Skip to content
BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Manuel Erotikos bzw. Komnenos

Μανουήλ

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
24885
Namensvariante
Erotikos (Bei- oder Familienname); Komnenos (Familienname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
976
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Strategos autokrator tes eoas (anachronistisch); Anthypatos; Patrikios; Bestes; Megas Domestikos Scholai Anatole (anachronistisch); Gesandter; Großgrundbesitzer
Name normalisiert
Manuel
Ort
Nikaia (Bithynien); Kastamon (Stadt in Paphlagonien); Paphlagonien (L); Komne (nicht lokalisiert)
Quelle
Skylitzes; Zonaras; Anna Komnene; Nikephoros Bryennios

N: Familiennamen: Erotikos — Ἐρωτικός (Skylitzes; Zonaras) bzw. Komnenos — Κομνηνός (Anna Komnene; Nikephoros Bryennios; Siegel).

T: Anthypatos, Patrikios und Bestes; vielleicht, wenngleich unwahrscheinlich Megas Domestikos der Scholen der Anatole (so Barzos, Genealogia 38, aufgrund der Bezeichnung bei Anna Komnene); bei Anna Komnene wird er anachronistisch bezeichnet als Strategos Autokrator des Ostens — στρατηγὸς αὐτοκράτωρ τῆς ἐῴας.

V: Ca. * 955–960 – † ca. 1020 (Barzos, Genealogia 38f.). Möglicherweise war er ein Bruder des Nikephoros Komnenos (# 25676). Vater des späteren Kaisers Isaakios I. Komnenos (ca. 1007–1059, Basileus 1057–1059) und des Ioannes Komnenos (ca. 1015–1067), der der Vater des späteren Kaisers Alexios I. Komnenos (1081–1118) war.

Im Jahre 978 verteidigte M. Nikaia gegen den Usurpator Bardas Skleros (# 20785). Laut Anna Komnene war M. zum “Strategos autokrator des Ostens” ernannt worden, um mit der Rebellion des Bardas Skleros fertig zu werden, sei es militärisch oder diplomatisch. Da Skleros jedoch zu keinerlei Einlenken und Friedfertigkeit zu bewegen gewesen sei, sei es dazu gekommen, daß Skleros die Stadt Nikaia mit Belagerungsmaschinen zu belagern begann. Nach Untergrabung sackte ein Turm der Stadtmauer zusammen. Tatsächlich war M. wohl nicht mehr als ein von dem Parakoimomenos Basileios Lakapenos (# 20925) ernannter lokaler Befehlshaber. Er hatte die Aufgabe, Nikaia gegen Bardas Skleros zu halten. Zwar konnte Bardas die Stadt nicht mit Gewalt erobern, aber es gelang ihm, die Besatzung durch Aushungerung zur Aufgabe zu zwingen. M. blieb nur übrig, mit Hilfe einer Kriegslist erträgliche Übergabebedingungen auszuhandeln. Er täuschte einen großen Vorrat an Weizen und die Bereitschaft vor, auf die Seite des Bardas Skleros zu treten, woraufhin jener ihm und den Bürgern der Stadt freien Abzug anbot, so daß M. mit seinen Leuten heil nach Konstantinopel zurückkehren konnte (1).

Zu einem unbestimmten Zeitpunkt vor dem 11. Oktober 989 wurde M. als Unterhändler des Basileios II. zu dem wiederum aufständischen Bardas Skleros entsandt, um diesen zur Aufgabe zu bewegen. Tatsächlich unterwarf sich Bardas Skleros und akzeptierte (in einem am 11. Oktober 989 abgeschlossenen Vertrag) die Vorschläge des Kaisers (2).

M. besaß Ländereien bei Kastamon (in Paphlagonien), die Isaakios von ihm erbte (3). Als er starb, waren seine beiden Söhne noch klein (“ganz jung” — κομιδῇ νέοι). M. vertraute sie dem Schutz des Kaisers Basileios II. an (4).

Anmerkungen: — (1) Skylitzes, Basileios 7, p. 323,5-28; Zonaras XVII 5, p. 543,8 – 544,9; Anna Komnene XI 1,6, l. 64-76, p. 324 (Reinsch); vol. III, p. 8,25 – 10,11 (Leib). — (2) Nikephoros Bryennios I 1 (p. 17 M), p. 75,2-5 (Gautier); cf. hierzu auch Dölger–Müller, Regesten Nr. 777a. 777b. — (3) Nikephoros Bryennios II 26 (p. 93 M), p. 197,10f. (Gautier) (ohne Namensnennung: τοῦ πάππου [sc. des Alexios Komnenos]). — (4) Nikephoros Bryennios I 1 (p. 17 M), p. 75,11 (Gautier); I 13: παρατίθεται τούτους τῷ βασιλει.

Q: — (Hist.): Skylitzes; Zonaras; Anna Komnene; Nikephoros Bryennios. — (Sg.): SSig 643,20; Inv. Zacos BnF 249 (ed. Cheynet, op. cit. 54; er erwähnt noch ein weiteres Exemplar: Fogg 560): Μανουὴλ ἀνθύπατος πατρίκιος καὶ βέστης ὁ Κομνηνός.

L: ODB II 1110 s. v. “Kastamon”; 1143 s. v. “Komnenos”; Savvides VI 304f. — Barzos, Genealogia 38f. (Nr. 2); Katsaros, in: Byzantiaka 3 (1983) 111–122, bes. 114f.; Cheynet, L’iconographie des sceaux des Comnènes 53–67. 195f. (Abb.), hier 53–56. 61. 195 (Abb.). — Zu Kastamon cf. auch Belke, Paphlagonien 228f.

P: Barzos nimmt an, daß M. der Sohn eines Isaakios Komnenos (Barzos, Genealogia 37f. [Nr. 1]) gewesen sei, da er seinen älteren Sohn Isaakios genannt habe. Der Vater des M. wird jedoch in den Quellen nicht erwähnt. Ebenso findet sich keine Bestätigung dafür, daß M. und Nikephoros Komnenos Brüder gewesen seien. — Barzos (ibidem) referiert DuCange’s und Schlumbergers Auffassung, daß es sich bei Erotikos um keinen Beinamen, sondern um einen Familiennamen handelte, den M. von der Familie seiner Mutter angenommen habe. Die Mutter des M. könnte dann eventuell eine Tochter des Theophilos Erotikos (# 28154) gewesen sein. Demgegenüber erklärt Cheynet, Skylitzès 270 Anm. 39, daß M. das erste Mitglied der Komnenenfamilie gewesen sei, also sozusagen ihr Gründer und Namensgeber. Skylitzes habe mit Absicht den Familiennamen Erotikos verwendet, um die Komnenen auf diese Weise mit der älteren Familie der Erotikoi zu verbinden.

Angehörige (anonym):

1. Ehefrau 248785A

V: Sie war bereits einige Zeit verstorben (πάλαι θανούσης), als ihr Mann (ca. 1020) starb. Es wäre daher möglich, daß sie schon bei der Geburt ihres jüngsten Kindes (Ioannes Komnenos, geb. ca. 1015) starb. Barzos (p. 39) nimmt an, daß sie Maria geheißen hat, da zwei ihrer Enkelinnen Maria hießen.

Q: — (Hist.): Nikephoros Bryennios I 1 (p. 17 M), p. 76,11f. (Gautier).

L: Barzos, Genealogia 39.

QuelleSource

Scroll Up Arrow