Gregs Tagebuch, Dork Diaries und jede Menge Mangas – Anregungen zur Leseförderung anhand von Ausleihzahlen

Helga Arend
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  • Institut für Germanistik, Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, Universitätsstraße 1, 56070 Koblenz
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  • Apl. Prof. Dr. Helga Arend
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and Nina Mahrt
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  • Universität Koblenz-Landau, Interdisziplinäres Promotionszentrum (IPZ), Universitätsstraße 1, 56070 Koblenz
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Zusammenfassung:

Der vorliegende Artikel untersucht die Ausleihzahlen von jugendlichen Lesern der Koblenzer Stadtbibliothek aus dem Jahr 2013. Die Zahlen zeigen, welche Bücher von Mädchen und Jungen in den Altersstufen von eins bis 17 Jahren besonders häufig ausgeliehen wurden. Darüber hinaus werden auch Nicht-Buch-Medien berücksichtigt, unter denen Comics bzw. Manga auffallend häufig vertreten sind. Die Auswahl der Bücher, die Kinder und Jugendliche in ihrer Freizeit präferieren, soll als Impuls zur Leseförderung dienen. Daher bietet der Artikel auch einen Blick in die beliebtesten Bücher, um zu ermitteln, was Jugendliche in diesen Fällen inhaltlich oder formal besonders anspricht.

1 p. Einleitung

Das Leseverhalten in der Freizeit spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen. Je mehr Kinder lesen, desto höher ist ihre Fähigkeit, auch kompliziertere Texte flüssig zu erfassen.

Vgl. Schroeder, Sascha: Was Kinder lesen – kognitive Konsequenzen und pädagogische Herausforderung. Forschungsbericht 2014 der Max-Planck-Forschungsgruppe Reading Education and Development (REaD). http://www.mpg.de/7713749/MPIB_JB_2014 [Zugriff: 28.05.2015].

Während Eltern und Pädagogen häufig über die Qualität der Bücher nachdenken, zeigen Erhebungen,

Vgl. Rieckmann, Carola: Leseförderung in sechsten Hauptschulklassen. Zur Wirksamkeit eines Vielleseverfahrens. Baltmannsweiler 2009, S. 99 ff., und Schroeder (wie Anm. 1).

dass es sinnvoll sein kann, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, vor allem die Quantität zu steigern. Dadurch verlieren die Empfehlungen von Erwachsenen an Gewicht, und es wird bedeutsamer, was Jugendliche tatsächlich gerne lesen.

In zweierlei Hinsicht wird in diesem Bereich das Angebot von Bibliotheken relevant: Einerseits ermöglicht es ihr Angebot jungen Lesern, finanziell unabhängig ihr Lesepensum zu erhöhen, andererseits können die Ausleihdaten Aufschluss darüber geben, welche Lektüre Kinder und Jugendliche bevorzugen, wenn sie frei entscheiden können. Aus diesem Grund wertet der vorliegende Artikel Ausleihzahlen von jugendlichen Lesern der Koblenzer Stadtbibliothek aus dem Jahr 2013 aus. Diese Zahlen werden zum einen mit einer früheren Erhebung derselben Bibliothek aus den Jahren 2007/2008 verglichen, zum anderen werden Parallelen und Unterschiede zu den Bestsellerlisten im Jugendbuchsektor in einem ähnlichen Zeitraum herausgearbeitet. Außerdem wird ein Blick in die Bücher der Frage nachgehen, was Jugendliche inhaltlich oder formal besonders anspricht – dabei wird selbstverständlich berücksichtigt, dass es sich angesichts des kurzen Erhebungszeitraums nur um eine Momentaufnahme handeln kann.

Die vorliegende Studie soll aufzeigen, welche Texte Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit lesen. Diese Ergebnisse können wiederum in der Leseförderung und der Literaturdidaktik eingesetzt werden.

2 Lesen in der Schule versus Lesen in der Freizeit

Der Umfang des Lesestoffes, der in der Schule während der ersten vier Jahre anfällt, ist relativ gering. Zählt man den Stoff nach Wörtern ab, so liest ein p. Schüler während der gesamten Grundschulzeit ungefähr 140.000 Wörter,

Schroeder (wie Anm. 1).

das sind etwa so viele, wie Cornelia Funkes Tintenherz enthält. Man kann davon ausgehen, dass diejenigen Schülerinnen und Schüler, die allein auf die schulische Lektüre angewiesen sind, Probleme haben, flüssiges Lesen zu lernen. Dagegen begegnen Kinder, die auch zu Hause lesen, einem sehr viel größeren Wortschatz. Vielleser lernen nicht nur mehr neue Wörter, sondern durch die Wiederholungen von schon bekannten Wörtern üben sie ein schnelleres Lesen und Erfassen. „Ein Kind, das durchschnittlich lange und gut liest, wird am Ende der sechsten Klasse ungefähr zwei Millionen Wörter gelesen haben (das entspricht ungefähr zweimal dem Umfang aller Harry-Potter-Bände). Ein Kind, das hingegen das Lesen fast vollständig vermeidet und eher zähflüssig liest, kommt nur auf etwa zehn Prozent davon.“

Schroeder (wie Anm. 1).

Neuere Studien belegen die schon lange existierende Annahme, dass eine Verstärkung der Lesekompetenz durch Viellesen erreicht werden kann.

Rieckmann (wie Anm. 2), S. 134.

