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Brückner & Brückner Architekten

Wurzeln und Flügel

Ed. by Brückner & Brückner Architekten

BIRKHÄUSER

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    69,95 € / $80.99 / £63.50*

    Hardcover
    Publication Date:
    July 2018
    ISBN
    978-3-0356-1741-2
    See all formats and pricing

    Overview

    Aims and Scope

    Das Buch ist keine klassische Werkschau, sondern eine Annäherung an das architektonische Denken und Handeln, vor allem aber an die Emotionen, die das Werk von Brückner & Brückner Architekten transportiert. Am Anfang steht die Heimat und damit das Wissen darum, wie wichtig die Wurzeln sind, um auf Neues zugehen zu können. Dem folgt der Weg in die Herzkammer der Architektur von Christian und Peter Brückner, die ihr architektonisches Denken und Handeln auf wenige Begriffe herunterbrechen: Mensch, Ort, Raum und Material. Nicht die konkrete Architektur, sondern diese Essenzen des Bauens werden in den Mittelpunkt gerückt. Danach werden 36 ausgewählte Projekte präsentiert. Dabei werden Geschichten erzählt, die anekdotisch verdeutlichen, wie Brückner & Brückner bauen.

    Details

    30.0 x 22.0 cm
    424 pages
    286 Fig.
    BIRKHÄUSER
    Language:
    German
    Type of Publication:
    Monograph

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    Reviews

    Dieses Buch ist Zumutung und Herausforderung. Es ist altmodisch, unzeitgemäß, unhandlich. Großformatig, gewichtig, sperrig verweigert sich sein Format dem Zeitgeist. Wer dieses Buch erlesen und erschauen will, wer erkunden will, ob und wie es dem rückseitigen Motto von Christian und Peter Brückner, Wurzeln und Flügel, gerecht wird, bringt Zeit und Muße mit und die Bereitschaft, einzutauchen und sich zu vertiefen.

    Konzeption und Layout setzen konsequent auf Reduktion und Klarheit. Das ausgewogene und korrespondierende Miteinander von Bild- und Textformaten lädt dazu ein, sich konzentriert und kontemplativ mit dem Gehalt auseinanderzusetzen. Es ist gerade die konsequente Fokussierung auf das Wesentliche, die bewusste Abkehr von Flüchtigkeit, Buntheit und Gefälligkeit, die den Leser und Betrachter fordert, ihm aber zugleich Spielraum lässt für eigenständige Gedanken, Einblicke und Wertungen.

    Die Brüder widmen ihr Buch Unserer Familie. In der Vorrede kündigen sie an, Wegbegleiter über sich sprechen lassen zu wollen. Sie selbst möchten nicht im Zentrum dieses großen Kreises stehen, sondern in die zweite Reihe treten, um Raum zu geben. Auch kritischen Stimmen? Die Hoffnung des Lesers trügt nicht. Erleichtert stellt er fest, dass nicht Selbstdarstellung und Eigenlob – wie in nicht wenigen von Architekten initiierten Werkschauen – im Vordergrund steht. Vielmehr wirken die Beiträge und Geschichten verschiedener Autoren nicht wie bestellte Lobhudeleien, sondern ungezwungen und aufrichtig.

    Der Kabarettist Norbert Neugirg verteilt launig einige Seitenhiebe (vgl. S. 26f). Der Künstler Werner Mally lobt die Brückners für Neugier, Offenheit und eine klare Konzeption (vgl. S. 49). Die Schreiner Wolfgang und Bastian Weiß „[macht] das Mutige der Brückners an" (S. 60), ihre Eigenständigkeit und Originalität (vgl. S. 60). Der Redakteur Niels Beintker hebt die Besonnenheit ihrer Baukunst hervor, die Bereitschaft der Brüder, „immer auch nach der Seele eines Gebäudes und eines Ortes" [zu suchen] (S. 70). Der Steinmetz Karl Fröhlich nennt die Brückners kompetente und kritikfähige Partner mit Anstand (vgl. S. 79). Der Historiker und Soziologe Wolfgang Jean Stock bringt seine Sicht auf die beiden prägnant auf den Punkt: „Ihr Sprechen deckt sich mit ihrem Tun" (S.219). Professor Christian Baumgart nennt es gar „ein Privileg mit den Architekten Peter und Christian Brückner zusammenarbeiten zu dürfen" (S. 231).

    Diese Aussagen und Standortbestimmungen gewähren einen mannigfaltigen Einblick in die Welt der Brückners, nicht allein in die des Bauens. Die Brüder öffnen sich, lassen sich in die Karten

    schauen und werden nahbar. Denn Weggefährten sind Zeugen, Türöffner, aufgerufen, die Menschen hinter den Baumeistern sichtbar zu machen. Auf diesem Weg lernt man zugleich sie kennen und ihr Schaffen. Der Leser und Betrachter hält einen Schlüssel zu ihrem Werk in der Hand, der es näher rückt, zugänglicher macht, tiefere Einsichten ermöglicht. Man schaut nun anders auf die unbewegten, häufig monochromen Bilder der Elemente, der Stoffe und Materialien. Wie ein Kind wird man zum unvoreingenommenen, neugierig forschenden Betrachter. Es macht Freude, Strukturen, Texturen, Muster zu entdecken, Oberflächen zu erschließen, sich im Raum zu orientieren.

