Kant über das Recht des Privatgebrauchs des Erdbodens

Zugleich eine Beantwortung der Frage, warum § 16 der Metaphysischen Anfangsgründe der Rechtslehre der richtige Ort für die fünf falsch gesetzten Absätze aus § 6 ist

Prof. Dr. Michael Wolff 1
  • 1 Universität Bielefeld, Abteilung Philosophie, Postfach 100131, D-33501, Bielefeld, Deutschland
Prof. Dr. Michael Wolff
  • Corresponding author
  • Universität Bielefeld, Abteilung Philosophie, Postfach 100131, D-33501, Bielefeld, Deutschland
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Abstract

As is well known, § 6 of Kant’s Metaphysical First Principles of the Doctrine of Right contains five paragraphs that do not belong there. The article shows that their correct location is at the end of § 16. This sheds some new light on Kant’s theory of property and its significance for Kant’s doctrine of cosmopolitan right.

1 Die Konjektur Gerhard Buchdas und Friedrich Tenbrucks zu § 6

Beide Originaldrucke der Metaphysischen Anfangsgründe der Rechtslehre von 1797 und 1798 enthalten zwischen dem dritten und vorletzten Absatz von § 6 ein thematisch zusammenhängendes, aber nicht zum Thema von § 6 gehöriges Textstück (AA 06: 250.18–251.36). Es besteht aus zwei Teilen. Der erste umfasst zwei normal gesetzte Absätze, die im Folgenden α und β heißen mögen, der zweite enthält drei links eingerückte und in kleinerem Schriftgrad gesetzte Absätze, die im Folgenden γ, δ und ε heißen sollen. Dieses zweiteilige Textstück unterbricht und verfälscht, sowohl nach seinem Inhalt als auch nach seiner typographischen Form, den Argumentationsgang derjenigen ‘Deduktion’, die laut Überschrift Aufgabe von § 6 ist. Der Umstand, dass dieses Stück in § 6 eingefügt wurde, hatte zur Folge, dass die zwei letzten, auf ε folgenden Absätze von § 6 (MS, AA 06: 251.37–252.30)1 gleichfalls links eingerückt und in kleinerem Schriftgrad gesetzt wurden. Dies ist sinnwidrig, weil im Drucktext von Kants Rechtslehre durch Einrückung und kleineren Schriftgrad regelmäßig angezeigt wird, dass es sich um Teile eines Paragraphen handelt, die nicht zu dessen Haupttext gehören, sondern ihm als Anmerkung angefügt sind. In seiner ›Vorrede‹ zu den Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre macht Kant ausdrücklich auf den Unterschied zwischen „Text“ und „Anmerkung“ aufmerksam und weist den so benannten Teilen seiner nachfolgenden Abhandlung unterschiedliche Funktionen zu: Es werde hiermit, schreibt er,

so wie mit den (früheren) metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft, auch hier gehalten werden: nämlich das Recht, was zum a priori entworfenen System gehört, in den Text, die Rechte aber, welche auf besondere Erfahrungsfälle bezogen werden, in zum Theil weitläuftige Anmerkungen zu bringen: weil sonst das, was hier Metaphysik ist, von dem, was empirische Rechtspraxis ist, nicht wohl unterschieden werden könnte. (205.23–206.03)2

Offensichtlich gehören nach dieser Beschreibung die beiden letzten Absätze von § 6 zum Text, nicht zur Anmerkung dieses Paragraphen. Sie leisten nämlich den Hauptbeitrag zu dem, was dessen Überschrift ‘Deduktion des Begriffs des bloß-rechtlichen Besitzes eines äußeren Gegenstandes’ nennt.

Der Umstand, dass die Absätze α–ε den Gedankengang dieses Paragraphen so sehr stören, dass sie als auszuscheidender Fremdkörper zu betrachten sind, wurde von Gerhard Buchda entdeckt und in dessen Dissertation von 1929 beschrieben.3 Dieselbe Entdeckung wurde 1949 ein zweites Mal – unabhängig – von Friedrich Tenbruck gemacht und mit einem ausführlicheren Beweis untermauert.4 Seine Beweisführung hat in der Kant-Literatur weitgehende Beachtung gefunden und scheint allgemein unbestritten zu sein. Dass der Text von α–ε in § 6 falsch plaziert ist, ergibt sich aus folgenden Gründen:5

Erstens beginnt α mit den Worten „Auf solche Weise ist z. B.“ … (250.18). Diese Worte geben vor, an etwas zuvor Gesagtes anzuknüpfen, aber der vorhergehende Text in § 6 enthält nichts, was dieser Anknüpfung entspräche: Von welcher Weise und von einem Beispiel wofür die Rede ist, lässt sich anhand von § 6 nicht ausmachen. Der Übergang von § 6 Abs. 3 zu α ist daher sinnlos.

Zweitens knüpft der vorletzte Absatz von § 6 mit folgenden Worten an ε an: „In einem theoretischen Grundsatze a priori müßte nämlich, (zu Folge der Crit. der r. V.) […]“ (251.37).6 Der so beginnende Satz wird wenig später so fortgesetzt: „allein in diesem praktischen [Grundsatze a priori] wird umgekehrt verfahren […]“ (252.03 f.). Dieser Satz deutet mit „nämlich“ an, dass mit ihm eine Argumentation fortgesetzt werden soll, mit der das in § 6 Abs. 1 genannte Problem: „wie ist ein synthetischer Rechtssatz a priori möglich?“ gelöst werden soll. Dieses Problem wird in α–ε in gar keiner Weise berührt.7 Insbesondere fehlt in ε ein Gedanke, auf den der vorletzte Absatz von § 6 sinnvoll Bezug nehmen könnte. Daher ist auch der Übergang von ε zum Rest von § 6 sinnlos.

Drittens behandeln die Absätze α–ε ein Thema, das mit dem von § 6 in gar keiner erkennbaren Verbindung steht. Laut Überschrift ist letzteres die ‚Deduktion des Begriffs des bloß-rechtlichen Besitzes eines äußeren Gegenstandes‘. Die Absätze α–ε stören diese Deduktion, indem sie von einer Terminologie Gebrauch machen, die dem ganzen Ersten Hauptstück der Rechtslehre (§§ 1–9) noch fremd ist und Ausdrücke enthält, die erst in späteren Paragraphen eingeführt und erläutert werden, z. B.: ‚erwerben‘ (§ 10), ‚Recht in einer Sache‘ (§ 11), ‚Privatgebrauch‘ (§ 11), ‚Boden‘ (§ 12), ‚ursprünglicher Gesamtbesitz‘ (§ 13), ‚angeborener Gemeinbesitz‘ (§ 13), ‚Sitz‘ (§ 13), ‚erste Besitznehmung‘ (§ 14), ‚freier Boden‘ (§ 15), ‚communio fundi originaria‘ (§ 16).

Viertens lässt sich der vorletzte Absatz von § 6 sinnvoll unmittelbar an dessen Abs. 3 anschließen.8 In § 6 Abs. 3 wird nämlich die „Aufgabe“ gestellt, „zu zeigen“, wie ein synthetischer praktischer Satz a priori „möglich sei“, sofern er den Begriff des Besitzes zum Begriff des intelligiblen Besitzes erweitert. Genau diese Aufgabe ist es, die in den zwei letzten Absätzen von § 6 gelöst wird. Satz 1 des vorletzten Absatzes leitet diese Lösung ein mit dem Hinweis darauf, dass sie für den fraglichen praktischen Satz anders ausfallen muss als für einen theoretischen Satz a priori.

Fünftens schließlich folgt daraus, dass die letzten beiden Absätze von § 6 den Hauptteil der in der Überschrift zu § 6 angekündigten Deduktion enthalten,9 dass die typographische Form dieser Absätze sinnwidrig und fehlerhaft ist. Offenbar kam diese Form zustande, weil die zwei letzten Absätze missverstanden worden sind als unmittelbare Fortsetzung einer vermeintlich zu § 6 gehörenden Anmerkung, zu der ihrer Form nach die Absätze γ–ε gehören.

Die Entdeckung Buchdas und Tenbrucks musste die Frage auslösen, wohin die falsch plazierten Absätze α–ε gehören. Gehören sie in die Metaphysischen Anfangsgründe der Rechtslehre oder müssen sie, wie Tenbruck gefragt hat, als „eine der zahllosen Vorarbeiten Kants zu diesem Werk betrachtet werden?“10 – Tenbruck hat diese Frage unentschieden gelassen und sowohl vor einer ‘voreiligen Lokalisierung’ im Text der metaphysischen Rechtslehre als auch vor einer ‘rücksichtslosen Aussonderung’ aus ihm gewarnt: Im ersten Fall werde der Text verdorben, im zweiten verstümmelt.11 Dass die fünf Absätze als Vorarbeit zu betrachten sind, wäre nur dann auszuschließen, könnte man ihre Fehlplazierung „auf ein Versehen im Druck“ zurückführen. Tenbruck konnte im Gegenteil ausschließen, dass ein Versehen des Druckers die Ursache gewesen war. Denn in den Originaldrucken folgt α nicht unmittelbar auf einen Seitenwechsel, und ε geht keinem Seitenwechsel unmittelbar vorher.12 Tenbruck schloss auch aus, dass die Ursache in einer Vertauschung schon gesetzter, aber noch nicht umbrochener Spalten durch den Metteur bestanden habe. Hierbei nahm er an, man dürfe für den Umfang einer Spalte eine bestimmte „Zeilenzahl“ voraussetzen, wie sie Sitzler für den Satz der Prolegomena berechnet hatte, um die von Vaihinger behauptete Textverschiebung in dieser Schrift durch eine Spaltenvertauschung erklären zu können; Tenbruck meinte deshalb, man dürfe aus dem Umstand, dass die Zeilenzahl der Abschnitte α–ε in den Originaldrucken (= 76) um etwa ein Viertel kleiner ist als Sitzlers Zahl (= 100), darauf schließen, „daß der Irrtum sich nicht im Druck, sondern nur im Manuskript eingeschlichen haben kann, gleichviel, ob er nun auf Kant, den Abschreiber oder den Setzer zurückgeht.“13 Diesem Schluss hat allerdings eine sichere Grundlage gefehlt, da man nicht wirklich wissen kann, wie viele Zeilen pro Spalte beim Satz von § 6 gesetzt worden sind.14 Indessen hätte Tenbruck seine Schlussfolgerung, nach der sich schon in die (nicht erhalten gebliebene) handschriftliche Satzvorlage der Fehler in § 6 eingeschlichen habe, auf eine andere Beobachtung stützen können, nämlich darauf, dass die typographische Gestaltung der auf ε folgenden zwei letzten Absätze von § 6 in den Originaldrucken an die typographische Form der Absätze γ–ε angeglichen worden ist. Diese Angleichung muss Sache des Setzers gewesen sein und kann nur als Folge davon erklärt werden, dass bereits in der handschriftlichen Vorlage, nach der die Spalten gesetzt und gestaltet wurden, der Text von α–ε zwischen dem dritten und vorletzten Absatz von § 6 gestanden hat. Denn nur die Satzvorlage und eine in ihr enthaltene Anweisung, zwischen normalem und eingerücktem Text in α–ε zu unterscheiden, können beim Setzer das Missverständnis herbeigeführt haben, die beiden restlichen Absätze von § 6 seien eine Fortsetzung der aus γ–ε bestehenden Anmerkung und deshalb in derselben typographischen Form wie diese zu setzen.

Also hat die Vorlage, nach der § 6 gesetzt worden ist, die Absätze α–ε als Teil von § 6 enthalten. Daher durfte Tenbruck die Hypothese in Betracht ziehen, dass diese Absätze als Teil nicht der Rechtslehre Kants, sondern einer seiner Vorarbeiten zur Rechtslehre versehentlich in den § 6 hineingeraten sind. In Betracht zog er diese Hypothese nicht etwa darum, weil sie es verdient hätte, vorgezogen zu werden vor der Vermutung, der richtige Ort für α–ε sei innerhalb der Rechtslehre zu finden. Vielmehr forderte Tenbruck die Experten auf, mit Hilfe von „Kriterien […], wie sie der Sache nach in den Metaphysischen Anfangsgründen und in den von Reicke herausgegebenen ‘Losen Blättern’ vorliegen, […] die Stelle zu finden, an die der Einschub gesetzt werden muß, oder aber nachzuweisen, daß eine solche Stelle nicht existiert und der Einschub bloß als Vorarbeit anzusprechen ist“; dies sei „die Aufgabe“.15

Es ist die Aufgabe bis heute geblieben. Sie war in erster Linie als die Aufgabe zu verstehen, nach einer Stelle in den Metaphysischen Anfangsgründen der Rechtslehre zu suchen, an der nach sicheren textimmanenten Kriterien die Absätze α–ε nachweislich fehlen. Hierbei durfte zunächst vorausgesetzt werden, dass Kant, nachdem er jahrzehntelang an der Metaphysik der Sitten (länger als an der Critik der reinen Vernunft) gearbeitet hatte, ein Interesse daran haben musste, eine möglichst unmissverständliche, in allen Phasen ihrer Vorbereitung sorgfältig hergestellte und wohlgeordnete Vorlage seinem Verleger zur Drucklegung ihres ersten Teils übergeben zu können. Dieses Interesse ließ sich sogar dokumentieren. Eine Notiz Kants an der linken unteren Ecke einer Vorarbeit zur Tugendlehre lautet: „An Nicolovius. Ob das aparte Blatt Erster Theil das Privatrecht eingelegt ist. Weitläuftige Anmerkungen. Correcturbogen zu überschicken.“ (AA 23: 406 [textkritischer Apparat zu 406.21]) Vermutlich war sie aufgeschrieben worden als Erinnerungshilfe und aus Sorge, der Verleger Nicolovius könnte die Anweisung vergessen haben, ein nachgereichtes Blatt zum Privatrecht in die Satzvorlage einzuordnen.16

Dass die Absätze α–ε zum Text der Rechtslehre gehören, war auch darum wahrscheinlich, weil sie zwei formale Merkmale aufweisen, durch die sie von Kants Entwürfen zur Rechtslehre zu unterscheiden sind und erkennen lassen, dass sie in höherem Grad elaboriert sind als diese Vorarbeiten. Das erste Merkmal besteht in der erwähnten zweiteiligen Gliederung in ‚Text‘ und ‚Anmerkung‘ im Sinne von Abs. 2 der „Vorrede“ zur Rechtslehre (205.23–206.03). Als ‚Text‘ behandeln α–β das Thema ‚Privatbesitz eines Bodens‘ (250.22) allgemein, während die Absätze γ–ε, als zugehörige ‚Anmerkung‘, von ‚Niederlassung‘ als besonderem Fall von ‚Privatbesitz‘ (251.16) bzw. als besonderem Fall eines ‚rechtlichen Aktes‘ (251.19) handeln.17 Zwar kommen auch in Kants Vorarbeiten zurRechtslehre Anmerkungen vor. Dort sind dies einzelne Absätze, die mit der wörtlichen Kennzeichnung „Anmerkung“ beginnen, deren Aufgabe aber nicht mit derjenigen Funktion übereinstimmt, die Kants Vorrede Anmerkungen zuschreibt, nämlich der Funktion, einen Bezug ‚auf besondere Erfahrungsfälle‘ und auf die ‚empirische Rechtspraxis‘ herzustellen.18 – Das zweite formale Merkmal besteht im extensiven Gebrauch lateinischer Ausdrücke, die gleichbedeutenden deutschen Begriffsausdrücken in Klammern beigefügt sind. Wie auch sonst in seiner Rechtslehre fügt Kant in vieren der fünf Absätze α–ε bestimmten Begriffsausdrücken in Klammern lateinische Ausdrücke mit entsprechender Bedeutung bei (ähnlich wie es im 18. Jahrhundert andere Autoren der deutschsprachigen naturrechtlichen Literatur tun)19. Zwar macht Kant auch in seinen Vorarbeiten zurRechtslehre Gebrauch von lateinischen Ausdrücken, wenn auch längst nicht so häufig. Aber von den sieben in α–ε gebrauchten Termini ‚iure‘ (α), ‚de iure‘ (α), ‚communio fundi originaria‘ (γ), ‚communio primaeva‘ (γ), ‚sedes‘ (δ), ‚incolatus‘ (δ) und ‚titulus possessionis‘ (ε) kommen nur zwei in Kants Vorarbeiten vor: ‚iure‘ an zwei Stellen (AA 23: 249 [E 36] und 332 [F 14]) und ‚sedes‘ an einer Stelle (AA 23: 318 [E 57]).

