINTF; Zugriff 22. 01. 2015; die Korrektur betrifft die Schreibung von οτι.

Transkript des INTF*43

Als nächstes ist für die vorliegende Fragestellung der wohl interessanteste Beleg vorzustellen. Dieser stammt aus dem Codex Bezae Cantabrigiensis (D 05). Der Zeilenumbruch findet sich dort nach τὴν ἀρχήν.

Grundsätzlich ist bekannt, dass die Zeilenumbrüche in Bezae Cantabrigiensis Sinneinheiten markieren,38 die als Sinnzeilen „zur besseren Verlesung im

Codex Bezae Cantabrigiensis (Fol. 135v; Ausschnitt)http://cudl.lib.cam.ac.uk/view/MS-NN-00002–00041/240; Zugriff 23. 05. 2015.

Codex Bezae Cantabrigiensis (Fol. 135v; Ausschnitt)*45

Transkript von Codex Bezae CantabrigiensisINTF; Zugriff 22. 01. 2015.

Transkript von Codex Bezae Cantabrigiensis*46

Gottesdienst“39 geschrieben sind. Daraus darf gefolgert werden, dass der Zeilenumbruch in Joh 8,25 von Bedeutung ist. Der Vorleser (ἀναγνώστης) wird also durch diese Gestaltung des Textes dazu angehalten, eine konkrete Einteilung des Textes phonetisch umzusetzen. Der Schreiber von Codex Bezae Cantabrigiensis rechnet also τὴν ἀρχήν zu dem vorangehenden narrativen Teil vor der wörtlichen Rede. Dies verändert jedoch die Syntax grundlegend!

Das Gleiche lässt sich auch in Codex Basiliensis (E 07) beobachten. Der Hochpunkt nach ὑμῶν markiert in diesem Codex das Ende der wörtlichen Rede in Joh 8,24. Mit ἔλεγον οὖν αὐτῷ beginnt 8,25. Deutlich sichtbar ist das Komma nach αὐτῷ, mit dem die wörtliche Rede der jüdischen Gegner Jesu eingeleitet wird. Nach ihrem Ende findet sich wiederum ein Hochpunkt. Die wörtliche Rede Jesu, die nach dieser Handschrift mit ὅτι beginnt, wird wieder mit einem Komma eingeleitet, die beiden Sätze der wörtlichen Rede Jesu sind durch einen Hochpunkt getrennt. Diese kurze Analyse40 reicht aus, um zu zeigen, dass auch die Interpunktion in Codex Basiliensis bewusst eingesetzt wird, um Sinneinheiten zu strukturieren. Auch nach dieser Handschrift gehört τὴν ἀρχήν als Adverbial noch zum narrativen Teil des Textes vor der wörtlichen Rede Jesu.

Codex Basiliensis mit Text von Joh 8,25 (Ausschnitt)Im VMR des INTF ist keine Angabe, um welchen Folio es sich handelt. Auch wird dort kein Transkript geboten. Nach dem Transkript des IGNTP handelt es sich um fol. 277v.

Codex Basiliensis mit Text von Joh 8,25 (Ausschnitt)*49

Transkript des International Greek New Testament Project (IGNTP)www.iohannes.com; Zugriff 22. 01. 2015.

Transkript des International Greek New Testament Project (IGNTP)*50

Die Interpunktion des auf Codex Basiliensis überlieferten Textes kann also ebenso wie die graphische Anordnung des Textes auf Codex Bezae Cantabrigiensis als eine eindeutige Zuordnung von τὴν ἀρχήν als temporales Adverbial zum vorangehenden Teil gedeutet werden.41 Mit diesen beiden Handschriften wird die Bedeutung der diakritischen Zeichen einer Handschrift deutlich.42 Deswegen ist es nötig, in problematischen Fällen gute Fotos oder sogar das Original zu studieren, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Die abweichende Interpunktion dieser Handschriften sollte auch Eingang in das Novum Testamentum Graece finden. Ein möglicher Grund dafür, dass dies bisher nicht verzeichnet ist, könnte in der oben erwähnten und von weiten Teilen der neutestamentlichen Forschung fraglos akzeptierten Frühdatierung von P.Bodmer II/P66 liegen. Gegen eine Datierung „um 200“ fallen natürlich Handschriften wie Bezae Cantabrigiensis oder Basiliensis als „später“ stark ab.

Auf der Basis dieser handschriftlichen Zeugen ist die Frage aufzuwerfen, ob die Darstellung des Textes, wie er in den kritischen Editionen des Neuen Testaments geboten wird, nicht erst die Probleme schafft, die bei einer Berücksichtigung von Handschriften wie Codex Bezae Cantabrigiensis gar nicht existieren würden. Auf der Basis dieser Handschriften ist folgender Text möglich, der alle philologischen Probleme des „unvollständigen“ Satzes in Joh 8,25 löst: 25Ἔλεγον οὖν αὐτῷ· σὺ τίς εἶ; εἶπεν αὐτοῖς ὁ Ἰησοῦς τὴν ἀρχήν· ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν. 26πολλὰ ἔχω περὶ ὑμῶν λαλεῖν καὶ κρίνειν, ἀλλ᾿ ὁ πέμψας με ἀληθής ἐστιν, κἀγὼ ἃ ἤκουσα παρ᾿ αὐτοῦ ταῦτα λαλῶ εἰς τὸν κόσμον.

Bei dieser neuen Interpunktion sind weder der narrative Teil noch die wörtliche Rede Jesu unvollständige Sätze. Damit ist die Annahme, dass es sich bei der wörtlichen Rede Jesu um einen unvollständigen Satz handeln würde, durch einen Teil der handschriftlichen Überlieferung widerlegt. Darauf aufbauend kann der Wortwechsel in Joh 8,25 f folgendermaßen übersetzt werden: „Sie sprachen nun zu ihm: Wer bist du? (D.i.: Welches Recht hast du, so zu sprechen?) Sprach Jesus zu ihnen als Erstes43: Das sage ich euch auch. Vieles habe ich noch über euch zu sagen und zu richten, aber, der mich geschickt hat, ist glaubwürdig, und ich, was ich gehört habe von ihm, das sage ich in die Welt.“44

Auf der Basis dieser Übersetzung wird der Dialog zwischen Jesus und seinen jüdischen Gegnern eben nicht abgebrochen, sondern fortgesetzt.45 Als Konsequenz ist Joh 8,26 nicht mehr als inhaltsleer anzusehen.46 Vielmehr ist es die Ankündigung der nachfolgenden Aussagen Jesu, eine Ankündigung, die sich bei dieser Übersetzung als inhaltsreiche Antwort an die Gesprächspartner verstehen lässt, die Jesus ja aufgefordert haben, sich zu erklären.

3.2 Die philologische Begründung der Neuübersetzung

Als nächstes müssen die einzelnen Aktzentverschiebungen dargelegt werden, die durch diese Übersetzung vorgenommen werden, und diese philologisch begründet werden.

3.2.1 τὴν ἀρχήν als nachgestelltes Adverbial

Da die handschriftliche Überlieferung eine Deutung von τὴν ἀρχήν als nachgestelltes Adverbial ermöglicht, sind die durch diese Deutung aufgeworfenen philologischen Probleme genauer zu thematisieren. Als Erstes ist die Frage zu stellen, ob das temporale Adverbial τὴν ἀρχήν tatsächlich in einer Position am Satzende zu finden sein kann. Immerhin haben sowohl handschriftliche Zeugen wie P66 als auch Kirchenväter mit außerordentlicher Beherrschung der griechischen Sprache wie Johannes Chrysostomos dieses Adverbial als Beginn der wörtlichen Rede Jesu in Joh 8,25 gedeutet,47 sodass gefragt werden muss, ob es sich vielleicht um eine problematische syntaktische Struktur im Griechischen handeln könnte. Da dem antiochenischen Prediger und späteren Bischof von Konstantinopel ein gewisser Antijudaismus nicht abgesprochen werden kann, darf umgekehrt die Vermutung geäußert werden, dass es sich bei Johannes Chrysostomos nicht um einen völlig neutralen Zeugen für die Deutung der Stelle handelt, die ja gerade durch seine Interpunktion eine antijudaistische Spitze erhält.

Aufschlussreich ist deshalb ein Blick auf ein analoges Problem in Joh 4,35–36. Wie die handschriftliche Überlieferung zeigt, wurde das temporale Adverb ἤδη teils dem Ende von 4,35, teils auch dem Beginn von 4,36 zugerechnet. Da an eben dieser Stelle des Johannesevangeliums ein temporales Adverb am Ende eines Satzes zu textkritischen Problemen geführt hat, könnte man dies theoretisch als Eigenart johanneischer Satzkonstruktionen betrachten. Die in Joh 8,25b von einem Teil der handschriftlichen Überlieferung vorgenommene Unterteilung des Textes ist also zumindest durch den johanneischen Sprachgebrauch gedeckt. Es scheint sich jedoch nicht um eine nur dem Verfasser des Johannesevangeliums vertraute Satzstruktur zu handeln. Schließlich kennt und verwendet Johannes Chrysostomos das hier interessierende Adverbial durchaus am Ende eines Satzes;48 dieser Befund ergibt sich bereits bei einer kurzen Durchsicht durch den Johanneskommentar des Kirchenvaters.49 Damit muss die theoretische Möglichkeit, dass es sich bei der Stellung des Adverbials am Satzende um schlechtes Griechisch handeln könnte, in den Bereich der Thesen ohne fundamentum in re verwiesen werden.

Aus dieser Beobachtung ergibt sich jedoch noch eine weitere Einsicht: Es ist unwahrscheinlich, dass die von Johannes Chrysostomos vorgenommene Interpretation von Joh 8,25 in seiner 53. Homilie auf das Johannesevangelium wegen der grammatischen Probleme des Adverbials τὴν ἀρχήν am Satzende vorgenommen wurde. Vielmehr dürfte für diese Interpretation seine zweifellos antijudaistische Einstellung ausschlaggebend gewesen sein.50 Ein kurzer Blick in die Quellen zeigt, dass es mehr als ausreichend Belege für diese Stellung von τὴν ἀρχήν bei Johannes Chrysostomos gibt, sodass sich ein weiterer Kommentar aus Sicht der Philologie51 zu dieser „crux interpretum“ erübrigt.