Allgemeines Einverständnis herrscht in der Forschung darüber, dass die „Lesemedien zu den Entwicklungsbedürfnissen und Interessen der Jugendlichen passen“

Rosebrock, Cornelia: Leseförderung. In: Taschenbuch des Deutschunterrichts. Band 2. Literatur- und Mediendidaktik. Baltmannsweiler 2010, S. 326–339, hier S. 335.

müssen, wenn das Ziel der Leseförderung erreicht werden soll.

Ein zentrales Ziel der Leseerziehung sollte demnach darin bestehen, das Lesepensum der Jugendlichen insgesamt zu erhöhen, indem ihnen auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten Texte angeboten werden, die ihren jetzigen Lesestand aufgreifen und dann erweitern.

Obwohl immer wieder beklagt wird, seit es die neuen Medien gebe, läsen die Kinder weniger, kann diese Behauptung nicht von wissenschaftlichen Studien gestützt werden.

Vgl. Franzmann, Bodo: Leseverhalten in Deutschland: Erwachsene und Jugendliche im Vergleich. In: Franz, Kurt; Payrhuber, Franz-Josef (Hg.): Lesen heute. Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen und Leseförderung im Kontext der PISA-Studie. Baltmannsweiler 2002, S. 26–40, hier S. 38.

Die JIM-Studie, die das Medienverhalten von Jugendlichen untersucht, zeigt den hohen Stellenwert, den das Lesen für Jugendliche nach wie vor einnimmt: „Trotz des in den letzten Jahren stetig gewachsenen elektronischen Medienangebots hat das gedruckte Wort seinen festen Platz in der Medienwelt der Jugendlichen. Jeder zweite Jugendliche bezeichnet Bücher lesen für sich selbst als wichtig oder sehr wichtig. 40 Prozent der Jugendlichen lesen regelmäßig Bücher p. in ihrer Freizeit.“

JIM-Studie 2013. Jugend, Information, (Multi) –Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart 2013, S. 19.

Bei Jüngeren ist der Anteil der Kinder, die täglich oder mehrmals die Woche lesen, sogar noch höher: „Jedes zweite Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren liest regelmäßig Bücher.“

KIM-Studie 2014. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart 2015, S. 26.

Über die Hälfte gibt an, gerne oder sehr gerne zu lesen. Und auch unter den Kindern, die seltener lesen, sind 83 %, die in unregelmäßigen Abständen Bücher lesen.

Vgl. KIM-Studie 2014 (wie Anm. 9), S. 26.

Im Unterschied dazu geben nur 20,7 % der Erwachsenen an, regelmäßig in der Freizeit Bücher zu lesen.

Vgl. BuBiZ 2014: Buch und Buchhandel in Zahlen 2014. Hrsg. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. Frankfurt am Main 2014, S. 33.

Kinder greifen also sehr viel häufiger zum Buch als Erwachsene. Bei einer Allensbacher Umfrage unter Menschen ab 14 Jahren, die nach der Lesehäufigkeit fragt, ist die Gruppe der 14- bis 19-Jährigen mit 44 %, die mehrmals in der Woche liest, Spitzenreiter. Alle anderen Altersgruppen lesen seltener.

Vgl. BuBiZ 2014 (wie Anm. 11), S. 37.

Auch der Verkauf von Literatur an Jugendliche (zwischen 14 und 19 Jahren) ist von 57 % im Jahr 2009 auf 59 % im Jahr 2013 gestiegen.

Vgl. BuBiZ 2014 (wie Anm. 11), S. 35.

Das Kinder- und Jugendbuch gehört bei den Warengruppen hinter der Belletristik auf Platz zwei der meist verkauften Gruppen. Im Übersetzungsmarkt ist das Jugendbuch ebenfalls das zweitwichtigste Segment.

Vgl. BuBiZ 2014 (wie Anm. 11), S. 102.

So trägt das Kinder- und Jugendbuch insgesamt zu einer Internationalisierung der deutschen Literatur bei.

Selbst wenn die Situation insgesamt nicht so beklagenswert ist, wie sie immer wieder in den Medien dargestellt wird, sind die Faktoren, die offensichtlich eine Vielleserbiografie begünstigen, bedenkenswert. So wurde in der Iglu-Studie nachgewiesen, dass Kinder, deren enge Bezugspersonen eine höhere Bildung haben, bessere Chancen haben, gut lesen zu lernen.

Vgl. Bos, Wilfried; Tarelli, Irmela; Bremerich-Vos, Albert; Schwippert, Knut (Hg.): IGLU 2011. Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Waxmann: Münster 2012, S. 188.

Kinder, deren Eltern selbst keine höhere Schulbildung genossen haben, bleiben benachteiligt.

Um dieses Defizit zu verringern, ergeht an Pädagogen und Institutionen der Leseförderung der Auftrag, genau diese Jugendlichen an das Lesen heranzuführen und neben der grundlegenden Vermittlung der technischen Fähigkeiten Interesse für das Lesen in der Freizeit zu wecken. Ergebnisse der empirischen p. Unterrichtsforschung, die sich wesentlich mit der Motivation von Lesern befasst, können hier relevant sein: „Es handelt sich dabei vor allem um motivationale und kognitive Variablen (…). Im motivationalen Bereich ist die zentrale Variable die des Interesses, sei es auf Sachtexte oder fiktional-literarische Texte bezogen.“

Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina: Einleitung: Die Grundkonzeption des Weiterbildungsprogramms. In: Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung in der Literatur- und Lesedidaktik. Ein Weiterbildungsprogramm. Weinheim/München 2006, S. 11–30, hier S. 18 f.

