Vom Sichern der Zeit und Zeigen der Geschichte. Zum Archiv als Zeitgeber des Fin de Siècle

  • 1 Universität Mannheim, Historisches Institut, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, 68131, Mannheim, Germany

Zusammenfassung

Das zentrale Argument des Beitrages zielt auf eine Zeiten-Geschichte des Fin de Siècle aus der Perspektive des Archivs. Ausgehend vom Beispiel der seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verbreiteten Archivalienausstellungen wird danach gefragt, inwiefern diese sich als Reaktion auf eine krisenhafte Zeitwahrnehmung verstehen ließen. Das Empfinden von Zeit als beschleunigter, verflüssigter oder aufgespaltener Zeit wurde um 1900 zunehmend als Problem und damit auch als zu behebende Herausforderung aufgefasst. Entsprechend galt es, die Zeit wieder zu sichern. Unter Rückgriff auf wichtige archivinterne Entwicklungen, wie die Einführung des Provenienzprinzips, die Etablierung der Archivistik als eigener Disziplin und die sich wandelnde Vorstellung von Aufgabe und Ziel nationaler Archive in Deutschland, Frankreich und Großbritannien wird herausgearbeitet, dass diese zunehmend als Voraussetzung für nationale Geschichte begriffen und konzipiert wurden. Eingebunden in einen „organologischen“ Denkmodus konnten gerade Nationalarchive dazu beitragen, die Zeitdimensionen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnhaft zu überbrücken und dadurch eine autorisierte Geschichte als Fundament der Gegenwart bereitzustellen. Zeit konnte dergestalt in Form von Geschichte homogenisiert gedacht und in vielfältiger Weise auch veranschaulicht werden, wofür das Beispiel der Archivmuseen symptomatisch stehen kann. Das Verständnis des Archivs als eines zentralen Zeitgebers eröffnet daher die Möglichkeit, ergänzend zum Narrativ der Standardisierung von Zeit während des Fin de Siècle auch deren Pluralisierung zu betonen.

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