3.2.2 Der Beginn der wörtlichen Rede Jesu in Joh 8,25b

Damit ist die Diskussion eröffnet, womit die wörtliche Rede beginnt und ob Jesus eine Aussage macht oder eine Frage stellt. Das Letztere ist relativ leicht zu beantworten. Da bei der vorgeschlagenen Interpunktion nicht mehr angenommen werden muss, dass Jesus auf die Frage seiner jüdischen Gegner mit einer rhetorischen Gegenfrage antwortet, darf davon ausgegangen werden, dass die Antwort Jesu einen normalen Aussagesatz darstellt. Die Frage nach dem Beginn der wörtlichen Rede ist jedoch etwas diffiziler. Selbstverständlich kann das hier begegnende ὅτι im Sinne eines ὅτι-recitativum verstanden werden. Dann wäre die Antwort Jesu: καὶ λαλῶ ὑμῖν. Dies ist grundsätzlich möglich und wäre so zu übersetzen: „Und ich spreche zu euch.“ In diesem Fall hätte λαλέω kein Objekt, sondern würde rhetorisch den mit πολλά beginnenden Satz betonen. In dieser Frage sollte man jedoch den johanneischen Sprachgebrauch einbeziehen:52 Was bereits zu Beginn von Joh 8,25 zu beobachten ist, scheint typisch für den Evangelisten zu sein: Die von λέγω abhängige oratio directa wird in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle ohne Gebrauch der Konjunktion ὅτι eingeleitet,53 während die Verwendung von ὅτι nach λέγω in der Mehrzahl der Fälle eine oratio obliqua einleitet.54 Als Sonderfall kann ὅτι nach λέγω gewertet werden, wenn das verbum dicendi innerhalb einer Rede Jesu in der ersten Person steht und damit eine stark betonte Aussage mit ὅτι eingeleitet wird.55 Falls man in diese Kategorie der „prophetischen Rede“ auch die Aussage Johannes des Täufers in Joh 1,32 – allerdings ist dort das verbum dicendi als participium coniunctum noch Teil des narrativen Rahmens – und die bekenntnisartigen Aussagen in Joh 9 einrechnen möchte, wären letztlich nur wenige gezählte Stellen übrig, bei denen es zweifelhaft bleiben muss, ob mit ὅτι oratio directa oder oratio obliqua eingeleitet wird (vgl. Anm. 64). Deswegen ist als Alternative ein Beginn der wörtlichen Rede Jesu in Joh 8,25 bereits mit ὅ τι zu erwägen. „Das sage ich euch auch!“ Bei dieser Übersetzung der wörtlichen Rede handelt es sich um die halb verzweifelte, halb erschöpfte Aussage des Redners Jesus, der seinen Zuhörern antwortet, dass er ihnen genau das sagt, wonach sie noch einmal ausdrücklich fragen.

Mit Blick auf den innerbiblischen Sprachgebrauch sei bemerkt, dass die Worte Jesu in Joh 8,25 aufgrund der engen Übereinstimmung hinsichtlich der verwendeten Lexeme durchaus als Anspielung auf Dtn 1,43a in der Version der Septuaginta verstanden werden kann, wo Moses sagt: „Und ich sprach zu euch und ihr habt nicht auf mich gehört.“56 Falls dies als Anspielung verstanden werden darf, stellt sich Jesus in die prophetische Tradition, zu der nach jüdischer Auffassung auch Mose gehört. Es ist fast schon ein Topos, dass das Volk nicht auf den Propheten hört und ihm nicht glaubt. Umgekehrt gilt mit dem Psalmisten, dass Gott sein Volk auffordert, auf ihn zu hören: „Höre, mein Volk, und ich werde zu dir sprechen, Israel, und ich bezeuge dir feierlich: Ich bin Gott, dein Gott.“57 Es fällt schwer, in Joh 8,24–25 keine Anspielung auf den Psalm 49 (LXX) zu sehen. Die Wortverbindung ἐγώ εἰμι, die in Joh 8,24 begegnet, wird in der Selbstaussage Gottes in diesem Psalm, dass er der Gott seines Volkes sei, ebenso verwendet wie die Wortkombination in Joh 8,25b. Auch das Verhältnis von hören und gehört werden ist zentral für diese Passage des Johannesevangeliums; intratextuell wird durch die Lexik ferner eindeutig auf Joh 8,43 verwiesen, wo das Wort durch das stammverwandte Substantiv wieder aufgenommen wird; auch diesen Vers muss man übrigens durchaus nicht als Abbruch eines Gesprächs übersetzen. Vielmehr kann unter Berücksichtigung des neutestamentlichen Sprachgebrauchs auch der zweite Hauptsatz als Interrogativsatz übersetzt werden.58 Deswegen darf 8,43 so übertragen werden: „Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr etwa mein Wort nicht hören könnt?“59 Der Unterschied zur traditionellen Übersetzung ist deutlich.60 Während nach der traditionellen Übersetzung 8,43 eine harte Verurteilung darstellt,61 ist die hier vorgeschlagene Übersetzung ein Werben des Redners, der sich, wie gezeigt wurde, bereits durch die Lexik in die Tradition des Mose einreiht. Es sind offenbar die verzweifelten Fragen des Propheten, auf den nicht gehört wird.

Damit ist jetzt auch die Überleitung zur philologischen Analyse von Joh 8,25a geschaffen. Es scheint, als ob die gängige Deutung dessen, worauf Jesus mit der Aussage in Joh 8,25b antwortet, nicht die volle Tiefe der Frage erfasst.

3.2.3 Joh 8,25a und die Frage der jüdischen Gegner Jesu: rhetorische oder interessierte Frage?

Aufgrund der gängigen Interpretation der syntaktischen Struktur von Joh 8,25b wird die Frage der jüdischen Gegner Jesu in Joh 8,25a als eine rhetorische Frage gedeutet, die einem direkten Vorwurf entspricht;62 für diese Interpretation wird auf klassische Texte verwiesen.63 Allerdings wird zu Recht die Frage aufgeworfen, warum – falls in Joh 8,25 f ein Abbruch des Gesprächs stattgefunden haben sollte – dann nach Joh 8,30 „viele an ihn glaubten“.64 Da bereits bei der gängigen Interpretation von Joh 8,25b Zweifel an der üblichen Deutung der Frage in Joh 8,25a geäußert wurden, scheint eine etwas genauere Untersuchung dieser Frage als Einleitung zu Joh 8,25b gerechtfertigt. Wie sich bei einer bereits oberflächlichen Durchsicht der Belege im Neuen Testament zeigt, handelt es sich bei der Frage der Gegner Jesu und ihrer konkreten syntaktischen Struktur nicht in erster Linie einfach um die Betonung durch Voranstellung des Personalpronomens,65 auch wenn dies in seltenen Fällen belegt ist.66 Es fällt auf, dass in strukturidenten direkten Fragen das Personalpronomen immer am Anfang der Frage steht.67 In der überwiegenden Mehrzahl der hier interessierenden direkten Fragen handelt es sich um gezielte Fragen nach der Identität bzw. der rechtlichen Position einer Person. Dies gilt für die Frage der Priester und Leviten an Johannes den Täufer68 und für die aus Furcht nicht gestellte Frage der Jünger an den Auferstandenen.69 Ganz eindeutig ist in der Apostelgeschichte bei den Personen, die unberechtigter Weise versuchen, im Namen Jesu, den Paulus gepredigt hat, einen bösen Geist auszutreiben, die an sie gestellte Frage als Frage nach der berechtigten Autorität zu verstehen.70 Da sie diese Autorität nicht haben, überwältigt sie der böse Geist (Apg 19,16). Ein ganz klar juristischer – um nicht zu sagen forensischer – Kontext tritt bei Paulus zutage. Im Römerbrief wird die Frage implizit verneinend und den Status absprechend gestellt, weil der Mensch nicht berechtigt ist (und mit σὺ τίς εἶ; wird nach der Berechtigung gefragt), mit Gott in einen Rechtsstreit einzutreten; schließlich, so die Argumentation des Paulus, stünde das Werk unter dem, der es gemacht hat.71 Eben dieser forensische Kontext – das Gerichtsurteil über einen fremden Knecht, das nicht möglich ist – begegnet noch einmal im Römerbrief.72 Es ist also gerade keine rhetorische Frage, sondern vielmehr die Frage nach der Rechtsgrundlage für ein Verhalten, das einer Autorität bedarf, die entweder vorhanden oder angemaßt ist. Der direkt forensische Kontext wird dann etwas später im Römerbrief sichtbar: Dort ist vom „Richterstuhl“ Gottes in einem Zusammenhang die Rede, in welchem ebenfalls die hier diskutierte Frage gestellt wird.73 Die Frage nach der Identität einer Person wird folglich formelhaft mit τίς εἶ σύ gestellt.74

Nachdem gezeigt wurde, dass in analogen Fragekonstruktionen im Neuen Testament eindeutig nach der Berechtigung, etwas zu tun, und damit nach dem (mit gewissen Rechten verbundenen) Rang einer Person gefragt wird, muss bezweifelt werden, dass in Joh 8,25a diese Frage nur rhetorisch gemeint war. Es heißt also nicht: „Wer bist du schon?“, sondern vielmehr: „Welche Autorität hast du?“ Damit ist natürlich auch die These hinfällig, dass sich hier die real erlebte Situation der johanneischen Gemeinde spiegeln könne.75 Vielmehr wird damit die Frage aufgeworfen, was die Antwort Jesu in Joh 8,26 bedeuten könnte, da ja ganz offensichtlich der Diskurs nicht abgebrochen wird, sondern vielmehr eine Rechtfertigung von Jesus verlangt wird.

3.2.4 Die Antwort Jesu in Joh 8,26

Nach den gängigen Deutungen scheint die Antwort Jesu „inhaltsleer“76. Mit der hier vorgeschlagenen Übersetzung von Joh 8,25b kündigt Jesus jedoch an, seinen jüdischen Gesprächspartnern in Joh 8,26 Auskunft darüber zu geben, wer er ist.77 Auch wenn in der weiteren Folge des Gesprächs von Jesus kommentiert wird, dass die jüdischen Gesprächspartner ihn nicht verstanden hätten,78 berechtigt dies nicht dazu, Joh 8,26 als „inhaltsleer“ zu bezeichnen. Schließlich kommen in direkter Folge „viele zum Glauben“ (vgl. Joh 8,30).

