Editorial: ‚Gegenwart‘ im 17. Jahrhundert?

Zur Frage literarischer Gegenwartsbezüge vor der ‚Sattelzeit‘

Prof. Dr. Johannes F. Lehmann 1
  • 1 Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, D-53113 Bonn, Germany
Prof. Dr. Johannes F. Lehmann

Ende des 18. Jahrhunderts verschiebt sich das Sprechen über die jetzige beziehungsweise die gegenwärtige Zeit in signifikanter Weise. Erst jetzt gewinnt das Substantiv ‚Gegenwart‘ zeitlichen Sinn, erst jetzt entsteht auf der Ebene der Semantik der Bedarf für die begriffliche Reflexion von ‚Gegenwart‘ als einer „eigenmächtige[n], entscheidende[n] Zeit“.1 ‚Gegenwart‘ wird bis zum Ende des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts dagegen noch allermeist gebraucht im Sinne von Anwesenheit, Präsenz, im selben Raum sein, mit dem eigenen Körper (beziehungsweise der Seele) auf die räumlich anwesende Umgebung wirken können: „Der Zustand, da man durch seine eigene Substanz ohne moralische Mittelursachen, ja ohne alle Werkzeuge an einem Orte wirken kann, die Anwesenheit“,2 so fasst Johann Christoph Adelung die Bedeutung von ‚Gegenwart‘ zusammen. Bei Johann Heinrich Zedler ist ‚Gegenwart‘ ebenfalls ein Begriff, der sich auf die räumliche Position endlicher und nicht-notwendiger Kreaturen bezieht: „Gegenwart; in so ferne sie von Creaturen gesagt wird, bestehet sie in derjenigen Relation, da eine Sache mit der andern so zugleich existiret, daß sie sich mit ihrem Wesen bey derselben entweder nahe oder nicht nahe befindet.“3 Dahinter sind vor allem theologische Begriffstraditionen erkennbar, etwa die Gegenwart Christi in der Eucharistie oder die Allgegenwart Gottes,4 aber auch juristische Verwendungsweisen, wie etwa in der Formel von der „Gegenwart der Parteien“.5 Die „ursprüngliche bed. eines feindlichen entgegenstehens“, die hier noch mitschwingt, kommt auch im mittelhochdeutschen, männlichen Substantiv „der Gegenwart“ zum Ausdruck, was gleichbedeutend ist mit „der Widerwart“ beziehungsweise ‚der Gegner‘.6 Die Gegenwart des anderen, des Gegenübers, ist hier nicht nur als Anwesenheit, sondern als feindliche, zumindest aber als wirksame Präsenz gedacht. So indizieren Formeln wie die ‚Gegenwart des Richters‘ oder die ‚Gegenwart Gottes im jüngsten Gericht‘ jeweils die „lebendige[ ] wirkung seiner person und gewalt“.7

Norbert Elias hat die Syntheseleistung des Ende des 18. Jahrhunderts neu entstehenden substantivischen Zeitbegriffs ‚Gegenwart‘ (neben den zur gleichen Zeit ebenfalls neuen Substantiven ‚Vergangenheit‘ und ‚Zukunft‘) dahingehend bestimmt, dass „die Menschen, auf die sich diese Begriffe beziehen und deren Erfahrung sie zum Ausdruck bringen, ständig im Wandel begriffen sind und daß der Bezug auf Menschen, auf ihre Erfahrung, in die Bedeutung dieser Begriffe eingeht.8 Worte wie ‚früher‘ oder ‚später‘ funktionieren demgegenüber

unabhängig von jeder bestimmten Bezugsgruppe. Der Begriff der ‚Gegenwart‘ dagegen ist die Zeitbestimmung einer lebenden Menschengruppe, die weit genug entwickelt ist, um eine kontinuierliche Geschehensfolge, gleichgültig ob naturaler, sozialer oder persönlicher Art, auf den Wandel zu beziehen, dem sie selbst unterworfen ist.9

Die Entstehung des Zeitbegriffs ‚Gegenwart‘ und seine reflexive Abstraktionsleistung implizieren somit einen tiefgreifenden Wandel in der Diskursivierung und der Konstruktion von sowie der Bezugnahme auf Gegenwart beziehungsweise die jeweilige oder jedesmalige Jetztzeit. ‚Die Gegenwart‘ bezeichnet metonymisch einen jedesmaligen, in der Zeit veränderlichen Zusammenhang aller Elemente der Welt, sie bezeichnet „die ganze Lage der jedesmaligen gleichzeitigen Welt“.10 ‚Die Gegenwart‘ indiziert in diesem Sinne ihre reflexive Verzeitlichung.