Beinke/Charlton/Viehoff betonen die wichtige Rolle des Lesers und die Interessen des jeweiligen „Leserfaktors“, wie sie es nennen. Leseinteressen „organisieren die Textauswahl, den durch Lesen angestrebten und erreichten Wissenserwerb und Genuss, und sie motivieren die Lesehandlung.“

Beinke, Inga; Charlton, Michael; Viehoff, Reinhold: Der Leser als Subjekt des Verstehens. In: Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung in der Literatur- und Lesedidaktik. Ein Weiterbildungsprogramm. Weinheim/München 2006, S. 73–94, hier S. 75.

Damit beginnt die Lesekompetenz schon mit der Entscheidung, welches Buch den eigenen Interessen entsprechen könnte. Hierfür sind sicher Faktoren wie die Bekanntheit von AutorInnen und Reihen wichtig.

Vgl. Ergebnisse der früheren Erhebung Arend, Helga; Mahrt, Nina: Lektürepräferenzen von Kindern und Jugendlichen. Eine Untersuchung anhand von Ausleihzahlen der StadtBibliothek Koblenz. In: bibliotheken heute. Heft 2, 2014, S. 50–54.

Hinzu kommen persönliche Empfehlungen und Themen, die momentan interessieren, aber auch die Erwartung, die ein Buch in der Umschlaggestaltung, vielleicht dem Klappentext weckt, wird ein wichtiger Faktor sein. Gerade in öffentlichen Büchereien können sich Jugendliche vom spontanen, halbbewussten Interesse leiten lassen, ist doch mit der Ausleihe kein Risiko in Form eines finanziellen Verlustes verbunden. Da die Ausleihe selbstständig und finanziell unabhängig erfolgen kann, muss i. d. R. kein Erwachsener von der Leseentscheidung überzeugt werden. Der Büchereibesuch kann damit nicht nur das Viellesen und die Lesekompetenz ausbauen, er unterstützt auch dabei, eigene Interessen auszuloten und das Urteilsvermögen zu schärfen.

Insgesamt leihen 46 % der Kinder regelmäßig in öffentlichen Bibliotheken aus. Obwohl die öffentlichen Bibliotheken inzwischen auch gut mit anderen Medien ausgestattet sind, wird das Medium Buch von den Kindern bevorzugt ausgeliehen.

Vgl. KIM-Studie 2014 (wie Anm. 9), S. 28.

Da die öffentliche Bibliothek im Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen eine beachtenswerte Rolle spielt, bietet es sich an, die Lektürepräferenzen anhand von Ausleihzahlen festzuhalten. Vergleiche der Präferenzen mit den Ergebnissen der KIM-Studie und den Bestsellerlisten könnten insofern neue p. Ergebnisse liefern, da die Bücher, die in den Bibliotheken ausgeliehen werden, eher darauf schließen lassen, dass die Kinder sie wirklich lesen.

Vgl. Arend; Mahrt (wie Anm. 18), S. 51 f.

3 Auswertung des Zahlenmaterials

In der Auswertung der Ausleihdaten von Kindern und Jugendlichen zwischen dem ersten und dem 17. Lebensjahr werden jeweils nur die ersten zehn Titel betrachtet. Durch die Aufschlüsselung nach Alter und/oder Geschlecht, die ebenfalls jeweils die beliebtesten zehn Titel ermittelt, ist die Anzahl an Titeln wesentlich größer. Außerdem wird neben einer Liste der Entleihungen sämtlicher Medienarten auch eine Liste allein der Buch-Entleihungen betrachtet. Comics und Manga sind aus der Liste der Buch-Entleihungen ausgeklammert. Einige Titel dieser Gruppe werden noch vor Filmen am meisten nachgefragt, sollen aber aus der Betrachtung hier zunächst weitgehend ausgeklammert werden.

Die Lektürepräferenzen, die diese Zahlen offenbaren, werden mit Bestsellerlisten von September 2012 bis August 2013 verglichen, die nach den Sektoren Kinderbuch (bis elf Jahre) und Jugendbuch (ab zwölf Jahre) in zwei Listen unterteilt sind. Durch den etwas früheren Erhebungszeitraum der Bestsellerlisten ist gewährleistet, dass alle Titel aus dem Handel bereits in der Bibliothek inventarisiert sein können. Der Vergleich der Listen macht es zusätzlich möglich, die Altersangaben der Verlage auf der Grundlage der Ausleihzahlen nach Alter zu überprüfen.

Neben dem Ziel, das Leseverhalten der Kinder und Jugendlichen anhand von Ausleihzahlen zu eruieren, dient diese Erhebung auch der Überprüfung einer früheren, die ebenfalls an der Stadtbibliothek Koblenz durchgeführt wurde, und den Zeitraum vom 1.1.2007 bis 31.7.2008 umfasste. Damals wurde das Geschlecht der Nutzer nicht berücksichtigt.

