Zur Konjunktur des Zählens – oder wie man Quantifizierung quantifiziert. Eine empirische Analyse der Anwendung quantitativer Methoden in der deutschen Geschichtswissenschaft

Michael Buchner 1 , Tobias A. Jopp 2 , Mark Spoerer 3 ,  and Lino Wehrheim 4
  • 1 Statistisches Bundesamt, 65189, Wiesbaden, Germany
  • 2 Universität Regensburg, Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften, Institut für Geschichte, 93040, Regensburg, Germany
  • 3 Universität Regensburg, Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften, Institut für Geschichte, 93040, Regensburg, Germany
  • 4 Universität Regensburg, Fakultät für Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften, Institut für Geschichte, 93040, Regensburg, Germany
Michael Buchner, Tobias A. Jopp
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Zusammenfassung

Historiker können heute auf einen gut gefüllten methodischen Werkzeugkasten zurückgreifen. Seit der Etablierung der Sozialgeschichte als „Historische Sozialwissenschaft“ in den 1970er Jahren gehören dazu neben qualitativ-hermeneutischen Ansätzen grundsätzlich auch quantitativ-statistische Methoden. Viele Quellen lassen einen quantitativen Analyseansatz zumindest zu; andere (z. B. Massendaten) sind ohne die Anwendung entsprechender Methoden gar nicht gewinnbringend auswertbar. Doch wie stark ist die Anwendung quantitativer Methoden in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft eigentlich verbreitet (gewesen)? Während der Einsatz statistischer Verfahren seit den Tagen der „Bielefelder Schule“ durch immer leistungsfähigere und zugleich anwenderfreundlichere Software prinzipiell viel einfacher geworden ist, scheinen quantitative Ansätze in nur wenigen historischen Teildisziplinen verbreitet zu sein. Ein Grund könnte die Skepsis gegenüber quantitativen Methoden von Seiten der Vertreter der „Neuen Kulturgeschichte“ sein. Wissenschaftshistorisch-empirisch ist dieser Aspekt jedoch kaum erforscht. Unsere Studie möchte diese Forschungslücke ein Stück weit schließen. Dazu haben wir ein umfangreiches Zeitschriftenkorpus (u. a. die HZ beinhaltend) erhoben, das es uns erlaubt, das Ausmaß quantitativen Arbeitens in der deutschsprachigen Historiographie für den Zeitraum 1951­–2016 näher zu bestimmen. Wir argumentieren sowohl quantitativ als auch qualitativ und kombinieren dazu einen einfachen „Abzähl-Ansatz“ (Zählung der Tabellen und Grafiken in allen erhobenen Zeitschriften) mit einem komplexeren lexikografischen Ansatz. Unsere Ergebnisse stützen insgesamt die These, dass der cultural turn den aufkommenden Trend zu mehr Quantifizierung in Teilen der Geschichtswissenschaft wieder umkehrte. Die Bestimmung der „Konjunktur der Quantifizierung“ birgt aber auch manche Überraschung.

I. Einführung

Die Modernisierungseuphorie und der Planungsoptimismus, die in der westlichen Welt in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschten, führten in vielen sozialwissenschaftlichen Disziplinen zu einem verstärkten Einsatz quantitativer Methoden. Wer die Zukunft planen wollte, musste rechnen können. Der Einsatz von Taschenrechnern und ersten Microcomputern, aber auch von lochkartengesteuerten Großrechnern an den Universitätsrechenzentren erlaubten eine bis dahin für unmöglich gehaltene Aufbereitung und Auswertung von Massendaten.1

Auch die deutsche Geschichtswissenschaft erlebte in den 1970er Jahren den Einzug quantitativer Methoden. Dabei wirkten verschiedene Impulse zusammen. In Frankreich hatte die Annales-Schule schon in den 1930er Jahren verstärkt auf Quantifizierung gesetzt – Existenz oder Nicht-Existenz einer longue durée ließ sich am besten anhand von Zeitreihendaten belegen.2 In den Vereinigten Staaten kam um die Wende zu den 1960er Jahren die Kliometrie auf. Die Anwendung ökonomischer Konzepte und mit ihr auch mathematisch-statistischer Methoden – die Ökonometrie – brachte neue Impulse unter anderem in die Forschung zur Sklaverei und zur Industrialisierung der Vereinigten Staaten.3 In Deutschland propagierten vor allem Forscher/innen der Historischen Sozialwissenschaft – vereinfacht als „Bielefelder Schule“ um Hans-Ulrich Wehler und Jürgen Kocka bezeichnet – den Nutzen quantitativer Methoden.4 Wer soziale Verhältnisse beschreiben wollte, brauchte Massendaten und musste diese auswerten können. Verfahren der beschreibenden Statistik (vor allem Mittel- und Streuungswerte) fanden Eingang in viele Studien. Spezielle Lehrbücher, die in die Anwendung statistischer Verfahren in den Geschichtswissenschaften einführten, erschienen zunächst auf Englisch und später auch auf Deutsch.5 Die kliometrische Revolution fand in dem in den USA ausgebildeten Richard H. Tilly, der 1966 den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte in Münster übernahm, ihren ersten Fürsprecher in Deutschland.6 Abgesehen von Publikationen Tillys und einiger seiner Schüler fanden Verfahren der schließenden (induktiven) Statistik, insbesondere Regressionsanalysen, allerdings erst in den 1990er Jahren verstärkt Verwendung in (fast ausschließlich wirtschafts-)historischen Studien.7

Zu diesem Zeitpunkt war die Historische Sozialwissenschaft jedoch bereits in der Defensive. Seit den 1980er Jahren zog der cultural turn in Teile der deutschen Geschichtswissenschaft ein.8 Wenn alles Text war und alles dekonstruiert werden musste, dann war auch die Erklärungskraft historischer Daten bzw. der statistischen Quellen des Historikers/der Historikerin, aus welchen diese gewonnen wurde, zu hinterfragen.9 Schließlich entstanden sie nicht im interessefreien Raum, sondern wurden von Menschen erhoben und dienten zumeist herrschaftlichen oder wirtschaftlichen Interessen. Derart obskure Artefakte mit ausgefeilten statistischen Verfahren zu analysieren musste aus dieser Sicht wirken wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Das Individuelle, die dichte Beschreibung war gefragt, nicht der Durchschnitt, graphisch veranschaulicht durch die Regressionsgerade, die aus einer unscharfen Punktewolke den Trend extrahieren sollte. Obwohl nach unserer Auffassung kulturhistorische Fragestellungen sehr wohl auch quantitativ angegangen werden könnten, ist in sich als kulturhistorisch verstehenden Studien selbst die Anwendung der deskriptiven Statistik selten.

So scheint es jedenfalls. Inwieweit quantifizierende Verfahren in der deutschen Geschichtswissenschaft verbreitet sind, ist bislang noch nicht in langfristiger Perspektive systematisch ausgewertet worden, wenngleich sich in den 1970er und 1980er Jahren eine rege Diskussion über den Nutzen eines quantifizierenden Zugriffs entspann, die nach 1990 jedoch schnell abebbte.10 Es lässt sich bestenfalls begründet vermuten, in welchen historischen Teildisziplinen quantifizierende Verfahren mehr oder weniger häufig angewendet werden als in anderen. Auch der zeitliche Trend ist völlig unklar. Die trotz steigendem Leistungsumfang immer einfachere Bedienung von Tabellenkalkulations- und Statistikprogrammen wie Excel, SPSS, Stata, R, EViews und anderen lässt vermuten, dass der Einsatz quantifizierender Verfahren zugenommen haben könnte. Aber was nutzen steigende Rechenleistung und einfachere Handhabung der Software, wenn der cultural turn das einfach nicht braucht(e)?

In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, welcher der beiden Effekte stärker auf die Verwendung quantifizierender Methoden in der deutschen Geschichtswissenschaft gewirkt hat. Wir gehen diese Frage aus zwei Perspektiven an. In der Längsschnittbetrachtung interessiert uns, inwieweit der Einsatz quantifizierender Verfahren sich über die Zeit verändert hat. Sicherlich gab es eine Zunahme in den 1970er Jahren. Aber inwieweit hoben sich die potentiell beschleunigenden Effekte der Digitalisierung und die potentiell verzögernden Effekte des cultural turn seit den 1980er Jahren auf? In der Querschnitts- bzw. Panel-Perspektive interessiert uns der Verwendungsgrad quantifizierender Verfahren in einzelnen historischen Teildisziplinen.

Auch wenn wir – wie ja schon unser quantifizierender Zugriff zeigt – eine gewisse Affinität zur Verwendung quantitativer Konzepte und Methoden nicht verhehlen können, versuchen wir, nicht wertend zu argumentieren. Ebenso wenig wie es prominenten Vertretern der Historischen Sozialwissenschaft oder der Kulturwissenschaft gut bekommen ist, ihren methodischen Zugriff ausgesprochen oder unausgesprochen als historiographischen Königsweg zu bezeichnen, würden wir dies für quantitative Verfahren behaupten wollen – es kommt eben zunächst doch immer auf die Fragestellung an. Wir geben allerdings zu bedenken, dass Quantifizierung eigentlich nur eine standardisierte Sonderform des Vergleichs ist, dessen Bedeutung für die Einordnung historischer Sachverhalte keine gängige methodische Richtung in Frage stellt.11

Für die hier verfolgten beiden Perspektiven bietet sich ein quantifizierender methodischer Zugriff geradezu an. Allerdings haben wir zeitökonomische Restriktionen zu berücksichtigen. Als Untersuchungseinheit ziehen wir deswegen natürlich nicht die Gesamtheit der historiographischen Literatur und auch kein zufällig gezogenes Sample heran, sondern wir konzentrieren uns auf Artikel in zehn deutschsprachigen Fachzeitschriften. Kriterien für die Auswahl der Zeitschriften sind dabei zum einen eine gewisse Bekanntheit und zum anderen die Tatsache, dass wir gerade auch wirtschafts- und sozialhistorische Zeitschriften untersuchen wollen, weil bei ihnen der Einsatz quantitativer Verfahren am ehesten zu vermuten ist. Wir halten unsere Auswahl für geeignet, uns vier Teildisziplinen genauer ansehen zu können: Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, Sozialgeschichte, Kulturgeschichte und sozusagen als Residualkategorie unspezifische Geschichte. Natürlich lassen sich diese Teildisziplinen nicht trennscharf voneinander abgrenzen und die Zuordnung der Zeitschriften schon gar nicht. In einigen Analyseschritten fassen wir die drei letztgenannten Teildisziplinen zusammen, um sie mit der – so viel sei an dieser Stelle schon gesagt – deutlich stärker quantifizierenden Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte zu vergleichen.12

II. Zeitschriftendatensatz

Als Untersuchungsgrundlage dient uns das aus Tabelle 1 ersichtliche Fachzeitschriftenkorpus. Der darauf basierende Datensatz deckt den Zeitraum von 1951 bis 2016 ab und erlaubt einen Vergleich der Phase des Einzugs der Quantifizierung in die deutschsprachige Geschichtswissenschaft, die nach üblicher Sicht die 1970er und frühen 1980er Jahre umfasst, mit der Ausgangslage davor sowie der nachfolgenden Phase des cultural turn in den späten 1980er und den 1990er Jahren.13

Tabelle 1: Ausgewertetes Zeitschriftenkorpus

Zeitschrift

Kürzel

Gegründet

Erhebungszeitraum

(1) Archiv für Kulturgeschichte

AKG

1903

1951–2016c

(2) Archiv für Sozialgeschichte

AfS

1961

1961–2016

(3) Geschichte und Gesellschaft

GG

1975

1975–2016

(4) Historische Zeitschrift

HZ

1859

1951–2016

(5) Jahrbuch für Regionalgeschichtea

JbRG

1965

1991–2016d

(6) Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichtea

JbWG

1960

1991–2016

(7) Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte

VfZ

1953

1953–2016

(8) Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

VSWG

1903

1951–2016

(9) Zeitschrift für Historische Forschung

ZHF

1974

1974–2016

(10) Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie/Zeitschrift für Unternehmensgeschichteb

ZUG

1956

1956–2016

Anmerkungen: a Ursprünglich in der DDR erschienen; um Systemeffekte auszuschließen, erst ab 1991 erhoben; b Umbenennung im Jahr 1977; c 1980 nicht erschienen; d In neun Jahren davon nicht erschienen. Quellen: Präsenzbestand der Universitätsbibliothek Regensburg und Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB).

Entsprechend unserer Fragestellung, das Ausmaß quantitativen Arbeitens in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft zu untersuchen, kamen nur solche Zeitschriften in die engere Auswahl, die institutionell immer fest in Deutschland verankert waren bzw. weiterhin sind und deren Publikationssprache ausschließlich – oder zumindest in erster Linie – Deutsch war bzw. ist. Ausgehend hiervon war es unter der Nebenbedingung, den Erhebungsaufwand vertretbar zu gestalten, unser Ziel, ein Korpus an Artikeln zusammenzustellen, das die wichtigsten Zeitschriften für die Frühneuzeit-, Neuzeit- und zeithistorische Forschung umfasst, also für diejenigen Epochen, für die Historikerinnen und Historikern prinzipiell ein großer Fundus an statistischen Quellen zur Verfügung steht, der sich mit der Etablierung und dem Ausbau systematischer Verwaltung und eines strukturierten Archiv- und Statistikwesens herausgebildet hat. Aufgrund ihrer Merkmale eignen sich Quellen für Querschnittsdaten (zu einem Zeitpunkt für eine oder mehrere Untersuchungseinheiten erhoben) und insbesondere serielle statistische Quellen – solche, die es erlauben, Zeitreihen (eine Untersuchungseinheit zu mehreren Zeitpunkten beobachtet) und Panels (mehrere Beobachtungseinheiten zu je mehreren Zeitpunkten beobachtet) zu konstruieren – als Grundlage eines quantifizierenden Ansatzes und folglich sollte unter Historiker/innen der Frühen Neuzeit und erst recht späterer Epochen die Neigung per se größer (gewesen) sein, quantitative Methoden anzuwenden.14 Damit sei keinesfalls gesagt, dass Alt- und Mittelalterhistoriker/innen keine statistischen Quellen als unabdingbare Grundlage der Anwendung quantitativer Methoden zur Verfügung stünden. Nur eben nicht in einer Breite, die uns ein nennenswertes Ausmaß an Quantifizierung erwarten lässt, so dass uns der Mehraufwand der Erhebung entsprechender Zeitschriften für den Moment nicht gerechtfertigt erscheint. Wir geben außerdem zu bedenken, dass die meisten der von uns erhobenen Zeitschriften für Arbeiten aus dem Bereich der alten und mittelalterlichen Geschichte offenstanden bzw. -stehen und sich auch tatsächlich solche Arbeiten in unserem Korpus finden lassen (siehe den nachfolgenden Abschnitt).

