»Wüstenfuchs« und »Bluthund« in den Alpen. Erwin Rommel und Ferdinand Schörner in der Schlacht von Karfreit 1917

Peter Lieb 1
  • 1 ZMSBw, Potsdam, Germany
Peter Lieb

Zusammenfassung

Erwin Rommel und Ferdinand Schörner, zwei der bekanntesten Generalfeldmarschälle der Wehrmacht, kämpften im Herbst 1917 als junge Leutnants gemeinsam in der Durchbruchsschlacht von Karfreit. Für ihre Taten erhielten beide die höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung verliehen: den Pour le Mérite. Der Aufsatz analysiert anhand der überlieferten Kriegstagebücher die genaue Rolle von Rommel und Schörner in der Schlacht. In der Tat leisteten die zwei jungen Offiziere mit ihren Kompanien einen entscheidenden Beitrag zur Einnahme des wichtigen Gebirgszugs über dem Isonzo-Tal und damit zum Gelingen der Gesamtoperation. Einerseits zeigt ihr Verhalten in der Schlacht recht deutlich ihre Charakterzüge und andererseits bietet ihr taktischer Ansatz auch einen möglichen Aufschluss für ihr späteres Agieren im Zweiten Weltkrieg auf operativer Ebene. Es spricht vieles dafür, dass Karfreit für Rommel und Schörner ein Schlüsselerlebnis in ihren Karrieren war.

Erwin Rommel und Ferdinand Schörner – gegensätzlicher konnten die Bilder dieser beiden ehemaligen Wehrmachtsfeldmarschälle in der frühen Bundesrepublik nicht sein. Hier der »ritterliche Wüstenfuchs« Rommel, dort der »brutale Bluthund« Schörner. Sie personifizierten die gespaltene Erinnerung der deutschen Nachkriegsgesellschaft an das Erbe der Wehrmacht. Rommel stand für die »saubere« Wehrmacht und galt als Mann des 20. Juli; Schörner hingegen symbolisierte die »verbrecherische« Wehrmacht, die bei Kriegsende junge Rekruten in sinnlosen Kämpfen verheizte.1

Dabei gibt es in den Lebensläufen der beiden Männer erstaunliche Parallelen. Beide kamen aus Süddeutschland und entstammten dem Bürgertum. Sie waren im Ersten Weltkrieg der Prototyp des Frontoffiziers und kämpften in der noch jungen Gebirgstruppe. In der Zwischenkriegszeit dienten beide gleichzeitig an der Infanterieschule in Dresden als Taktiklehrer, was eine besondere Auszeichnung und Wertschätzung ihrer Erfahrung im Infanteriekampf bedeutete. In der Wehrmacht machten sie erstaunliche Karrieren bis hin zum Generalfeldmarschall: Der eine, Rommel, in der ersten Kriegshälfte im Zeichen des Sieges, der andere, Schörner, in der zweiten Kriegshälfte im Zeichen des Untergangs. Da beide keine Generalstabsoffiziere waren, waren sie angesichts dieser Karrieren unter ihren Generalskameraden weitgehend Außenseiter. Mehr noch, sie galten – wenn auch zu verschiedenen Zeitpunkten – als Hitlers Lieblingsgenerale. Rommel und Schörner waren genau aus jenem Holz geschnitzt, das Hitler bei Offizieren so schätzte: Rommel der kühne Draufgänger in der Offensive, Schörner der sture »Steher« in der Defensive.2

Trotz oder gerade wegen dieser Gemeinsamkeiten empfanden Rommel und Schörner eine tiefe gegenseitige Abneigung und standen während ihrer gesamten Karriere in einem Rivalitätsverhältnis zueinander.3 Dieses verstimmte zwischenmenschliche Verhältnis hatte seinen Ursprung im Ersten Weltkrieg, genauer in der Durchbruchsschlacht von Karfreit im Oktober 1917. Diese Schlacht war nämlich eine weitere Gemeinsamkeit in ihren Lebensläufen und ein prägendes Erlebnis für die jungen Offiziere. Als Oberleutnant bzw. Leutnant war ihr Schicksal eng verwoben, da sie mit ihren Einheiten nebeneinander kämpften. Schließlich erhielten beide für ihre außerordentlichen Leistungen den höchsten preußischen Militärorden im Ersten Weltkrieg, den Pour le Mérite. Diese besondere Auszeichnung dürfte ein früher Höhepunkt ihrer Karrieren gewesen sein, der ihr Selbstverständnis sowie ihren Selbstanspruch nachhaltig prägte. Daher gilt es, diese Ereignisse aus dem Jahr 1917 genauer zu analysieren.

Die Geschichtswissenschaft hat sich in letzter Zeit wieder vermehrt den möglichen Verbindungslinien vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg zugewandt. Dabei wurde auch die Frage nach der Bedeutung der Kriegserfahrung im Ersten Weltkrieg für das Handeln späterer Wehrmachtsgeneräle aufgeworfen. Die Diskussionen drehen sich hierbei meist um Fragen der Gewalt- und Mentalitätsgeschichte.4 Das eigentliche militärische Kerngeschäft des Offiziers ist dabei in den Hintergrund gedrängt worden. Genau hier will dieser Aufsatz anhand der Beispiele der frühen Karrieren Rommels und Schörners ansetzen. Lassen sich bereits in jungen Jahren prägnante Charakterzüge dieser beiden Offiziere in der Schlacht von Karfreit feststellen? Inwieweit lassen sich Parallelen im taktischen Führungsverhalten als Kompanieführer zum operativen Führungsverhalten als spätere Generäle in der Wehrmacht ziehen? Wie versuchten sie die Erinnerungspolitik um die Schlacht von Karfreit zu beeinflussen?

Um diese Fragen zu beantworten, ist eine Analyse der Schlacht bis hinunter zur Kompanieebene notwendig. Eine derartige Untersuchung ist vergleichsweise komplex, da kleinteilige und sich häufig widersprechende taktische Meldungen in einen größeren Bezugsrahmen gesetzt werden müssen. Die Voraussetzungen sind allerdings in unserem Fall sehr gut. Zum einen liegen umfangreiche Primärquellen über die Einsätze von Rommel und Schörner vor. Von der Korps- bis zur Bataillonsebene haben sich die relevanten Kriegstagebücher erhalten.5 Hinzu kommen nachträgliche Gefechtsberichte der beiden Offiziere zu dieser Schlacht.6 Obgleich all diese Quellengattungen kritisch hinterfragt werden müssen, bilden sie ein wichtiges Fundament für die Analyse der Geschehnisse.7 Zum anderen ist die Schlacht von Karfreit im Allgemeinen recht gut erforscht;8 auch gibt es bereits Sekundärliteratur zu Rommel in dieser Schlacht, wobei sich die Darstellungen mitunter sehr an den bekannten Memoiren »Infanterie greift an« aus den 1930er Jahren orientieren.9 Der historische Wahrheitsgehalt dieses Klassikers ist bisher aber noch nicht systematisch mit den zeitgenössischen Überlieferungen überprüft worden. Dieser Abgleich ist auch ein Ziel dieses Aufsatzes.

Rommels und Schörners Lebenslauf bis zur Schlacht von Karfreit

Rommel und Schörner fanden einen unterschiedlichen Zugang zum Offiziersberuf. Rommel wurde am 15. November 1891 in Heidenheim an der Brenz als Sohn eines Lehrers geboren. Der Vater beeinflusste den heranwachsenden Jüngling entscheidend in seiner Berufswahl. Offizier zu sein bedeutete im Wilhelminischen Deutschland eine abwechslungsreiche Tätigkeit und gesellschaftliche Anerkennung, wenngleich dies im Königreich Württemberg nur mit Einschränkungen galt. Nachdem sich Rommel erfolglos bei der Artillerie und den Pionieren beworben hatte, trat er 1910 in das Infanterie-Regiment »König Wilhelm I.« (6. Württembergisches) Nr. 124 in Weingarten ein.10 Das Regiment hatte zu dieser Zeit offenbar mit ein paar Prestigeproblemen zu kämpfen, obgleich es als eines von drei württembergischen Regimentern seine Wurzeln bis ins Jahr 1673 zurückverfolgen konnte.11 Der junge Leutnant Rommel hingegen scheint kein Durchschnittsoffizier gewesen zu sein. 1913 beurteilte ihn sein Regimentskommandeur als »viel versprechenden Offizier« und »sehr beliebten Kamerad[en]«.12 Er galt als ehrgeizig, sportlich und naturwissenschaftlich begabt.

Schörners militärischer Lebenslauf verlief bis zum Ersten Weltkrieg völlig anders als jener von Rommel und war für einen späteren Wehrmachtsgeneral atypisch. Am 12. Juni 1892 in München als Sohn eines Polizeikommissars geboren, leistete Schörner 1911/12 als Einjährig-Freiwilliger im Königlich Bayerischen Infanterie-Leib-Regiment seinen Wehrdienst ab, schied als Unteroffizier der Reserve aus und kehrte vorerst dem aktiven Militärdienst den Rücken. Er entschied sich stattdessen für den Lehrerberuf und studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München neuere Sprachen: Französisch, Italienisch und Englisch. Hierfür verbrachte er 1913 ein Semester in Lausanne, ein zweites Auslandssemester sollte im Sommer 1914 in Grenoble und Paris folgen. Schörner war also vor dem Ersten Weltkrieg nicht nur der klassische Bildungsbürger, sondern auch ein junger Mann, dessen Erfahrungshorizont nicht an den nationalen Grenzen Halt machte. Damit war er im deutschen Kaiserreich sicherlich kein gewöhnlicher Student. Auch seine Regimentswahl zeigte seinen Ehrgeiz, denn das Bayerische Infanterie-Leib-Regiment verstand sich als Elite-Regiment der Bayerischen Armee und war das Hausregiment des Königshauses mit einem sehr hohen Anteil Adliger im aktiven Offizierskorps.13 Um sich als bürgerlicher Reserveoffiziersanwärter bei den »Leibern« zu behaupten, bedurfte es durchaus einer gesunden Portion Durchsetzungswillen. Dabei war Schörner zunächst nicht unbedingt der Ausnahmesoldat. 1913 wurde er anlässlich einer Reserveübung im Dienstgrad Unteroffizier als »sehr ruhig und bescheiden« sowie »körperlich und geistig durchschnittlich« charakterisiert. Zudem seien »etwas mehr Energie und Frische vor der Front [...] erstrebenswert«.14 Angesichts seines Rufs im Zweiten Weltkrieg als harter und gnadenloser Vorgesetzter erstaunt ein solches Urteil. Es spricht einiges dafür, dass sich Schörners Charakter nicht zuletzt durch die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges veränderte.

Als der Große Krieg im August 1914 ausbrach, rückten Leutnant Rommel und Vizefeldwebel Schörner jeweils als Zugführer mit ihrem Regiment ins Feld. Die ersten Kriegsereignisse verliefen für beide ähnlich wie für viele Soldaten damals. Oft waren diese Wochen die blutigsten in der Geschichte eines Regiments während des gesamten Krieges. So war es auch mit Rommels Infanterie-Regiment Nr. 124. Es zählte 47 Tote, 385 Verwundete und 18 Vermisste nach dem ersten Gefecht bei Bleid am 22. August 1914.15 Der junge Leutnant Rommel überlebte, wurde aber wenig später, am 24. September 1914, im Argonnerwald verwundet und kam ins Lazarett.16 Zwei weitere Verwundungen sollten im Lauf des Krieges folgen. Zudem erhielt er sehr früh, am 30. September 1914, mit dem Eisernen Kreuz Zweiter Klasse seine erste Auszeichnung.

Für das Bayerische Infanterie-Leib-Regiment verliefen die Schlachten in Lothringen im August 1914 sogar noch blutiger. Allein Schörners 12. Kompanie hatte 39 Tote zu beklagen. Doch es wurde noch schlimmer: Ende September/Anfang Oktober 1914 kamen weitere 50 Tote während der Schlacht bei Péronne hinzu.17 Schörner überlebte, ja er wurde nicht einmal verwundet. Stattdessen erhielt er als einer der ersten in seiner Kompanie das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse und wurde zudem im November 1914 zum Leutnant d.R. befördert. Schörner verblieb den gesamten Krieg über stets in jener 12. Kompanie des Infanterie-Leib-Regiments. Das war für einen jungen Truppenoffizier im Ersten Weltkrieg sehr ungewöhnlich. Bis September 1916 diente er in seiner Kompanie als Zugführer, anschließend als Kompanieführer – unterbrochen nur von Verwundungen Ende 1915, Mitte 1916 und Mitte 1918.

