Lascaux oder Die Geburt der Ethik

Zusammenfassung:

Lascaux gehört zu den ältesten Kultstätten der Menschheit und ist zugleich auch die Steinzeithöhle mit den meisten und sicherlich auch schönsten Malereien. Unter den etwa 2.000 Darstellungen befinden sich Bildgeschichten von mythischen Glaubensvorstellungen, Beschreibungen von Kulthandlungen sowie Bilder von ethischen Grundsätzen, die in diesem Beitrag analysiert werden sollen. Alsdann wird versucht, vermittels einer ikonografischen Entschlüsselung der mythischen, kultischen und ethischen Darstellungen die Urreligion der Steinzeit zu rekonstruieren. Dabei wird deutlich, dass Lascaux nach einem präzisen Plan gestaltet wurde, der das Leben im Ost-West-Gang und den Tod im Nord-Süd-Gang bipolar gegenüberstellt. Im Todesgang befinden sich auch die drei einzigen Menschen-Darstellungen der Höhle: zwei Magier (Steinzeitpriester) in der Apsis und im Schacht ein Jäger, der von einer Bisonkuh getötet wird. Die Magier inszenieren eine Magie der Wiedergeburt, die Menschen und Tieren zu einer Wiederauferstehung verhelfen soll. Einige blieben von dieser Magie allerdings ausgeschlossen: jene Jäger nämlich, die sich bei der Jagd falsch verhalten haben und dafür im Schacht, dem wohl ältesten Gefängnis der Menschheit, büßen mussten. Dort saßen sie vor der berühmten Schachtszene mit dem sterbenden Jäger, einem Gemälde, das ihnen die ethischen Grundsätze der Jagd eindringlich vor Augen führte.

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The Praehistorische Zeitschrift is regarded as one of the most renowned German publications in the area of Prehistory and Ancient History. It presents detailed accounts of the most recent research conducted in Europe. The geographical emphasis is placed on Eastern, South-Eastern and Northern Central Europe. A comprehensive review section deals with recent German and international monographs from the field of prehistoric archaeology.

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