Rebecca Piekkari, Denise Welch und Lawrence Welch: Language in International Business. The Multilingual Reality of Global Business Expansion. Cheltenham, UK: Edward Elgar (2014), 272 S., 27,50 £.

Besprochen von: Edoardo Beretta, Lugano

DOI 10.1515/zfw-2016-0016

Schon ab den ersten Seiten des Buches ahnt man, wie sehr sich das Buch als Brücke zwischen den Welten der Betriebswirtschaft, Sprachwissenschaft und alltäglichen Unternehmenspraxis versteht. Das Vorwort stammt (diesem unausgesprochenen Vorsatz getreu) vom KONE-Vorstandsvorsitzenden Antti Herlin selbst, der den Weg zum globalen Unternehmen über das Verständigungsmedium Englisch beschreibt. Die in der Einleitung enthaltene Botschaft ist die gleiche: globale Betriebe bedürfen einer Sprachenstrategie. Die facettenreiche Themenbehandlung ermöglicht jedenfalls, die zehn Kapitel einzeln zu behandeln. Im ersten Teil wird neben Grunddefinitionen die Zielsetzung des Buches festgelegt, nach der Sprachen nicht zu unterschätzende Unternehmensvariablen sind. Kapitel 2 hat es hingegen auf die Erstellung von Übersetzungen abgesehen: Kostenfragen, Verarbeitungszeit oder Verlässlichkeit sind nur einige Aspekte, die aufgrund wachsender internationaler Beziehungen kritisch sein können. Soll man proaktiv oder reaktiv handeln? Solchen Fragestellungen ist auch Kapitel 3 gewidmet, das die Wirkung sprachlicher Standardisierung auf Individuen (z. B. Ablehnung, Akzeptanz usw.) erörtert. Kapitel 4 leitet hingegen die sukzessiven Buchteile ein und erforscht die Beziehung zwischen Unternehmenssitzen und weltweit verteilten Tochtergesellschaften. Auch dem Kenntnistransfer ist Aufmerksamkeit zu schenken, weil er von sprachlichen Barrieren zurückgedrängt werden kann. Wie lassen sich Netzwerke – egal ob persönlicher, sozialer oder betrieblicher Natur – über ein gemeinsames Sprachmedium schaffen? In Kapitel 6 widmet man sich hingegen der Konnexion zwischen Sprachen und Ressourcenmanagement: wie lassen sich begehrte Bewerber anziehen, da ihr sprachliches Kompetenzlevel zeit- und kostenintensives Humankapital darstellt? Wenn man im Einstellungsprozess einen allzu großen Akzent auf sprachliche Anforderungen setzen würde, könnte ein Großteil der Kandidaten sich als linguistisch schwächer einstufen und von einer Bewerbung absehen. Dabei ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Kapitel 7 und 8 befassen sich vornehmlich mit Sprachen und Durchsetzungsbemühungen von Unternehmen auf internationaler Ebene. Da Sprachkenntnisse eine nicht zu unterschätzende Hürde darstellen, bedienen sich Exporteure häufig lokaler Vermittler, um Marketingbarrieren zu überwinden. Besonders benachteiligt sind KMUs, deren realistische Expansionsmöglichkeiten begrenzt bleiben: internationale Vermarktung erfordert also – je nach Anspruch – fortgeschrittene Sprachkenntnisse. Gefragt ist also, ob Exportgeschäfte, Direktinvestitionen und gar Fusionen bzw. Akquisitionen anvisiert werden: je höher der Beziehungsgrad desto aufwendiger die zu erbringenden Sprachbemühungen. Im vorletzten Kapitel (9) werden Sprachenstrategie und -management behandelt: dabei sollte der CEO der ultimative Sprachenverfechter sein. Die Autoren sprechen sich sogar für die Benennung eines Sprachverantwortlichen aus, der Vor- und Nachteile einer gemeinsamen Sprachenstrategie (common corporate language (CCL)) abwägen sollte. Wenn letztere einerseits für bessere Kommunikation zwischen weltweiten Betriebseinheiten sorgen sollte, könnte sie andererseits weniger sprachbegabte Mitarbeiter benachteiligen oder gar die Kenntnisübertragung hindern. Es ist schlussendlich dem zehnten Kapitel überlassen, die strategische Relevanz von Sprachen zu betonen, die nicht mehr als Nebenaspekt abgetan werden können. Besonders symbolhaft ist die Darstellung der Sprachleiter (languageladder), deren Extreme von monolingual bis zu vollständig in der Fremdsprache (z. B. Englisch) interagierendem Management reichen. Das Buch stellt insgesamt einen gelungenen Versuch dar, die vernachlässigte Verknüpfung zwischen Sprachen und Wirtschaft aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten: obwohl die Abhandlung manchmal repetitiv wirkt, handelt es sich dabei um ein selbst im Alltag nachzuschlagendes Traktat, um sprachliche Angelegenheiten endlich in der globalen Wirtschaft ankommen zu lassen.

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