Schließlich ist es gut möglich, dass es nur ein einziges Versehen gewesen ist, durch das der Fehler in § 6 verursacht worden ist. Denn nach ihrem Textumfang mussten die Absätze α–ε nicht (oder nur wenig) mehr als nur eine Seite eines Manuskriptblattes ausgefüllt haben.20 Der Fehler kann darum einfach dadurch zustande gekommen sein, dass dieses Blatt dem Verleger aus irgendeinem Grund später als die übrige Satzvorlage übergeben worden ist und dann versehentlich in den Text von § 6 so eingeordnet wurde, dass die auf ε unmittelbar folgende Seite mit dem vorletzten Absatz von § 6 begonnen hat.21 Infolgedessen mussten dann die beiden letzten Absätze von § 6 für die Fortsetzung einer vermeintlich mit γ–ε beginnenden Anmerkung zu § 6 gehalten werden.

2 Vermutungen zum richtigen Ort der falsch gesetzten Absätze aus § 6

Die Frage, woher die fünf Absätze stammen und wohin sie gehören, ist unterschiedlich beantwortet worden. Buchda hat es für wahrscheinlich gehalten, dass sie „an den Schluß des § 9“ gehören, als den er den Schluß der Anmerkung zu § 9 bezeichnet hat. In ihr kommt ebenso wie in ε die Formel ‚Wohl dem, der im Besitz ist‘ vor.22 Zur Begründung seiner Vermutung genügte Buchda eine kurze Inhaltsangabe zu § 9 und die Behauptung, es finde, was in § 9 „im allgemeinen“ ausgeführt wird, „seine Anwendung im besonderen“ im ersten der fünf Absätze: nämlich die „auf den provisorischen Bodenerwerb“. Diese Behauptung trifft nicht zu. Denn in § 9 ist keine Rede vom provisorischen Erwerb, nicht einmal vom Erwerb im allgemeinen. Erwerbung ist erst Thema in den §§ 10–17. In § 9 ist nur vom provisorischen Besitz die Rede, für den der Bodenerwerb kein Beispiel ist. Daraus, dass schon α nicht an § 9 anschließbar ist, folgt sogleich, dass ebenso auf β–ε nicht zutrifft, was Buchda sagt, wenn er behauptet: „Nachdem das Thema aber einmal auf den Boden gekommen ist, befinden sich auch die übrigen Ausführungen über die communio originaria, die communio primaeva usw. nicht außer allem Zusammenhang.“ Vom Textinhalt ganz abgesehen, käme ein sinnvoller Anschluß an § 9 Anm. schon darum nicht zustande, weil mit ihm zwei nicht-eingerückte Absätze an sie anschließen würden.

Reinhardt Brandt hat 1974 erwogen, α–ε sei an § 14 anzuhängen.23 Er meinte, der erste Satz in α schließe „vorzüglich“ an das in § 14 Abs. 1–2 behandelte Thema der Bemächtigung an, auch passe das Ende von ε gut zu § 15, in dem Kant sagt: „Der empirische Titel der Erwerbung war die auf ursprüngliche Gemeinschaft gegründete physische Besitznehmung […]“ (264.09–10), und man könne in diesem Satz „eine Rückbeziehung“ auf Abs. ε sehen, in dem es heißt: „Die erste Besitznehmung hat also einen Rechtsgrund (titulus possessionis) für sich, welcher der ursprünglich gemeinsame Besitz ist […]“ (251.30–32). Aber die §§ 14 und 15 widersetzen sich diesem Vorschlag. Die angenommene Rückbeziehung in § 15 existiert nicht, weil der „ursprünglich gemeinsame Besitz“, der in ε als „Rechtsgrund“ (Titel) der ersten Besitznehmung bezeichnet wird, nicht als empirischer Titel der Erwerbung angesehen werden kann. Dass er Rechtsgrund der ersten Besitznehmung ist, folgt ja, wie ε mit „also“ (251.30) andeutet, daraus, dass ein physischer Besitz als „erster Besitz“ zugleich „in dem ursprünglichen Gesammtbesitz enthalten“ ist, „der a priori den Grund der Möglichkeit eines Privatbesitzes enthält“, so dass es „eine Läsion“ ist, „den ersten Inhaber eines Bodens in seinem Gebrauch zu stören“ (251.27–30). Es kann auch keine Rede davon sein, dass α ‚vorzüglich‘ an § 14 anschließt. Denn α beginnt mit diesem Satz: „Auf solche Weise ist z. B. die Besitzung eines absonderlichen Bodens ein Act der Privatwillkür, ohne [sic] doch eigenmächtig zu sein“ (250.18 f.), während § 14 Abs. 2 darauf hinweist, dass die ‚Bemächtigung‘ eines ‚abgemessenen Bodens‘ auf ‚einseitigem Willen‘ beruht und insofernnicht „jedermann eine Verbindlichkeit auflegen“ kann (263.25). § 14 handelt davon, dass Okkupation (für sich genommen) eigenmächtig ist.

Brandt hatte nun allerdings nur unter Vorbehalt erwogen, § 14 enthalte die Absätze α–ε.24 Es sei nämlich

nicht anzunehmen, dass Kant den Text [von α–ε] in die Letztfassung [seiner Rechtslehre] übernehmen wollte, er kann z. B. dadurch in das endgültige Manuskript gelangt sein, dass Kant die Rückseite des Blattes für die Niederschrift des § 6 benutzte. […] Man wird beim Fehlen des Textes nicht zu der Annahme einer Lücke zwischen § 14 und § 15 gezwungen; man erfährt praktisch nichts, was man nicht aus den vorhergehenden §§ wüßte. Gravierender scheint jedoch, dass die Rechtslehre nirgendwo sonst als nur in den eingeschobenen Absätzen des § 6 von einem ‘Gemeinbesitz’ (250.20) spricht, der terminus technicus in der Letztfassung ist ‘Gesamtbesitz’ (261.02); der dem Gemeinbesitz entgegengesetzte Privatbesitz (250.22) erscheint in der Letztfassung ebenfalls nicht mehr (293.09 wird vom Privatbesitz gesprochen, jedoch in anderm Zusammenhang).

Brandt bringt hier die Hypothese zum Ausdruck, die Absätze α–ε seien eine bloße Vorarbeit Kants. Aber der von Tenbruck verlangte Nachweis fehlt. Die Behauptung, der Text von α–ε enthalte „nichts“, was nicht in „vorhergehenden §§“ stünde, bedürfte eines Textvergleichs, den Brandt nicht vornimmt. Auch lässt sich daraus, dass in α–ε Wörter vorkommen, die an anderen Stellen der Rechtslehre nicht oder nur einmal vorkommen, nicht schließen, dass α–ε nicht zur Rechtslehre gehörten. Denn einerseits würden solche Wörter, wenn sie in der Rechtslehre anderswo vorkämen, auch dort „in anderem Zusammenhang“ stehen. Andererseits könnten sie nach Brandts eigener Behauptung in α–ε „nichts“ ausdrücken, was die Rechtslehre vor § 14 nicht in anderer Form ausdrücken würde; nach Brandt scheint ‚Gemeinbesitz‘ und ‚gemeinsamer Besitz‘ (§ 13, 262.22) sowohl dasselbe als auch nicht dasselbe zu bedeuten.

Ähnlich wie Brandt hat Bernd Ludwig die Ansicht vertreten, die Absätze α–ε seien aus Kants Rechtslehre auszusondern.25 Nach seiner Ansicht sind sie an § 10 Abs. 5 (der gleichfalls auszusondern sei) anzuschließen, so dass sie mit ihm zusammen als „eine vollständige Vorarbeit zur Bodenerwerbung, die aus der Druckschrift entfernt werden muss“, anzusehen sind. Er meint: „Alles was diese Vorarbeit enthält, findet sich an anderen Stellen der Rechtslehre – in z. T. anderer Terminologie und inhaltlich abweichend.“ Ludwig wiederholt hiermit, was schon Brandt behauptet hat. Eine Begründung, für die ein ausführlicher Textvergleich nötig wäre, fehlt auch bei ihm.26 Unbegründet bleibt überdies seine stillschweigende Voraussetzung, es sei notwendig, § 10 Abs. 5 mit den Absätzen α–ε zusammenzufügen.27 Da α mit den Worten beginnt: „Auf solche Weise ist z. B. …“, müsste er nachgewiesen haben, von welcher Weise, auf die sich α bezieht, im vermeintlich vorangehenden Text die Rede ist und wofür α ein entsprechendes Beispiel bringt.

3 Der richtige Ort

Die These, die im Folgenden begründet werden soll, lautet: Die Absätze α und β gehören zu § 16 als dessen Absätze 3 und 4, und die Absätze γ–ε enthalten eine Anmerkung zu § 16.28 Im Folgenden soll nachgewiesen werden, dass ein unentbehrliches Stück in Kants Erwerbungslehre fehlte, würden α–ε nicht ans Ende von § 16 gesetzt.

Zunächst fällt auf, dass die in α–ε gebrauchten (und zum genaueren Verständnis dieser Absätze erläuterungsbedürftigen) Termini in den §§ 10–16 eingeführt und auf folgende Weise erläutert werden:

‚erwerben‘ (251.15 f., 251.35) = ‚machen, dass etwas mein wird‘ (§ 10, 258.05);

‚ursprünglich erwerben‘ (250.23 f.) = ‚ursprünglich ist diejenige Erwerbung, die nicht von dem Seinen eines Anderen abgeleitet ist‘ (§ 10, 258.07 f.);

‚uranfängliche Gemeinschaft‘ (251.04) = ‚Gemeinschaft, die als in der ersten Zeit der Rechtsverhältnisse unter Menschen gestiftet angenommen wird‘ (§ 10, 258.16–19);

‚Gesamtbesitz (einer Sache)‘ (251.09, 251.27) = ‚einzige Bedingung, unter der ich jeden anderen Besitzer vom Privatgebrauch der Sache ausschließen kann‘ (§ 11, 261.02–05);

‚Recht in einer Sache‘ (251.24) = ‚Recht des Privatgebrauchs einer Sache, in deren (ursprünglichem oder gestiftetem) Gesamtbesitz ich mit allen anderen bin‘ (§ 11, 261.01 f.);

‚Boden‘ (250.18–251.29 passim) = ‚bewohnbares Land‘ (§ 12, 261.29);

‚ursprüngliche Gemeinschaft des Bodens‘ (251.01) = ‚Grund der Möglichkeit der ursprünglichen Erwerbung eines Bodens‘ (§ 13, 262.12–14);

‚Sitz‘ (251.14) = ‚willkürlicher, mithin erworbener, dauernder Besitz‘ (§ 13, 262.20 f.);

‚angeborener Gemeinbesitz des Erdbodens‘ (250.20) = ‚unwillkürlicher, nicht erworbener und wegen der Einheit aller Plätze auf der Erdfläche als Kugelfläche gemeinsamer Besitz, der vor allem rechtlichen Act der Menschen vorhergeht (von der Natur selbst konstituiert ist) ‘ (§ 13, 262.20–28);

‚ursprünglicher Gesamtbesitz‘ (251.27) = ‚Besitz, dessen Begriff nicht empirisch und von Zeitbedingungen abhängig, sondern ein praktischer Vernunftbegriff ist, der a priori das Prinzip enthält, nach welchem allein die Menschen den Platz auf Erden nach Rechtsgesetzen gebrauchen können‘ (§ 13, 262.28–34);

‚erste Besitznehmung‘ (251.30) = ‚Anfang der Inhabung einer körperlichen Sache, der, als prior apprehensio, ein Act der Willkür ist‘ (§ 14, 263.04–09);

‚freier Boden‘ (250.28 und 35) = ‚keinem angehöriger Boden‘ (§ 15, 265.21 f.);

‚communio fundi originaria‘ (251.02) = ‚ursprünglicher Gesamtbesitz des Bodens der ganzen Erde‘ (§ 16 Abs. 1, 267.04 f.).

Schon diese Liste terminologisch gebrauchter Ausdrücke legt es nahe anzunehmen, dass den Absätzen α–ε (falls sie zur Rechtslehre gehören) der Text von § 10–§ 16 Abs. 2 vorausgegangen ist.

Ein erstes Indiz dafür, dass α–ε den § 16 ergänzen und dem § 17 unmittelbar vorhergehen, ist die Tatsache, dass an ε unmittelbar § 17 Abs. 1 anknüpft. Denn dieser beginnt mit den Worten: „Wir haben den Titel der Erwerbung in einer ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens, mithin unter Raums-Bedingungen eines äußeren Besitzes, […] gefunden“ (268.03–07). Was hiermit behauptet wird, folgt unmittelbar aus zwei Prämissen, die beide im letzten Satz von ε enthalten sind und sinngemäß behaupten:

(1)

Jede erste Besitznehmung hat ihren Rechtsgrund (titulus) im ursprünglich gemeinsamen Besitz (vgl. 251.30–32), nämlich dem des Bodens (vgl. δ–ε).

(2)

Jede (ursprüngliche) Erwerbung hat ihren rechtlichen Grund in einer ersten Besitznehmung (vgl. 251.34–36).

Aus (1) und (2) folgt:

(3)

Jede (ursprüngliche) Erwerbung hat ihren Rechtsgrund (titulus) im ursprünglich gemeinsamen Besitz des Bodens.

Satz (3) entspricht sinngemäß der Behauptung, die im ersten Satz von § 17 enthalten ist und voraussetzt, dass die Prämissen (1) und (2) gültig sind.

Die Tatsache, dass der Anfang von § 17 logisch unmittelbar an ε anschließt und die Absätze α–ε reichhaltigen Gebrauch von Termini machen, die vor § 16 Abs. 2 erläutert werden, lässt es nahezu evident erscheinen, dass der Text von α–ε keine bloße Vorarbeit zur Rechtslehre ist, sondern zu § 16 gehört. Um diese Zugehörigkeit zu beweisen, ist es nötig zu zeigen:

erstens, dass die (nicht eingerückten) Absätze α und β nach ihrem Wortlaut und Inhalt sinnvoll an den überlieferten Text von § 16 als Absätze 3 und 4 unmittelbar anschließen und dieser Text fragmentarisch, d. h. der Ergänzung durch diese Absätze bedürftig ist (These A), und

zweitens, dass die drei (eingerückten) Absätze γ–ε nicht nur als Anmerkung zu α–β, sondern als Anmerkung zu § 16 als ganzem gelten müssen (These B).

3.1 Beweis für These A

3.1.1 Absatz α = § 16 Absatz 3

Der erste Satz von α beginnt mit den Worten „Auf solche Weise ist z. B.“. Demnach hat er offenkundig die Aufgabe, einen Fall zu erwähnen, der im sogleich nachfolgenden Text behandelt wird als Beispiel für etwas, wovon im ursprünglich vorhergehenden Kontext von α die Rede gewesen sein muss. Wenn sich zeigen lässt, dass dieser Kontext aus den Absätzen 1–2 von § 16 bestanden hat, wird das erste Beweisziel von These A erreicht sein.

