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Zeitschrift für Pädagogik und Theologie

Ed. by Käbisch, David / Koerrenz, Ralf / Kumlehn, Martina / Schlag, Thomas / Schweitzer, Friedrich / Simojoki, Henrik

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ISSN
2366-7796
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Volume 68, Issue 3

Issues

Interreligiöses Lernen in Jerusalem
Zwei Studienprogramme im Vergleich

Christoph Markschies
  • Corresponding author
  • Prof. Dr. Dres. h.c. Christoph Markschies, Theologische Fakultät, Universität Berlin, Unter den Linden 6, 10099 Berlin Germany, DE, E-Mail: christoph.markschies@rz.hu-berlin.de
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/ Bernd Schröder
  • Corresponding author
  • Prof. Dr. Bernd Schröder, Theologische Fakultät, Universität Göttingen, Platz der Göttinger Sieben 2, 37073 Göttingen Germany, DE, E-Mail: bernd.schroeder@theologie.uni-goettingen.de
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Published Online: 2016-09-01 | DOI: https://doi.org/10.1515/zpt-2016-0031

Abstract:

This essay presents two programmes of study, both of them initialized about forty years ago in order to offer options for students of Christian theology to stay and study in Jerusalem. One of them fosters a deeper understanding of both biblical exegesis and ecumenical richness of Christianity within the context of the Holy Land; the other particularly strives to renew Christian-Jewish relations out of a first-hand knowledge of Modern Hebrew, classical texts of Rabbinic Judaism, Jewish thought and modern multi-faceted Judaism. Thus, both programmes of study are to be seen as illuminating examples for what might be called transnational educational research.

Zusammenfassung:

Der Artikel stellt zwei Studienprogramme unterschiedlichen thematischen und organisatorischen Zuschnitts vor, die jeweils seit ca. 40 Jahren deutschsprachigen Theologiestudierenden einen Studienaufenthalt in Jerusalem ermöglichen. Das eine akzentuiert mit einem dichten Lehrangebot von Professoren deutschsprachiger, aber auch israelischer und palästinensischer Hochschulen die Vertiefung v. a. in Exegese und Ökumene, das andere ermöglicht – auf der Basis profunder Kenntnisse der neuhebräischen Sprache – das Studium an der Hebräischen Universität Jerusalem und die alltägliche wie theologische Begegnung v. a. mit Jüdinnen und Juden. Mit ihren Gemeinsamkeiten wie Unterschieden sind sie damit ein anschauliches Fallbeispiel für transnationale Perspektiven in der Religions- und Bildungsforschung.

Keywords:: Theological education; ecumenical relationships; interreligious learning; Judaism; Israel

Schlagworte:: Theologische Ausbildung; Ökumene; Interreligiöses Lernen; Judentum; Israel

Der folgende Aufsatz wurde gemeinschaftlich verfasst: Von Bernd Schröder stammen Anlage, der erste Entwurf der Rahmung und Design sowie die Abschnitte zum Programm „Studium in Israel“; von Christoph Markschies diejenigen zum „Theologischen Studienjahr“. Beide Autoren verantworten aber Anlage und Rahmen gemeinsam.

Die beiden Studienprogramme, die hier vorzustellen sind, das „Theologische Studienjahr“ der Dormitio-Abtei und „Studium in Israel. Ein theologisches Studienjahr an der Hebräischen Universität Jerusalem“ beschreiben sich beide von ihrem Selbstverständnis her nicht als „transnational“ – ein Begriff, der erst Jahrzehnte nach Gründung beider in Gebrauch gekommen ist. Gleichwohl lassen sich beide in unterschiedlicher Weise auf die mit diesem Begriff verbundenen Forschungsperspektiven beziehen.1 Beide Studienprogramme sind jeweils tief durch Aufbruchsbewegungen des zwanzigsten Jahrhunderts geprägt, nämlich die Bemühungen um die Erneuerung des christlich-jüdischen Verhältnisses nach dem Holocaust und die ökumenische Bewegung, und versuchen, die Impulse dieser Bewegungen in ein Studienjahr in Jerusalem umzusetzen.

„Transnational“ sind beide Programme zunächst im wörtlichen und formalen Sinne: Sie fördern den zeitlich befristeten Transfer von Studierenden (und z. T. Lehrenden) der Theologie über nationale Grenzen hinweg und knüpfen grenzüberschreitende – personale und institutionelle – Beziehungen zwischen Studierenden und wissenschaftlichen (sowie kirchlichen bzw. religiösen, jüdischen und muslimischen) Akteuren. Beide verbinden damit die Hoffnung, dass das theologische Nachdenken der geförderten Studierenden wie überhaupt deren ganze Existenz neue Impulse erhält und ‚dynamisiert‘ wird; in gewisser Weise streben beide den wechselseitigen Transfer theologischer Einsichten und Kenntnisse zwischen dem entsendenden (u. a. Deutschland, dazu Österreich und Schweiz) und dem empfangenden Land (Staat Israel, aber auch Palästina) an. Durch die inzwischen recht große Zahl von Absolventinnen und Absolventen sind durch beide Programme vielfältige Impulse in kirchliche und außerkirchliche Bildungsarbeit, aber auch in die (pfarr-)gemeindliche Arbeit, wissenschaftliche Theologie und in kirchenleitende Tätigkeiten eingeflossen.

Um darüber hinausgehend Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Programme feststellen und Aspekte ausmachen zu können, die für die transnationale Religions- und Bildungsforschung von Interesse sein könnten, sollen beide Programme zunächst je für sich vorgestellt, ihre Geschichte und gegenwärtige Gestalt expliziert werden und dann im Blick auf ihre „Transnationalität“ verglichen werden. Das Verhältnis der beiden Programme ist sowohl auf der Ebene der Leitenden wie Teilnehmenden außerordentlich freundlich, man nimmt gegenseitig an Veranstaltungsangeboten teil und trifft sich zum Austausch, teilweise auch nach dem Abschluss der Jahre in Jerusalem.

1. Das „Theologische Studienjahr“ der Dormitio-Abtei in Jerusalem

1.1 Zum Profil des „Theologischen Studienjahres“

Das „Theologische Studienjahr“2 bietet rund fünfundzwanzig Studierenden aus dem deutschen Sprachraum die Gelegenheit, ein knappes Jahr in einem Studienhaus auf dem Zionsberg vor den Toren der Altstadt Jerusalems im Garten einer Benediktiner-Abtei zu leben, gemeinsam zu lernen und das Land (Israel und Palästina) kennenzulernen. Die bundesdeutschen Studierenden werden durch ein Teilstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) finanziert; das Bundesministerium für Bildung und Forschung bezahlt außerdem seit 2010 einen Studiendekan bzw. eine Studiendekanin (in Form einer über den DAAD vergebenen Langzeitdozentur, des Laurentius-Klein-Lehrstuhls für Biblische und Ökumenische Theologie). Entsprechend liegen auch die Auswahlverfahren letztlich in der Verantwortung des DAAD.

Das in zwei Semester aufgeteilte und durch Gastvorlesungen wie Exkursionen ergänzte Studienprogramm wird durch deutschsprachige Professorinnen und Professoren evangelischer wie römisch-katholischer Konfession bestritten, dazu kommen Professorinnen und Professoren insbesondere der Hebräischen Universität Jerusalem und der beiden größten palästinensischen Universitäten, der Al-Quds und der Bir Zayt Universität. Das Programm legt seit der Gründung Schwerpunkte auf die gemeinsame Erschließung der biblischen Texte in ihren Ursprachen, Archäologie und Landeskunde, die Frage der innerchristlichen und abrahamitischen Ökumene sowie die Auseinandersetzung mit Judentum und Islam. In den letzten Jahren wurde den Studierenden auch Gelegenheit gegeben, im Land ein Sozialprojekt zu beginnen und beispielsweise in Altenheimen zu arbeiten; außerdem gibt es zu Beginn des zweiten Semesters eine sogenannte „Werkwoche“ gemeinsam mit aus Deutschland stammenden Studierenden muslimischen Glaubens und Dozierenden der Islamwissenschaft und islamischen Theologie3.