Den Kern unseres Korpus bildet die im deutschsprachigen Raum sicherlich renommierteste geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift Historische Zeitschrift (HZ), die seit jeher Einreichungen zu allen historischen Fächern bzw. Epochen, zu allen Regionen und aus allen historischen Spezialdisziplinen offensteht. Neben der HZ wurden zudem mit den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte (VfZ), der Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (VSWG) und dem Archiv für Kulturgeschichte (AKG) drei weitere bereits in den frühen 1950er Jahren existierende Zeitschriften erhoben. Während sich die VfZ sowie die Zeitschrift für Historische Forschung (ZHF) als Organ für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung – als die einzigen beiden Zeitschriften – zuvörderst durch ihren Epochenschwerpunkt auszeichnen, stehen das AKG, das Jahrbuch für Regionalgeschichte (JbRG) sowie Geschichte und Gesellschaft (GG) grundlegend für bestimmte geschichtswissenschaftliche Konzeptionen. Dagegen widmen sich die VSWG, das Archiv für Sozialgeschichte (AfS), das Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte (JbWG) und die Zeitschrift für Unternehmensgeschichte (ZUG) dezidiert drei historischen Spezialdisziplinen.15 Aufgrund der Nähe der dort publizierten Beiträge zu den Wirtschaftswissenschaften und damit einer sozialwissenschaftlichen Konzeption von Geschichtswissenschaft können die VSWG, die ZUG und das JbWG zudem als quantitative Benchmarks dienen, auf deren Basis das Ausmaß an Quantifizierung in den anderen sieben Zeitschriften eingeordnet werden kann.16 Denn auch ohne eine systematische empirische Auswertung lässt sich sagen, dass der Wirtschaftsgeschichtsschreibung auf Grund eben jener Nähe zu den Sozialwissenschaften sicherlich der größte Hang zur Quantifizierung innewohnt. Nachfolgend wird in Abgrenzung zum wirtschaftshistorischen Subkorpus dieser drei Zeitschriften auch vom allgemeinhistorischen gesprochen. Von den beiden in der DDR gegründeten Zeitschriften – dem JbWG und dem JbRG – haben wir die Jahre bis 1990 nicht erhoben.17

Es erschwerte die Textauswahl bedeutend, dass die erhobenen Zeitschriften keine einheitliche Struktur aufweisen, wenn man einmal von der grundsätzlichen Unterteilung in einen Aufsatz- und einen Rezensionsteil absieht. Vielfach untergliedert sich der Aufsatzteil noch stärker, wobei sich die Gliederung einer beliebigen Zeitschrift im Zeitablauf auch verändert haben konnte; Sektionen können etwa mit „Abhandlungen/Aufsätze/Studien“, „Miszellen“, „Dokumentationen“, „Forschungsberichte“, „Literaturberichte“ oder „Diskussion(sforum)“ betitelt (gewesen) sein. Dabei ist es nach unserer Ansicht keinesfalls so, dass sich originäre Forschung (in Abgrenzung zur Kompilation) nur in der erstgenannten Sektion finden ließe.18 Daraufhin wurden von der Erfassung nur klar als Literaturbericht, Rezension, Nachruf oder als Vorwort des Herausgebers erkennbare Inhalte ausgeschlossen. Unter formalem Gesichtspunkt erscheint uns diese eher großzügige Erfassung unter dem Strich weniger problematisch zu sein als im umgekehrten Fall weitere Restriktionen einzuführen.

Tabelle 2: Umfang des erhobenen Korpus (1951–2016)

Zeitschrift

# Aufsätze

# Seiten

# Tokena

Gesamt

davon fremdsprachig

Gesamt

davon fremdsprachig

Gesamt

AKG

1 034

4 (0,4 %)

26 071

75 (0,3 %)

9 556 339

AfS

686

54 (7,9 %)

22 928

1 465 (6,4 %)

10 737 391

GG

931

35 (3,7 %)

22 202

927 (4,2 %)

8 813 404

HZ

1 243

0

39 595

0

13 808 534

JbRG

103

0

1 882

0

861 115

JbWG

523

148 (28,3 %)

10 964

3 064 (27,9 %)

4 864 058

VfZ

1 329

0

36 136

0

15 597 279

VSWG

773

61 (7,9 %)

18 919

1 477 (7,8 %)

7 343 541

ZHF

403

2 (0,5 %)

12 532

53 (0,4 %)

4 990 869

ZUG

639

46 (7,2 %)

11 814

928 (7,8 %)

4 966 213

Gesamt-korpus

7 664

350 (4,6 %)

203 043

7 989 (3,9%)

81 538 743

Anmerkungen: Englisch ist die bei weitem gebräuchlichste Fremdsprache; einige wenige Artikel wurden auf Französisch und Italienisch verfasst. Die Anzahl der Token entspricht in etwa der Anzahl der Wörter (siehe hierzu Abschnitt IV). a Umfasst auch nicht-deutschsprachige Artikel. Quellen: Eigene Berechnungen.

Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, besteht der originär für diese Studie erstellte Datensatz aus insgesamt über 7600 Artikeln im weiteren Sinne bzw. aus ca. 203 000 Seiten und 81,5 Millionen sogenannten Token (vgl. Abschnitt IV), von denen jeweils rund die Hälfte allein auf die HZ, die VfZ und das AKG entfällt. Abgesehen vom Ausreißer JbWG variiert der Anteil fremdsprachiger Artikel in engen Grenzen über die Zeitschriften und ist im Ganzen mit unter 5 Prozent gering. Fremdsprachige Inhalte, das heißt in erster Linie solche in englischer Sprache, sind vermehrt erst seit der Jahrtausendwende und vor allem in den wirtschafts- und sozialhistorischen Zeitschriften publiziert worden.19 Im Rahmen der Analyse im nachfolgenden Abschnitt werden diese fremdsprachigen Aufsätze mit einbezogen. Für die sich daran anschließende lexikografische Analyse ist es jedoch aus methodischen Gründen sinnvoll, nur das deutschsprachige Subkorpus zu betrachten; dazu mehr in Abschnitt IV.

III. Quantifizierung quantifizieren – eine erste Annäherung

„Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft – das bedeutet die systematische Bearbeitung numerisch zusammenfaßbarer und insofern in größerer Zahl ähnlich oder gleich auftretender Quelleninformationen (oder Daten) mit Hilfe vielfältiger arithmetischer und statistischer Methoden zum Zweck der Beschreibung und Analyse historischer Wirklichkeit; diese Methoden reichen vom bloßen Zählen und Klassifizieren in einer deskriptiven Statistik über die Bildung und Anwendung statistischer Indices bis hin zur Regressionsanalyse und zur Anwendung mathematischer Modelle.“20

Mit diesen Worten fasste Jürgen Kocka vor vierzig Jahren die Essenz quantitativen Arbeitens unter Historiker/innen zusammen. Bei anderen Autoren wie Konrad Jarausch stößt man zudem auf den Zusatz, Quantifizierung bedeute insbesondere auch, über einen „theoretische[n] Rahmen, der auf Verallgemeinerungen aufbauend versucht, Kausalzusammenhänge in Modellen zu fassen“ zu verfügen21; hiermit könnte beispielsweise ein in den Sozialwissenschaften wurzelnder theoretischer Rahmen gemeint sein. Allerdings erscheint uns das zwingende Vorliegen eines theoretischen Rahmens oder genauer: eines spezifischen theoretischen Modells, um überhaupt von quantitativem Arbeiten sprechen zu können, etwas zu restriktiv. Daher soll für das Folgende die nach wie vor einschlägige Definition Kockas als gedanklicher Ausgangspunkt dienen. Wie lässt sich aber das Ausmaß quantitativen Arbeitens unter Historiker/innen im Sinne dieser Definition abschätzen?

Ein in der Literatur verschiedentlich eingeschlagener Weg, den wir hier gleichfalls beschreiten, ist die Auszählung der in einem Zeitschriftenband vorkommenden Tabellen und Grafiken pro Artikel und das Ins-Verhältnis-Setzen zur Anzahl der Seiten insgesamt.22 Die Grundidee dabei ist simpel: Tabellen und Grafiken sind ein wesentliches Produkt der Auswertung statistischer Quellen bzw. Daten; diese Auswertung reicht von der Veranschaulichung der Rohdaten über einfache mathematische Transformationen (z. B. Prozente, Anteile, Wachstumsraten) und die Berechnung von Maßen der deskriptiven Statistik bis zur Anwendung anspruchsvoller Analyseinstrumente der schließenden Statistik (z. B. Regressionsanalyse). Auch wenn die Ergebnisse der Auswertung statistischer Daten rein verbal kommuniziert werden könnten, ist das Ausbleiben jeglicher Visualisierung über Tabellen und Grafiken selten.23

Tabelle 3: Zahl der erhobenen Tabellen und Grafiken (1951–2016)

# Tabellen

# Grafiken

Tabellen und Grafiken auf 100 Seiten

# Quantitativer Artikel

Anteil quantitativer Artikel am

jeweiligen Korpus

AKG

52

31

0,3

30

2,9 %

AfS

94

284

5,3

172

25,1 %

GG

576

184

3,4

160

17,2 %

HZ

149

54

0,5

50

4,0 %

JbRG

57

36

4,9

28

27,2 %

JbWG

1 124

539

15,2

251

48,0 %

VfZ

536

40

1,6

137

10,3 %

VSWG

1 372

456

9,7

302

39,1 %

ZHF

74

15

0,7

32

7,9 %

ZUG

913

222

9,6

237

37,1 %

Gesamt

5 799

1 861

3,8

1 399

18,2 %

Quellen: Eigene Berechnungen.

Wie Tabelle 3 zeigt, entfallen allein die Hälfte der gezählten 5800 Tabellen sowie zwei Drittel der knapp 1900 Grafiken auf die VSWG, die ZUG und das JbWG, also auf ein Viertel des Korpus nach Maßgabe der Artikelzahl. Ins Verhältnis zur Seitenzahl gesetzt liegt die Quantität der Quantifizierung im wirtschaftshistorischen Subkorpus mit 9,6 bis 15,2 Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten (der üblichen Standardisierung in der Literatur) erwartungsgemäß deutlich über der im allgemeinhistorischen (siehe vierte Spalte); die quantitativsten Zeitschriften aus diesem Subkorpus sind das AfS und das JbRG. Die HZ ordnet sich mit 0,5 Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten zwischen dem AKG (0,3) und der ZHF (0,7) am unteren Ende des Spektrums ein. Der in den verschiedenen Zeitschriften durch quantitative Arbeiten im weiteren Sinne eingenommene Raum lässt sich alternativ auch anhand des Anteils der quantitativen – das heißt mit Tabellen und Grafiken ausgestatteten – Artikel an allen Artikeln abschätzen, was jedoch die Reihung und Bewertung der Zeitschriften nicht entscheidend verändert (siehe fünfte und sechste Spalte). Als grobe Leitlinie lässt sich formulieren, dass von fünf zufällig aus dem gesamten Korpus gezogenen Artikeln einer mindestens eine Tabelle oder Grafik enthält; bei Betrachtung nur des allgemeinhistorischen Subkorpus ist immerhin noch mit einem aus zehn Artikeln zu rechnen (und mit vier im Falle des wirtschaftshistorischen).

Dieses Bild lässt sich durch einen Blick auf die Entwicklung beider Maße im Zeitablauf weiter schärfen. Zunächst illustriert Abbildung 1 die Entwicklung der Zahl der Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten (durchgezogene Linie/linke Achse) und des Anteils quantitativer Artikel (gestrichelte Linie/rechte Achse) nach Zeitschriften. Man beachte, dass die Achsen zugunsten der besseren Vergleichbarkeit auf einen einheitlichen Maximalwert normiert sind und die Zeitreihen zur Verbesserung der Lesbarkeit als gleitende zentrierte Drei-Jahres-Durchschnitte dargestellt sind. Die wesentlichen Beobachtungen lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Erstens weisen trotz der vorgenommenen Glättung beide Maße in allen Fällen beachtliche Schwankungen auf. Zweitens lässt sich, sieht man von der Volatilität ab, für alle weit genug zurückreichenden Zeitschriften ein zwischen 1965 und 1975 einsetzender, teils sehr steiler Trend hin zu mehr Quantifizierung diagnostizieren. Drittens wurde das maximale Ausmaß quantitativen Arbeitens bereits überwiegend Anfang der 1980er Jahren erreicht (je nach Maß fällt hier die VfZ aus dem Rahmen) und ging seitdem in Etappen, aber doch letztlich beständig zurück (z. B. GG, ZHF) oder blühte zwischenzeitlich, das heißt nach 2000/05, nochmals auf (z. B. JbRG, VfZ, VSWG, ZUG). Fünftens erlebten augenscheinlich gerade das AfS und auch die HZ einen erkennbaren Quantifizierungsschub; Letztere wohlgemerkt auf deutlich niedrigerem Niveau und auch nur, wenn man sich auf den Anteil der quantitativen Artikel an allen Artikeln stützt.

j_hzhz-2020-0019_fig_001_w2aab3b7c14b1b6b1ab1b2c10Aa

Abbildung 1: Quantifizierung im Zeitablauf nach Zeitschriften

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten = durchgezogene Linie (linke Skala), Anteil quantitativer Artikel am Korpus in Prozent = gestrichelte Linie (rechte Skala). Zum Zwecke der Glättung sind gleitende zentrierte Drei-Jahres-Durchschnitte abgebildet. Quellen: Eigene Berechnungen.

