Dörfi, söli, muesi?

Widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings in Hochschulbibliotheken

  • 1 ETH Zürich, ETH-Bibliothek, Information und Lernumgebungen, Zürich, Switzerland
Dr. Eva-Christina EdingerORCID iD: https://orcid.org/0000-0003-1219-3893

Zusammenfassung

Environment-Behaviour-Settings beschreiben Umweltsituationen basierend auf der Annahme, dass die gebaute Umwelt uns zu einem bestimmten Verhalten leitet. In der Bibliotheksraumgestaltung wird versucht, sich dies zu Nutze zu machen. Irritierend ist jedoch, wenn trotz sorgfältiger Planung die jeweiligen Räume nicht in der vorgesehenen Weise genutzt werden. Gründe dafür können in der Widersprüchlichkeit der Environment-Behaviour-Settings gefunden werden. Auf der Basis von vergleichenden Fallstudien werden Methoden zur Ist- und Bedarfsanalyse von Bibliotheksräumen vorgestellt. Handlungsempfehlungen zur Entwicklung konsistenter Lernumgebungen in Hochschulbibliotheken schließen den Beitrag ab.

1 Einleitung

Reader Declaration:

I hereby undertake not to remove from the Library, nor to mark, deface, or injure in any way, any volume, document or other object belonging to it or in its custody; not to bring into the Library, or kindle therein, any fire or flame, and not to smoke in the Library; and I promise to obey all rules of the Library.

Die „Reader Declaration“ der Bodleian Libraries in Oxford ist ein herausgehobenes Beispiel dafür, wie Bibliotheken ihre Nutzerinnen und Nutzer auf Verhaltenskonventionen hinweisen. Bei der Aushändigung des Bibliotheksausweises ist diese Declaration – einem Initiationsritual gleich – laut aufzusagen. In den Lesesälen der Bodleian Libraries, insbesondere jenen der Old Bodleian Library, erinnern Schilder daran, sich an die Declaration zu halten.

Solche Verweise darauf, was man darf und was man soll, gibt es in großer Vielfalt.1 Diese Merkzettel und Schilder gibt es nicht ohne Grund. Sie sind ein Indiz dafür, dass Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer permanent auf bestimmte Regeln hingewiesen oder zumindest daran erinnert werden müssen. Zu vermuten ist, dass ohne diese Hinweise das gewünschte Verhalten ausbleiben würde. Das ist durchaus bemerkenswert, weil die Gestaltung von Bibliotheksräumen zumeist einhergeht mit umfangreichen Überlegungen dazu, für welche Lern- und Arbeitstätigkeiten sie genutzt werden sollen. Die hierfür eingesetzten sogenannten Environment-Behaviour-Settings beschreiben Umweltsituationen basierend auf der Annahme, dass die gebaute Umwelt uns zu einem bestimmten Verhalten leitet.2 In der Bibliotheksraumgestaltung wird versucht, sogenannte „patterns-of-behaviour-and-milieu“3 fruchtbar zu machen. Handlungsbedarf besteht jedoch, wenn sich die Nutzerinnen und Nutzer trotz sorgfältiger Planung komplett entgegengesetzt zu den Konzepten verhalten und beispielsweise an Orten, die für das individuelle stille Arbeiten gedacht sind, immer wieder in Gruppen zusammensitzen und miteinander diskutieren.

Abb. 1:
Abb. 1:

Hinweisschilder in der Hochschulbibliothek ZHAW Winterthur, 2017 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Gründe dafür können in der Widersprüchlichkeit konkreter Environment-Behaviour-Settings gefunden werden: Für die Nutzerinnen und Nutzer ist bei bestimmten Raumgestaltungen nicht eindeutig ersichtlich, welches Verhalten vorgesehen ist. Sie wissen somit nicht, ob das, was sie tun möchten (oder gerade tun) gewünscht, erlaubt oder vielmehr verboten ist.

Im Folgenden werden in einem ersten Schritt basierend auf Daten langjähriger empirischer Untersuchungen in Hochschulbibliotheken, u. a. in Deutschland, Norwegen, Großbritannien und der Schweiz, sowohl Methoden für die Analyse von Bibliotheksräumen vorgestellt als auch typische Beispiele für widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings illustriert.4 Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Verhaltensdimensionen Lautstärke (stilles vs. lautes Arbeiten/Lernen) sowie Sozialform (individuelles vs. kollaboratives Arbeiten/Lernen).

Die dafür herangezogenen Bibliotheken sind exemplarisch ausgewählt. Die Darstellungen sind nicht wertend zu verstehen. Viele Bibliotheken unterliegen in ihrer Gestaltung starken Einschränkungen wie etwa baulicher Art durch Fluchtwegegestaltung oder Denkmalschutz. Absolut eindeutige Settings sind Idealvorstellungen. Ziel ist es vielmehr, für das Thema Environment-Behaviour-Settings in Bibliotheken zu sensibilisieren.

In einem zweiten Schritt werden Ergebnisse von Bedarfsanalysen vorgestellt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den verschiedenen Lernanlässen in tertiären Curricula liegen und den mit diesen verbundenen Anforderungen an die Raumsettings.

Der Beitrag wird abgeschlossen durch Handlungsempfehlungen zur Entwicklung in sich konsistenter Lernumgebungen in Hochschulbibliotheken. Dafür werden verschiedene Raumkonzepte und mögliche ihnen zugrundeliegende Strategien in den Blick genommen.