1.2 Zur Geschichte des „Theologischen Studienjahres“

Das „Theologische Studienjahr“, dessen Rechtsträger die römische Benediktiner-Universität Sant'Anselmo ist, entstand vor vierzig Jahren in einer von der Abwicklung bedrohten Benediktiner-Abtei im Niemandsland vor dem Zions-Tor der Jerusalemer Altstadt. Der ursprünglich mit der Abwicklung der Abtei betraute katholische Theologe Laurentius Klein OSB weitete ein Programm, das ursprünglich der Abtei neue Mönche zuführen sollte, zu einem ökumenischen Studienjahr aus, das erstmals 1973/1974 stattfand.4 Gedacht war, dass ein gemeinsames Studium biblischer Texte in demjenigen Land, in dem diese Texte entstanden waren, die bestehenden Differenzen zwischen den beiden großen Konfessionen, aber auch das Verhältnis beider zum Judentum in ein neues Licht stellen würden. Klein ging davon aus, dass das gemeinsame Leben in einem Studienhaus, aber ebenso gemeinsame Exkursionen, Wanderungen im Land und auf der damals von Israel besetzten Sinai-Halbinsel auch ein gemeinsames Lernen und damit die Überwindung von Vorurteilen zur Folge haben würden. „Mit anderen Worten: Die eigene Identität bestimmt sich in der Begegnung mit den anderen neu. Aus der Abgrenzung wird Versöhnung“5. Von vornherein war – was weniger bekannt ist – auch das Judentum im Blick: Der Vorgänger des Abt-Administrators Klein, Leo von Rudloff (1902–1982), gehört zu den Pionieren der deutsch-israelischen Aussöhnung nach den Katastrophen des Zweiten Weltkriegs und ist eine der wichtigen Figuren für die entsprechenden Abschnitte der im Zweiten Vatikanischen Konzil 1965 verabschiedeten Erklärung „Nostra Aetate“, die die Neubesinnung römisch-katholischer Theologie im Verhältnis zum Judentum dokumentiert.6 Die Abtei erweiterte beispielsweise ihren Festkalender und die Liturgie des Stundengebetes mit Blick auf das Judentum – und entsprechend waren von Anfang an im Lehrprogramm jüdische Dozenten aus dem Land vertreten, allerdings zunächst meist solche mit deutschem Hintergrund wie Schalom Ben Chorin (1913–1999) oder R.J. Zwi Werblowsky (1924–2015) sowie die beiden Historiker Michael Toch und Moshe Zimmermann. Die für die Dauer ihrer Vorlesungen in das Land importierten deutschen Professorinnen und Professoren stammten in der Gründungsphase hauptsächlich, aber nicht ausschließlich aus Bonn, Münster und Tübingen, wie eine unvollständige Aufzählung zeigt: Erich Gräßer, Ferdinand Hahn (1926–2015), Frank-Lothar Hossfeld (1942–2015), Jörg und Gert Jeremias, Helmut Merklein (1940–1999), Martin Metzger sowie Erich Zenger (1939–2010).7 Als Studiendekane in Jerusalem amtierten neben dem Gründungsdekan Laurentius Klein in den vergangenen über vierzig Jahren die Professoren Heino Sonnemans, Hans Jorissen, Josef Wohlmuth, Michael Bongardt, Klaus Scholtissek, Joachim Negel, Wilfried Eisele, Margareta Gruber und Thomas Fornet-Ponse.8 Immer wieder wurde in den letzten Jahren gefragt, ob die stark an der innerchristlichen Ökumene orientierte Konzeption nicht noch stärker auf das Judentum und den Islam (einschließlich der maßgeblichen Sprachen, die die Studierenden auf freiwilliger Basis erlernen bzw. vertiefen können) fokussiert werden sollte; auch hat selbstverständlich in den Jahren seit der ersten Intifada der Nahost-Konflikt immer stärker Berücksichtigung im Lehr- und Studienprogramm gefunden. Er macht wie viele andere Erfahrungen den Studierenden deutlich, dass sie nicht auf einer deutschen Insel der Seligen auf dem Zionsberg leben können, sondern in einer ebenso spannenden wie konfliktreichen Welt ein Jahr als Gäste verbringen.

2.3 Zur Struktur und zu den Inhalten des Theologischen Studienjahres

Das Theologische Studienjahr wendet sich an deutschsprachige Studierende der Theologie im Pfarramts- oder Lehramtsstudium, hauptsächlich römisch-katholischer oder evangelischer Konfession in den Semestern nach der Zwischenprüfung. Die Studierenden wohnen, leben, essen und arbeiten in einem Studienhaus, in dem für alle Studierende kleine Apartments mit Balkon vorgesehen sind; eine mit Hilfe der Siemens-Stiftung und anderer Förderer aufgebaute und ergänzte Bibliothek steht im benachbarten Kloster zur Verfügung. Die räumliche Nähe des Klosters wird unterschiedlich genutzt; einzelne Studierende verwenden einen Teil ihrer Zeit, um am liturgischen Leben einer Benediktiner-Abtei teilzunehmen, andere Studierende nehmen stattdessen oder zusätzlich auch andere christliche oder jüdische liturgische Angebote in der Stadt wahr. Ein gemeinsamer Ort, an dem sich u. a. Studierende beider Studienprogramme treffen, sind die Veranstaltungen und Gottesdienste der evangelischen Gemeinde in der Erlöserkirche in der Altstadt.

Die Struktur des Programms hat sich seit Beginn 1973/1974 an bestimmten Punkten nicht verändert: Nach Beginn im August eines Jahres folgen zunächst verschiedene Einführungskurse, unter anderem in die Gegebenheiten und Geschichte der Stadt Jerusalem. Dann reist das Studienjahr zu einer rund zehntägigen Eröffnungsexkursion; bedingt durch die in jüngster Zeit dramatisch verschärfte Lage im Nahen Osten findet diese Exkursion inzwischen leider nicht mehr im südlichen Sinai, sondern in Jordanien statt. Die dabei vermittelte Erfahrung der Wüste soll ein existenziell vertieftes Verständnis für die Ursprungstexte des Volkes Israel und seiner Gottesbeziehung bei den Studierenden wecken. Das weitere Studienjahr in zwei gegenüber dem deutschen System verkürzten Semestern wird durch zwei weitere einwöchige Exkursionen gegliedert: Im späteren Herbst fahren die Studierenden nach Galiläa, um dort vor allem die neutestamentlichen Ortslagen landeskundlich, archäologisch und bibelwissenschaftlich kennenzulernen und ebenfalls einen existenziell vertieften Eindruck von dem zu gewinnen, was neutestamentliche Schriften unter Nachfolge Jesu verstehen. Nach der vorlesungsfreien Weihnachtspause endet das Studienjahr nach einer Exkursion im Land auf den Spuren der Kreuzfahrer und der mittelalterlichen indigenen Bevölkerung mit den Osterfeierlichkeiten in Jerusalem. Da die vorgeschriebene Mindeststundenzahl zweier Semester auf die Monate von August bis April zusammengedrängt wird und zu den Vorlesungen sowie Seminaren und Übungen noch eine Fülle von Arbeitsgemeinschaften, Vorträgen (vor allem von politischen wie wissenschaftlichen Persönlichkeiten aus dem Land) kommen sowie eintägige Exkursionen beispielsweise zu den antiken christlichen Klöstern in der Wüste Juda, archäologischen Ausgrabungen im Negev oder zur Geschichte der jüdisch-arabischen Doppelstadt Jaffo/Tel Aviv im zwanzigsten Jahrhundert, entsteht ein ungemein voll gepackter Stundenplan, der sich nur mit Hilfe der nahezu automatisch geweckten Begeisterung der Studierenden einigermaßen bewältigen lässt. Freiwillige Sprachkursangebote für das Erlernen der arabischen und neuhebräischen Sprache erlauben es den Studierenden, darüber hinaus noch Kontakte im Land zu vertiefen. Die Auswahl der Dozierenden, die aus deutschen bzw. einheimischen Kontexten eingeladen werden, wird teilweise durch ein jeweils vom Studiendekan festgesetztes Jahresthema beeinflusst, teilweise setzt das Programm aber auch auf bewährte Kräfte. Die Jahresthemen geben den Studiendekanen zudem die Möglichkeit, eigene theologische Schwerpunkte zu setzen.