Betrachtet man die Entwicklung der Quantifizierung auf der Aggregationsebene der Subkorpora, wie in Abbildung 2, ergibt sich ein übersichtlicheres Bild: Die Entwicklung des Ausmaßes quantitativen Arbeitens im allgemeinhistorischen Korpus (durchgezogene Linie) insgesamt lässt sich im Ansatz mit der Entwicklung einer Sinuskurve vergleichen: Auf eine Phase ansteigender Quantifizierung folgt nach dem Erreichen des historischen Maximums um 1980, zu dem sich eine Zahl von neun Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten und ein Anteil der quantitativen Artikel an den allgemeinhistorischen (bzw. allen) Artikeln von ca. 25 Prozent (bzw. 21 Prozent) einstellte, eine Kontraktionsphase, an die sich wiederum seit der Jahrtausendwende eine Phase mit trendmäßiger Zunahme quantitativen Arbeitens anschließt. Für das wirtschaftshistorische Subkorpus ergibt sich ein etwas anderes Bild: Die Zahl der Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten (bzw. der Anteil der quantitativen Artikel an allen wirtschaftshistorischen Artikeln) nimmt gleichfalls bis zu seinem historischen Maximum um 1980 zu, auf rund 25 (70 Prozent), und schwankt seitdem um einen langfristigen Trend von um die 14 (49 Prozent); der Anteil quantitativer wirtschaftshistorischer Artikel an allen Artikeln stieg bis in die frühen 1970er Jahre trendmäßig an, fiel dann abrupt und steigt seit 1975 wieder an. Bei der Interpretation dieser Ergebnisse sollte beachtet werden, dass gerade quantitativ argumentierende Wirtschaftshistoriker/innen auf Grund der Anreizstrukturen in den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten ihre Arbeiten seit den 1990er Jahren zunehmend bei englischsprachigen Zeitschriften einreichen. Die Kluft zwischen wirtschaftshistorischen und allgemeinhistorischen Artikeln hinsichtlich Quantifizierung wird also tatsächlich noch größer sein, als hier dargestellt, würde man auch englischsprachige Fachzeitschriften berücksichtigen (dies gilt selbstredend auch für die Interpretation der Ergebnisse in Abschnitt IV).24

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Abbildung 2: Quantifizierung im Zeitablauf nach Subkorpora

(a) Tabellen und Grafiken pro 100 Seiten

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

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Abbildung 2: Quantifizierung im Zeitablauf nach Subkorpora

(b) Anteil quantitativer Artikel am jeweiligen Subkorpus (in Prozent)

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

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Abbildung 2: Quantifizierung im Zeitablauf nach Subkorpora

(c) Anteil quantitativer Artikel am Gesamtkorpus (in Prozent)

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Allgemeinhistorischer Korpus = durchgezogene Linie, wirtschaftshistorischer Korpus = gestrichelte Linie. Zum Zwecke der Glättung sind gleitende zentrierte Drei-Jahres-Durchschnitte abgebildet. Quellen: Eigene Berechnungen.

Wie quantitativ ist die deutsche Geschichtswissenschaft im internationalen Vergleich? Unseres Wissens liegen nur für das Journal of Economic History (JEH), der weltweit führenden wirtschaftshistorischen Fachzeitschrift, direkt mit unseren langen Reihen vergleichbare Zahlen vor. Wie Abbildung 3 belegt, hat sich das Ausmaß quantitativen Arbeitens im JEH entsprechend der Abzählmethode langfristig erhöht, von vier Tabellen und Grafiken pro einhundert Seiten in den 1950er Jahren auf zwischen 25 bis 30 seit den späten 1990er Jahren. Mit anderen Worten: Im Vergleich zum JEH sind VSWG, ZUG und JbWG um ca. ein Drittel weniger quantitativ. Derselbe Trend zu mehr Quantifizierung lässt sich nach einer kürzlich vorgelegten vergleichenden Studie von Cioni, Federico und Vasta, die als Indikator den Anteil von Artikeln mit Tabellen bzw. kliometrischen Methoden am untersuchten Korpus verwendet, auch für die anderen vier führenden englischsprachigen Zeitschriften feststellen (Economic History Review, Explorations in Economic History, European Review of Economic History und Cliometrica).25

Für das allgemeinhistorische Korpus stellen sicherlich das Journal of American History (JAH) und der American Historical Review (AHR) geeignetere Benchmarks dar, zu denen aber nur Daten bis 1978 vorliegen und die im Ganzen auch etwas stärker quantitativ orientiert waren als die Zeitschriften im deutschen allgemeinhistorischen Korpus.

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Abbildung 3: Drei internationale Vergleichswerte – Tabellen und Grafiken pro 100 Seiten

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: JEH = Journal of Economic History; JAH = Journal of American History; AHR = American Historical Review. Für das JEH ist ein gleitender zentrierter Drei-Jahres-Durchschnitt angegeben, für die beiden anderen Zeitschriften nicht. Quellen: JEH: Diebolt/Haupert, A Cliometric Counterfactual (wie Anm. 3); JAH/AHR: Kousser, Quantitative Social-Science History (wie Anm. 10), 438.

Quantifizierung als Methode fängt unserer Ansicht nach dort an, wo Historiker/innen statistische Daten aus historischen Quellen extrahieren oder zusammenstellen und zum Zwecke der Erkenntnisgewinnung diskutieren. Die Messung quantitativen Arbeitens anhand der standardisierten Zahl der Tabellen und Grafiken kann nur den Anfang einer Untersuchung zur Quantität der Quantifizierung bilden, zumal über die qualitativen Aspekte der grafischen und statistischen Instrumente damit noch nichts ausgesagt ist.26 Im folgenden Abschnitt gehen wir dieses Problem durch einen lexikografischen Ansatz an.

IV. Wörterbuch-Ansatz

Der Einsatz einer bestimmten Methode schlägt sich durch den Gebrauch einschlägiger Fachbegriffe immer auch sprachlich in den jeweiligen Arbeiten nieder. Während es möglich ist, im Rahmen einer quantitativen Analyse auf Tabellen und Grafiken zu verzichten und Inhalte rein verbal zu vermitteln, so erscheint es doch schwer bis unmöglich, dabei auf bestimmte Begriffe wie „Prozent“ oder „Durchschnitt“ zu verzichten. Die Nutzung von Sprache als Indikator für den Einsatz quantitativer Methoden findet sich etwa bei Robert A. Margo, der die Verbreitung ökonometrischer Fachtermini in verschiedenen ökonomischen und wirtschaftshistorischen Zeitschriften untersucht.27 Dieser Ansatz liefert ein feineres Maß für die Verbreitung quantitativer Methoden als die Erfassung von Tabellen und Grafiken, da das Ausmaß an genutzten quantitativen Methoden nicht zwangsläufig proportional zur Anzahl von Tabellen und Grafiken ist. Ferner ist es relativ einfach, die eingesetzten Methoden sprachlich nach ihrem technischen Anspruchsniveau zu differenzieren. So wird ein Aufsatz, der neben deskriptiver Statistik auch Verfahren der induktiven Statistik nutzt, höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie „Regression“ oder „Signifikanzniveau“ enthalten. Die jeweiligen Vor- und Nachteile der beiden Ansätze, welche am Ende des Abschnitts detaillierter diskutiert werden, lassen eine Kombination aus beiden als eine naheliegende Lösung erscheinen. Daher machen wir uns im Folgenden den „linguistischen Fußabdruck“ quantitativer Methoden zunutze, indem wir die Verbreitung statistischen Fachvokabulars in unserem Korpus – wiederum im Quer- und Längsschnitt – erfassen.

Das Vorgehen dabei ist vergleichsweise einfach: Wir zählen die Häufigkeit bestimmter Suchbegriffe in allen Aufsätzen unseres Korpus, setzen diese ins Verhältnis zur Länge des jeweiligen Aufsatzes (gemessen durch die Wortanzahl) und bestimmen die Veränderung dieses Anteils über die Zeit. Dazu wurden alle Aufsätze in durchsuchbare Textdateien umgewandelt, wobei die im Original als PDF vorliegenden Dateien mit OCR-Texterkennung (Optical Character Recognition) behandelt wurden.28 Entfernt wurden nicht zum eigentlichen Aufsatz gehörende Textbestandteile wie Download-Signaturen und Kopfzeilen und, zur Vereinheitlichung der Texte und aus technischen Gründen, die Großschreibung sowie Umlaute und das Eszett.29 Ferner wurden die Texte mit Hilfe eines Tokenizers in einzelne Worte bzw. Token zerlegt.30 Die Suche nach Begriffen wurde automatisiert mit Hilfe der Software „Rapidminer“ durchgeführt, welche neben der Suche auch das Tokenisieren sowie die Erfassung der Anzahl von Token je Aufsatz ermöglicht.31

Aufgrund der Länge des Untersuchungszeitraums und der fachlichen Diversität des Korpus ist eine breite Definition des Begriffs „statistischer Fachausdruck“ geboten, was für eine hohe Anzahl an Suchbegriffen bzw. ein ganzes Wörterbuch spricht. Die Nutzung von Wörterbüchern ist ein im Bereich des text mining weit verbreiteter Ansatz. So kann etwa die Stimmung eines Textes mit Hilfe eines sogenannten Sentiment-Wörterbuchs gemessen werden, wobei das Wörterbuch in diesem Falle positiv und negativ besetzte Suchbegriffe enthält.32 Für die Erstellung eines „Quantifizierungs-Wörterbuchs“ gilt es, in dieses möglichst nur eindeutige statistische Fachbegriffe aufzunehmen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Ferner erfordert die Auswahl der Suchbegriffe ein hohes Maß an Objektivität. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, nutzen wir die Glossare und Indizes verschiedener statistischer Lehrbücher als Basis unseres Wörterbuchs. Dabei stützen wir uns zum einen auf Einführungs- und fortgeschrittene Lehrbücher, um verschiedene Grade an technischem Niveau zu berücksichtigen, zum anderen auf Bücher aus verschiedenen Zeiträumen, um einen etwaigen Wandel in der Terminologie zu erfassen.33 Da einige Begriffe aus den Glossaren auch eine nicht-statistische Bedeutung besitzen (z. B. „Test“) und diese unsere Ergebnisse verzerren würden, wurden alle von uns als mehrdeutig identifizierten Begriffe ausgeschlossen. Dies betrifft auch einige zentrale statistische Fachtermini wie „Regression“, „Gleichung“ oder „signifikant“, so dass unsere Ergebnisse als eher konservativ einzuschätzen sind.34 Schlussendlich umfasst unser Wörterbuch 1081 Begriffe in ihrer Grundform; inklusive Flexionen beläuft es sich auf insgesamt 2928 Suchbegriffe.35

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Abbildung 4: Häufigkeit statistischer Begriffe im Gesamtkorpus

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Alle Suchbegriffe mit mindestens 10 Beobachtungen. Die Größe der Begriffe entspricht ihrer absoluten Häufigkeit im Gesamtkorpus. Quellen: Eigene Darstellung.

Von diesen 2928 Einträgen finden sich 685 im Korpus wieder, verteilt auf insgesamt etwas über 58 000 Suchtreffer, was einem Wert von 0,71 pro 1000 Token entspricht (siehe Tabelle 4). Mit anderen Worten entfällt im Gesamtkorpus ein statistischer Begriff auf circa 1400 Token. Der mit Abstand häufigste Begriff ist mit über 18 000 Treffern der Ausdruck „prozent“, gefolgt von „tabelle“ (7002), „statistik“ (5054), „index“ (2665) und „erhebung“ (2567). Abbildung 4 zeigt alle Begriffe mit einer absoluten Häufigkeit größer als 10, und Abbildung 5 die 50 häufigsten Suchbegriffe pro Zeitschrift. Bis auf das AKG ist in allen Zeitschriften „prozent“ der am häufigsten vorkommende Begriff, weshalb dieser aus optischen Gründen in den Wortwolken nicht berücksichtigt wurde. Dass das Wort „erhebung“ für AKG, HZ und ZHF der nach „prozent“ prominenteste Begriff ist, könnte mit der Doppeldeutigkeit des Begriffs zu erklären sein. Offenbar ist in diesem Fall nicht die statistische Erhebung, sondern eine Erhebung in den Adelsstand gemeint, was am Beispiel des Aufsatzes von Heinrich Schnee zur „Die Nobilitierung der ersten Hoffaktoren“ deutlich wird, dessen 26 Suchtreffer sich gänzlich auf „erhebung“ bzw. dessen Pluralform verteilen.36 An diesem Artefakt werden die Grenzen des lexikonbasierten Ansatzes deutlich: Auch nach gründlicher Prüfung der Suchbegriffe lassen sich Fehlinterpretationen auf Grund von unterschiedlichen Wortbedeutungen nicht gänzlich vermeiden.