Ein möglicher Grund für den Eindruck, dass Joh 8,26 „inhaltsleer“ ist, scheint, dass in Joh 8,26 ein prominenter Terminus semantisch problematisch übertragen wird, dessen Übersetzung mit einem anderen deutschen Wort zu einem besseren Verständnis der Stelle beitragen kann. Schließlich ist der fragliche juristische Terminus in den Kontext der (juristischen) Frage um die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses Jesu eingebettet, die in diesem Abschnitt des Johannesevangeliums mit 8,13 beginnt. Der erste Satz von Joh 8,26 ist ganz deutlich eine Bestätigung des Anspruches, den Jesus hat: Er ist derjenige, der über die Juden richten kann – eine eindeutig forensische Tätigkeit. In diesem Sinn ist die Rede Jesu (zumindest bis κρίνειν) die fast schon logische Antwort darauf, dass nach der konkreten (juristischen) Autorität Jesu gefragt wird. Der Anspruch wird klar erhoben: Jesus hat das Recht, als Richter über die Anwesenden zu urteilen. Die Schwierigkeiten beginnen mit dem adversativ angefügten Satz. Zentral für das Verständnis des Satzes scheint das griechische Adjektiv ἀληθής. Dieses kann natürlich unter anderem „wahr“ heißen,79 die Frage ist jedoch, ob diese Übertragung den Sinn der Stelle in ihrem unmittelbaren Kontext korrekt erfasst. Grundsätzlich ist eine auffällige Häufung der Belege von ἀληθής im 8. Kapitel des Johannesevangeliums zu konstatieren. Von 14 Belegen dieses Begriffs im Johannesevangelium finden sich 4 in diesem Kapitel.80 Interessant ist, dass es sich gerade bei den Diskussionen zwischen Jesus und seinen jüdischen Gesprächspartnern im 8. Kapitel um eine Auseinandersetzung handelt, in der eine konkrete juristische Frage, die Frage nach der Glaubwürdigkeit eines Zeugen und seines Zeugnisses, verhandelt wird.

In Joh 8,13 begegnet der Vorwurf der Pharisäer, dass das Zeugnis Jesu nicht ἀληθής sei.81 Weder die Übersetzung mit „wahr“82 noch die Übersetzung mit „gültig“83 dürfte den Kern der Auseinandersetzung treffen. Schließlich geht es im Folgenden darum, an Jesus zu glauben (Joh 8,30), und nicht einfach um das verfahrensrechtliche Problem, dass niemand Zeuge in eigener Sache sein kann.84 Und Glaube baut auf Vertrauen auf. Falls das verfahrensrechtliche Problem im Vordergrund stünde, wäre mit dem Einwand der Pharisäer die Diskussion beendet. Dies ist jedoch nicht der Fall. Vielmehr geht die Diskussion weiter. In Joh 8,14 antwortet Jesus auf den Vorwurf der jüdischen Gegner: „Jesus erwiderte ihnen: Auch wenn ich über mich selbst Zeugnis ablege, ist mein Zeugnis glaubwürdig. Denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe.“85 Damit wird in Joh 8,17 deutlich, dass es sich bei der Auseinandersetzung wohl eher nicht um eine verfahrenstechnische Frage handelt:86 „Auch in eurem Gesetz heißt es: Erst das Zeugnis von zwei Menschen ist vertrauenswürdig.“87

Man kommt also, wenn man die Übertragung mit „wahr“ ablehnt und die verwaltungstechnische Deutung der Stelle als zu eng betrachtet, zu folgender Übersetzung von Joh 8,13: „Da sagten die Pharisäer zu ihm: Du legst über dich selbst Zeugnis ab; dein Zeugnis ist nicht glaubwürdig/vertrauenswürdig.“88 Dass zumindest die Übersetzung von ἀληθής mit „wahr“89 abgelehnt werden muss, zeigt die Erzählung von Susanna: Dort begegnen als zentrale Figuren zwei Zeugen, deren Zeugnis formal übereinstimmt, aber sachlich falsch ist.90

Auf der Basis der hier aufgezeigten Bedeutung für ἀληθής kann dann folgende Übersetzung für Joh 8,26 vorgeschlagen werden: „Vieles habe ich noch über euch zu sagen und zu richten, aber, der mich geschickt hat, ist glaubwürdig, und ich, was ich gehört habe von ihm, das sage ich in die Welt.“91 Die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit dessen, was Jesus zu sagen hat, leitet sich von dem ab, der ihn gesandt hat. Die Tatsache, dass offensichtlich in diesem Kapitel die Frage diskutiert wird, ob Jesus oder die jüdischen Autoritäten die „korrekte Autorität“ sind, wird einen dazu tendieren lassen, an den Stellen, wo in diesem Kapitel die „Juden“ erwähnt werden, diese als Vertreter jüdischer Autorität zu sehen.92 Mit der vorgeschlagenen Neuübersetzung eröffnet sich die gesamte Thematik der juristischen Vorstellung des Gesandten, der seine Legitimation vom Sendenden annimmt.93

3.3 Die zentrale Bedeutung von Joh 8,25b für das Verständnis des 8. Kapitels des Johannesevangeliums

Die philologisch korrekte Interpunktion von Joh 8,25b und die semantische Analyse des direkten Kontextes ist die Grundlage dafür, dass die zentrale inhaltliche Bedeutung von Joh 8,25b für das Verständnis des 8. Kapitels des Johannesevangeliums aufgezeigt werden kann: Auf die Frage der jüdischen Gegner Jesu, wer er sei und mit welchem Recht er so rede (Joh 8,25a), antwortet Jesus „als Erstes“ (Joh 8,25b), dass sie dies aus dem entnehmen könnten, was er (bereits) gesagt habe. Mit der Betonung, dass die „erste“ Antwort auf diese Frage der Verweis auf eine bereits stattgefundene Rede ist, wird hervorgehoben, dass die jüdischen Gegner schon an dieser Stelle aus Jesu Worten hätten erkennen können, wer er ist, wenn sie ihm nur zugehört hätten. Implizit wirft Jesus damit seinen Gegnern vor, sie würden sich verstellen und nur vorgeben, ihn nicht verstanden zu haben. Diese Erkenntnis ist für das Verständnis und die theologische Deutung von Joh 8,43.45–47 von großer Wichtigkeit. Der zentrale Vorwurf in dieser Passage ist, dass die jüdischen Gegner Lügner seien und sich bewusst für die Lüge entschieden hätten. Auf dieser Entscheidung basiert dann auch das in Joh 8,47 ausgesprochene Urteil. Dies ist leider in den meisten Übersetzungen dieser Passage nur schwer zu erkennen. Nach der Lutherübersetzung (1984) heißt es dort beispielsweise: „Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! (…) Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte; ihr hört darum nicht, weil ihr nicht von Gott seid.“94

Aus philologischen Gründen ist diese Übersetzung jedoch abzulehnen.95 Korrekt ist vielmehr: „Warum versteht ihr meine Sprache nicht? Etwa weil ihr mein Wort nicht hören könnt? (…) Aber dass ich die Wahrheit spreche, das glaubt ihr mir nicht. Wer von euch kann mich einer Sünde zeihen? Wenn ich aber die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer von Gott ist, der hört Gottes Worte: Daraus folgt: Ihr hört nicht, deswegen seid ihr nicht von Gott.“ Damit wird durch das Adverbial in Joh 8,25b die Grundlage für die Verurteilung der jüdischen Gegner durch Jesus in Joh 8,47 gelegt. Aus der Sicht des Verfassers des Johannesevangeliums wird durch diese „als Erstes“ gegebene Antwort betont, dass die Juden verstehen könnten, wer Jesus ist, wenn sie ihm unvoreingenommen zuhören wollten. Dass sie trotzdem fragen, wer Jesus ist, erweist sie als Lügner (vgl. auch Joh 8,44). Damit wird durch diese philologische Analyse des Textes deutlich, dass es aus der Sicht des Verfassers des Johannesevangeliums eben gerade nicht um eine pauschale oder gar ontologische Verurteilung der jüdischen Gegner geht. Vielmehr geht es in diesem innerjüdischen Diskurs um die Frage, wer das rechte Verständnis dessen besitzt, was das Judentum ausmacht.96 Die bereits in Joh 8,25 vorweggenommene Weigerung der jüdischen Gegner Jesu, seine Worte so zu verstehen, wie er sie meint, legt die Grundlage dafür, dass dies von Jesus in Joh 8,47 als Ablehnung seiner Person und damit auch dessen, der ihn gesandt hat, gedeutet werden kann.

Ergebnis

Bei Joh 8,25b handelt es sich nur dann aufgrund grammatikalischer Probleme um eine „crux interpretum,“97 falls die Annahme unwidersprochen bleibt, dass der Verfasser des Johannesevangeliums nicht in der Lage war, korrektes Griechisch zu schreiben, sodass eine Korrektur des Problems gemäß geltender griechischer Grammatik nicht mehr in den Blick der Betrachter tritt. Natürlich kann man mit Johannes Chrysostomos darauf verweisen, dass der Verfasser ein „des Schreibens Unkundiger“ sei, dass er also zumindest extrem schlechtes Griechisch schreibe.98 Allerdings ist zu bezweifeln, dass diese Beschreibung des Verfassers tatsächlich zutrifft.

Falls der Verfasser des Johannesevangeliums tatsächlich ein „hervorragender Theologe“99 des Urchristentums war, sollte man ihm auch zugestehen, dass er vollständige griechische Sätze konstruieren konnte, selbst wenn es sich um einen „volkstümlichen“ Erzähler100 handeln sollte. Es gibt also kein Argument gegen die Abteilung zwischen Rahmenerzählung und wörtlicher Rede, wie dies beispielsweise in den Codices Bezae Cantabrigiensis und Basiliensis gehandhabt wird.101 Auf der Basis dieser Interpunktion ist das Adverbial τὴν ἀρχήν Teil der Rahmenerzählung und nicht Teil der wörtlichen Rede. Vergleichbare Probleme finden sich durchaus auch bei der Edition von dokumentarischen Texten. Auch dort wird mit strukturellen Beobachtungen wie dem erwähnten Zeilenumbruch in Codex Bezae Cantabrigiensis gearbeitet.102 Für die Korrektheit der Analyse spricht, dass es durchaus griechischem Sprachgebrauch entspricht, das Adverbial τὴν ἀρχήν am Ende eines Satzes zu positionieren.