2.4 Zu Erfahrungen und Erträgen des Studienjahres

Die letzte wissenschaftlichen Maßstäben genügende Auswertung der schriftlichen Studienberichte, die alle Studierenden einzeln bzw. ein Jahrgang gemeinsam dem Stipendiengeber DAAD vorlegen, fand zum zwanzigjährigen Jubiläum 1993 statt.9 Insofern ist, was im Folgenden formuliert wird, vor allem aus Gesprächen und sonstigen Eindrücken gewonnen und notwendig persönlich gefärbt. Zunächst einmal kann das Theologische Studienjahr in jeder Hinsicht als erfolgreich eingestuft werden, ein einziges Beispiel für seine Nachhaltigkeit: Eine ganze Anzahl gegenwärtig lehrender Professorinnen und Professoren entstammt diesem Programm und verbindet seinen wissenschaftlichen Lebensweg mit den Erfahrungen in Jerusalem – ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Silke-Petra Bergjan, Lutz Döring, Andreas Feldtkeller, Sebastian Grätz, Margareta Gruber, David Käbisch, Volker Leppin, Frank M. Lütze, Christoph Markschies, Uta Pohl-Patalong, Hans-Joachim Sander, Barbara Schmitz, Ludger Schwienhorst-Schönberger, Thomas Staubli, Markus Vogt, Siegfried Weichlein und Thomas Zippert. Auch viele Leiter oder Studienleiter kirchlicher Bildungseinrichtungen entstammen dem Programm, dazu viele Priester sowie Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Religionslehrer.10 Die Auswertung 1993 ebenso wie Gespräche mit Studierenden seither zeigen, dass insbesondere die Lehr-, Lern- und Lebensgemeinschaft im Studienhaus als etwas ganz Besonderes empfunden wird; derartig enge Kontakte mit Professorinnen und Professoren, mit denen zwanglos bei den Mahlzeiten oder spontanen Verabredungen diskutiert werden kann (und wird), bewirken eine ganz andere „Freude am Studium“ und machen das Studieren zu einem „echten Erlebnis“.11 Ökumene wird zu einer Lebenseinstellung, weil sie gemeinsam mit Mitstudierenden und Personen aus dem Land erlebt und erlernt wird. Theologie ist im wahrsten Sinne des Wortes in Bewegung, weil die Texte nicht nur Buchstaben bleiben, sondern anhand von Ortslagen erlebt werden können, die zwar nicht unbedingt historisch im Sinne einer buchstäblichen Korrektheit sind, aber als meist in der Antike festgelegte Ortstraditionen auch ihre Geschichte haben (schon der Sinai ist ein Beispiel für diese Tatsache der nachträglichen Konkretisierung von Ortstraditionen durch jüdische oder christliche Gruppen in Hellenismus, Kaiserzeit und Spätantike). In einem in deutschen Fakultäten kaum erlebbaren unmittelbaren Zusammenhang stehen im Studienjahr aber auch persönliche und theologische Reflexion, Frömmigkeit bzw. Spiritualität und eine in jeder Hinsicht intensivierte Phase der Reifung in vielfacher Hinsicht. Vertiefung eigener konfessioneller Identität steht neben der Entfremdung aus bisherigen Traditionen, Beheimatung in anderen Traditionen und Lebensentwürfen neben der Entfremdung von bisherigen Hintergründen. Spannend, wenn auch hier nicht statistisch darstellbar, ist das Nebeneinander von Entfremdungs- und Beheimatungserfahrungen. Dazu tragen insbesondere auch die Begegnungen beispielsweise mit den Studierenden des Hebrew Union College in der jüdischen Neustadt oder mit den deutschen bzw. türkischen muslimischen Studierenden in der Werkwoche bei. Viele Studierende halten die besondere Form eines Intensivstudiums, das ein klassisches Theologiestudium in vielfacher Hinsicht durch intensivere und neue Formen und Inhalte ergänzt, für den Höhepunkt ihrer eigenen Studienkarriere.12 Bei einigen, aber nicht vielen Studierenden führt das zu einer Änderung des Studienziels oder gar des Studienfaches, weil – ganz im Sinne Bonhoeffers13 – Engagement als Maßstab der Berufswahl neu entdeckt wird. Da deutsche Fakultäten häufig eher homogen zusammengesetzt sind, wird in den klassischen Kernbereichen der Exegese, der historischen und systematischen Wissenschaften den Studierenden eine neue Pluralität von Ansätzen und Positionen vermittelt. Dazu kommt ein vertieftes, oft bedrängendes Wissen und Fühlen über den Nahostkonflikt und seine Geschichte, auch die deutschen Anteile an der Situation, die viele Studierende zunächst einfach sprachlos macht. Eindeutige Parteinahmen für eine Seite im Konflikt sind daher eher selten, es dominiert ein sehr differenziertes Bild.

Natürlich hat sich das Profil der Studierenden des Programms in den letzten Jahrzehnten ebenso verändert wie es sich auch an deutschen und deutschsprachigen Fakultäten verändert hat: Im Blick auf religiöse Biographien, auf Frömmigkeit und Denkstile kann man von einer deutlichen Pluralisierung sprechen, stellenweise sogar von einer stärkeren Profilierung klassischer religiöser und konfessioneller Identitäten gegenüber einer eher Profil-unscharfen „Mitte“.14 Gleichzeitig erleben aber die meisten Studierenden in Jerusalem nicht mehr ihren ersten längeren Auslandsaufenthalt, sondern sind seit Schulzeiten mit entsprechenden Lebensphasen fast selbstverständlich vertraut. Angesichts der ungleich intensiveren und erlebnisdichteren Biographie heutiger Jugendlicher vor Aufnahme eines Studiums im Vergleich zu den Gründungsjahren des Programms, aber auch angesichts der deutlich stärkeren Pluralisierung des Gastlandes Israel und der zunehmenden Verschärfung der Konflikte15 dürften sich auch die studentischen Eindrücke aus dem Studienjahr verändert haben. Da keine wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema existieren, bleibt nur der Versuch einer Verbalisierung begrenzter Erfahrungen aus eigenen Gesprächen mit Studierenden: Man könnte, wenn man die Generationen der Studierenden aus den Anfangsjahren des Programms mit denen der Gegenwart vergleicht, den Eindruck gewinnen, dass von Anfang an für das Programm konstitutive Erlebnisse – beispielsweise das der Begeisterung und Empfindung von Nähe zum Judentum bzw. reziproke Eindrücke von Verwirrung und Empfindung von Fremdheit – sich hinsichtlich ihrer Intensität bei manchen Studierenden gegenüber vorhergehenden Populationen abgeschwächt haben. Das könnte daran liegen, dass für manche Studierende die Integration transnationaler und multireligiöser Erfahrungen ebenso wie ihre denkerische Bewältigung schon so selbstverständlich ist, dass das Studium in Jerusalem nicht mehr gleichsam den einen, großen Höhepunkt ihrer Biographie bildet,16 sondern ein Glied in einer längeren Kette mehr oder weniger vergleichbarer Erfahrungen. Sie haben sich dann in der Schulzeit oder in den ersten Semestern schon mit dem Judentum und dem jüdisch-christlichen Dialog oder auch mit der jeweiligen christlichen Schwesterkonfession und dem ökumenischen Dialog auseinandergesetzt und kommen insofern besser vorbereitet als voraufgehende Generationen ins Land. Man könnte versuchsweise diese veränderte Situation auch als einen Erfolg beider Programme bezeichnen.