2 Blackbox Bibliothek – Irritationen als Ansatzpunkte für Ist-Analysen

Möchte man widersprüchlichen Environment-Behaviour-Settings auf die Spur kommen, so bieten sich empirische Methoden aus der Sozialforschung an. An welchen Stellen sich eine Analyse lohnt und wie sich diese realisieren lässt, wird in den nachfolgenden Abschnitten dargestellt.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mir gezeigt, dass insbesondere eine erste gefühlte Irritation beim Besuch einer Bibliothek oder unerwartete Verhaltensweisen von Nutzern und Nutzerinnen in bestimmten Raumsettings lohnenswerte Ansatzpunkte für Analysen sind. Nach Bruno Latour5 können wir diese irritierenden sozial-materiellen Raumsituationen als Blackboxes bezeichnen. Latour folgend ist eine Blackbox ein Hybrid, dessen soziale und materielle Komponenten nicht erkennbar sind.

Als Beispiel für solch eine Blackbox kann der Lesesaal der Bibliothek vonRoll der Universitätsbibliothek Bern, eine Lernumgebung mit stillen Einzelarbeitsplätzen, dienen.

Während eines Besuchs dieser Bibliothek im Jahr 2014 schilderte man mir folgende Beobachtung: Abends, wenn die Studierenden den Lesesaal verlassen, schalten sie die Tischlampen nicht aus. Jeden Abend müssen Bibliotheksmitarbeitende durch die Reihen gehen, um die Lichter auszuschalten. Offenbar fühlen sich die Studierenden nicht verantwortlich dafür. Latour folgend müssen wir nun diese Blackbox decodieren, um zu verstehen, warum die gebaute Umwelt die Studierenden zum beschriebenen Verhalten leitet. Betrachten wir im Bild die junge Frau in der ersten Tischreihe, links, in der karierten Bluse. Wenn diese Frau mehr Licht an ihrem Arbeitsplatz haben möchte, so stehen ihr gleich zwei Tischlampen zur Verfügung. Das ist nur auf den ersten Blick ein Vorteil – in beiden Fällen hat das Anschalten der Lampe Auswirkungen auf die anderen Personen am Tisch. Für die junge Frau entsteht so ein Dilemma: Entweder sie interessiert sich nicht dafür, ob die anderen Lernenden mit der Veränderung der Lichtverhältnisse einverstanden sind, oder sie verstößt gegen die Regel Nummer eins eines Lesesaales und bricht das Schweigen, um zu fragen, ob sie das Licht anschalten darf. Im Zweifelsfall müsste sie mit den insgesamt fünf Personen rechts und links den Gebrauch der Tischlampen abstimmen.

Abb. 2:
Abb. 2:

Bibliothek vonRoll, Universitätsbibliothek Bern, 2016 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Es stehen sich hier Komponenten zweier unterschiedlicher Environment-Behaviour-Settings gegenüber: Der Lesesaal ist möbliert und sozial strukturiert im Sinne eines stillen Einzelarbeitsbereiches für individuelles Lernen. Die Tischlampen sind jedoch so positioniert, dass sie immer vier Arbeitsplätze zu einer Gemeinschaft gruppieren, deren Beteiligte sich teilweise mit der Nachbargruppe überschneiden.

Weil es nun weder im Materiellen die dem Setting entsprechenden Einzellampen gibt noch im Sozialen das notwendige Gruppenverständnis, fühlt sich niemand für die Lampen verantwortlich. Das verstärkt sich dadurch, dass die Lampe vermutlich von jemand anderes eingeschaltet wird und selbst wenn man als Letzte oder Letzter den Tisch verlässt, fühlt man sich nicht zuständig, weil man die Lampe ja nicht eingeschaltet hat.

Die beschriebene Situation ist ein Beispiel dafür, inwiefern die Diskrepanz von erwartetem und auftretendem Verhalten aufmerksam machen kann auf Ansatzpunkte für weiterführende Analysen der Environment-Behaviour-Settings.

3 Methoden zur Analyse von Nutzererfahrungen (User Experience Research)

Die hier vorgestellten Ergebnisse basieren auf einer mehrjährigen vergleichenden Fallstudie in verschiedenen Ländern Europas sowie diese ergänzenden Erhebungen im Zeitraum von 2008–2018. Solch umfangreiche Untersuchungen sind parallel zum Alltagsgeschäft in Bibliotheken kaum umzusetzen. Jedoch lassen sich die Methoden auch einzeln einsetzen – je nach Fragestellung. Empfehlenswert ist die Kombination aus reaktiven und non-reaktiven Methoden, weil Nutzerinnen und Nutzer ihr Verhalten nicht umfassend reflektieren und viele Aspekte der Wahrnehmung der Raumsettings auf einer unbewussten Ebene bleiben und somit nicht immer verbal auszudrücken sind. Als besonders lohnenswert haben sich die Methoden Teilnehmende Beobachtung, Walk Through, Befragung (quantitativ und qualitativ) und Mental Map erwiesen.6

Die Teilnehmende Beobachtung bietet sich als erster Zugang zum Feld an. Durchgeführt als unstandardisierte, offene Beobachtung erlaubt sie die Erfassung eines größtmöglichen Spektrums an Phänomenen.