Das Ergebnis der vorgelegten Untersuchung zeigt, dass die handschriftliche Überlieferung des Neuen Testaments zur Lösung zentraler Probleme der neutestamentlichen Exegese beitragen kann.

Man wird also die These eines „grammatisch problematischen“ Textes in Joh 8,25b in den Bereich dessen verweisen müssen, was Umberto Eco als „uncontrollable drives“ des Lesers bezeichnet.103 Auf der Basis der hier vorgeschlagenen Neuinterpunktion, der darauf aufbauenden Neuübersetzung von Joh 8,25–26 und der sich daraus ergebenden Neuinterpretation der Passage wird aus einem Gesprächsabbruch ein theologischer Dialog zwischen Jesus und seinen jüdischen Gesprächspartnern. Die jüdischen Gesprächspartner fragen Jesus, woher er seine Autorität nähme. Dieser beantwortet dies mit dem Hinweis darauf, dass er die Autorität nicht aus sich selbst, sondern aus Gott habe, der ihn gesandt hat. In der „Gesandtentheologie“ ist jüdisches Denken zu finden, und so kann diese Passage als Teil eines innerjüdischen Diskurses verstanden werden.

Durch diese Analyse des Textes wird aus einem misslungenen Gespräch eine dramatische Auseinandersetzung, bei der es um die Frage geht, ob die jüdischen Autoritäten oder Jesus, der sich offensichtlich in der Nachfolge der prophetischen Autoritäten sieht, das Recht für sich beanspruchen dürfen, im Namen Gottes zu reden.104 Zwischen Jesus und den jüdischen Autoritäten herrscht in Joh 8 ein Streit um die Frage, wer Gottes Wort mit Autorität auslegt, und dieser Streit wird mit juristischen Termini ausgetragen.

Abschließend kann Simon R. Slings zitiert werden: „One of the more obvious uses of general linguistic theory for the study of classical and other dead languages is to help us to determine whether what we do know (or rather what we think we know) is really knowledge, or the product of misunderstandings and errors committed and added to by one generation of scholars after another.“105 Offensichtlich hat der Verfasser des Johannesevangeliums einen „kohärenten und hoch poetischen literarischen […] Text“ verfasst.106

Der Beitrag entstand im Rahmen zweier Forschungsprojekte des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung unter der Leitung des Autors (FWF-Projekte P24649 und P25082; funded by the Austrian Science Fund).

Footnotes

  • 1

    E. Haenchen, Das Johannesevangelium. Ein Kommentar. Aus den nachgelassenen Manuskripten hg. v. Ulrich Busse, Tübingen 1980, 369; vgl. auch C.C. Caragounis, What Did Jesus Mean by τὴν ἀρχήν in John 8:25?, NT 49 (2007) 129–147, hier 129: „The answer which Jesus, according to John 8:25, gave to the Jews has at all times been regarded as problematic.“ 

  • 2

    R.L. Omanson, A Textual Guide to the Greek New Testament. An Adaptation of Bruce M. Metzger’s Textual Commentary for the Needs of Translators, Stuttgart 22012, 185, unter Verweis auf G.R. Beasley-Murray, John (WBC 36), Waco 1987, 125, und C.A. Carson, The Gospel According to John (PilNTC), Grand Rapids 1991, 345–346. 

  • 3

    L. Morris, The Gospel According to John (NICNT), Grand Rapids 1995, 400: „If we could accept the reading of P66 all would be well.“ 

  • 4

    Vgl. hierfür K. Aland/B. Aland, Der Text des Neuen Testaments. Einführung in die wissenschaftlichen Ausgaben sowie in Theorie und Praxis der modernen Textkritik, Stuttgart 21989, 110; J. van Haelst, Catalogue des papyrus littéraires juifs et chrétiens (PS Série „papyrologie“ 1), Paris 1976, Nr. 426, listet sogar mit der Datierung durch Herbert Hunger auf das Jahr 150 eine noch frühere Einordnung auf. Die Datierung auf die Zeit „um 200“ hat Eingang in das Novum Testamentum Graece gefunden und wird auch in der 28. Auflage so weitertradiert. 

  • 5

    Vgl. auch nur J. Chapa, The Early Text of John, in: The Early Text of the New Testament, hg. v. C.E. Hill/M.J. Kruger, Oxford 2012, 140–156, hier 143: „The most reasonable dating of P66, and the opinion of the consensus, is around the year 200, although it has met with resistance by some who desire to have it dated to the first half or mid-way through the second century. Some have argued for it to be dated to the first half of the third century.“ 

  • 6

    Vgl. R.S. Bagnall, Early Christian Books in Egypt, Princeton 2009. 

  • 7

    Vgl. hierzu B. Nongbri, The Limits of Palaeographic Dating of Literary Papyri: Some Observations on the Date and Provenance of P.Bodmer II (P66), MH 71 (2014) 1–35, hier 34–35: „Palaeography of literary papyri can be an extremely frustrating process for people uncomfortable with ambiguity. In the case of P.Bodmer II, reasonable palaeographic parallels with secure dates can be found from the second century into the fourth century. When, however, one considers that a very close parallel (P.Bodmer XX) can be dated securely on the basis of its contents to the fourth century, and that this piece was very likely part of the same find as P.Bodmer II, a fourth century date for the latter becomes more plausible. When one further takes into account the codicological features of P.Bodmer II, a fourth century date for the codex becomes even more probable. Certainty in these matters will likely always be elusive, but the combined weight of these considerations points to a date for the production of P.Bodmer II in the early or middle part of the fourth century.“ 

  • 8

    Omanson, Textual Guide (s. Anm. 2), 185: „Most translations add words in order to make a smoother and more meaningful translation.“ 

  • 9

    Auch der Artikel vor Jesus wird nachträglich ergänzt, das ist jedoch für die vorliegende Fragestellung ohne Belang. 

  • 10

    Wobei für die vorliegende Fragestellung unerheblich ist, ob die Ergänzung von erster oder zweiter Hand ist; für einen Überblick über die Diskussion vgl. Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 134. 

  • VMR des INTF (http://ntvmr.uni-muenster.de/manuscript-workspace); Zugriff 22. 01. 2015. 

  • 11

    Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 129: „Sometimes this has been felt so strongly that not only the thought that the text might be corrupt has been entertained but also the unique reading of P66 has on occasion been seen as a possible way out of the dilemma.“ 

  • 12

    Vgl. R.E. Brown, The Gospel According to John (i-xii) (AncB 29), Garden City 1966, 347–348; er neigt der Übersetzung zu, die von P66 inspiriert ist, und bezeichnet die Lesung von P66 als „tempting reading“: „I told you at the beginning what I am also telling you [now].“ 

  • 13

    Allerdings wäre es aufschlussreich gewesen, auch tatsächlich die wichtigen Handschriften zu kontrollieren. 

  • 14

    Omanson, Textual Guide (s. Anm. 2), 185: „Since the older Greek manuscripts lack punctuation and are written without divisions between words, it is possible to interpret Τὴν ἀρχὴν ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν in several ways. They may be understood as a question, an exclamation, or an affirmation. Furthermore, the words ὅ τι may be read as one word ὅτι, and translated ‚why,‘ ‚that,‘ or ‚because.‘ Or they may be read as two words as in the UBS4 text and mean ‚that which.‘ And finally, the words Τὴν ἀρχὴν may be read as an accusative noun meaning ‚the beginning‘ or as an adverb meaning ‚primarily.‘“ 

  • 15

    Vgl. Omanson, Textual Guide (s. Anm. 2), 185: „1. As a question, with ὅτι = why? (‚Why do I speak to you at all?‘). 2. As an exclamation (some early church Fathers), with ὅ τι in the sense of the Hebrew מָה (‚That I speak to you at all!‘). Like the first interpretation, this translation implies a rebuke. 3. As an affirmation (so REB, NIV, and NJB), with ὅ τι and supplying ἐγώ εἰμι (‚[I am] from the beginning [τὴν ἀρχήν] what [ὅ τι] I am telling you‘ or ‚Primarily [τὴν ἀρχήν] [I am] what I am telling you‘ or ‚[I am] what I have told you from the beginning [τὴν ἀρχήν]‘).“ 

  • 16

    So bereits Haenchen, Johannesevangelium (s. Anm. 1), 369: „Indem manche τὴν ἀρχήν als ‚anfänglich‘ fassen, übersetzen sie: ‚Von Anfang an bin ich das, was ich zu euch rede‘, oder sogar: ‚Ich bin, was ich schon anfänglich zu euch geredet habe‘, was am Präsens λαλῶ scheitert.“ 

  • 17

    So auch Haenchen, Johannesevangelium (s. Anm. 1), 369: „Man kann aber τὴν ἀρχήν auch als ‚überhaupt‘ fassen. Dann ist die beste Parallele Ps. Clem. Hom. VI 11: ‚Wenn du nicht auf das achtest, was ich sage, wozu rede ich da überhaupt mit dir?‘“ 

  • 18

    Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 131: „[…] H. Alford […] criticizes Lücke’s interpretations ‚Why do I speak with you at all‘ as ‚not only ungrammatical, but most alien from the whole character of our Lord’s discourses‘.“ 

  • 19

    R. Bultmann, Das Evangelium des Johannes. Studienausgabe (KEK 2), Göttingen 201985, 267. 

  • 20

    Bultmann, Johannes (s. Anm. 20), 268. 

  • 21

    Für eine rhetorische Frage entscheidet sich auch H.N. Ridderbos, The Gospel According to John. A Theological Commentary, Grand Rapids 1997, 302. 