2. „Studium in Israel. Ein theologisches Studienjahr an der Hebräischen Universität Jerusalem“

2.1 Zum Profil von „Studium in Israel“

„Studium in Israel“17 versteht sich als ein Studienangebot mit einem spezifischen Sitz im Leben und einem ebensolchen Anliegen: Es möchte christlichen Theologinnen und Theologen die vertiefte wissenschaftliche und die alltagspraktische Beschäftigung mit dem Judentum ermöglichen, indem sie in dem traditionellen Zentrum jüdischen Lebens und jüdischer Gelehrsamkeit, in Jerusalem und an der dort gelegenen Hebräischen Universität (1925 eröffnet), ein Jahr lang studieren und leben. Auf diese Weise will das Studienjahr zur Erneuerung des christlich-jüdischen Verhältnisses beitragen, konkret: zur Abkehr von pejorativen Ansichten oder antijüdischen Ressentiments hin zu einem sachkundigen, erfahrungsgestützten, vielfaltsbewussten Verständnis des Judentums in seiner Tradition wie in seiner Gegenwart.18 Das Erlernen des Neuhebräischen auf einem so hohen Niveau, dass die aktive Kommunikation in universitären Lehrveranstaltungen und – in verschiedenen Settings – theologischen Dialogen möglich wird, stellt ein zentrales Moment des Jahres dar; es ist zugleich ein Signal: Christliche Theologinnen und Theologen lassen sich nach Jahrhunderten der „Vergegnung“19 auf die Begegnung mit Selbstexplikation und Selbstverständnis von Jüdinnen und Juden und deren Sprache ein.

Auf diese Zielrichtung hin ist das Studienjahr komponiert – wohl wissend, dass in dieser Begegnung mit dem Judentum exemplarisch interreligiöse und interkulturelle Verständigung überhaupt erfahren, geübt und angeregt wird. Wenn also der Akzent auf die Vertiefung ins Judentum gelegt wird, so geschieht dies mit Absicht – um eine Lehre aus der jahrhundertelangen Tradition christlicher Überlegenheitstheologie gegenüber dem Judentum zu ziehen –, es geschieht aber nicht ‚exklusiv‘. Die Teilnehmenden sind eingeladen, ein Kernprogramm im christlich-jüdischen Horizont wahrzunehmen, können aber darüber hinaus andere Interessen im Kosmos Jerusalem verfolgen: die Begegnung mit dem Islam, mit palästinensischem Christentum, mit der Vielfalt christlicher Konfessionen, mit Archäologie u. a.m.20 Charakteristisch für das Programm ist aber in jedem Fall eine vertiefte Begegnung mit rabbinischen Texten, insbesondere mit Midrasch und Talmud.

2.2 Zur Geschichte des Programms

Der erste Jahrgang von „Studium in Israel“ ist im akademischen Jahr 1978/79 in Jerusalem gewesen; initiiert wurden die Vorbereitungen dafür von einem „Netzwerk“ von Theologen, darunter Michael Krupp, Peter von der Osten-Sacken, Rolf Rendtorff und Martin Stöhr, die sich im Juni 1977 in der Ev. Akademie Arnoldshain trafen: „anspruchslos in der Organisationsform, anspruchsvoll in der Zielsetzung“.21 Das Studienjahr sollte bis dahin Unerhörtes ermöglichen: die Arbeit an rabbinischen Texten unter Anleitung jüdischer Lehrer(innen), die authentische, nicht angeleitete Begegnung, die Wahrnehmung modernen Judentums in all seiner Vielfältigkeit. Von zentraler Bedeutung vor Ort war ohne Zweifel der aus Berlin entsandte Pfarrer und Judaist Michael Krupp, der seinerseits in den 1960er Jahren (u. a. zusammen mit Peter Schäfer, dem heutigen Direktor des Jüdischen Museums Berlin) zur ersten Generation deutscher Studierender an der Hebräischen Universität in Jerusalem gehört hatte und 25 Jahre lang als Studienleiter wirkte.

Die Entsendung von Krupp geschah nicht zuletzt aufgrund des persönlichen Einsatzes des Berliner Bischofs Kurt Scharf (1902–1990). Aber auch die Tatsache, dass das Studienjahr die Bibliothek von Günther Harder (1902–1978) verwendet, der das Berliner Institut „Kirche und Judentum“, heute ein Werk der evangelischen Kirche an der Humboldt-Universität zu Berlin, gegründet hat22, macht deutlich, dass das Programm seinen Gründungsimpuls auch dem Erschrecken von einstigen Protagonisten der Bekennenden Kirche wie Scharf und Harder über das mangelnde Engagement der Kirchen im Nationalsozialismus für die jüdischen Gemeinden und den zugrundeliegenden theologischen Versäumnissen verdankt.

Seitdem werden Jahr für Jahr Pfarramts-, aber auch Lehramtsstudierende entsandt; in den letzten Jahren jeweils bis zu 15 Studierende; mittlerweile beläuft sich die Zahl der Ehemaligen auf insgesamt etwa 600 Studierende. Aus dem informellen Trägerkreis der Gründer ist 1986 ein Verein namens „Studium in Israel e. V.“ hervorgegangen, der seitdem für die Auswahl der Studierenden, die Organisation des Programms und die Weiterarbeit in Deutschland Verantwortung trägt.23 Der „Arbeitskreis“, ein Gremium, in dem Hochschullehrende, Ehemalige und Studierende sowie die Jerusalemer Studienleitung vertreten sind, zudem Entsandte der Ausbildungsreferentenkonferenz der Landeskirchen, der Bildungsabteilung des Kirchenamtes der EKD und Leiter/innen von Fortbildungseinrichtungen, ist das entscheidende Organ.