Bei ersten teilnehmenden Beobachtungen in Bibliotheken konnte ich vor allem zu folgenden Fragen aufschlussreiche Daten sammeln: Wie gelingt der Zugang zur jeweiligen Bibliothek, wie gut kann ich mich orientieren und navigieren? Was tun die Nutzer und Nutzerinnen und wie tun sie, was sie tun? Im Laufe der ersten, unstandardisierten Beobachtungen kristallisieren sich Themenfelder bzw. Ansatzpunkte für weitere, spezifischere Beobachtungen heraus.7 Diese können dann auch standardisiert durchgeführt werden, z. B. können Praktiken der Auswahl von Arbeitsplätzen und die Auslastung bestimmter Arbeitsbereiche beobachtet werden. Dafür lassen sich standardisierte Beobachtungsprotokolle entwickeln und einsetzen. Idealiter variieren die Beobachtungsphasen beider Beobachtungsarten in Tageszeit, Wochentag sowie Semesterphase (Vorlesungszeit, vorlesungsfreie Zeit, Prüfungsphase).

Die Datenaufzeichnung geschieht via Protokoll. Sogenannte Feldgespräche – Gespräche, die sich aus der aktiven Teilnahme während der Beobachtung ergeben – lassen sich als Gedächtnisprotokolle fixieren. Fotodokumentationen bieten sich als Ergänzung und zur Erinnerung an beobachtete Situationen an. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass das Beobachten mit Unterstützung einer Foto- und insbesondere einer Video-Kamera den Bibliotheksnutzerinnen und -nutzern auffällt und eine Auswirkung auf deren Verhalten haben kann.

Die Auswertung der Protokolle geschieht bei unstandardisierten Beobachtungen in mehreren Schritten: Zunächst werden die Protokolle in Sequenzen (Sinnabschnitte) eingeteilt. Diese Sequenzen sowie gegebenenfalls vorhandene Fotografien werden entsprechend ihrer Inhalte verschlagwortet. Darauf folgend können Sequenzen und Fotografien in Schlagwortclustern zusammengefasst und verglichen werden. Bei standardisierten Beobachtungen ist die Auswertung je nach Zielsetzung der Beobachtung bereits vorgegeben. Im oben genannten Beispiel der Arbeitsplatzauswahl bieten sich etwa quantitative Auswertungen und evtl. auch Visualisierungen der Ausnutzung der Arbeitsplätze an.

Das Ziel eines Walk Throughs ist es, das Verhalten von Nutzern und Nutzerinnen nachzuzeichnen und Stolpersteine in der Nutzung ausfindig zu machen. Dabei können sowohl Systeme (beispielsweise Kataloge) als auch Räume (wie etwa die Aufstellung eines Bestandes in Freihand) evaluiert werden.

Die Methode des Walk Through lässt sich grob in zwei Modi unterscheiden: analytisch und empirisch.8 Beide Modi lassen sich für Bibliotheken fruchtbar nutzen.

Die bekannteste Version des analytischen Walk Through ist die des Cognitive Walk Through, dessen Ziel die Überprüfung der Gebrauchstauglichkeit eines (IT-)Systems ist. Für meine Analysen habe ich einen Cognitive Walk Through in Interviews mit Nutzerinnen und Nutzern eingebettet. Im Verlaufe der Interviews wurden die Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen gebeten, ihr Vorgehen bei der Literaturrecherche Schritt für Schritt zu schildern. Auf einen ersten Erzählstimulus lassen sich Antworten wie die folgende erwarten:

Wie heißt das Ding, OPAC […] die offizielle Suchmaschine der jeweiligen Bibliothek und gibt da mal seine Suchbegriffe ein, das ist aber jedes Mal […] das sind unterschiedliche Systeme, ich find das auch gar nicht so leicht sich mit dem jeweiligen so zurechtzufinden, dass man es auch dann solide macht […] und das zweite, was ich mittlerweile mach, ist, ich google das Ganze.9

Daran sollten Nachfragen zu den Details anschließen.

Abb. 3:
Abb. 3:

Mental Map der Universitätsbibliothek Konstanz, 2010

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Empirisch lassen sich Walk Throughs mit nahezu dem gleichen Stimulus durchführen. Für Fragestellungen zu Environment-Behaviour-Settings bietet sich die Methode des Soziotechnischen Walk Through an, der neben den technischen Systemen auch organisatorische, soziale und räumlich-materiell-infrastrukturelle Faktoren in den Blick nimmt.10 Ein solcher Walk Through kann mit der Aufforderung beginnen, eine Literaturrecherche live vorzumachen und – sofern möglich – den entsprechenden Suchtreffer in der Freihandaufstellung zu suchen. Die Aufzeichnung dieses Walk Through kann mittels Protokoll und Audioaufnahme sowie ergänzend Fotoprotokoll und Screencast bewerkstelligt werden. Für die Auswertung bietet sich wie auch bei der teilnehmenden Beobachtung eine Sequenzierung und Verschlagwortung des Datenmaterials sowie eine Clusterung ähnlich verschlagworteter Sequenzen an.11

Standardisierte Befragungen mittels Fragebögen erfreuen sich an Hochschulen einer außergewöhnlichen Beliebtheit. Allerdings sollten sie nicht immer die Methode der ersten Wahl sein. So eröffnen leitfadengestützte Nutzer-/Nutzerinnen-Interviews einen ganzheitlichen Zugang zum subjektiven Wahrnehmen und Erleben von Bibliotheksräumen. Damit lassen sich unbekannte Aspekte aufdecken – und erst anschließend mittels standardisierter Befragungen quantifizieren. In Kombination mit Leitfadeninterviews mit Expertinnen und Experten, wie etwa leitenden Bibliotheksangestellten, ergibt sich die Möglichkeit zum Perspektivenvergleich: Welche Konzepte und Strategien liegen der Gestaltung der Bibliotheksräume einerseits zu Grunde und wie werden diese Räume andererseits wahrgenommen und genutzt?