Aber welche Reichweite genau hat ein solcher begriffsgeschichtlicher Befund? Kann man aus ihm ex negativo schließen, dass in der Zeit vor diesem Wandel ein vergleichbares Konzept von Gegenwart nicht existierte? Insbesondere die Frühneuzeitforschung hat sich von Reinhart Kosellecks Sattelzeitthese herausgefordert gesehen und vielfältige Versuche unternommen, die Zeit des 17. Jahrhunderts für eine Geschichte der Moderne zurückzugewinnen.11 Neben der Kritik an Kosellecks Umgang mit Quellen und einzelnen begriffsgeschichtlichen Behauptungen und daraus abgeleiteten Zäsuren gibt es gerade in jüngster Zeit Arbeiten, die das Konzept der Verzeitlichung im Hinblick auf den Begriff einer verzeitlichten Gegenwart problematisieren. Koselleck selbst hatte in seinen Geschichtlichen Grundbegriffen den Begriff ‚Gegenwart‘ erstaunlicherweise nicht thematisiert – ein Versäumnis, auf das insbesondere Ingrid Oesterle hingewiesen hat.12 Während Oesterle in ihrer Beschreibung der Historizität und der Genealogie eines verzeitlichten Begriffs von Gegenwart unter Rückgriff auf Arbeiten von Niklas Luhmann13 letztlich an der Datierung um 1800 und somit an der Sattelzeit als zentraler Moderneschwelle festhält, datiert der Historiker Achim Landwehr die „Geburt der Gegenwart“ auf das 17. Jahrhundert.14 Landwehr bringt eine Fülle von Quellenbelegen, die für eine ‚Aufwertung‘ der Gegenwart, für eine verstärkte Aufmerksamkeit auf die eigene Zeit und ihre Differenzsetzung zur Vergangenheit bereits im 17. Jahrhundert sprechen – und er begründet dies, nicht allein, aber doch im Wesentlichen, mit der Entstehung von Zeitungswesen und Publizistik im 17. Jahrhundert. Die in Zeitungsdiskursen immer wieder erhobene Forderung, die eigene Zeit, die ‚jetzige Welt‘ zu kennen, sei ein Aktualitätsschub in Richtung auf die eigene Gegenwart. Diesen plausiblen Befund müsste man allerdings mit der Frage konfrontieren, ob eine ‚Aufwertung‘ der eigenen Gegenwart bereits gleichbedeutend ist mit ihrer Verzeitlichung im Sinne der veränderlichen „ganze[n] Lage der jedesmaligen gleichzeitigen Welt“. Wenn Kaspar Stieler in seinem Buch Zeitungs Nutz und Lust fordert, Staatsleute müssten wissen, „wer zu Wien der Nuntius Apostolicus sey: und / ob der Papst Alexander / Innocentius / Paulus oder Coelestinus heisse“,15 dann spricht das dafür, dass die eigene Gegenwart in ihrer Differenz zur Vergangenheit gedacht wird, als eine Zeit, in der es relevant ist, dass nun nicht mehr Alexander und Caesar leben, – es sagt aber noch nichts über die Qualität dieser Differenz aus und es belegt auch nicht die Vorstellung eines zugrunde liegenden permanenten sozialen Wandels, wie sie Ende des 18. Jahrhunderts formuliert wird.16 Die „Varietät der Gegenwart“17 besteht hier lediglich darin, dass Namen an die Stelle anderer Namen treten, ein sozialstruktureller Wandel ist damit offenbar nicht gemeint.

Während man also eigentlich fragen müsste, was genau unter ‚Aufwertung‘ und was unter ‚Verzeitlichung‘ begriffen werden soll, unternimmt Landwehr den Versuch, seinen Befund der Aufwertung der Gegenwart unter Rückgriff auf theoretische Formulierungen von Niklas Luhmann und Armin Nassehi mit der Verzeitlichung von Gegenwart gleichzusetzen. Gegenwart und das Bewusstsein von Gegenwart entstehen demnach im 17. Jahrhundert durch den „raschen Wandel“ sowie die „ständige Verschiebung der Verhältnisse“, die man mit Nassehi als „Kontingenz von Gleichzeitigkeit“ beschreiben könne.18 So plausibel die Korrelation zwischen dem Begriff der Zeit der Gegenwart und der Reflexion eines unhintergehbaren sozialen Wandels ist, so wenig erscheint Letztere, eine für weitere Anschlusskommunikationen prägende Vorstellung einer „ständige[n] Verschiebung der Verhältnisse“, für das 17. Jahrhundert zentral oder prägend.

Ähnliches gilt für das Konzept einer offenen Zukunft. Während Reinhart Koselleck und nach ihm Lucian Hölscher die Abstraktion einer offenen Zukunft als Phänomen der Moderneschwelle um 1800 begriffen hatten,19 argumentiert der Literaturwissenschaftler Daniel Fulda dafür, ihre Emergenz „zeitlich vorzuverlegen“,20 und zwar auf die Zeit „um 1700“.21 Die Belege, die Fulda für die ‚offene Zukunft‘ um 1700 als Widerlegung der Koselleck’schen Datierung bringt, zeigen allerdings, dass es deutliche Unterschiede in den Semantiken von Zukunft gibt, sodass jeweils genau differenziert werden müsste, was ‚Offenheit‘ und was ‚Zukunft‘ heißen soll. Wenn um 1700 der Fortschritt des Wissens diskutiert wird, dann impliziert dies eine sektorale Offenheit im Hinblick auf zukünftiges Wissen, aber nicht eine umfassende Offenheit einer geschichtlich-sozialen Zukunft.22 Wenn die politischen Klugheitslehren um 1700 fordern, dass jedermann die Zukunft seines Fortkommens im Blick haben müsse, dann mag die persönliche Zukunft ungewiss sein, aber damit ist nicht gesagt, dass die Zukunft insgesamt als die Totalität sozialer Verhältnisse geschichtlich geöffnet sei.23 Gleichwohl wären solche Differenzierungen, die letztlich auch das Anliegen Fuldas sind, wichtig, damit möglichst nuanciert erfasst werden kann, welche Veränderungen im Hinblick auf Zeitbegriffe und Zeitdiskurse im 17. Jahrhundert und welche im 18. Jahrhundert zu verzeichnen sind – und damit es möglich wird, den fraglichen Zusammenhang zu beschreiben. Entwickelt sich aus der sektoralen Offenheit der Zukunft (Wissen) die umfassende soziale Offenheit der Zukunft, wie Koselleck das einmal nahelegte,24 oder handelt es sich um zwei verschiedene Offenheiten, die dann auch verschieden, im Sinne einer Diskontinuität oder einer Transformation, erklärt werden müssten?