Seit 2002 von der Evangelischen Kirche in Deutschland sockelfinanziert, ist das Programm seit 2006 Teil von „Evangelisch in Jerusalem“, einer von traditionsreichen Stiftungen (Evangelische Jerusalem-Stiftung, Auguste-Viktoria-Stiftung) finanzierten und getragenen, im Kirchenamt der EKD koordinierten Institution, die evangelische kirchliche wie wissenschaftliche Aktivitäten in der Heiligen Stadt bündelt.24 Unter diesem Dach hat sich die Zusammenarbeit von Studium in Israel mit der Gemeinde der „Erlöserkirche“ wie mit dem „Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes“ (DEI) verdichtet. In demselben Jahr, 2006, hat der Arbeitskreis Studium in Israel eine Erweiterung des Studienprogramms initiiert: Unter der Bezeichnung „Theologische Fortbildung in Jerusalem“ können seitdem nicht mehr nur Studierende, sondern auch Pfarrer/innen und Religionslehrer/innen, die bereits im Beruf stehen, unter dem Dach von Studium in Israel e. V. Fortbildungen wahrnehmen: entweder Fortbildungswochen, die zumeist in Kooperation mit Pastoralkollegs o.ä. organsiert werden, oder individuelle Langzeitaufenthalte von in der Regel bis zu drei Monaten Dauer. Die Teilnehmenden arbeiten währenddessen an einem selbstgewählten Studienprojekt im Horizont des christlich-jüdischen Gesprächs, haben Anteil am originären Studienprogramm der Studierenden und profitieren von den überreichen ökumenischen und interreligiösen Erkundungs-, Begegnungs-, Dialog- und Vortrags-Optionen, die Jerusalem bietet.25

Ehemalige Teilnehmende sind jedes Jahr im Januar zur sog. Jahrestagung eingeladen, die Themen im Horizont des Studienjahres aufgreift, im Jahr 2017 etwa die Frage „1947–1967–2017 – wie weiter?“. Das Studienjahr hinterlässt in Biografie und Theologie der Absolvent/inn/en in der Regel tiefe Spuren; aus der theologischen Weiterarbeit sind neben zahlreichen Examens- und Doktorarbeiten u. a. die „Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext“ (seit 1996)26 sowie eine inzwischen beinahe abgeschlossene kritische Edition der Mischna samt Übersetzung ins Deutsche hervorgegangen.27 Die deutsche Übersetzung dieser kritischen Edition der Mischna wird im „Verlag der Weltreligionen“ publiziert.28

2.3 Zur Struktur und zu den Inhalten des Studienjahres

Das Studienprogramm „Studium in Israel“ wendet sich an deutschsprachige Studierende der Theologie – sei es im Pfarramts- oder Lehramtsstudium, seien sie römisch-katholisch oder evangelisch (oder anders konfessionell), seien sie Deutsche, Österreicher/innen oder Schweizer/innen oder aus einem anderen europäischen Land stammend: De facto haben sich bislang aus nicht-deutschsprachigen Ländern v. a. Tschech/inn/en, vereinzelt aber auch Dän/inn/en und Niederländer/innen beteiligt. Diese europäische Offenheit war schon den Gründervätern des Programms ein Anliegen.

Die Struktur des Programms ist cum grano salis von Anfang an unverändert geblieben: Die Teilnehmenden studieren zwei Semester lang an der Hebräischen Universität Jerusalem, darunter auf jeden Fall die Fächer Talmud und Midrasch, oft auch (Exegese der) Hebräische(n) Bibel sowie Weiteres nach Wahl. Um das Lehrangebot wahrnehmen zu können, aber auch um im Alltag zurechtzukommen – die Studierenden suchen sich selbst Quartier und wohnen häufig in Wohngemeinschaften mit Israelis oder in Wohnheimen – lernen sie zuvor, u. a. in einem Sommer-Sprachkurs (Hebr.: Ulpan) für Einwanderer, intensiv Neuhebräisch (Ivrith), die von Elieser Ben Jehuda (1858–1922) revitalisierte Amtssprache des Staates Israel. Daneben bietet „Studium in Israel“ ein Begleitprogramm, das aus wöchentlichen Kursen zu Gesellschaft und Religion Israels wie Palästinas bzw. zu theologischen Themen, aus Blockseminaren zur theologischen Verarbeitung der Eindrücke (für die auch Professoren aus Deutschland eingeladen werden, etwa Friedrich-Wilhelm Marquardt [1928–2002], Bertold Klappert, Marianne Grohmann oder Alexander Deeg) sowie aus Exkursionen, etwa nach Galiläa auf den Spuren der Rabbinen, besteht. Im Laufe der Jahre ist ein dichtes Netz von persönlichen und institutionellen Kontakten – vor allem, aber keineswegs ausschließlich – zu israelisch-jüdischen Gesprächspartnern entstanden, mit denen die Studierenden in Austausch treten – exemplarisch genannt seien Jehoschua Amir, David Flusser, Jona Frankel, Shimon Gesundheit, Moshe Greenberg, Shmuel D. Herr, Chana Safrai, Shmuel Safrai und Moshe Zimmermann. Für die Ausgestaltung des Programms ist eine hauptamtliche, wissenschaftlich und pastoral qualifizierte Studienleitung vor Ort zuständig – die Studierenden können allerdings, das ist von Anfang an ein wichtiges Strukturmoment gewesen, thematische Akzente maßgeblich mitbestimmen.29 Für die Begegnungen sowie für individuelle Studienarbeit steht ein Studienzentrum samt Bibliothek in der Jerusalemer Neustadt bereit (das sich lange im Kloster „Ratisbonne“ befand).

2.4 Zu Erfahrungen und Erträgen des Studienjahres

Die oben summarisch benannten tiefen Prägungen lassen sich nicht nur im Gespräch mit Absolvent/inn/en erheben: auch die Studienberichte, die jede/r Absolvent/in nach der Rückkehr anfertigt, legen davon beredt Zeugnis ab;30 für diesen Beitrag sind zudem im Januar 2016 per Fragebogen Auskünfte von Teilnehmenden der „Jahrestagung“ erhoben worden.31 So begrenzt deren Aussagekraft im empirischen Sinne ist, vermag sie wohl doch Tendenzen zu illustrieren.

Erfahrungshintergrund der Rückmeldungen ist in gut 50 % der Fälle die Teilnahme am Programm vor mehr als zehn Jahren; bei den übrigen liegt das Studienjahr bis zu zehn Jahre zurück. Schon daran zeichnet sich ab, dass das Studienjahr nachhaltig Faszination auslöst und biografisch richtungsweisend wirksam wird. Zwei Drittel der Rückmeldenden sind Frauen – das entspricht in etwa den Verhältnissen im Gesamt der Absolvent/inn/nen. Ein Drittel der Befragten ist gegenwärtig als Pastor/in einer Kirchengemeinde tätig; jeweils 20 % bekleiden entweder ein Funktionspfarramt oder sind im wissenschaftlichen Dienst tätig;32 jeweils gut 5 % arbeiten im Schuldienst oder haben kirchenleitende Ämter inne. Die übrigen gut 15 % studieren noch.

In einer Hinsicht sind die Ergebnisse eindeutig: Das „Anliegen, das Judentum besser verstehen zu lernen“ ist für drei Viertel der Befragten der maßgebliche Grund gewesen, an „Studium in Israel“ teilzunehmen; für mehr als 90 % gilt die Erweiterung der eigenen Kenntnisse im Blick auf das Judentum als der wichtigste Ertrag des Jahres; dicht gefolgt von „Vertrautheit mit den Gegebenheiten im Land Israel“ (82 %) und – mit einigem Abstand – von den Items „Ich bin selbständiger geworden“ (61 %), „Ich habe eine Fremdheitserfahrung als Christ/in gemacht“ (58 %) und „Ich habe eine Fremdheitserfahrung als Deutsche/r gemacht“ (49 %).33

Beleuchtet man näher, welche Lerndimension durch das Studienjahr stimuliert wird, so zeigt sich, dass das Studienjahr bei 85 % der Befragten sowohl „neue Kenntnisse“ als auch „neue Einstellungen“ evoziert hat. Das Jahr ist augenscheinlich intensiv und lang genug, um solche Einstellungsveränderungen hervorrufen zu können – auf eine offene Frage zum Ertrag des Jahres wird dementsprechend häufig hervorgehoben, das Studienjahr sei „der wichtigste und prägendste Abschnitt meines Theologiestudiums“ oder „meines Lebens“ gewesen. Nicht zuletzt pflegt ein Großteil der Studierenden über Jahre enge persönliche Beziehungen zu Jüdinnen und Juden – eine unverhoffte Verstetigung des (nicht nur) theologischen Dialogs.