Zur Erhebung dieser Interviews bieten sich modular aufgebaute Leitfäden an, deren Module in der Reihenfolge entsprechend dem natürlichen Gesprächsverlauf bearbeitet werden. Eine Audioaufzeichnung mit anschließender Transkription ist empfehlenswert. Die Transkripte wiederum lassen sich sequenzieren und verschlagworten. Die Clusterung und der Vergleich der Sequenzen schließen daran an.

Abb. 4:
Abb. 4:

Mental Map der Universitätsbibliothek Konstanz nach der Neueröffnung, 2015

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Standardisierte Befragungen bieten sich vor allem für die Analyse von Soll-Zuständen an, z. B. wenn Mengengerüste oder für die Nutzerinnen und Nutzer entscheidende Eigenschaften von Lernumgebungen eruiert werden sollen. Es lässt sich beispielsweise auch erheben, zu welchen Kompromissen Studierende bereit sind, wenn es um die Auswahl des Lernortes geht. Hier bietet sich etwa das sogenannte semantische Differenzial an, beispielsweise mit dieser Frage:

Wenn Sie sich zwischen zwei Lernorten entscheiden müssten, die unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, welchen Ort würden Sie vorziehen? Von den 5 Feldern ist das mittlere neutral, je näher Sie das Kreuz bei der entsprechenden Eigenschaft setzen, desto mehr beschreibt diese den von Ihnen bevorzugten Raum. Bitte markieren Sie Ihre Präferenz für jedes Eigenschaftenpaar.

  1. Raumkonzept – Nähe zu Lehrveranstaltungsräumen
  2. Raumkonzept – Nähe zu Verpflegungsmöglichkeiten
  3. Nähe zu Lehrveranstaltungsräumen – Nähe zu Verpflegungsmöglichkeiten

[…]

Der Einsatz von Mental Maps erlaubt es, intersubjektive Muster in der Raumwahrnehmung zu finden. Diese können beispielsweise Bibliotheksbereiche betreffen, die gut erinnerbar sind, weil sie als besonders positiv oder negativ empfunden werden. Nutzer und Nutzerinnen werden aufgefordert, Zeichnungen von Gebieten oder Innenräumen aus der Erinnerung heraus zu zeichnen. Wichtig ist es, dass alle Details, die erinnert werden, Eingang in die Zeichnung finden. Das Zeichnen von Mental Maps kann eingebettet in Interviews (z. B. als „doing illustration“) oder als alleinstehende Methode durchgeführt werden. Die Auswertung kann ebenfalls durch Sequenzierung in Kartenteile, Verschlagwortung und Vergleich bewerkstelligt werden.

4 Widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings – was ist hier erlaubt?

Sie sind fast schon zur Standardausstattung von Bibliotheken geworden – die Ohrstöpselautomaten. Zu Beginn meiner Analysen stellten sie für mich eine wie oben beschriebene Irritation dar. Wozu braucht es Ohrstöpsel in einem Setting, das traditionell von Stille geprägt ist?12 Oder ist es vielmehr so, dass diejenigen, die Stille wünschen, fehl am Platze sind?

Abb. 5:
Abb. 5:

Ohrstöpselautomaten (Fotos: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Inzwischen sind die Automaten für mich ein Indiz für widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings geworden. Ohrstöpselautomaten finden sich häufig dort, wo unterschiedliche Nutzungsbereiche einander überlappen oder aneinander angrenzen. Die Fotografien von Abbildung 5 zeigen Eingangsbereiche oder Transitbereiche von Bibliotheken. In Eingangsbereichen befinden sich neben mehr oder weniger stillen Arbeitsbereichen auch Informationstheken, die nicht ohne Lärmemissionen funktionieren können – schließlich muss dort gesprochen werden. In den Abbildungen der Universitätsbibliotheken Bern und Konstanz stehen die Automaten dort, wo Transitbereiche quer durch Bereiche mit eigentlich stillen Arbeitsplätzen verlaufen. Das ist besonders unglücklich, nicht nur, weil Treppen und Rampen ein gewisses materiell bedingtes Geräuschpotential mit sich bringen, sondern weil gerade Treppen kommunikative Environment-Behaviour-Settings sind:13

[S]ie bieten spezielle Sitzgelegenheiten, sie ermöglichen elegante oder beeindruckende Auftritte, sie bieten Stellen, von denen aus man sprechen kann, von wo aus man andere Leute beobachten und selbst gesehen werden kann – Orte, die direkten Augenkontakt ermöglichen, wenn viele Leute beisammen sind.14

Abb. 6:
Abb. 6:

Treppenhaus in der Universitätsbibliothek Konstanz als Beispiel für ein kommunikatives Environment-Behaviour-Setting, 2010 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Abb. 7:
Abb. 7:

Lernlandschaft Hochschulbibliothek ZHAW Winterthur, 2017 (Fotos: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Abb. 8:
Abb. 8:

Hochschulbibliothek ZHAW Winterthur, 2018 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Abb. 9:
Abb. 9:

Social Science Library Oxford, 2010 (Fotos: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Unterschiedliche, aneinander angrenzende, akustisch nicht abgetrennte Settings sind ebenso wenig optimal wie jene, die latente Widersprüche in sich bergen, wie der eingangs erwähnte Lesesaal der Bibliothek vonRoll. Einen dritten Fall stellen offensichtlich widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings dar. Solche können die Henry Watson Music Library der Central Library Manchester sowie die Lernlandschaft der Hochschulbibliothek der ZHAW in Winterthur darstellen. In erstgenannter Bibliothek wurden Musikinstrumente zur freien Benutzung aufgestellt, unter anderem ein Piano sowie ein Schlagzeug.15 Während einer teilnehmenden Beobachtung im Juni 2016 ging ich zunächst davon aus, dass draußen vor dem Gebäude eine Militärkapelle aufspielte, entdeckte dann jedoch die Musizierenden an den Instrumenten in der Bibliothek. Ein kurzes Feldgespräch mit einer Bibliothekarin lieferte ergänzende Informationen: Die Möglichkeit zu musizieren bestand zum damaligen Zeitpunkt erst seit kurzem. Dieses neue Angebot sei sowohl für Nutzerinnen und Nutzer als auch Bibliotheksmitarbeitende gewöhnungsbedürftig, entspreche es doch nicht den Erwartungen an eine Bibliothek.

In der zweitgenannten Bibliothek, der Hochschulbibliothek der ZHAW in Winterthur, liegt der Fall etwas anders. Hinter einer Tür mit den handlungsweisenden Symbolen aus Abbildung 1 liegt eine Lernlandschaft mit vielfältigen Elementen (siehe Abbildung 7).

Diese Settings lassen alle auf kollaboratives Arbeiten und Gespräche in Zimmerlautstärke schließen. Warum sonst sollte man sich in der Couchecke einander gegenübersetzen (oder gar nebeneinandersetzen) oder gemeinsam einen großen Tisch, umgeben von Pinnwänden, nutzen? Doch die Einrichtung widerspricht in ihrer Handlungsaufforderung dem Gebot des Schweigens, das durch die Symbole auferlegt wird. Zwei Beobachtungen zu unterschiedlichen Semesterzeiten (April 2017, Juni 2018) führen zum gleichen Ergebnis: Die Lernlandschaft wird kaum zum kollaborativen Arbeiten genutzt. Im Juni 2018, während der Prüfungszeit, wurde fast ausschließlich leise gelernt, entweder einzeln oder in Gemeinschaft, wobei jede Person für sich selbst lernte, ein Austausch nur flüsternd stattfand, zumal die Austauschenden häufig nicht nebeneinandersaßen, sondern sich gegenseitig an ihren Tischen „besuchten“ (Abbildung 8). Die in Abbildung 7 gezeigten Gruppensettings waren zeitgleich fast komplett ungenutzt.

Ein gegensätzliches Beispiel dazu stellt die Social Science Library in Oxford dar. Hier werden die unterschiedlichen Environment-Behaviour-Settings entsprechend ihrer Zielsetzung genutzt.

Lediglich bei großer Auslastung der Arbeitsplätze und einem damit verbundenen höheren Geräuschpegel zeigen die Studierenden eine erwähnenswerte Ausweichstrategie: Sie ziehen sich zum leisen, individuellen Arbeiten in die akustisch abgetrennten Gruppenarbeitsräume zurück.16

5 Mein Tischbereich – Dein Tischbereich. Oder: Die Krux der Koexistenz der anderen

Bibliotheken bieten ihren Nutzern und Nutzerinnen die Atmosphäre eines professionellen Arbeitsplatzes, nicht nur für Studierende. Die Koexistenz anderer, die dort lernen und arbeiten, schafft soziale Kontrolle:

[…] I was able to work for more hours as a stretch, because other people would see if I was getting … like if I were surfing the internet or doing whatever or getting disrupted … other people would have seen […] and sort of that knowledge that other people would notice made me more keen.17

Allerdings sind die Environment-Behaviour-Settings oftmals inkonsistent gestaltet. Neben dem bereits erwähnten Beispiel der Tischlampen fallen darunter auch die Arbeitstische. Arbeitsplätze in Einzelarbeitsbereichen müssen so gestaltet sein, dass einander unbekannte Personen, die an benachbarten Arbeitsplätzen sitzen, ihre Privatsphäre aufrechterhalten können. Dieses Bedürfnis erfüllen die Settings jedoch nicht immer.