Es ist für Kants Rechtslehre ungewöhnlich, dass die Erwähnung und Erläuterung eines Beispiels den Inhalt eines Absatzes ausmacht, der nicht zur ‚Anmerkung‘, sondern zum ‚Text‘ eines Paragraphen gehört. Von welcher ‚Weise‘ in α die Rede ist und wofür das Beispiel steht, von dem α handelt, dürfte indessen verständlich werden, wenn man beachtet, dass § 16 laut Überschrift von einer Exposition handelt, nämlich von der „Exposition des Begriffs der ursprünglichen Erwerbung des Bodens“.29 Kants transzendentale Methodenlehre versteht unter ‚Exposition‘ die Erklärung eines (a priori oder empirisch) ‚gegebenen‘ Begriffs, der also nicht (wie ein mathematischer Begriff) durch Definition erst erzeugt wird (siehe KrV, B 756 f.). Eine Begriffsexposition muss nach Kants Erläuterung30 auf einer möglichst ausführlichen, möglichst vollständigen Analyse dieses Begriffs beruhen und kann daher nicht (wie die Definition eines mathematischen Begriffs) gleich am Anfang einer Abhandlung stehen. Nur in Sonderfällen kann die Exposition eines Begriffs in dessen Definition münden, wie z. B. die in § 4 gelieferte Exposition des Begriffs des äußeren Mein und Dein. Diese Exposition besteht nach Kants Darstellung in einer (gemäß der Kategorientafel) vollständigen Aufzählung denkbarer Fälle, in denen ‚äußere Gegenstände meiner Willkür‘ als mein (d. h. als Fälle eines intelligiblen Besitzes) gelten können. Wegen der Vollständigkeit dieser Aufzählung ist hier sogleich (in § 5) ein Übergang von der Exposition zur Definition des Begriffs des äußeren Mein und Dein möglich. Mit ihr soll für diesen Begriff eine Erklärung gegeben werden, die erstens ‚zureicht‘, um alles, was unter diesen Begriff fallen soll, von allem anderen ‚unterscheiden‘ zu können, zweitens aber auch ‚zureicht‘ zu einer ‚Deduktion‘ (d. h. zur Rechtfertigung) dieses Begriffs (als eines Prädikats von Gegenständen möglicher Erfahrung).31 – Für gewöhnlich scheitert allerdings (wie Kant erklärt) eine Definition gegebener Begriffe an dem Umstand, dass die „Ausführlichkeit“ ihrer Analyse „zweifelhaft“ ist und „nur durch vielfältig zutreffende Beispiele vermuthlich, niemals aber apodiktisch gewiß gemacht werden“ kann (KrV, B 756 f.). Nun ist der Begriff der „ursprünglichen Erwerbung des Bodens“ (267.02 f.) ein gegebener Begriff, der implizit den des intelligiblen Besitzes enthält, aber außerdem auf bestimmte empirische Bedingungen in Raum und Zeit Bezug nimmt, unter denen ein solcher Besitz entsteht. Darum ist zu erwarten, dass einer Deduktion dieses Begriffs (wie sie in § 17 erfolgt) nur eine solche Exposition vorhergehen kann,32 zu der es, um sie einer Definition wenigstens anzunähern, erforderlich ist, an einem denkbaren Fall exemplarisch deutlich zu machen, was es genau heißen soll, einen bestimmten Boden ursprünglich zu erwerben.

Gemäß dieser Erwartung ist das, was Satz 1 in α „Besitzung eines absonderlichen Bodens“ (250.18)33 nennt, als bestimmter exemplarischer Fall anzusehen, der deutlich machen soll, was es heißt, ein Fall von ursprünglicher Erwerbung zu sein. Satz 1 in α erwähnt denn auch sogleich den Gesichtspunkt, auf den es hierbei hauptsächlich ankommt, nämlich: auf welche „Weise“ die erwähnte Besitzung „ein Act von Privatwillkür ist, ohne doch eigenmächtig zu sein“. Der Zusatz ‚ohne doch eigenmächtig zu sein‘ spielt offensichtlich auf ein Sachproblem an, das in § 10 Abs. 5 (259.17–22) (anknüpfend an § 8, 256.05–10) und in den nachfolgenden §§ 11 (261.08–14), 14 (263.09–30) und 15 (264.20–22) erwähnt wird und darin besteht, einsichtig zu machen, was „nicht leicht einzusehen“ sei (259.21 f.), nämlich: Wie ein Akt einseitiger Willkür, in dem jede ursprüngliche Erwerbung besteht, „das Seine für jemanden begründen könne“ (259.21 f.). Der überlieferte Text von § 16 stellt dieses Problem als gelöst hin, zumindest nimmt er an, dass von demjenigen Erwerbungsakt, der aus zweien von drei Teilakten besteht, die nach § 10 Abs. 4 „Momente der ursprünglichen Erwerbung sind“ (apprehensio, declaratio und appropriatio) (258.28–259.04), gesagt werden darf, er sei, „ob er gleich nur einseitig ist, als gültig anzuerkennen“ (§ 16 Abs. 1, 267.20 f.) bzw. er stehe gleichwohl unter der „Gunst“ eines Gesetzes (§ 16 Abs. 2, 267.24 f.).

Kant bezeichnet mit dem Wort ‚Besitzung‘, das in α–ε dreimal vorkommt, teils den Akt, durch den etwas erworben wird (α, 250.23 f.), teils das Ergebnis dieses Akts: den erworbenen Besitz (γ, 251.08).34 Dieser Wortgebrauch verhält sich analog zu Kants Gebrauch von ‚Erwerbung‘, mit dem er sowohl den Akt des ‚Machens, daß etwas mein wird‘ (§ 10, 258.05) als auch das Ergebnis dieses Aktes, d. h. „das äußere Mein und Dein“ (§ 17, 268.08) bezeichnet. Dabei bezieht Kant das Wort ‚Besitzung‘, anders als ‚Erwerbung‘, ausschließlich auf Grund und Boden, wie man an den (wenigen) Stellen bemerken kann, an denen er dieses Wort gebraucht.35 In der Rechtslehre kommt es nur noch einmal vor: in § 50. Dort wird „die Provinz (in der Bedeutung, wie die Römer dieses Wort brauchten)“ als ‚Besitzung‘ eines Staates bezeichnet, der sich zu dieser Provinz „alsMutterland“ verhält, dessen Bürger in ihr aber keinen „Sitz“ haben (337.29–33). In dieser Bedeutung betrachtet Kant z. B. Irland als Besitzung des britischen Empire (vgl. § 58). Kants Physische Geographie erwähnt die „großen Besitzungen“ der Radschas in „Indostan“, die später „der ostindischen Compagnie einverleibt“ worden seien (AA 09: 387 f.), ebenso die „portugiesischen Besitzungen von Angola und Benguela“ (ebd. 412) sowie die „spanischen Besitzungen“ in Paraguay, die ehedem „ganz durch Jesuiten regiert“ worden seien (ebd. 431). Allen diesen Stellen ist gemeinsam, dass sie von Beispielen für Boden- (oder Land)besitz handeln, der als „Besitzung eines absonderlichen Bodens“ (α Satz 1) unter das fällt, was in § 16 Abs. 1 „besonderer Besitz auf dem [allen Menschen] gemeinsamen Boden“36 genannt wird. Dies bedeutet nicht, dass es sich immer um Beispiele ursprünglich und nicht eigenmächtig erworbenen Bodenbesitzes handeln würde.

Satz 1 von α setzt nun (mit „z. B.“) voraus, dass im Kontext, der ihm unmittelbar vorhergeht, die Aufgabe gelöst worden ist, für denjenigen „Act der Privatwillkür“, für den die „Besitzung eines absonderlichen Bodens“ ein Beispiel sein soll, (α, 250.18 f.) zu erklären, warum er dennoch nicht eigenmächtig ist. Satz 2 von α übernimmt daraufhin die Aufgabe, diesen Willkürakt vollständig zu beschreiben als einen Fall, in dem ‚ursprüngliche Erwerbung eines bestimmten Bodens‘ (α, 250.23 f.) stattfindet. Er leistet dies, indem er für alle drei Momente ursprünglicher Erwerbung (gemäß § 10 Abs. 4) angibt, auf welche Weise sie beitragen zu einem Akt, der zwar auf einseitiger Willkür beruht, aber dennoch nicht eigenmächtig ist.

Der erste Teil des zweiten Satzes in α handelt von einem Akt, der als ‚Sich-fundieren‘ (250.20) bezeichnet wird: Der Besitzer

fundirt sich auf dem angebohrnen Gemeinbesitze des Erdbodens und dem diesem a priori entsprechenden allgemeinen Willen eines erlaubten Privatbesitzes auf demselben (weil ledige Sachen sonst an sich und nach einem Gesetze zu herrenlosen Dingen gemacht werden würden) (250.19–23).37

‚Sich-fundieren‘ fasst zwei Akte zu einem Akt zusammen, die auch § 16 Abs. 1 als einen benennt: „den Act der Besitznehmung und Zueignung“, von dem es dort heißt, er sei, „ob er gleich nur einseitig ist, als gültig anzuerkennen“ (267.20 f.). In diesem Akt sind insofern (nach § 10 Abs. 4) zwei der drei Momente ursprünglicher Erwerbung (apprehensio und appropriatio) enthalten. Beide Momente sind auch im Akt des ‚Sich-fundierens‘ zu erkennen: Der Besitzer „fundirt sich“, indem er sich mit Grund und Boden versieht, d. h.:38 Er versieht sich erstens mit Boden, den er „auf dem angebohrnen Gemeinbesitze des Erdbodens“ in Besitz nimmt, und zweitens versieht er sich mit einem (für die Zueignung dieses Bodens hinreichenden) Grund, der auf dem (dem Gemeinbesitz des Erdbodens „entsprechenden“) „allgemeinen Willen“ beruht, es sei Privatbesitz eines Bodens erlaubt, „weil ledige Sachen sonst an sich und nach einem Gesetze zu herrenlosen Dingen gemacht werden würden“ (250.19–22). Auf den hier gebrauchten Ausdruck ‚angeborener Gemeinbesitz des Erdbodens‘ (250.20) verweist γ Satz 1 zurück mit den Worten: „Diese ursprüngliche Gemeinschaft des Bodens […]“. Damit stellt γ diesen Ausdruck als gleichbedeutend hin mit „communio fundi originaria“, dem Ausdruck, der in der Rechtslehre sonst nur in § 16 Abs. 1 Satz 1 vorkommt. Dieser Ausdruck bezeichnet den „Gesammt-Besitz des Bodens der ganzen Erde“ (267.04). Dass dieser Gesamtbesitz nach α dem ‚allgemeinen Willen eines erlaubten Privatbesitzes entspricht‘ (250.20–22), wird in § 16 Abs. 1 Satz 1 damit begründet, dass alle Menschen „mit dem ihnen von Natur zustehenden Willen (eines jeden)“, den Erdboden zu gebrauchen, „ursprünglich“ in diesem Gesamtbesitzsind, und dass dieser ihr Wille „allen Gebrauch“ des Erdbodens „aufheben würde“, wenn er nicht „zugleich das Gesetz“ für die Willkür aller Menschen „enthielte, nach welchem einem jeden ein besonderer Besitz auf dem gemeinsamen Boden bestimmt werden kann“ (267.04–11). Mit Hilfe dieses Satzes begründet Kant die im letzten Satz von § 16 Abs. 1 aufgestellte Behauptung: Wenn mit dem „Act der Besitznehmung und Zueignung“ gemäß dem „Gesetz der äußeren Erwerbung“ (267.18 f.) (d. h. nach dem in § 10 Abs. 3 genannten „Princip“) (258.22) verfahren werde und durch diesen Akt „provisorisch“ (d. h. „vor Gründung“ eines bürgerlichen Zustandes, aber „doch in Absicht“ auf ihn) ein Boden erworben werde, dann sei dieser Akt „als gültig anzuerkennen“, obgleich er „nur einseitig ist“ (267.17–23).39

Aus dem zweiten Teil des zweiten Satzes von α geht hervor, dass mit ‚fundieren‘ in 250.20 ein Akt provisorischer Erwerbung gemeint ist, durch den ein besonderer Besitz bestimmt, wenn auch nicht gesichert werden kann; vgl. § 9 (256.27–35), § 15 Anm. (266.28–31) und § 16 (267.11–17). Dieser Satzteil knüpft nämlich an den ersten Teil dieses Satzes an, indem er den darin beschriebenen Akt als „erste Besitzung“ bezeichnet (250.24 f.), durch die der Besitzer „ursprünglich einen bestimmten Boden“ erwerbe,

indem er jedem Andern mit Recht (iure) widersteht, der ihn im Privatgebrauche desselben hindern würde, obzwar als im natürlichen Zustande nicht von rechtswegen (de iure), weil in demselben noch kein öffentliches Gesetz existirt (251.24–27).

In ähnlicher Weise (allerdings ohneschon wie in α ausdrücklich von ursprünglicher Erwerbung zu sprechen) behauptet § 16 Abs. 2, eine provisorische (d. h. einstweilige), noch nicht peremtorische (noch nicht gesicherte) Bodenerwerbung habe eine

Gunst des Gesetzes (lex permissiva) in Ansehung der Bestimmung der Grenzen des rechtlich-möglichen Besitzes für sich: weil sie vor dem rechtlichen Zustande vorhergeht und, als bloß dazu einleitend, noch nicht peremtorisch ist, welche Gunst sich aber nicht weiter erstreckt, als bis zur Einwilligung Anderer (Theilnehmender) zu Errichtung des Letzteren, bey dem Widerstande derselben aber in diesen (den bürgerlichen) zu treten, und so lange derselbe währt, allen Effect einer rechtmäßigen Erwerbung bey sich führt, weil dieser Ausgang auf Pflicht gegründet ist (267.24–32).

Dieser Behauptung entspricht der aus α angeführte Teilsatz (250.23–27) in zweierlei Hinsicht. Erstens ist in ihm die Rede von einem „bestimmten“ ursprünglich erworbenen Boden (250.24). Diese Rede entspricht dem Umstand, dass sich nach § 16 Abs. 2 die ‚Gunst des Gesetzes‘ auf provisorische Erwerbung hinsichtlich der „Bestimmung“ der Grenzen rechtlich-möglichen Besitzes bezieht (267.24–26). Zweitens ist in ihm die Rede von einem (im „natürlichen Zustande“ geltenden) „Recht“ auf Widerstand gegen jeden, der den Besitzer „im Privatgebrauch“ seines Bodens hindert (250.25 f.). Dieses Recht entspricht der nach § 16 Abs. 2 bestehenden „Pflicht“ (aus dem Naturzustand herauszugehen), die jeder, der am Gesamtbesitz des Erdbodens teilnimmt, verletzt, solange er nicht ‚einwilligt‘ zur Errichtung eines bürgerlichen Zustandes (267.25–32), in dem erworbener Besitz erst gesichert werden kann. In beiderlei Hinsicht setzt § 16 Abs. 2 nur stillschweigend voraus, dass zur ursprünglichen Bodenerwerbung ein (gemäß § 10 Abs. 4) drittes Moment gehört: die Deklaration, d. h. das deutliche Zu-erkennen-Geben des Besitzes (hinsichtlich seiner bestimmten Grenzen) und des einseitigen Willens des Besitzers, „jeden Anderen davon abzuhalten“ (258.33–259.01). Weder in Abs. 1 noch in Abs. 2 von § 16 ist von einem solchen Akt die Rede, der als drittes Moment ursprünglicher Erwerbung angesehen werden könnte. Als dieses Moment ist aber der Akt anzusehen, von dem es in α heißt, der Besitzer erwerbe „einen bestimmten Boden, indem er jedem Andern mit Recht (iure) widersteht, der ihn im Privatgebrauch desselben hindert“ (250.24–26). Das Bestehen dieses Rechts „im natürlichen Zustande“ (250.26) entspricht dem Umstand, dass die „Gunst des Gesetzes (lex permissiva)“ sich „bis zur Einwilligung Anderer“ zur Errichtung eines bürgerlichen Zustandes „erstreckt“ (267.28 f.).