Die Fragen, inwieweit die eigene Gegenwart als Gegenwart wahrgenommen und – entscheidend – thematisiert und besprochen wird, ob und in welcher Weise sie in Differenz zur Vergangenheit gesetzt wird, ob und in welcher Weise dies mit Vorstellungen und Erwartungen sozialer Transformationsprozesse in der Zukunft einhergeht, sind zugleich dringende Fragen an die Adresse der Literaturgeschichte. Zu fragen ist, wie literarische Texte sich jeweils auf ihre Gegenwart beziehen und ob und wie sie diese konzeptualisieren. Zur Lage ‚der Gegenwart‘ zu sprechen ist insgesamt eine voraussetzungsreiche und bisher wenig erforschte Problematik einer Ordnung der Diskurse in der Frühen Neuzeit. Für die Programmatik und auch die Praxis der Literatur ist ein weitreichender Wandel seit ungefähr 1770 als Forderung nach literarischen Gegenwartsbezügen deutlich fassbar. Eben in diesem Kontext findet sich auch einer der ersten Belege für den zeitlichen Gebrauch des Wortes ‚die Gegenwart‘. Während Gotthold Ephraim Lessing sich 1749 noch ausführlich rechtfertigen zu müssen glaubt, dass er mit seinem Fragment Samuel Henzi politische Ereignisse seiner unmittelbaren Gegenwart als Stoffvorlage für ein Trauerspiel aufgreift,25 so ist 30 Jahre später eine Umkehrung dessen eingetreten, wofür sich Autoren zu rechtfertigen haben. Louis-Sebastien Mercier schreibt 1773/1776:

Noch ist nöthig dem Drama einen Karakter von Nützlichkeit für die Gegenwart, Kenntniß des Menschen und der der Gesellschaft vortheilhaften Dinge einzuprägen. [...] Ich will schlechterdings erkennen können, in welchem Jahr er [der Schriftsteller; J.F.L.] sein Werk verfertigt hat. [...] Ich will einen Wiederschein von den Geschäfften, die die Nation in Bewegung setzen, bey ihm entdecken.26

Die Stoffe sollen jetzt nicht mehr aus der Antike oder der Historie, sondern aus der Zeitung genommen werden. In der Fußnote zum eben zitierten Satz preist Mercier die Zeitung als Stoffquelle für den Dichter: „Tausend und abermal tausend Dank den dreyhundert Zeitungen, die unter verschiedenen Titeln in unserm Europa herumlaufen; nichts gibt mehr Anlaß zu denken, und ich gesteh, daß ich sie alle lese.“27 Sich literarisch auf die aktuelle und verzeitlichte Gegenwart zu beziehen, heißt dann auch, diesen Bezug als zeitlichen Bezug zu markieren, heißt, den eigenen Text zu datieren und im Aktualitätsbezug bereits die zukünftige Desaktualisierung mitzureflektieren.

Die vorliegenden Beiträge fragen vor diesem Hintergrund im Sinne einer Gegenprobe nach den literarischen Gegenwartsbezügen im 17. Jahrhundert, das heißt vor der üblicherweise mit der Sattelzeit um 1800 datierten Verzeitlichung. Zu überprüfen ist anhand konkreter literarischer Referenzen auf ‚Gegenwart‘, ob oder wie Gegenwartsbezüge der Literatur bereits vor 1770 und insbesondere im 17. Jahrhundert programmatisch eingefordert und stofflich realisiert werden. Welches sind ihre Erscheinungsformen? Wie werden sie paratextuell gerahmt? Wie werden sie poetologisch eingeholt, gewünscht oder abgewehrt? In welcher Form lassen sich im 17. Jahrhundert literarische Gegenwartsbezüge finden, die den dogmatischen beziehungsweise eschatologischen Rahmen des Zeitdenkens womöglich lockern oder sprengen? Anhand von sieben konkreten Fallstudien zur Frage literarischer Gegenwartsbezugnahmen im 17. Jahrhundert fragen die hier versammelten Beiträge damit zugleich nach der Validität und Reichweite der verschiedenen Modelle (literatur-)geschichtlicher Periodisierung und Theorien von Verzeitlichung.

Eröffnet wird der Schwerpunkt mit einem Beitrag von Stephan Kraft zu Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausens Erstlingswerk, dem 1667 erschienenen Roman Satyrischer Pilgram, der hier allerdings weniger als moralistisches Traktat, sondern vielmehr als eine Programmschrift für die ab dem Folgejahr publizierten simplicianischen Schriften selbst in den Blick genommen wird. Kraft zeigt, dass Grimmelshausen sich nicht primär als poeta doctus legitimiert, sondern vielmehr durch die persönliche Erfahrung, die insbesondere eine Erfahrung des Krieges ist, die aber nun, in Grimmelshausens Gegenwart, bei der jüngeren Generation zu verblassen droht. Das in diesem Zuge angekündigte Romanprojekt bezieht sich somit auf eine Gegenwart, die nicht mehr einen gemeinsamen Erfahrungsraum darstellt, sondern generationell auseinanderfällt. Gerade hierin zeigt sich bei Grimmelshausen eine Reflexion seiner Gegenwart. Es geht allerdings nicht um das emphatische Begrüßen eines Neuen, sondern um die Angst vor dem Verlust der warnenden Präsenz eines Krieges, der nicht mehr gegenwärtig ist.