Angestoßen werden die entsprechenden Lernprozesse für mehr als zwei Drittel der Befragten „maßgeblich“ durch „Menschen, die man im Land kennengelernt hat“, für 48,5 % durch eigenes Nachdenken, für 45 % durch einzelne „Erlebnisse“, für 40 % durch das akademische Studium.

Was die Nachhaltigkeit des Gelernten angeht, so kann man diese als hoch bezeichnen – denn, wie gesagt, das Studienjahr, auf das sich diese Auskünfte beziehen, liegt bei mehr als 50 % der Befragten mehr als zehn Jahre zurück. „Erträge des Studienjahres“ spielen in der „derzeitigen beruflichen Tätigkeit“ von 36 % der Befragten „eine maßgebliche Rolle“, bei weiteren 39 % ist es eine „konstant recht wichtige Rolle“ und bei 15 % „immer mal wieder eine Rolle“ – bei dieser Frage dürfte allerdings am deutlichsten der Umstand durchschlagen, dass an der Jahrestagung v. a. diejenigen teilnehmen, die mit Bedacht noch immer auf die Ressource „Studienjahr“ zurückgreifen.

Ohne diese Verlautbarungen einlinig als Wirkung des Studienjahres vereinnahmen zu wollen, wird der Hinweis erlaubt sein, dass sich in den knapp vierzig Jahren seit Gründung von „Studium in Israel“ das Verhältnis vieler deutschsprachiger Kirchen zum Judentum tiefgreifend verändert hat, nicht selten auch durch Mitwirkung derer, die sich auf das Studienjahr an der Hebräischen Universität eingelassen haben – Änderungen der Kirchenverfassungen und theologische Erklärungen34 legen davon ebenso beredt Zeugnis ab wie anerkennende Reaktionen von jüdischer Seite.35

3. Überlegungen zu den Eigenarten beider Studienprogramme im Vergleich und zu ihrem „transnationalen“ Profil

Auf der Basis dieser vergleichenden Beschreibung beider Studienprogramme lassen sich abschließend einige Beobachtungen zu deren transnationaler Qualität anstellen. Für beide Programme gilt fraglos, dass es der grenzüberschreitende Orts- und Kontextwechsel ist, der fruchtbare und nachhaltige Lernprozesse initiiert – im einen Fall vor allem durch das tiefe Eintauchen in Sprache, Alltags- und Festtagspraxis, Wissenschaft des Judentums und die angeleitete Freiheit, sich hier selbst auf Entdeckungsreise zu begeben (Studium in Israel), im anderen Falle durch eine zeitlich, personal und sachlich verdichtete ökumenische Lehr-Lern-Erfahrung in der besonderen Aura eines Studienhauses an einer katholischen Benediktiner-Abtei, der Dormitio (Theologisches Studienjahr).

Schon diese erste Skizze lässt erkennen, dass Studienprogramme dieser Qualität und Nachhaltigkeit lohnende Objekte von Bildungsforschung und Theologischer Zeitgeschichte sind. Um der Würdigung und Wirkungsanalyse willen stehen etwa die Kontextualisierung ihrer Gründungsimpulse, die Rekonstruktion von Profil und Rezeption der Impulsgebenden, die systematische Auswertung von Studienberichten und eine Netzwerkanalyse, eine empirische Erhebung biografischer und fachlicher Resultate sowie die Verortung im Feld der (theologischen) Aus- und Fortbildung an.

Im Blick auf „Studium in Israel“ ist u. a. Folgendes zu pointieren:

  • Wechselseitigkeit: Studienberichte wie Fragebögen lassen erkennen, dass das Studienjahr einen Transfer in zwei Richtungen hervorruft, aber auch erfordert: Es ruft Vorverständnisse, Fragen, Anliegen auf, die von den Studierenden nach Israel mitgebracht werden und es stimuliert Wissenserweiterungen, aber auch neue Einstellungen, die nach Deutschland (bzw. in das jeweilige Heimatland) exportiert werden. Diese betreffen v. a. das Wahrnehmen und Verstehen, ja, das Interesse am Judentum in seiner Pluralität und einen tiefen Respekt vor der geschichtlichen, gesellschaftlichen, politischen, theologischen Komplexität des Landes.

  • Dimensionen des Transfers: Das „nationale“ Moment spielt eine nicht unwichtige, aber alles in allem doch lediglich nachgeordnete Rolle. Im Vordergrund steht subjektiv und objektiv eine – wenn man so will –„transreligiöse“ Dynamik, gepaart mit „transkulturellen“ Momenten. „Transreligiös“ meint nicht, dass es zu Konversionen kommt – das ist in bald vierzig Jahren nur vereinzelt der Fall gewesen –, vielmehr zu substantiellen Lernprozessen über die Grenzen definierter Religionsgemeinschaften hinweg: positive Erfahrungen mit jüdischer Orthopraxie und liturgischem Leben, Einsichten in die Beschaffenheit jüdischer Traditionsliteratur und intellektuelles Interesse an deren Erforschung, das Erleben vertrauensvoller Kontakte mit israelisch-jüdischen Peers oder auch Angehörigen älterer Generationen, nicht zuletzt Überlebenden der Schoah, bleibende Eindrücke von Atmosphäre bzw. Geist theologischer Gespräche gehören zu den meistgenannten Effekten.

  • Zeitliche Extension: Festzuhalten ist zudem, dass der „Trans-“Effekt keineswegs mit der Rückkehr zum Stillstand kommt. Vielmehr gelingt es in bemerkenswerter Häufigkeit, einen langandauernden, ja, lebenslangen Lern- und Weiterarbeitsprozess zu initiieren, der mehr oder weniger kontinuierlich auf Impulse, Foren, Kontakte aus der Mitte des Studienjahres zurückgreift.

Im Blick auf das „Theologische Studienjahr“ lässt sich Folgendes unterstreichen:

  • Wechselseitigkeit: Auch das „Theologische Studienjahr“ ruft Vorverständnisse, Fragen, Anliegen auf, die von den Studierenden nach Israel mitgebracht werden, und es stimuliert Wissenserweiterungen und neue Einstellungen, die nach Deutschland (bzw. in das jeweilige Heimatland) exportiert werden. Mit anderen Worten: Je besser ein Studierender auf das Studium vorbereitet ist, desto größer ist auch die Veränderung seiner Kenntnisse, Haltungen und Einstellungen, entsprechende Offenheit vorausgesetzt.