Der Umstand, dass die Absätze 1 und 2 von § 16 noch gar nicht von allen drei Momenten ursprünglicher Erwerbung, sondern nur von Besitznehmung und Zueignung als Momenten ‚provisorischer‘ Erwerbung reden (die als solche keineswegs mit ursprünglicher Erwerbung zusammenfällt), macht verständlich, warum diese Absätze die ursprüngliche Erwerbung eines Bodens als solche noch gar nicht explizit erwähnen, geschweige denn einen Ansatz zur Erklärung ihres Begriffs enthalten. Die Inhaltsbeschreibung von α zeigt insofern dreierlei: Erstens setzt der Inhalt und Wortlaut von Abs. α einen ihm vorhergehenden Kontext voraus, der dem Text von § 16 Abs. 1–2 genau entspricht. Zweitens wäre dieser Text ohne die Ergänzung durch α ein Fragment, das die in seiner Überschrift angezeigte Aufgabe einer Begriffsexposition ungelöst lässt. Drittens trägt Abs. α zu dieser Lösung dadurch bei, dass er gemäß Kants transzendentaler Methodenlehre für den Begriff ursprünglicher Bodenerwerbung eine Erklärung liefert, deren hinreichende Ausführlichkeit durch ein „vielfältig zutreffendes Beispiel“ (KrV, B 755) plausibel gemacht werden kann.

3.1.2 Absatz β = § 16 Absatz 4

Was trägt Abs. β zur Vervollständigung von § 16 bei? Der Absatz lautet in den Ausgaben von 1797 und 1798:

Wenn auch gleich ein Boden als frey[40], d. i. zu jedermanns Gebrauch offen angesehen, oder dafür erklärt würde, so kann man doch nicht sagen, daß er es[41] von Natur und ursprünglich, vor allem rechtlichen Act, frey sei. Denn auch das wäre ein Verhältniß zu Sachen, nämlich dem Boden, der jedermann seinen Besitz verweigerte, sondern, weil[42] diese Freyheit des Bodens ein Verbot für jedermann seyn würde sich desselben zu bedienen; wozu ein gemeinsamer Besitz desselben erfordert wird, der ohne Vertrag nicht statt finden kann. Ein Boden aber, der nur durch diesen frey sein kann, muß wirklich im Besitze aller derer (zusammen verbundenen) seyn, die sich wechselseitig den Gebrauch desselben untersagen, oder ihn suspendiren. (vgl. 250.28–37)

Mit diesen Sätzen wird ausgeschlossen, dass es einen Boden geben könnte, der auf andere Weise als aufgrund eines ursprünglichen Gesamtbesitzes ursprünglich zu erwerben wäre. Ein solcher Boden wäre ein Beispiel, an dem die Exposition des Begriffs ursprünglicher Bodenerwerbung gemäß § 16 scheitern würde. Diese Exposition kann daher nur dann richtig (d. h. ausführlich genug, präzise und deutlich) sein, wenn sie nicht an diesem Gegenbeispiel scheitert. Ein solches Beispiel gäbe es, wenn es – etwa in Analogie zum ‚freien Meer‘ (mare liberum) (§ 17, 269.37)43 – einen freien Boden geben würde, d. h. einen Boden, der „als keinem angehörig frei“ (§ 15 Anm., 265.21 f.) und deshalb „als frei, d. i. zu jedermanns Gebrauch offen, angesehen oder dafür erklärt würde“ (250.28 f.). Nun würde (so argumentiert Kant in β) von einem solchen Boden nicht gelten, er sei „von Natur“ und „ursprünglich, vor allem rechtlichen Act“ frei (250.29–31). Denn das müsste bedeuten, dass ein sachenrechtliches Verhältnis zum Boden bestünde, das es nicht geben kann, weil andernfalls (im Widerspruch zu § 11 Abs. 1, 260.20–29) der Boden als personifizierte Sache „jedermann seinen Besitz verweigerte“ (250.32). Die angenommene ‚Freiheit des Bodens‘ (nach der jeder den Boden nur gemeinsam mit anderen gebrauchen kann, ohne ihn ausschließlich, d. h. privat zu besitzen) könnte es vielmehr nur geben, wenn durch „ein Verbot für jedermann“ ein solcher Besitz verweigert würde, so dass es für jeden ausgeschlossen wäre, „sich“ eines Bodens „zu bedienen“ (250.33). Zu einem solchen Verbot ist aber (da niemand den Besitz oder Gebrauch einer Sache verbieten kann, die weder ihm allein noch ihm gemeinsam mit anderen gehört) „ein gemeinsamer Besitz“ des Bodens erforderlich, „der ohne Vertrag nicht statt finden kann“ (250.33–35). Folglich muss auch jeder freie Boden, da er nur durch Vertrag frei sein kann, schon „wirklich im Besitze aller derer (zusammen verbundenen) seyn, die sich wechselseitig den Gebrauch desselben untersagen, oder ihn suspendiren“ (250.35–37). Also setzt selbst ein freier Boden dessen ursprünglichen Gesamtbesitz voraus.

Mit dem Ende von β ist die zum Thema von § 16 gehörige Begriffsexposition zum Abschluss gebracht. Sie kann, wie dieser Absatz zeigt, nicht durch ein Gegenbeispiel widerlegt werden. Vielmehr muss der Begriff der ursprünglichen Gemeinschaft als unbrauchbar angesehen werden, wenn mit ihm Voraussetzungen verknüpft werden, die nach Abs. β unhaltbar sind. Zur Abwehr solcher Voraussetzungen weist Kant in der auf β folgenden Anmerkung (= Abs. γ, 251.01–12) die Gleichsetzung von ‚ursprünglicher Gemeinschaft‘ und ‚communio primaeva‘ zurück, die Ludwig Höpfner in § 43 seines Naturrechts des einzelnen Menschen von 1790 (S. 39) vorgenommen hat.44 Unter ‚communio primaeva‘ versteht Hoepfner (mit Pufendorf) eine „negative Gemeinschaft“, und diese bezeichnet er als „ursprüngliche Gemeinschaft aller Dinge“; von ihr nimmt er an, „im ursprünglichen Zustand“ dieser Gemeinschaft seien „Alle Sachen […] Niemand zugehörig“.45 Nach Auskunft seiner ‘Vorrede zur ersten Ausgabe’ von 1780 ist sein Naturrecht teilweise „nur ein Auszug aus dem Achenwallschen Buche“ (ebd. 2). Ähnlich wie Achenwall46 betrachtet Höpfner das Recht, „alles“ zu gebrauchen, „was außer dem Menschen auf dem Erdboden ist, und uns nützlich seyn kann“, als angeborenes Recht (ebd. 38 f.). „Alle Sachen“ seien „im ursprünglichen Zustand […] herrenlos, (res nullius)“ und „darin“ bestehe „die berühmte ursprüngliche Gemeinschaft aller Dinge (communio primaeva)“ (ebd. 39). Auch Achenwall (§ 108) nimmt an, alle Sachen seien ‚von Natur‘ (a natura) herrenlos (res nullius), es stehe ‚allen von Natur der Gebrauch der Dinge offen‘ (A natura usus rerum omnibus patet). Höpfner teilt Achenwalls Ansicht, zur ursprünglichen Erwerbung einer Sache genüge deren Okkupation (Achenwall § 116; Höpfner § 47 f.).

Kant fordert in γ (ohne Höpfner beim Namen zu nennen), zwischen ursprünglicher (originaria) und uranfänglicher (primaeva) Gemeinschaft zu unterscheiden; letztere kann nicht ursprünglich sein, denn sie hätte

aus einem Vertrag hervorgehen müssen, durch den alle auf den Privatbesitz Verzicht gethan, und ein jeder durch die Vereinigung seiner Besitzung mit der jedes Andern jenen in einen Gesammtbesitz verwandelt habe, und davon müßte uns die Geschichte einen Beweis geben. Ein solches Verfahren aber als ursprüngliche Besitznehmung anzusehen, und daß darauf jedes Menschen besonderer Besitz habe gegründet werden können und sollen, ist ein Widerspruch. (251.01–13)

Ein Widerspruch liegt vor, weil jeder Vertrag bereits ein rechtlicher Akt ist. Da ‚ursprünglich‘ so viel bedeutet wie ‚keinen rechtlichen Akt voraussetzend‘, ist weder ein vertragliches Zustandekommen des Gesamtbesitzes des Erdbodens (ohne den in einer uranfänglichen Gemeinschaft der Privatbesitz eines Bodens nicht hätte allgemein verboten worden sein können) widerspruchsfrei als ‚ursprüngliche Besitznehmung‘ anzusehen, noch ist es logisch möglich, dass ein ‚besonderer‘ ursprünglich erworbener Besitz auf den so zustande gekommenen Gesamtbesitz gegründet worden ist.

Als Kritik an Höpfners Gebrauch des Ausdrucks ‚ursprüngliche Gemeinschaft‘ ist Abs. γ ein Kommentar zu Abs. β. Er setzt voraus, was in β gezeigt werden sollte: dass der ursprüngliche Gesamtbesitz auch dann schon vorausgesetzt werden muss, wenn man annimmt, es könne einen Zustand geben (oder gegeben haben), in dem es keinen Privatbesitz an Boden gibt (bzw. gegeben hat). Insofern hebt Abs. γ hervor, dass Abs. β eine wichtige Ergänzung des ‚Texts‘ von § 16 ist.

Ohne die Ergänzung durch α und β ist dieser ‚Text‘, sofern er (nach der „Vorrede“, 205.09 f. und 206.01) zum ‚System‘ der ‚Metaphysik des Rechts‘ beitragen soll, ein Fragment. Für eine Metaphysik, die als Wissenschaft soll auftreten können und darum von der transzendentalen Methodenlehre Gebrauch zu machen hat, erfüllen die beiden überlieferten Absätze nicht alle Anforderungen, die nach dieser Lehre an eine Exposition des Begriffs ursprünglicher Bodenerwerbung zu stellen sind. Sie sind insofern auch unzureichend, um die Deduktion des Begriffs der ursprünglichen Erwerbung in § 17 vorzubereiten. Hierzu Näheres in Abschnitt 3.2.3.

3.2 Beweis für These B

3.2.1 Absatz γ = § 16 Anm. Absatz 1

Ein erstes (vom Beweis für These A unabhängiges) Anzeichen dafür, dass die eingerückten Absätze γ–ε als Anmerkung zu § 16 zu gelten haben, besteht darin, dass γ sogleich mit der im ersten Satz gebrauchten Bezeichnung ‚communio fundi originaria‘ (251.02) auf die in § 16 Abs. 1 (267.05) erwähnte ursprüngliche Gemeinschaft des Bodens mit der dort gebrauchten Bezeichnung ‚communio fundi originaria‘ (251.02) Bezug nimmt. Die Rechtslehre enthält keinen anderen Paragraphen, dessen ‚Text‘ diese Bezeichnung enthält. Da sie diese Bezeichnung im ‚Text‘ von § 16 Abs. 1 einführt, ist diese Bezugnahme sogar ein sicheres Indiz für die Zugehörigkeit der Absätze γ–ε als Anmerkung zu § 16.

Nun lässt sich von diesen Absätzen zeigen, dass sie auch im speziellen Sinn der Vorrede eine vom ‚Text‘ zu unterscheidende ‚Anmerkung‘ von § 16 sind: Während der ‚Text‘ eines Paragraphen abhandeln soll, ‚was Metaphysik ist‘ (Vorrede, 206.01), soll auf das, ‚was empirische Rechtspraxis ist‘, nur in einer zugehörigen ‚Anmerkung‘ Bezug genommen werden (ebd. 206.02–03). Ein erster rechtspraktischer Bezug wird in Abs. γ mit der Aussage zum Ausdruck gebracht, der durch ‚communio fundi originaria‘ bezeichnete Begriff der ‚ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens und hiermit auch der Sachen auf demselben‘47 sei eine „Idee, welche objective (rechtlich-practische) Realität hat“ (251.01–03). Worin ihre praktische ‚Realität‘ besteht, wird in γ nicht gesagt. Dass sie eine Idee ist, ergibt sich indirekt aus § 16 Abs. 1:

Alle Menschen sind ursprünglich in einem Gesammt-Besitz des Bodens der ganzen Erde (communio fundi originaria) mit dem ihnen von Natur zustehenden Willen (eines jeden) denselben zu gebrauchen (lex iusti), der wegen der natürlich unvermeidlichen Entgegensetzung der Willkür des Einen gegen die des Anderen allen Gebrauch desselben aufheben würde, wenn nicht jener zugleich das Gesetz für diese enthielte, nach welchem einem jeden ein besonderer Besitz auf dem gemeinsamen Boden bestimmt werden kann (lex iuridica). (267.04–11)

Demnach ist jedem Menschen mit der ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens, in der er sich (nach § 13) mit allen anderen Menschen befindet, ‚von Natur aus‘ (d. h. aufgrund seines angeborenen Rechts auf äußere gesetzliche Freiheit) (237.29–32) ‚zugestanden‘, den Erdboden ‚gebrauchen zu wollen‘. Im natürlichen Zustand, vor aller bürgerlichen Gesetzgebung, kann es allerdings noch kein aus ihr hervorgehendes Gesetz geben, nach der der Gebrauch eines Bodens durch die Willkür eines jeden mit dem Gebrauch dieses Bodens durch die Willkür jedes Anderen zusammen bestehen könnte. In diesem Zustand wäre es daher unvermeidlich, dass der Wille eines jeden, den Erdboden willkürlich zu gebrauchen, allen Bodengebrauch ‚aufheben‘ würde, wenn dieser Wille nicht auch ein ‚Gesetz für die Willkür enthielte‘, nach dem (gemäß dem Postulat der praktischen Vernunft aus § 2) ‚einem jeden ein besonderer Besitz auf gemeinsamem Boden bestimmt werden kann‘. Mit anderen Worten, dem ‚angeborenen Gemeinbesitz des Erdbodens‘ muss ‚der allgemeine Wille eines erlaubten Privatbesitzes a priori entsprechen‘ (α, 250.20–22). Dies bedeutet, dass im Begriff des ‚ursprünglichen Gesamtbesitzes des Bodens‘ (der schon in § 13 als ‚praktischer Vernunftbegriff‘ bezeichnet wird) der Begriff eines allgemeinen Willens enthalten ist, der jedem Menschen erlaubt, einen Boden privat in Besitz zu nehmen.

Dieser Begriff wird in § 15 „Idee“ genannt: „Idee eines a priori vereinigten (nothwendig zu vereinigenden) Willens Aller“ (264.17–19). In ihr liege (so heißt es dort) der „Vernunfttitel der Erwerbung“, und sie werde hier „stillschweigend vorausgesetzt“, weil durch „einseitigen“ Willen „Anderen eine Verbindlichkeit, die sie für sich sonst nicht haben würden, nicht auferlegt werden“ kann (264.17–22). Diese Voraussetzung entspricht der „rechtlichen Präsumtion“, die nach § 9 „im Naturzustande […] ein physischer Besitz […] für sich hat, ihn durch Vereinigung mit dem Willen Aller in einer öffentlichen Gesetzgebung zu einem rechtlichen zu machen“ (257.15–18). Diese Präsumtion hat ein physischer Besitz nach § 9 Anm. im Naturzustand dann für sich, „wenn nicht ein älterer Besitz eines Anderen von ebendemselben Gegenstande dawider ist“ (257.29 f.). Für den ersten Besitzer eines äußeren Gegenstandes darf insofern ein rechtlicher Vorrang (ein „Prärogativ des Rechts“) (257.20) vor jedem Anderen vorausgesetzt werden, der auf denselben Gegenstand Besitzansprüche erhebt. Nach § 15 darf diese Voraussetzung analog für jede erste physische Besitznehmung eines Bodens im Naturzustand gelten. Diese ist als solche zwar nur der „empirische Titel der Erwerbung“ (264.09), dem aber der rechtliche Titel einer „intellectuellen Besitznehmung […] correspondiren muß“, so dass ein erster Besitzergreifer sagen kann: „Was ich nach Gesetzen der äußeren Freiheit in meine Gewalt bringe und will, es solle mein sein, das wird mein“ (264.15 f.). Dieser rechtliche Titel ist mit dem in der Idee eines vereinigten Willens liegenden ‚Vernunfttitel‘ gemeint. Da der Zustand „eines zur Gesetzgebung allgemein wirklich vereinigten Willens“ der „bürgerliche Zustand“ ist, kann im Naturzustand „etwas Äußeres“ nur „in Conformität mit der Idee eines bürgerlichen Zustandes“ (also auch nur in Konformität mit der Idee eines vereinigten Willens) „ursprünglich erworben werden“; deshalb kann „nur provisorisch“ etwas Äußeres „ursprünglich erworben werden“ (§ 15, 264.22–27).