Ebenfalls um den Dreißigjährigen Krieg und seine Rolle für die Literatur geht es in dem Beitrag von Maximilian Bergengruen. Gegenstand sind die Referenzen auf die Gegenwart im Poetik-Diskurs der deutschsprachlichen Barockliteratur, die durch die Analogie zum Dreißigjährigen Krieg als dem allüberstrahlenden Ereignis der Zeit eine zeitliche Rahmung bekommen. In Des Jesaias Romplers von Löwenhalt erstes gebüsch seiner Reim-getichte von 1647 entwickelt Jesaias Rompler von Löwenhalt eine klare Zwei-Zeitlichkeit im Hinblick auf die deutsche Dichtung. Während Deutschland lange Zeit in einer Art Schlaf in Bezug auf die Dichtung in der eigenen Sprache gelegen habe, sei mit den Werken von – in dieser Reihenfolge – Georg Rodolf Weckherlin, Ernst Schwabe von der Heyde und Martin Opitz eine Zeit der Wachheit angebrochen, die immer noch andauere. Dieser Einsatz des Gegenwärtigen, so zeigt Bergengruen, wird auf der Basis eines eschatologischen Verständnisses entwickelt, sodass der Beginn der deutschsprachigen gebundenen Rede als ein „Himlische[s] beginen“ gedeutet wird.28 Zudem erklärt Rompler, historisierend, Weckherlin zum eigentlichen Initiator der deutschen Poesie, um den Beginn der deutschen Poesie auf den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs datieren zu können. Bergengruen argumentiert vor diesem Hintergrund, dass die Gegenwartsverortung Romplers zwar eschatologischem Zeitdenken folgt, aber zugleich, etwa durch realistische Beschreibungen des Krieges, mehr tut, indem er aus dem theologischen Gegenwartsverständnis selbst ein historisches Gegenwartsverständnis gleichsam aus sich entlässt, ohne wiederum das theologische Gegenwartsverständnis selbst aber zu eliminieren.

Poetologische Fragen im Hinblick auf das Drama im Frankreich des 17. Jahrhunderts behandelt Claude Haas. Er fragt nach dem Zusammenhang zwischen den normpoetischen Überlegungen zur Einheit der Zeit (Jean Chapelain, Abbé d’Aubignac, Pierre Corneille) und den zeitpolitischen Verhandlungen von Souveränität im klassizistischen Drama des 17. Jahrhunderts sowie nach ihrem Verhältnis zur ‚modernen‘ Entdeckung von Gegenwart in der späteren dramatischen Tradition. Haas zeigt, dass die Einheit der Zeit als eine normpoetisch avisierte Kongruenz zwischen dargestellter Zeit und Zeit der Darstellung über die systematische Ausschaltung einer Wahrnehmung der Zeit aufseiten des Zuschauers auch eine Reflexion auf Zeit, Gegenwart und Aktualität zwangsläufig unterbinden muss. In diesem Sinn hat Chapelain in seinem Brief über die Regel der 24 Stunden (1630) versucht, das Drama als gänzlich zeitlose Kunstform zu propagieren. Wie ein Gemälde müsse ein gelungenes Drama gleichsam auf einen Schlag gesehen werden (können). Dass die hierin liegende, formale Abblendung einer Reflexion auf die Zeit der Gegenwart auch in der inhaltlichen Verhandlung von Zeit und Souveränität eine politische Entsprechung hat, zeigt Haas anhand von Corneilles Le Cid (1636) und Cinna (1643). Jeweils zeigt sich, dass die formale Zeitlosigkeit zugleich die Vision einer Zeitlosigkeit des Rechts garantieren soll, dass die Gegenwart als Zeitort von Entscheidung und Rechtssetzung ebenso invisibilisiert wird wie die Vorstellung einer politisch je anders gestaltbaren Zukunft. Am Beispiel der späteren Dramentradition von Johann Christoph Gottsched über Lessing bis hin zu Friedrich Schiller wird schließlich deutlich, dass die Einheit der Zeit sich von der Funktion einer souveränitätspolitischen Absorption der Gegenwart lösen und zu ihr sogar in eine reflexive Spannung treten kann.

Die dramatische Form in Bezug auf ihren politischen Gehalt thematisiert auch Patrick Eiden-Offe in seinem Beitrag zu Christian Weises Masaniello. Zunächst zeigt Eiden-Offe, dass Weise in seinem Schuldrama über den neapolitanischen Aufstand im Jahr 1647 durchaus quellennah jene Elemente des historischen Geschehens fokussiert, die diese Ereignisse als eine genuin soziale Revolte vor dem Hintergrund sozial-politischer und ökonomischer Veränderungen ausweisen, dass aber zugleich gerade die Form des Dramas daran arbeitet, das Singuläre der Ereignisse wieder in das Exempel zurückzuführen. So wäre es die poetische Verarbeitung selbst, die dem Stoff das Potenzial genuiner Gegenwartsreflexion wieder austreibt. Gleichwohl, das ist der Zielpunkt der Argumentation, gelingt dies nicht vollständig, es bleiben unbewältigte Reste. Diese finden sich allerdings weniger in der Haupthandlung und dem im Text stark herausgestellten konservativen Bezug der Rebellen auf das alte Recht, noch auch im stark theatral inszenierten Topos von der Rebellion als einer karnevalesken Verkehrung der Welt, sondern in Dialogen der Nebenhandlung. Hier erscheinen Fischer, die auf ganz praktischer und sozial-technischer Ebene durchdenken, warum die gesellschaftlichen Hierarchien notwendig sind. Als Lösung für ein Organisationsproblem erscheinen diese unter der Hand veränderbar, eine Veränderbarkeit, die der Nachredner noch einmal aufgreift, indem er sie explizit zurückweist.