Das Jahr 1915 brachte für beide einen Einschnitt in ihrer Truppenverwendung: Rommel und Schörner wurden Soldaten der gerade entstehenden deutschen Gebirgstruppe. Den Anfang machte Schörner mit seinem Infanterie-Leib-Regiment. Als Italien am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn den Krieg erklärte, entschloss sich das Deutsche Reich, in aller Eile dem Verbündeten deutsche Truppen zu schicken. Diese durften aber nur in Tirol zur Verteidigung eingesetzt werden und die Grenze nach Italien nicht überschreiten, da sich das Deutsche Reich und Italien 1915 noch nicht im Kriegszustand befanden. So wurde das Deutsche Alpenkorps aufgestellt, das trotz seines Namens nur eine verstärkte Division war.18 Dieses Alpenkorps war einer der wenigen aus den Kontingentsheeren gemischten Großverbände der deutschen Armee. Es handelte sich um besonders ausgesuchte Regimenter und Bataillone, die im Alpenkorps zusammengefasst wurden.19 Auch das Bayerische Infanterie-Leib-Regiment kam zum Alpenkorps und Leutnant Schörner wurde somit Gebirgsjäger. Eine Gebirgstruppe im eigentlichen Sinn war das Alpenkorps zunächst allerdings nicht, sondern es setzte sich zu einem guten Teil aus Soldaten zusammen, die in ihrem bisherigen Leben noch nie mit dem Gebirge in Berührung gekommen waren. Sie mussten also ihr Handwerk im Gebirgskampf erst noch erlernen.20 Erst gegen Kriegsende gab das Alpenkorps eine zentrale Denkschrift »Anhaltspunkte für die Ausbildung im Gebirgs-Kriege« heraus,21 worin mehrere Berichte zusammengefasst waren. Auch Leutnant Schörner steuerte einen Beitrag hinzu mit dem Titel »Winke für die Tragtierpflege und Organisation«22. Dieser Bericht erzielte einen hohen Verbreitungsgrad und zeigte Schörner als fürsorglichen Offizier, zumindest für die Belange der Vierbeiner.

Das Königreich Württemberg hatte schon seit Anfang 1915 in den Vogesen sogenannte Schneeschuhtruppen erprobt.23 Als Anfang Oktober 1915 die Württembergische Schneeschuh-Kompanie Nr. 1 zum Württembergischen Gebirgsbataillon erweitert wurde, stieß auch Rommel zu den »Gebirglern«. Das Bataillon rekrutierte sich ausschließlich aus Freiwilligen und erreichte mit sechs Gebirgs-, drei MG- und einer Nachrichten-Kompanie eine Verpflegungsstärke von über 1900 Mann. Es glich somit eher einem Regiment als einem Bataillon.24 Eine Besonderheit war, dass die Kompanien ad hoc zu Abteilungen verschiedener Stärke zusammengefasst werden konnten, stets der taktischen Lage angepasst.25 Einer dieser Abteilungsführer war der frisch zum Oberleutnant beförderte Erwin Rommel. Er war damit bereits mehr als ein reiner Kompanieführer. In der neuen Truppengattung fühlte sich Rommel sehr wohl, war er doch bereits vor dem Krieg ein passionierter Bergsteiger gewesen.26 Zudem fand er im Bataillonskommandeur Major Theodor Sproesser einen großen Fürsprecher.27

Aufgrund der hohen taktischen Flexibilität beider Verbände setzte die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL) sowohl das Alpenkorps als auch das Württembergische Gebirgsbataillon häufig an Brennpunkten des Krieges ein – und das meist als Angriffstruppe. So kämpfte das Alpenkorps in Serbien, in Rumänien und vor Verdun, wo es die schwersten Verluste in seiner Geschichte hinnehmen musste. Das Württembergische Gebirgsbataillon zeichnete sich vor allem zweimal in Rumänien aus, wo es – wie das Alpenkorps – wichtige Erfahrungen im Gebirgskrieg sammelte. Daneben erlebten die »Gebirgler« aber auch vergleichsweise ruhige Zeiten im Stellungskampf in den Vogesen.

Im Rumänien-Feldzug 1916/17 kämpften das Bayerische Infanterie-Leib-Regiment und das Württembergische Gebirgsbataillon teilweise sogar nebeneinander. Rommel und Schörner müssen sich spätestens bei dieser Gelegenheit am Silvestertag 1916 erstmals persönlich getroffen haben.28 Das Verhältnis zwischen »Leiber« und »Gebirgler« war allerdings sehr bald gestört. Bei der Eroberung des Berges Măgura Odobeşti am 6. Januar 1917 beanspruchten sowohl die Abteilung Lieb29 des Württembergischen Gebirgsbataillons als auch das III. Bataillon des Infanterie-Leib-Regiments für sich, als erste auf dem Gipfel gewesen zu sein.30 Rückblickend scheint es so, dass sich die beiden Verbände in dem dichten Nebel und bei Schneetreiben auf kürzeste Entfernung gegenseitig nicht bemerkten. Nach dem Abstieg von der Măgura Odobeşti vertrieben dann am Abend dienstgradhöhere Offiziere des Infanterie-Leib-Regiments Rommels Abteilung aus den warmen Nachtquartieren, sodass die Württemberger eine bitterkalte Nacht in Erdhütten verbringen mussten.31 Diese Begebenheiten aus dem Rumänienfeldzug säten eine Zwietracht zwischen beiden Verbänden, was sicher nicht ganz bedeutungslos für Rommels ignorantes Verhalten gegenüber dem Leib-Regiment später bei Karfreit war.

Bei vielen Schlachten als »Feuerwehr« eingesetzt zu sein, bedeutete für das Leib-Regiment und das Württembergische Gebirgsbataillon immer wieder sehr hohe Verluste. Eine Analyse dieser Verluste über den gesamten Krieg hinweg zeigt für Schörners 12. Kompanie ein frappierendes Ergebnis: Mit 359 Toten hatte sie die höchste Todesrate im Regiment.32 Die Vergleichszahlen mit den drei anderen Kompanien des III. Bataillons geben diesem Befund noch ein besonderes Gewicht.33 Ob es in Schörners Truppe also einen besonderen Kult der Härte und des Draufgängertums gegeben hat, der für den späteren »Bluthund« der Wehrmacht so charakteristisch sein sollte, müssen weitere Detailstudien zeigen. Fest scheint jedenfalls aber auch zu stehen, dass Schörner durchaus auch taktische Erfolge erzielt haben muss. Ansonsten hätten vorgesetzte Stellen diese Verluste sicherlich hinterfragt und Schörner nicht weiter gefördert.34 Es liegt auch die Vermutung nahe, dass seine Kompanie häufig ganz bewusst an Brennpunkten eingesetzt wurde. Allerdings ist hier noch eine genauere Untersuchung notwendig.

Wegen der ständigen Unterstellungswechsel der Kompanien lässt sich eine Analyse der Verluste unter Rommels Kommando im Württembergischen Gebirgsbataillon leider nicht durchführen. Allerdings fällt auf, dass die 2. Kompanie, die ihm auch als Abteilungsführer über all die Monate stets unterstellt war, keine höheren tödlichen Verluste hatte als die anderen Kompanien des Bataillons.35 Auch ist von ihm aus dem Rumänienfeldzug 1916/17 eine Begebenheit überliefert, die sehr an seine späteren militärischen Leistungen bei Karfreit erinnert. Am 7. Januar 1917 stürmte er mit einer Kompanie das Dorf Găgeşti und nahm dabei 360 rumänische Soldaten gefangen.36 Im August 1917 hatte aber auch Rommel mit seiner Abteilung in Rumänien schwere Verluste;37 er selbst wurde verwundet, verblieb aber bei der Truppe. Hierfür feierte ihn die Regimentsgeschichte nach dem Krieg als »leuchtendes Beispiel als deutscher Führer und Soldat!«38

Die Schlüssel zum Sieg bei Karfreit 1917: Höhe 1114 und Monte Matajur

Im Herbst 1917 verlegte die OHL ihre strategische Reserve nach Italien, um den österreichisch-ungarischen Verbündeten zu stützen und den drohenden Durchbruch der Italiener nach der 11. Isonzoschlacht abzuwenden. Die eigens hierfür aufgestellte deutsche 14. Armee sollte zusammen mit k.u.k. Verbänden in einer Großoffensive die Italiener bis hinter den Tagliamento zurück werfen.39 So kamen im Oktober 1917 auch das Württembergische Gebirgsbataillon und das Infanterie-Leib-Regiment für das Unternehmen »Waffentreue« an die Italienfront. Erst das zweite Mal in seiner Geschichte wurde das Württembergische Gebirgsbataillon am 8. Oktober dem Alpenkorps für diese kommende Großoffensive direkt unterstellt.40 Anders als das Infanterie-Leib-Regiment war damit Rommels Bataillon – und das ist für das Verständnis der folgenden Ereignisse entscheidend – ein fremder Truppenteil innerhalb des Alpenkorps. Die Württemberger konnten nicht auf eine lange und in vielen Schlachten gewachsene Kameradschaft mit den Offizieren im Alpenkorps bauen. Daraus resultierten Benachteiligungen aller Art. Dies fing bereits mit der Einschätzung der Kampfkraft an: Im Vergleich zum Infanterie-Leib-Regiment wurde das Württembergische Gebirgsbataillon als schwächer beurteilt.41

Dem Alpenkorps fiel eine Schlüsselrolle für die Großoffensive am Isonzo zu. Es erhielt eine – nach dem damaligen Verständnis – ehrenhafte, gleichzeitig aber auch »besonders schwierige Aufgabe«42 im Gebirgskampf: Im Rahmen der »Gruppe Stein« (bayerisches III. Armeekorps) sollte es zunächst die italienischen Stellungen im Isonzotal überrennen, anschließend den Bergzug Kolovrat mit der Höhe 1114 erobern und am Ende als Hauptangriffsziel den Monte Matajur nehmen. Diese beiden Berge, Kolovrat und Matajur, dominieren das Isonzo- bzw. Natisone-Tal und bilden das letzte große Bollwerk bevor die Alpen in die norditalienische Ebene übergehen. Hierfür war ein »schleunigster Vorstoß von allen Seiten mit besonders ausgesuchten Kräften [...] notwendig«, wie die 14. Armee betonte.43 Als Speerspitze zur Erstürmung der Höhe 1114 und des Matajur wählte die Führung des Alpenkorps das Infanterie-Leib-Regiment aus und dabei besonders das III. Bataillon mit Schörners 12. Kompanie. Das war offenbar kein Zufall. In Abwesenheit des Kommandeurs, Oberstleutnant Franz Ritter von Epp, führte Major Robert Graf von Bothmer das Infanterie-Leib-Regiment. Bothmer war eigentlich der Kommandeur eben jenes III. Bataillons.44

Das Württembergische Gebirgsbataillon erhielt hingegen nur eine Nebenrolle zugewiesen. Es sollte dem Infanterie-Leib-Regiment folgen und dessen rechte Flanke decken.45 Anders ausgedrückt: Die »Leiber« konnten Ruhm und Ehre gewinnen, die »Gebirgler« waren nur die Helfer.46 Sproesser entschied sich, sein Württembergisches Gebirgsbataillon in drei Abteilungen aufzuteilen. Vorne die Abteilung Rommel mit der 1. und 2. Kompanie sowie der 1. MG-Kompanie, dahinter die Abteilung Schiellein mit drei weiteren Kompanien und schließlich der Bataillonsstab mit den restlichen Kompanien der Abteilung Wahrenberger.47 Am 24. Oktober 1917 um 2 Uhr morgens begann der Angriff der deutschen 14. Armee südlich von Tolmein mit einem gewaltigen Artilleriefeuer auf die gegnerischen Stellungen im Bereich des italienischen XXVII. Armeekorps.48

Dabei kam es auch zu einem massiven Einsatz von Giftgas in einem neuen Verfahren, dem »Buntschießen«.49 Das Bombardement zeigte sofort verheerende Wirkung. Als die deutsche Infanterie um 8 Uhr aus dem Isonzobrückenkopf zum Angriff gegen die vordersten Stellungen der italienischen 19. Division ansetzte, traf sie kaum auf Widerstand;50 die Brigaden »Taro« und »Spezia« hatten aufgehört zu bestehen. Auch späterer Widerstand einzelner italienischer Restteile wurde während des weiteren Vorstoßes in Richtung Höhe 1114 vergleichsweise schnell gebrochen. Durch den Artillerieschlag waren die meisten italienischen Fernmeldekabel zerstört, sodass ein koordinierter Gegenstoß unmöglich war. Zudem begünstigte die schlechte Sicht im dichten Nebel die Annäherung der deutschen Angreifer an die feindlichen Stellungen. So hielt auch die zweite Verteidigungslinie der Italiener am Hlevnik, einem Vorgipfel des Kolovrat, die deutschen Truppen nur kurz auf.