3.1 Allgemeine Befunde

Bevor auf konkrete Titel eingegangen wird, werden die allgemeinen Zahlen nur nach Geschlecht und Alter bzw. nach Medienart vorgestellt: Wie die Zahlen besagen, lesen Mädchen mit 47.334 Buchentleihungen im Jahr 2013 insgesamt wesentlich mehr als Jungen (29.903 Buchentleihungen).

p. Entsprechend den zitierten Studien, die zwischen den 7- bis 13-Jährigen und den 14- bis 19-Jährigen einen Abfall der Lesehäufigkeit ergaben, zeigen die Zahlen der Bibliothek einen deutlichen Abfall der Entleihungen zwischen den 14- und 15-Jährigen. Der Stand bleibt tief bzw. fällt noch ab zu den 16- und 17-jährigen Nutzerinnen und Nutzern. Bei den Jungen fallen die Entleihzahlen in den Altersgruppen 16 und 17 Jahre rapide ab, bis unter 500 Ausleihen jährlich, während die Mädchen noch über 2.000 tätigen.

Betrachtet man neben Büchern alle Medienarten, wie Filme, Hörbücher und andere Tonträger sowie Comics, dann ergeben sich bereits ab einem Alter von sechs Jahren wesentlich höhere absolute Entleihzahlen. Bei den 14- und 15-Jährigen sind es sogar mehr als doppelt so viele Entleihungen, wenn man alle Medien berücksichtigt. Die Top Ten der 14-Jährigen bestehen in diesem Fall aus fünf Filmen, vier Manga-Büchern und einem Roman. Bei den 16- und 17-Jährigen zeigt die Liste aller Medienentleihungen Werte, die über 2,4-mal so hoch sind wie die Nur-Buch-Entleihungen.

Im Folgenden soll nur das Segment der Bücher betrachtet werden, wobei keine Einschränkung hinsichtlich der Zielgruppe gemacht wird. Romane für Erwachsene sind ebenfalls verzeichnet. Die grobe Entwicklung der Zahlen soll nur zur Erläuterung dienen, dass absolute Zahlen je nachdem, auf welches Alter und Geschlecht sie sich beziehen, sehr unterschiedlich zu bewerten sind.

3.2 Präferierte Bücher

In den Top Ten der Jugendbücher (alle Altersgruppen und beide Geschlechter zusammengenommen) ist Jeff Kinney mit seiner Reihe Gregs Tagebuch mit sieben Titeln am prominentesten vertreten. In den nach Geschlecht bereinigten Listen finden sich bei den Jungen fünf, bei den Mädchen drei Greg-Bände unter den Top Ten. Es handelt sich also um eine Reihe, die bei Jungen und Mädchen ungefähr gleich beliebt ist (196 Entleihungen durch Jungen stehen 232 Ausleihen durch Mädchen für alle sieben Bände gegenüber). Nach Alter unterschieden ist der Höhepunkt des Interesses in den Jahren zehn und elf zu verzeichnen, bei den Zehn- bis Dreizehnjährigen stehen fünf, vier, ein und zwei Titel der Reihe in den Top Ten. In den Bestsellerlisten, die zum Vergleich herangezogen werden, finden sich alle hier betrachteten Greg-Titel auf den oberen Rängen, allerdings abweichend von der Präferenz der LeserInnen in der Kategorie ab zwölf Jahre.

Auch andere Bestseller dieses Jahres finden sich auf der Liste. Kerstin Gier ist mit den Titeln Saphirblau und Smaragdgrün auf den Plätzen eins und zehn allein bei den 16-Jährigen (von 14 Entleihungen nur eine auf einen Jungen) vertreten. Dass sich hingegen der Bestseller Die Tribute von Panem (Bände auf Platz acht, p. neun, zehn und 20 der Bestsellerliste) in keinem Alter unter den Top Ten befindet, lässt darauf schließen, dass vor allem Erwachsene zu diesem Titel greifen – wie bereits in der früheren Erhebung aus den Jahren 2007 und 2008 ermittelt wurde, dass Erwachsene, wenn sie zu Jugendbüchern greifen, vermehrt Bestseller entleihen und diesen offensichtlich auch im Buchhandel zu hohen Verkaufszahlen verhelfen.

Arend; Mahrt (wie Anm. 18), S. 52.

Von Cornelia Funke finden sich in den einzelnen Altersgruppen Der geheimnisvolle Ritter Namenlos (vier Jahre), Die wilden Hühner (zwölf Jahre), aber kein Band aus der Reckless-Reihe, aus der der Band Lebendige Schatten in der Jugend-Bestsellerliste vertreten ist.

Bei den Kinderbüchern bis elf Jahre lassen sich weniger Parallelen zwischen Bestsellerlisten und Ausleihstatistik ausmachen. Es finden sich keine identischen Titel, aber Bände aus den gleichen Serien. Der kleine Drache Kokosnuss wird auf beiden geführt, in der Bibliothek je ein Band bei den Sechs- bis Achtjährigen – bei Jungen wie Mädchen gleichermaßen beliebt. Die Reihe Helden des Olymp von Rick Riordan, die auf der Bestsellerliste dreimal vertreten ist, erscheint mit je einem Titel auf der Liste der Entleihungen in den Top Ten der 12- und 14-Jährigen, in der jüngeren Altersgruppe wesentlich häufiger von Mädchen als von Jungen gelesen. Hierbei handelt es sich um den Band Der verschwundene Halbgott, der sich auf Platz vier der Bestsellerliste der Kinderbücher befindet. Hier ist also die Altersangabe des Verlags niedriger als das Alter der NutzerInnen der Koblenzer Stadtbibliothek in diesem Zeitraum.