    So vermittelt die Betrachtung der sechsunddreißig näher vorgestellten Projekte (vgl. S. 289ff) ein fast sinnliches Erlebnis. Die überlegte Auswahl und Anordnung der Bilder macht beinahe plastisch erfahrbar, wie sich die Bauwerke einfügen in den sie umgebenden Ort. Dennoch vermögen Abbildungen grundsätzlich nur einen letztlich unzureichenden Eindruck von Raum und Materialität zu erzeugen und können das haptische Erleben nicht ersetzen.

    Gerade in Beiträgen, in denen es darum geht, dass Fragen nach der Materialität und der fruchtbaren Beziehung zwischen dem zu bebauenden Raum und dem dort zu bauenden Gebäude, dass die Verwendung regionaler und natürlicher Materialien den Brückners ein zentrales Anliegen ist, scheint die Persönlichkeit der Brüder immer wieder auf.

    In zahlreichen Beiträgen fällt, kommt die Rede auf die Brückners, das Wort Baumeister. Weil auch die Brüder selbst sich als Baumeister bezeichnen, bürden sie sich den Anspruch auf, über den versierten und kreativen Umgang mit dem Material, über die raumdeutende Verortung ihrer Bauwerke hinaus, ihrem Bauen eine weitere Kategorie zu erschließen, die der Spiritualität.

    Einen Bogen von der Materialität zur Spiritualität schlägt Pfarrer Roland Huth von St. Augustin in Coburg. Im Interview beantwortet er die Frage, wie ein Kirchenraum am Anfang des 21. Jahrhunderts auftreten muss: „Kirche muss wertebeständig daherkommen – und experimentell. Ohne beides geht es nicht, ohne beides wird es Beliebigkeit. Werte und Wertebestand haben etwas mit Verlässlichkeit, Geborgenheit, Heimat zu tun. Und das suchen Menschen" (S. 182). Winfried Helm postuliert in der Vorrede zum Kapitel Heimat, dass, „wer Heimat hat […] über Quellen tiefer Inspiration und Kraft [verfügt]" (S. 9). Dass sich die gestalterische Energie der Brüder stark aus ihrer Verwurzelung speist, spiegelt sich in ihren Bauwerken auf beeindruckende Weise. Ebenso entscheidend ist ihre Leidenschaft, Natur- und Menschenräume ganzheitlich zu erfahren, ihr Wesen im Wortsinn zu begreifen (vgl. S. 143). Und dieses Wesen erschließt sich durch die Beantwortung der maßgeblichen Frage „Was will hier sein?" Aus diesem ganzheitlichen

    Verständnis wächst Inspiration, verknüpft mit dem unbedingten Wollen, diese Räume bauend zu gestalten und dabei „nach besseren Lösungen" (S. 153) zu suchen. Aus diesem Streben heraus wollen Christian und Peter Brückner „Menschen […] berühren" (S. 157). Sie stehen also ein für eine zutiefst humane Architektur. Es klingt ungewohnt bescheiden, wenn sie „die Natur [als] Inspiration [ihrer Arbeit], Natur und Tradition [als ihre] Lehrmeister" (S. 19) bezeichnen.

    Man nimmt es Christian und Peter Brückner nach der Begegnung mit ihnen in ihrem Buch ab, dass die Bescheidenheit und Dankbarkeit darüber, ihre Heimat bauend gestalten zu dürfen, echt ist, dass sie die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung entgegnen und, dass sie, ungeachtet ihres großen Erfolges, den Respekt vor der Größe ihrer Aufgabe nicht verloren haben.

    Der Kreis schließt sich, wenn man den Buchdeckel zuklappt und der Blick zum Titel links oben gelenkt wird: Wurzeln und Flügel. Bodenständigkeit und Freiheit. Das passt. Die geistigen Väter des Buches sind nicht aus der Zeit gefallen. Präsent, kantig, authentisch sind sie zuhause im Hier und Jetzt. Zwei Oberpfälzer in der Welt, die uns mit Wurzeln und Flügeln herzlich einladen, teilzuhaben an ihrem Lebenskreis.

    Sollte die Betrachtung der Projekte und die Lektüre Lust gemacht haben, den Bauwerken der Brückners näher zu kommen, dann sollte man sich auf den Weg machen, vielleicht zum Kulturspeicher oder zum Haus Johannisthal. Vor Ort kann man dann Stein, Holz und Glas spüren, kann begreifen und erleben, kann abgeschiedene Stille auf sich wirken lassen oder urbane Betriebsamkeit.

    Tom Neidlein, 18.11.2018

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