Bislang war Schörners 12. Kompanie stets in zweiter Linie gefolgt und hatte noch an keiner Kampfhandlung teilgenommen. Um 4 Uhr nachmittags übernahm dann seine Kompanie die Führung im Bataillon.51 Rommels Abteilung war weiter unten am Hang vor der zweiten italienischen Verteidigungslinie erstmals auf massiven Feindwiderstand gestoßen. Der Oberleutnant entschied sich, dem Feind auszuweichen und stieg mit seiner Abteilung hinauf in Richtung Hlevnik – und kam damit in den Angriffsstreifen des III. Bataillons des Infanterie-Leib-Regiments. Für die anschließenden Ereignisse gibt es unterschiedliche Darstellungen und Interpretationen, die nach dem Krieg zu größeren Streitigkeiten zwischen den damals beteiligten Verbänden führten. Auf Grundlage der vorhandenen archivalischen Quellen erscheint die hier folgende Darstellung am wahrscheinlichsten.

Um 5 Uhr nachmittags standen die deutschen Angreifer dicht unter der Höhe 1114 des Kolovrat. Das III. Bataillon des Infanterie-Leib-Regiments blieb zunächst im Kugelhagel der Verteidiger von der italienischen Brigade »Napoli« liegen – und zwar ziemlich exponiert. Der linke Nachbar, das Bayerische Jäger Regiment 1, hing weit zurück und zum rechten Nachbarn, dem Württembergischen Gebirgsbataillon, bestand zunächst keine Verbindung. Erst am Abend konnte sie hergestellt werden.52 Die »Leiber« waren nach über 800 Höhenmeter

Anstieg mitsamt schwerem Gepäck vollkommen erschöpft, doch der ehrgeizige Leutnant Schörner hatte Größeres vor. Er wollte die Verwirrung bei Freund und Feind noch kurz vor Einbruch der Dunkelheit ausnutzen und »entschloss sich [...] den Angriff auf die Kuppe unverzüglich allein zu versuchen, obwohl von der 12. K[om]p[anie] erst zwei Züge zur Stelle waren«.53 Schörner befahl kurzerhand einen Frontalangriff auf die Höhe 1114. Der Coup gelang – erstaunlicherweise ohne tödliche Verluste54 »Um 5.30 nachmittags ist der Schlüsselpunkt der feindlichen Hauptstellung in unserem Besitz«,55 heißt es im Kriegstagebuch des III. Bataillons des Infanterie-Leib-Regiments. Anschließend richtete sich das Bataillon umgehend zur Verteidigung ein und verbrachte eine kalte Nacht bei Sturm und Regen am Gipfel.

Die Italiener hatten offenbar keine Ahnung von der eigentlichen Stärke – oder besser gesagt: Schwäche – der deutschen Truppen vor ihren Verteidigungsstellungen gehabt. Die Einnahme der Höhe 1114 war auch deshalb so wichtig, da die Italiener ansonsten in der Nacht die Möglichkeit gehabt hätten, die Besatzung massiv zu verstärken. In der Tat: Am Nachmittag war nämlich die italienische 3. Division als Verstärkung auf den Kolovrat beordert worden.56 Schörner hatte die Lage also richtig eingeschätzt und Mut bewiesen. Doch gleichzeitig hatte er auch das Schicksal seiner müden Männer mit einem Brachialangriff riskiert. Er sollte für die Erstürmung der Höhe 1114 am 5. Dezember 1918 den Pour le Mérite bekommen.57 Schörner hatte damit seine Schuldigkeit getan, denn in den kommenden Tagen spielten er und sein Bataillon nur mehr eine Nebenrolle in der Schlacht von Karfreit. Das lag vor allem an den Aktionen der Abteilung Rommel.

Trotz der Einnahme der Höhe 1114 blieben die restlichen Kuppen auf dem Kolovrat weiterhin fest in italienischer Hand. Eigentlich hätte das Infanterie-Leib-Regiment den Höhenrücken weiter nach Westen aufrollen und anschließend zum Matajur vorstoßen sollen. Der Regimentsführer Major Bothmer verbot daher am Abend des 24. Oktober der Abteilung Rommel explizit einen weiteren Vorstoß nach Westen.58 Für ihn war klar: Dem Infanterie-Leib-Regiment, und nur diesem allein, sollte der Schlachtenruhm zufallen. Das war schon dem Selbstverständnis als traditionsreiche bayerische Elitetruppe geschuldet. Ein erst zwei Jahre altes Bataillon von »Schwaben« hatte sich da hintanzustellen, so die Denkweise. Zudem war zu befürchten, dass ein Vorrücken der Abteilung Rommel den gesamten Schlachtplan über den Haufen werfen würde. Ob es einen solchen zu diesem Zeitpunkt überhaupt (noch) gab, ist freilich fraglich. Nicht umsonst hatte die »Gruppe Stein« (bayerisches III. Armeekorps) bereits vor der Schlacht erkannt, dass in dem in viele kleine Gefechte zersplitterten Raum eine Einflussnahme kaum mehr möglich sein würde. So hatte sie im Sinne der neuen Stoßtrupptaktik explizit befohlen, dass im Kampf »die Divisionen und deren Unterführer selbstständig und in verständigem Zusammenwirken«59 agieren sollten.

Es kam anders als Bothmer es sich vorgestellt hatte: Der ambitionierte Rommel wollte sich mit seiner Zuschauerrolle nicht begnügen60 und erkannte am nächsten Morgen instinktiv die sich bietende Chance. Die stark befestigten italienischen Stellungen auf dem Kolovratrücken ließen sich nämlich sichtgeschützt am Nordhang umgehen. Sein Bataillonskommandeur Sproesser billigte den weiteren Vorstoß, das Infanterie-Leib-Regiment hingegen erhielt keine Meldung über Rommels Absicht. Während die »Leiber« den gesamten Vormittag des 25. Oktober auf der Höhe 1114 vergeblich auf Artillerieunterstützung warteten, um die starken italienischen Stellungen weiter westlich anzugreifen, hatte die Abteilung Rommel diese bereits ausflankiert und anschließend an einer schwachen Stelle durchbrochen. Die höhere Führung blieb – auch wegen der schwierigen Meldewege – über die Lage von Rommels Abteilung im Unklaren und hatte auch nicht mit diesem überraschenden Manöver gerechnet.61 Gegen Mittag hatte er bereits die letzten italienischen Stellungen am Kolovrat ausgeschaltet bzw. umgangen und befand sich bereits ca. zwei Kilometer vor den eigenen Linien. Mittlerweile war Rommels Abteilung noch durch die Abteilung Schiellein verstärkt, sodass er nun sechs Kompanien befehligte. Es war also nicht so, dass das Infanterie-Leib-Regiment und das Württembergische Gebirgsbataillon »sehr geschickt«62 zusammengearbeitet hatten, wie es in der offiziellen Darstellung nach dem Krieg hieß. Im Gegenteil: In jenen Stunden gab es keine Kooperation der beiden Verbände und der Durchbruch war vielmehr einem Alleingang von Rommel und seiner Abteilung zu verdanken.

In der Folge zeigte sich noch eine weitere Facette von Rommel als militärischem Führer. Die Entscheidung des jungen Oberleutnants beim Abstieg vom Kolovrat nach Westen am Mittag des 25. Oktober ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, warum seine Leistungen auch später im Zweiten Weltkrieg so unterschiedlich beurteilt wurden und auch bis heute noch werden. Rommels Abteilung hatte soeben die letzte italienische Stellung umgangen und sah vor sich das Dorf Luico (slow. Livek) liegen. Nun boten sich ihm drei Möglichkeiten: Erstens, die verbliebenen italienischen Stellungen der Brigade »Arno« auf dem Kolovrat von hinten aufzurollen und somit dem Infanterie-Leib-Regiment zu helfen. Zweitens, den Bersaglieri der IV. Brigade bei Luico in den Rücken zu fallen und somit die vom Tal kommenden Einheiten der deutschen 12. Infanterie Division entscheidend zu unterstützen. Oder drittens südlich von Luico über die Straße vorzugehen und die italienischen Nachschublinien zu durchtrennen. Rommel entschied sich für die

dritte Option.63 Wie will man dies interpretieren? Kritiker würden Rommel für diese Entscheidung wohl unkameradschaftliches Verhalten und Egoismus vorwerfen, seine Befürworter hingegen den Blick für das größere Ganze hervorheben. In der Tat brach nach der Einnahme der Straße südlich von Luico die gesamte italienische Verteidigung zusammen; die Italiener waren fortan vom Nachschub und den Rückzugmöglichkeiten abgeschnitten. Einige Stunden später erreichte auch das Infanterie-Leib-Regiment Luico und nahm das Dorf ein.64

Der »unermüdliche Oberleutnant«65 Rommel hingegen stieg Richtung Matajur auf. Nach einem härteren Kampf bei Jevszek (slow. Jevšček), einem kleinen Dorf auf den Hängen südwestlich von Luico, war der Sturm auf den Gipfel am 26. Oktober fast nur noch Formsache. Rommels Abteilung nahm dabei praktisch die gesamte Brigade »Salerno« gefangen und kurz vor Mittag stand er schließlich auf dem Matajur.66 »Einer der Angelpunkte im Durchbruchsraum«67 von Karfreit war somit in der Hand der Mittelmächte. In den schweren Kämpfen der letzten 52 Stunden hatten die drei bzw. später sechs Kompanien von Rommels Abteilung »nur« sechs Tote und 30 Verwundete zu beklagen.68 Insgesamt hatten die zehn Kompanien des Württembergischen Gebirgsbataillons in diesem Zeitraum 17 Tote, das Infanterie-Leib-Regiment mit seinen fünfzehn Kompanien hingegen 47 Tote.69 In einer vergleichbaren taktischen Lage hatten die »Gebirgler« also ihren Auftrag mit weit weniger Verlusten erfüllt als die »Leiber«. Das mag sich damit erklären, dass die Bayern vorrangig die Stellungen angriffen, während die Württemberger die Lücken suchten.

Der Kampf nach dem Kampf: Die Auseinandersetzungen um die Deutungshoheit der Schlacht

Nun gab es aber in der Folge ein Problem für den schwäbischen Oberleutnant. Es betraf seine Leistungen in der Schlacht und somit auch die Deutungshoheit über die Ereignisse. Durch Falschinformationen war den höheren Kommandobehörden gemeldet worden, die Abteilung Schnieber der 12. Infanterie Division hätte den Monte Matajur als erste eingenommen.70 In Wahrheit aber hatte Oberleutnant Walther Schnieber mit seinen Männern nur einen unbedeutenden Vorgipfel des Matajur erreicht und sich anschließend ergebnislos wieder zurückgezogen. Zweifelsfrei war Rommel mit seiner Abteilung der Erste am Gipfel des Matajur. Sein schneller Durchbruch bei Luico hatte – wie gesehen – die Lage völlig geändert. Bei der Verleihung des Pour le Mérite ging Rommel aber zunächst leer aus; Schnieber erhielt stattdessen den begehrten Orden. Rommel beschwerte sich schriftlich mit Unterstützung seines Bataillonskommandeurs – und bekam Recht. So wurde schließlich auch ihm und Sproesser am 10. Dezember 1917 der Pour le Mérite verliehen.71

Damit war es aber nicht getan. Die Streitereien um das Narrativ der Schlacht gingen auch nach dem Krieg weiter. Dies betraf einerseits den Beitrag des österreichisch-ungarischen Verbündeten in der Durchbruchsschlacht sowie andererseits die Bewertung der Kämpfe am Kolovrat.72 Im Zentrum der erbittert geführten Debatte stand erneut die Rolle des Infanterie-Leib-Regiments und des Württembergischen Gebirgsbataillons. Die Streitfrage war: Welcher der beiden Verbände hatte die italienische Front am Kolovrat und anschließend bei Luico zum Einsturz gebracht?