  • 22

    C. Dietzfelbinger, Das Evangelium nach Johannes, Teilband 1: Johannes 1–12 (ZBK.NT 4/1), Zürich 22004, 242. 

  • 23

    Dietzfelbinger, Johannes (s. Anm. 23), 244: „Die von uns gewählte Möglichkeit entspricht dem Kontext besser.“ 

  • 24

    A.T. Lincoln, The Gospel According to Saint John (BNTC), London 2005, 268: „At this point such claims are lost on Jesus’ audience. Their uncomprehending question, Who are you?, provokes frustration on the part of Jesus, who, on the most likely construction of a difficult sentence asks why he is speaking to them at all.“ [Hervorhebung ATL]. 

  • 25

    Vgl. K. Wengst, Das Johannesevangelium. 1. Teilband: Kapitel 1–10 (ThKNT 4/1), Stuttgart/Berlin/Köln 22004, 335, charakterisiert den Text als implizit antijudaistisch: „Da aber dieses festgefahrene Gespräch von einer Seite nachgezeichnet wird, gerät die andere Seite zu einem negativen Gegnerbild, das sich in der Überlieferung und Auslegung des Textes verfestigt und unheilvoll ausgewirkt hat.“ 

  • 26

    J. Gnilka, Johannesevangelium (NEB.NT 4), Würzburg 72009, 68. Vgl. auch Morris, John (s. Anm. 3), 398: „The pronoun ‚is scornfully emphatic‘ (Plummer) and placed first.“ 

  • 27

    Wengst, Johannesevangelium (s. Anm. 26), 335: „Dass die Gegenseite in diesem Abschnitt nur mit einem Missverständnis (V.22) und dieser rhetorischen Frage zu Wort kommt, lässt die verfahrene Situation und das festgefahrene Gespräch zur Zeit des Evangelisten erkennen. Das wird noch deutlicher, wenn Jesus nach V.25b ebenfalls rhetorisch fragt: ‚Was rede ich überhaupt noch zu euch?‘ Was soll noch mehr gesagt werden, als was schon gesagt worden ist? Die Reaktionen sind immer dieselben. Hat es überhaupt noch Sinn, zu reden? Ist nicht das Ende des Dialogs schon längst erreicht? Aber hat hier überhaupt ein Dialog begonnen? Werden nicht nur Monologe geführt?“ 

  • 28

    Vgl. U. Schnelle, Das Evangelium nach Johannes (ThHK 4), Leipzig 42009, 173. 

  • 29

    So U. Wilckens, Das Evangelium nach Johannes (NTD 4), Göttingen 22000, 144: „Darauf bricht Jesus das Gespräch mit ihnen ab: ‚Was rede ich überhaupt mit euch!‘ All ihre Vorwürfe gründen in diesem elementaren Unwillen, ihn selbst ernstzunehmen als den vom Vater gesandten Sohn Gottes.“ Siehe auch R. Schnackenburg, Das Johannesevangelium. II. Teil: Einleitung und Kommentar zu Kap. 5–12 (HThK 4/2), Freiburg 41985, 254: „Es ist zwecklos, diesen verschlossenen, ihn von vornherein ablehnenden Menschen seinen Anspruch noch mehr zu verdeutlichen; jedes weitere Wort ist in dieser Situation überflüssig. Die Übersetzung ist sprachlich nicht nur möglich, sondern auch, wie das Verständnis griechischer Väter zeigt, naheliegend.“ 

  • 30

    Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 147. Vgl. M. Theobald, Das Evangelium nach Johannes. Kapitel 1–12 (RNT), Regensburg 2009, 581: „Die Übersetzung von Ch. Rico […] und die von C. C. Caragounis […] befriedigen deshalb nicht, weil sie beide etwas ergänzen müssen.“ [Hervorhebung MT]. 

  • 31

    Vgl. Theobald, Johannes (s. Anm. 31), 581. 

  • 32

    Vgl. H. Thyen, Das Johannesevangelium (HNT 6), Tübingen 2005, 428: „Wir folgen […] Barretts Interpretation, sehen in dem Satz das vorausgegangene ἐγώ εἰμι impliziert und übersetzen ihn: ‚(Ich bin) von Anfang an, was ich euch sage‘. Im Hintergrund unseres ‚Ich-Bin-Wortes‘ und seiner Bestätigung durch den hier erörterten strittigen Satz dürfte die Folge der V. 10 bis 12 von Jes 43 stehen.“ 

  • 33

    Schnackenburg, Johannesevangelium (s. Anm. 30), 255: „Jesus, der über sich selbst nichts weiter zu den verstockten Juden sagen möchte, hätte doch vieles über sie zu reden, und das könnte nichts anderes als ein hartes Gericht sein […]. Aber – das scheint der hinter der Fortsetzung stehende Gedanke zu sein – er sieht seine Aufgabe nicht darin, zu richten, sondern Gottes rettende Botschaft in die Welt zu rufen.“ Zu dieser Deutung ist zu bemerken, dass die Form ἔχω ein Indikativ Präsens aktiv ist, sodass nicht im Irrealis übersetzt werden darf. 

  • 34

    U.C. von Wahlde, The Gospel and Letters of John. Vol 2: Commentary on the Gospel of John (ECCo), Grand Rapids 2010, 382: „While the reading from P66 is possible, I think the text may be understood in much the same way without supplying the additional words. In this case, the statement is elliptical and I have translated it as ‚What I have been telling you from the beginning.‘“ 

  • 35

    Ridderbos, John (s. Anm. 22), 303. 

  • 36

    Joh 8,30: Ταῦτα αὐτοῦ λαλοῦντος πολλοὶ ἐπίστευσαν εἰς αὐτόν. 

  • 37

    Alle Daten im Folgenden stammen von der Homepage des Instituts für Neutestamentliche Textforschung (INTF) in Münster; vgl. http://ntvmr.uni-muenster.de/manuscript-workspace; Zugriff 21. 01. 2015. 

  • Im VMR des INTF ist das Negativ des Mikrofilms als Digitalisat verfügbar. 

  • Interessant ist, dass der Punkt, der aus ὅτι möglicherweise ὅ τι macht, nicht transkribiert ist; vgl. hierzu von Wahlde, John (s. Anm. 35), 382: „All the earliest (uncial) manuscripts were written without space between the letters and are so ambiguous. However, P75 separates the two by a dot to make the reading clear.“ 

  • http://www.codexsinaiticus.org; Zugriff 22. 01. 2015. 

  • http://digi.vatlib.it/view/MSS_Vat.gr.1209/; Zugriff 23. 05. 2015. 

  • INTF; Zugriff 22. 01. 2015; die Korrektur betrifft die Schreibung von οτι. 

  • 38

    Vgl. hierzu auch K. Haacker, Paulus. Der Werdegang eines Apostels (SBS 171), Stuttgart 1997, 54–55 (mit Bezug auf Apg 22,3): „Daß die Stelle in der alten Kirche z. T. im letzteren Sinne verstanden wurde, hat sich im Zeilenumbruch des Codex Bezae Cantabrigiensis niedergeschlagen.“ Für eine etwas frühere Version des Beitrags vgl. ders., Zum Werdegang des Paulus. Biographische Daten und ihre theologische Relevanz, in: ANRW II Principat 26/2, Berlin/New York 1995, 815–938, das Zitat hier 856. 

  • http://cudl.lib.cam.ac.uk/view/MS-NN-00002–00041/240; Zugriff 23. 05. 2015. 

  • INTF; Zugriff 22. 01. 2015. 

  • 39

    So Aland/Aland, Text (s. Anm. 4), 118. 

  • 40

    Es kann nicht Aufgabe des vorliegenden Beitrags sein, die Interpunktion des Codex Basiliensis erschöpfend zu untersuchen, obwohl dies offensichtlich eine interessante Fragestellung sein dürfte. 

  • Im VMR des INTF ist keine Angabe, um welchen Folio es sich handelt. Auch wird dort kein Transkript geboten. Nach dem Transkript des IGNTP handelt es sich um fol. 277v. 

  • www.iohannes.com; Zugriff 22. 01. 2015. 

  • 41

    Im VMR des INTF findet sich leider noch kein Transkript von Codex Basiliensis, das elektronische Transkript des International Greek New Testament Project (IGNTP) bietet den Text ohne diakritische Zeichen. 

  • 42

    Die gedruckte Edition der Majuskeln des Johannesevangeliums verzichtet auf die Verzeichnung der diakritischen Zeichen; vgl. U.B. Schmid with W.J. Elliott/D.C. Parker, The New Testament in Greek IV: The Gospel According to St. John. Vol. 2: The Majuscules (NTTSD 37), Leiden/Boston 2007. Dies gilt auch für die elektronischen Transkripte der Editio Critica Maior. 

  • 43

    Diese Übersetzung folgt der Bedeutung des Adverbials, wie sie Chrys C. Caragounis darlegt; vgl. Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 138–139: „Being an adverb, τὴν ἀρχήν essentially means neither ‚from the beginning‘ nor ‚in/at the beginning‘. The expression is equivalent to the post-classical adverb ἀρχικῶς (‚firstly‘, ‚originally‘, ‚primarily‘) and the non-Attic (used seldom by Tragedians) ἀρχῆθεν (‚from the beginning‘), both of which have been frequent down to Neohellenic […]. Thus, how this ‚the beginning‘ is to be construed in a given sentence depends entirely on the particular sentence and its context.“ 

  • 44

    In der Übersetzung von 8,26b kommt die Neue Zürcher Bibel (2007) relativ nahe an die hier vorgeschlagene Übersetzung: „Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Jesus sagte zu ihnen: Was rede ich überhaupt noch mit euch? Ich hätte viel zu reden und zu richten über euch. Aber der mich gesandt hat, ist glaubwürdig und, was ich von ihm gehört habe, das rede ich zur Welt.“ Philologisch inkorrekt – und für die Interpretation fatal – ist die Verwendung des Konjunktivs in 8,26a, da dies einmal mehr einen Gesprächsabbruch signalisiert, der hier wohl gar nicht stattgefunden hat. Da im Griechischen Indikativ Präsens aktiv verwendet wird, ist diese Übersetzung schlicht falsch. 