Betrachtet man die zeitliche Verteilung der Suchergebnisse auf die einzelnen Zeitschriften, so bestätigen sich die Ergebnisse aus Abschnitt III. In absoluten Größen entfallen mehr als die Hälfte (57 Prozent) der 58 000 gefundenen Begriffe auf AfS, JbWG und VSWG. Mit einem Wert von 2,35 Begriffen pro 1000 Token ist das JbWG die quantitativste Zeitschrift in unserem Korpus. Dagegen entfallen für die HZ auf 1000 Token nur 0,77 statistische Begriffe, was recht nahe am Wert des Gesamtkorpus liegt. Am wenigsten quantitativ ist das AKG mit einem Wert von 0,16, wobei der Artikel von Hans Krawarik über „neue Methoden zur Erforschung konfessioneller Strukturen der Frühen Neuzeit“ mit 54 Begriffen ein einsamer Ausreißer ist.37

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Abbildung 5: Häufigkeit statistischer Suchbegriffe in den Einzelkorpora

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Quellen: Eigene Darstellung. Anmerkungen: Dargestellt sind die jeweils 50 häufigsten Suchbegriffe je Zeitschrift, wobei bei allen bis auf das AKG der häufigste Begriff („prozent“) aus Darstellungsgründen nicht berücksichtigt wurde. Die Größe der Begriffe entspricht ihrer absoluten Häufigkeit im jeweiligen Subkorpus.

Der Anteil statistischer Begriffe lässt sich als Definitionsmerkmal jener Artikel auffassen, die einen quantitativen Ansatz verfolgen. Definiert man einen Artikel als quantitativ, sobald sein Anteil an statistischen Begriffen mindestens den Mittelwert für das Gesamtkorpus erreicht, so ergeben sich 1463 quantitative Artikel, was einen Anteil von 19,1 Prozent am Gesamtkorpus ausmacht. Verglichen mit den 1399 quantitativen Artikeln (18,2 Prozent) aus Abschnitt III scheint der Mittelwert als Bezugsgröße gerechtfertigt.38 Auch aus diesem Blickwinkel ist das JbWG als zur Hälfte aus quantitativen Artikeln bestehend die quantitativste Zeitschrift, während für das AKG nur 3,5 Prozent der Artikel als quantitativ zu werten sind. Eine Übersicht über die Verbreitung statistischen Vokabulars und quantitativer Artikel in den untersuchten Zeitschriften findet sich in Tabelle 4. Im Vergleich zum ersten Ansatz fällt die Diskrepanz im Falle von JbRG und ZUG auf: Beide Male liefert der Wörterbuchansatz einen wesentlich geringeren Anteil quantitativer Artikel als das Zählen von Grafiken und Tabellen (die Differenz beträgt 12,6 bzw. 7,4 Prozentpunkte). Offenbar lassen sich in diesen Zeitschriften eine Reihe von Artikeln finden, in denen Grafiken und/oder Tabellen nicht mit einem entsprechend hohen Anteil statistischen Vokabulars begleitet werden.

Tabelle 4: Statistische Begriffe und quantitative Artikel gemäß dem Wörterbuch-Ansatz

# Begriffe, absolut

Maximum

Mittelwert

Median

# Begriffe, relativa

# quantitativer Artikelb

Anteil am jeweiligen Korpus

AKG

1 574

54

1,52

1

0,16

36

3,5 %

AfS

11 171

390

16,26

4

1,04

193

28,1 %

GG

6 813

209

7,23

2

0,77

214

23,0 %

HZ

3 460

254

2,79

1

0,25

66

5,4 %

JbRG

477

119

4,63

1

0,55

15

14,6 %

JbWG

11 448

338

21,81

6

2,35

262

50,1 %

VfZ

6 043

173

4,55

1

0,39

162

12,2 %

VSWG

10 469

292

13,54

4

1,43

300

38,8 %

ZHF

1 229

84

3,06

1

0,25

25

6,2 %

ZUG

5 358

141

8,41

2

1,08

190

29,7 %

Gesamt-korpus

58 042

390

7,57

2

0,71

1 463

19,1 %

Anmerkungen: Maximum, Mittelwert und Median beziehen sich auf die absolute Anzahl statistischer Begriffe pro Aufsatz; a Statistische Begriffe pro 1 000 Token; b Ein Artikel wurde als quantitativ gewertet, falls er einen Anteil statistischer Begriffe größer oder gleich dem Durchschnitt des Gesamtkorpus (0,75) aufweist. Quellen: Eigene Berechnungen.

Auch mit Blick auf die zeitliche Verteilung der statistischen Begriffe auf die einzelnen Zeitschriften lässt sich konstatieren, dass die Ergebnisse des Wörterbuchansatzes jenen aus Abschnitt III sehr ähnlich sind (siehe Abbildung 6). Das generelle Bild eines Anstiegs quantitativer Artikel in den 1970er Jahren, gefolgt von einer rückläufigen Tendenz in den 1980er Jahren, kann bestätigt werden. Zwar scheint es mit Blick auf das Gesamtkorpus eine erneute Zunahme quantitativer Artikel zu Beginn der 1990er Jahre zu geben. Doch lassen die Entwicklungen der einzelnen Zeitschriften vermuten, dass diese Zunahme allein auf die wirtschaftshistorischen Zeitschriften zurückzuführen ist. Ferner ergeben sich auch einige kleinere Unterschiede im direkten Vergleich der Ergebnisse. So findet sich für das AfS Mitte der 1990er Jahre ein Anstieg des Gebrauchs von Begriffen aus dem Wörterbuch, der so groß ist, dass der Anteil quantitativer Artikel wesentlich stärker steigt als im Falle des in Abschnitt III diskutierten Ansatzes. Auch ist für die ZUG ein wesentlich konstanterer Aufwärtstrend bei den quantitativen Artikeln seit den 1970er Jahren zu beobachten. Dasselbe gilt für den deutlichen Anstieg bei den VfZ, der seit Ende der 1990er Jahre (in Wellen) anhält. Dies kann auf einen stärkeren Rückgriff von Zeithistoriker/innen auf sozioökonomische Daten hindeuten, die für die Nachkriegszeit mittlerweile gut aufbereitet sind und zunehmend nachgefragt werden.39 Zugleich betonen jedoch Zeithistoriker/innen ganz zu Recht, dass diese Daten und ihr Zustandekommen selbst Gegenstand zeithistorischer Analyse sind bzw. sein sollten.40 Dies könnte die im Falle der VfZ auffallende Diskrepanz zum Ergebnis für die 2010er Jahre in Abschnitt III erklären.

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Abbildung 6: Quantitative Sprache im Zeitverlauf

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Balken (linke Achse) geben die Anzahl statistischer Begriffe pro 1000 Token an, Linien (rechte Skala) den Anteil quantitativer Artikel an der jährlichen Gesamtzahl der jeweiligen Zeitschrift. Ein Artikel wurde als quantitativ gewertet, falls dessen Anzahl statistischer Begriffe pro 1000 Token größer oder gleich dem Durchschnitt des Gesamtkorpus (0,75) ist. Zum Zwecke der Glättung sind gleitende zentrierte Drei-Jahres-Durchschnitte abgebildet. Quellen: Eigene Berechnungen.

Tabelle 5: Die zehn quantitativsten Aufsätze

Aufsätze absolut

Aufsätze relativ

Aufsatz

# Begriffe

Zeitschrift

Aufsatz

# Begriffe

Zeitschrift

1.

Fijalkowski (1984)

390

AfS

Zschocke (1984)

52

VSWG

2.

Steiner (2005)

338

JbWG

Burhop (2007)

33

VSWG

3.

Rahlf (2014)

292

VSWG

Steiner (2005)

31

JbWG

4.

von Hippel (1979)

289

AfS

Ritschl (1992)

25

VSWG

5.

Falter/Hänisch (1986)

281

AfS

Kassel (1998)

22

JbWG

6.

Wolf (2001)

254

HZ

Steiner (2007)

22

JbWG

7.

Lichter (2003)

245

JbWG

Wagner (2003)

21

JbWG

8.

Kopsidis (1995)

244

JbWG

Ritschl (1990)

21

GG

9.

Wagner (2003)

234

JbWG

Uebele (2011)

21

JbWG

10

Ritschl (1990)

209

GG

Schularick (2011)

21

VSWG

Anmerkungen: Die Häufigkeit der Suchbegriffe bezieht sich auf das Gesamtkorpus. Relative Suchbegriffe pro 1000 Token. Quellen: Eigene Berechnungen.

Tabelle 5 gibt die zehn quantitativsten Aufsätze sowohl in absoluter als auch in relativer Betrachtung an.41 In der Mikrobetrachtung ist der Artikel von Jürgen Fijalkowski mit 390 statistischen Begriffen absolut gesehen der quantitativste im Korpus42; berücksichtigt man jedoch auch die Aufsatzlänge, so liegt Alexander Zschockes Artikel auf dem ersten Platz.43 Allerdings wird anhand des Beispiels des Artikels von Hubert Wolf deutlich, dass es durchaus auch zu falschen Zuordnungen kommen kann. Dieser Aufsatz erscheint nur deswegen auf einem der oberen Plätze, weil er 238-mal das Wort „Index“ enthält, ohne dass damit ein Index im statistischen Sinne gemeint wäre.44 Auf die methodischen Probleme wird im Folgenden noch eingegangen.

Wie bereits erwähnt, hat der lexikografische Ansatz den Vorteil, dass über die Auswahl der Suchbegriffe nach der Art der eingesetzten Methode differenziert werden kann. So wird die Nutzung eines Regressionsansatzes mit einem spezifischeren Vokabular verknüpft sein als ein rein deskriptiver Ansatz. Um im Folgenden zwischen dem Einsatz rein deskriptiver Statistik und fortgeschrittenen statistischen Methoden zu unterscheiden, wurde das Wörterbuch auf jene Begriffe reduziert, welche nach unserer Ansicht mit Letzteren verbunden sind (es sei daran erinnert, dass alle Begriffe den Glossaren statistischer Lehrbücher entstammen). Neben der Differenzierung nach unterschiedlichen technischen Anwendungsniveaus dient dieser Schritt zudem als konservativer Robustheitstest, da hier aufgrund der Spezifität der Suchbegriffe die Wahrscheinlichkeit sinkt, mehrdeutige Begriffe mit nicht-statistischen Bedeutungsfeldern zu integrieren.

Von den 87 Einträgen des „fortgeschrittenen“ Wörterbuchs findet sich jeder mindestens einmal im Gesamtkorpus (siehe Abbildung 7). Insgesamt beläuft sich die Zahl der Suchtreffer auf 666, welche sich auf 157 Artikel verteilen. Sieht man von jenen 74 Artikeln ab, die lediglich einen einzigen Suchtreffer enthalten, resultieren 83 als „fortgeschritten“ quantitativ einzuschätzende Artikel, von denen wiederum nur jeweils einer auf HZ und JbRG sowie zwei auf VfZ entfallen.45 Für GG resultieren zehn solcher quantitativer Artikel, wobei nach manueller Durchsicht vier davon als nicht-quantitativ einzustufen sind, da sie Suchwörter enthalten, die in einem nicht-methodischen Sinne genutzt wurden.46 Mit 31 Artikeln ist das JbWG die quantitativste Zeitschrift, gefolgt von VSWG (19), AfS (12) und ZUG (7). AKG und ZHF enthalten keine „fortgeschrittenen“ quantitativen Artikel.

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Abbildung 7: Häufigkeit fortgeschrittener statistischer Begriffe

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Dargestellt sind alle Suchbegriffe aus dem fortgeschrittenen Wörterbuch, die Größe entspricht entsprechend der absoluten Häufigkeit im Gesamtkorpus. Quellen: Eigene Darstellung.

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Abbildung 8: Entwicklung der Begriffe des fortgeschrittenen Wörterbuchs

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Abbildungen 8a und 8b: Fortgeschrittene statistische Begriffe gemäß zweitem Wörterbuch pro 10 000 Token. Zum Zwecke der Glättung sind gleitende zentrierte Drei-Jahres-Durchschnitte abgebildet. 8c: Anzahl der Artikel mit mindestens zwei Suchtreffern im Gesamtkorpus. Quellen: Eigene Berechnungen.

Abbildung 8 stellt die zeitliche Entwicklung bzw. Verbreitung des Vokabulars des zweiten Wörterbuchs dar. Hierbei wird deutlich, dass Begriffe der fortgeschrittenen Statistik im allgemeinhistorischen Subkorpus kaum vertreten sind, obgleich auch hier die oben beschriebenen Trends zu beobachten sind. Die ersten beiden Spitzen im wirtschaftshistorischen Subkorpus um 1976 und 1985 lassen sich komplett auf die Entwicklungen der VSWG zurückführen. Der dritte Anstieg, welcher zu einem vorläufigen Höhepunkt von etwas über einem statistischen Begriff pro 10 000 Token am Ende der 1990er Jahre geführt hat, erfasste alle drei wirtschaftshistorischen Zeitschriften. Allerdings ist seitdem ein stark abfallender Trend zu beobachten, besonders im Falle der ZUG. Unterstellt man, dass die Begriffe des zweiten Wörterbuchs einen unverzerrten oder zumindest wenig verzerrten Spiegel fortgeschrittener statistischer Methoden darstellen, so lässt sich konstatieren, dass diese nur in einem sehr geringen Teil der untersuchten Artikel vertreten sind.