Das Verwirrspiel hatte noch während der Schlacht begonnen. Am Morgen des 25. Oktober 1917 hatte Sproesser einen Verbindungsoffizier zur Bayerischen Jäger-Brigade 1 gesandt und gemeldet, Infanterie-Leib-Regiment und Württembergisches Gebirgsbataillon hätten gemeinsam am Abend zuvor die Höhe 1114 eingenommen. Damit hatte Sproesser wohl absichtlich eine falsche Meldung abgegeben. Fast zeitgleich stellte eine schriftliche Meldung des Infanterie-Leib-Regiments aber richtig, die Höhe sei allein vom III. Bataillon des Regiments genommen worden.73

Nach dem Krieg läuteten die »Leiber« die erste Runde in dem Streit ein. Die zentrale Figur war hier Schörner. In einer kriegsgeschichtlichen Darstellung aus dem Jahr 1920 verschwieg er vollkommen die Rolle Rommels und des Württembergischen Gebirgsbataillons, vor allem bei der Eroberung des Kolovrat-Rückens.74 Stattdessen hob er die mangelnde Verbindung zwischen dem III. Bataillon des Infanterie-Leib-Regiments mit dem Württembergischen Gebirgsbataillon am Abend des 24. Oktober auf der Höhe 1114 hervor. Dies war ein schwerer Vorwurf: Die »Gebirgler« hätten die »Leiber« hängen, ja sogar im Stich gelassen. Diese Aussage implizierte auch, die Württemberger seien den militärischen Anforderungen nicht in vollem Maße gewachsen gewesen. Die zeitgenössischen Quellen deuteten die Ereignisse aber anders als Schörner nach dem Krieg. In einer Meldung an das Regiment hatte das III. Bataillon am Abend des 24. Oktober nicht die angeblich offene rechte Flanke zu den Württembergern als größte Gefahr dargestellt, sondern explizit die offene linke Flanke zum Bayerischen Jäger Regiment 1.75 Schörner griff in seiner Darstellung auch auf damals gängige Stereotype von der Überlegenheit des deutschen Soldaten zurück: »Gegen diese [feindliche] Übermacht der Zahl und der Natur setzten deutscher Geist und Wille zum Sturm an. Moralische und physische Fähigkeiten trugen in gleicher Weise zum Erfolg bei.«76 Immerhin ließ sich Schörner aber nicht zu rassistischen Abwertungen gegenüber den Italienern herab.

Auch die Veteranen des Württembergischen Gebirgsbataillons zeigten sich uneinsichtig, allen voran Theodor Sproesser. Bereits 1926 hatte er gegen die Darstellung in der populären Reihe »Schlachten des Weltkrieges« des Reichsarchivs protestiert und von »morgenländisch anmutenden Märchen«77 gesprochen und schwere Vorwürfe gegen das Infanterie-Leib-Regiment erhoben.78 Er verneinte, dass die »Leiber« die Höhe 1114 erstürmt hätten. Stattdessen nannte er Rommels »Durchbruch auf dem Kolowratrücken« die »strategisch wichtigste Gefechtshandlung der 12. Isonzo Schlacht«.79 Auch als die Fakten auf dem Tisch lagen, war er nicht bereit, seine Sicht zu revidieren. In der 1933 erschienenen Geschichte der württembergischen Gebirgsschützen wiederholte er seine Version.80 Schörners Erstürmung der Höhe 1114 am Abend des 24. Oktober 1917 leugnete er. Für Sproesser war klar: Alleine sein Bataillon hatte den Kolovrat und anschließend den Matajur gestürmt, das Infanterie-Leib-Regiment spielte dabei nur eine unbedeutende Nebenrolle.

Die ehemaligen Offiziere des Infanterie-Leib-Regiments hatten hingegen bereits kurz zuvor in dem Streit vorsichtig eingelenkt. Die Regimentsgeschichte aus dem Jahr 1931 hob zwar verständlicherweise die eigenen Leistungen über Gebühr hervor, erwähnte aber auch gleichzeitig die wichtige Rolle des Württembergischen Gebirgsbataillons bei der Eroberung des Kolovrat und des Matajur.81 Interessant war, dass das Kriegstagebuch des Regiments dies schon 1917 so gesehen hatte.82

Auch Rommel hatte über all die Jahre unermüdlich versucht, die Diskussionen um Karfreit in seinem Sinne zu beeinflussen.83 Zwanzig Jahre nach der Schlacht kam 1937 schließlich sein Buch »Infanterie greift an« heraus. Unter komplett anderen innen- wie außenpolitischen Vorzeichen veröffentlicht, war diese Schrift in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Einerseits war sie für die Veteranen des Württembergischen Gebirgsbataillons und des Infanterie-Leib-Regiments ein weitgehend akzeptabler Kompromiss. So hob Rommel die wichtige Rolle beider Verbände bei der Erstürmung des Kolovrat und des Monte Matajur hervor. Dabei blieb er aber in seiner Darstellung durchaus ambivalent.84 Andererseits verzichtete Rommel – wie schon in seinem Bericht 1917 – auf ein herablassendes Urteil über die Italiener. Er betonte sogar, die italienischen Truppen hätten sich wenige Wochen später am Monte Grappa »vortrefflich geschlagen«. Ja, Rommel verstieg sich 1937 sogar zu der Aussage: »Heute ist die italienische Armee eine der besten der Welt, [...] beseelt von einem neuen Geist«.85 Damit war auch die Brücke zur Versöhnung mit dem einstigen Kriegsgegner und jetzigen Verbündeten des Deutschen Reichs geschlagen.

Noch etwas ist an Rommels Buch bemerkenswert. Seine Darstellung der Kämpfe bei Karfreit kam insgesamt den Ereignissen erstaunlich nahe. Ein Abgleich mit den überlieferten Kriegstagebüchern der damals beteiligten Einheiten und Formationen zeigt, dass Rommel durchaus um Objektivität bemüht war. Das schloss einen gewissen Hang zur Selbstdarstellung – wie auch in späteren Jahren – nicht aus.

Die Rückschau auf die Ereignisse vom Oktober 1917 macht klar: Der Einsatz beider Verbände, sowohl des Bayerischen Infanterie-Leib-Regiments als auch des Württembergischen Gebirgsbataillons, war für den Erfolg bei Karfreit von überragender Bedeutung. Sie brachten die italienische Front auf dem Schlüsselgelände des Kolovrat und des Matajur zum Einsturz. Die Beutezahlen waren ungeheuerlich hoch: Das Infanterie-Leib-Regiment und das Württembergische Gebirgsbataillon nahmen jeweils über 10.000 Italiener gefangen und erbeuteten jeweils 100 Geschütze.86 Schörner und Rommel waren dabei die Schlüsselfiguren in ihren Verbänden: Schörner in der ersten Phase und Rommel in der zweiten Phase der Schlacht. Die herausragende Bedeutung dieser beiden Offiziere zeigt auch die Verleihungspraxis des Pour le Mérites. Er wurde während des Ersten Weltkrieges insgesamt 687 Mal verliehen, wobei nur elf Kompanieführer der Infanterie darunter waren. Schörner war sogar der erste Reserveoffizier und einzige Bayer auf Kompanieebene, der diese höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung erhielt.87 In der Welt des Militärs hatten die beiden mit diesem Orden »symbolisches Kapital« erworben und standen in ihrem Ansehen in einer Parallel-Hierarchie, »die mit der offiziellen nicht identisch«88 war. Später, in den frühen 1930er Jahren, als sie beide Taktiklehrer an der Infanterieschule in Dresden waren, galten sie bei den jungen Offizieren als leuchtende Vorbilder, wie der spätere Generalinspekteur der Bundeswehr, Ulrich de Maizière, berichtete.89

Wie ging es mit der Karriere der beiden Protagonisten nach dem Weltkrieg weiter? In der Revolutionszeit 1918/19 war Schörner Kompanieführer im »Freikorps Epp« und wurde anschließend in die Reichswehr übernommen. Er blieb bei der Gebirgstruppe, erst im III. Bataillon des Infanterie Regiments 19, später in der Wehrmacht als Kommandeur des Gebirgs-Jäger-Regiments 98, dann der 6. Gebirgs-Division und schließlich des XIX. Gebirgs-Armeekorps. Ab 1944 befehligte er Armeen und Heeresgruppen und wurde kurz vor Kriegsende im April 1945 sogar als einziger General der Gebirgstruppe zum Generalfeldmarschall ernannt. Rommel hingegen ging direkt nach dem Ersten Weltkrieg zur »gemeinen« Infanterie zurück und wechselte erst 1940 zur Panzertruppe. Bis heute ist sein Name stets mit jener Panzertruppe und nicht mit der Gebirgstruppe verbunden. Dennoch blieb er innerlich seiner Truppengattung aus jungen Jahren verbunden. »Grüßen Sie mir mein schwäbisches Volk und besonders meine lieben alten Gebirgler«,90 soll er am 14. Oktober 1944 zu seinem Adjutanten Hauptmann Hermann Aldinger gesagt haben, bevor er die Giftkapsel schluckte. Bezeichnenderweise war Aldinger auch Offizier im Württembergischen Gebirgsbataillon gewesen.

Fazit und Ausblick

Waren die Kämpfe auf dem Kolovrat und dem Monte Matajur 1917 ein prägendes Erlebnis für die jungen Offiziere Rommel und Schörner? Vieles spricht dafür. Sie wählten einen unterschiedlichen taktischen Ansatz, um ihren militärischen Auftrag zu erfüllen – und hatten jeweils Erfolg. Gewiss, diese Schlacht war wohl nicht das einzige prägende Erlebnis für die beiden jungen Offiziere; so mag bei Schörner beispielsweise seine Zeit im »Freikorps Epp« nach dem Ersten Weltkrieg auch ein weiteres einschneidendes Erlebnis gewesen sein. Dennoch scheinen Rommel und Schörner bei Karfreit 1917 ihr persönliches militärisches Erfolgsrezept gewonnen zu haben, an dem sie sich offenbar auch in späteren Jahren orientierten.