Ebenfalls mit einer literarischen Referenz auf politische Unruhen beschäftigt sich Elke Dubbels. Ihr Beitrag untersucht die Gegenwartsbezüge in der Tragikomödie Das verwirrte Haus Jacob (1703), dem einzigen Theaterstück des Hamburger Autors Barthold Feind. Der Text thematisiert die laufenden ‚Hamburger Unruhen‘ und wird sogleich als Pasquill verboten und verbrannt. Feinds Stück zeichnet sich nicht nur durch stoffliche wie politische Aktualität aus, sondern ist selbst performatives Element jener Unruhen, auf die es Bezug nimmt. Insbesondere thematisiert es die Medialität dieser Unruhen im Rahmen einer politisierten, städtischen Öffentlichkeit, indem es den die Unruhen begleitenden und konstituierenden Flugschriften- beziehungsweise Pasquillenkrieg aufgreift und wiederum selbst in ihn eingreift. Mit Klarnamen treten hier nicht nur die Protagonisten des Streits zwischen Bürgerschaft und Rat auf (die ‚Rebellen‘ Stilcke und Lütze), sondern, leicht verfremdet oder in den damals gewählten Pseudonymen, auch die einschlägigen Autoren der Flugpublizistik. Dubbels zeigt, dass der Text in seinem kritischen Blick auf die Gegenwart der Rebellion und eine ‚skandalöse Öffentlichkeit‘ eine überzeitliche, historische Exempelstruktur zur Einordnung der Ereignisse zwar noch bemüht, sie sich aber – in der Konkurrenz von Gelehrten- und Zeitungswissen – als brüchig erweist. Ihr gegenüber gewinnen die Zeitgeschichte, noch im frühneuzeitlichen Sinne als historia sui temporis (Reinhart Koselleck), sowie ein säkulares Epochenbewusstsein an Bedeutung, das sich als spezifisches Gegenwartsbewusstsein beschreiben lässt. Gegenwart und die politisierte Zeitgenossenschaft im Rahmen einer gemeinsam geteilten Öffentlichkeit gehören zusammen.

Wie Neuigkeit, Gegenwart und Politisierung zusammenhängen, ist das Thema des historisch vergleichenden Beitrags von Stefan Geyer zu Eberhard Werner Happels Geschichtromanen und Johann Wolfgang Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. Happels in der Forschung eher selten behandelte Romane schreiben sich vor dem Hintergrund einer durch Zeitungen und Flugpublizistik entstehenden Neuigkeitserwartung den Bezug auf die eigene Gegenwart in den Titel, indem sie versprechen, „was sonsten in diesem Jahr in EUROPA Notabels sich zugetragen“,29 zu erzählen. Der Beitrag zeigt, wie Happels Romane nicht nur – gleichsam gegen diese Programmatik – ältere Erzählschemata verwenden und bereits in der Antike bekannte Geschichten erzählen, sondern wie sie in den manifesten Aktualitätsbezügen ein metonymisches Netz der europäischen Ereignisse spannen, sodass der Aspekt der Neuheit dieser Ereignisse durch gleichsam räumliche Nachbarschaften und Bildung eines Tableaus wieder unterminiert wird. Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten thematisieren ihrerseits den Bedarf an Neuem und Neuigkeiten vor dem Hintergrund der Tradition der Novelle. Im Modus einer reflexiven Verzeitlichung, so die hier vorgeschlagene These, kann es nicht länger darum gehen, die topischen Geschichten aus älteren Sammlungen zu wiederholen, sondern den historischen Wandel selbst zum Thema und zum unhintergehbaren Ausgangspunkt der Handlung zu machen, zu einem Gespenst einer Gegenwart mithin, die herrscht, indem sie sich entzieht. Von Politik kann man in dieser allgemein politisierten Gegenwart nicht mehr nicht betroffen sein. Diese Gegenwart als Zäsur und temporale Zone zwischen einem Nicht-mehr und einem Noch-nicht impliziert zugleich ästhetische und gesellige Formen, die Goethe, jenseits des „beschränkten Interesses der Gegenwart“,30 als Formen seiner Gegenwart begreift.