Aus diesen Sätzen ist zu entnehmen, dass die Idee, die in § 15 vorausgesetzt und in § 16 Abs. 1 mit dem (in § 13, 262.26–29, eingeführten) Begriff des ursprünglichen Gesamtbesitzes des Erdbodens verknüpft wird, eine rechtlich-praktische Bedeutung gemäß γ eben darum hat, weil in ihr allein ein vernünftiger Rechtsgrund für alle ursprüngliche Erwerbung liegt. Wenn nun aber ursprüngliche Erwerbung nurprovisorisch sein, also nur in einem Naturzustand stattfinden kann, wie lässt sich dann diese Idee auf empirische Rechtspraxis beziehen? Zur Beantwortung dieser Frage hilft es, das Folgende zu beachten.

Nach γ ist erst wieder im Abschnitt „Das Weltbürgerrecht“ (§ 62 Abs. 1) die Rede von der ‚ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens‘. Hier wird sie bezogen auf die Gemeinschaft, in der „alle Völker ursprünglich“ stehen (352.14 f.). Dies kann nach § 62 Abs. 1 (und gemäß § 13)48 nicht bedeuten, dass alle Völker in einer „rechtlichen Gemeinschaft des Besitzes (communio) und hiemit des Gebrauchs, oder des Eigenthums an demselben [dem Boden]“ stehen, vielmehr bestehe diese Gemeinschaft in der „physischen möglichen Wechselwirkung (commercium), d. i. in einem durchgängigen Verhältnisse eines zu allen Anderen, sich zum Verkehr untereinander anzubieten“, so dass sie „ein Recht“ haben,

den Versuch mit demselben [dem Verkehr] zu machen, ohne daß der Auswärtige ihm darum als einem Feind zu begegnen berechtigt wäre. – Dieses Recht, so fern es auf die mögliche Vereinigung aller Völker in Absicht auf gewisse allgemeine Gesetze ihres möglichen Verkehrs geht, kann das weltbürgerliche (ius cosmopoliticum) genannt werden. (352.15–25)49

Die restlichen Absätze von § 62 beziehen sich infolgedessen auf Rechtsfragen, zu denen der auf γ folgende Abs. δ die notwendigen rechtspraktischen Unterscheidungen genau darum liefert, weil das so bestimmte Weltbürgerrecht von allgemeinen Gesetzen handelt, die den Verkehr mit Völkern ermöglichen, die „keine Aussicht zu einer bürgerlichen Verbindung“ mit ihnen versprechen (§ 15, 266.12 f.), es aber ausschließen, mit „Gewalt den Anfang zu Gründung eines gesetzlichen Zustandes zu machen“ (353.31 f.).

3.2.2 Absatz δ = § 16 Anm. Absatz 2

In Abs. δ wird zwischen verschiedenen rechtlichen Akten einerseits (1) und verschiedenen, auf rechtlichen Akten beruhenden Arten des Bodenbesitzes andererseits (2) unterschieden. Die ersteren (1) werden weiter unterteilt in (a) die ‚Besitznehmung eines Bodens, in der Absicht ihn dereinst zu erwerben‘ (251.14–16) und (b) die ‚Niederlassung als zweiten rechtlichen Akt, der auf die Besitznehmung folgen oder auch ganz unterbleiben kann‘ (251.18–20). Bei den Arten des Bodenbesitzes (2) werden unterschieden (a) der ‚Sitz (sedes)‘ (251.14) (der nach § 13, 262.20 f. im ‚willkürlichen, mithin erworbenen, dauernden Besitz eines Platzes‘ besteht) und (b) die ‚Niederlassung (incolatus)‘ (= ‚Ansiedelung‘) als ‚fortdauernder Privatbesitz eines Platzes, der von der Gegenwart eines Subjekts auf demselben abhängt‘ (also physischer Besitz ist) und (als rechtlicher Besitz) ‚kein ursprünglicher, sondern von der Beistimmung Anderer abgeleiteter Besitz‘ ist (251.16–22). Für den Abschnitt „Das Weltbürgerrecht“ (= § 62) ist der Gebrauch der Begriffe der Niederlassung im Sinne von (1b) und (2b) und des Sitzes (als des Sitzes eines Volks) grundlegend. (Außerhalb von § 62 kommt das Wort ‚Niederlassung‘, das in δ ebenso wie ‚Sitz‘ gesperrt gedruckt ist, in der Rechtslehre sonst nicht mehr vor.) In § 62 bezeichnet Kant als Ansiedelung eine „Niederlassung“ auf „Küsten“, die einem Überseehandel treibenden Volk dazu diene, diese „mit dem Mutterland zu verknüpfen“. Eine solche Niederlassung gebe „zugleich Veranlassung dazu“, dass „Übel und Gewaltthätigkeit“, zu denen es dort komme, an „allen“ Orten unseres Globus „gefühlt“ werden (352.29–353.04).50 Dieser „mögliche Mißbrauch“ hebe zwar „das Recht des Erdbürgers“ nicht auf, den Verkehr mit allen Völkern „zu versuchen und zu diesem Zweck alle Gegenden der Erde zu besuchen“, aber dieses Recht enthalte „nicht ein Recht der Ansiedelung auf dem Boden eines anderen Volks (ius incolatus) […], als zu welchem ein besonderer Vertrag erfordert wird“ (353.04–353.09). Dies entspricht dem in δ Gesagten.

Von ‚Ansiedelung (incolatus)‘ unterscheidet Kant in § 62 nun weiter die ‚Anwohnung (accolatus)‘: „Es frägt sich aber, ob ein Volk in neuentdeckten Ländern eine Anwohnung (accolatus) und Besitznehmung in der Nachbarschaft eines Volks, das in einem solchen Landstriche schon Platz genommen hat, auch ohne seine Einwilligung unternehmen dürfe“ (353.10–13). Um diese Frage zu beantworten, unterscheidet Kant zwei Fälle: Entweder geschieht die Besitznehmung „in solcher Entlegenheit vom Sitz“ eines benachbarten Volkes, dass „im Gebrauch“ des Bodens niemand einem Anderen „Eintrag thut“; in diesem Fall sei „das Recht dazu nicht zu bezweifeln“ (353.14–16). Oder es befinden sich „Hirten- oder Jagdvölker“ als Einwohner in der Nachbarschaft („wie die Hottentotten, Tungusen und die meisten amerikanischen Nationen“) (353.17 f.). Da „deren Unterhalt von großen öden Landstrecken abhängt“ (353.81 f.), sei zur Besitznehmung des Bodens – als einem Fall von Niederlassung im Sinne von δ – ein Vertrag nötig, der „nicht mit Benutzung der Unwissenheit jener Einwohner in Ansehung der Abtretung solcher Ländereien geschehen“ darf (353.19–21).51 Anwendung von „Gewalt“ gegen solche Völker ist unzulässig (353.19). Dies entspricht § 62 Abs. 1, in dem es heißt, dass es nicht erlaubt sei, indigenen Völkern (die mit allen anderen Völkern „ursprünglich in einer Gemeinschaft des Bodens“ stehen) „als einem Feind zu begegnen“ (352.21).

Der enge thematische Zusammenhang zwischen § 62 und den Absätzen γ und δ als Teilen von § 16 Anm. macht darauf aufmerksam, dass dem § 16 in Verbindung mit dem Abschnitt ›Das Weltbürgerrecht‹ die Rolle zufällt, die letzte Frage eines Katalogs von Fragen zu beantworten, als den man die (§ 16 unmittelbar) vorhergehende Anmerkung zu § 15 anzusehen hat. Sie lautet:

Zuletzt kann noch gefragt werden: ob, wenn uns weder die Natur noch der Zufall, sondern bloß unser eigener Wille in Nachbarschaft mit einem Volk bringt, welches keine Aussicht zu einer bürgerlichen Verbindung mit ihm verspricht, wir nicht in der Absicht diese zu stiften und diese Menschen (Wilde) in einen rechtlichen Zustand zu versetzen (wie etwa die amerikanischen Wilden, die Hottentotten, die Neuholländer) befugt sein sollten, allenfalls mit Gewalt, oder (welches nicht viel besser ist) durch betrügerischen Kauf Colonien zu errichten und so Eigenthümer ihres Bodens zu werden und ohne Rücksicht auf ihren ersten Besitz Gebrauch von unserer Überlegenheit zu machen; zumal es die Natur selbst (als die das Leere verabscheuet) so zu fordern scheint, und große Landstriche in anderen Welttheilen an gesitteten Einwohnern sonst menschenleer geblieben wären, die jetzt herrlich bevölkert sind, oder gar auf immer bleiben müßten, und so der Zweck der Schöpfung vereitelt werden würde. Allein man sieht durch diesen Schleier der Ungerechtigkeit (Jesuitism), alle Mittel zu guten Zwecken zu billigen, leicht durch; diese Art der Erwerbung des Bodens ist also verwerflich.

Die Unbestimmtheit in Ansehung der Quantität sowohl als der Qualität des äußeren erwerblichen Objects macht diese Aufgabe (der einzigen ursprünglichen äußeren Erwerbung) unter allen zur schwersten sie aufzulösen. Irgend eine ursprüngliche Erwerbung des Äußeren aber muß es indessen doch geben; denn abgeleitet kann nicht alle sein. Daher kann man diese Aufgabe auch nicht als unauflöslich und als an sich unmöglich aufgeben. Aber wenn sie auch durch den ursprünglichen Vertrag aufgelöset wird, so wird, wenn dieser sich nicht aufs ganze menschliche Geschlecht erstreckt, die Erwerbung doch immer nur provisorisch bleiben. (266.10–37)52

Die Überschrift zu § 15 bringt die zentrale These dieses Paragraphen zum Ausdruck und lautet: „Nur in einer bürgerlichen Verfassung kann etwas peremtorisch, dagegen im Naturzustande zwar auch, aber nur provisorisch erworben werden.“ (264.02–04) Ursprüngliche Erwerbung kann, da sie auf einseitiger Willkür beruht, nur provisorisch sein (264.26 f.). Dementsprechend besteht die Anmerkung zu § 15 aus Fragen und vorläufigen Antworten, die sich auf die quantitative und qualitative Bestimmung von Objekten beziehen, die im Naturzustand ursprünglich erworben werden können. Dabei ist der Naturzustand, auf den Kant seinen Blick wirft, keine historisierende Fiktion, sondern der in der Gegenwart bestehende nicht-rechtliche Zustand, in dem sich Völker im Hinblick auf erwerbliche bzw. erworbene Objekte zueinander verhalten. Vorbild für den Katalog von Fragen in § 15 Anm. dürften die Fragen sein, die Rousseau in Kapitel IX von Buch I seines Contrat social aufwirft, direkt nachdem er drei allgemeine ‚Bedingungen‘ (conditions) des ‚Rechts der ersten Bemächtigung‘ eines Landes (terrein) aufgezählt hat: Erstens müsse das Land unbesiedelt sein; zweitens dürfe man nur so viel okkupieren, wie man zur Subsistenz braucht; und drittens dürfe man, was man okkupiert, nicht durch eine leere Zeremonie in Besitz nehmen, sondern ‚durch Arbeit (travail) und Bebauung (culture), dem einzigen Zeichen des Eigentums (seulsigne de propiété), das mangels eines rechtlichen Titels von anderen respektiert werden müsse‘ (Du Contrat Social 1762, 46.). Keine dieser drei Bedingungen lässt Kant gelten; dies zeigen bereits seine vorläufigen Antworten in § 15 Anm.:

„Bearbeitung des Bodens (Bebauung, Beackerung, Entwässerung u. dergl.)“ ist keineswegs „zur Erwerbung desselben nothwendig“ (265.10–12) und nicht das einzige „Zeichen der Besitznehmung“, sondern man kann es „durch viele andere, die weniger Mühe kosten, ersetzen“ (265.17–19). Die auf John Locke zurückgehende Meinung, der Rechtsgrund ursprünglicher Bodenerwerbung bestehe in der ‚ersten Bearbeitung, Begrenzung, oder überhaupt Formgebung eines Bodens‘ (§ 17, 268.31 f.), läuft nach Kants Ansicht auf nichts Anderes hinaus als auf eine Personifizierung von Sachen, nämlich auf den Gedanken, man könne Sachen verpflichten und „unmittelbar gegen sie ein Recht“ haben, „gleich als ob jemand sie sich durch an sie verwandte Arbeit verbindlich machen könne, keinem Anderen als ihm zu Diensten zu stehen“ (ebd. 269.7–9; vgl. § 11, 260.25).53

Die von Locke und seinen Nachfolgern als Rechtsgrund der ersten Bemächtigung eines Bodens vorgestellte Arbeit besteht im Privatgebrauch dieses Bodens. Damit setzt sie bereits das Recht voraus, ihn (mitsamt den Sachen, die sich auf ihm befinden) privat zu gebrauchen, und damit (nach Abs. α) auch das ‚Recht (ius)‘, jedem Anderen zu widerstehen, der diesen Privatgebrauch behindern würde (250.25 f.). Wie weit sich der Boden erstreckt, den man als erster in Besitz zu nehmen befugt ist, hängt deshalb nicht von der Menge der Arbeit ab, die man in ihn investiert, auch nicht von den Subsistenzbedürfnissen, sondern davon, wie weit „das Vermögen“ reicht, „ihn in seiner Gewalt zu haben“, d. h. so weit, wie „der, so ihn sich zueignen will, ihn vertheidigen kann“ (265.02–04).54

Dies bedeutet nicht etwa, dass ‚Gewalt‘ (violentia) darüber entscheiden könnte, ob man ein Recht hat, Boden, den man sich zueignen will, ursprünglich zu erwerben. Gewaltsame Erwerbung ist vielmehr (nach Kants Antwort auf die letzte Frage in § 15 Anm.) „verwerflich“ (266.26 f.), selbst wenn sie scheinbar „guten Zwecken“ dient wie dem, „große Landstriche in anderen Welttheilen“ zu besiedeln, die an (seßhaften) „gesitteten Einwohnern sonst menschenleer geblieben wären, die jetzt herrlich bevölkert sind, oder gar auf immer bleiben müßten“ (266.20–23). Die erste Bedingung des Rechts zur ursprünglichen Erwerbung eines Landes kann daher nicht darin bestehen, dass dieses Land (von sesshaft lebenden Menschen) unbesiedelt oder unbewohnt ist.

Nach § 16 Abs. 1 und γ sowie nach § 62 Abs. 1 besteht sie vielmehr darin, dass alle Menschen und alle Völker „ursprünglich in einer Gemeinschaft des Bodens“ stehen. Erst die Vervollständigung von § 16 durch die Absätze α–δ lässt erkennen, dass dieser Paragraph einen grundlegenden Beitrag leisten soll zur Lösung einer Aufgabe, die im letzten Absatz von § 15 Anm. als „Aufgabe“ bezeichnet wird, die „unter allen“ am „schwersten“ aufzulösen sei (265.29–31).