  • Dimensionen des Transfers: Auch für das „Theologische Studienjahr“ spielt das „nationale“ Moment eine nicht unwichtige, aber alles in allem doch lediglich nachgeordnete Rolle. Gelegentliche Besuche hochrangiger Bundespolitiker in Abtei und Studienjahr machen deutlich, woher die Studierenden kommen, aber spätestens die Konfrontation mit der von Deutschen verursachten Katastrophe des Judentums im zwanzigsten Jahrhundert (in Form von Museumsbesuchen, aber natürlich auch in der Begegnung mit den letzten Überlebenden des Holocaust) führen zu einer tiefen Irritation der im Blick auf Deutschland ohnehin eher schwächer ausgeprägten Nationalbindung. „Transreligiös“ bedeutet auch hier praktisch nicht, dass es zu Konversionen kommt – dies ist wie beim „Studium in Israel“ nur in einigen ganz wenigen Fällen geschehen, sowohl zu einer anderen christlichen Konfession als auch zum Judentum –, sondern beschreibt die Lernerfahrungen mit den religiösen und Lebenskontexten in Jerusalem und im Land, die zu Veränderungen der eigenen Praxis führen, beispielsweise im Blick auf Gebetspraxis oder Leseverhalten.

  • Zeitliche Extension: Natürlich gilt auch hier, dass der „Trans-“Effekt mit der Rückkehr keineswegs zum Stillstand kommt. Im Gegenteil: Gelegentlich löst erst die zu Hause gegebene Gelegenheit zu einer vertieften wissenschaftlichen Nacharbeit des im Intensivstudium im Land ansatzweise Begriffenen und Erworbenen eine Neuorientierung, ein vertieftes Engagement oder Ähnliches aus.

Eine nähere Betrachtung der beiden einerseits unterschiedlich angelegten und dann doch andererseits überraschend parallelen Studienprogramme in Jerusalem zeigt, dass Grundzüge eines transnationalen und transreligiösen Lernens mit weitreichenden Folgen für deutsche (bzw. die jeweils heimischen) Verhältnisse schon zu einer Zeit etabliert worden sind, als die kategoriale Bedeutung solcher Werte für den Bildungsprozess noch kaum in Deutschland bewusst war, geschweige denn theoretisch formuliert werden konnte. Eine solche vorausschauende Weisheit der Gründerväter und -mütter dieser Programme erfüllt angesichts der schwierigen Geschichte religiöser Bildung in Deutschland im zwanzigsten Jahrhundert mit Dankbarkeit, vielleicht sogar ein wenig Stolz.

Footnotes

  • 1

    Dazu hier nur die Einführung zur Thematik dieses Heftes von David Käbisch, Transnationale Bildungsräume verstehen und gestalten. Historiographische und religionspädagogische Aspekte. 

  • 2

    Weitere Informationen finden sich auf der Homepage www.studienjahr.de, die von Ehemaligen betrieben wird, die im Verein „Forum Studienjahr e. V.“ organisiert sind; dazu kommt die entsprechende Homepage der Abtei Dormitio: www.dormitio.net/engagement/studienjahr/index.html, Lesedatum: 21. Mai 2016. 

  • 3

    Dazu vgl. die entsprechenden Bemerkungen von Margareta Gruber, 2010–2013 Inhaberin des Laurentius-Klein-Lehrstuhls, unter deren Studiendekanat diese „Werkwoche“ eingeführt wurde: Dies., Der Glaube der anderen. Theologie in Jerusalem als Weg der Konversio. In: Bibel und Liturgie 86 (2013), 307–314. 

  • 4

    Theologie in Jerusalem. 20 Jahre Studienjahr Pro Memoria – Bericht und Auswertung, DAAD Dokumentationen und Materialien 26, Bonn 1993 (als Manuskript gedruckt); Pro Memoria. Das Studienjahr der Dormition Abbey auf dem Berg Sion in Jerusalem. Sammlung von Artikeln und Gastvorlesungen aus verschiedenen Studienjahren, zusammengestellt und herausgegeben von Laurentius Klein und Immanuel Jacobs, Jerusalem 1983. 

  • 5

    So Laurentius Klein in der unveröffentlichten Ansprache anlässlich der Überreichung der Festschrift „Zion. Ort der Begegnung“ (s.u.) am 27. November 1993 in Bonn, S. 4; vgl. auch: Zion. Ort der Begegnung. FS für Laurentius Klein zur Vollendung des 65. Lebensjahres, hg. v. Ferdinand Hahn, Frank-Lothar Hossfeld, Hans Jorissen und Angelika Neuwirth, Bodenheim (Athenäum Hain Hanstein) 1993. 

  • 6

    John Hammond, A Benedictine Legacy of Peace. The Life of Abbot Leo A. Rudloff, Weston, VT (Weston Priory) 2005. Rudloff war u. a. mit Abraham Joshua Heschel (1907–1972) befreundet. Die näheren Zusammenhänge hat jüngst anhand von unveröffentlichtem Archivmaterial aufgeklärt: Ralph Greis, Abbot Leo von Rudloff, Dormition Abbey, and the Genesis of Nostra Aetate (erscheint in: European Pioneers in Catholic-Jewish Relations, ed. by Lawrence Frizzell). 

  • 7

    Christoph Markschies erinnert sich aus der Zeit seines eigenen Studienjahres 1983/1984 an ebenso spannende wie kontroverse Diskussionen über den Rheinischen Synodalbeschluss „Zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden“ von 1980 zwischen Edna Brocke und Erich Gräßer, die seinerzeit beide im Theologischen Studienjahr lehrten. Die jüdische Politologin Edna Brocke hatte im entsprechenden Synodalausschuss mitgearbeitet, der christliche Neutestamentler Erich Gräßer ein Protestvotum gegen den Beschluss unterzeichnet: 13 Theologieprofessoren der Universität Bonn, Erwägungen zur kirchlichen Handreichung zur Erneuerung des Verhältnisses von Christen und Juden. In: Kritische Stellungnahmen zu einem Bonner Theologenpapier über das Verhältnis von Christen und Juden, EPD-Dokumentation 42/1980, 14–17. 

  • 8

    Programmatische Überlegungen bei Thomas Fornet-Ponse, Das Theologische Studienjahr Jerusalem als Beispiel einer Ökumene der Profile. Vorlesung anlässlich der Übernahme des Laurentius-Klein-Lehrstuhls für Biblische und Ökumenische Theologie. In: Thomas Fornet-Ponse (Hg.), Jesus Christus. Von alttestamentlichen Messiasvorstellungen bis zur literarischen Figur, Münster (Aschendorff) 2015, 201–224 und Christoph Markschies, Studieren im Heiligen Land. Beobachtungen aus der Antike und ihre Bedeutung für die Gegenwart. In: Thomas Fornet-Ponse (Hg.), Jesus Christus. Von alttestamentlichen Messiasvorstellungen bis zur literarischen Figur, Münster (Aschendorff) 2015, 225–247. 

  • 9

    Vgl. Theologie in Jerusalem. 20 Jahre Studienjahr, 187–207 (statistische Anhänge). 

  • 10

    Eine exakte statistische Aufschlüsselung ist ein Desiderat für die nächsten Jubiläumsfeierlichkeiten. 

  • 11

    Vgl. Theologie in Jerusalem. 20 Jahre Studienjahr, 48 f. 

  • 12

    Vgl. Theologie in Jerusalem. 20 Jahre Studienjahr, 50–53. 

  • 13

    Dietrich Bonhoeffer, Was soll der Student der Theologie heute tun? [1933], in: Gesammelte Schriften Bd. 3, hg. von Eberhard Bethge, München (Kaiser) 1966, 143–147. 

  • 14

    Entsprechend spiegelt sich unter den Studierenden auch der grundsätzliche Wandel der ökumenischen Situation, auf den hier nur summarisch hingewiesen werden kann. 