  • 45

    Dagegen Wengst, Johannesevangelium (s. Anm. 26), 335: „Trotz der sich in V.25 ausdrückenden Resignation, dass Reden sinnlos sei, redet Jesus in V.26 weiter – allerdings in einer Weise, die einem wirklichen Dialog widerspricht. […] Auf die eigene Infragestellung durch die anderen, wer man denn schon sei, folgt die Ankündigung, viel Negatives über die anderen sagen zu können. Sie wird nicht ausgeführt, aber doch ausgesprochen, was dem Gesprächsklima gewiss nicht förderlich ist.“ 

  • 46

    Theobald, Johannes (s. Anm. 31), 582: „Stattdessen verweist Jesus ganz formal auf den, der ihn gesandt hat und wahrhaftig ist, wie auch er selbst nur das ‚in die Welt hinein‘ kundtut, was er von seinem Auftraggeber gehört hat. Der ganze Vers ist bewusst inhaltsleer und passt deshalb zum Scheitern des ‚Gesprächs‘.“ 

  • 47

    Vgl. Johannes Chrysostomos, Homilia in Joannem 53,1 (PG 59,293): Τὴν ἀρχὴν ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν. Ὃ δὲ λέγει, τοιοῦτόν ἐστι· Τοῦ ὅλως ἀκούειν τῶν λόγων τῶν παρ’ ἐμοῦ ἀνάξιοί ἐστε, μήτι γε καὶ μαθεῖν, ὅστις ἐγώ εἰμι. Johannes Chrysostomos deutet den Inhalt von Joh 8,25b: P. Schaff, Chrysostom: Homilies on the Gospel of Saint John and the Epistle to the Hebrews (NPNF 1. Ser. 14), Peabody 1995 (= 1889), 191: „‚The same that I told you from the beginning‘ What He saith, is of this kind; ‚Ye are not worthy to hear My words at all, much less to learn why I am […].‘“ 

  • 48

    Johannes Chrysostomos, Homilia in Joannem 2,4 (PG 59,33–34): Διὰ τοῦτο ἐντεῦθεν πρῶτον ποιεῖται τὴν ἀρχὴν, καὶ προϊὼν καὶ Θεόν φησιν εἶναι· καὶ οὐχ ὡς Πλάτων, τὸν μὲν νοῦν, τὸν δὲ ψυχὴν λέγων εἶναι. Schaff, Chrysostom (s. Anm. 57), 7: „Wherefore from this point first he makes his beginning, and as he advances, declares that God is, and does not like Plato assert, sometimes that He is intellect, sometimes that He is soul; […].“ Johannes Chrysostomos, Homilia in Joannem 2,5 (PG 59,36): Ἂν δὲ μέλλωμεν καὶ τῇ μικρᾷ ταύτῃ σχολῇ ἀπὸ τῶν ἔξω λεγομένων ἢ πραττομένων λυμαίνεσθαι, βέλτιον μηδὲ εἰσελθεῖν τὴν ἀρχήν. Schaff, Chrysostom (s. Anm. 57), 8: „[…] but if we are likely even in this little space to be injured by things said or done without, it is better for us not to enter at all.“ Johannes Chrysostomos, Homilia in Joannem 4,1 (PG 59,47): Ἐκ ταύτης τοίνυν ἀνάγων τῆς χαμαιζηλίας τοὺς μέλλοντας ἐμπεσεῖσθαι, καὶ εἰς τὸν οὐρανὸν ἀνέλκων, εἰκότως ἄνωθεν καὶ ἐκ τῆς ὑπάρξεως τῆς ἀϊδίου ποιεῖται τῆς διηγήσεως τὴν ἀρχήν. Schaff, Chrysostom (s. Anm. 57), 16: „In order, therefore, to lead away from this fondness for earth those who were like to fall into it, and to draw them up towards heaven, with good reason he commences his narrative from above, and from the eternal subsistence.“ Johannes Chrysostomos, Homilia in Joannem 4,6 (PG 59,52): Καὶ πᾶσι καταρῶνται τοῖς πράγμασι λοιπὸν τοῖς ἐπικήροις τούτοις, καὶ παρασχοῦσιν αὐτοῖς τὴν ἀρχήν. Schaff, Chrysostom (s. Anm. 57), 20: „And then they curse the ill-fated business which caused them to begin.“ Johannes Chrysostomos, Homilia in Joannem 9,2 (PG 59,73–74): Ἂν τούτους συνεχῶς παρ’ ἑαυτοῖς κινῶμεν τοὺς λογισμοὺς, καὶ τοὺς τὰ μέγιστα κατωρθωκότας ἐπὶ μνήμης ἔχωμεν, οὐ ῥᾳδίως ὁ διάβολος ἐπᾶραι δυνήσεται, κἂν μυρία φιλονεικῇ, ἀλλ’ οὐδὲ ὑποσκελίσαι τὴν ἀρχήν. Schaff, Chrysostom (s. Anm. 57), 34: „If we continually stir within ourselves these considerations, and keep in mind those who have walked most upright, the devil, though he strive ten thousand ways, will not be able to lift us up, nor even to trip us at all.“ 

  • 49

    Der Befund gehört damit zu den „Überraschungen“, die bei den bisherigen Analysen übersehen wurden; vgl. Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 135–136: „According to the TLG the articular accusative τὴν ἀρχήν occurs 8,530 times in Greek literature down to the Middle Ages, while according to the Packard Humanities Institute the same expression occurs 207 times in the Inscriptions and the Papyri. I have read all the instances in the Inscriptions and the Papyri as well as more than half of the 8,530 passages sampling various periods. The results were so uniform that I did not consider it meaningful to pursue my perusal of the rest of the passages. Theoretically, there is, of course, a small chance that the other 4,000 instances of τὴν ἀρχήν might hold some surprise, but the probability for such was judged to be rather minimal.“ 

  • 50

    Vgl. R.I. Wilken, John Chrysostom and the Jews: Rhetoric and Reality in the Late Fourth Century (The Transformation of the Classical Heritage 4), Berkeley 1983, 95–127. 

  • 51

    Diese Interpunktion wurde auch bei der philologischen Untersuchung von Joh 8,25 durch Rico nicht thematisiert; stattdessen bietet er Ergänzungsvorschläge, um die „verderbte“ Grammatik zu korrigieren; vgl. C. Rico, Jn 8, 25 au risque de la philologie: l’histoire d’une expression grecque, RB 112 (2005) 596–627, hier 620–621: „Une approche strictement philologique livrerait pour Jn 8,25 deux interprétations principales. […] Dans le premier cas (ὅτι καὶ λαλῶ ὑμῖν), λαλῶ paraît intransitif et l’on comprend: ‚[je suis (Celui qui est)] au commencement, du fait même que je vous adresse la parole.‘ […] Dans le second (ὅ τι καὶ λαλῶ ὑμῖν), le verbe connaît en revanche un emploi transitif (où le pronom relatif ὅ τι représente le complément d’objet) et l’on pourrait alors traduire: ‚[je sui (Celui qui est)] au commencement cela même que je vous déclare [maintenant]‘, ou encore: ‚[j’ai dit] au commencement [de mon discours] cela même que je vous déclare [maintenant]‘.“ 

  • 52

    Für eine überblicksartige Untersuchung des Problems reicht es aus, die Belege der ersten 10 Kapitel aufzulisten. 

  • 53

    Ausnahmen: Joh 1,32; in Joh 9,9 wird die wörtliche Rede des Blindgeborenen mit ὅτι eingeleitet. Hier wird jedoch der Zeugnischarakter der Aussage stark betont; dies gilt auch für Joh 9,17 (Antwort des Geheilten) und 9,23 (Aussage der Eltern des Blindgeborenen). 

  • 54

    Joh 1,50; 3,11.28; 4,17.20.35.42.51.52 (bei 4,51 und 52 scheint es sich um indirekte Rede zu handeln, obwohl dies meist als direkte Rede übersetzt wird; immerhin wird auch die Frage des Vaters in 4,52a als indirekte Rede formuliert); 6,14 wird man ebenfalls, trotz einer Übersetzung mit direkter Rede, zur Einleitung einer indirekten Rede tendieren; immerhin wird vorausgesetzt, dass die Menschen dies untereinander gesagt hätten; formal, wenn es wörtliche Rede wäre, hätten sie im Chor geantwortet. 6,42; 7,12.42; 8,33.54; 9,11.17 (Frage der Pharisäer); 9,41; 10,36; 10,41 (wohl Bericht über mehrere Personen, die etwas nacheinander gesagt haben, und damit ebenfalls eher indirekte Rede). 

  • 55

    Joh 5,24.25; 6,36.65; 8,24.34.55; 10,7. 

  • 56

    Dtn 1,43: καὶ ἐλάλησα ὑμῖν, καὶ οὐκ εἰσηκούσατέ μου. 

  • 57

    Ps 49,7: Ἄκουσον, λαός μου, καὶ λαλήσω σοι, Ισραηλ, καὶ διαμαρτύρομαί σοι· ὁ θεὸς ὁ θεός σού εἰμι ἐγώ. 

  • 58

    Dies wird auch durch den Gebrauch von ὅτι im Markusevangelium bestätigt; vgl. Caragounis, John 8:25 (s. Anm. 1), 140–141: „ὅτι = ‚Why? ‘ In classical times the question why? normally uses τί; and indirect questions use ὅτι. The first holds true of the New Testament although there is a tendency in literarily low-standing writings to use ὅτι even in direct questions.“ Er verweist auf Mk 2,16 als Beispiel für eine direkte mit ὅτι eingeleitete Frage. 

  • 59

    Joh 8,43: διὰ τί τὴν λαλιὰν τὴν ἐμὴν οὐ γινώσκετε; ὅτι οὐ δύνασθε ἀκούειν τὸν λόγον τὸν ἐμόν. 