Abbildung 10 zeigt einen leisen Einzelarbeitsbereich. Um die Tische sind im Mittel drei Stühle platziert. Bereits beim Betrachten des vordersten Tisches fällt auf, dass die Tische kaum genügend Tiefe aufweisen, dass zwei Personen einander gegenübersitzend ihre Arbeitsmaterialien (Laptop oder Schreibmaterial in DIN A4) nutzen können, ohne einander in die Quere zu kommen. Auch die Breite der Tische ist zu knapp bemessen. Unter einander Unbekannten kann diese Nähe unangenehm sein. Ein Interviewausschnitt zu einem ähnlichen Setting verdeutlicht dies:

Abb. 10:
Abb. 10:

Grüne Bibliothek, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, 2018 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Abb. 11:
Abb. 11:

Lincoln College Library, 2010 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

[A]nd it’s just a little bit weird I think to be sitting for hours next to someone in total silence … who you don’t … know, because that’s not liked they are over there on the other side of the room, they write … write next to you and you can see their work … and see what books they have and see their laptop screen and vice versa … so just feels a little bit uncomfortably close.18

Studierende entwickeln in Situationen wie diesen Ausweichstrategien. In Abbildung 10 wird dies sichtbar: Studierende sitzen selten nebeneinander oder einander gegenüber, sondern diagonal versetzt.

Abb. 12:
Abb. 12:

Beispiel für unterschiedliche Mikrosettings an der Universitätsbibliothek Bern, 2016 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

In der Lincoln College Library in Oxford werden zu Prüfungszeiten die begrenzten Arbeitsplätze im Losverfahren vergeben. 24 Glückliche erhalten so feste Sitzplätze in den Buchten des Lesesaals (Abbildung 11).19 Pro Bucht stehen vier Arbeitsplätze zur Verfügung, wobei sich zwei Plätze einen gemeinsamen Tisch (sichtbar durch dessen Kopfteil) teilen. Den Studierenden ist diese Nähe offensichtlich zu nah, sie treffen Absprachen, so dass der eine am Vormittag den Platz belegt, die andere am Nachmittag. Folglich bleibt zumeist die Hälfte der 24 Plätze der Lincoln College Library leer.

Im Rahmen eines Feldgespräches in Zürich (2018) wurde mir von einer Studentin eine ähnliche, jedoch in ihrer Art drastischere Verhaltensweise geschildert. Die Studentin bat auf der Suche nach einem Arbeitsplatz eine andere Studentin, sich zu ihr an den Tisch setzen zu dürfen, was ihr gewährt wurde. Nach einiger Zeit jedoch bemerkte die Studentin, die zuerst am Tisch gesessen hatte, ungefähr Folgendes: „Ich werde distrahiert, wenn du da bist. Kannst du dir einen anderen Platz suchen?“

Das Makrosetting – z. B. die Definition von einzelnen Bereichen als stillen Arbeitsbereichen – muss zum Mikrosetting, dem Mobiliar, passen. Im schlechtesten Fall kann die fehlende Abstimmung des Settings dazu führen, dass ein Teil der sowieso schon knapp bemessenen Arbeitsplätze unbesetzt bleibt.

6 Bedarfsanalyse mittels Design Thinking

Für die Gestaltung konsistenter Environment-Behaviour-Settings in Bibliotheken ist es essentiell, sich mit den Anforderungen auf Seiten der Nutzerinnen und Nutzer zu befassen. Im Folgenden möchte ich mich auf die Bedarfe von Studierenden als einer Haupt-Zielgruppe in Hochschulbibliotheken beschränken. Um diese zu eruieren, bieten sich einerseits der Blick in die Curricula an, andererseits Design-Thinking-Workshops mit Beteiligung von Studierenden. Im Rahmen der Design-Thinking-Workshops20 wurden die Teilnehmenden (Lehrende, Studierende, Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen) zunächst gebeten, Personas21 von Studierenden und deren User Journeys22 durch ein Semester zu erstellen. Innerhalb der User Journeys sollten sogenannte „Pain Points“ und spezielle Herausforderungen markiert werden. Es stellte sich schnell heraus, dass häufig der Mangel an geeigneten Räumen für studentisches Arbeiten eine Rolle spielt: „Doch erlebe ich es öfters, dass Studierenden, die gemeinsam etwas machen wollen, sei dies arbeiten, sich unterhalten oder eine Veranstaltung organisieren – passende Raume dafür fehlen.“23

Doch welche Lernanlässe führen Studierende in die Bibliothek? Grob lassen sich drei Dimensionen von Lernanlässen ausmachen: Die zeitliche Dauer, die Sozialform (allein, im Tandem, in der Gruppe) und die Phase des Lernprozesses (rezeptiv vs. explorativ). In Kombination ergeben sich daraus folgende sinnvolle Lernanlässe (oder Use Cases):24

  • Allein kurz etwas erledigen wie Mails prüfen, Informationen zu Lehrveranstaltungen suchen, Notizen machen, Literatur recherchieren, etwas lesen etc. (Dauer max. 1 Stunde);
  • gemeinsam mit anderen kurz etwas erledigen wie Informationen zu Lehrveranstaltungen suchen, Termine abmachen, gemeinsame Recherche etc. (Dauer max. 1 Stunde);
  • allein über längere Zeit lernen, Literaturrecherche (Dauer mind. 1 Stunde);
  • gemeinsam mit anderen über längere Zeit lernen, z. B. für Prüfungen (Dauer mind. 1 Stunde);
  • gemeinsam mit anderen an einem Projekt/einer Gruppenarbeit arbeiten (Dauer mind. 1 Stunde);
  • gemeinsam mit anderen innerhalb einer Lehrveranstaltung eine Gruppenarbeit bearbeiten (Dauer ca. 1–3 Stunden). Didaktische Settings wie Problem Based Learning und Forschendes Lernen erhalten immer mehr Einzug in die Curricula. Hierfür ist jedoch die räumliche Nähe zum Lehrveranstaltungsraum fast unabdingbar.
Abb. 13:
Abb. 13:

