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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter

Theophilos Erotikos

Θεόφιλος

Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Beate Zielke and Thomas Pratsch
EintragstypEntry Type
Person
EintragsspracheEntry Language
DeutschGerman
Personenkennziffer
28154
Namensvariante
Erotikos (Bei- oder Familienname)
Klerus / Laie
Laie
Geschlecht
Mann
Zeit
10. Jh.
Erste Erwähnung
947
ethnos
Byzanz
Religion
orthodox
Titel / Beruf
Bas. Protospatharios; Eparchos tes poleos; Patrikios; Quaestor; Anthypatos; Koiaistor s. unter Quaestor; Rechtsgelehrter; Jurist; Redaktor kaiserlicher Novellen; Hyparchos
Name normalisiert
Theophilos
Ort
Kpl.: Kaiserpalast; Kaiserpalast (Kpl.); Kpl.: Hippodrom; Hippodrom (Kpl.)
Quelle
ZN; Theoph. cont. 6; Ius (Zepos); Laurent, Corpus II; Svoronos, Novelles; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163); Konst. Porph., De cerim.; Braunlin–Nesbitt, in: Byz 68

N: Beiname: Erotikos —  Ἐρωτικός (Theoph. cont. 446,13f.).

T: Eparchos von Konstantinopel — ἔπαρχος τῆς πόλεως. Im Zeremonienbuch auch als Hyparchos — ὕπαρχος bezeichnet; später Quaestor (Koiaistor). Basilikos Protospatharios und Anthypatos Patrikios.

V: T. war ein angeheirateter Verwandter (γαμβρός) des Patrikios Nikephoros (# 25583), der von Kaiser Konstantinos VII. Porphyrogennetos zum Lehrer für Geometrie an der “Universität” in Konstantinopel ernannt wurde (1).

Bereits vor dem Beginn der Alleinherrschaft Konstantinos’ VII. zu Anfang des Jahres 945 bekleidete T. das Amt des Eparchos von Konstantinopel. Als es kurze Zeit später, also etwa 945/46, zu einem großen Erdbeben kam, bei dem viele Häuser in Konstantinopel zerstört wurden, befahl der Kaiser dem Eparchos T., die Betroffenen zu entschädigen. Dieser beauftragte damit seinen Protokankellarios (# 31207) sowie einen gewissen Zonaras (# 28514), der jedoch die Gelder veruntreute und in diesem Zusammenhang in der Chronik des Theoph. cont. heftig angegriffen wird (2).

Offenbar nur wenig später wurde T. zum Quaestor ernannt und – wohl wieder etwas später – zum Patrikios erhoben (3). Die Versetzung T.s in die Quaestur und seine Erhebung zum Patrikios müssen noch vor dem März 947 erfolgt sein, da die Novelle (gegen die Dynatoi) über die Rückgabe unrechtmäßig erworbenen Landbesitzes in den Provinzen, die in den März 947 datiert wird, bereits von T. verfaßt worden war. In diesem Dokument führt T. schon die Titel eines Patrikios und Quaestors (4). Allerdings scheinen die Ernennungen nicht, wie es bei Theoph. cont. zu lesen ist, gleichzeitig erfolgt zu sein, sondern nacheinander, wenngleich wohl in einem relativ kurzen Zeitraum. Zuerst muß die Ernennung zum Quaestor gestanden haben, und T. muß als Quaestor anfangs weiterhin nur den Rangtitel eines basilikos Protospatharios geführt haben, denn es gibt Siegel mit dieser Titelkombination. Er muß dann jedoch bereits vor März 947 auch zum Patrikios erhoben worden sein.

Zu einem nicht genau bestimmbaren Zeitpunkt nach Januar 945 redigierte T. die erste Novelle des Konstantinos VII. zu den Gerichtsgebühren (ἐκταγιατικά)(5).

Möglicherweise war T. der Amtsnachfolger des Magistros Kosmas (# 24110) (6). T.s Amtsnachfolger wiederum wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt nach März 947 Theodoros Dekapolites (# 27708). Im Jahre 961 war T. in jedem Falle verstorben, denn er wird in einer Entscheidung des Theodoros Dekapolites, die wohl auf die Folgezeit der Pestwelle und Mißernte vom Oktober 960 zu datieren ist und die die von T. verfaßte Novelle des Konstantinos VII. vom März 947 erwähnt, “selig” (μακαρίτης) genannt. T. muß also zwischen 947 und 961 gestorben sein.

