Christine Wand-Wittkowski, Briefe im Mittelalter. Der deutschsprachige Brief als weltliche und religiöse Literatur. 2000

Wolfgang Achnitz 1
  • 1 Universität Münster, Institut für Deutsche Philologie I, Johannisstraße 1–4, D-48143 Münster. achnitz@uni-muenster.de

Als Textsorte des Gegenwartsschrifttums läßt sich der Brief vergleichsweise problemlos als eine durch bestimmte formale Merkmale charakterisierte schriftliche Mitteilung nichtfiktionalen Inhalts an einen abwesenden Empfänger definieren. Im Unterschied zu direkter mündlicher Kommunikation ist er in der Regel Element eines komplexen Vorgangs, zu dem neben dem Schreiben auch die Übermittlung gehört. Der Brief ist keineswegs stets Beginn oder Bestandteil eines Dialoges, und gelegentlich liegt ihm sogar eine monologische Form zugrunde, die keiner Antwort bedarf. Auch gewährleistet ein Brief nicht, daß den Empfänger die Mitteilung unverfälscht erreicht, denn diese muß verstanden und interpretiert, gegebenenfalls sogar vorgelesen und/oder übersetzt werden. Der Verständnissicherung dient daher der hohe Grad an Formalisierung in Phraseologie und Aufbau, wie er sich von der Antike bis in die Gegenwartskorrespondenz findet. Nach der ars dictaminis sind dies: salutatio (Adresse, Gruß); captatio benevolentiae (Eingangsformel, Einstimmung auf den Gegenstand, Bemühen um die Gunst des Adressaten); narratio (eigentliches Anliegen); petitio (fakultativ); conclusio (Zusammenfassung, Schluß, Segenswunsch). Einzelne Teile können umgestellt werden oder ganz entfallen.

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