  • 60

    Vgl. hierzu auch z. B. die Luther-Übersetzung (Revision 1984): „Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt!“ Die Einheitsübersetzung überträgt: „Warum versteht ihr nicht, was ich sage? Weil ihr nicht imstande seid, mein Wort zu hören.“ 

  • 61

    Im Vergleich zu dem traditionellen Übersetzungsvorschlag (vgl. Anm. 70) steigert die Gute-Nachricht-Übersetzung noch einmal die Wirkung von 8,43b: „Warum versteht ihr denn nicht, was ich sage? Weil ihr unfähig seid, mein Wort aufzunehmen.“ 

  • 62

    So Wengst, Johannesevangelium (s. Anm. 26), 335: „Angesichts der Stellen, nach denen man genau über Jesus Bescheid wusste (6,42; 7,15.41 f.52), ist das keine echte, sondern eine rhetorische Frage: Wer bist du denn schon, dass du solche Ansprüche stellst.“ Vgl. auch Theobald, Johannes (s. Anm. 31), 581: „Auf das geheimnisvolle ‚Ich bin‘ Jesu hin kommt prompt die Rückfrage der Juden: ‚Du – wer bist du (denn schon)?‘ Nach BDR § 300.2 Anm. 3 lässt sich die Fokussierung des ‚Du‘ (auch Röm 9,20; Epiktet, Diss III 1,22) so paraphrasieren: ‚wie kommst du dazu, diese Rolle spielen zu wollen?‘“ Aus philologischer Sicht ist es unverständlich, warum sich eine neutestamentliche Grammatik für diese schwierige Stelle auf klassische Texte beruft, während die Stellen des Neuen Testaments, wo sich vergleichbare bzw. wortidente Fragen finden, nicht als Referenz angeführt werden. 

  • 63

    Für die vermeintlich mit τὴν ἀρχὴν beginnende wörtliche Rede betonen die Herausgeber der Grammatik ausdrücklich, dass die von ihnen vorgeschlagene Übersetzung klassischem (aber im Neuen Testament nicht zu belegendem) Sprachgebrauch entspreche; für die Frage σὺ τίς εἶ wird dann neben dem Römerbrief Epiktet zitiert; vgl. F. Blass/A. Debrunner, Grammatik des neutestamentlichen Griechisch bearbeitet von F. Rehkopf, Göttingen 182001, § 300 Anm. 3. 

  • 64

    G. Maier, Johannes-Evangelium. 2. Teil (EdC.B 6), Stuttgart 1996 (= 2007), 376: „Manche Ausleger bevorzugen die Übersetzung: ‚Du – wer bist du denn?‘ und meinen, die Frage sei verächtlich oder aggressiv gewesen […]. Aber sowohl die Tatsache, daß bald darauf viele an ihn glaubten (8,30), als auch der Vergleich mit der Anfrage in 1,19 deuten in eine andere Richtung.“ 

  • 65

    Dagegen jedoch Blass/Debrunner, Grammatik (s. Anm. 73), § 475.1b: „Betonte Teile des Nebensatzes stehen bisweilen auch vor dem Relativum und öfter vor dem Interrogativum: Jh 1,19 σὺ τίς εἶ;“ Durch diese Formulierung und das gewählte Beispiel wird impliziert, dass auch eine Frage mit der Wortstellung τίς σὺ εἶ; oder τίς εἶ σὺ; im Neuen Testament belegt sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. 

  • 66

    Für eine indirekte Frage, wo die Voranstellung des Personalpronomens die Anrede betont, vgl. Mk 14,68: ὁ δὲ ἠρνήσατο λέγων· οὔτε οἶδα οὔτε ἐπίσταμαι σὺ τί λέγεις; für eine direkte Frage vgl. Joh 9,17: λέγουσιν οὖν τῷ τυφλῷ πάλιν· τί σὺ λέγεις περὶ αὐτοῦ, ὅτι ἠνέῳξέν σου τοὺς ὀφθαλμούς; ὁ δὲ εἶπεν ὅτι προφήτης ἐστίν. Bei der direkten Frage ist textkritisch interessant, dass sowohl die Wortstellung τί σύ (01; 03; 019; 044) wie auch die Wortstellung σὺ τί (P75; 02; 05; 018; 022; 032 etc.) gut belegt ist. Man wird fragen müssen, ob das schlechter bezeugte τί σύ nicht in den kritischen Apparat und die besser bezeugte Frage σὺ τί nicht in den Haupttext des Novum Testamentum Graece aufgenommen werden sollte. 

  • 67

    Es handelt sich um Fragen, die mit dem Interrogativpronomen τίς eingeleitet werden, die ferner in der zweiten Person formuliert sind und die schließlich die Kopula εἰμί verwenden. Für diese gilt, dass – falls das Personalpronomen der zweiten Person verwendet wird – dieses in den neutestamentlichen Texten immer (!) vor dem Interrogativpronomen steht (wobei überhaupt nur ein Beleg einer den beschriebenen Kriterien entsprechenden direkten Frage in der 2. Person Sg. in den gesamten neutestamentlichen Schriften zu finden ist, in der das Personalpronomen nicht verwendet wird, eine direkte Frage in der 2. Person Pl. ohne Personalpronomen ist nicht belegt; die strukturidente Frage ohne Personalpronomen begegnet in Joh 1,22 [τίς εἶ;]). Einen Sonderfall stellt die Frage des Paulus im Rahmen seiner Bekehrungsvision dar, da anstelle der persönlichen Anrede mit Hilfe des Personalpronomens die ehrende Anrede des Gegenüber im Vokativ am Ende der Frage steht: Apg 9,5: εἶπεν δέ· τίς εἶ, κύριε; (die Frage wird in den Erzählungen des Paulus zweimal wiederholt; vgl. Apg 22,8; 26,15). 

  • 68

    Joh 1,19 (σὺ τίς εἶ;). 

  • 69

    Joh 21,12. 

  • 70

    Apg 19,15: ἀποκριθὲν δὲ τὸ πνεῦμα τὸ πονηρὸν εἶπεν αὐτοῖς· τὸν [μὲν] Ἰησοῦν γινώσκω καὶ τὸν Παῦλον ἐπίσταμαι, ὑμεῖς δὲ τίνες ἐστέ; 

  • 71

    Röm 9,20: ὦ ἄνθρωπε, μενοῦνγε σὺ τίς εἶ ὁ ἀνταποκρινόμενος τῷ θεῷ; μὴ ἐρεῖ τὸ πλάσμα τῷ πλάσαντι· τί με ἐποίησας οὕτως; 

  • 72

    Röm 14,4: σὺ τίς εἶ ὁ κρίνων ἀλλότριον οἰκέτην; τῷ ἰδίῳ κυρίῳ στήκει ἢ πίπτει· σταθήσεται δέ, δυνατεῖ γὰρ ὁ κύριος στῆσαι αὐτόν. 

  • 73

    Röm 14,10: Σὺ δὲ τί κρίνεις τὸν ἀδελφόν σου; ἢ καὶ σὺ τί ἐξουθενεῖς τὸν ἀδελφόν σου; πάντες γὰρ παραστησόμεθα τῷ βήματι τοῦ θεοῦ. 

  • 74

    Vgl. Gen 27,18: καὶ εἰσήνεγκεν τῷ πατρὶ αὐτοῦ. εἶπεν δέ Πάτερ. ὁ δὲ εἶπεν Ἰδοὺ ἐγώ· τίς εἶ σύ, τέκνον; 

  • 75

    Theobald, Johannes (s. Anm. 31), 581: „Ein Abgrund des Nicht-Verstehens und des Unverständnisses tut sich auf – gewiss ein Reflex dessen, was auch die johanneischen Christen vonseiten der Synagoge am eigenen Leib erfahren mussten.“ 

  • 76

    Vgl. hierzu oben die Anm. 56. 

  • 77

    Joh 8,26: πολλὰ ἔχω περὶ ὑμῶν λαλεῖν καὶ κρίνειν, ἀλλ᾿ ὁ πέμψας με ἀληθής ἐστιν, κἀγὼ ἃ ἤκουσα παρ᾿ αὐτοῦ ταῦτα λαλῶ εἰς τὸν κόσμον. 

  • 78

    Vgl. Joh 8,43. 

  • 79

    Vgl. die Übertragung von Joh 8,26 in der revidierten Lutherübersetzung (1984): „Ich habe noch viel von euch zu reden und zu richten. Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt.“ 

  • 80

    Joh 3,33; 4,18; 5,31.32; 6,55 (bis); 7;18; 8,13.14.17.26; 10,41; 19,35; 21,24. 

  • 81

    Joh 8,13: Εἶπον οὖν αὐτῷ οἱ Φαρισαῖοι· σὺ περὶ σεαυτοῦ μαρτυρεῖς· ἡ μαρτυρία σου οὐκ ἔστιν ἀληθής. 

  • 82

    So die Lutherübersetzung (1984): „Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr.“ 

  • 83

    Vgl. die Einheitsübersetzung: „Da sagten die Pharisäer zu ihm: Du legst über dich selbst Zeugnis ab; dein Zeugnis ist nicht gültig.“ 

  • 84

    Siehe Schnackenburg, Johannesevangelium (s. Anm. 30), 243: „Sie […] erheben einen Einwand, der jüdischem Denken entspricht: Ein Selbstzeugnis hat keine Beweiskraft.“ Von Wahlde, John (s. Anm. 35), 379: „The discussion here centers on principles of rabbinic law. According to the Mishna (m. Ketubbot 2:9), in almost all cases, the witness of a single person to him/herself was not considered valid.“ Siehe auch Maier, Johannes-Evangelium (s. Anm. 74), 367. Dies gilt durchaus mit gutem Grund auch im modernen Recht; vgl. hierzu T. Lenckner, Mitbeschuldiger und Zeuge, in: Einheit und Vielfalt des Strafrechts, hg. v. J. Baumann/K. Tiedemann (Tübinger Rechtswissenschaftliche Abhandlungen 35), Tübingen 1974, 333–348, hier 333: „Es ist ein grundlegendes und allgemein anerkanntes Prinzip des deutschen Strafprozeßrechts, daß der Beschuldigte (Angeschuldigte, Angeklagte) nicht zugleich Zeuge in eigener Sache sein kann.“ 

  • 85

    Joh 8,14: ἀπεκρίθη Ἰησοῦς καὶ εἶπεν αὐτοῖς· κἂν ἐγὼ μαρτυρῶ περὶ ἐμαυτοῦ, ἀληθής ἐστιν ἡ μαρτυρία μου, ὅτι οἶδα πόθεν ἦλθον καὶ ποῦ ὑπάγω· ὑμεῖς δὲ οὐκ οἴδατε πόθεν ἔρχομαι ἢ ποῦ ὑπάγω. 

