Krankheitsidentität und Stigmatisierung: Krankenkarrieren epileptischer Patienten

Klaus-Uwe Kirchgässler 1
  • 1 Abteilung Medizinische Soziologie, Justus-Liebig-Universität Giessen, Friedrichstr. 14, D-6300 Giessen

Zusammenfassung

Das Konzept der Stigmatisierung steht zentral für die soziologische Krankheitsbetrachtung. Ausgehend von der Theorie Goffmans, wird Stigma auf Identität und Karriere bezogen. Da einige Konzepte Goffmans problematisch sind, erscheint es sinnvoll, ihren Gehalt empirisch zu überprüfen. Zum Ausgleich der Defizite der quantitativen Forschung über das Stigma der Epilepsie wurde eine Gruppe epileptischer Patienten mit qualitativen Methoden untersucht. In der Analyse der Ergebnisse zeigt sich, daß die Diagnose der Epilepsie zwar stigmatisierende Prozesse auszulösen vermag, aber selten zu einem neuen „master status“ führt. Vielmehr gelingt es den meisten Patienten, durch Segmentierung ihrer Identitätsbereiche und durch gezielt dramaturgische Normalisierung, Stigma abzuwehren. Dieser Befund legt nahe, das soziale Handeln und die Ich-Identität von Patienten in der soziologischen Theorie der Stigmatisierung stärker zu berücksichtigen.

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