Ausmaß, Entwicklung und Ursachen sozialer Ungleichheit beim Promotionszugang zwischen 1989–2009

Steffen Jaksztat 1  and Markus Lörz 2
  • 1 Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover, Deutschland
  • 2 Universität Hannover, Hannover, Deutschland
Steffen Jaksztat
  • Corresponding author
  • Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover, Deutschland
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  • Steffen Jaksztat, geb. 1982 in Uelzen. Studium der Sozialwissenschaften in Hannover und Zürich. Seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.Forschungsschwerpunkte: Wissenschaftliche Karrieren, soziale Ungleichheit, empirische Sozialforschung.Wichtigste Publikationen: Bildungsherkunft und Promotionen: Wie beeinflusst das elterliche Bildungsniveau den Übergang in die Promotionsphase? Zeitschrift für Soziologie 43, 2014: 286–301; Geschlecht und wissenschaftliche Produktivität. Erklären Elternschaft und wissenschaftliches Sozialkapital Produktivitätsunterschiede während der Promotionsphase? Zeitschrift für Soziologie 46, 2017: 347–361; Explaining Scientists’ Plans for International Mobility from a Life Course Perspective (mit N. Netz). Research in Higher Education 58, 2016: 497–519.
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and Markus Lörz
  • Universität Hannover, Institut für Soziologie, Hannover, Deutschland
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  • Markus Lörz, 1976, Dr. rer. soc., Akademischer Rat an der Universität Hannover. Forschungsgebiete: Bildungs- und Arbeitsmarktforschung, Ungleichheitsforschung, Methoden der empirischen Sozialforschung und Längsschnittsdatenanalyse. Veröffentlichungen: Mechanismen sozialer Ungleichheit: Prozesse der Status- und Kulturreproduktion, KZfSS Sonderband 52, 2012; Differenzierung des Bildungssystems und soziale Ungleichheit, ZfS 42, 2013; Konsequenzen der Bologna-Reform (mit H. Quast und J. Roloff), ZfS 44, 2015; Why Do Students From Underprivileged Families less often Intend to Study Abroad? (mit N. Netz und H. Quast), Higher Education 72, 2016.
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Zusammenfassung

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie sich herkunftsspezifische Unterschiede beim Promotionszugang im Zeitverlauf entwickelt haben und welche Ursachen möglichen Veränderungen zugrunde liegen. Vor dem Hintergrund kultureller Reproduktions- und rationaler Entscheidungsprozesse werden verschiedene Erklärungsansätze skizziert und hinsichtlich ihrer empirischen Evidenz betrachtet. Als Datenbasis dienen Hochschulabsolventenstudien der Kohorten 1989 bis 2009. Die Ergebnisse zeigen, dass in allen Jahren bemerkenswerte Unterschiede nach sozialer Herkunft bestehen. Zudem finden sich Hinweise dafür, dass Ungleichheiten am Promotionsübergang im Zeitverlauf tendenziell zugenommen haben. Diese Zunahme ist offenbar vorwiegend auf ein verändertes Bildungsverhalten der weniger privilegierten Gruppen zurückzuführen. Insbesondere die Studienfachwahl, aber auch primäre Herkunftseffekte sowie eine stärkere Einbindung der privilegierten Gruppen in den Universitätsbetrieb in Form von Hilfskrafttätigkeiten scheinen zu zunehmenden Unterschieden geführt zu haben.

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