Vor allem trifft dies auf Rommel zu. Es war das unbemerkte »Herumschleichen« um den Gegner, der unerwartet an seiner schwächsten Stelle getroffen werden sollte. Dabei ließ der Oberleutnant seine Vorgesetzten häufig im Ungefähren oder sogar im Ungewissen. In einem Vortrag vor hohen Offizieren des Generalkommandos Nr. 64 im Jahr 1918 führte Rommel die Gründe seines Sieges bei Karfreit an:

»Durch genaueste, rastlose Geländeerkundung bei Tag und Nacht, fand ich stets die Schwächen des Gegners heraus. Schwierige Frontalangriffe vermied ich tunlichst. Durch blitzartiges Auftauchen und Handeln errang die Abteilung gewaltiger Übermacht gegenüber durchschlagende Erfolge.«91

Rommel liebte es, in der Verwirrung und unübersichtlichen Situationen des Gefechts zu agieren. Er verstand instinktiv, das Chaos des Krieges zu nutzen. All dies erinnerte sehr an seine späteren Erfolge in Frankreich 1940 und vor allem Nordafrika 1941/42, die er häufig mit unkonventionellen und teilweise auch umstrittenen Mitteln erzielte. Offenbar übertrug Rommel seine im Gebirgskrieg gewonnen Erfahrungen auf den Panzerkrieg.92 Bezeichnenderweise referierte er im Kreise seiner Offiziere kurz vor dem Beginn der Offensive im Westen 1940 noch einmal über seine Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Feldzug in Italien 1917.93

Als Vorgesetzter war Rommel schon im Ersten Weltkrieg fordernd, ging aber auch mit eigenem Vorbild »unerschrocken«94 voran. Nicht umsonst betonte er in jenem Vortrag aus dem Jahr 1918:

»Den Erfolg verdanke ich vor allem den tapferen Offizieren und Mannschaften des Gebirgsbataillons, die mir in jeder Lage, auch als die Kompagnien auf 40–50 Mann zusammengeschrumpft waren, blindlings gehorchten.«95

Schörners taktisches und operatives Verständnis im Zweiten Weltkrieg, vor allem während der Abwehrkämpfe an der Ostfront 1944/45, ist bisher noch nicht genauer untersucht worden. Über seine Rolle bei der äußerst verlustreichen »Sturmfahrt auf Lemberg« der 1. Gebirgs-Division im September 1939 gibt es unterschiedliche Meinungen.96 Sein Gebirgs-Jäger-Regiment 98 hatte jedenfalls überdurchschnittlich hohe Verluste, war aber häufig auch an Brennpunkten eingesetzt.97 Diese Erkenntnis erinnert sehr an die Rolle seiner 12. Kompanie im Bayerischen Infanterie-Leib-Regiment während des Ersten Weltkrieges. Ein weiteres Kontinuum scheint die »Stoßtrupptaktik« gewesen zu sein. Diese war ihm von vielen Gefechten im Grabenkampf des Großen Krieges sehr vertraut, so auch bei Karfreit. Auch im Zweiten Weltkrieg vertraute Schörner auf dieses Verfahren und legte als Kommandeur der 6. Gebirgs-Division großen Wert auf die Ausbildung seiner Soldaten darin.98

Wie Rommel so verlangte auch Schörner als Vorgesetzter seinen Soldaten viel ab, sorgte sich aber als Kompanieführer im Ersten Weltkrieg auch um sie – zumindest so lange sie an einem Strang mitzogen.99 Er galt als Willensmensch, für den die rücksichtslose Erfüllung seines militärischen Auftrags im Zentrum seines gesamten Handelns stand. Diesem ordnete er alles unter, wie sein taktisches Verhalten bei Karfreit zeigte. Wenn eine Kombination aus Frontal- und Flankenangriff nicht möglich schien, wählte Schörner den brachialen Ansatz eines reinen Frontalangriffs. Er rechtfertigte dies beim Anstieg auf den Kolovrat mit »der Notwendigkeit, mit aller Macht [...] vorzudringen, um in der beschränkten Tageshelle des sich neigenden Oktobers das Tagesziel zu erreichen«.100 Auf der Höhe 1114 gelang ihm dies erstaunlicherweise ohne tödliche Verluste – im Unterschied zu vielen anderen Gefechten. Denn seine 12. Kompanie erlitt während des Krieges die höchsten Opfer im gesamten Regiment. Seine Vorgesetzten goutierten dies aber: Schörner galt als »Mann, der ganze Entschlüsse fasst«.101

Auch in der Wehrmacht waren Schörners »unbändige Tatkraft«102 und Energie konstante Charaktermerkmale. So kam seine 6. Gebirgs-Division nur zwei Wochen (!) nach ihrer Neuaufstellung und einer »Blitz-Ausbildung« im Juni 1940 bereits zum ersten Fronteinsatz; anschließend wurde sie als »eine der jüngsten Divisionen zu den wenigen auserlesenen, durchwegs aktiven Verbänden«103 für das Landungsunternehmen »Seelöwe« gegen England ausgewählt. Doch der Ehrgeiz Schörners und sein »ausgeprägtes Geltungsbedürfnis«104 zeigten sehr bald auch ihre negativen Seiten. In der Wehrmacht erwarb er sich vor allem in der zweiten Kriegshälfte den Ruf eines brutalen und herzlosen Generals.105 Seine Willenskraft von einst schlug in politischen Fanatismus im Sinne der NS-Ideologie um. Damit verkörperte er perfekt den von Hitler geforderten »Steher« und nicht umsonst stand Schörner gegen Kriegsende »beim Führer ganz groß im Kredit«.106

Eine taktische Analyse von Karfreit kann zwar einerseits sicher nicht die Charaktere Rommel und Schörner allumfassend erklären. Andererseits aber liefert diese Fallstudie einen Mosaikstein, um das Führungsverhalten beider Offiziere besser zu begreifen. Rommels taktische Prinzipien als junger Oberleutnant im Ersten Weltkrieg ähnelten auf verblüffende Weise seinen operativen Prinzipien als General im Zweiten Weltkrieg. Aufgrund mangelnder Forschungen zu Schörner als Wehrmachtsgeneral ist es für solche Schlüsse noch zu früh, doch scheinen auch bei ihm gewisse Parallelen zu bestehen.

Wie das vorliegende Beispiel zeigt, konnten sehr ähnliche Erlebnisse der beiden Individuen Rommel und Schörner zu unterschiedlichen Erfahrungen führen – und das, obwohl beide Protagonisten in der gleichen Schlacht im gleichen Raum kämpften.107 Jedenfalls scheint eine Analyse der »Frühgeschichte« von später zentralen militärischen Entscheidungsträgern ein vielversprechendes Forschungsfeld zu sein. Damit ließen sich biografische Kontinuitäten und Diskontinuitäten besser beantworten, so in Fragen des militärischen Handelns, des Führungsverhaltens, der Führungsverantwortung gegenüber der unterstellten Truppe oder der Gewaltanwendung. Im Idealfall sollte eine solche Analyse sich aber nicht nur auf die Mentalitäts- und Gewaltgeschichte beschränken, sondern auch die klassische Operationsgeschichte bis auf die unteren taktischen Ebenen miteinbeziehen, wie das Beispiel von Karfreit 1917 zeigt.

Fußnoten

1

Aus der Vielzahl der Rommel-Biografien kann eigentlich nur eine überzeugen: vgl. Maurice Philip Remy, Mythos Rommel, München 2002. Für weitere Biografien vgl. David Irving, Rommel. The Trail of the Fox, London 1977; David Fraser, Knight’s Cross. A Life of Field Marshal Erwin Rommel, London 1993; Ralph Georg Reuth, Rommel. Ende einer Legende, München 2004; Rommel. A Reappraisal. Ed. by Ian F. W. Beckett, Barnsley 2013. Gedanklich anregend ist auch die Doppelbiografie: vgl. Dennis Showalter, Patton and Rommel. Men of War in the Twentieth Century, New York 2005. Für eine Zusammenfassung der Diskussion um Rommel vgl. Peter Lieb, Erwin Rommel. Widerstandskämpfer oder Nationalsozialist? In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 61 (2013), S. 321–361.

Zu Schörner liegt noch keine Biografie vor, die wissenschaftliche Standards erfüllt. Für eine Einführung vgl. Klaus Schönherr, Ferdinand Schörner. Der idealtypische Nazigeneral. In: Die Militärelite des Dritten Reiches. 27 biographische Skizzen. Hrsg. von Roland Smelser und Enrico Syring, Berlin und Frankfurt a. M. 1995, S. 497–509, sowie Peter Steinkamp, Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner. In: Hitlers militärische Elite. Vom Kriegsbeginn bis zum Weltkriegsende, Bd 2. Hrsg. von Gerd R. Ueberschär, Darmstadt 1998, S. 236–244. Hagiografisch: vgl. Roland Kaltenegger, Schörner – Feldmarschall der letzten Stunde, München, Berlin 1994. Teils offen rechtsextrem: vgl. Erich Kern, Generalfeldmarschall Schörner. Ein deutsches Soldatenschicksal, Preußisch Oldendorf 1976.

Für Anregungen und konstruktive Kritik an diesem Aufsatz danke ich: Dr. Armin Wagner (Dresden), Dr. Matteo Scianna (Potsdam), Dr. Christian Hartmann (München), Dr. Erwin Schmidl (Wien), Dr. Alexander Jordan (Rastatt), Dr. Wolfgang Mährle (Stuttgart), meinen Kollegen und Freunden am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr Dr. Dieter Kollmer, Dr. Christian Stachelbeck, Dr. Christoph Nübel, Dr. Thomas Vogel, Chris Helmecke sowie zwei anonymen Gutachtern. Besonderen Dank schulde ich meinem Abteilungsleiter, Dr. Frank Hagemann, für die exzellenten Rahmenbedingungen in der Abteilung für das wissenschaftliche Arbeiten.

2

Zu Hitler und der Generalität vgl. Wolfram Pyta, Hitler. Der Künstler als Politiker und Feldherr. Eine Herrschaftsanalyse, München 2015, v. a. S. 263–653, sowie allgemein vgl. Johannes Hürter, Hitlers Heerführer. Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42, München 2006; Geoffrey P. Megargee, Inside Hitler’s Command, Lawrence, KS 2000 (deutsch: Hitler und die Generäle. Das Ringen um die Führung der Wehrmacht 1933–1945, Paderborn [u. a.] 2006).

3

Vgl. Schörner. Der laute Kamerad. In: Der Spiegel, 7/1955, S. 11–18, hier S. 12. Wenig schmeichelhaft war Rommels Beschreibung von Schörner nach einem dienstlichen Treffen im August 1943: »He’s very well, the old ›Terror of the Arctic Passage‹, fat and lively. Talks incessantly.« The Rommel Papers. Ed. by B. H. Liddell-Hart, New York 1953, S. 434. Irving hingegen behauptet, dass trotz der lebenslangen Rivalität die beiden »generally friendly« zueinander gewesen seien. Vgl. Irving, Rommel (wie Anm. 1), S. 21. Vgl. auch Karl Ruef, Gebirgsjäger zwischen Kreta und Murmansk, Die Schicksale der 6. Gebirgsdivision, Graz, Stuttgart 1970, S. 19 f.

4

Vgl. v. a. den wegweisenden Aufsatz von: Johannes Hürter, Kriegserfahrung als Schlüsselerlebnis? Der Erste Weltkrieg in der Biographie von Wehrmachtsgenerälen. In: Erster Weltkrieg – Zweiter Weltkrieg. Ein Vergleich. Krieg, Kriegserlebnis, Kriegserfahrung in Deutschland. Hrsg. von Bruno Thoß und Hans-Erich Volkmann, Paderborn [u. a.] 2002, S. 759–771; Johannes Hürter, Hitlers Generäle und der Erste Weltkrieg. In: Nationalsozialismus und Erster Weltkrieg. Hrsg. von Gerd Krumeich, Essen 2010, S. 261–269, wobei Hürter die größere Bedeutung der Revolutionszeit 1918/19 für die Ausprägung der Mentalität späterer Wehrmachtsgeneräle betont; Ben Shepherd, Terror in the Balkans. German Armies and Partisan Warfare, Cambridge, London 2012, S. 28–56, der vor allem die österreichische Perspektive analysiert. Vgl. auch grundlegend zum »Generationenmodell« der Wehrmachtsgeneralität: Bernhard R. Kroener, Generationserfahrungen und Elitenwandel. Strukturveränderungen im deutschen Offizierkorps 1933–1945. In: Eliten in Deutschland und Frankreich im 19. und 20. Jahrhundert. Strukturen und Beziehungen. Hrsg. von Rainer Hudemann und Georges-Henri Soutou, München 1994, S. 219–233.

5

Für diesen Aufsatz wurden die Bestände folgender Verbände konsultiert: Württembergisches Gebirgsbataillon (Hauptstaatsarchiv Stuttgart, künftig: HStA Stuttgart), Alpenkorps, Bayerische Jäger-Brigade 1, Infanterie-Leib-Regiment sowie III./Infanterie-Leib-Regiment (jeweils Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Abt. IV – Kriegsarchiv, München, künftig: BayHStA, Abt. IV).

6

Vgl. HStA Stuttgart, M 660/200, Bü 2: W. G. B. Abteilung Rommel. 28.10.1917. Gefecht über die Durchbruchsschlacht bei Tolmein; BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 4: Kriegsgeschichtliche Darstellung der Teilnahme des III. Batls. k. bay. Inf.-Leib.-Regts. am Durchbruch von Tolmein in der Zeit vom 21.–25.10.1917. Bearb. von Ferdinand Schörner, Dezember 1920.