  • 86

    Vgl. jedoch Morris, John (s. Anm. 3), 390, mit Bezug auf Joh 8,13: „Typically they fasten on a legal technicality.“ Siehe auch Schnackenburg, Johannesevangelium (s. Anm. 30), 246: „Jesus läßt sich auf das Rechtsdenken der Juden ein, indem er sich auf ‚ihr‘ Gesetz beruft, und sprengt es doch durch seine inhaltliche Aussage.“ 

  • 87

    Voll und ganz verfahrenstechnisch übersetzt auch Hermann Menge (1994): 8,13: „ungültig“; 8,14: „gültig“; 8,17: „wahr (= rechtsgültig)“. 

  • 88

    Für diese Bedeutung vgl. auch F.G. Preisigke, Wörterbuch der griechischen Papyrusurkunden mit Einschluß der griechischen Inschriften, Aufschriften usw. aus Ägypten. Bd. 1, Berlin 1925, 54–55; die Neue Zürcher Übersetzung (2007) überträgt in Joh 8,13 und 14 mit „glaubwürdig“, entscheidet sich jedoch für den verfahrenstechnischen Formalbegriff „gültig“ in Joh 8,17. 

  • 89

    So z. B. Lutherübersetzung (1984), Fridolin Stier (1989); die Gute Nachricht (1997) überträgt in 8,13 mit „Beweiskraft“, in 8,14 mit „wahr“ und in 8,17 mit „gültig“. 

  • 90

    Am Rande sei bemerkt, dass durchaus der verfahrenstechnische Begriff für „falsch aussagen“ und für „falsches Zeugnis“ in neutestamentlichen Schriften belegt ist; auch dies spricht dafür, von der Übertragung mit „wahr“ im vorliegenden Kontext Abstand zu nehmen. Vgl. Mt 15,19; 26,59 (ψευδομαρτυρία) u. Mt 19,18; Mk 10,19; 14,56.57; Lk 18,20 (ψευδομαρτυρέω). Das Verb begegnet übrigens in SusTh u. LXX 61. 

  • 91

    Joh 8,26: πολλὰ ἔχω περὶ ὑμῶν λαλεῖν καὶ κρίνειν, ἀλλ᾿ ὁ πέμψας με ἀληθής ἐστιν, κἀγὼ ἃ ἤκουσα παρ᾿ αὐτοῦ ταῦτα λαλῶ εἰς τὸν κόσμον. Die verwaltungstechnische Sprache der Einheitsübersetzung zwingt, da sie beibehalten wird, zu einer eher paraphrasierenden Übersetzung von Joh 8,26: „Ich hätte noch viel über euch zu sagen und viel zu richten, aber er, der mich gesandt hat, bürgt für die Wahrheit, und was ich von ihm gehört habe, das sage ich der Welt.“ Ein griechisches Äquivalent zu „bürgen“ existiert im vorliegenden Text nicht, sodass die Ergänzung des Begriffs in der deutschen Übersetzung einen unnötigen Eingriff in den Text darstellt. 

  • 92

    Damit wäre dies ein Argument gegen redaktionelle Schichten in diesem Kapitel; dagegen jedoch z. B. von Wahlde, John (s. Anm. 35), 384: „A final indication that this material is the work of the third author is that, in spite of the obviously programmatic quality of this statement about Jesus as the light, neither the imagery of light and darkness nor the identification of the religious authorities as ‚Pharisees‘ appears anywhere else in the chapter!“ 

  • 93

    Für die jüdischen Quellen zur Frage der Stellvertretung durch einen „Gesandten“ vgl. P. Borgen, God’s Agent in the Fourth Gospel, in: ders., The Gospel of John: More Light from Philo, Paul and Archaeology. The Scriptures, Tradition, Exposition, Settings, Meaning (NT.S 154), Leiden/Boston 2014, 167–178. 

  • 94

    Vgl. Joh 8,43.45–47: 43διὰ τί τὴν λαλιὰν τὴν ἐμὴν οὐ γινώσκετε; ὅτι οὐ δύνασθε ἀκούειν τὸν λόγον τὸν ἐμόν. 45ἐγὼ δὲ ὅτι τὴν ἀλήθειαν λέγω, οὐ πιστεύετέ μοι. 46τίς ἐξ ὑμῶν ἐλέγχει με περὶ ἁμαρτίας; εἰ ἀλήθειαν λέγω, διὰ τί ὑμεῖς οὐ πιστεύετέ μοι; 47ὁ ὢν ἐκ τοῦ θεοῦ τὰ ῥήματα τοῦ θεοῦ ἀκούει· διὰ τοῦτο ὑμεῖς οὐκ ἀκούετε, ὅτι ἐκ τοῦ θεοῦ οὐκ ἐστέ. 

  • 95

    Für die Diskussion der philologischen Probleme dieser Passage vgl. H. Förster, Die syntaktische Funktion von ὅτι in Joh 8.47, NTS 62 (2016) 157–166. 

  • 96

    So auch U.C. von Wahlde, „You Are of Your Father the Devil“ in Its Context: Stereotyped Apocalyptic Polemic in John 8:38–47, in: Anti-Judaism and the Fourth Gospel. Papers of the Leuven Colloquium, 2000, hg. v. B. Bieringer/D. Pollefeyt/F. Vandecasteele-Vanneuville (Jewish and Christian Heritage 1), Assen 2001, 418–444, hier 443: „The author is not saying that the Jewish perspective is wrong; he is saying that his opponents do not have the true Jewish perspective!“ 

  • 97

    Haenchen, Johannesevangelium (s. Anm. 1), 369. 

  • 98

    Zu dieser Bedeutung von ἀγράμματος vgl. Preisigke, Wörterbuch Bd. 1 (s. Anm. 98), 11; den Begriff verwendet Johannes Chrysostomos in seiner ersten Predigt zum Johannesevangelium; Johannes Chrysostomos, Homiliae in Joannem 2,2 (PG 59,31): ὁ δὲ ἀγράμματος οὗτος, ὁ ἰδιώτης, ὁ ἀπὸ Βηθσαϊδὰ, ὁ Ζεβεδαίου παῖς. Die Parallele der Formulierung zu Apg 4,13 ist offensichtlich; vgl. hierzu grundsätzlich T.J. Kraus, ‚Uneducated‘, ‚ignorant‘, or even ‚illiterate‘? Aspects and Background for an Understanding of ΑΓΡΑΜΜΑΤΟΙ (and ΙΔΙΩΤΑΙ) in Acts 4:13, in: ders., Ad Fontes. Original Manuscripts and Their Significance for Studying Early Christianity – Selected Essays (Texts and Editions for New Testament Study 3), Leiden 2007, 149–170. 

  • 99

    Vgl. U. Schnelle, Antidoketische Christologie im Johannesevangelium: Eine Untersuchung zur Stellung des vierten Evangeliums in der johanneischen Schule (FRLANT 144), Göttingen 1987, 49: „Es muß vielmehr als das bewußte schriftstellerische und theologische Werk eines hervorragenden Theologen des Urchristentums begriffen werden.“ 

  • 100

    Blass/Debrunner, Grammatik (s. Anm. 73), § 470.1. 

  • 101

    Dagegen jedoch Morris, John (s. Anm. 3), 400: „The problem is thus a very complicated one, and it is not surprising that many exegetes hold that it is incapable of solution with the information at our disposal.“ 

  • 102

    Vgl. D. Hagedorn/P. Sänger, KorrTyche 727. P.Vet.Aelii 18, Tyche 27 (2012) 222–223, hier 223: „Hinsichtlich der Transkription [ἀ]λ̣λ̣ὰ μὴ̣ ἀμελήση̣ς ὅτι πορθους με. Γὰρ ἀσπαζόμεθα κτλ. sollte jedoch prinzipiell festgehalten werden, daß im Griechischen mit γάρ kein Satz beginnen kann. Deshalb würde man dazu tendieren, nach γάρ zu interpungieren, so daß der Satz mit ἀσπαζόμεθα beginnen würde. Dafür würde auch das große Spatium nach ἀσπαζόμεθα sprechen.“ 

  • 103

    U. Eco, Overinterpreting Texts, in: Umberto Eco: Interpretation and Overinterpretation, hg. v. S. Collini, Cambridge 1992, 45–66, hier 65: „How to prove a conjecture about the intentio operis? The only way is to check it upon the text as a coherent whole. This idea, too, is an old one and comes from Augustine (De doctrina christiana): any interpretation given of a certain portion of a text can be accepted if it is confirmed by, and must be rejected if it is challenged by, another portion of the same text. In this sense the internal textual coherence controls the otherwise uncontrollable drives of the reader.“ 

  • 104

    Diese Dramatik geht bei einer „leserorientierten“ Interpretation verloren; vgl. von Wahlde, John (s. Anm. 35), 393: „Within the context of the discourse itself, the statement serves as provocation to the listeners to question the value of the word of Jesus because he witnesses to himself.“ 

  • 105

    S.R. Slings, ‚ΚΑΙ adversativum‘ – some thoughts on the semantics of coordination, in: Linguistic Studies offered to Berthe Siertsema, hg. v. D.J. van Alkemade/A. Feitsma u. a. (COSTERUS 25), Amsterdam 1980, 101–125, hier 101 [Hervorhebung SRS]. 

  • 106

    Vgl. Thyen, Johannesevangelium (s. Anm. 33), 1 [Hervorhebung HT]. 

About the article

Published Online: 2016-02-08

Published in Print: 2016-02-08


Citation Information: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft, ISSN (Online) 1613-009X, ISSN (Print) 0044-2615, DOI: https://doi.org/10.1515/znw-2016-0001.

Export Citation

© 2016 Hans Förster, published by De Gruyter Open. This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 3.0 License. BY-NC-ND 3.0

Citing Articles

Here you can find all Crossref-listed publications in which this article is cited. If you would like to receive automatic email messages as soon as this article is cited in other publications, simply activate the “Citation Alert” on the top of this page.

[1]
Hans Förster
The Bible Translator, 2017, Volume 68, Number 2, Page 164

Comments (0)

Please log in or register to comment.
Log in