Zehn Jahre Degrowth als radikale politische Perspektive: Potenziale und Hürden

Ulrich Brand
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  • Ulrich Brand arbeitet als Professor für Internationale Politik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.
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and Mathias Krams
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  • Mathias Krams ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promovend am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.
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Abstract

Bereits seit zehn Jahren arbeiten soziale Bewegungsakteur*innen in Deutschland (und darüber hinaus) mit den Konzepten „Postwachstum“ und „Degrowth“. Dieser Artikel skizziert die Entwicklung und inhaltlichen Grundpfeiler der Degrowth-Bewegung und geht der Frage nach, ob sich das Konzept über die Jahre überlebt oder bewährt hat. Ausgehend von den Erfahrungen der Bewegung für Klimagerechtigkeit wird aufgezeigt, wo zukünftig strategische Hürden und Potentiale liegen. Eingegangen wird dabei insbesondere auf (1) die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Perspektive, (2) die Bedeutung institutioneller Arrangements, (3) die Rolle des Faktors Arbeit sowie (4) den Einfluss sozialer Macht und Herrschaft. Es wird konstatiert, dass wenn es der Degrowth Bewegung gelingt Antworten auf die im Text aufgeworfenen Fragen zu finden, strategische Rückschlüsse daraus zu ziehen und in ihre Praxis zu übersetzen, sie sich noch lange nicht überlebt hat und in der Lage sein wird, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

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