7

So schrieb der spätere General der Infanterie Hermann Geyer über seine Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg: »Niemand wird verkennen, dass persönliche Erinnerungen stets nur mit Vorsicht gewertet werden dürfen. Das Gleiche gilt aber noch mehr für Akten, Kriegstagebücher und dgl., für die sogar erst recht, da im Kriege bekanntlich viele Befehle pp. hinterher nur für die Akten gemacht wurden! Und zwar nicht nur der Ordnung wegen!« Vgl. Bundesarchiv (künftig: BArch), N 221/25: Brief Hermann Geyer vom 8.1.1932.

8

Für neuere Darstellungen vgl. Alexander Jordan, Krieg um die Alpen. Der Erste Weltkrieg im Alpenraum und der bayerische Grenzschutz in Tirol, Berlin 2008, S. 320–372; Waffentreue. Die 12. Isonzoschlacht 1917. Hrsg. von Manfried Rauchensteiner, Wien 2007. Mario A. Morselli, Caporetto 1917. Victory or Defeat? London, Portland, OR 2001. Für die Darstellungen der damaligen zentralen Entscheidungsträger aus der Zwischenkriegszeit vgl. Konrad Krafft von Dellmensingen, Der Durchbruch am Isonzo, 2 Teile, Oldenburg 1926 (= Schlachten des Weltkrieges 12 a und 12b); Alfred Krauß, Das »Wunder von Karfreit«, im Besonderen der Durchbruch bei Flitsch und die Bezwingung des Tagliamento, München 1926. Vgl. auch die offiziellen Darstellungen Österreich-Ungarns letzter Krieg, 1914–1918, 6. Bd: Das Kriegsjahr 1917. Hrsg. vom Österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung und dem Kriegsarchiv, Wien 1936, S. 493–562. L’Esercito Italiano nella Grande Guerra (1915–1918), vol. IV: Le operazioni del 1917, t. 3: gli avvenimenti dall’ottobre al dicembre (narrazione), Rom 1967, S. 53–383.

9

Vgl. Erwin Rommel, Infanterie greift an. Erlebnis und Erfahrung, Potsdam 1937. Für den vorliegenden Aufsatz wurde die 1995 erschienene Ausgabe des Österreichischen Milizverlags benutzt. Für Rommel bei Karfreit vgl. John and Eileen Wilks, Rommel at Caporetto, Barnsley 2001. Aleksander J. Potočnik, Erwin Rommel’s Blue Max or Just what did Rommel to deserve the highest German military medal?, Ljubljana 2014, ist sehr detailreich und hat beeindruckende Karten, doch unterlaufen dem Autor einige Sachfehler und es gelingt ihm nicht immer eine korrekte Einordnung der Begebenheiten in die allgemeine Militärgeschichte.

Für gelungene Darstellungen vgl. Remy, Mythos Rommel (wie Anm. 1), S. 19–26; Mythos Rommel. Katalog zur Sonderausstellung. Hrsg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart 2008, S. 20–31, und Wolfgang Mährle, Erwin Rommel und das Württembergische Gebirgsbataillon in der 12. Isonzo-Schlacht – Wahrnehmung und Deutung eines militärischen Erfolgs. In: Erwin Rommel. Geschichte und Mythos. Hrsg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Verb. mit der Landeshauptstadt Stuttgart, Leinfelden-Echterdingen 2009, S. 17–53, 206–216. Einen kurzen Abriss bietet Alexander Jordan, Jubelnd und hüpfend kann er nicht schnell genug gefangen sein. Erwin Rommel und die württembergischen »Gebirgler« auf dem italienischen Kriegsschauplatz 1917. In: Schwäbische Heimat, 3/2017, S. 336–344.

10

Vgl. Wolfgang Mährle, Rommel, Erwin Eugen Johannes, Generalfeldmarschall (1891–1944). In: Württembergische Biographien unter Einbeziehung hohenzollerischer Persönlichkeiten, Bd 2. Hrsg. von Maria Magdalena Rückert, Stuttgart 2011, S. 233–237, hier S. 233.

11

So hatte das Regiment sehr zu seinem Leidwesen am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nur in der Etappe teilgenommen und hatte überdies 1913 als eines der wenigen württembergischen Regimenter keinen Regiments-Chef aus einem Königs- bzw. Kaiserhaus. Vgl. Geschichte des Infanterie-Regiments König Wilhelm I. 6. Württ. No. 124. Bearb. von Hauptmann Fromm, Ravensburg 1910, S. 181; Militär-Handbuch des Königreichs Württemberg nach dem Stande vom 6. Mai 1913, Stuttgart 1913, S. 157 f.

12

HStA Stuttgart, M 430/2, Bü 1746: Inf. Regt. 124. 1913. Leutnant Rommel. gez. v. Stein.

13

Im Frühjahr 1914 lag der Anteil der adeligen Offiziere im Regiment bei 76 %. Zieht man die Ärzte und Beamten ab, lag der Anteil sogar bei 84 %. Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leib-Regiment 1814 bis 1917. Bearb. von Oskar Illig, München 1914, S. 218–220. Nach der Mobilisierung und dem Ausrücken ins Feld Mitte August sank der Anteil der adeligen Offiziere auf 41 %. Diese Zahl fiel bei Kriegsende sogar auf nur mehr 29 %. Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment im Weltkrieg 1914/18. Bearb. von Offizieren des Regiments, München 1931, Anl. VI, S. 40, 76 f.

14

BayHStA, Abt. IV, OP 13359: Übungskompagnie 1913. Lechfeld, 20.4.1913. Beurteilung des Uffz d.R. Schörner, ILR

15

Vgl. HStA Stuttgart, M 95/45: Infanterie Regiment 124. Gefechtsbericht über die Schlacht bei Bleid, 22.8.1914.

16

Bei diesem Gefecht hatte allein das II./Infanterie-Regiment Nr. 124 30 Tote, 77 Verwundete und 10 Vermisste. Vgl. Das Infant.Regt. König Wilhelm I. v. Württemberg No. 124 im Weltkrieg 1914–1918, Stuttgart 1921, S. 20.

17

Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment (wie Anm. 13), Anl. IX, S. 113, 118, 122 f.

18

Vgl. Günther Hebert, Das Alpenkorps. Aufbau, Organisation und Einsatz einer Gebirgstruppe im Ersten Weltkrieg, Boppard a.Rh. 1988; Immanuel Voigt, Das Alpenkorps an der Dolomiten-Front 1915. Mythos und Realität, Bozen 2014.

19

Am 26.5.1915 setzte sich das Alpenkorps wie folgt zusammen: Jäger-Brigade Nr. 2 (preuß.) mit den Jäger-Regimentern 2 (preuß.) und 3 (preuß./bayer.), der Bayerischen Jäger-Brigade Nr. 1 mit dem Bayerischen Jäger-Regiment 1 und dem Bayerischen Infanterie-Leib-Regiment, dem Bayerischen Artillerie-Kommandeur 7 (dessen Batterien aber wiederum gemischt preußisch-bayerisch waren) sowie verschiedene Divisionstruppen bayerischer und preußischer Herkunft. Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment (wie Anm. 13), Anl. I, S. 6.

20

Vgl. ebd., S. 62–65. Vgl. z. B. auch den Erfahrungsbericht der Bayerischen Jäger-Brigade 1 nach dem Einsatz in Tirol in: BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1 (WK), Bd 2: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag nach dem 16.10.1915 »Erfahrungen«.

21

Diese Denkschrift befindet sich beispielsweise in den Beständen BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 434, und BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 93, Akt 2.

22

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 434: K. B. Infanterie-Leib-Regiment. Leutnant Schörner. 11.1.1918. An das K. Batl. Betreff: Winke für die Tragtierpflege und Organisation.

23

Für einen kurzen Überblick zu den Schneeschuhtruppen mit weiterführender Literatur vgl. Hans Rudolf Stein, Deutsche Schneeschuh- und Gebirgstruppen 1915–1918. In: Zeitschrift für Heeres- und Uniformkunde, 324 (1986), S. 33–35. Vgl. auch den Kommentar Rommels zu einer zentralen Anleitung für den Einsatz von Schneeschuhtruppen aus dem Jahr 1918 in: HStA Stuttgart, M 130/71: Erwin Rommel, Schreiben vom 8.1.1918.

24

Vgl. HStA Stuttgart, M 130/7: Württembergisches Gebirgsbataillon. Kriegstagebuch, Eintrag vom 11.3.1917. An jenem Tag hatte das Bataillon eine Verpflegungsstärke von 47 Offizieren sowie 1885 Unteroffizieren und Mannschaften; die Gefechtsstärke lag bei 45 Offizieren sowie 1721 Unteroffizieren und Mannschaften.

25

Vgl. Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen. Bearb. von Theodor Sproesser, Stuttgart 1933 (= Die württembergischen Regimenter im Weltkrieg 1914–1918, 49).

26

Vgl. HStA Stuttgart, M 430/2, Bü 1746: Inf.Regt. 124. 1913. Leutnant Rommel. gez. v. Stein.

27

Vgl. Mythos Rommel (wie Anm. 9), S. 28.

28

Vgl. HStA Stuttgart, M 130/6: Württembergisches Gebirgsbataillon. Kriegstagebuch, Eintrag vom 31.12.1916.

29

Oberleutnant Theobald Lieb wurde später ein hochdekorierter Generalleutnant in der Wehrmacht. Der Autor dieses Artikels ist nicht mit ihm verwandt oder verschwägert.

30

Vgl. hier die gegensätzlichen Schilderungen in: Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment (wie Anm. 13), S. 257–261; Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 112–117. Besonders aggressiv erhob diesen Anspruch die offizielle Darstellung des Württembergischen Gebirgsbataillons. Vgl. Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen (wie Anm. 25), S. 115–121.

31

Vgl. Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 117.

32

Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment (wie Anm. 13), Anl. X, S. 214 f. Die Regimentsgeschichte zählt zusätzlich noch einen Toten bei der Einnahme von München 1919. Zieht man die Toten durch Krankheit und Unglücksfällen ab, hatte die 5. Kompanie allerdings mit 334 Toten zwei Tote mehr als die 12. Kompanie zu beklagen.

33

Die tödlichen Verluste der 9. Kompanie lagen bei 247, jene der 10. Kompanie bei 215 und jene der 11. Kompanie bei 207 Toten, vgl. ebd. Es ist davon auszugehen, dass sich die vier Kompanien des III. Bataillons des Regiments fast immer in vergleichbaren taktischen Lagen befunden haben.

34

Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 95, Akt 4: Inf. Leib Regiment. III./Bataillon. An das K. Regiment. 30.9.1914. Betreff: Vorschläge von Uffz u. Mschften zu Ordensauszeichnungen. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 22, Akt 3: Infanterie Leib Regt, III. Batl. An das I. L. Regiment. 11.1.1917. Vorschlag zur Verleihung des Eisernen Kreuzes I. Kl. Demnach galt Schörner als »schneidig und tapfer« bzw. hatte sich »wiederum ganz hervorragend ausgezeichnet«.

35

Analysiert wurde vom 17.11.1915 bis zum 6.2.1918, also in jenem Zeitraum, in dem Rommel im Gebirgsbataillon diente. Demnach hatte die 2. Kompanie 33 Tote. Die Todeszahlen für die anderen Kompanien waren: 25 (1. Kompanie), 58 (3. Kompanie), 43 (4. Kompanie) sowie je 32 (5. und 6. Kompanie). Vgl. Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen (wie Anm. 25), S. 481–498.

36

Vgl. HStA Stuttgart, M 130/6: Württembergisches Gebirgsbataillon. Kriegstagebuch, Eintrag vom 7.1.1917.

37

Ebd., Einträge vom 11.8. und 13.8.1918.

38

Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen (wie Anm. 25), S. 196.

39

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 358: Armeeoberkommando 14. Abt. Ia zu 288 op. 4.10.1917. Weisungen für den Angriff der 14. Armee.

40

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 23: Alpenkorps, Kriegstagebuch, Einträge vom 8.10.1917. Am 3.11.1917 wurde das Bataillon wieder aus dem Verband des Alpenkorps entlassen. Bereits Ende 1916/Anfang 1917 waren die Württemberger dem Alpenkorps für gut zwei Wochen zugeteilt gewesen.

41

So das Urteil des Kommandeurs der Bayerischen Jäger-Brigade 1, Generalmajor von Kleinhenz, bei einer Besprechung im Stab des Alpenkorps. Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 18.10.1918.