Sollte T. tatsächlich der Amtsnachfolger des Magistros Kosmas gewesen sein, dürfte es sich bei ihm auch um den im Zeremonienbuch ohne Namen genannten Hyparchos handeln, der bei einem Empfang für arabische Gesandte (# 30370) am 31. Mai, wahrscheinlich des Jahres 946, für die Ausschmückung verschiedener Bereiche des Palastes und der Stadt sowie des Hippodroms zuständig war (7).

Anmerkungen: — (1) Theoph. cont. VI 14, p. 446,9-14; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 5,6. — (2) Theoph. cont. VI 8, p. 441,15 – 442,6. Das Erdbeben wird von Downey, in: Speculum 30 (1955) 599, dem Grumel, Chronologie 479, folgt, auf 948 datiert. Beide verweisen aber nur auf Theoph. cont.; aus der Reihenfolge der in der Chronik berichteten Ereignisse dürfte eine Datierung in die Jahre 945/46 wahrscheinlicher sein als 948. — (3) Theoph. cont. VI 10, p. 444,6-13: gleichzeitige Erhebung T.s zum Quaestor und Patrikios. — (4) Die Novelle ist ediert bei Svoronos, Novelles Nr. 4, p. 98–103; Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. VI, p. 214–217; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 656; Schminck, in: FM 11 (2005) 277 Anm. 48. — (5) Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. VII, p. 218–221; cf. Dölger–Müller, Regesten Nr. 674 (dort irrtümlich dem Theodoros Dekapolites [# 27708] zugewiesen); Burgmann, Organisation 911f.; Schminck, in: FM 11 (2005) 277f. mit Anm. 49. — (6) Cf. Svoronos, Novelles 243 Anm. 531. — (7) Konst. Porph., De cerim. II 15, p. 572,5 – 573,8. 15-17 (Reiske); der Magistros Kosmas wird gleichfalls im Zeremonienbuch bei einem Empfang vom 30. August desselben Jahres genannt.

Q: — (Hist.): Theoph. cont. VI 10, p. 444,6-13; 14, p. 446,9-11; Symeon log. (Cod. Vat. gr. 163) 5,6. — (FS.): Konst. Porph., De cerim. — (Sonst.): Rubrik zur Novelle des Konstantinos VII. vom März 947 (5. Indiktion; 6455 a. m.) gegen die Dynatoi (Svoronos, Novelles Nr. 4) in den Handschriften der Gruppe B (cf. Svoronos, Novelles 6f.), dem Cod. Vat. Palat. gr. 249 und dem Cod. Vat. Ottobon. gr. 243, in: Svoronos, Novelles 97 (5.): Περὶ τῶν ὑπεισερχομένων δυνατῶν εἰς ἀνακοινώσεις πενήτων, ἣν ὑπηγόρευσε Θεόφιλος πατρίκιος καὶ κοιαίστωρ, μηνὶ μαρτίῳ ἰνδ. ε´, ἔτους ͵ϛυνε´= Ius (Zepos) I, Nov. VI, p. 215; erste Novelle des Konstatinos VII. zu den Gerichtsgebühren (περὶ ἐκταγιατικῶν), in: Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. VII, p. 218: Νεαρὰ νομοθεσία ..., ἣν ὑπηγόρευσε Θεόφιλος πατρίκιος καὶ κοιαίστωρ ...; rückblickende Erwähnung T.s in der Entscheidung des Theodoros Dekapolites über die Rückzahlungen (von ca. 961), ed. Svoronos, Novelles Nr. 6, p. 136, l. 14f.: ἔδικτον ..., ὅπερ ὑπηγόρευσεν ὁ μακαρίτης πατρίκιος Θεόφιλος ὁ κοιαίστωρ = Ius (Zepos) I, Coll. III, Nov. XV, p. 240. — (Sg.): ZN 328 (vor 945): Θεοφίλῳ βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ καὶ ἐπάρχῳ. 332 (Mitte des 10. Jh.s): Θεοφίλῳ βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ καὶ κοιαίστωρι. Braunlin–Nesbitt, in: Byz 68 (1998) 179f. (Nr. 23): Θεοφίλῳ βασιλικῷ πρωτοσπαθαρίῳ καὶ ἐπάρχῳ ἀμήν. Zwei ZN 332 ähnliche Siegel sind publiziert von Laurent, Corpus II 1107. 1108. ZN 1088 (Mitte des 10. Jh.s): Θεοφίλῳ ἀνθυπάτῳ, πατρικίῳ καὶ κοιαίστωρι.