Wie bereits erwähnt, führen der Ansatz aus Abschnitt III und der in diesem Abschnitt diskutierte Ansatz des breiten Wörterbuchs zu einer recht ähnlichen Anzahl quantitativer Artikel (1399 vs. 1463). Dieses auf den ersten Blick bestätigende Ergebnis muss bei genauerer Betrachtung jedoch relativiert werden. Vergleicht man die Schnittmenge der beiden Ansätze, so wurden insgesamt nur 848 Artikel von beiden Ansätzen als quantitativ bewertet. Diese Diskrepanz führt uns zu einigen grundsätzlichen methodischen Überlegungen. Bei der automatisierten Bewertung eines Artikels als quantitativ sind grundsätzlich vier Ergebnisse möglich: Ein Artikel kann entweder korrekterweise oder fälschlicherweise als quantitativ oder nicht-quantitativ bewertet werden. Wird ein Artikel falsch bewertet, lässt sich das mit einem Fehler erster bzw. zweiter Art des statistischen Hypothesentests vergleichen: Ein Artikel, der fälschlicherweise als nicht-quantitativ bewertet wurde, obwohl er eigentlich quantitative Methoden nutzt, kann als ein Fehler erster Art angesehen werden, während eine fälschliche Zuweisung des Attributs „quantitativ“ ein Fehler zweiter Art wäre.47

Der Wörterbuch-Ansatz ist besonders anfällig für den Fehler zweiter Art, der fälschlichen Zuweisung des Attributs „quantitativ“, da das Vokabular in bestimmten Fällen auch eine nicht-statistische Bedeutung besitzt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wort „Dummy“, welches sowohl für eine binäre Variable als auch für eine modellhafte Replikation eines menschlichen Körpers stehen kann. Diesem Problem wurde versucht entgegenzuwirken, indem es für einen quantitativen Artikel einen Schwellenwert an statistischem Vokabular zu überschreiten galt; enthält jedoch ein Artikel ein einzelnes Suchwort in hohem Maße, wie im oben genannten Beispiel des Artikels von Hubert Wolf, so findet zwangläufig eine Fehlzuordnung statt.48

Des Weiteren berücksichtigt der linguistische Ansatz nicht, dass statistische Begriffe auch nur auf der Metaebene erwähnt werden können. In einem Aufsatz, der den Einsatz quantitativer Methoden beispielsweise aus wissenschaftstheoretischer oder -geschichtlicher Perspektive reflektiert, werden sich höchstwahrscheinlich eine Vielzahl statistischer Begriffe finden, ohne dass diese Methoden tatsächlich angewendet würden.49 Zudem kann aus technischen Gründen nicht zwischen Suchergebnissen im eigentlichen Text und jenen in Fußnoten oder in bibliografischen Angaben unterschieden werden.50 So wurden beispielsweise 28 englischsprachige Artikel, welche unter dem ersten Ansatz nicht berücksichtigt wurden, vom zweiten als quantitativ bewertet, entweder weil sie deutschsprachige Quellenverweise enthielten („Statistik“) oder aber weil einige Suchbegriffe im Englischen wie im Deutschen identisch sind („Interpolation“).

Andererseits würde ein Artikel, der weder Tabellen noch Grafiken enthält, jedoch quantitativ argumentiert, vom ersten Ansatz als nicht-quantitativ bewertet. Demgegenüber würde der linguistische Ansatz erfassen, wenn beispielsweise das Wort „Prozent“ genutzt wird. Als Beispiel sei auf den Artikel von Gerold Ambrosius verwiesen, der zwar keine Tabelle oder Grafik, jedoch 101-mal das Wort „Prozent“ enthält, was auf eine quantitative Argumentation schließen lässt.51 Entsprechend wurde der Aufsatz zwar vom zweiten, nicht jedoch vom ersten Ansatz als quantitativ bewertet. Folglich ist der Tabellen-Grafiken-Ansatz tendenziell anfälliger für den Fehler erster Art, wobei natürlich auch hier eine fälschliche Bewertung als quantitativ möglich ist, da der Inhalt der Tabelle bzw. Grafik unter Umständen nicht berücksichtigt wurde.52

Diese Überlegungen führen dazu, dass im Folgenden jene 848 Artikel besondere Beachtung erfahren, die von beiden Ansätzen als quantitativ bewertet wurden. Diese doppelte Bewertung kann als ein weiterer Robustheitstest interpretiert werden. Die Rangfolge der Zeitschriften in Bezug auf ihren Anteil quantitativer Artikel ändert sich nur marginal, GG und JbRG tauschen ihre Plätze (siehe Tabelle 6). In der Längsschnittbetrachtung (siehe Abbildung 9) zeichnet sich wiederum ein starker Anstieg des Anteils quantitativer Artikel sowohl für das allgemein- als auch für das wirtschaftshistorische Subkorpus ab, wobei der Anstieg für Letzteres wesentlich früher beginnt und auch insgesamt stärker ausfällt. 1975 wird erstmalig die Marke von 30 Prozent überschritten, welche seitdem nur 1981 unterschritten wurde. Im allgemeinhistorischen Subkorpus sinkt der Anteil quantitativer Artikel seit 1980 kontinuierlich, mit Ausnahme zweier leichter Anstiege zu Beginn der 1990er und der 2000er Jahre.53

Tabelle 6: Verbreitung quantitativer Artikel gemäß doppelter Definition

Zeitschrift

# quantitativer Artikel

Anteil am jeweiligen Korpus

AKG

7

0,7 %

AfS

114

16,6 %

GG

107

11,4 %

HZ

22

1,8 %

JbRG

13

12,6 %

JbWG

191

36,4 %

VfZ

60

4,5 %

VSWG

197

25,5 %

ZHF

11

2,7 %

ZUG

126

19,8 %

Gesamtkorpus

848

11,1 %

Quelle: Eigene Berechnungen.

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Abbildung 9: Anteil quantitativer Artikel im allgemein- bzw. wirtschaftshistorischen Subkorpus

Citation: Historische Zeitschrift 310, 3; 10.1515/hzhz-2020-0019

Anmerkungen: Anteil der nach beiden Ansätzen als quantitativ bewerteten Artikel am jeweiligen Subkorpus. Quellen: Eigene Berechnungen.

V. Diskussion

Wie lassen sich die quantitativen Befunde der vorhergehenden Abschnitte nun abschließend – qualitativ – erklären bzw. in die Entwicklung der geschichtswissenschaftlichen Forschungslandschaft einordnen? Zunächst und ganz allgemein legt unsere Untersuchung den Schluss nahe, dass der eingangs skizzierte Verdrängungseffekt des cultural turn die aufgrund stetig steigender Rechenleistungen und besserer Nutzerfreundlichkeit potentiell ebenso denkbare Expansion quantitativer Methoden deutlich überwog. Die seit den 1980er Jahren festzustellende Hinwendung von Historiker/innen zu neuen Themen und Fragestellungen – die im Folgenden unter dem Sammelbegriff der so genannten „Neuen Kulturgeschichte“ subsumiert werden sollen – ging demnach mit einer deutlichen Zurückdrängung quantifizierender Ansätze einher. Dieses zentrale Ergebnis ist bei näherer Betrachtung weit weniger zwangsläufig, als es im Rückblick vielleicht den Anschein haben mag. So wurden und werden Vertreter der Neuen Kulturgeschichte nicht müde zu betonen, dass sich dieses Forschungsprogramm weder bestimmten Untersuchungsgegenständen noch einer speziellen Methode ausschließlich verpflichtet sieht. Im Gegenteil: Kulturhistorische Arbeiten sollen sich gerade durch einen expliziten Methodenpluralismus auszeichnen.54 Geht man aber davon aus, dass sich der cultural turn auch in den in unserem Sample enthaltenen Artikeln niederschlägt, dann lässt sich zumindest festhalten, dass quantitative Ansätze in diesem Methodenmix seit den 1980er Jahren offenbar immer weniger Platz finden. Unsere Ergebnisse bestärken somit den Eindruck anderer Beobachter, die der Neuen Kulturgeschichte per se eine gewisse Ablehnung quantitativer Methoden attestieren.55

Folgt man prominenten Vertretern der Neuen Kulturgeschichte, so zeichnet sich dieser Forschungsansatz also nicht durch einen exklusiven methodischen Zugriff, sondern im Wesentlichen durch eine bestimmte Perspektive auf die Geschichte aus. Es geht demnach vorrangig darum, „Sinngebungsformen und Bedeutungsnetze“ zu rekonstruieren, „mit denen Gesellschaften der Vergangenheit ihre Wirklichkeiten ausgestattet haben“.56 Die Frage, die sich aus unserer Perspektive daran zwangsläufig anschließt, lautet, warum sich diese Formen der Sinngebung und Bedeutungszuschreibung nicht auch – aber natürlich keineswegs ausschließlich – quantitativ analysieren lassen sollten. So versuchten beispielsweise die jüngeren Annales-Historiker/innen in den 1970er und 1980er Jahren die Entwicklung kollektiver Mentalitäten durchaus mit quantifizierenden Ansätzen nachzuzeichnen. Ebenso entwickelte sich in Frankreich bereits in den 1960er Jahren die sogenannte Lexikometrie, die mit Hilfe der ersten Computer Worthäufigkeitsanalysen durchführte. Beide Strömungen beeinflussten ihrerseits auch die Entstehung kulturgeschichtlicher Strömungen im weiteren Sinn, wie etwa die deutsche Form der Begriffsgeschichte.57 Auch die Vertreter der Mikro- und Alltagsgeschichte standen quantitativen Methoden per se oftmals nicht ablehnend gegenüber, sondern versuchten diese vielmehr mit qualitativen Ansätzen zu kombinieren, was meist auch einer Verbindung von Makro- und Mikroperspektive gleichkam. Am umfassendsten und überzeugendsten gelang dies in den Forschungen zur so genannten Proto-Industrialisierung.58 Offenbar aber verloren für die folgenden Historikergenerationen quantifizierende Forschungsansätze wieder deutlich an Attraktivität.

Doch unsere Untersuchung erlaubt darüber hinaus noch einen etwas detaillierteren Blick auf den Konjunkturverlauf quantitativer Methoden innerhalb der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft. Der Vergleich der Entwicklung quantitativer Artikel in GG und HZ, wie sie in Abbildung 6 dargestellt ist, veranschaulicht zwei weitere wesentliche Erkenntnisse unserer Studie. Zum einen betraf die deutliche Expansion quantitativer Methoden zu Beginn der 1970er Jahre insgesamt doch nur einen Teil der geschichtswissenschaftlichen Forschung, allen voran die Wirtschafts- und die Sozialgeschichte. Das Gros historischer Arbeiten, wofür im vorliegenden Fall die Entwicklung der HZ stellvertretend steht, stützte sich dagegen weiterhin vornehmlich auf traditionelle qualitativ-hermeneutische Methoden. Dieses Ergebnis passt somit nicht zu der Vermutung etwa Lutz Raphaels, nach der „quantifizierende Verfahren und sozialwissenschaftliche Theorien“ seit den 1960er Jahren auf breiter Front „neue Gegenstände der Fachausbildung“ geworden wären.59 Um diesem Phänomen noch genauer nachzuspüren, könnte sich künftig auch ein Blick auf die Entwicklung universitärer Curricula als lohnenswert erweisen.

Zum anderen aber sind auch in den einst von der „Quantifizierungseuphorie“ erfassten Zeitschriften, wie GG oder auch das AfS, seit den späten 1980er Jahren stark rückläufige Entwicklungen zu verzeichnen. Quantifizierende Ansätze finden sich seitdem in erster Linie in den dezidiert wirtschaftshistorischen Zeitschriften wie JbWG und VSWG. Ebenso wie die berühmten Annales in Frankreich oder Past and Present in Großbritannien stand GG in den 1970er Jahren für eine ganz bestimmte Strömung innerhalb der Geschichtswissenschaft.60 Der „Historischen Sozialwissenschaft“, wie die prominenten Vertreter aus Bielefeld die deutsche Strömung der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte damals nannten, ging es um eine Abgrenzung vom traditionellen Historismus und der ereignisfixierten Politikgeschichte. Stattdessen standen nun die großen strukturellen Veränderungen in Ökonomie und Gesellschaft im Mittelpunkt des geschichtswissenschaftlichen Erkenntnisinteresses. Dabei griff man auch ganz bewusst auf Theorien aus den sozialwissenschaftlichen Nachbardisziplinen, allen voran der Soziologie, zurück. In dieser Auseinandersetzung mit dem Erbe des Historismus spielte auch der Rückgriff auf jeweils unterschiedliche methodische Instrumente eine entscheidende Rolle. Die Verwendung quantitativer Methoden galt in dieser Lesart geradezu als Merkmal „moderner“ historischer Forschung.