Dass Reihen beliebt sind, hat die frühere Erhebung bereits ergeben. Diese Erkenntnis wird durch die neuen Zahlen gestützt, wie die meisten obigen Beispiele veranschaulichen konnten. Ein weiteres bildet die Pettersson-Reihe, die bei den Fünf-, Sechs- und Siebenjährigen mit einem bzw. zwei Titeln vertreten ist. Die Reihe Die Olchis von Erhard Dietl steht bei den Siebenjährigen hoch im Kurs, findet sie sich doch gleich mit drei Titeln bei ihnen in den Top Ten, von Mädchen und Jungen ähnlich häufig ausgeliehen.

3.3 Unterschiede im Leseverhalten von Jungen und Mädchen

In allen Studien wird immer wieder betont, Jungen läsen sehr viel weniger als Mädchen: „Der Anteil der Nichtleser ist bei den Jungen mit 24 Prozent mehr als doppelt so hoch wie bei den Mädchen (11 %). Über die Altersgruppen hinweg ist der höchste Anteil der Nichtleser mit 25 Prozent bei den Sechzehn- bis Siebzehnp. jährigen auszumachen.“

JIM-Studie 2013 (wie Anm. 8), S. 20.

Diese Befunde können auch durch die Ausleihzahlen bestätigt werden: Mädchen lesen mehr als Jungen. Aber nicht nur die Lesekapazität, sondern auch die Interessen von Jungen und Mädchen sind unterschiedlich.

In der Altersstufe der Siebenjährigen erscheint zum ersten Mal ein Titel, den Mädchen viel, Jungen gar nicht ausleihen. Mit acht Jahren ist dieses Phänomen schon bei vier Titeln festzustellen und diese inhaltlichen Abweichungen lassen sich ab da immer wieder beobachten. Die Bücher der Conni-Serie werden deutlich stärker von Mädchen als von Jungen ausgeliehen – beginnend bereits bei den Vierjährigen. Insgesamt finden sich sieben Conni-Titel in den Top Ten nach Jahren. Die Mädchen entliehen diese Titel 66-mal, die Jungen achtmal. Eine Ausnahme bildet der Titel Conni und ihr Lieblingspony, der häufiger von Jungen als von Mädchen der Altersklasse sieben Jahre ausgeliehen wurde.

4 Jenseits der Zahlen – Die beliebtesten Bücher im Jahr 2013 („Blick ins Buch“)

Den ersten Platz der Top Ten erhielt bei den Jungen Gregs Tagebuch: Ich war’s nicht, während die Mädchen am häufigsten Nikkis (nicht ganz so) phänomenaler Auftritt aus der Reihe Dork Diaries von Rachel Renée Russell ausliehen. Ein Blick in diese beiden Bücher soll Hinweise darauf geben, was Jugendliche zur Lektüre einlädt. Beide Bücher werden unter dem Etikett „Comic-Roman“ beworben und verbinden Textteile mit Zeichnungen, wobei der Textanteil deutlich überwiegt. Die Sprachteile sind dargestellt in Form von handgeschriebenen Druckbuchstaben und die Seiten liniert, was schon äußerlich an ein Tagebuch erinnert. Die einzelnen Tagebucheinträge werden in viele kleinere Absätze von meist nur einem bis drei Sätzen gegliedert, so dass der Eindruck vieler kleiner Leseeinheiten entsteht. Die Bilder unterbrechen die sprachlichen Teile auf fast jeder Doppelseite. Neben diesen Gemeinsamkeiten gibt es zwischen beiden Büchern jedoch auch eine Reihe von Unterschieden.

Der Protagonist und Ich-Erzähler der Reihe Gregs Tagebuch wirkt wie ein normaler Jugendlicher, der gerne Videospiele spielt, Horrorfilme ansieht und wenig Interesse an Sport hat. Es werden banale Probleme dargestellt, wie zum Beispiel der Fakt, dass das Ansehen dieser Horrorfilme Ängste hervorruft, mit denen Greg nicht umgehen kann. Typische Konflikte innerhalb der Familie, zu der neben seinen Eltern auch der ältere Bruder Rodrick und der jüngere Bruder p. Manni gehören, spielen eine wichtige Rolle. So bemüht sich zum Leidwesen des Ich-Erzählers die Mutter immer wieder vergeblich, die Familie und insbesondere die Brüder enger zusammenzubringen, es werden zum Beispiel Familienausflüge organisiert, obwohl eigentlich niemand Spaß daran hat.

Zum Thema Leseförderung ist es interessant, dass Greg ganz gerne liest, seine Mutter ihn aber animieren möchte, die „richtigen“ Bücher zu lesen, wie zum Beispiel die Klassiker. Greg formuliert seine Abneigung gegen diese Art von Büchern: „Ich hab’ keine Ahnung, was so ein Buch überhaupt zum ‚Klassiker‘ macht, aber ich glaube, es muss mindestens ein halbes Jahrhundert alt sein, und am Schluss muss irgendein Mensch oder Tier sterben.“

Kinney, Jeff: Gregs Tagebuch. Ich war’s nicht! Köln 2010, S. 37.