Gebäude vonRoll, Universität Bern, 2016 (Foto: Eva-Christina Edinger)

Citation: ABI Technik 39, 1; 10.1515/abitech-2019-1003

Für die spontanen, zeitlich sehr begrenzten Lernanlässe bieten sich Arbeitsplätze im Eingangsbereich einer Bibliothek an, weil der Aufwand der Platzsuche so gering wie möglich sein sollte. Diese Plätze müssen und können kaum stille Arbeitsorte sein, allein die Fluktuation bedingt durch die kurze Aufenthaltsdauer bringt einen gewissen Grad an Unruhe mit sich.

Die aufgeführten Beispiele zeigen teilweise sehr gut gestaltete Arbeitsplätze für Arbeitsphasen von längerer Dauer, sowohl allein als auch in Zusammenarbeit mit anderen. Die vorgestellten störenden Faktoren bzw. die Abstimmung von Mikro- und Makrosettings ließe sich vermutlich in vielen Fällen mit geringem Aufwand umsetzen. Allerdings spielen dabei auch strategische Aspekte eine Rolle.

7 Strategische Aspekte der Bibliotheksraumentwicklung

Noch vor der Auseinandersetzung mit den Bedarfen einzelner Nutzer-/Nutzerinnengruppen ist es essentiell, die Strategie einer Bibliothek in den Blick zu nehmen. Welche Nutzerinnen-/Nutzergruppen sollen die für sie optimalen Bedingungen vorfinden? So stellt sich in vielen Hochschulbibliotheken, die zugleich als öffentliche Bibliotheken fungieren sollen, die Frage der Prioritäten: Welchen Stellenwert hat die Nutzer-/Nutzerinnengruppe der interessierten Bürgerinnen und Bürger gegenüber Studierenden, Lehrenden und Forschenden? Da sich die meisten Bibliotheken mit einem Platz- und Ressourcenproblem konfrontiert sehen, ist es in den seltensten Fällen möglich, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Gerade für Hochschulbibliotheken mit mehreren Standorten (wie etwa die Bodleian Libraries in Oxford, die Bibliotheken der Universität Zürich sowie die Bibliotheken der ETH-Bibliothek in Zürich) bietet sich ein Gesamtkonzept an. Dieses Gesamtkonzept kann als Gegenentwurf zu „One size fits all“ verstanden werden: Anstatt zu versuchen, allen Nutzerinnen-/Nutzergruppen und allen Lern- und Besuchsanlässen an einem einzigen Ort gerecht zu werden, können diese Anlässe geclustert und die Cluster in verschiedenen (Teil-)Bibliotheken realisiert werden. Vor allem sind Settings unterschiedlicher Sozialformen akustisch voneinander zu trennen. Gut kombinieren lassen sich beispielsweise eine Willkommens- und Informationstheke bzw. die Ausleihe und Rückgabe mit Settings für kurze Arbeiten allein oder in der Gruppe. Hingegen sollten Arbeitsplätze für länger dauernde Gruppenarbeiten von solchen für stille Einzelarbeit getrennt sein.

8 Fazit

Die vorangehenden Lösungsansätze mögen banal erscheinen. Dennoch lassen sich widersprüchliche Environment-Behaviour-Settings vielerorts finden, die Umsetzung konsistenter Settings ist offensichtlich schwieriger als angenommen. Die widersprüchlichen Settings können grob unterschieden werden in Settings mit einer inkonsistenten Gestaltung auf der Makroebene (beispielsweise als leise Arbeitszone ausgewiesene Räume, die aber für Gruppenarbeiten gestaltet sind) sowie auf der Mikroebene (beispielsweise Einzelarbeitsplätze mit gemeinsam genutzten Lampen). Aufspüren lassen sich diese widersprüchlichen Settings durch Irritationen, z. B. hervorgerufen durch unerwartetes Verhalten von Nutzern und Nutzerinnen. Je nach Ausmaß des Widerspruchs lassen sich ressourcenschonende Lösungen finden, sofern das Makrosetting grundsätzlich zu den geforderten Lernanlässen passt. Sollte dies nicht der Fall sein bzw. befindet sich eine Bibliothek in der luxuriösen Lage, komplett neu planen zu dürfen, sollte sie sich Folgendes zu Herzen nehmen: Vielfältige Environment-Behaviour-Settings entsprechen der Vielfalt der Nutzer und Nutzerinnen in ihren Vorlieben und Lern- und Arbeitsanlässen. Es sollten somit ganz unterschiedliche Settings zur Verfügung gestellt werden, diese müssen jedoch in sich schlüssig sein. Entscheidend ist, dass die intendierte Nutzung nachvollziehbar ist. Sobald ein Schilderwald notwendig wird, ist zu fragen, warum sich das gewünschte Verhalten nicht erschließen lässt. Wenn sich nicht alle gewünschten Varianten an einem Standort verwirklichen lassen, stellt die Konzeption einer „Lernlandschaft“ über alle verfügbaren Standorte eine Lösung dar. Ergänzend könnte eine Landkarte im Sinne einer Übersicht über diese Standorte, die an ihnen verfügbaren Settings und idealerweise ihre Auslastung über Wochentage und Tageszeiten hinweg, z. B. in Form einer App, für Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer einen Mehrwert für die Planung des Bibliotheksbesuchs schaffen. Nutzer und Nutzerinnen wünschen sich nicht nur geeignet gestaltete Lern- und Arbeitsumgebungen, sie wollen auch sicher sein, dass sie das, was sie dort tun wollen, auch tun dürfen.