Doch schon sehr bald nachdem sich die Historische Sozialwissenschaft als Forschungsrichtung innerhalb der Geschichtswissenschaften etabliert hatte, stellte sich bei vielen Vertretern eine gewisse Ernüchterung mit Blick auf die erzielten Erkenntnisgewinne durch die Anwendung sozialwissenschaftlicher Theorien und Methoden ein.61 So verwies die nächste Generation an Historiker/innen auf die Grenzen eines von der Modernisierungstheorie beeinflussten Ansatzes, dem es oftmals darum ging, den Lauf der Geschichte anhand einiger ausgewählter universaler Indikatoren zu bewerten, und der dabei den Blick für die erwähnten „Sinnzuschreibungen“ historischer Akteure verlor. Für die Fragestellung unserer Studie entscheidend ist dabei die Tatsache, dass diese Auseinandersetzung zwischen Sozial- und Kulturhistoriker/innen gleichzeitig die Form eines Methodenstreits um die Wahl des „richtigen“ Forschungsansatzes annahm. So gehörte die Gegenüberstellung von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden neben „Makro- versus Mikroperspektive, Struktur versus Ereignis, Gesellschaft versus Individuum, Praxis versus Diskurs“ zu den „wissenschaftliche[n] Gegensatzpaare[n]“, die immer wieder „Anlass zu Polemik und Abgrenzung“ boten.62 Dieser Methodenstreit ist indirekt auch in unserem Sample an Artikeln abgebildet. Als Konsequenz daraus ging der Anteil quantitativer Artikel in sozialgeschichtlichen Zeitschriften wie GG und AfS deutlich zurück. Stattdessen fanden quantitative Methoden seitdem vor allem in der Wirtschaftsgeschichte Verbreitung, die damit auch einem internationalen Trend folgt und sich zunehmend an ökonometrischen Modellen orientiert.63 Als Nebenprodukt dieser Entwicklung sank damit gleichzeitig auch die Dialogfähigkeit zwischen Sozialhistoriker/innen einerseits und eines Teils der Wirtschaftshistoriker/innen andererseits.

Selbstredend stellt der Übergang von der Sozial- zur Kulturgeschichte kein Phänomen dar, das auf die deutschsprachige Geschichtswissenschaft beschränkt blieb, sondern eines, das sich auch in anderen (westlichen) Gesellschaften beobachten lässt.64 Unsere Untersuchung legt jedoch die begründete Vermutung nahe, dass der damit einhergehende Methodenstreit in Deutschland besonders intensiv ausfiel und zu einer Kluft zwischen Vertretern qualitativer und quantitativer Forschungsansätze führte. Jedenfalls lässt sich die oben dargestellte Tatsache, dass sich in den allgemeinhistorischen amerikanischen Zeitschriften ein insgesamt deutlich höherer Anteil an quantitativen Artikeln findet, als ein wichtiges Indiz für diese Sichtweise interpretieren. Um diese These jedoch systematisch zu testen, bedarf es künftig eingehender vergleichender Untersuchungen, wozu unsere Studie anregen möchte. Hier ließe sich mit der Erhebung bibliometrischer (z. B. Zitationshäufigkeiten oder Zitationsverflechtungen) und biografischer Daten (zu Herausgeberschaften, Beiräten und Autoren) sowie gegebenenfalls von Artikeln in englischsprachigen Zeitschriften unser untersuchtes Zeitschriftenkorpus derart qualitativ erweitern, dass sich ein Blick auf die nationalen wie internationalen wissenschaftlichen Netzwerke hinter den geschilderten Entwicklungen werfen ließe. Dies wiederum könnte interessante transfergeschichtliche Aufschlüsse über die Entwicklung der Anwendung quantitativer Methoden geben.

Neben dem Ausbau unseres Datensatzes in der zuvor benannten Weise ließe sich auch die weitergehende Auswertung des Korpus mit anderen Methoden des text mining angehen. Hier liegt die Anwendung sogenannter topic models nahe, mit deren Hilfe die Themen großer Textmengen automatisiert erfasst werden können.65 Mit diesem in den digital humanities mittlerweile sehr populären Ansatz ließe sich zum einen überprüfen, ob und in welchem Ausmaß der Einsatz quantitativer Methoden und dessen Veränderung mit bestimmten Forschungsthemen oder Epochenschwerpunkten verknüpft war; z. B. ließe sich auch ohne eine zusätzliche Erhebung von einschlägigen Zeitschriften evaluieren, inwieweit quantitative Methoden tatsächlich auch von Alt- und Mittelalterhistoriker/innen angewendet worden sind (vgl. unsere Ausführungen in Abschnitt II). Zum anderen würde damit eine grundsätzlichere, quantitativ fundierte Untersuchung von Publikationstrends und Themenkonjunkturen innerhalb der deutschsprachigen Historiographie ermöglicht, wie sie für andere Wissenschaftszweige bereits vorliegt.66

Möglicherweise wird es im Zuge einer sich in den nächsten Jahren vollziehenden stärkeren Hinwendung zu den sogenannten digital humanities auch unter Historiker/innen wieder zu einer erneuten Verbreitung quantitativer Methoden, inklusive von Methoden des text minings, kommen. Der seit Beginn des neuen Jahrtausends in unserem Sample zu beobachtende leichte Anstieg quantitativer Artikel mag als ein erstes Anzeichen in diese Richtung interpretiert werden. Bereits 2011 prognostizierte der Historiker Peter Haber ein „mögliches Erstarken von datenorientierter Geschichtsschreibung“ – und damit auch quantifizierender Zugriffe – schon allein deswegen, weil „heute mit dem digitalen Wandel ungleich mehr computerisiert auswertbare Daten zur Verfügung stehen als noch vor ein paar Jahren“.67 Mit der Digitalisierung umfangreicher Quellenbestände ist somit der Anreiz für die Anwendung quantitativer Verfahren nochmals deutlich gestiegen. Denn obwohl die Rechenleistung seit den Anfängen der quantitativen Geschichtsschreibung enorm anstieg, mussten die auszuwertenden Daten bis vor kurzem eben doch noch aufwendig per Hand in die Tabellenkalkulationsprogramme übertragen werden. Die dabei entstehenden Kosten rechtfertigten den zu erwartenden Nutzen oftmals nicht. Mit der digitalen Bereitstellung historischer Quellen und der gleichzeitigen Entwicklung entsprechender Software zu deren Auswertung ändert sich dies jedoch grundlegend. Hinzu kommt, so jüngst Rüdiger Hohls, ein gerade bei „Studierenden und jüngeren Wissenschaftler/innen“ zu beobachtender „Überdruss an postmoderner Beliebigkeit und konstruktivistischen Diskursen“.68 Ein gelungenes Beispiel für den Einsatz der neuen digitalen Quellenkorpora liefert etwa der zweifellos eher der Kulturgeschichte zuzurechnende Philipp Sarasin, der mit Hilfe des Google Books Ngram Viewers versucht – ähnlich wie der vorliegende Aufsatz – die Ablösung der Sozialgeschichte als forschungsleitendem Paradigma durch kulturgeschichtliche Ansätze, die er unter dem Schlagwort „Foucault“ subsumiert, quantitativ zu illustrieren.69 Die besondere Pointe in Sarasins Beitrag besteht dabei darin, zu behaupten, dass der Rückgriff auf den Google Books Ngram Viewer auch der Foucault’schen Diskursanalyse entsprechen würde, der es letztlich auch gerade um das Nachspüren der Konjunkturen bestimmter Begriffe ging. Mit anderen Worten: Auch Foucault hätte den Ngram Viewer benutzt, wenn ihm dieses Tool damals schon zur Verfügung gestanden hätte.70

VI. Fazit

Der deutliche Rückgang der Verwendung quantitativer Methoden in der deutschen Geschichtswissenschaft seit den 1980er Jahren ist aus Sicht des allseits erwünschten (oder jedenfalls behaupteten) Methodenpluralismus zu bedauern. Sollte sich, wie oben ausgeführt, in den jüngsten Daten tatsächlich eine erneute Hinwendung zu quantifizierenden Formen der historischen Forschung widerspiegeln, so wäre zu hoffen, dass damit nicht erneute methodische Grabenkämpfe zwischen Kultur- und „Digitalhistoriker/innen“ einhergehen. Es steht jedoch zu vermuten, dass im Rahmen der Debatte über Nutzen und Grenzen der digital humanities die alten Kontroversen zwischen Vertretern quantifizierender und hermeneutischer Forschungsmethoden neu aufgelegt werden.71 Im Sinne eines gelebten Methodenpluralismus möchten wir für eine kreative Kombination qualitativer und quantitativer Ansätze eintreten. Damit künftige Historikergenerationen jedoch tatsächlich „aus dem Vollen schöpfen“ können, bedarf es einer wesentlich stärkeren Verankerung statistischer Methoden in der universitären Ausbildung. Denn nur wer über einen breit ausgestatteten methodischen Werkzeugkasten verfügt, kann sich bei der Bearbeitung seiner Forschungsfragen dann tatsächlich für die seiner Ansicht nach geeignete Methode entscheiden – und ist nicht bereits aufgrund seines eingeschränkten Methodenwissens in der Konzeption der Fragestellung limitiert. Zudem steigert dies die Dialogfähigkeit mit der internationalen Forschergemeinde und anderen Wissenschaftsdisziplinen, insbesondere aus den Sozialwissenschaften. Internationalität und Interdisziplinarität sind immerhin gängige Kernanliegen eines ziemlich jeden Programms zum Ausbau bzw. zur Stärkung universitärer wie außeruniversitärer Wissenschaftsstandorte.

Zusammenfassung

Historiker können heute auf einen gut gefüllten methodischen Werkzeugkasten zurückgreifen. Seit der Etablierung der Sozialgeschichte als „Historische Sozialwissenschaft“ in den 1970er Jahren gehören dazu neben qualitativ-hermeneutischen Ansätzen grundsätzlich auch quantitativ-statistische Methoden. Viele Quellen lassen einen quantitativen Analyseansatz zumindest zu; andere (z. B. Massendaten) sind ohne die Anwendung entsprechender Methoden gar nicht gewinnbringend auswertbar. Doch wie stark ist die Anwendung quantitativer Methoden in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft eigentlich verbreitet (gewesen)? Während der Einsatz statistischer Verfahren seit den Tagen der „Bielefelder Schule“ durch immer leistungsfähigere und zugleich anwenderfreundlichere Software prinzipiell viel einfacher geworden ist, scheinen quantitative Ansätze in nur wenigen historischen Teildisziplinen verbreitet zu sein. Ein Grund könnte die Skepsis gegenüber quantitativen Methoden von Seiten der Vertreter der „Neuen Kulturgeschichte“ sein. Wissenschaftshistorisch-empirisch ist dieser Aspekt jedoch kaum erforscht. Unsere Studie möchte diese Forschungslücke ein Stück weit schließen. Dazu haben wir ein umfangreiches Zeitschriftenkorpus (u. a. die HZ beinhaltend) erhoben, das es uns erlaubt, das Ausmaß quantitativen Arbeitens in der deutschsprachigen Historiographie für den Zeitraum 1951­–2016 näher zu bestimmen. Wir argumentieren sowohl quantitativ als auch qualitativ und kombinieren dazu einen einfachen „Abzähl-Ansatz“ (Zählung der Tabellen und Grafiken in allen erhobenen Zeitschriften) mit einem komplexeren lexikografischen Ansatz. Unsere Ergebnisse stützen insgesamt die These, dass der cultural turn den aufkommenden Trend zu mehr Quantifizierung in Teilen der Geschichtswissenschaft wieder umkehrte. Die Bestimmung der „Konjunktur der Quantifizierung“ birgt aber auch manche Überraschung.

Footnotes

1

Vgl. weiterführend zur digitalen Revolution in der Geschichtswissenschaft Pat Hudson/Mina Ishizu, History by Numbers. An Introduction to Quantitative Approaches. 2nd Ed. London 2017, 263 ff.

2

Vgl. Konrad Jarausch, (Inter-)national Styles of Quantitative History, in: Historical Methods 18, 1985, 13–19, hier 13 ff., und Sascha Foerster, Die französische Schule der „Annales“, in: ders./Julia ten Haaf/Stefan Malte Schumacher/Mansur Seddiqzai/Tobias Tenhaef/Ruth Rebecca Tietjen (Hrsg.), Blumen für Clio. Einführung in Methoden und Theorien der Geschichtswissenschaft aus studentischer Perspektive. Marburg 2011, 543–564.

3

Vgl. Alfred Conrad/John Meyer, The Economics of Slavery in the Antebellum South, in: Journal of Political Economy 66, 1958, 95–130; Robert W. Fogel, Railroads and American Economic Growth. Essays in Econometric History. Baltimore 1964; Claude Diebolt/Michael Haupert, A Cliometric Counterfactual: What if There Had Been Neither Fogel Nor North?, in: Cliometrica 12, 2018, 407–434; Robert A. Margo, The Integration of Economic History into Economics, in: Cliometrica 12, 2018, 377–406.

4

Vgl. Hans-Ulrich Wehler, Geschichte als Historische Sozialwissenschaft. Frankfurt am Main 1973, und Jürgen Kocka, Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft, in: Heinrich Best/Reinhard Mann (Hrsg.), Quantitative Methoden in der historisch-sozialwissenschaftlichen Forschung. Stuttgart 1977, 4–10. Zum Begriff „Historische Sozialwissenschaft“ vgl. Stefan Malte Schumacher, Die Historische Sozialwissenschaft, in: Foerster u. a. (Hrsg.), Blumen für Clio (wie Anm. 2), 565–591.

5

Vgl. Roderick Floud, An Introduction to Quantitative Methods for Historians. London 1973, und ders., Einführung in quantitative Methoden für Historiker. Stuttgart 1980, sowie die Literaturberichte von Gerd Hohorst, Historische Sozialstatistik und statistische Methoden in der Geschichtswissenschaft, in: GG 3, 1977, 109–124, und Thomas Schuler, Clio lernt zählen. Eine kritische Übersicht über die „Einführungen in quantitative Methoden“, in: GG 16, 1990, 502–511.

6

Vgl. Richard Tilly, Kapital, Staat und sozialer Protest in der deutschen Industrialisierung. (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 41.) Göttingen 1980; Rolf H. Dumke, Clio’s Climacteric? Betrachtungen über Stand und Entwicklungstendenzen der Cliometrischen Wirtschaftsgeschichte, in: VSWG 73, 1986, 457–487; Jörg Baten, Die Zukunft der kliometrischen Wirtschaftsgeschichte im deutschsprachigen Raum, in: Günther Schulz/Christoph Buchheim/Gerhard Fouquet u. a. (Hrsg.), Sozial- und Wirtschaftsgeschichte: Arbeitsgebiete – Probleme – Perspektiven. Aus Anlass des 100. Erscheinens der Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Stuttgart 2005, 639–654.