Ebenfalls vergleichend verfährt der Beitrag von Helmut Hühn, indem er Paul Flemings zeittheoretisches Gedicht Gedancken über der Zeit (1632) mit der Zeitreflexion von Schillers Prolog zum Wallenstein (1798) kontrastiert. Hühns Lektüre des Fleming’schen Texts begreift diesen nicht nur als Beleg für einen Verzeitlichungsschub in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, sondern zugleich als Austragung eines Konflikts zwischen der geschichtlichen Lebenszeit und der Ewigkeit, die als Negation der Zeitlichkeit selbst gedacht ist. In dieser Fokussierung auf die Opposition von zeitlicher Immanenz und Transzendenz wird die Möglichkeit einer genuin geschichtlichen, gemeinsam zu gestaltenden Zeit der Gegenwart abgeblendet. Bei Schiller dagegen fällt der Oppositionsterm der Ewigkeit sozusagen aus und die Zeit muss allein aus temporalen Kategorien heraus gegliedert werden, aus der Differenz von Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Hierbei zeigt Hühn, dass es Schiller in seiner Reflexion der Gegenwart in doppeltem Sinne um eine reflexive Distanz zur eigenen geschichtlichen Gegenwart geht. Zum einen, insofern auch die geschichtliche Zeit, wie bei Fleming die ewige, sich der Verfügbarkeit der Subjekte entzieht. Zum anderen geht es ihm im Rückblick auf die Ereignisse des 17. Jahrhunderts um die poetisch transformierte Geschichtlichkeit der Geschichte, darum, Geschichte und Gegenwart im Hinblick auf die Zukunft als Zusammenhang beobachtbar zu machen. Das Geschichtsdrama fungiere als „Organon der Selbstgegenwart der geschichtlichen Subjekte“.31 Dies wiederum steht, so Hühn, im Zusammenhang mit Schillers Wendung gegen einen „Präsentismus“,32 der sich unmittelbar bloß auf die Gegenwart richtet und die Lebenden radikal von den Toten abtrennt. Vielmehr gehe es Schiller um die Bedingung der Möglichkeit – nicht nur theoretisch, sondern auch qua ästhetischer Form –, Gegenwart als Gegenwart innerhalb der Geschichte reflektieren zu können.

Den Abschluss des Schwerpunkts bildet die schriftliche Dokumentation einer Diskussion der vorliegenden Beiträge. Ziel der Diskussion war der Versuch einer Beantwortung der hier aufgeworfenen Frage nach der ‚Gegenwart‘ und nach literarischen Gegenwartsbezügen im 17. Jahrhundert. Fünf der sieben Beiträger sowie die Herausgeber haben sich nach der Lektüre aller hier versammelten Texte im November 2016 daher noch einmal33 in Bonn getroffen und sie im Hinblick auf aus ihnen zu ziehende Schlussfolgerungen, methodologische Grundfragen und Modelle der Historisierung von Zeitsemantiken diskutiert (Bergengruen, Dubbels, Eiden-Offe, Geyer, Kraft, Lehmann).

Footnotes

1

Ingrid Oesterle: „Es ist an der Zeit!“ Zur kulturellen Konstruktionsveränderung von Zeit gegen 1800. In: Walter Hinderer/Alexander von Bormann/Gerhart von Graevenitz (Hg.): Goethe und das Zeitalter der Romantik. Würzburg: Königshausen & Neumann 2002, S. 91‒121, hier S. 101.

2

Johann Christoph Adelung: [Art.] Die Gegenwart. In: J.C.A.: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart. Bd. 2. Hildesheim/New York: G. Olms 1970 [Nachdruck der Ausgabe Leipzig: Breitkopf 1796], Sp. 488.

3

Johann Heinrich Zedler: [Art.] Gegenwart. In: J.H.Z.: Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden. Bd. 10. Halle/Leipzig: Im Verlag Johann Heinrich Zedlers 1735, Sp. 594.

4

Zedler: [Art.] Gegenwart (Anm. 3), Sp. 594: „Die Gegenwart Gottes aber nennet man Allgegenwart.“ So auch in Johann Wolfgang Goethes Werther: Ich „fühle die Gegenwart des Allmächtigen“. Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werthers. Paralleldruck der beiden Fassungen. Hg. von Matthias Luserke. Stuttgart: Reclam 1999, S. 12 f. Vgl. zur Explikation des Wirkungsvermögens der Anwesenheit den kleinen Aufsatz von L. E. G. Rudolphi: Ueber die Gegenwart und die Allgegenwart. In: Braunschweigisches Journal 3 (1788), S. 365‒369. Der Aspekt der Zeit fehlt hier gänzlich.

5

Alfred Götze (Hg.): Trübners deutsches Wörterbuch. Berlin: De Gruyter 1939‒1957. Bd. 3. Berlin: De Gruyter 1939, S. 58.

6

Jacob Grimm/Wilhelm Grimm: [Art.] Gegenwart. In: J.G./W.G. (Hg.): Deutsches Wörterbuch. Leipzig: Hirzel 1854‒1971. Bd. 4, Abt. I, Teil 2: Gefoppe–Getreibs. Bearbeitet von Rudolf Hildebrand und Hermann Wunderlich. Leipzig: Hirzel 1897, Sp. 2281‒2300, hier Sp. 2284, 2281.

7

Grimm/Grimm: Gegenwart (Anm. 6), Sp. 2286. Vgl. zu diesem Aspekt auch: Karin Krauthausen/Stephan Kammer: Gegenwart, gegenwart. Für einen strukturalen Realismus. In: Neue Rundschau 127 (2016), Heft 1, S. 141‒154.

8

Norbert Elias: Über die Zeit. Arbeiten zur Wissenssoziologie II. Hg. von Michael Schröter. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1988, S. 47.

9

Elias: Über die Zeit (Anm. 8), S. 49.