3.2.3 Absatz ε = § 16 Anm. letzter Absatz

Abs. ε macht zum Thema, was zum empirischen, ‚bloß physischen‘ Besitz eines Bodens hinzukommen muss, damit man von ihm sagen kann, er sei ‚ein Recht in einer Sache, das hinreicht, ihn als das Meine anzusehen‘ (251.23–25). Der entscheidende Rechtsgrund ist nach ε nicht der ‚empirische Titel‘, als der nach § 15 die ‚physische Besitznehmung‘ eines Bodens anzusehen ist (264.09 f.), sondern der ursprüngliche Gesamtbesitz des Erdbodens, der als Rechtsgrund jeder ersten Besitznehmung eines bestimmten Bodens schon zugrunde liegt und auf dem nach α ‚das Recht (ius)‘ beruht, vom Boden ungehinderten ‚Privatgebrauch‘ zu machen (250.25 f.). Dieser Rechtsgrund entspricht der in § 11 aufgestellten ‚Realdefinition‘ (260.33), mit der Kant den Begriff des ‚Rechts in einer Sache (ius reale, ius in re)‘ (260.14 f.) erklärt, indem er darauf Rücksicht nimmt, dass Sachen auch dann, wenn sie uns zu Diensten stehen oder sogar uns gehören, keineswegs verbunden sind, keinem Anderen als uns zu Diensten zu stehen.55 Nach dieser Definition besteht das „Recht in einer Sache“ im „Recht des Privatgebrauchs einer Sache, in deren (ursprünglichen, oder gestifteten) Gesammtbesitze ich mit allen andern bin“ (260.33–261.02). Kant nimmt hiermit an, dass der Gesamtbesitz einer Sache, in dem ‚ich mit allen andern bin‘, die „einzige Bedingung“ ist,

unter der es allein möglich ist, daß ich jeden anderen Besitzer vom Privatgebrauch der Sache ausschließe (ius contra quemlibet huius rei possessorem), weil, ohne einen solchen Gesammtbesitz vorauszusetzen, sich gar nicht denken läßt, wie ich, der ich doch nicht im Besitz der Sache bin, von Andern, die es sind, und die sie brauchen, lädirt werden könne. – Durch einseitige Willkür kann ich keinen Andern verbinden, sich des Gebrauchs einer Sache zu enthalten, wozu er sonst keine Verbindlichkeit haben würde: also nur durch vereinigte Willkür Aller in einem Gesammtbesitz. Sonst müßte ich mir ein Recht in einer Sache so denken: als ob die Sache gegen mich eine Verbindlichkeit hätte, und davon allererst das Recht gegen jeden Besitzer derselben ableiten; welches eine ungereimte Vorstellungsart ist. (261.03–14)

Aus den in ε ausdrücklich gemachten Prämissen (1) „Die erste Besitznehmung hat also einen Rechtsgrund (titulus possessionis) für sich, welcher der ursprünglich gemeinsame Besitz [des Erdbodens] ist,“ (251.30–32) und (2) „zur [ursprünglichen] Erwerbung“ gibt es „einen rechtlichen Grund“, der „die erste Besitznehmung“ ist, (251.35 f.) folgt logisch Satz (3) (= Satz 1 von § 17): „Wir haben den Titel der Erwerbung in einer ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens […] gefunden.“

Die logische Form des Schlusses aus den Prämissen (1) und (2) auf Satz (3) (mit dem der oben auf S. 77 f. wiedergegebene Schluss sinngemäß übereinstimmt) wird in § 17 Abs. 1 in anderer Weise beschrieben:

Wir haben den Titel der Erwerbung in einer ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens, mithin unter Raums-Bedingungen eines äußeren Besitzes, die Erwerbungsart aber in den empirischen Bedingungen der Besitznehmung (apprehensio), verbunden mit dem Willen, den äußeren Gegenstand als den seinen zu haben, gefunden. Nun ist noch nöthig die Erwerbung selbst, d. i. das äußere Mein und Dein, was aus beiden gegebenen Stücken folgt, nämlich den intelligibelen Besitz (possessio noumenon) des Gegenstandes, nach dem, was sein Begriff enthält, aus den Principien der reinen rechtlich-praktischen Vernunft zu entwickeln. (268.03–11)

Drei ‚Stücke‘ werden hier aufgezählt: ‚Titel der Erwerbung‘, ‚Erwerbungsart‘ und die ‚Erwerbung selbst‘. Die ‚Erwerbung selbst‘ ist (nach dieser Aufzählung) ‚das äußere Mein und Dein‘, d. h. der ‚Gegenstand‘ des intelligiblen Besitzes, der aus den beiden ersten, schon ‚gegebenen Stücken folgt‘. Die aufgezählten drei Stücke entsprechen (in umgekehrter Reihenfolge) den drei Gesichtspunkten, unter denen die verschiedenen Arten äußerer Erwerbung gemäß § 10 eingeteilt werden können, insofern sie einteilbar sind nach ihrem „Rechtsgrunde (titulus)“, ihrer „Erwerbungsart“ und ihrem „Object“ (259.31–260.09). Inwiefern „folgt“ das dritte Stück, der Gegenstand (das Objekt) ursprünglicher Erwerbung, aus den ersten beiden „gegebenen“ Stücken?

Diese Frage lässt sich beantworten, weil man annehmen darf, dass der Schlusssatz

(3*)

Die (ursprüngliche) Erwerbung hat ihren Titel (Rechtsgrund) in der ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens (268.03 f.),

gültig ist, weil gemäß ε die Sätze

(1*)

Die erste Besitznehmung hat ihren Titel (Rechtsgrund) in der ursprünglichen Gemeinschaft des Bodens (vgl. 251.23–32), und

(2*)

Die (ursprüngliche) Erwerbung hat ihren rechtlichen Grund in der ersten Besitznehmung (vgl. 251.34–36).

gültig sind. Dass sie es sind, wird im letzten Satz des Absatzes ε ausgedrückt, der als ganzer so lautet:

Der bloße physische Besitz (die Inhabung) des Bodens ist schon ein Recht in einer Sache, obzwar freilich noch nicht hinreichend, ihn als das Meine anzusehen. Beziehungsweise auf Andere ist er, als (so viel man weiß) erster Besitz, mit dem Gesetz der äußern Freiheit einstimmig und zugleich in dem ursprünglichen Gesammtbesitz enthalten, der a priori den Grund der Möglichkeit eines Privatbesitzes enthält; mithin den ersten Inhaber eines Bodens in seinem Gebrauch desselben zu stören, eine Läsion. Die erste Besitznehmung hat also einen Rechtsgrund (titulus possessionis) für sich, welcher der ursprünglich gemeinsame Besitz ist, und der Satz: wohl dem, der im Besitz ist (beati possidentes)! weil Niemand verbunden ist, seinen Besitz zu beurkunden, ist ein Grundsatz des natürlichen Rechts, der die erste Besitznehmung als einen rechtlichen Grund zur Erwerbung aufstellt, auf den sich jeder erste Besitzer fußen kann. (251.23–36)56

Dieser Absatz ε macht zunächst verständlich, warum das zweite ‚Stück‘, von dem sein letzter Satz handelt, in § 17 als ‚Erwerbungsart‘ bezeichnet wird. Denn er macht zum Thema, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein physischer Besitz des Bodens erworbenes ‚Recht in einer Sache‘ werden kann. Der bloße physische Besitz ist schon ein solches Recht, „obzwar freilich noch nicht hinreichend, ihn als das Meine anzusehen“ (251.24 f.). Als ‚Inhabung‘ eines Bodens ist er nur ein ‚angeborenes Mein‘ (237.24), kein erworbenes Recht. Erst die Erfüllung bestimmter empirischer Bedingungen, unter denen die Sätze (1*) und (2*) für ein bestimmtes Vorkommen („soviel man weiß“) erster physischer Besitznehmung in Raum und Zeit gültig sind, führt die Erwerbung eines Bodens herbei. Diese Bedingungen sind es, die § 17 als zweites ‚gegebenes Stück‘ bezeichnet: die „empirischen Bedingungen der Besitznehmung (apprehensio), verbunden mit dem [einseitigen] Willen, den äußeren Gegenstand als den seinen zu haben“ (268.05–07). Durch Erfüllung dieser Bedingungen kommt die besondere „Form (Erwerbungsart)“ ursprünglicher Erwerbung zustande, d. h. die Form, an die ein „Sachenrecht“ gebunden ist (siehe § 10 Ziffer 2 der Einteilung der Erwerbung des äußeren Mein und Dein, 260.01 f.).

Erworbenes Recht, einen Boden zu besitzen, gibt es aber nur, wenn auch ein Rechtsgrund (Titel) zur ersten Besitznehmung, das erste ‚Stück‘, ‚gegeben‘ ist. Nach Satz (1*) ist dieses Stück der ursprüngliche Gesamtbesitz des Erdbodens; ‚gegeben‘ ist es „unter Raums-Bedingungen eines äußeren Besitzes“ (268.03 f.) (in der Form äußerer Anschauung).

Dass nun aus „beiden gegebenen Stücken“ als drittes Stück „das äußere Mein und Dein“, das Objekt ursprünglicher Erwerbung „folgt“ (268.08 f.), kann zunächst nur bedeuten, dass Satz (3*) eben darum gültig ist, weil die (als ‘Stücke’ bezeichneten) Bedingungen, unter denen die Sätze (1*) und (2*) gültig sind, als erfüllt gelten können. Implizit bedeutet es dann aber auch, dass ein aus (3*) unmittelbar folgender Schlusssatz gültig ist. Denn weil ich etwas erwerbe, „wenn ich mache (efficio), daß etwas mein werde“ (§ 10, Satz 1) (258.05), folgt aus (3*) für jede ursprüngliche Erwerbung eines äußeren Gegenstands unmittelbar: 57

(4*)

Dieser Gegenstand ist mein.57

Dieses Meine ist, weil es von jeweils gegebenen empirischen Bedingungen abhängt, ein erworbener rechtlicher, intelligibler Besitz (possessio noumenon) (§ 17, 268.09). Die Deduktion dieses Begriffs ist Gegenstand von § 17. Sie besteht in der Aufgabe, „aus den Principien der rechtlich-practischen Vernunft zu entwickeln“, was „der Begriff“ der Erwerbung (verstanden als äußeres Mein und Dein) „enthält“ (268.07–11). Diese Deduktion verhält sich zur Exposition in § 16 wie die Deduktion des Begriffs des bloß rechtlichen Besitzes eines äußeren Gegenstandes in § 6 zur Exposition und Definition dieses Begriffs in § 4 bzw. § 5. Denn sie beruht ebenso wie diese Deduktion (vgl. § 6, 251.37–252.10) auf der Möglichkeit einer Abstraktion. Nur besteht die Abstraktion, von der § 17 handelt, im Absehen von den besonderen in Raum und Zeit vorkommenden empirischen Bedingungen ursprünglicher Erwerbung S. § 17, 268.20–30, und § 19 Anm., 273.25–29).58 § 17 näher in Betracht zu ziehen, gehört indessen nicht zum Thema dieses Aufsatzes.

Auf die Gültigkeit der Konklusion (4*) und auf den besonderen Rechtsgrund der Zueignung, von dem die in ε explizierten Prämissen dieses Schlusssatzes handeln, kommt Kant allerdings schon in § 10 („Allgemeines Princip der äußeren Erwerbung“) Abs. 4 zu sprechen. Dies geschieht gleich im Anschluss an die Aufzählung der drei Momente dieses Prinzips und der ihnen zuzuordnenden drei Momente ursprünglicher Erwerbung, zu denen als letztes Moment gehört die Zueignung „als Act eines äußerlich allgemein gesetzgebenden Willens (in der Idee), durch welchen jedermann zur Einstimmung mit meiner Willkür verbunden wird“:

Die Gültigkeit des letzteren Moments der Erwerbung, als worauf der Schlußsatz: der äußere Gegenstand ist mein, beruht, d. i. dass der Besitz als ein bloß rechtlicher gültig (possessio noumenon) sei, gründet sich darauf: dass, da alle diese Actus rechtlich sind, mithin aus der praktischen Vernunft hervorgehen, und also in der Frage, was Rechtens ist, von den empirischen Bedingungen des Besitzes abstrahirt werden kann, der Schlußsatz: der äußere Gegenstand ist mein, vom sensibelen auf den intelligibelen Besitz richtig geführt wird. (259.01–11)

Dieser Satz ist so zu verstehen, dass er mahnt, nicht zu übersehen, dass die Gültigkeit des Schlusses, auf dem Satz (4*) beruht, nur zustande kommt, wenn man Rücksicht nimmt auf das, was schon unmittelbar vor § 10 (nämlich in § 9 und § 9 Anm.) über physischen (= sensiblen) Besitz gesagt wird. Denn hiervon hängt ab, dass die Prämissen (1*) und (2*) nicht in unterschiedlichem Sinn von einem Rechtsgrund (Titel) reden und zu einer Konklusion führen, die nicht auf einem Fehlschluss beruht.

§ 10 Abs. 4 lenkt die Aufmerksamkeit darauf, dass die Sätze (1*) und (2*) als Prämissen für (3*) nur dann tauglich sind, wenn die in ε vorkommende Rede von einem Rechtsgrund (dem ersten ‚Stück‘ nach § 17) in beiden Sätzen denselben Sinn haben. Das heißt, in beiden Sätzen muss mit diesem Grund die Idee des im Gesamtbesitz des Erdbodens vereinigten Willens Aller (vgl. § 11, 261.10 f., und § 10, 259.02 f.) gemeint sein. Daher kann in ε mit dem „rechtlichen Grund zur Erwerbung“ (251.35), als der „die erste Besitznehmung“ gemäß einem „Grundsatz des natürlichen Rechts“ zu gelten habe (251.34–36), nicht der ‚empirische Titel der Erwerbung‘, sondern nur der ihm korrespondierende ‚Vernunfttitel‘ aus § 15 gemeint sein. Abs. ε weist auf diesen Umstand hin. Denn der ‚Grundsatz des natürlichen Rechts‘, als der in ε der Satz ‚beati possidentes!‘ bezeichnet wird (251.32–34), gesteht nach der Interpretation, die Kant ihm in § 9 Anm. gibt, jedem ersten Besitzer ein im Naturzustand gültiges ‚Prärogativ‘ (257.20) zu, das nach § 15 analog für jede erste Besitznehmung eines Bodens im Naturzustand zu gelten hat. Dieses Prärogativ beruht auf der Konformität einer ursprünglichen Erwerbung durch erste Besitznehmung mit der Idee des vereinigten Willens Aller (vgl. 3.2.1 oben S. 23 f.). Die ursprüngliche Erwerbung hat daher ihren Rechtsgrund in der ersten Besitznehmung, nur insofern diese der Idee des vereinigten Willens Aller konform ist. Konform ist sie mit ihr, weil sie ein Akt ist, der a priori mit dem ‚Prinzip der äußeren Erwerbung‘ (§ 10 Abs. 3) übereinstimmt (vgl. § 14, 263.04–09, § 15, 264.29–35, ε, 251.25–27).

Würde man Abs. ε und mit ihm die Absätze α–δ nicht § 16 zuordnen, so würde § 10 Abs. 4 völlig rätselhaft bleiben. Man wüßte nicht, dass er auf denselben logischen Sachverhalt Bezug nimmt wie Kants Rede in § 17 von einem ‚äußeren Mein und Dein‘, das aus zwei ‚gegebenen Stücken folgt‘.59 Offensichtlich ist aber gerade diese Beziehung grundlegend für das adäquate Verständnis des ganzen Abschnitts „Vom Sachenrecht“. Worauf nach Kant alles Sachenrecht, zuletzt auch der Begriff des Eigentums (§ 17 Anm. 270.10–31) beruht, würde uns ohne richtige Zuordnung der Absätze α–ε verschlossen bleiben.

4 Ergebnis der beiden Beweise in Abschnitt 3

Die beiden Beweise zeigen erstens, dass sich die Absätze α–β ihrem Wortlaut und Inhalt nach sinnvoll an den überlieferten Text von § 16 unmittelbar anfügen lassen und dieser ohne α und β nur ein Fragment wäre, das die in dessen Überschrift angezeigte Exposition des Begriffs ursprünglicher Bodenerwerbung nur unvollständig wiedergibt. Zweitens ist der Wortlaut in Abs. γ, mit dem der Anmerkungsteil von α–ε beginnt, ein zusätzliches sicheres Indiz für die Zugehörigkeit der Absätze α–γ zu § 16. Drittens erweisen sich die beiden Absätze γ und δ als unentbehrliche Bestandteile von § 16 insofern, als dieser (zum Privatrecht gehörige) Paragraph durch sie eine rechtspraktische Bedeutung erhält, die ihm eine Rolle zuweist für die Lösung einer Aufgabe, die im letzten Absatz von § 15 Anm. beschrieben wird und deren Wichtigkeit weit über das bloße Privatrecht, ja über das Völkerrecht hinausreicht. Schließlich, viertens, ist Abs. ε ein unentbehrlicher Bestandteil von § 16, weil nur durch ihn die in § 16 erreichten Ergebnisse des Sachenrechtsabschnitts in eine logische Ordnung gebracht werden, auf die sich § 17 Abs. 1 stützen kann, um behaupten zu können, für die Deduktion des Begriffs des ursprünglich erworbenen Mein und Dein (d. h. für die ‚Erkenntnis der realen Möglichkeit des Gegenstandes‘, der diesem Begriff entspricht) (vgl. § 5, 249.04 f.) seien die zureichenden Voraussetzungen erfüllt.