Das Buch beschreibt die Schwierigkeiten Gregs, die er bei der Auswahl seiner Lieblingsbücher mit seiner Mutter bewältigen muss. Hier zeigt sich also, das Leseförderung ein fester Bestandteil des jugendlichen Alltags ist – nicht mit den meist von Erwachsenen gewünschten Resultaten, solange sie korrigierend einzugreifen versuchen.

Gregs Tagebücher scheinen mit ihren Themen die Interessen der Kinder und Jugendlichen nach alltäglichen Begebenheiten und der Darstellung von Problemen, die viele Schülerinnen und Schüler teilen, zu befriedigen. Durch die Gestaltung als Tagebuch wird durchgehend die Perspektive des Protagonisten eingenommen. Der Einzelne erkennt seine Sorgen und Nöte und vielleicht gar die Strategien, mit diesen umzugehen, in Gregs Schilderungen wieder. Die sprachlichen Teile werden dabei immer wieder von den Bildern unterbrochen, indem oft eine verbale Einleitung durch eine Pointe in Form eines Bildes gekrönt wird. Gelegentlich erfüllen die Bilder nur eine illustrierende Funktion, wenn ihnen im Vergleich zum Text keine wesentlichen zusätzlichen Informationen zu entnehmen sind. Die Bilder stellen oft dar, wie sich die Personen in einer Situation fühlen. Besonders häufig geht es dabei um die Gemütslage des Ich-Erzählers, der in diesem Fall zum Zeichner wird. Während die Sätze Erlebnisse und Situationen oft nur knapp beschreiben, führen die Bilder sie vor Augen. Die reduzierten Strichzeichnungen lenken das Augenmerk auf Körperhaltungen und Mimik der Figuren und stellen so die Gefühlslagen dar. Gelegentlich werden in den Bildern auch Sprechblasen verwendet, um Comic-Passagen handelt es sich in den meisten Fällen jedoch nicht.

Auch bei dem Titel, der auf Platz eins bei den Ausleihen der Mädchen steht, geht es in erster Linie um Alltagssorgen. Während in Gregs Tagebuch verschiedene Nöte junger Menschen diskutiert und durchgespielt werden – oft überraschend einfache –, liefert der Dork Diaries-Band Nikkis (nicht ganz so) phänomenaler Auftritt dem Klischee nach spezifischere Mädchen-Probleme: Mode, Verliebtsein, p. Beliebtheit und die eigene Wirkung auf andere. Diese Probleme beziehen sich überwiegend auf den Schulalltag.

Das Buch offenbart verglichen mit Gregs Tagebuch einen gänzlich anderen Sprachstil, der (für erwachsene Leser) eine gewisse Gewöhnung erfordert. Die Erzählung wirkt in der Gedankenführung oft sprunghaft, da große Gefühlsregungen und Bewertungen der Situation sowie der beteiligten Personen besonders fokussiert werden. Imaginierte Situationen spielen ebenfalls eine Rolle, wie etwa durch den häufig genutzten Satz ausgedrückt: „Aber ich sagte das nur in Gedanken, sodass es außer mir niemand hören konnte.“

Russell, Rachel Renée: Dork Diaries. Nikkis (nicht ganz so) phänomenaler Auftritt. Köln 2014, S. 105.

Die Lektüre macht es also erforderlich, sich ein Stück weit in die Gefühlswelt und die Wertmaßstäbe der Ich-Erzählerin hineinzudenken, um die Erlebnisse mitvollziehen zu können. Wo Greg beschreibt und eher weniger als mehr Worte verliert, breitet Nikki ihre Gedanken und Gefühle in aller Ausführlichkeit aus. Oft beginnt ein Tagebucheintrag bereits mit dem aktuellen Gemütszustand oder mit einer Bewertung dessen, was im Folgenden erzählt wird. Greg erzählt dem gegenüber linear und mit mehr Distanz zum Erlebten. Dadurch erhalten die Tagebucheinträge in den Dork Diaries meist einen Spannungsbogen, der sich auch in der Struktur des ganzen Bandes wiederfindet.

In den Dork Diaries erfüllen die Bilder eine stärker illustrierende Funktion, da ihnen meist keine wesentlichen zusätzlichen Informationen entnommen werden können. Oft weisen sie sogar große Redundanzen zum Text auf, wie das folgende Beispiel zeigen soll: Dem Satz „Vermutlich, weil ich ihn direkt anstarrte“ wird ein Bild hinzugefügt, das die starrende Nikki zeigt. Ein Text mit Pfeil auf die Ich-Erzählerin erläutert: „Hier starre ich ihn an.“

Russell (wie Anm. 24), S. 82.

Die Verzahnung von sprachlichen und bildlichen Teilen wie in diesem Beispiel mag redundant und darum unbeholfen erscheinen. Allerdings entsteht daraus die Frage nach der Funktion der Bilder, wenn es nicht um das Vermitteln von Informationen geht. Die Bilder laden den Leser dazu ein, in einer Situation länger zu verweilen und sich anhand der Bilder noch stärker in die Ich-Erzählerin hineinzuversetzen. Auf diese Weise werden zentrale Situationen hervorgehoben, indem ihnen mehr Raum und Zeit zugedacht wird. Der Stil der Bilder nutzt den Zeichenstil, zum Teil auch die Bildsprache japanischer Mädchen-Mangas. Während auch in dieser Serie das Einzelbild dominiert, enthält der Band auch mehrere Comic-Sequenzen. Diese beiden Bücher scheinen die Jugendlichen mit Themen zu beliefern, die ihnen nah und aus der eigenen Lebenswelt vertraut sind. Die Form des Tagebuchs vermittelt p. ihnen eventuell den Eindruck einer großen Nähe und Unmittelbarkeit, was durch das handschriftlich anmutende Schriftbild noch verstärkt wird.