10

Adam Weishaupt: Anrede an die neu aufzunehmenden Illuminatos dirigentes. In: Nachtrag von weitern Originalschriften, welche die Illuminatensekte überhaupt, sonderbar aber den Stifter derselben Adam Weishaupt, gewesen Professor zu Ingolstadt betreffen [...]. Zwo Abtheilungen. München: Joseph Lentner 1787, S. 44–121, hier S. 53 f. Vgl. hierzu Johannes F. Lehmann: „Ändert sich nicht alles um uns herum? Ändern wir uns nicht selbst?“ Zum Verhältnis von Leben, Zeit und Gegenwart um 1770. In: Benjamin Brückner/Judith Preiß/Peter Schnyder (Hg.): Lebenswissen. Poetologien des Lebendigen im langen 19. Jahrhundert. Freiburg/Br.: Rombach 2016, S. 51–74, besonders S. 62.

11

So explizit: Arno Seifert: Verzeitlichung. Zur Kritik einer neueren Frühneuzeitkategorie. In: Zeitschrift für historische Forschung 10 (1983), S. 447‒477, S. 457; Jan Marco Sawilla: ‚Geschichte‘: Ein Produkt der Aufklärung? Eine Kritik an Reinhart Kosellecks Begriff des ‚Kollektivsingulars Geschichte‘. In: Zeitschrift für historische Forschung 31 (2004), S. 381‒428. Siehe hierzu Theo Jung: Zeichen des Verfalls. Semantische Studien zur Entstehung der Kulturkritik im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2012, S. 55‒112. Vgl. zur Kritik an der Verzeitlichungsthese auch Stefanie Stockhorst: Zur Einführung. Von der Verzeitlichungsthese zur temporalen Diversität. In: Das achtzehnte Jahrhundert 30/2 (2006), S. 157‒165.

12

Vgl. Ingrid Oesterle: Der Führungswechsel der Zeithorizonte in der deutschen Literatur. Korrespondenzen aus Paris, der Hauptstadt der Menschheitsgeschichte, und die Ausbildung der geschichtlichen Zeit ‚Gegenwart‘. In: Dirk Grathoff (Hg.): Studien zur Ästhetik und Literaturgeschichte der Kunstperiode. Frankfurt/M. u. a.: Lang 1985, S. 11‒76.

13

Niklas Luhmann: Weltzeit und Systemgeschichte. In: Hans Michael Baumgartner/Jörn Rüsen (Hg.): Seminar: Geschichte und Theorie. Umrisse einer Historik. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1976, S. 337‒387; Niklas Luhmann: Temporalisierung von Komplexität. Zur Semantik neuzeitlicher Zeitbegriffe. In: N.L.: Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. Bd. 1. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1980, S. 235‒300, besonders S. 270‒300. Später greift Luhmann die Frage nach dem Begriff der Gegenwart von Ingrid Oesterle auf, um seinerseits zu erklären, warum in der Moderne „kein adäquater Begriff der Gegenwart“ entwickelt werden konnte. Niklas Luhmann: Gleichzeitigkeit und Synchronisation. In: Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven. Opladen: Westdeutscher Verlag 1990, S. 95–130, hier S. 130.

14

Achim Landwehr: Geburt der Gegenwart. Eine Geschichte des Zeitwissens im 17. Jahrhundert. Frankfurt/M.: Fischer 2014. Vor Landwehr hat insbesondere Paul Münch das 17. Jahrhundert im Hinblick auf eine sich herausbildende veränderte, säkulare Zeitwahrnehmung und daher als Beginn des „Projekts der Moderne“ gefasst. Paul Münch: Das Jahrhundert des Zweispalts. Deutsche Geschichte 1600–1700. Stuttgart: Kohlhammer 1999, S. 21. Vgl. hierzu auch Markus Meumann: Von der Endzeit zum Säkulum. Zur Neuordnung von Zeithorizonten und Zukunftserwartungen ausgangs des 17. Jahrhunderts. In: Sylvia Heudecker/Dirk Niefanger/Jörg Wesche (Hg.): Kulturelle Orientierung um 1700. Traditionen, Programme, konzeptionelle Vielfalt. Tübingen: Niemeyer 2004, S. 100‒121.

15

Kaspar Stieler: Zeitungs Lust und Nutz. Vollständiger Neudruck der Originalausgabe von 1695. Hg. von Gert Hagelweide. Bremen: Schünemann 1969, S. 4.

16

„Der Mensch, der durch Regierungsformen, Gesetze, Gewohnheiten modificirt wird, wird zum ganz andern Wesen als er erst war. [...] Die Buchdruckerkunst, das Schießpulver, die Entdeckung der neuen Welt, die Posten, die Wechselbriefe, und das vorgebliche Gleichgewicht Europens haben das ganze alte System über einen Haufen geworfen.“ Louis Sébastien Mercier: Neuer Versuch über die Schauspielkunst. Aus dem Französischen von Heinrich Leopold Wagner. Mit einem Anhang aus Goethes Brieftasche. Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1776, mit einem Nachwort von Peter Pfaff. Heidelberg: Lambert Schneider 1967, S. 199.

17

Landwehr: Geburt der Gegenwart (Anm. 14), S. 201.

18

Landwehr: Geburt der Gegenwart (Anm. 14), S. 201 zitiert hier Armin Nassehi: Die Zeit der Gesellschaft: Auf dem Weg zu einer soziologischen Theorie der Zeit. Neuauflage mit einem Beitrag „Gegenwarten“. Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 22008, S. 267, Anm. 33, der hier eine allgemeine Definition gibt. Historisch ist die „Gegenwart als Selektionsspielraum“ für Nassehi allerdings gebunden an die „Epochenschwelle zur Moderne“, die er unter anderem mit dem „sich erst um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert herausbildende[n] Kollektivsingular Fortschritt“ beschreibt und dies mit Rekurs auf Koselleck belegt (S. 293 f.).