Aus dem gesicherten Befund, dass die Absätze α–ε zu § 16 gehören, ergibt sich nun, dass sie in den Originaldrucken fehlerhaft aus § 16 in § 6 hineingeraten sind. Da sie ihrem Umfang nach etwa anderthalb Druckseiten in Bd. 6 der alten Akademieausgabe umfassen, darf man annehmen, dass sie in der handschriftlichen Satzvorlage einen Textumfang hatten, der auf ein Blatt im Quartformat passt. Da der Textumfang der handschriftlichen Satzvorlage zum ›Ersten Stück‹ der Religionsschrift Kants (= 31 Quartseiten) (siehe oben S. 4 Fußnote 20) geringer ist als die Anzahl von ca. 33½ Druckseiten in Bd. 6 der Akademieausgabe (S. 29–53), kann als sehr wahrscheinlich gelten, dass auch der in Quartseiten gemessene Umfang des Manuskripts zur Satzvorlage für die Absätze α–ε geringer gewesen ist als 1½ Druckseiten desselben Bandes. Bei dieser Abschätzung lässt sich vermuten, dass, auch wenn zur Satzvorlage für die Ausgabe der Rechtslehre von 1797 ein vom Quartformat abweichendes Format verwendet worden sein sollte, diese Abweichung immer noch hinreichenden Spielraum gehabt haben muss, um den Text von α–ε auf einem maximal zweiseitig beschriebenen Manuskriptblatt unterzubringen. Demnach genügt zur Erklärung des schweren Fehlers in den §§ 6 und 16 die Annahme, dass dem Setzer eine Satzvorlage vorgelegen hat, in die ein einzelnes Blatt an falscher Stelle eingelegt worden ist. Wie und warum es dorthin gelangt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Man wird nicht einmal entscheiden können, ob das Blatt schon vor Übergabe der Satzvorlage an den Verleger falsch eingeordnet war oder später nachgereicht und erst dann falsch eingeordnet wurde. Die zweite Variante kommt in Frage, weil Kant mit der endgültigen Ausarbeitung von § 16 wegen des sachlichen Zusammenhangs von dessen ‚Anmerkung‘ mit dem letzten Paragraphen der Rechtslehre bis zuletzt beschäftigt gewesen sein könnte.

Literaturverzeichnis

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  • Ludwig, Bernd (Hg.) (2018): Immanuel Kant, Metaphysische Anfangsgründe der Rechtslehre. Metaphysik der Sitten. Erster Teil. 4., durchgesehene und verbesserte Auflage. Hamburg.

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  • Vaihinger, Hans (1904): „Nachwort“, in Kant-Studien 9, 539–544.

  • Warda, Arthur (1922): Immanuel Kants Bücher. Berlin.

Footnotes

1

 Im Folgenden beziehen sich Stellenangaben, wenn sie (anders als hier) nur auf Seiten- und Zeilenzahlen, aber auf keine Bandzahl der Akademieausgabe von Kants Schriften verweisen, immer auf den Text der Metaphysischen Anfangsgründe der Rechtslehre in Band 6 dieser Ausgabe (= AA). Ich verwende für wörtliche Zitate aus AA doppelte Anführungszeichen, einfache für die sinngemäße (nicht unbedingt buchstabengetreue) Wiedergabe von Begriffsausdrücken, die Kant gebraucht.

2

 Die hier gegebene Beschreibung des Unterschieds zwischen „Text‟ und „Anmerkung‟ schließt nicht aus, dass es auch Anmerkungen mit anderer Funktion geben kann, sogar solche, die für das Verständnis der Rechtslehre als eines metaphysischen Systems relevante Hinweise enthalten. Dies gilt z. B. für § 7, dessen Haupttext selbst schon die „Anwendung“ eines (zum System gehörigen) „Princips“ auf Gegenstände der Erfahrung zum Thema macht (s. 252.32).

3

 Gerhard Buchda (1929) 36. Thomas Mautner (1981, 357) berichtet, dass Buchdas Entdeckung weder in den Kant-Studien der 1930er Jahre noch in den beiden einzigen Rezensionen seiner (juristischen) Dissertation erwähnt worden ist.

4

 Friedrich Tenbruck (1949) 217–219. Tenbrucks Aufsatz ist in einem Verlags-Vorwort zum Nachdruck der Ausgabe Vorländers von 1966 und in einem Nachtrag zur 1968 erschienenen Textausgabe von AA 06 erwähnt worden. Ein kritisches Referat zu Tenbrucks Aufsatz hat Mautner (1981, 356–359) geliefert.

5

 Vgl. Tenbruck (1949) 217–219.

6

 In der Ausgabe von 1797 ist die Präposition „In“ am Satzanfang fehlerhaft ausgelassen.

7

 Näheres hierzu ergibt sich aus Abschnitt 3 dieses Aufsatzes.

8

 Im vorliegenden Aufsatz können die Gründe außer Betracht bleiben, die Bernd Ludwig (2005, 60–65 und 2018, XXXIIf.) zugunsten seiner These vorgebracht hat, Überschrift und Text zu § 2 der Rechtslehre seien an die Stelle der Absätze α–ε zu setzen. Vor Ludwig hatte schon Reinhard Brandt gemeint, es sei vielleicht in § 6 „eine Lücke anzunehmen zwischen den Absätzen 1–3 und 9–10“ (Brandt 1974, 264). Ich werde im Editorischen Bericht zu meiner Ausgabe der Rechtslehre im Rahmen der Neuedition von Kants Schriften durch die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften darlegen, warum die Annahme einer auszufüllenden Lücke unnötig ist. Hier brauche ich nicht auf sie einzugehen, da hinsichtlich der Nichtzugehörigkeit von α–ε zu § 6 Einigkeit mit Brandt und Ludwig besteht.

9

 Im vorletzten Absatz von § 6 wird in Kants Privatrechtslehre erstmals die für die „Deduction“ von Begriffen auch sonst (siehe unten S. 99 und Fußnote 32) grundlegende „Lehre der Möglichkeit der Abstraction von jenen Bedingungen“ (d. h. „von allen sinnlichen Bedingungen des Raumes und der Zeit“) (§ 19 Anm. 273.23–29) zur Anwendung gebracht.

10

 Tenbruck (1949) 220. Mit ‚Vorarbeiten Kants‘ meinte Tenbruck die Entwürfe zur Rechtslehre, die in den Bänden 1 und 2 der von Rudolf Reicke herausgegebenen Losen Blätter aus Kants Nachlass enthalten sind und später (1955) von Gerhard Lehmann in veränderter Anordnung in AA 23 neu herausgegeben wurden.

11

 Ebd. 220.

12

 Tenbruck (1949) 220.

13

 Ebd. 220. Vgl. Sitzler (1904) 538 f. Sitzlers Erklärung wurde von Vaihinger (1904, 539–544) willkommen geheißen.

14

 Eine Bestätigung dessen, was ich hier und im Rest dieses Absatzes sage, verdanke ich der Sachkunde meines Freundes Fred Bachhofen.

15

 Tenbruck ebd. 220.

16

 Leider enthält Kants Notiz keine Angabe darüber, auf welchen Teil des Privatrechts sich die Anweisung bezogen hat.

17

 In Kants Vorarbeiten zur Rechtslehre kommt der Begriff ‚Niederlassung‘ und dessen für § 62 wichtige Erklärung nicht vor.

18

 Vgl. die als „Anmerkung“ gekennzeichneten Absätze in AA 23: 212 (E 11), 224 (E 13), 225 (E 13), 230 (E 14), 231 (E 14), 255 (E 18), 294 (E 35), 310 (E 51), 319 (E 57) und 326 (E 326).

19

 Als Beispiele seien genannt Georg Friedrich Meiers Recht der Natur (Halle 1767), Ludwig Julius Friedrich Höpfners Naturrecht des einzelnen Menschen, der Gesellschaften und der Völker (5. Aufl. Gießen 1790) und Gottlieb Hufelands Lehrsätze des Naturrechts (Jena 1790).

20

 Die Absätze α–ε füllen in Band 6 der alten Akademieausgabe ungefähr 1½ Druckseiten aus, während die 31 Seiten der handschriftlichen Satzvorlage zum ›Ersten Stück‹ von Kants Religionsschrift (siehe die folgende Fußnote) nicht mehr als ungefähr 33½ Druckseiten desselben Bandes ausfüllen.

21

 Wie die Satzvorlage zu einer Druckschrift Kants ausgesehen hat, zeigt als einziges bis heute erhaltenes Beispiel die (im Stadtarchiv Prag/Archiv Hlavniho Města Prahy liegende) Vorlage zur Erstveröffentlichung des ›Ersten Stücks‹ von Kants Religionsschrift in der Berlinischen Monatsschrift von 1792 (Signatur: 7965). Sie besteht aus sieben einfach gefalteten Bogen (Doppelblättern) und zwei von Kant beigefügten Einzelblättern im Format 18,5 × 22 cm. Die Bogen und das fürs Ende der Druckvorlage vorgesehene Einzelblatt sind durchnummeriert von 1 bis 8. Später mit Blaustift eingetragene Seitenzahlen gehörten nicht zur Druckvorlage. Die Bogen sind beidseitig von fremder Hand beschrieben und enthalten von Kants Hand vielfache Korrekturen, darunter Durchstreichungen, Zusätze und orthographische Änderungen. Beide Einzelblätter sind ausschließlich von Kants Hand beschrieben, davon eines nur auf einer Seite. Das nicht-nummerierte Einzelblatt enthält die Anweisung „Beylage zu Bogen 3 Seite 4 einzurücken“. Am Textende des nummerierten Einzelblattes steht „Königsberg. I. Kant.“

22

 Hierzu und zum Folgenden siehe Buchda (1929) 36 f.

23

 Hierzu und zum Folgenden s. Brandt (1974) 266 Anm. 46 (zu 217 f.).

24

 Sein Buch, das den Text der §§ 1–17 enthält (Brandt 1974, 202–224) und mit Anmerkungen (ebd. 261–267) versieht, setzt ans Ende von § 14 den Text der falsch gesetzten Absätze aus § 6 deshalb in Klammern und in verkleinertem Schriftgrad (ebd. 217 f.).

25

 Zum Folgenden siehe Ludwig (2018), XXXII–XXXIV.

26

 Sie fehlt auch in Ludwigs ‚Rekonstruktion des […] Textes der Kantischen Rechtslehre‘ (Ludwig 2005, 70 f.). – Anknüpfend an Brandt vertrat bereits Mautner (1981, S. 359) die Ansicht: „Nothing essential is omitted if the passage [α–ε] is left out. All the ideas contained in it can be found in the headings and in the content of §§ 13–15. There may be some variation in terminology and in minor details in the arguments, but nothing more.” Mautner fügte allerdings mit Recht hinzu: „A detailed review would be required to substantiate this claim.”

27

 Auch Ludwigs ‚Rekonstruktion‘ (in Ludwig 2005) belässt es bei Behauptungen wie: „die Aneinanderfügung“ der beiden Textstücke dränge sich „geradezu“ auf (70), sie gebe „einen guten Sinn“ (70), es sei „unschwer“ festzustellen, dass es sich bei ihr „um eine wohlkomponierte Abhandlung der ursprünglichen Erwerbung“ (71) handele.

28

 Diese These ist auch schon von Hans Friedrich Fulda (1997, 117 Fußnote 6) aufgestellt worden. In seinen Worten lautet sie: „Es würde, beiläufig gesagt, keine große Mühe machen zu zeigen, dass die Absätze 4–8 [aus § 6] in Wahrheit zum § 16 (als dessen Absätze 3–7, mit 3 und 4 als Fortsetzung des Haupttextes, 5–7 hingegen als Anmerkungen) gehören […].“

29

 Ludwig hat diese Überschrift aus dem Text seiner Ausgabe (2018, 77) entfernt, sie durch die Überschrift zu § 15 (dessen Text er gleichfalls aus seiner Ausgabe entfernt hat) ersetzt und den zu § 16 Abs. 1–2 gehörigen Text auf den von § 17 folgen lassen. Ich werde diese Texteingriffe an anderer Stelle kommentieren. Hier nur so viel: Zur Begründung dieser und anderer Eingriffe verweist Ludwig in der ›Einleitung‹ (ebd. XXXI Fußnote) auf sein Buch Kants Rechtslehre, das zur Überschrift von § 16 lediglich die Auskunft enthält, man tue „sich schwer, in § 16 eine ‚Exposition‘ zu finden“ (Ludwig 2005, 72). Was in § 16 fehlt, um eine Exposition zu sein, darüber sagt Ludwig nichts.

30

 Vgl. KrV („Die Disciplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauch“), B 755–759. Vgl. Logik (Jäsche) §§ 104–105, Log, AA 09: 142 f.

31

 Kant setzt hiermit voraus, dass sich ein einzelner Begriff (und dessen Gebrauch) nur dann ‚deduzieren‘ (d. h. rechtfertigen) lässt, wenn zuvor, aufgrund einer Analyse dessen, was er enthält, deutlich gemacht worden ist, dass (a) durch ihn alles, was unter ihn fallen könnte, von allem Übrigen zu unterscheiden ist, und (b) kein Gegenstand durch ihn bestimmbar ist, der nicht unter ihn fällt. Dementsprechend wird die ‚Definition‘ in § 5 (248.31–249.13) in zwei Schritten eingeführt: erstens (248.35–249.03) durch eine ‚Nominalerklärung‘, die ein Merkmal benennt, durch das jedes äußere Meine von allem unterscheidbar ist, was nicht im rechtlichen Sinne (gemäß § 1) mein ist, und zweitens (249.03–13) durch eine ‚Sacherklärung‘, die außerdem noch ein Kriterium benennt, von dem (gemäß § 4) vorausgesetzt werden darf, dass aufgrund von ihm erkennbar ist, ob etwas im rechtlichen Sinne (als intelligibler Besitz) als mein gelten kann. (Einen Begriff ‚real definieren‘ heißt nach KrV, B 300: ‚die Möglichkeit seines Objekts verständlich machen‘.)

32

 Laut Überschrift handelt § 17 von der „Deduction des Begriffs der ursprünglichen Erwerbung“ (268.02). Hier ist nicht mehr wie in der Überschrift zu § 16 von Bodenerwerbung die Rede, ähnlich wie die Überschrift zu § 6 nicht mehr wie die zu den §§ 4 und 5 vom äußeren Mein und Dein spricht, sondern stattdessen vom ‚bloß rechtlichen Besitz‘ und von possessio noumenon. Schon mit den Überschriften zu den §§ 6 und 17 scheint Kant auf diese Weise andeuten zu wollen, dass zur Deduktion in beiden Fällen ganz wesentlich die Abstraktion „von allen sinnlichen Bedingungen des Raumes und der Zeit“ (273.23 f.) gehört. Näheres hierzu unten in Abschnitt 3.2.3.

33

 Nach Grimms Wörterbuch, Art. ‚absonderlich‘, ist dieses Wort gleichbedeutend mit ‚abgesondert‘.

34

 Dieser Gebrauch entspricht der zweifachen Bedeutung von possessio, die einesteils von possido (‚sich in Besitz setzen‘), andernteils von possideo (‚in Besitz haben‘) abgeleitet ist.

35

 Auch nach Adelungs Wörterbuch (Art. ‚Besitzen‘) hat ‚Besitzung‘ (außer der „theologischen“ Bedeutung „Besitzung von dem Teufel“) nur die Bedeutung „Grundstück, welches man besitzt“.

36

 Vor § 16 ist nirgendwo die Rede von einem ‚besonderen Besitz‘, es sei denn, man wollte Abs. γ, in dem dieser Ausdruck wiederholt wird (251.12), einem Text zuordnen, der § 16 vorangeht.