7

Vgl. Mark Spoerer, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, in: Heinrich Oberreuter (Hrsg.), Staatslexikon. Recht, Wirtschaft, Gesellschaft. 8., völlig neu bearb. Aufl. Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2019.

8

Vgl. z. B. Ute Daniel, Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter. 5. durchges. u. akt. Aufl. Frankfurt am Main 2006.

9

Unter historischen Daten verstehen wir massenhaft vorhandene, gleichförmige Beobachtungen, die aus statistischen Quellen des Historikers/der Historikerin gewonnen wurden, um mit dem Instrumentarium der Historischen Statistik in Hinblick auf eine interessierende Fragestellung ausgewertet zu werden; vgl. weiterführend auch Abschnitt II und Anm. 14.

10

Vgl. für Ansätze mit kurzem Zeithorizont: J. Morgan Kousser, Quantitative Social-Scientific History, in: Michael G. Kammen/John Hope Franklin (Eds.), The Past Before Us. Contemporary Historical Writing in the United States. Ithaca, NY 1980, 433–456; Eric A. Johnson, Counting „How it Really Was“. Quantitative History in West Germany, in: Historical Methods 21, 1988, 61–79; Dietrich Oberwittler, Die Historische Sozialforschung in den achtziger Jahren. Quantitative Analyse eines Forschungsgebietes, in: HSR 18, 1993, 76–108; Dietrich Oberwittler, From Coding to Decoding? An Analysis of Historical Social Research in Germany in the 1980s and Early 1990s, in: Historical Methods 30, 1997, 182–196; siehe dazu auch Anm. 22.

11

Vgl. zur Rolle des Vergleichs in der Geschichtswissenschaft Heinz-Gerhard Haupt/Jürgen Kocka, Historischer Vergleich: Methoden, Aufgaben, Probleme. Eine Einleitung, in: dies. (Hrsg.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung. Frankfurt am Main 1996, 9–46.

12

Die Auswahl der Zeitschriften und unseren Schwerpunkt auf Forschungen zur Neuzeit begründen wir im nachfolgenden Abschnitt.

13

Vgl. zur Quantifizierung bspw. Konrad Jarausch, Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft. Probleme und Möglichkeiten, in: ders. (Hrsg.), Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft. Probleme und Möglichkeiten. Düsseldorf 1976, 11–30, hier 24; Kocka, Quantifizierung (wie Anm. 4), 7 ff.; Georg G. Iggers, Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein kritischer Überblick im internationalen Zusammenhang. Göttingen 2007, 32 ff.; ebd. 61 ff. zum cultural turn.

14

Vgl. Tobias A. Jopp/Mark Spoerer, Historische Statistik lehren. Quellenkritische Vermittlung von Zielen und Methoden statistischen Arbeitens in der Geschichtswissenschaft. Schwalbach 2017, 11 ff, für den Begriff „serielle Quellen“; ferner Ernst Pitz, Entstehung und Umfang statistischer Quellen in der vorindustriellen Zeit, in: HZ 223, 1976, 1–39; Daniel Schmidt, Statistik und Staatlichkeit. Wiesbaden 2005; Lars Behrisch, Vermessen, Zählen, Berechnen des Raums im 18. Jahrhundert, in: ders. (Hrsg.), Vermessen, Zählen, Berechnen. Die politische Ordnung des Raums im 18. Jahrhundert. Frankfurt am Main/New York 2006, 7–25, für eine Quellenübersicht und die Herausbildung von systematischer Verwaltung und Staatlichkeit.

15

Zeitschriften zu weiteren Teildisziplinen bleiben aus den bereits genannten Gründen und auch, weil darin häufig Vertreter von Nachbardisziplinen publizieren, unberücksichtigt. Letzteres gilt beispielsweise für die Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie (ZAA), die nicht in unser Sample passte, weil in ihr auch Beiträge zu einem Teilgebiet der Soziologie erscheinen.

16

Vgl. die geläufige Abgrenzung von historischen Fächern und Spezialdisziplinen nach Hans-Jürgen Goertz, Geschichte. Ein Grundkurs. 3., rev. u. erw. Aufl. 2007 Reinbek.

17

Mit Claude Diebolt und Michael Haupert liegt es nahe, den Konjunkturverlauf quantitativen Arbeitens durch die vorherrschende methodische Grundausrichtung bzw. Methodentoleranz innerhalb der Herausgeberschaften und wissenschaftlichen Beiräten zu erklären. Man könnte argumentieren, dass die Herausgeber (im Verbund mit ihren Beratern) mit ihrer Auswahl, welche Manuskripte in die Begutachtung gehen bzw. tatsächlich veröffentlicht werden, einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Methodenmix hatten. Wir haben allerdings darauf verzichtet, die Personen in den Beirats- und Herausgebergremien der zehn Zeitschriften systematisch zu erheben, weil wir eine ganze Reihe methodischer Probleme sehen, die wir an dieser Stelle nicht angehen können. So ist das Ausmaß der Einbindung der Herausgeberschaften und Beiräte in die redaktionellen Entscheidungsprozesse unbekannt und hat sicherlich auch im Zeitablauf geschwankt. Um nur eine von vielen zu klärenden Fragen zu nennen:

18

Als Beispiel sei das JbWG angeführt: Die Hefte bestehen aus einem Aufsatzteil zu einem Oberthema („Abhandlungen/Aufsätze“) und ggf. weiteren freien Sektionen („Forschungsberichte“, „Diskussionen“) zur Unterbringung nichtthemenspezifischer Einreichungen, die deswegen nicht zwangsläufig weniger „originär“ wären.

19

Einige wenige Aufsätze liegen in Französisch und Italienisch vor, z. B. in der VSWG.

20

Kocka, Quantifizierung (wie Anm. 4), 4.

21

Jarausch, Quantifizierung (wie Anm. 13), 12.

22

Vgl. hierzu Kousser, Quantitative Social-Science History (wie Anm. 10); Allan C. Bogue, Quantification in the 1980s, in: JInterH 12, 1981, 137–175; Johnson, Counting „How it Really Was“ (wie Anm. 10); Eric A. Johnson, Quantitative German History in the United States and the United Kingdom, in: CEH 24, 1988, 396–420; Oberwittler, From Coding to Decoding? (wie Anm. 10); John F. Reynolds, Do Historians Count Anymore? The Status of Quantitative Methods in History, in: Historical Methods 31, 1998, 141–148; und jüngst Diebolt/Haupert, A Cliometric Counterfactual (wie Anm. 3) sowie MartinaCioni/Giovanni Federico/Michelangelo Vasta, The Long-Term Evolution of Economic History. Evidence From the Top Five Field Journals (1927–2017), in: Cliometrica 13, 2019 (DOI: 10.1007/s11698-019-00186-x).Davon beschäftigen sich die folgenden Studien teils oder ganz mit deutschsprachigen Zeitschriften: Kousser, Quantitative Social-Science History (wie Anm. 10), 440, hat sechs über den Zeitraum 1961–1978 verteilte Jahrgänge der VSWG in dieser Weise ausgewertet. Johnson, Counting „How it Really Was“ (wie Anm. 10), diskutiert entsprechende Zahlen für fünf Zeitschriften (VSWG, HZ, GG, VfZ und HSR) – allerdings für den kleinen Zeitraum 1980–1985. Oberwittler, From Coding to Decoding? (wie Anm. 10), der gleichfalls jene fünf Zeitschriften betrachtet, weitet den Zeitraum auf 1980–1993 aus.

23

Gezählt wurde jede Grafik, die in irgendeiner Form Rohdaten oder Transformationen davon abbildet (z. B. Histogramme, Zeitreihen, Netzwerkschemata, Karten). Als eine Tabelle wurde jede Datenaufbereitung in tabellarischer Form gezählt (d. h., auch solche Gebilde, die keine Beschriftung mit „Tabelle x“ und auch keine sichtbaren Horizontal- und Vertikallinien aufweisen). Tabellen und Grafiken, die aus mehreren Panels bestehen – z. B. Panel (A) zum Weizenpreis in Regierungsbezirk x und Panel (B) zum Weizenpreis in Regierungsbezirk y – wurden als eine Tabelle bzw. Grafik gezählt.

24

Im deutschsprachigen Raum institutionell zu verorten wäre beispielsweise Cliometrica (Springer-Verlag) und im angelsächsischen Raum The Journal of Economic History oder Economic History Review.

25

Vgl. Cioni/Federico/Vasta, The Long-Term Evolution (wie Anm. 22), Abb. 6.

26

Eine Möglichkeit, die Qualität quantitativen Arbeitens zu messen, ist speziell die Einordnung der Tabellen und Grafiken und darauf basierend der Artikel nach dem Schwierigkeitsgrad, d. h. nach dem Spezialwissen, das auf Seiten des Autors zu deren Konstruktion und des Lesers zum Verstehen erforderlich ist; vgl. z. B. Johnson, Counting „How it Really Was“ (wie Anm. 10) und Reynolds, Do Historians Count Anymore? (wie Anm. 22).

27

Vgl. Margo, Integration (wie Anm. 3).

28

Natürlich ist der Einsatz von OCR mit Fehlern in der Texterkennung verbunden. Da die Scans meist in sehr guter Qualität vorliegen, beläuft sich die Quote nicht erkannter Zeichen auf durchschnittlich etwa 5 Prozent. Eine gewisse Fehlerquote scheint uns vertretbar, und es steht zu vermuten, dass Fehler in der Texterkennung quantitative und nicht quantitative Ausdrücke gleichermaßen betreffen, sodass keine systematische Verzerrung der Ergebnisse zu befürchten ist.

29

Umlaute und Eszett stellen für gewisse Textverarbeitungsprogramme ein Hindernis dar. Um etwaigen Problemen vorzubeugen, wurden diese in ae, ue, oe und ss umgewandelt.

30

Beim Tokenisieren werden Texte an vorgegebenen Stellen in einzelne Bestandteile, sogenannte Token zerlegt. Dieser Schritt ist notwendig, um einen genauen Abgleich von Suchbegriff und Text zu ermöglichen. Im vorliegenden Fall wurden die Texte an allen Nicht-Buchstaben-Zeichen gespalten, wodurch etwa Zahlen entfernt wurden. Dadurch unterscheiden sich die Anzahl an Wörtern und die Anzahl an Token marginal.

31

Rapidminer ist ein für Hochschulmitarbeiter kostenfreies Programm, mit welchem diverse text mining-Methoden angewendet werden können; siehe https://rapidminer.com/.

32

Dieser Ansatz der Messung von Stimmung findet vor allem im Finance-Bereich Anwendung, siehe z. B. Paul C. Tetlock, Giving Content to Investor Sentiment. The Role of Media in the Stock Market, in: The Journal of Finance 62, 2007, 1139–1168.

33

Es wurden die folgenden Lehrbücher genutzt: Walter Assenmacher, Einführung in die Ökonometrie. 3., erg. Aufl. München/Wien 1990; Klaus Backhaus/Bernd Erichson/Wulff Plinke/Rolf Weiber, Multivariate Analysemethoden. Eine anwendungsorientierte Einführung. 13., überarb. Aufl. Berlin/Dordrecht/London/New York 2011; Klaus Backhaus/Bernd Erichson/Rolf Weiber, Fortgeschrittene multivariate Analysemethoden. Eine anwendungsorientierte Einführung. 2. Aufl. Berlin/Heidelberg 2013; Jürgen Bortz, Lehrbuch der Statistik. Für Sozialwissenschaftler. 2., vollst. neu bearb. u. erw. Aufl. Berlin/Heidelberg/New York/Tokio 1985; Karl Bosch, Statistik-Taschenbuch. 3., verb. Aufl. München/Wien 1998; Ludwig Fahrmeir/Rita Künstler/Iris Pigeot/Gerhard Tutz, Statistik. Der Weg zur Datenanalyse. 7., neu bearb. Aufl. Berlin 2010; Floud, Einführung (wie Anm. 5); Hans Gebelein, Zahl und Wirklichkeit. Grundzüge einer mathematischen Statistik. Heidelberg 1949; Heinz Holling/Günther Gediga, Statistik – deskriptive Verfahren. Göttingen 2011; Hans Kellerer, Statistik im modernen Wirtschafts- und Sozialleben. Reinbek 1979; Felix Klezl-Norberg, Allgemeine Methodenlehre der Statistik. Ein Lehrbuch für alle wissenschaftlichen Hochschulen. 2., erg. Aufl. Wien 1946; Udo Kuckartz/Stefan Rädiker/Thomas Ebert/Julia Schehl, Statistik. Eine verständliche Einführung. 2., überarb. Auflage. Wiesbaden 2013; Peter von der Lippe, Einführung in die Statistik und den Umgang mit statistischen Daten. München 1974; Karl C. Mosler/Friedrich Schmid, Beschreibende Statistik und Wirtschaftsstatistik. 3. Aufl. Berlin 2006; Norbert Ohler, Quantitative Methoden für Historiker. Eine Einführung. München 1980; Thorsten Poddig/Hubert Dichtl/Kerstin Petersmeier, Statistik, Ökonometrie, Optimierung. Methoden und ihre praktische Anwendung in Finanzanalyse und Portfoliomanagement. Uhlenbruch 2000; Rainer Schlittgen, Einführung in die Statistik. Analyse und Modellierung von Daten. 9., durchges. Aufl. München 2000; Leopold Schmetterer, Einführung in die Mathematische Statistik. 2., verb. u. wesentl. erw. Aufl. Berlin/Heidelberg 1966; Hans Schorer, Statistik. Grundlegung und Einführung in die statistische Methode. Bern 1946; Arnold Schwarz, Über den Umgang mit Zahlen. Einführung in die Statistik. München 1952; Jan Tinbergen, Einführung in die Ökonometrie. Wien/Stuttgart 1952.

