Malb. leodardi und die altfriesischen Gesetze (Untersuchungen zu den malbergischen Glossen I)

Elmar Seebold 1
  • 1 Andechs

Malbergische Glossen treten in der Regel nur an einer Stelle oder allenfalls an wenigen gleichartigen Stellen auf – mit einigen Ausnahmen, vor allem der Glosse leodardi (u. ä.), die in mehr als einem Dutzend Fällen in den Text eingefügt ist. Wegen der weit auseinanderfallenden Inhalte, die auf diese Weise glossiert sind, ist die Bedeutung des Wortes unklar und umstritten. Ein Anhaltspunkt scheint sich daraus zu ergeben, dass die Lautform zu dem altfriesischen Rechtsterminus leodwerdene (u. ä.) zu passen scheint; doch ist auch dieser alles andere als eindeutig. Auf jeden Fall versucht man, ein Kompositum vorauszusetzen, dessen erster Bestandteil das Wort Leute ist, eventuell in einer nur früh und selten bezeugten singularischen Bedeutung. Für das Hinterglied versucht man meist, von afries. werdene auszugehen, das so etwas ähnliches wie ›Beschädigung, Verletzung, Beeinträchtigung‹ bedeutet. Das ergäbe dann etwa ›Mann-Verletzung‹; aber da es in den betreffenden Kontexten (im Friesischen wie im Fränkischen) um Gelder geht, nimmt man an, dass sich die Bedeutung von einer Bezeichnung der Tat zur Bezeichnung der Buße für diese Tat gewandelt hat.

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The Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur (PBB)  was founded by Hermann Paul and Wilhelm Braune in 1874. It publishes essays on diachronic linguistics and the history of German Literature from the beginnings to about 1600, as well as reviews of monographs and collected works in these fields.

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