Warum Männlichkeit ein Thema der Degrowth-Bewegung sein sollte

Plädoyer für eine Perspektivenvertiefung

Andreas Heilmann and Sylka Scholz
Andreas Heilmann
  • Corresponding author
  • Email
  • Further information
  • Andreas Heilmann, ist Referent im Förderprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Geschlechtersoziologie, insbesondere theoretische und empirische Männlichkeitsforschung, Arbeitssoziologie und qualitative Methoden der Sozialforschung.
  • Search for other articles:
  • degruyter.comGoogle Scholar
and Sylka Scholz
  • Email
  • Further information
  • Sylka Scholz ist Professorin für Qualitative Methoden und Mikrosoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Geschlechtersoziologie, insbesondere theoretische und empirische Männlichkeitsforschung sowie die Entwicklung von qualitativen Methoden, speziell Methoden der Bild- und Filmanalyse.
  • Search for other articles:
  • degruyter.comGoogle Scholar

Abstract

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass in den Debatten der Degrowth-Bewegung das Thema Männlichkeit bisher kaum eine Rolle spielt. Dies ist insofern überraschend, als der Aufstieg des wachstumsorientierten Kapitalismus mit der Herausbildung einer spezifischen männlichen Subjektivierungsweise verknüpft ist. Anhand des Konzeptes der imperialen Lebensweise (Brand/Wissen) diskutieren wir exemplarisch, wie die Kategorie Männlichkeit in die Analyse kapitalistischer Wachstumsgesellschaften einbezogen werden kann und welche Erkenntnisse dadurch zu gewinnen sind. Anschließend wenden wir uns der Frage nach möglichen Bündnissen zwischen gleichstellungsorientierten Männlichkeitspolitiken und Degrowth-Bewegung zu. Wir argumentieren, dass sie sich bezüglich einer Politik der De-Privilegierung überschneiden und sich gegenseitig stärken könnten, um eine solidarische Lebensweise auf den Weg zu bringen.

  • Aulenbacher, Brigitte/Meuser, Michael/Riegraf, Birgit 2012: Geschlecht, Ethnie, Klasse im Kapitalismus – Über die Verschränkung sozialer Verhältnisse und hegemonialer Deutungen im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess. In: Berliner Journal, Jg. 22, Heft 1, 5-27.

  • Aulenbacher, Brigitte/Riegraf, Birgit/Völker, Susanne (2015): Feministische Kapitalismuskritik. Einstiege in bedeutende Forschungsfelder. Münster: Westfälisches Dampfboot.

  • Bourdieu, Pierre 1993: Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft. Frankfurt am Main.

  • Bourdieu, Pierre 1997: Die männliche Herrschaft. In: Dölling, Irene/Krais, Beate (Hg.): Ein alltägliches Spiel. Geschlechterkonstruktion in der sozialen Praxis. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 153-217.

  • Brand, Ulrich/Wissen, Markus 2017: Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. München: Oekom.

  • Brand, Ulrich/Wissen, Markus 2018: „Nichts zu verlieren als ihre Ketten?“ Neue Klassenpolitik und imperiale Lebensweise. In: LuXemburg. Gesellschaftsanalyse und linke Praxis, Heft 1, 104-111.

  • Connell, R. W. 1987: Gender and Power. Society, the Person and Sexual Politics. Stanford: California.

  • Di Blasi, Luca 2013: Der weiße Mann. Ein Antimanifest. Bielefeld: Transcript.

  • Heilmann, Andreas 2011: Normalität auf Bewährung. Outings in der Politik und die Konstruktion homosexueller Männlichkeit. Bielefeld: Transcript.

  • Eversberg, Dennis 2016: Wachstumskritik als freiwillige Selbstreorganisierung: Versuch, uns und anderen die Degrowth-Bewegung zu erklären. In: Psychosozial, 39. Jg., H. I, S. 81-98.

  • Eversberg, Dennis/Schmelzer, Matthias 2016: Über die Selbstproblematisierung zur Kapitalismuskritik. Vier Thesen zur entstehenden Degrowth-Bewegung. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen – Analysen zu Demokratie und Zivilgesellschaft, 29. Jg., H. 1, 9-16.