L: Savvides VI 303f. — Markopoulos, in: Symmeikta 3 (1979) 104; McGeer, Land Legislation 61 mit Anm. 1; Schminck, in: FM 11 (2005) 277–280. — Zu den rechtlichen Verfügungen s. Dölger–Müller, Regesten Nr. 656. 674 (674 von Dölger–Müller jedoch irrtümlich dem Theodoros Dekapolites zugeschrieben); Lemerle, Agrarian History 97 Anm. 1; Kaplan, Hommes 426–430; Svoronos, Novelles 97. 105–109. 139. 133. 243 Anm. 531; Laiou, Law and Society 167f.; Kaplan, Hommes 426–430; McGeer, Land Legislation 62.

P: ZN scheinen davon auszugehen, daß es sich bei der Versetzung in die Quästur um eine Rückstufung gehandelt hat. Vermutlich ist aber eher von einer Versetzung von einem juristischen Bereich in den anderen auszugehen, denn beide Funktionen erscheinen gleichrangig bei unterschiedlichen Zuständigkeiten, cf. Oikonomidès, Listes 319–323. Theoph. cont. 444,6-8 bezeichnet T. in diesem Zusammenhang nicht nur als ἄνδρα λόγιον καὶ πρὸς τοὺς πολιτικοὺς νόμους ἱκανόν, was ihn für das Amt des Quaestors, der ja unter anderem für die Gesetzgebung zuständig war, besonders qualifizierte, sondern er spricht ausdrücklich davon, daß er ihn durch die Ernennung zum Patrikios geehrt habe, was eine Degradierung unwahrscheinlich erscheinen läßt: Θεόφιλον, ἄνδρα λόγιον ... πατρίκιον προέκρινεν καὶ ἐτίμησεν καὶ κοιαίστωρα προεβάλετο (ähnlich Svoronos, Novelles 243 Anm. 531). Ein vergleichbarer Fall einer Versetzung vom Eparchenamt in die Quaestur bei baldiger oder gleichzeitiger Erhebung zum Patrikios ist aus dem frühen 11. Jh. bekannt, s. unter Petros (# 26542). — Weiterhin scheint bemerkenswert, daß das Siegel ZN 1088 kein Kreuz auf Stufen sondern ein Invokationsmonogramm zeigt. Auch die Invokation hat sich geändert, es wird anstelle des Herrn die Theotokos angerufen. Zweifel an der Zuschreibung des Siegels sind daher möglich, doch ist eine Identität der Siegler wahrscheinlicher. — Eventuell ist die Novelle über die Stratiotengüter (Svoronos, Novelles, Nr. 5, p. 104–126; Ius [Zepos] I, Coll. III, Nov. VIII, p. 222–226; cf. Dölger, Regesten Nr. 673), die von den Rubriken T.s Amtsnachfolger Theodoros Dekapolites (# 27708) zugewiesen wird, aber auch im Jahre 947 abgefaßt zu sein scheint, ursprünglich nur ein Teil der Novelle gegen die Dynatoi vom März 947 gewesen; in diesem Fall wäre auch diese Novelle – entgegen der Aussage der Rubriken – dem T. zuzuschreiben, s. Svoronos, Novelles 107f. — Schminck (in: FM 11 [2005] 279 mit Anm. 61) identifizierte T. mit einem gleichnamigen Quaestor (# 28150), der ein Adressat des Arethas von Kaisareia (# 20554) war, wodurch er zu einem terminus post quem von “Anfang des Jahres 945” für den Brief des Arethas gelangt und es folglich für erwiesen hält, daß Arethas nicht bald nach 932 starb, sondern noch bis in das Jahr 945 lebte. — Eventuell ist in T. der Großvater (mütterlicherseits) des Manuel Komnenos (# 248785) zu sehen (s. dort).

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