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Rose, Andreas

Zwischen Empire und Kontinent

Britische Außenpolitik vor dem Ersten Weltkrieg

Ed. by German Historical Institute London

Series:Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London/ Publications of the German Historical Institute London 70

Open Access

Open Access
eBook (PDF)
Publication Date:
September 2011
Copyright year:
2011
ISBN
978-3-486-70696-3
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  • Rezension zu Andreas Rose, Zwischen Empire und Kontinent Der Eindruck, den das 650seitige Werk von Andreas Rose beim Leser hinterlässt, ist zwiespältig. Einerseits wird eine Unmenge an Fakten, Meinungen, zeitgenössischen Ver-lautbarungen etc. mitgeteilt und anhand dieses Materials die bisherige einseitige Geschichts-darstellung korrigiert, andererseits ist dem Autor am Ende vor lauter Bäumen der Wald aus dem Blickfeld geraten. Allein die Liste der benutzten Literatur füllt 32, das Personen-verzeichnis weitere 16 Seiten. Man hätte dem Autor raten sollen: Weniger ist mehr! Denn die in diesem Buche angehäufte Fülle an Informationen führt m. E. zu drei bedauer-lichen Mängeln. 1. Die Detailverliebtheit des Autors erschwert es sehr, die durchaus brisanten und treffenden Hauptaussagen zu entdecken. Man muß mit dem Textmarker in der Hand das Buch wohl zweimal lesen, um Roses Kernthesen herauszupräparieren. 2. Diese Unschärfe bei der Strukturierung des Stoffes, verursacht von der Überfülle des verarbeiteten Materials, führt daher zu Lücken und Ungleichgewichten. So wird z. B. der deutsch-russische Vertrag von Björkö von 1905 mit keinem Wort erwähnt, obwohl er bei seinem (von Frankreich verhinderten) Inkrafttreten die machtpolitische Stellung Englands grundlegend verändert und vermutlich den Ersten Weltkrieg verhindert hätte. 3. Der Autor beschließt sein Werk mit dem Jahr 1909, lässt also die wichtigen Jahre bis 1914 außer Betracht. Hätte Rose seine 650 Seiten auf etwa 200 Seiten eingedampft, dann hätte er noch genügend Raum und Zeit gehabt, um diese Jahre seinem Werk hinzuzufügen. Die Bilanz, die Rose am Schluß seiner akribischen Untersuchung vorlegt, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: England führte Krieg gegen Deutschland, weil es aus Angst vor Russland keine andere Wahl hatte. Diese überraschende Erkenntnis hätte nun aber doch eine nähere Erklärung verdient. Denn: Weshalb war die angeblich für die britische Politik so grundlegende Politik des Gleich-gewichts aufgegeben worden? Wenn England „Angst vor dem unangreifbaren Zarenreich“ (S.590) hatte, wieso war es dann ein Akt der Staatsklugheit, das eingekreiste Deutschland im Verein mit Russland ganz zu entmachten und somit die russische Dominanz auf dem Kontinent noch zu verstärken? Mit solchen Fragen lässt uns der Autor alleine. Denn die häufig erwähnte ‚Germanophobie’ im britischen Außenamt oder der Hauptstadtpresse gibt hier nur vordergründig Antwort und erklärt im Grunde nichts. Die Frage bleibt: Woher rührte diese Germanophobie? Und weshalb bestimmte sie die britische Politik? Der Autor äußert sich dazu nicht. Man kann vermuten, die Akteure der englischen Außenpolitik seien allesamt psychisch schwer gestört gewesen und hätten in ihren Wahn-vorstellungen, die der Autor ja des öfteren skizziert, die Katastrophe des Ersten Weltkriegs ausgelöst. Ein rationales Kalkül vermag der Autor in der britischen Politik vor 1914 nicht zu erkennen, aber konnten Geisteskranke die Politik einer Weltmacht bestimmen? Mit dieser Frage legt man das Werk von Andreas Rose einigermaßen ratlos aus der Hand.

    posted by: Manfred Schopp on 2013-12-21 05:18 PM (Europe/Berlin)