42

Österreich-Ungarns letzter Krieg (wie Anm. 8), S. 529.

43

BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 358: Armeeoberkommando 14. Abt. Ia zu 288 op. 4.10.1917. Weisungen für den Angriff der 14. Armee. Ganz im Sinne des Prinzips »Wer den Berg beherrscht, beherrscht das Tal« legte die 14. Armee in diesem Befehl auch fest: »Grundsatz für jede Angriffshandlung im Gebirge ist das Gewinnen und Innehalten der Höhenlinien.« Zu den Diskussionen um die Taktik im Gebirgskrieg vgl. Jordan, Krieg um die Alpen (wie Anm. 8), S. 185–214.

44

Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 91, Akt 1: III./Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Einträge vom 27.9.1917 und 2.11.1917.

45

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Einträge vom 19.10., 21.10. und 24.10.1917; BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 81: K. Bayer. Jg Brigade Nr. 1. Nr. 8031 v. 21.10.1917 (14 Uhr). Brigadebefehl.

46

Vgl. auch Mährle, Erwin Rommel (wie Anm. 9), S. 30.

47

Vgl. HStA Stuttgart, M 1/11, Bü 773/1: Württbg.Gebirgs.Btl. 1.11.1917. Gefechtsbericht über die Zeit vom 24.–31.10.1917.

48

Kommandierender General dieses Armeekorps war Pietro Badoglio, der später im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle beim Seitenwechsel Italiens im Sommer/Herbst 1943 spielte.

49

Vgl. Felix Radax, Giftgas und das »Wunder von Karfreit«. In: Waffentreue (wie Anm. 8), S. 49–63. Beim »Buntschießen« wurde der Einsatz unterschiedlicher Giftstoffe kombiniert. Den Namen erhielt dieses Verfahren durch die Markierung der Gasgranaten mit verschiedenfarbigen Kreuzen. So wurde zunächst »Blaukreuz« geschossen. Dieses enthielt Nasen- und Rachenkampfstoffe, wodurch die Soldaten gezwungen waren, ihre Gasmasken abzunehmen (daher auch: »Maskenbrecher«). Direkt im Anschluss wurde »Grünkreuz« mit Lungenkampfstoff verschossen. Durch den »Maskenbrecher« ihres Gasschutzes beraubt, entfaltete das »Grünkreuz« eine tödlich-vernichtende Wirkung unter den Soldaten.

50

Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 91, Akt 1: III./Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1917: »Das ganze Stellungssystem in der Woltschachebene wurde widerstandslos glatt überrannt.«

51

Ebd., Eintrag vom 24.10.1917.

52

So zumindest der Vorwurf Schörners in seiner Darstellung aus dem Jahr 1920. Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 4: Kriegsgeschichtliche Darstellung der Teilnahme des III. Batls. k. bay. Inf.-Leib.-Regts. am Durchbruch von Tolmein in der Zeit vom 21.–25. Oktober 1917. Bearb. von Ferdinand Schörner, Dezember 1920. In den zeitgenössischen Kriegstagebüchern wird dieses Problem weniger dramatisch dargestellt.

53

BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 91, Akt 1: III./Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1917.

54

Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment (wie Anm. 13), Anl. IX, S. 174. Die Anzahl der Verwundeten ist unklar. Erst am 25.11.1917 hatte Schörners Kompanie zwei Tote.

55

BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 91, Akt 1: III./Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1917. Für die vorgesetzten Stellen blieb die Lage aber lange Zeit unklar. Im Kriegstagebuch der Bayerischen Jäger-Brigade 1 heißt es: »Über die Lage bei Höhe 1114 sind die Meldungen bis 12.00 nachts widersprechend.« BayHStA, Abt. IV, Bayer Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1917.

56

Vgl. L’Esercito Italiano (wie Anm. 8), t. 3 bis (documenti), S. 276.

57

Vgl. BayHstA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 739. Der Chef des Militär-Kabinetts. Großes Hauptquartier, den 5.12.1917. Zur Eingabe vom 28.11.1917, IIc Nr. 4492

58

HStA Stuttgart, M 1/11, Bü 773/4: Vortrag des Oberleutnant Rommel vom Kgl. Württ.Gebirgs-Btl. kommdt. zum Gen.Kdo. 64, gehalten am [o.D., wohl Frühjahr 1918] vor den Herren des General-Kds und der Divisionen. Vgl. auch Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 202 f. In Sproessers zeitgenössischem Bericht wird diese Begebenheit nicht explizit erwähnt, ergibt sich aber aus der Darstellung: »Während sich Infanterie-Leib-Regiment entschließt, dem schwer kämpfenden K. B. Jäg. Rgt. 1 entgegen nach Südosten anzugreifen, setzt Württembergisches Gebirgsbataillon nach Tagesanbruch die Vorwärtsbewegung nach Westen fort.« Vgl. HStA Stuttgart, M 1/11, Bü 773/1: Württbg.Gebirgs.Btl. 1.11.1917. Gefechtsbericht über die Zeit vom 24.–31.10.1917. Vgl. v. a. auch Sproessers Darstellung nach dem Krieg in: Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen (wie Anm. 25), S. 276. Darin gibt er auch einen fiktiven Dialog mit Bothmer wieder. Das Kriegstagebuch des Infanterie-Leib-Regiments bestätigt Bothmers Anwesenheit auf der Höhe 1114 ab 6.30 Uhr abends, erwähnt aber nicht den Zusammenstoß des Regimentsführers mit Rommel. Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 1: Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1917.

59

BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 358: Gruppe Stein. Ia Nr. 33202. 7.10.1917. Anweisung für den Angriff der Gruppe Stein. Zur Stoßtrupptaktik vgl. Stephen Bull, Stosstrupptaktik. German Assault Troops of the First World War. The First Stormtroopers, Stroud 2014; M. Christian Ortner, Österreichisch-ungarische Sturmformationen und Jagdkommandos im Ersten Weltkrieg. Kampfverfahren, Organisation, Uniformierung und Ausrüstung, Wien 2005; Bruce Gudmundsson, Stormtroop Tactics: Innovation in the German Army, 1914–1918, New York 1989; Christian Stachelbeck, Militärische Effektivität im Ersten Weltkrieg. Die 11. Bayerische Infanteriedivision 1915 bis 1918, Paderborn [u. a.] 2010, passim. Für einen kulturgeschichtlichen Ansatz des Zusammenspiels von Raum, Taktik und Ausbildung vgl. Christoph Nübel, Durchhalten und Überleben an der Westfront. Raum und Körper im Ersten Weltkrieg, Paderborn [u. a.] 2014, S. 99-206.

60

Auch der Befehl der Bayerischen Jäger-Brigade 1 vom Vormittag des 25.10. wies dem Württembergischen Gebirgsbataillon weiterhin nur den rechten Flankenschutz für das Infanterie-Leib-Regiment zu. Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 25.10.1918.

61

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 424: Kdo. des Alpenkorps. Ia Nr. 6011 op. 25.10.1917, 11.25 vorm. Korpsbefehl. Darin hieß es fälschlicherweise: »Infanterie Leib Regiment in flottem Vorgehen auf Luico, wollte 8 Uhr vormittags Kuk erreichen.« Eine Durchsicht der bei der Bayerischen Jäger-Brigade 1 eingegangen Meldezettel zeigt auch, dass das Infanterie-Leib-Regiment sehr häufig meldete, das Württembergische Gebirgsbataillon hingegen kaum. Vgl. den Bestand BayHStA, Abt. IV, Bayerische Jäger-Brigade 1, Bd 82.

62

Krafft von Dellmensingen, Der Durchbruch am Isonzo (wie Anm. 8), T. 1, S. 94.

63

Vgl. Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 224.

64

Das Kriegstagebuch des Infanterie-Leib-Regiments beanspruchte für sich eine entscheidende Rolle bei den Kämpfen um Luico, was aber nur sehr bedingt der Wahrheit entsprach. Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 1: Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 25.10.1918.

65

Krafft von Dellmensingen, Der Durchbruch am Isonzo (wie Anm. 8), T. 1, S. 95.

66

Eigentlich hatte die »Gruppe Stein« am Abend des 25.10. den Gipfel des Matajur noch explizit der 12. Infanterie Division zugewiesen. Vgl. BayHStA, Abt. IV, Alpenkorps, Bd 23: Alpenkorps, Kriegstagebuch, Eintrag vom 25.10.1917. Dieser Befehl war aber durch die dramatische Lageänderung obsolet geworden, sodass die Bayerische Jäger-Brigade 1 am 26.10., 0 Uhr, den Gipfel dem Württembergischen Gebirgsbataillon und dem II./Infanterie-Leib-Regiment zuwies. Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 28. Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 26.10.1917.

67

Österreich-Ungarns letzter Krieg (wie Anm. 8), S. 542.

68

Vgl. HStA Stuttgart, M 660/200, Bü 3: W. G. B. Abteilung Rommel. Gefechtsbericht vom 6.–10.11.1917. O.U., 11.11.1917. Vgl. auch Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 252. Einige der Schwerverwundeten starben allerdings noch in den folgenden Tagen. An einer Stelle schrieb Rommel auch, dass die »Verantwortung für das Leben meiner Offiziere und Schützen« auf ihm »drückend schwer« laste. Vgl. ebd., S. 238 f.

69

Vgl. Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen (wie Anm. 25), S. 482—497; Das Königlich Bayerische Infanterie-Leib-Regiment (wie Anm. 13), Anl. IX, S. 172–174. Allein das III. Bataillon des Leib-Regiments hatte 29 Tote.

70

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1917, 21 Uhr. Demnach meldete das Alpenkorps, dass das III. Bataillon des 23. Infanterie Regiments von Idrsko auf den Monte Matajur steige.

71

Vgl. HStA Stuttgart, M 660/200, Bü 4: Telegramm Kaiser an König von Württemberg vom 10.12.1917. Neben Sproesser, Rommel, Schörner und Schnieber erhielt noch der Kommandeur des Alpenkorps, Ludwig Ritter von Tutschek, den Pour le Mérite in dieser Schlacht. Schnieber durfte seine Auszeichnung behalten, da eine Kaiserliche Ordensverleihung nicht rückgängig gemacht werden konnte. Er fiel 1918 in Frankreich. Vgl. Mythos Rommel (wie Anm. 9), S. 22.

72

Vgl. Markus Pöhlmann, Kriegsgeschichte und Geschichtspolitik: Der Erste Weltkrieg. Die amtliche deutsche Militärgeschichtsschreibung 1914–1956, Paderborn [u. a.] 2002, S. 203–210.

73

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bayer. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 25.10.1918. In seinem Erfahrungsbericht wenige Tage später behauptete Sproesser dann ebenso falsch, erst der Durchbruch Rommels habe dem Infanterie-Leib-Regiment die Einnahme der Höhe 1114 am Vormittag des 25.10.1917 ermöglicht. Vgl. HStA Stuttgart, M 1/11, Bü 773/1: Württbg.Gebirgs.Btl. 1.11.1917. Gefechtsbericht über die Zeit vom 24.–31.10.1917.

74

Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 4: Kriegsgeschichtliche Darstellung der Teilnahme des III. Batls. k. bay. Inf.-Leib.-Regts. am Durchbruch von Tolmein in der Zeit vom 21.–25. Oktober 1917. Bearb. von Ferdinand Schörner, Dezember 1920.

75

Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 91, Akt 6: III./Infanterie-Leib-Regiment. Meldung an Infanterie-Leib-Regiment, 24.10.1917. Vgl. auch BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd. 13, Akt 1: Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.10.1918. Darin ist die Verbindungsaufnahme mit dem Württembergischen Gebirgsbataillon an der rechten Flanke am frühen Abend sogar ausdrücklich erwähnt.