  • Eversberg, Dennis/Schmelzer, Matthias 2017: Mehr als Weniger: Erst Überlegungen zur Frage nach dem Postwachstumssubjekt. In: Psychosozial 40 Jg., H. 148, 83-100.

  • Fraser, Nancy 2003: Soziale Gerechtigkeit im Zeitalter der Identitätspolitik. Umverteilung, Anerkennung und Beteiligung. In: Fraser, Nancy/Honneth, Axel (Hg.): Umverteilung oder Anerkennung? Eine politisch-philosophische Kontroverse: Frankfurt am Main: Suhrkamp: 15-128.

  • Heilmann, Andreas 2015: Männlichkeit im Reproduktionsdilemma? Sozial- und zeitdiagnostische Perspektiven von Krisenanalysen. In: Heilmann, Andreas/Jähnert, Gabriele/Schnicke, Falko/Schönwetter, Charlott/Vollhardt, Mascha (Hg.): Männlichkeit und Reproduktion. Zum gesellschaftlichen Ort historischer und aktueller Männlichkeitsproduktionen. Wiesbaden: Springer VS, 99-116.

  • Heilmann, Andreas/Scholz, Sylka 2017: Caring Masculinities – gesellschaftliche Transformationspotentiale fürsorglicher Männlichkeiten? In: Feministische Studien, Jg. 35, Heft 2, 345-353.

  • Kastein, Mara 2018: Zwischen ‚Suchbewegung‘ und Sichtbarkeitsbestreben. Gleichstellungsorientierte Männerpolitik unter Legitimationsdruck. Dissertation an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

  • Lenz, Ilse 2014: Geschlechterpolitiken und Männlichkeit. In: Behnke, Cornelia/Lengersdorf, Diana/Scholz, Sylka (Hg.): Wissen – Methode – Geschlecht: Erfassen des fraglos Gegebenen. Wiesbaden: Springer VS, 265-280.

  • Maihofer, Andrea 1995: Geschlecht als Existenzweise, Frankfurt/M: Ulrike Helmer.

  • Meuser, Michael 2005: Strukturübungen, Peergroups, Risikohandeln und die Aneignung des männlichen Geschlechtshabitus. In: King, Vera/Flaake, Karin (Hg.): Männliche Adoleszenz. Sozialisation und Bildungsprozesse zwischen Kindheit und Erwachsensein. Frankfurt/New York: Campus, 309-323.

  • Meuser, Michael (2008): Ernste Spiele. Zur Konstruktion von Männlichkeit im Wettbewerb der Männer. In: Baur, Nina/Luedtke, Jens (Hg.): Die soziale Konstruktion von Männlichkeit. Hegemoniale und marginalisierte Männlichkeiten in Deutschland. Opladen/Farmington Hills: Barbara Budrich, 33-44.

  • Sablowski, Thomas 2018: Warum die imperiale Lebensweise die Klassenfrage ausblenden muss. In: LuXemburg. Gesellschaftsanalyse und linke Praxis, Heft 1, Online-Ausgabe (https://www.zeitschrift-luxemburg.de/warum-die-imperiale-lebensweise-die-klassenfrage-ausblenden-muss/) [15.08.2018]

  • Scholz, Sylka 2012: Männlichkeitssoziologie. Soziale Studien aus den Feldern Arbeit, Politik und Militär im vereinten Deutschland. Münster: Westfälisches Dampfboot.

  • Tholen, Toni 2011: Subjektivität – Krise – Utopie. Imaginationen von Männlichkeit im zeitgenössischen Denken und Schreiben. In: Bereswill, Mechthild/Neuber, Anke (Hg.): In der Krise? Männlichkeiten im 21. Jahrhundert. Münster: Westfälisches Dampfboot, 170-192.

Purchase article
Get instant unlimited access to the article.
$42.00
Log in
Already have access? Please log in.


or
Log in with your institution

Journal + Issues

The research journal is devoted to issues of democratization, social science research on social movements, and political sociology. To better serve as an indicator, seismograph, and driver for social processes, the journal operates at the intersection between research on social movements, social practice, politics, and the everyday world. Its focus is on the interdisciplinary exploration of the “soft side” of institutional change in societies.

Search