Was in der Struktur der Bücher möglicherweise als einladend empfunden wird, ist die Einteilung der Texte in kurze Absätze, wie sie in Romanen in der Regel nicht zu finden sind; die Zeichnungen lockern das Bild der Seiten zusätzlich auf. Wenn ein Leser sich von der Lektüre eines Buches überfordert fühlen mag, kann ihm der Blick in eines dieser Bücher die Angst nehmen. Vielleicht sollte darauf hingewiesen werden, dass unabhängig vom beschriebenen Druckbild die Sprache und der Satzbau nicht simpel sind. Zudem kann die Rezeption von Bildern (in Verbindung mit Text) nicht nur als Entspannung verstanden werden, sie fordert andere Verstehenskompetenzen vom Leser. Das integrierende Verstehen von Text und Bild ist gerade in Gregs Tagebuch wichtig für das Verständnis der Handlung. Das Dork Diary hingegen sichert durch Redundanzen das Gesamtverständnis, fordert aber in besonderem Maße Einfühlung in die Ich-Erzählerin.

So fördert die Lektüre beider Bücher durch die Ich-Perspektive sicher das Fremdverstehen und die Empathie, kommt es doch in wesentlichen Teilen darauf an, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Durch geläufige Themen und Situationen mag die Lektüre auch dabei helfen, eigenes Erleben zu reflektieren, indem Übereinstimmungen erkannt werden.

Tab. 1: Ausleihzahlen der Kinder und Jugendlichen.

Die zehn Titel, die am häufigsten ausgeliehen wurden. Publikationsform: alle Medien (z. B. mit Hörbüchern; Mangas und Comics rot markiert)
Jungen:
1. Naruto/Kishimoto, Masashi
2. Schlümpfe- Schlumpfereien/Peyo
3. Yu-Gi-Oh!/Takahashi, Kazuki
4. Asterix & Obelix feiern Geburtstag/Uderzo, Albert
5. Walt-Disney-Comics/Disney, Walt
6. Gallien in Gefahr/Uderzo, Albert
7. Dumm gelaufen!/Kinney, Jeff
8. Harry Potter und der Halbblutprinz/Rowling, Joanne K.
9. Die drei ??? und der Geisterzug/Hitchcock, Alfred
10. Cars/Disney, Walt [Begr.]
Mädchen:
1. Naruto/Kishimoto, Masashi
2. Cheeky vampire/Kagesaki, Yuna
3. Legend/Kara
4. Mirmo!/Shinozuka, Hiromu
p. 5. Ritter der Königin/Kim, Kang Won
6. Gefahr im Fitness-Studio/(Die drei !!!)
7. Shaman King/Takei, Hiroyuki
8. 5 Sterne für Lola/Abedi, Isabel
9. Nikkis (nicht ganz so) phänomenaler Auftritt/Russell, Rach
10. Lola Schwesterherz/Abedi, Isabel
Die zehn Titel, die am häufigsten ausgeliehen wurden. Publikationsform: Bücher
Jungen:
1. Dumm gelaufen!/Kinney, Jeff
2. Asterix – Das große Wimmelbuch/
3. Keine Panik!/Kinney, Jeff
4. Die stärksten Olchis der Welt/Dietl, Erhard
5. Jetzt reicht‘s!/Kinney, Jeff
6. Die Olchis und der faule König/Dietl, Erhard
7. Tatort Kletterpark/Blanck, Ulf
8. Gibts Probleme?/Kinney, Jeff
9. Ich war‘s nicht!/Kinney, Jeff
10. Alles über die Polizei/Metzger, Wolfgang [Ill.]
Mädchen:
1. Nikkis (nicht ganz so) phänomenaler Auftritt/Russell, Rach
2. Dumm gelaufen!/Kinney, Jeff
3. Gibts Probleme?/Kinney, Jeff
4. Im Zauberwald/Chapman, Linda
5. Jetzt reicht‘s!/Kinney, Jeff
6. Conni und die Burg der Vampire/Boehme, Julia
7. Sommerzauber/Chapmann, Linda
8. Falsches Spiel im Internat/Vogel, Maja von
9. Total verknallt!/Vogel, Maja von
10. Vampire in der Nacht/Steckelmann, Petra

5 Fazit

Die Ausleihzahlen der Koblenzer Stadtbibliothek aus dem Jahr 2013 bestätigen die Ergebnisse anderer Erhebungen, wonach Mädchen wesentlich mehr und häufiger lesen als Jungen. Ebenso verläuft die ermittelte Altersstruktur der Entleihungen (in etwa) parallel mit den Altersangaben anderer Studien.

p. Wenn es bei der Leseförderung darum geht, Hürden zu beseitigen, die Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum Buch möglicherweise überwinden müssen, offenbaren gerade die beiden Top-Titel Möglichkeiten, diese niedrig zu setzen: Kurze Textpassagen, Bilder, die möglicherweise als Entspannung und Auflockerung verstanden werden, und Themen, die dem Alltagsleben Jugendlicher entnommen sind.