37

 Als ‚ledig‘ (‚erledigt‘, res vacua) bezeichnet Kant ‚etwas, das keinen Besitzer hat‘ (siehe § 29, 274.16 f. und § 34, 294.23 f.), als ‚herrenlos‘ (res nullius) eine Sache, die „Keines Eigenthum“ ist (siehe AA 23: 303.24 f.).

38

 Siehe Grimms Wörterbuch: Art. ‚Fundieren‘: „Fundieren, entlehnt aus lat. fundare, mit einem boden oder grund versehen, etwas gründen“.

39

 Nach § 10 Abs. 4 sind Apprehension (d. h. „Besitznehmung“ eines herrenlosen, „keinem“ angehörenden „Gegenstandes der Willkür in Raum und Zeit“) (258.29–31) und Appropriation (d. h. „Zueignung“ als „Act eines äußerlich allgemein gesetzgebenden Willens (in der Idee), durch welchen jedermann zur Einstimmung mit meiner Willkür verbunden wird“) das erste bzw. dritte Moment ursprünglicher Erwerbung. Nach § 11 Abs. 2 (261.8–10) gilt: „Durch einseitige Willkür kann ich keinen Andern verbinden, sich des Gebrauchs einer Sache zu enthalten, wozu er sonst keine Verbindlichkeit haben würde: also nur durch vereinigte Willkür Aller in einem Gesammtbesitz.“ Nach γ ist der Gesamtbesitz des ganzen Erdbodens, in dem der Wille eines jeden mit dem Willen jedes anderen vereinigt ist, eine „Idee, welche objective (rechtlich praktische) Realität hat“ (251.03). Näheres hierzu unten in Abschnitt 3.2.1.

40

 Die Sperrung von „frey“ fehlt in der Ausgabe von 1798.

41

 Da sich „es“ nur auf „frey“ in 250.28 zurückbeziehen lässt, schreibt der in 250.30 mit „daß“ beginnende Satz dem Boden zwei Prädikate zu: ‘frei von Natur’ und ‘ursprünglich frei’. Hartenstein hielt es für nötig, „es“ zu streichen. Natorp sagt zu dieser Stelle allerdings mit Recht, ebenso könne man in 250.30 „frey“ streichen, und „schließlich“ sei auch „das Überlieferte möglich“ (AA 06: 532).

42

 Der mit „Denn“ beginnende und mit „verweigerte“ endende Satzteil ist als Parenthese zu verstehen. Als solche wäre er nach heutiger Orthographie in Gedankenstriche oder Klammern einzuschließen. Die Parenthese unterbricht einen Gedankengang, dessen Ausdruck in Zeile 250.29 mit den Worten beginnt: „[…] so kann man doch nicht sagen, daß er [der Boden] es [sc. frei] von Natur und ursprünglich, [d. h.] vor allem rechtlichen Act, frey sey“. Der so ausgedrückte Gedanke wird im Anschluss an die Parenthese in Zeile 250.32 wieder aufgenommen mit einem Satzteil, der sinngemäß so zu ergänzen ist: „[…] sondern [man kann sagen, er sei darum frei], weil diese Freiheit des Bodens ein Verbot für jedermann sein würde“ usw. Vgl. die analoge Satzkonstruktion in § 9 (257.24 f.), bei der gleichfalls auf eine (hier in Klammern eingeschlossene) Parenthese der Ausdruck „sondern weil“ folgt.

43

 Eine genaue Analogie zwischen freiem Meer und freiem Boden scheidet nach Kant schon darum aus, weil „auf dem weiten Meere selbst kein Sitz möglich ist“ (§ 17, 269.35 f.).

44

Höpfner 1790, § 43, 39 Ziffer 2. In der Ausgabe von 1790 befand sich Höpfners Naturrecht nach Warda (1922, 42, Nr. 3) in Kants Privatbesitz.

45

 Als ‚communio primaeva‘ hat Samuel Pufendorf in De Iure Naturae et Gentium, Lib. IV, Cap. IV, § 9 (1934, Vol. I, 546) eine prähistorische Gütergemeinschaft bezeichnet, die Hugo Grotius in De Iure Belli ac Pacis libri tres, Lib. II, Cap. 2, § 2 erwähnt unter Berufung auf den in der römischen Kaiserzeit durch Justinus hergestellten Auszug aus den Historiae Philippicae des römischen Geschichtsschreibers Pompeius Trogus. In diesem Auszug wird von den Aborigines, dem Stammvolk der Latiner, erzählt: „Deren König, Saturn, soll so gerecht gewesen sein, daß unter ihm niemand Dienste geleistet noch irgendeiner ein Privateigentum gehabt, sondern allen alles gemeinschaftlich und ungeteilt gehört habe (omnia communia et indivisa omnibus fuerint)“ (Marcus Iunianus Iustinus, Trogi Pompeii Historiarum Philippicarum Epitoma. Lib. XLIII, cap. 1). Die so beschriebene Gemeinschaft wird von Pufendorf als communio positiva bezeichnet; nach seiner eigenen Ansicht kann die communio primaeva nur eine (‚negative‘) Gemeinschaft gewesen sein, in der keinem etwas gehört hat (Lib. IV, Cap. IV, § 5).

46

Achenwall, Ius Naturae, „Ius Naturale absolutum. Titulus VI“, §§ 106–108. Pufendorfs Annahme, ursprüngliche Erwerbung setze auch einen ‚Konsens des Menschengeschlechts‘ (consensus generis humani) voraus, bezeichnet Achenwall allerdings als Erdichtung (figmentum) (ebd. § 116 Anm.).

47

 Der durch ‚hiermit‘ (251.01) angezeigte Zusammenhang zwischen ursprünglicher Gemeinschaft ‚des Bodens‘ und der ‚der Sachen auf demselben‘ wird schon in den §§ 12 und 13 hergestellt. Weil nämlich nach § 13 die ursprüngliche Gemeinschaft des Bodens (262.14) dessen ursprünglicher (nicht auf einem rechtlichen Akt beruhender) Gesamtbesitz ist (262.26–29) und nach § 12 der Boden und damit ‚alles bewohnbare Land‘ als ‚Substanz‘ (261.29–31) anzusehen ist, zu der sich die Existenz ‚alles Beweglichen auf demselben‘ als ‚Inhärenz‘ (261.31) verhält, schließt der ursprüngliche Gesamtbesitz der Substanz den gemeinsamen Besitz dessen, was ihm inhäriert, (als Besitz eines Akzessoriums) (vgl. § 17 Anm.) mit ein, so dass die Regel ‚accessorium sequitur suum principale‘ (268.35) gültig ist.

48

 Nach § 13 könnte es die ursprüngliche, vor ‚allem rechtlichen Akt vorhergehende‘ und ‚von der Natur selbst konstituierte‘ Gemeinschaft des Bodens ohne die Kugelgestalt der Erde nicht geben (262.20–29).

49

 Der Begriff der ‚Gemeinschaft (Wechselwirkung zwischen Handelnden und Leidenden)‘ ist nach Kants Kategorientafel (KrV, B 106) ein reiner Verstandesbegriff, der als ‚Idee‘ (251.03) oder ‚praktischer Vernunftbegriff‘ (262.32) gelten kann, wenn er auf eine Gesamtheit von Menschen oder Völkern bezogen wird, zwischen denen ein Verkehr nach allgemeinen Gesetzen möglich ist.

50

 An welche Arten von Gewalttätigkeit und Übel Kant denkt, geht aus einer Notiz in seinen Vorarbeiten der SchriftZum ewigen Frieden hervor: „Die Länder von Amerika waren kaum entdeckt [,] als sie nicht allein durch abgedrungene oder erschlichene Niederlassung [erobert, (?)] sondern selbst die Einwohner theils als herrenloses Gut zu Sklaven gemacht oder auch aus ihren Sitzen verdrängt und durch innere Kriege aufgerieben worden[,] wodurch denn den handeltreibenden Einwohnern eine Macht und auch vielfältiger neuer Anlas erwuchs[,] sich innerlich aus Neid und Besorgnis des Übergewichts einestheils in vielfältig langen Kriegen unglücklich zu machen. Die Besuche[,] die unser Welttheil dem Ostindien sowohl auf dem festen Lande als auf den Inseln gemacht hat[,] fingen auch mit friedlich scheinenden Niederlassungen an und endigen mit Unterjochung eines beträchtlichen Theils der alten Einwohner[,] noch schrecklicher aber mit den innern Kriegen[,] welche die Mächte von Europa in so großen Entfernungen und zuletzt wieder sich selbst in ihrem Wohnsitz selbst erregen[,] von denen nur China und Japan befreyet worden[,] welche entschlossen genug gewesen[,] unseren Landsleuten gar keinen Wohnsitz mehr in ihren Ländern zu verstatten.“ (VAZeF, AA 28: 174)

51

 Dies bedeutet z. B., dass (anders als John Locke und seine Nachfolger meinten) niemand durch die „erste Bearbeitung“ eines Bodens, der nicht „schon vorher der seine war“, ohne rechtmäßigen Vertrag Anspruch auf den „Titel der Erwerbung desselben“ hat (§ 17 Anm., 268.31–269.04; vgl. § 15 Anm., 265.12–15).

52

 Mit der „einzigen ursprünglichen äußeren Erwerbung“ (266.30) ist im letzten Absatz die ‚provisorische Erwerbung‘ gemeint, deren Begriff § 15 (264.04) einführt und § 16 (267.22) zur Anwendung bringt. Mit „diese Aufgabe“ (266.29) muss die abschließende Beantwortung aller Fragen des Fragenkatalogs in § 15 Anm. gemeint sein. (Dieser hat die Form: „Es ist die Frage: … Ferner: … Ferner … [usw.] Zuletzt kann noch gefragt werden: …“.) Alle Antworten, die in § 15 Anm. auf diese Fragen nur vorläufig gegeben werden, lassen die quantitative und qualitative Bestimmung provisorisch erwerblicher Objekte mehr oder weniger unbestimmt. Dies gilt z. B. schon für Kants vorläufige Beantwortung der ersten Frage, in der er den Seerechtsgrundsatz anführt, nach dem die Grenze des Eigentums am Meer von der Reichweite verfügbarer Geschütze abhängen soll.

53

 Kants Antwort auf die erste Frage in § 15 Anm. („wie weit erstreckt sich die Befugniß der Besitznehmung eines Bodens?“) lautet: „So weit, als das Vermögen ihn in seiner Gewalt zu haben, d. i. als der, so ihn sich zueignen will, ihn vertheidigen kann; gleich als ob der Boden spräche: wenn ihr mich nicht beschützen könnt, so könnt ihr mir auch nicht gebieten.“ (265.01–05) Was Kant hier den Boden sprechen lässt, ist offensichtlich nicht ganz ernstgemeint, sondern „allenfalls“ eine erlaubte Art, „sich auszudrücken“, um ein rechtliches Verhältnis durch ein „Bild“ zu „versinnlichen“ (§ 11, 260.30–32). Erst § 16 Abs. 2 in Verbindung mit Abs. α macht diese personifizierende Ausdrucksweise überflüssig.

54

 In § 15 Anm. erläutert Kant diese Antwort durch ein völkerrechtliches Beispiel: „Darnach müßte also auch der Streit über das freie oder verschlossene Meer entschieden werden; z. B. innerhalb der Weite, wohin die Kanonen reichen, darf niemand an der Küste eines Landes, das schon einem gewissen Staat zugehört, fischen, Bernstein aus dem Grunde der See holen u. dergl.“ (265.01–10). Diese Erläuterung entspricht dem, was Kant in § 17 Anm. sagt: „So weit ich aus meinem Sitze mechanisches Vermögen habe, meinen Boden gegen den Eingriff Anderer zu sichern (z. B. so weit die Kanonen vom Ufer abreichen), gehört er zu meinem Besitz, und das Meer ist bis dahin geschlossen (mare clausum)“ (269.31–35). Was Kant an beiden Stellen sagt, entspricht dem, was in α bezüglich des dritten Moments der ursprünglichen Erwerbung gesagt wird: Der Besitzer ‚erwirbt ursprünglich, indem er jedem widersteht, der ihn im Privatgebrauch seines Bodens hindern würde‘.

55

 Kant entwickelt seine Realdefinition des Sachenrechts in § 11 aus der (von ihm als ‚richtige Nominaldefinition‘ bezeichneten, 260.14–16) Definition, die Achenwall (1763, 166, § 189 Anm.) für den Begriff des ius in re (ius reale) gibt („es sei das Recht gegen jeden Besitzer derselben“, 260.15). Grundlegend für diese Entwicklung ist die ‚Exposition des Begriffs vom äußeren Mein und Dein‘ in § 4 Anm. a) und die ‚Sacherklärung‘ dieses Begriffs in § 5 (249.05–07). Der zu dieser Realdefinition gehörige Ausdruck ‚Privatgebrauch‘ kommt in Kants Rechtslehre außer in § 11 nur in α vor. In Kants Vorarbeiten zur Rechtslehre fehlt er.

56

 Der vorletzte Relativsatz (251.34–36) lautet in der Ausgabe von 1798 so: „der die rechtliche Besitznehmung als einen Grund zur Erwerbung aufstellt“. Hier ist er nach der Ausgabe von 1797 korrigiert (wie in AA 06, der Ausgabe Paul Natorps), so dass dieser Satz den Hauptgedanken von § 14 sinngemäß wiedergibt.).

57

 Ludwig, in dessen Ausgabe die logische Verknüpfung von § 17 mit § 16 schon wegen seiner oben (in Fußnote 29) beschriebenen Texteingriffe nicht erkennbar ist, behauptet, § 17 Abs. 1 kündige an, dass der ‚intelligible Besitz‘ aus den ‚beiden gegebenen Stücken‘: ‚Titel‘ und ‚Erwerbungsart (apprehensio)‘ folgt (2018, XXXIII). Aus dieser Behauptung zieht er im Text seiner Ausgabe die Konsequenz, § 10 Abs. 4 als dritten Absatz an § 17 anzuhängen (siehe Fußnote 59).

58

 In § 19 Anm. wird der Sachenrechtsabschnitt (= §§ 11–17) als „Lehre von der Erwerbung durch Bemächtigung der äußeren Sache“ (273.28 f.) bezeichnet. Dies entspricht der Erklärung in § 10 Abs. 5: „Die ursprüngliche Erwerbung eines äußeren Gegenstandes heißt Bemächtigung (occupatio)“ (239.12 f.). In § 14 Abs. 1 wird diese Erklärung auf die Bodenerwerbung bezogen.

59

 Ludwig (2005, 68) behauptet, „aus den letzten Zeilen von § 10 Abs. 4“ gehe hervor, dass „die Ableitung des intelligiblen Besitzes an einer ursprünglichen erworbenen Sache schon abgeschlossen ist (‚der Schluss vom sensiblen auf den intelligiblen Besitz‘) […].“ Dies und die Behauptung: „Erst mit der Anknüpfung des § 10 Abs. 4 wird […] auch der Verweis in Absatz 1 von § 17, dass die possessio noumenon aus den ‚beiden gegebenen Stücken‘: ‚Titel‘ und ‚Erwerbungsart‘ folge, nachvollziehbar“ (ebd. 70), sollen den Texteingriff rechtfertigen, mit dem Ludwig in seiner Ausgabe § 10 Abs. 4 aus § 10 herausnimmt und als dritten Absatz in § 17 hineinversetzt.

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  • Achenwall, Gottfried (1763): Ius Naturae. In usum auditorum. Editio quinta. Göttingen.

  • Adelung, Johann Christoph (1808): Grammatisch-kritisches Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen. 4 Bände. Wien.

  • Brandt, Reinhard (1974): Eigentumstheorien von Grotius bis Kant. Stuttgart-Bad Cannstatt.

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  • Ludwig, Bernd (2005): Kants Rechtslehre. Mit einer Untersuchung zur Drucklegung Kantischer Schriften von Werner Stark. Hamburg. 1988. Zweite Auflage.

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  • Mautner, Thomas (1981): “Kant’s Metaphysics of Morals: a Note on the Text.” In: Kant-Studien 72, 356–359.

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  • Warda, Arthur (1922): Immanuel Kants Bücher. Berlin.

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