76

BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 4: Kriegsgeschichtliche Darstellung der Teilnahme des III. Batls. k. bay. Inf.-Leib.-Regts. am Durchbruch von Tolmein in der Zeit vom 21.–25. Oktober 1917. Bearb. von Ferdinand Schörner, Dezember 1920. Schörner kam in dieser Darstellung für den Gebirgskampf auch zu der ungewöhnlichen, ja sogar falschen, taktischen Einschätzung: »Im allgemeinen lieferte der Italiener den vollen Beweis, dass der Verteidiger im Gebirgskampf im Nachteil ist, auch wenn er sich auf mächtige und künstlich verstärkte Schwierigkeiten des Geländes stützen kann. Seine Übermacht kommt nicht zur Entfaltung, da er in der Verwendung seiner Truppen nach Ort und Zeit mehr als der Angreifer gehemmt ist.«

77

Theodor Sproesser, Die 12te Isonzo-Schlacht. 24.–27.10.17. Nur den Mitkämpfern und dem Reichsarchiv gewidmet, Stuttgart 1926, S. 14. Zur Schärfe dieser Debatte, an der auch Rommel beteiligt war, vgl. Pöhlmann, Kriegsgeschichte (wie Anm. 72), S. 206–208.

78

»Das B[ayerische] Inf[anterie] Leib-R[e]g[imen[t] betrachtete stets alle anderen Truppen des Alpenkorps als seine Handlanger, mit deren Hilfe es billige Lorbeeren und Aufnahme in den Bericht der O.H.L. zu finden verstand.« Sproesser, Die 12te Isonzo-Schlacht (wie Anm. 77), S. 13 f. Ganz aus der Luft gegriffen war diese Anschuldigung möglicherweise nicht. Auch die Bayerische Jäger-Brigade 1 beschwerte sich kurz nach der Schlacht: »Der Gefechtsbericht des Inf Leib Regts (Beil. 42a) gibt keine objektive Darstellung der Ereignisse, namentlich am 29. und 30.10. Einfluss der Befehle des Korps und der Brigade sowie genaue Zeitangaben fehlen durchweg.« BayHStA, Abt. IV, Bay. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 30.10.1917.

79

Sproesser, Die 12te Isonzo-Schlacht (wie Anm. 77), S. 15. In der Tat war der Anteil Rommels in der Darstellung des Reichsarchivs etwas zu kurz gekommen. Vgl. Krafft von Dellmensingen, Der Durchbruch am Isonzo (wie Anm. 8), T. 1, S. 95. Der Verfasser war von 1915 bis Anfang 1917 Kommandeur des Alpenkorps gewesen.

80

Vgl. Die Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen (wie Anm. 25), S. 278 f. Sproesser hatte das gesamte Kapitel zu Italien 1917 verfasst.

81

Vgl. Das Königlich Bayerische Infanterie-Leibregiment (wie Anm. 13), S. 317 f.

82

Vgl. BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 1. Infanterie-Leib-Regiment, Kriegstagebuch, Eintrag vom 25.10.1917. Das einzige Kriegstagebuch, das die Rolle der Württemberger verschwieg, war bezeichnenderweise jenes des III. Bataillons des Infanterie-Leib-Regiments.

83

Vgl. Mährle, Erwin Rommel (wie Anm. 9), S. 37–41.

84

So schrieb er über die Lage am frühen Abend des 24.10.: »Von einem Erfolg der 12./L. gegen 1114 ist nichts bekannt.« Und für die Nacht vom 24. auf den 25.10. berichtete er: »Von der Wegnahme der Gipfelkuppe 1114 durch die Komp. des Leutnant Schörner (12./L) erfahren wir nichts.« Vgl. Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 202, 204.

85

Ebd., S. 252. Inwieweit Rommel diese Sätze aus Rücksichtnahme wegen der geänderten politischen Verhältnisse in sein Buch aufnahm, ist unklar. Reuths Behauptung, Rommel habe die italienische Niederlage »anhand nationalsozialistischer Volkspädagogik« erklärt, geht völlig fehl. Vgl. Reuth, Rommel (wie Anm. 1), S. 142. In seinem Vorwort verzichtete Rommel interessanterweise sogar vollkommen auf irgendwelche Avancen gegenüber den NS-Machthabern.

86

Vgl. BayHStA, Abt. IV, Bay. Jäger-Brigade 1, Bd 28: Bayerische Jäger-Brigade 1, Kriegstagebuch, Eintrag vom 1.11.1917. Damit übertrafen das Württembergische Gebirgsbataillon und das Infanterie-Leib-Regiment die Erfolgszahlen der beiden anderen Regimenter der Brigade bei Weitem. Das Jäger-Regiment 2 nahm etwa 3850 Mann gefangen und erbeutete 18 Geschütze, das Bayerische Jäger-Regiment 1 nahm sogar »nur« 1000 Mann gefangen und erbeutete neun Geschütze. Rommel gelang zwei Wochen später ein ähnlicher Erfolg bei Longarone, wo er mit seiner Abteilung über 6200 Italiener gefangen nahm. Die eigenen Verluste betrugen sechs Tote und 21 Verwundete, davon zwei schwer. Vgl. HStA Stuttgart, M 660/200, Bü 3: W. G. B. Abteilung Rommel. Gefechtsbericht vom 6.–10.11.1917. O.U., 11.11.1917. Vgl. auch Rommel, Infanterie greift an (wie Anm. 9), S. 272–290.

87

Vgl. Geschichte der Ritter des Ordens »pour le mérite« im Weltkrieg, 2 Bde. Hrsg. von Hanns Möller, Berlin 1935, S. 550. Vor Rommel und Schörner hatten folgende Kompanieführer den Pour le Mérite erhalten: Cordt von Brandis, Hans-Joachim Haupt und Kurt Rackow (alle 1916). Hinzu kamen später Walther Schnieber (1917), Emil Trebing, Karl Rothenburg, Friedrich-Wilhelm Dernen, Karl Willweber und Ernst Jünger (alle 1918). Darüber hinaus erhielten zwei Zug- bzw. Truppführer den Orden: Otto von der Linde bereits 1914 sowie Hans Markmann 1918.

88

Christian Hartmann, Wehrmacht im Ostkrieg, München 2010, S. 189.

89

Vgl. John Zimmermann, Ulrich de Maizière. General der Bonner Republik, 1912 bis 2006, München 2012, S. 29 f.

90

Remy, Mythos Rommel (wie Anm. 1), S. 326.

91

HStA Stuttgart, M 1/11, Bü 773/4: Vortrag des Oberleutnant Rommel vom Kgl. Württ.Gebirgs-Blt. Kommdt. zum GK 64, gehalten am [o.D., wohl Frühjahr 1918] vor den Herren des General-Kds und der Divisionen.

92

Für treffende Analysen der Leistungen Rommels und seiner 7. Panzer-Division im Westfeldzug 1940 vgl. Claus Telp, Rommel and 1940. In: Rommel (wie Anm. 1), S. 30–59; Karl-Heinz Frieser, Blitzkrieg-Legende. Der Westfeldzug 1940, München 1995, passim. Martin Samuels, Erwin Rommel and German Military Doctrine, 1912–1940. In: War in History, 24 (2017), S. 308–335, zieht in seinem gedankenreichen Aufsatz eine direkte Linie in Rommels militärischem Verhalten von 1917 zu 1940.

93

Vgl. BArch, RH 27-7/3: 7. Panzer-Division, Abteilung Ia, Kriegstagebuch, Eintrag vom 25.4.1940.

94

HStA Stuttgart, M 430/2, Bü 1746: Inf.Regt. 124. Beurteilung des Hauptmanns Rommel vom 1.8.1919.

95

HStA Stuttgart, M 1/11, Bü 773/4: Vortrag des Oberleutnant Rommel vom Kgl. Württ.Gebirgs-Blt. Kommdt. zum GK 64, gehalten am [o.D., wohl Frühjahr 1918] vor den Herren des General-Kds und der Divisionen.

96

Hermann Frank Meyer, Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, Berlin 2008, S. 27–30, sieht in Schörner einen der Hauptverantwortlichen für die hohen Verluste, allerdings ohne eine belegbare Analyse vorzulegen. Kaltenegger, Schörner (wie Anm. 1), S. 157, behauptet hingegen, Schörner habe die hohen Verluste kritisch gesehen und diese seinem Divisionskommandeur Ludwig Kübler angelastet. Allerdings gibt Kaltenegger keine Quelle hierzu an. Vgl. auch BArch, RH 87/149: Gefechtsbericht des Geb.Jäg.Regt. 98 (Feldzug in Polen und Vorgeschichte). Demnach stammte die Wortwahl »Sturmfahrt auf Lemberg« von Kübler bei einer Befehlsausgabe. Schörners Ia-Offizier im XIX. Gebirgs-Armeekorps in Nordfinnland, der spätere erste Generaltruppeninspektor des österreichischen Bundesheeres, Erwin Fussenegger, behauptete nach dem Krieg über Schörner: »In der Zeit, in der ich mit ihm zusammenarbeitete, konnte ich feststellen, daß er Blut sparte.« Barras in den Bergen. In: Der Spiegel, 41/1956, S. 27–36, hier: S. 27.

97

Schörners Regiment hatte im Polenfeldzug 575 Mann Verluste. Vgl. Gebirgs-Jäger-Regiment 98. Kommandeur. 12.10.1939. An die Reserve-Offiziere und ROA (im Feldw.Rang) des Gebirgs-Jäger-Regiments 98. Druck im Faksimile bei: Kaltenegger, Schörner (wie Anm. 1), S. 159 f. Diese Verluste entsprachen 41 % der Gesamtverluste der Division (1402 Mann). Vgl. Meyer, Blutiges Edelweiß (wie Anm. 97), S. 30. Die 1. Gebirgs-Division hatte 1939 noch drei Gebirgs-Jäger-Regimenter.

98

Vgl. BArch, RH 28-6/1: 6. Gebirgs-Division, Abteilung Ia, Kriegstagebuch, Einträge vom 28.6. und 1.8.1940.

99

Über Schörner heißt es in einer Beurteilung: »Sehr beliebt bei dem größten Teil [Hervorhebung des Autors] der Untergebenen, mit denen er sich aufs Eingehendste beschäftigt u[nd] für die er gut sorgt, aber von denen er viel verlangt.« BayHStA, Abt. IV, OP 13359: Beurteilung des Oberleutnants Ferdinand Schörner vom 1.8.1919.

100

BayHStA, Abt. IV, ILR (WK), Bd 13, Akt 4: Kriegsgeschichtliche Darstellung der Teilnahme des III. Batls. k. bay. Inf.-Leib.-Regts. am Durchbruch von Tolmein in der Zeit vom 21.–25. Oktober 1917. Bearb. von Ferdinand Schörner, Dezember 1920. Gleichzeitig betonte er aber auch: »Gleichzeitiges Anpacken in Front und Flanke erwies sich am durchschlagendsten.«

101

So das Urteil des Regimentskommandeurs Epp. Vgl. BayHStA, Abt. IV, OP 13359: Beurteilung des Oberleutnants Ferdinand Schörner vom 1.8.1919. Sein Bataillonskommandeur merkte in dieser Beurteilung aber auch kritisch an: »Persönlichkeit mit eigenem Willen, der sich ab und zu nicht leicht dem Willen der Vorgesetzten fügt.«

102

BArch, Pers 6/300883: Beurteilung durch General Franz Böhme vom 22.8.1941.

103

BArch, RH 28-6/1: 6. Gebirgs-Division, Abteilung Ia, Kriegstagebuch, Eintrag vom 24.7.1940.

104

BArch, Pers 6/300883: Beurteilung durch Generaloberst Wilhelm List vom 20.3.1941.

105

NS-Propagandaminister Joseph Goebbels schrieb über Schörners zweifelhafte Methoden zur Aufrechterhaltung der Disziplin im Frühjahr 1945: »Jedenfalls weiß der Soldat im Kampfraum Schörners, dass er vorne sterben kann und hinten sterben muss.« Die Tagebücher des Joseph Goebbels, T. II, Bd 15. Hrsg. von Elke Fröhlich, München [u. a.] 1995, S. 479, Eintrag vom 12.3.1945.

106

Ebd., S. 678, Eintrag vom 4.4.1945. Zu fanatischen Befehlen und Anweisungen Schörners in den letzten Kriegswochen vgl. Andreas Kunz, Wehrmacht und Niederlage. Die bewaffnete Macht in der Endphase der nationalsozialistischen Herrschaft 1944 bis 1945, München 2005.

107

Zur Raumerfahrung von Soldaten im Ersten Weltkrieg vgl. Nübel, Durchhalten und Überleben an der Westfront (wie Anm. 59).

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