Die Erhebung aus 2007/2008 hat andere Arten von Büchern als beliebteste Ausleihtitel ergeben. Damals wurde die Liste, die nicht zwischen Mädchen und Jungen differenzierte, von Bilderbüchern angeführt, die für eine jüngere Zielgruppe konzipiert sind. Jedoch zeigte sich damals, dass die Leser nicht (alle) im Vorschul- oder Grundschulalter waren. Die meisten Ausleihen dieser Titel tätigten Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren. Auch in diesen Fällen könnte vermutet werden, dass die Lektüre als nicht zu anspruchsvoll antizipiert wurde. Die Serien Gregs Tagebuch und Dork Diaries gab es 2007 noch nicht. Sie haben also augenscheinlich eine Lücke gefüllt. Es kann mitnichten angenommen werden, dass nur schwache Leser diese Bücher lesen. Vielmehr werden Jugendliche, wie Erwachsene auch, mit unterschiedlichen Lektüren verschiedene Funktionen erfüllen wollen. Zudem laden verschiedene Formen von Romanen zum Nachdenken über Literatur ein.

Kommen wir vor dem Hintergrund noch einmal darauf zurück, dass aus dieser Studie, ebenso wie in der früheren, die Gattung Comic/Manga ausgeschlossen wurden. Dabei scheinen Comics nicht ein Störfaktor in der Liste zu sein, sondern in besonders hohem Maße Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zu befriedigen.

Apl. Prof. Dr. Helga Arend: arend@uni-koblenz.de

Nina Mahrt M.A.: antonina@uni-koblenz.de

Footnotes

1

Vgl. Schroeder, Sascha: Was Kinder lesen – kognitive Konsequenzen und pädagogische Herausforderung. Forschungsbericht 2014 der Max-Planck-Forschungsgruppe Reading Education and Development (REaD). http://www.mpg.de/7713749/MPIB_JB_2014 [Zugriff: 28.05.2015].

2

Vgl. Rieckmann, Carola: Leseförderung in sechsten Hauptschulklassen. Zur Wirksamkeit eines Vielleseverfahrens. Baltmannsweiler 2009, S. 99 ff., und Schroeder (wie Anm. 1).

3

Schroeder (wie Anm. 1).

4

Schroeder (wie Anm. 1).

5

Rieckmann (wie Anm. 2), S. 134.

6

Rosebrock, Cornelia: Leseförderung. In: Taschenbuch des Deutschunterrichts. Band 2. Literatur- und Mediendidaktik. Baltmannsweiler 2010, S. 326–339, hier S. 335.

7

Vgl. Franzmann, Bodo: Leseverhalten in Deutschland: Erwachsene und Jugendliche im Vergleich. In: Franz, Kurt; Payrhuber, Franz-Josef (Hg.): Lesen heute. Leseverhalten von Kindern und Jugendlichen und Leseförderung im Kontext der PISA-Studie. Baltmannsweiler 2002, S. 26–40, hier S. 38.

8

JIM-Studie 2013. Jugend, Information, (Multi) –Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart 2013, S. 19.

9

KIM-Studie 2014. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart 2015, S. 26.

10

Vgl. KIM-Studie 2014 (wie Anm. 9), S. 26.

11

Vgl. BuBiZ 2014: Buch und Buchhandel in Zahlen 2014. Hrsg. vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. Frankfurt am Main 2014, S. 33.

12

Vgl. BuBiZ 2014 (wie Anm. 11), S. 37.

13

Vgl. BuBiZ 2014 (wie Anm. 11), S. 35.

14

Vgl. BuBiZ 2014 (wie Anm. 11), S. 102.

15

Vgl. Bos, Wilfried; Tarelli, Irmela; Bremerich-Vos, Albert; Schwippert, Knut (Hg.): IGLU 2011. Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich. Waxmann: Münster 2012, S. 188.

16

Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina: Einleitung: Die Grundkonzeption des Weiterbildungsprogramms. In: Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung in der Literatur- und Lesedidaktik. Ein Weiterbildungsprogramm. Weinheim/München 2006, S. 11–30, hier S. 18 f.

17

Beinke, Inga; Charlton, Michael; Viehoff, Reinhold: Der Leser als Subjekt des Verstehens. In: Groeben, Norbert; Hurrelmann, Bettina (Hg.): Empirische Unterrichtsforschung in der Literatur- und Lesedidaktik. Ein Weiterbildungsprogramm. Weinheim/München 2006, S. 73–94, hier S. 75.

18

Vgl. Ergebnisse der früheren Erhebung Arend, Helga; Mahrt, Nina: Lektürepräferenzen von Kindern und Jugendlichen. Eine Untersuchung anhand von Ausleihzahlen der StadtBibliothek Koblenz. In: bibliotheken heute. Heft 2, 2014, S. 50–54.

19

Vgl. KIM-Studie 2014 (wie Anm. 9), S. 28.

20

Vgl. Arend; Mahrt (wie Anm. 18), S. 51 f.

21

Arend; Mahrt (wie Anm. 18), S. 52.

22

JIM-Studie 2013 (wie Anm. 8), S. 20.

23

Kinney, Jeff: Gregs Tagebuch. Ich war’s nicht! Köln 2010, S. 37.

24

Russell, Rachel Renée: Dork Diaries. Nikkis (nicht ganz so) phänomenaler Auftritt. Köln 2014, S. 105.

25

Russell (wie Anm. 24), S. 82.

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