  • 15

    Eine klassische Beschreibung dieser Pluralisierung hat der Staatspräsident des Staates Israel, Reuven Rivlin, mit seiner viel beachteten Rede „The Four Tribes“ auf der 15th Annual Herzliya Conference gegeben: Vgl. dazu www.president.gov.il/English/ThePresident/Speeches/Pages/news_070615_01.aspx, Lesedatum: 21. Mai 2016. 

  • 16

    Am Beispiel des eigenen Umgangs mit einer Bibelstelle beschrieben bei: Christoph Markschies, „Lass die Toten ihre Toten begraben“. In: Inspirationen für das Leben. Im Dialog mit der Bibel, hg. von Rudolf Walter [FS Anselm Grün zum 70. Geburtstag], Freiburg im Breisgau/Basel/Wien (Herder) 2015, 194–204. 

  • 17

    Weitere Informationen auf der Homepage www.studium-in-israel.de, Lesedatum: 21. Mai 2016. 

  • 18

    Für das auf dem Weg zu diesem Ziel Geleistete wurde „Studium in Israel“ 1988 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit ausgezeichnet, 1997 folgte der „Sir Sigmund Sternberg Award“ des International Council of Christians and Jews. 

  • 19

    Diesen Begriff prägte Martin Buber für biografische Erfahrungen; sekundär wurde er auf die christlich-jüdischen Beziehungen übertragen; siehe Maurice Friedman, Begegnung auf dem schmalen Grat. Martin Buber – ein Leben, Münster (agenda) 1999, hier 27. 

  • 20

    So hält es schon der erste Flyer aus dem Jahr 1977 fest, mit dem für die Teilnahme am Studienjahr geworben wurde – zit. in Martin Stöhr, Kleine Geschichte einer theologischen Initiative I – in Deutschland. In: Katja Kriener/Bernd Schröder (Hg.), Lernen auf Zukunft hin. Einsichten des christlich-jüdischen Gesprächs – 25 Jahre Studium in Israel, Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlag) 2004, 251–266, hier 264. 

  • 21

    Zitate und weitere Details bei Stöhr, Geschichte, bes. 251 und 263. 

  • 22

    Sein Nachfolger, der das Institut durch zahlreiche Publikationen, durch die christlich-jüdischen Sommeruniversitäten und die enge Zusammenarbeit mit jüdischen Gelehrten aus Israel, den USA u. a. maßgeblich profilierte, war von 1974 bis 2008 Peter von der Osten-Sacken, u. a. einer der Mitbegründer von Studium in Israel. Vgl. die Homepage www.ikj-berlin.de und Peter von der Osten-Sacken, Perspektiven und Ziele im christlich-jüdischen Verhältnis. Am Beispiel der Geschichte des Instituts Kirche und Judentum in Berlin (1960–2010). In: Markus Witte/Tanja Pilger (Hg.), Mazel tov […]. Festschrift anlässlich des 50. Geburtstages des Instituts Kirche und Judentum, Leipzig (EVA) 2012, 331–371. 

  • 23

    Als Vorsitzende waren bzw. sind Prof. Dr. Martin Stöhr ([1978-]1986–1994), Pfarrerin Katja Kriener (1994–2008), Prof. Dr. Erhard Blum (2008–2014) und Prof. Dr. Bernd Schröder (seit 2014) tätig, als Studienleiter Dr. Michael Krupp (1978–2003), Andreas Wagner (2003–2007), PD Dr. Martin Vahrenhorst (2007–2015) und (seit 2016) Dr. Melanie Mordhorst-Mayer. 

  • 24

    www.evangelisch-in-jerusalem.org: Lesedatum: 30. Mai 2016. 

  • 25

    www.studium-in-israel.de/fortbildungsprogramm/, Lesedatum: 28. Mai 2016. 

  • 26

    Der jüngste Band erschien unter dem Titel: Predigtmeditationenplus im christlich-jüdischen Kontext. Zur Perikopenreihe II, hg. von Studium in Israel, Berlin 2015. Zum Konzept vgl. Wolfgang Kruse „Projekte des Programms I: Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext. In: Kriener/Schröder, Lernen auf Zukunft hin, 279–282. 

  • 27

    Michael Krupp (Hg.), Die Mischna. Textkritische Ausgabe mit deutscher Übersetzung und Kommentar, Ein Karem (Lee Achim Sfarim), seit 2002. 

  • 28

    Michael Krupp, Einführung in die Mischna, Frankfurt (Verlag der Weltreligionen) 2007. Die Mischna, aus dem Hebräischen übersetzt und hg. von Michael Krupp, 6 Bde., Berlin (Verlag der Weltreligionen) 2007–2016. 

  • 29

    Nähere Beschreibung durch Katja Kriener, Das Programm „Studium in Israel“. In: Kriener/Schröder, Lernen auf Zukunft hin, 245–249. 

  • 30

    Eine Auswertung von Studienberichten der ersten zehn Jahrgänge wurde publiziert; siehe Martin Stöhr, Letztes Jahr in Jerusalem […]. In: Ders. (Hg.), Lernen in Jerusalem – Lernen mit Israel, Berlin 1993, 223–239. 

  • 31

    Es liegen 38 ausgefüllte Fragebögen vor; das entspricht etwa einem Drittel der Jahrestagungsteilnehmenden. Durch den Verteilkreis der Befragung ist insofern eine Vorauswahl erfolgt, als – um es in der Sprache der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zu sagen – i. d. R. Hochverbundene an diesen Tagungen teilnehmen. 

  • 32

    Ein erheblicher Prozentsatz der Absolventinnen und Absolventen vertieft die erworbenen Kenntnisse durch eine Promotion, häufig, aber keineswegs ausschließlich in exegetischen Disziplinen. Nicht wenige Ehemalige lehren als Professoren an Universitäten im In- oder Ausland, darunter (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Hans-Jürgen Becker, Alexander Deeg, Beate Ego, Johannes Ehmann, Marianne Grohmann, Matthias Henze, Lukas Kundert, Barbara U. Meyer, Klaus Müller, Ursula Rudnick, Susanne Scholz, Stefan Schorch, Bernd Schröder, Petr Slama; wieder andere haben kirchenleitende Ämter inne, etwa Ernst-Michael Dörrfuß, Ralf Meister, Christian Stäblein oder Gabriele Wulz. 

  • 33

    Die Prozentwerte geben jeweils nur an, wieviele Probanden „trifft voll und ganz zu“ ankreuzten. Nähme man die Kategorie „trifft zu“ hinzu, würden alle genannten Items Zustimmungswerte von 90 % und mehr erreichen. 

  • 34

    Vgl. hier nur Hans-Hermann Henrix/Wolfgang Kraus (Hg.), Die Kirchen und das Judentum, Bd. 2: Dokumente von 1986–2000, Paderborn (Bonifatius)/Gütersloh (GVH) 2001. 

  • 35

    Maßgebliche Beispiele: Dabru Emet. A Jewish Statement on Christians and Christianity (10. September 2000), online unter www.bc.edu/content/dam/files/research_sites/cjl/texts/cjrelations/resources/documents/jewish/dabru_emet.htm; To Do the Will of Our Father in Heaven: Toward a Partnership between Jews and Christians (3. Dezember 2015), online unter http://cjcuc.com/site/2015/12/03/orthodox-rabbinic-statement-on-christianity/ Lesedatum: 30. Mai 2016. 

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Published Online: 2016-09-01

Published in Print: 2016-09-01


Citation Information: Zeitschrift für Pädagogik und Theologie, Volume 68, Issue 3, Pages 284–301, ISSN (Online) 2366-7796, ISSN (Print) 1437-7160, DOI: https://doi.org/10.1515/zpt-2016-0031.

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