19

Vgl. Reinhart Koselleck: Das 18. Jahrhundert als Beginn der Neuzeit. In: Reinhart Herzog/R.K. (Hg.): Epochenschelle und Epochenbewusstsein. München: Fink 1987, S. 269‒282, besonders S. 278‒281. Siehe auch: Reinhart Koselleck: Vergangene Zukunft der frühen Neuzeit. In: R.K.: Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten. Frankfurt/M.: Suhrkamp 1979, S. 17‒37, besonders S. 33 f.; Lucian Hölscher: Die Entdeckung der Zukunft. Frankfurt/M.: Fischer 1999.

20

Daniel Fulda: Wann begann die ‚offene‘ Zukunft? Ein Versuch, die Koselleck’sche Fixierung auf die ‚Sattelzeit‘ zu lösen. In: Wolfgang Breul/Jan Carsten Schnurr (Hg.): Geschichtsbewusstsein und Zukunftserwartung in Pietismus und Erweckungsbewegung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2013, S. 141‒172, hier S. 142, Anm. 3.

21

Daniel Fulda: Um 1700 begann die ‚offene‘ Zukunft. Zum Ausgang der Aufklärung von einer allgemeinen Unsicherheitserfahrung. In: D.F./Jörn Steigerwald (Hg.): Um 1700: Die Formierung der europäischen Aufklärung. Zwischen Öffnung und neuerlicher Schließung. Berlin/Boston: De Gruyter 2016, S. 23‒45.

22

Vgl. Fulda: Um 1700 begann die ‚offene‘ Zukunft (Anm. 21), S. 26 f.

23

Vgl. Fulda: Um 1700 begann die ‚offene‘ Zukunft (Anm. 21), S. 28 f. Fulda ist insgesamt um Differenzierung bemüht, aber zugleich so sehr um eine Widerlegung Kosellecks, dass er seinerseits zu Schlussfolgerungen kommt, die die geforderte Differenzierung wieder kassieren. Sein Satz „Die Zukunft öffnet sich um 1700, insofern sie fundamental unsicher erscheint“ kann aus der politischen Klugheitslehre und ihren Forderungen, die Fähigkeit zur Voraussicht zu schulen, meines Erachtens nicht gefolgert werden. Fulda: Wann begann (Anm. 20), S. 153.

24

Vgl. Reinhart Koselleck: ‚Fortschritt‘ und ‚Niedergang‘ – Nachtrag zur Geschichte zweier Begriffe. In: R.K.: Begriffsgeschichten. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2006, S. 159‒181, hier S. 167.

25

Gotthold Ephraim Lessing: Zwei und Zwanzigster Brief. An den Herrn D**. In: G.E.L.: Werke und Briefe in zwölf Bänden. Hg. von Wilfried Barner u. a. Frankfurt/M.: Deutscher Klassiker Verlag 1985‒2003. Bd. 2: Werke 1751‒1753. Hg. von Jürgen Stenzel. Frankfurt/M: Deutscher Klassiker Verlag 1998, S. 700‒703, hier S. 702: „Aber wird man nicht das schon für eine Übertretung der Regeln halten, daß der Stoff unseres Trauerspiels so gar zu neu ist?“

26

Mercier: Neuer Versuch über die Schauspielkunst (Anm. 16), S. 199 f.

27

Mercier: Neuer Versuch über die Schauspielkunst (Anm. 16), S. 200.

28

Maximilian Bergengruen: „Himlische[s] beginen“, „trefliche[r] vortgang“. Rompler von Löwenhalt über die Urszene deutscher Poesie und die „zeit [...] / darinn wir leben“. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) 42/1 (2017), S. 135–149.

29

Stefan Geyer: Einbruch der Zeit. Neuheiten im Geschicht-Roman Happels und in Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) 42/1 (2017), S. 214–233, hier S. 218, Anm. 11.

30

Friedrich Schiller: Ankündigung. Die Horen, eine Monatsschrift, von einer Gesellschaft verfaßt und herausgegeben von Schiller. In: F.S.: Werke und Briefe in zwölf Bänden. Hg. von Otto Dann u. a. Frankfurt/M.: Deutscher Klassiker Verlag 1988 ff. Bd. 8: Theoretische Schriften. Hg. von Rolf-Peter Janz unter Mitarbeit von Hans Richard Brittnacher, Gerd Kleiner und Fabian Störmer. Frankfurt/M.: Deutscher Klassiker Verlag 1992, S. 1001–1005, hier S. 1001.

31

Helmut Hühn: „Gedancken über der Zeit“. Zur Konfliktgeschichte der Verzeitlichung. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur (IASL) 42/1 (2017), S. 234–256, hier S. 251.

32

Hühn: Zur Konfliktgeschichte der Verzeitlichung (Anm. 31), S. 255.

33

Die hier versammelten Beiträge gehen zu einem großen Teil auf einen Workshop zurück, der im Mai 2015 in Bonn stattfand und unter anderem der Frage nach literarischen Gegenwartsbezügen im 17. Jahrhundert gewidmet war. Der Workshop fand im Rahmen des DFG-Projekts „Aktualität. Zur Geschichte literarischer Gegenwartsbezüge um 1800“ (Johannes F. Lehmann, Stefan Geyer) statt, das als Teilprojekt des DFG-Schwerpunktprogramms „Ästhetische Eigenzeiten“ gefördert wurde.

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