34

Mehrdeutige Begriffe wurden in zusammengesetzten Varianten berücksichtigt, falls diese wiederum eindeutig statistisch konnotiert sind, z. B. „Regressionsgleichung“.

35

Alternativ hätten auch die Wörter im Korpus durch sogenanntes Lemmatisieren in ihre jeweilige Grundform umgewandelt werden können. Das Wörterbuch wird auf Nachfrage bereitgestellt.

36

Vgl. Heinrich Schnee, Die Nobilitierung der ersten Hoffaktoren. Zur Geschichte des Hofjudentums in Deutschland, in: AKG 43, 1961, 62–99.

37

Vgl. Hans Krawarik, Neue Methoden zur Erforschung konfessioneller Strukturen der Frühen Neuzeit, in: AKG 70, 1988, 375–410. Die 54 Treffer in diesem Aufsatz teilen sich auf die Wörter „stichprobe“ (25), „korrelation“ (13), „stichproben“ (7), „statistik“ (4), „streuung“ (3) sowie „diagramm“ (2) auf. Der Autor verwendete keine Tabelle, aber mehrere Abbildungen. Mit 32 Begriffen folgt Henning Eichberg, „Auf Zoll und Quintlein“. Sport und Quantifizierungsprozeß in der frühen Neuzeit, in: AKG 56, 1974, 142–176.

38

Legt man hingegen den Median (0,17) als Grenzwert fest, erhöht sich die Anzahl quantitativer Aufsätze auf 3804. Aufgrund der hohen Zahl sehr niedriger Anteile würde der Median allerdings die Ergebnisse nach oben verzerren.

39

Vgl. vor allem Thomas Rahlf (Hrsg.), Deutschland in Daten. Zeitreihen zur Historischen Statistik. Bonn 2015.

40

Vgl. Rüdiger Graf/Kim Christian Priemel, Zeitgeschichte in der Welt der Sozialwissenschaften. Legitimität und Originalität einer Disziplin, in: VfZ 59, 2011, 479–508, und Lutz Raphael/Gert Wagner, Das Potential von Mikrodaten sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Erhebungen und amtlicher Statistiken für die zeithistorische Forschung, in: Schmollers Jahrbuch 135, 2015, 335–342. Vgl. als Beispiele für den zuletzt erwähnten Aspekt Philipp Lepenies, Die Macht der einen Zahl. Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts. Berlin 2013, und Daniel Speich Chassé, Die Erfindung des Bruttosozialprodukts. Globale Ungleichheit in der Wissensgeschichte der Ökonomie. (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 212.) Göttingen 2013.

41

Vgl. Carsten Burhop, Die Bautätigkeit während der deutschen Industrialisierung. Anmerkungen zu den Zeitreihen von Walther G. Hoffmann, in: VSWG 94, 2007, 165–172; Jürgen Falter/Dirk Hänisch, Die Anfälligkeit von Arbeitern gegenüber der NSDAP bei den Reichstagswahlen 1928-1933, in: AfS 26, 1986, 179–216; Jürgen Fijalkowski, Gastarbeiter als industrielle Reservearmee? Zur Bedeutung der Arbeitsmigration für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland, in: AfS 24, 1984, 399–465; Brigitte Kassel, Verdrängung von Männer- durch Frauenarbeit? Ein politisch wirkungsmächtiges Klischee auf dem Prüfstand der Reichsstatistik. Untersucht am Beispiel der Metallindustrie, 1895–1933, in: JbWG 39, 1998, 145–160; Michael Kopsidis, Die regionale Entwicklung der Produktion und der Wertschöpfung im westfälischen Agrarsektor zwischen 1822/35 und 1878/82. Ein komparativstatischer Vergleich, in: JbWG 36, 1995, 131–170; Jörg Lichter, Die Entstehung des Zentralbanksystems in Deutschland. Das Beispiel Preußen, in: JbWG 44, 2003, 153–257; Thomas Rahlf, Voraussetzungen für eine Historische Statistik von Deutschland (19./20. Jahrhundert), in: VSWG 101, 2014, 322–352; Albrecht Ritschl, Zu hohe Löhne in der Weimarer Republik? Eine Auseinandersetzung mit Holtfrerichs Berechnungen zur Lohnposition der Arbeiterschaft 1925–1932, in: GG 16, 1990, 375–402; ders., Über die Höhe und Struktur der gesamtwirtschaftlichen Investitionen in Deutschland, 1935–1938, in: VSWG 79, 1992, 156–176; Moritz Schularick, Staatsverschuldung in der westlichen Welt (1880–2009), in: VSWG 98, 2011, 307–316; André Steiner, Zur Neuschätzung des Lebenshaltungskostenindex für die Vorkriegszeit des Nationalsozialismus, in: JbWG 46, 2005, 129–152; ders., Die Veränderung der Verbraucherpreise und der private Verbrauch von Konsumgütern in der Bundesrepublik Deutschland 1948–98, in: JbWG 48, 2007, 89–116; Martin Uebele, Die Identifikation internationaler Konjunkturzyklen in disaggregierten Daten. Deutschland, Frankreich und Großbritannien, 1862–1913, in: JbWG 52, 2011, 19–44; Wolfgang von Hippel, Industrieller Wandel im ländlichen Raum. Untersuchungen im Gebiet des mittleren Neckar 1850–1914, in: AfS 19, 1979, 43–122; Andrea Wagner, Ein Human Development Index für Deutschland. Die Entwicklung des Lebensstandards von 1920 bis 1960, in: JbWG 44, 2003, 171–200; Hubert Wolf, Die „deutsche“ Indexreform Leos XIII, in: HZ 272, 2001, 63–106; Alexander Zschocke, Ein statistisches Verfahren zur Überprüfung historischer Zeitreihen, in: VSWG 71, 1984, 377–383. Mit zwei Autorinnen von insgesamt sechzehn unterschiedlichen Autor/inn/en dürfte der Frauenanteil im Übrigen nicht geringer sein, als er im Untersuchungszeitraum für alle Artikel in den untersuchten Zeitschriften war.

42

Vgl. Fijalkowski, Gastarbeiter (wie Anm. 41).

43

Vgl. Zschocke, Ein statistisches Verfahren (wie Anm. 41).

44

Vgl. Wolf, Die „deutsche“ Indexreform (wie Anm. 41). Vielmehr geht es hierbei um den römischen „Index librorum prohibitorum“.

45

Diese Aufsätze sind: Cornelius Torp, Weltwirtschaft vor dem Weltkrieg. Die erste Welle ökonomischer Globalisierung vor 1914, in: HZ 279, 2004, 561–609; Ulf-Christian Ewert, Die „Kleinen Leute“ in Sachsens Frühindustrialisierung. Zum sinkenden Lebensstandard einer wachsenden Bevölkerung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: JbRG 25, 2007, 45–70; Albrecht Ritschl, Die Währungsreform von 1948 und der Wiederaufstieg der Westdeutschen Industrie, in: VfZ 33, 1985, 136–165; Klaus Fischer, Die Emigration von Wissenschaftlern nach 1933. Möglichkeiten und Grenzen einer Bilanzierung, in: VfZ 39, 1991, 535–549. Bei dem letztgenannten Aufsatz handelt es sich offenkundig um ein Artefakt. Eine Klassifizierung der Artikel in Bezug auf den Mittelwertanteil wie oben geschehen ist in diesem Fall nicht zielführend, da der Anteil statistischer Begriffe pro 1000 Wörter so gering ist, dass bereits Artikel mit nur einem Treffer als quantitativ bewertet würden. Im Hinblick darauf, dass das Wörterbuch immer noch mehrdeutige Begriffe enthält, würde dies zu erheblichen Falschbewertungen führen.

46

So wurde z. B. der Begriff „Dummy“ nicht im ökonometrischen Sinne einer Dummy-Variablen, sondern im Sinne einer Dummy-Puppe gebraucht.

47

Die zugrunde liegende Null-Hypothese würde dann lauten: „Der betrachtete Artikel ist quantitativ“.

48

Vgl. Wolf, Die „deutsche“ Indexreform (wie Anm. 41).

49

Ein Beispiel liefert der Aufsatz von Eichberg, „Auf Zoll und Quintlein“ (wie Anm. 37), welcher zwar 31 statistische Begriffe enthält, methodisch jedoch nicht quantitativ arbeitet.

50

Aufgrund des unterschiedlichen und sich wandelnden Layouts der Artikel ist eine automatisierte Separierung des Textteils nicht möglich, während eine manuelle zu zeitintensiv gewesen wäre.

51

Vgl. Gerold Ambrosius, Der Beitrag der Vertriebenen und Flüchtlinge zum Wachstum der westdeutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg, in: JbWG 37, 1996, 39–72.

52

Vgl. allerdings hierzu unsere Anmerkungen in Anm. 23. Gezählt wurden Tabellen und Grafiken dann, wenn ihnen erkennbar historische Daten zu Grunde lagen.

53

Die Zeitreihen der einzelnen Zeitschriften sind auf Nachfrage von den Autoren erhältlich.

54

Vgl. etwa Daniel, Kompendium Kulturgeschichte (wie Anm. 8), 9.

55

Vgl. Iggers, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 13), 62. Der Autor betont jedoch nur wenige Seiten später das Bemühen der Kulturgeschichte um eine Kombination hermeneutischer und analytischer Ansätze.

56

Achim Landwehr, Kulturgeschichte, Version 1.0, online verfügbar unter http://docupedia.de/zg/landwehr_kulturgeschichte_v1_de_2013, zuletzt geprüft am 1.10.2018.

57

Vgl. Daniel, Kompendium Kulturgeschichte (wie Anm. 8), 351 f.

58

Vgl. Iggers, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 13), 98 ff.

59

Lutz Raphael, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart. 2. durchges. Aufl. München 2010, 176.

60

Vgl. ebd. 39.

61

So die Einschätzung von Benjamin Ziemann, Sozialgeschichte und Empirische Sozialforschung. Überlegungen zum Ende einer Romanze, in: Pascal Maeder/Barbara Lüthi/Thomas Mergel (Hrsg.), Wozu noch Sozialgeschichte? Eine Disziplin im Umbruch. Göttingen 2012, 131–149, hier 147 f., in Bezug auf das Verhältnis von Geschichtswissenschaft und Empirischer Sozialforschung. Ähnlich auch Raphael, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 59), 178 ff. Auch in der Soziologie selbst erfuhren qualitative Ansätze seit den 1980er Jahren wieder eine deutliche Renaissance, was sich auch entsprechend in der Entwicklung der Sozialgeschichte widerspiegelt.

62

Raphael, Geschichtswissenschaft (wie Anm. 59), 178.

63

Vgl. dazu jetzt auch Margo, Integration (wie Anm. 3).

64

Ein prominentes Beispiel ist etwa der amerikanische Historiker William H. Sewell, Logics of History. Social Theory and Social Transformation. Chicago/London 2005, der sich von einem überzeugten quantifizierenden Sozialhistoriker zu einem entschiedenen Vertreter der Neuen Kulturgeschichte wandelte. In seinem „Manifest“ aus dem Jahr 2005 plädiert Sewell jedoch abschließend (369 ff.) für eine Verbindung von quantitativen und hermeneutischen Ansätzen.

65

Vgl. David M. Blei, Probabilistic Topic Models, in: Communications of the ACM 55, 2012, 77–84, und Lino Wehrheim, Economic History Goes Digital. Topic Modeling the Journal of Economic History, in: Cliometrica 13, 2019, 83–125.

66

Vgl. Beispielsweise Angela Ambrosino/Mario Cedrini/John B. Davis/Stefano Fiori/Marco Guerzoni/Massimiliano Nuccio, What Topic Modeling Could Reveal about the Evolution of Economics, in: Journal of Economic Methodology 25, 2018, 329–348, und Allen B. Riddell, How to Read 22,198 Journal Articles. Studying the History of German Studies with Topic Models, in: Matt Erlin/Lynne Tatlock (Eds.), Distant Readings. Topologies of German Culture in the Long Nineteenth Century. Suffolk 2014, 91–113.

67

Zitiert nach Rüdiger Hohls, Digital Humanities und digitale Geschichtswissenschaften, in: Laura Busse/Wilfried Enderle/Rüdiger Hohls u. a. (Hrsg.), Clio-Guide. Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften. Berlin 2018, A.1-1–B.1-34, hier A.1-24.

68

Ebd. A.1-24.

69

Vgl. Philipp Sarasin, Sozialgeschichte vs. Foucault im Google Books Ngram Viewer. Ein alter Streitfall in einem neuen Tool, in: Maeder/Lüthi/ Mergel (Hrsg.), Wozu noch Sozialgeschichte? (wie Anm. 61), 151–174.

70

Aus quellenkritischer Perspektive ist der wissenschaftliche Einsatz des Ngram Viewers u. a. aufgrund der geringen Transparenz durchaus kritisch zu hinterfragen. Vgl. z. B. Eitan Adam Pechenick/Christopher M. Danforth/Peter Sheridan Dodds, Characterizing the Google Books Corpus. Strong Limits to Inferences of Socio-Cultural and Linguistic Evolution, in: PloS one 10, 2015, 10.

71

Vgl. Hohls, Digital Humanities (wie Anm. 67), A.1-211.

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