Footnotes

Article note

Alle in diesem Artikel gezeigten Fotografien wurden mit Zustimmung der jeweiligen Bibliotheksleitenden erstellt, entweder im Rahmen von Ortsbegehungen oder teilnehmenden Beobachtungen.

Footnotes

1

 Für weitere Beispiele siehe Edinger, Eva-Christina: Wissensraum, Labyrinth, Symbolischer Ort. Die Universitätsbibliothek als Sinnbild der Wissenschaft. Konstanz: Universitätsverlag Konstanz, 2015. 298 f.

2

 Barker, Roger. Ecological Psychology: Concepts and Methods for Studying the Environment of Human Behavior Stanford: Stanford University Press, 1968. 18.

3

 Barker 1968: 18.

4

 Auszüge aus dem Datenmaterial sowie Erhebungsinstrumenten wie etwa Fragebögen sind zur besseren Identifikation im Folgenden kursiv hervorgehoben.

5

 Latour, Bruno. Reassembling the Social: An Introduction to Actor-Network-Theory. Oxford: Oxford University Press, 2005.

6

 Einen Überblick über die Mehrheit der von mir eingesetzten Methoden bietet Edinger 2015.

7

 Hauser-Schäublin, Brigitta. „Teilnehmende Beobachtung.“ In Methoden Ethnologischer Feldforschung. Hrsg. von Bettina Beer. Berlin: Dietrich Reimer Verlag, 2008.

8

 Siehe für einen groben Überblick Sarodnick, Florian, Henning Brau. Methoden der Usability Evaluation. Wissenschaftliche Grundlagen und Praktische Anwendung. Bd. 2. Bern: Verlag Hans Huber, 2011, 151 ff.

9

 Interview mit einem Masterstudenten an der Universität Konstanz, 2012. Interview KN5, Zeile 71 ff.

10

 Sarodnick/Brau 2011: 160.

11

 Ein schön dokumentierter Walk Through durchgeführt an der Universität Lund findet sich hier: https://konferensrapport.wordpress.com/2016/07/07/my-presentation-at-uxlibs-ii/ (10.12.2018).

12

 Hier sei am Rande erwähnt, dass das stumme Lesen eine Entwicklung des 4. Jahrhunderts ist, zuvor wurde gesprochen, also laut gelesen. Eco, Umberto, Jean-Claude Carrière. Die Große Zukunft des Buches. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2011. 103.

13

 Weiteres Datenmaterial aus Beobachtungen und Interviews findet sich hier: Edinger 2015: 227 ff.

14

 Alexander, Christopher, Sara Ishikawa, Murray Silverstein. Eine Muster-Sprache. Städte Gebäude Konstruktion. Wien: Löcker Verlag, 1995. 698.

16

 Information aus einer Ortsbegehung, Oktober 2016.

17

 Interview mit einer Masterstudentin an der Universität Oxford. Interview OX1, Zeile 286–300.

18

 Interview mit einer Masterstudentin an der Universität Oxford. Interview OX1, Zeile 199–203.

19

 Experten-/Expertinnen-Interview mit Fiona Piddock, 13. Juli 2010.

20

 An der ETH Zürich sowie der Universität Zürich, 2015 – 2018.

21

 Personas sind fiktive Personen, die als Stellvertreter für eine bestimmte Zielgruppe stehen.

22

 Modell, das aufzeigt, welche Berührungspunkte Nutzerinnen und Nutzer mit einem Unternehmen haben, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

23

 Ergebnisbericht von Studierenden eines Design Thinking-Workshops, 2018.

24

 Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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    Hinweisschilder in der Hochschulbibliothek ZHAW Winterthur, 2017 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Bibliothek vonRoll, Universitätsbibliothek Bern, 2016 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Mental Map der Universitätsbibliothek Konstanz, 2010

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    Mental Map der Universitätsbibliothek Konstanz nach der Neueröffnung, 2015

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    Ohrstöpselautomaten (Fotos: Eva-Christina Edinger)

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    Treppenhaus in der Universitätsbibliothek Konstanz als Beispiel für ein kommunikatives Environment-Behaviour-Setting, 2010 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Lernlandschaft Hochschulbibliothek ZHAW Winterthur, 2017 (Fotos: Eva-Christina Edinger)

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    Hochschulbibliothek ZHAW Winterthur, 2018 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Social Science Library Oxford, 2010 (Fotos: Eva-Christina Edinger)

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    Grüne Bibliothek, Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, 2018 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Lincoln College Library, 2010 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Beispiel für unterschiedliche Mikrosettings an der Universitätsbibliothek Bern, 2016 (Foto: Eva-Christina Edinger)

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    Gebäude vonRoll, Universität Bern, 2016 (Foto: Eva-Christina Edinger)